Beschreibung

Der Gründungstag von Barrington Cove steht an. An der High School der vier Freunde wird ein Fest ausgerichtet, bei dem auch der Bürgermeister, alle Eltern und Priscilla van Straten zugegen sind. Sogar Chris Archer und Lucian wurden eingeladen, um die Feierlichkeiten zu fotografieren. Doch plötzlich meldet sich ein verwirrter Mann zu Wort. Die ausgestellte Gründungsurkunde sei angeblich gefälscht. Kurz drauf kommt es zu dramatischen Geschehnissen, die jeden der Anwesenden in Gefahr bringen. Im Jahr 1984 betritt der Mörder das Schulhaus und macht sich auf den Weg zu Marietta King. Ein Ereignis, das zahlreiche Leben für immer beeinflussen wird. Dies ist der sechste Roman aus der Serie "Ein MORDs-Team."

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Seitenzahl: 132

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Sammlungen



Table of Contents

Ein MORDs-Team

»Das gefälschte Pergament«

Was bisher geschah

Barrington Cove, 1984

Barrington Cove, Gegenwart

Das Tarnowski-Haus, Im Geheimen Raum

In der Villa van Straten

~ Der Gründungstag ~

In der Highschool

Kurz zuvor

In der Aula

Epilog – 120 Sekunden

Vorschau

Seriennews

Das Erbe der Macht (Urban Fantasy)

Die Chroniken der Seelenwächter (Urban Fantasy)

Impressum

Ein MORDs-Team

Band 6

 

»Das gefälschte Pergament«

 

von Andreas Suchanek

 

Was bisher geschah

 

1984: Die fünf Jugendlichen Harrison, Marietta, Jamie, Shannon und Billy brechen in ihre Highschool ein, um die Prüfungsfragen eines landesweiten Tests zu stehlen, der am nächsten Tag stattfinden soll. Der Einbruch wird zur Katastrophe. Harrison, der in der Aula Wache hält, beobachtet einen Unbekannten, der mit einem Super-8-Film das Gebäude verlässt. Gleichzeitig werden Shannon und Jamie, die sich von der Gruppe trennen, in einem Putzraum eingeschlossen. Während Jamie dort einen klaustrophobischen Anfall bekommt, kann Shannon durch das Lüftungsrohr fliehen und die Tür wieder öffnen.

Als Billy das Vorzimmer des Direktorats verlässt, weil er etwas zu hören glaubt, bleibt Marietta alleine zurück. Da schlägt ein Unbekannter zu und tötet die Schülerin.

Gegenwart: Mason, Olivia, Randy und Danielle finden im Verlauf eines gefährlichen Abenteuers unter dem Haus des verstorbenen Schriftstellers Billy Tarnowski einen geheimen Raum. In ihm sammelte er Unterlagen zum Fall der 1984 ermordeten Schülerin Marietta King, in den auch der Vater von Mason (Jamie) und die Mutter von Danielle (Shannon) verwickelt waren. Gemeinsam wollen die Freunde den Mordfall aufklären.

Die ersten Spuren offenbaren, dass Marietta vor ihrem Tod ein Kind zur Welt brachte und zur Adoption freigab. Obgleich dessen Identität unbekannt bleibt, erfahren die Vier, dass das Kind in Barrington Cove großgezogen wurde.

Bevor sie weiter ermitteln können, werden Shannon und Danielle von Oswald Kaminski, einem Feind des Grafen – der die Unterwelt der Stadt kontrolliert –, entführt. Es stellt sich heraus, dass Shannon die Identität des unbekannten Gangsterbosses kennt und seit Jahren geheim hält. Sie heiratete den despotischen Richard Holt nur, weil die Familie zu einer von vier Dynastien gehört, die aus irgendeinem Grund für den Grafen tabu sind. Damit ist sie die einzige bekannte Person, die die Identität von Barrington Coves Moriarty kennt.

Gleichzeitig scheint auch Elisabeth Jenkins, Danielles Grandma, von den Dynastien zu wissen. Sie spielt die alte gebrechliche Lady nur vor. Shannon und Danielle werden im letzten Augenblick von der QUINTUS, Kaminskis Unterschlupf auf hoher See, gerettet. Der Gangster flieht, lauert im Verborgenen aber auf seine nächste Chance.

Nach der überstandenen Entführung machen die vier Freunde sich auf in den Nachbarort – Sunforest Cove –, wo sie auf das alte Waisenhaus stoßen, in dem Marietta ihr Kind zur Welt brachte. Die baldige Neueröffnung wird jedoch von einem Stapel Dokumente überschattet, die auf einen Kinderhandel in der Vergangenheit hindeuten. Dadurch erscheint auch ein Unfall aus der damaligen Zeit in anderem Licht. Die Freunde erleben ein knallhartes Abenteuer, an dessen Ende sie endlich den Namen des Kindes von Marietta erfahren: Alice. Handelt es sich dabei um die Tochter des Bürgermeisters?

Die Suche nach dem Mörder von Marietta King geht weiter …

Barrington Cove, 1984

 

Es war ein schöner Abend. Der Mond lugte zwischen den Wolken hervor und warf seinen fahlen Schein auf die Schule hinab. Mit einem beherzten Sprung glitt er über die kleine Mauer, die das Areal nach außen hin abtrennte.

Er lachte leise.

Zweifellos war Jamie Collister noch immer der Meinung, dass er die Idee für den Einbruch selbst gehabt hatte. Es war so einfach gewesen, das Quintett zu manipulieren. Angefangen bei Marietta. Von ihr zum halbstarken Anführer des Trupps war es ein Katzensprung.

Er öffnete die Tür zur Aula. Vorsichtig. Leise. Irgendwo zwischen den Säulen kauerte Harrison Lebovitz. Wenn alles nach Plan gelaufen war, schlief er längst tief und fest. Er würde niemals erfahren, was er vor wenigen Stunden tatsächlich getrunken hatte. Das Barbiturat aus China baute ganz langsam einen Spiegel im Blut auf, bis die Wirkung endlich einsetzte.

Da lag er. Wie einfach er jetzt dafür hätte sorgen können, dass der Junge nie wieder aufwachte. Aber nein, das wäre nicht hilfreich. Er benötigte vier Sündenböcke und eine Leiche. Heute war er nur wegen Marietta hier. Sie war zu weit gegangen.

Er trug Turnschuhe; blau, mit brauner Sohle. Der neueste Schrei. Seine Schritte machten keinen Laut. Die Treppe führte über einen kleinen Umweg nach oben. Marietta hatte den Schlüssel zum Direktorat nachmachen lassen. Er hatte dafür gesorgt, dass es ein paar Einkerbungen zu viel gab. Dadurch mussten sie sich erneut aufteilen.

Endlich knackte es in seinem Ohr.

Er war nahe genug. Die Wanze im Vorzimmer des Direktors begann mit der Übertragung. Die Stimmen der vier Kids erklangen in seinem Ohr. Er musste kichern, als Jamie Collister und Shannon Jenkins sich aufmachten, den Schlüssel nachzubilden. Das lief geradezu perfekt. Er rannte lautlos in das nächste Stockwerk. Als sie näherkamen, räusperte er sich lautstark und rammte seine Sohlen auf den orangefarbenen Filz des Bodens. Erschrocken flüchteten sie in eine der Putzkammern.

Er nahm seinen funkelnagelneuen Nachschlüssel und sperrte sie kurzerhand ein.

Ich komme, Marietta.

Wie der Tod selbst glitt er durch die Dunkelheit, nicht mehr als ein Schatten. Vor dem Vorzimmer des Direktorats machte er noch einmal sorgfältig bemessenen Lärm. Es rumorte hinter der Tür. Schnell sprang er in den Schatten einer der hässlichen Betonsäulen, die überall emporragten.

Billy Tarnowski schob seinen Kopf aus der Tür. Leise kam er heraus, blickte sich suchend um. »Hallo? Ist da wer? Das ist nicht lustig, Jamie!«

Er glitt von hinten an den Jungen heran. Der schien etwas zu bemerken, drehte sich um. Ein Schlag mit der Taschenlampe schickte ihn ins Land der Träume. Blut rann aus der Platzwunde auf seiner Stirn, aber das war egal.

Damit stand niemand mehr zwischen ihm und Marietta.

Er öffnete die Tür, trat ein.

Sie blickte auf. Ihre verweinten Augen weiteten sich. Er erkannte es in ihrem Blick: Sie begriff. Seltsamerweise machte sie keinen Versuch zu flüchten. Kein Schrei entwich ihrem Mund, als er die behandschuhten Finger an ihre Kehle setzte. In ihren Augen sah er Schmerz und Enttäuschung.

Es war ein lautloser Schrei.

Nur Augenblicke darauf lag sie im Halbdunkel des Raums tot am Boden. Es war vorbei. Von heute an würde sich alles ändern. Denn er hatte einen Plan.

Dreißig Jahre später hallte das Echo eines lautlosen Schreis wider, und vier Teenager machten sich daran, ein altes Rätsel zu lösen. Sie konnten nicht ahnen, dass es sie einen grausamen Preis kosten würde.

 

*

 

Barrington Cove, Gegenwart

Ein Mittwochmorgen

 

»Was ist das?« Misstrauisch beäugte Randy die Essensbox.

»Kidneybohnen mit Apfelmus und Pfannkuchen«, sagte der Freund. Erneut pikste er drei der winzigen roten Dinger auf seine Gabel, tunkte sie in das Mus und schob den Mischmasch in den Mund.

»Echt jetzt? Bist du schwanger?«

»Hey, ich muss auf meine Muskeln achten.«

Randy zuckte mit den Achseln. Eines musste man Mason lassen: Ein Sport-Ass war er noch immer. Er joggte jeden Tag, bretterte mit dem Skateboard durch die Stadt und ging sogar ins Sportstudio. Vermutlich konnte er daher essen, was immer er wollte.

Randy war eher schlaksig. Eine Zeit lang hatte er versucht, Muskeln aufzubauen, was aber einfach nicht gelingen wollte. Glücklicherweise konnte er auch alles Mögliche in sich hineinstopfen, ohne zuzunehmen – wobei er im Gegensatz zu Mason Dinge aß, die zusammenpassten.

»Der Kelso sucht dich überall«, sagte Randy. »Du sollst dabei helfen, die Sporthalle herzurichten.«

Der Freund rollte die Augen. Er legte die Gabel in die Box, zog sich die Kapuze seines blauen Hoodies über den Kopf und tat so, als verstecke er sich. »Der Mann kann sich einfach nicht entspannen.«

»Na ja, morgen ist Gründungstag. Bis dahin ist echt noch viel zu tun.«

Überall im Schulhaus waren Schülergruppen unterwegs, die Projektpräsentationen vorbereiteten, irgendwelche Modelle von einem in den anderen Raum brachten oder eifrig über Zetteln diskutierten. Es zeugte von Masons Einfallsreichtum, dass er den vermutlich einzigen leeren Klassenraum gefunden hatte.

An der Tafel hatte jemand mit verschiedenfarbiger Kreide Uhrzeiten gekritzelt. An den Wänden hingen weiße Blätter, auf denen mit schwarzer Tinte je ein Wort stand: Wut. Liebe. Hass. Mitgefühl. Und so weiter.

Sozialkunde, erkannte Randy sofort. Das hatten sie vergangenes Jahr auch durchgenommen.

Durch die alten Fenster, von deren weißen Holzrahmen der Putz bröckelte, fiel Sonnenschein herein. Draußen war es eiskalt, der Winter war noch einmal zurückgekehrt, aber die Sonnenstrahlen machten es erträglich.

Die Kapuze wackelte, als Mason aufblickte. »Was musst du denn machen?«

»Ich habe die Präsentation programmiert«, sagte er.

»Na super, das ist ja easy.«

»Danke. Vermutlich würdest du dabei die Schule in die Luft jagen.«

Randy kicherte, was ihm einen Knuff von Mason einbrachte. Augenblicke später versuchte der Freund, ihn in den Schwitzkasten zu nehmen. Dabei stolperte er allerdings über seine eigenen Füße und fiel der Länge nach zu Boden.

»Vielleicht sollte Mister Kelso doch jemand anderen nehmen«, kommentierte Randy. »Sonst stürzt die Sporthalle ein.«

»Haha. Du bist so komisch. Lauf lieber weg, sonst schaue ich gleich, wie robust dein Wuschelkopf ist.« Er grinste und drohte spielerisch mit der Faust. Kurz darauf wurde er wieder ernst. »Sag mal, hast du endlich mit Vince gesprochen?«

Randys Gesicht begann zu brennen. Gleichzeitig fühlte es sich an, als habe jemand einen Wackerstein in seinen Magen gelegt. »Also … nein, noch nicht.« Er zupfte an seinem grauen Pulli, unter dem er ein kariertes Hemd trug.

Mason kam wieder in die Höhe, streifte die Kapuze zurück und neigte den Kopf misstrauisch zur Seite. »Seit wann schiebst du denn etwas vor dir her?«

Randy überlegte, wie er seinem Freund dieses Problem begreiflich machen konnte. Die letzten Wochen hatte er seine gesamte freie Zeit – zumindest die, die er nicht mit Mason, Olivia und Danielle verbrachte – mit Vince zusammengehockt. Sie hatten programmiert, Videospiele gezockt und über TV-Serien philosophiert.

Irgendwann hatte der neue Freund sich dann – eigentlich eher nebenbei – als schwul geoutet. Irgendwie hatte das alles verändert. Zuvor hatte Randy sich nie Gedanken darüber gemacht, dass er womöglich … Aber er mochte Vince. Seitdem dieser auf ihn sauer war, machte einfach nichts mehr Spaß.

Mason bekam von seinem inneren Chaos natürlich nichts mit. »Ey, jetzt mal ehrlich, ich kann ihn verstehen. Wir haben ihn nach Sunforest Cove gelockt und er wäre beinahe in einem Zementtümpel umgebracht worden.«

Randy nickte. Genau, das war auch ein Problem. Mittlerweile hatte Olivia, die seit Langem mit Vince befreundet war, ihn eingeweiht. Aber damit bestand die Möglichkeit, dass der geheimnisvolle Graf auch auf Vince aufmerksam wurde. Plötzlich war einfach alles kompliziert. »Ich spreche mit ihm. Bei der Gründungsfeier ergibt sich bestimmt eine Gelegenheit.«

»Er ist auch da?«, fragte Mason.

»Pfff. Wer ist das nicht? Er war Bester in seiner Jahrgangsstufe und geht jetzt aufs College. Quasi ein vorzeigbarer Erfolg. Schaut nur alle her, wir haben zwar kein Budget, bringen aber trotzdem kleine Genies hervor.«

»Olivia ist schon ganz hibbelig«, sagte Mason. »Chris kommt heute Abend. Er und sein Boss machen die Bilder von der Ansprache des Bürgermeisters.«

Bei dem Wort »Bürgermeister« blitzte es in Masons Augen auf. Seitdem sie wussten, dass die Tochter von Marietta King – Alice – vermutlich die Adoptivtochter des Stadtoberhauptes war, brannten sie darauf, mit ihr zu sprechen.

»Dazu habe ich übrigens recherchie…« Randy blieben die Worte im Hals stecken, als die Klassenzimmertür geöffnet würde.

Eine hochgewachsene dürre Frau trat ein. Ihr dunkelblondes Haar war zu einem Dutt geknotet, auf der spitz zulaufenden Nase saß eine Brille.

»Hä?« Eine Kidneybohne fiel aus Masons Mund. Selbigen geöffnet, die Gabel in der erhobenen Hand, starrte er auf die ältere, elegant gekleidete Frau, die nun die Tür hinter sich schloss.

»Es wundert mich nicht wirklich, dass Sie hier speisen, während Ihre Schulkameraden arbeiten, Mister Collister.« Sie stemmte die Hände in die Hüften.

»P… Pause«, stotterte Mason. »Was … Sie … aber?«

»Ja, die Artikulation«, sagte sie. »Es ist mir schon aufgefallen, dass Sie damit Probleme haben.«

»Miss Stone«, sagte Randy. »Was tun Sie denn hier?«

Die ehemalige Leiterin des Waisenhauses in Sunforest Cove war in ihr letztes Abenteuer hineingeraten. Beinahe hätte auch sie es mit dem Leben bezahlt. Doch am Ende war alles gut ausgegangen.

»Das ist recht einfach zu beantworten, Mister Steinbeck«, sagte sie. »Durch die Aufklärung des Mordfalls Hastings und die Attacke von Peter Grey hat sich das Konsortium aus dem Waisenhausprojekt zurückgezogen. Die Tore bleiben also endgültig geschlossen.«

»Das tut mir leid.«

Sie nickte. »Da ich mich allerdings zu jung fühle …« Mason hustete, worauf sie ihn böse anfunkelte. »… zu jung fühle, um zu Hause zu versauern, habe ich beschlossen, wieder zu unterrichten.« Bei ihren letzten Worten lächelte sie geradezu diabolisch.

Mason hingegen wirkte, als würde er gleich vom Stuhl kippen. »Hier?«

»Hier«, bestätigte sie. »Und zwar ab sofort. Beenden Sie Ihre Mahlzeit und … Was um Himmels willen essen Sie da?«

»Kidneybohnen. Mit Apfelmus und Pfannkuchen.«

»Ach du liebe Güte. Ähm. Wie auch immer. Beenden Sie Ihre Mahlzeit und dann ab in die Sporthalle. Hier sind die Nachschlüssel von Mister Kelso, die soll ich Ihnen geben, Sie wüssten bereits, was zu tun ist.« Sie knallte ihm einen Bund auf den Tisch. »Soweit ich gehört habe, Mister Steinbeck, sind Sie mit Ihrer Arbeit durch. Löblich. Sehr löblich. Das Dekorationsteam könnte trotzdem noch Hilfe brauchen.« Sie klatschte in die Hände. »Zack, zack. Wir wollen doch, dass der diesjährige Gründungstag ein Fest wird, das niemand von uns jemals wieder vergisst.«

 

*

 

Das Tarnowski-Haus, Im Geheimen Raum

Ein Mittwochnachmittag

 

»Ich fasse es nicht«, sagte Mason. Aufgeregt drehte er eine weitere Runde, vorbei an Olivia, die auf der Kante des Schreibtischs saß und mit ihrer Kamera spielte; an Randy, dessen Finger über die Tastatur sausten und dabei Klackgeräusche machten; Danielle, die sich in den Sessel kuschelte, wobei sie argwöhnisch ihr Smartphone beäugte. »Das wird schrecklich.«

»Eigentlich ist sie doch ganz nett«, sagte Olivia. »Meint ihr, Chris gefallen die neuen Bilder, die ich …«

»Nett«, echote Mason. Wieder raufte er sich die Haare.

»Lakritzstange?« Randy hielt ihm das Glas vor die Nase.

»Igitt.«

»Pfff. Dann halt nicht, Mister Kidneybohne-mit-Apfelmus.« Er nahm eine der schwarzen Stangen heraus und begann daran zu knabbern.

»Sie will sich bestimmt an mir rächen, weil ich diese komische Vase kaputtgemacht habe«, grummelte Mason weiter.

»Jetzt hör mit dem Rumgerenne auf«, sagte Danielle im Befehlston. »Du machst mich ganz hippelig. Wir haben gerade andere Sorgen.«

Olivia legte die Kamera beiseite. Mason sank kleinlaut auf einen Stuhl und Randy blickte von der Tastatur auf.

»Mein Dad hat unsere Sicherheitswachen aufgestockt und vergräbt sich in seinem Arbeitszimmer«, sagte sie. »George behält mich noch schärfer im Blick als bisher.«

Mason deutete auf den Monitor über der Tür, auf der die Außenansicht der alten Standuhr zu sehen war; der Eingang zum geheimen Raum. »Immerhin wartet er vor dem Eingangsportal des Hauses. Er hätte dir auch nachkommen können. Aber lange wird ihm nicht verborgen bleiben, dass wir uns hier treffen. Die Nummer mit dem Artikel, für den Olivia angeblich Bilder macht, geht nicht mehr ewig gut. Meinst du, er sagt deinem Dad etwas davon?«

Sie schüttelte den Kopf. »Er scheint ihm gegenüber den einfachen Chauffeur zu geben. Trotzdem, da stimmt was nicht. Und Gnade uns Gott, wenn er es meiner Mum erzählt. Die schnallt doch sofort, was abgeht. Immerhin hat sie mit ihren Freunden hier unten damals viel Zeit verbracht.«

Ähnliches ging vermutlich auch Mason durch den Kopf. Randy wusste, dass die Eltern seines Freundes Lunte gerochen hatten. Zum einen durfte er die gesamte Woche über nicht mehr skateboarden, nachdem er von ihrem letzten Abenteuer blut- und zementverschmiert zu Hause angekommen war. Zum anderen musste er immer genau sagen, wohin er ging.

Natürlich war Mason das ziemlich egal. Er hatte schlicht eines der Skateboards von den Wandhaken genommen, die er als Regal benutzte, und war hierher gebrettert. Manchmal beneidete er ihn um seine Leichtigkeit.

»Na schön«, lenkte Randy die Aufmerksamkeit der anderen auf den eigentlichen Grund ihres Treffens. »Wenn wir im Fall Marietta King weiterkommen wollen, dann ist unsere nächste Anlaufstelle simpel – oder nicht?«

Alle starrten ihn mit fragendem Blick an.

»Na, Alice.«