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Kalifornische Alpenrinde in der Krebstherapie, chinesischer Beifuß bei Malaria: Die Heilpflanzenmedizin ist längst Teil eines ganzheitlichen Verständnisses von Gesundheit. Aber wie intelligent sind die Wirkstoffe aus der Natur? Was steckt drin in Johanniskraut, Ackerschachtelhalm und Weidenrinde? Wie stellt man sicher, dass die Wirkung immer gleich ist? Worin ist die Heilpflanzen- der Schulmedizin überlegen? Armin Nassehi und Peter Felixberger treffen Michael Popp, der mit seiner Firma Bionorica unter anderem das Medikament Sinupret entwickelte, für Kursbuch 199 zum Interview.
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Veröffentlichungsjahr: 2019
Inhalt
Michael Popp»Ein Pflanzenextrakt ist gigantisch komplex«Im Gespräch mit Peter Felixberger und Armin Nassehi
Die Autoren
Impressum
Michael Popp»Ein Pflanzenextrakt ist gigantisch komplex«Im Gespräch mit Peter Felixberger und Armin Nassehi
»Wir können sehr viel aus der Historie lernen, aber wir müssen versuchen, etwas Modernes und Gleicheffizientes daraus zu machen.«
Kursbuch: Heilpflanzenmedizin von früher heißt jetzt Phytoneering. Sie haben diesen Begriff über Ihre Firma Bionorica in die Welt gebracht. Was steckt dahinter? Wissenschaft oder PR-Gag?
Popp: Ich bin bereits um die Jahrtausendwende neue Wege gegangen, die diesen Begriff vom Wesen her integriert hatten. Wir haben eigene Heilpflanzen angebaut, neue Klone gesucht und weiterentwickelt. Wenn Sie bedenken, dass immer noch 90 Prozent aller Heilpflanzen wild gesammelt werden, waren wir echte Pioniere. Anfänglich mussten wir feststellen, dass es überhaupt kein Saatgut gab, weshalb wir in der Natur zunächst die besten Pflanzen gesucht und geklont, aber nicht genetisch verändert haben. Überdies haben wir Stecklingsvermehrung betrieben, wie wir es als Kinder früher gemacht haben: Ast abschneiden und in ein Wassergefäß stecken, abwarten, bis er austreibt. Zu dieser Zeit verfügten wir über erste Patente und neue Fertigungstechnologien. In Neumarkt haben wir moderne großtechnische Anlagen gebaut, mit eigenem Extraktionsverfahren, außerdem haben wir viel in Pharmakologie und Klinik investiert. Mir war damals völlig klar, dass irgendwann meine Arzneimittel nicht mehr von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet werden. Deshalb haben wir für Ärzte und Apotheker einen seriösen Begriff gebraucht, der diese Kombination aus wissenschaftlicher Forschung und Herstellung abdecken würde. Mit Martin Stanscheit hatte ich dann einen Kommunikationsexperten, der diesen genialen Begriff auf den Weg gebracht hat. Das Ziel: Bionorica sollte grundlegend anders sein als alle anderen Firmen in diesem Marktsegment. Wir wollten uns wegpositionieren von anderen Phyto- und Homöopathieherstellern, mit denen wir sonst in einen Topf geworfen würden. Substanz, Wirksamkeit und Evidenz sind das Grundgerüst unseres Tuns. In jeder Hinsicht.
Kursbuch: Der Makel der Heilpflanzenmedizin ist offenbar das unwissenschaftliche, fast schon irrational-mythische Auftreten. Jeder braut in seinem Hinterstübchen eine Zaubermixtur.
Popp: 1998 gab es beispielsweise einen unglaublichen Hype um Johanniskraut. Weltweit wurden in diesem Jahr mehr Präparate und Nahrungsergänzungsmittel mit Johanniskraut verkauft, als es geerntet wurde. In vielen war überhaupt kein Johanniskraut drin. Unter dem Deckmantel »pflanzlich« wird bis heute unglaublich viel Scharlatanerie getrieben. Wir fokussieren uns deshalb auf wenige Präparate, weil bereits ein ordentliches Qualitätsverfahren, das wir bei den Zulassungsbehörden einreichen, einen unglaublichen Aufwand bedeutet und viel Geld kostet. Das ist meines Erachtens auch der Schlüssel, warum wir so erfolgreich sind.
Kursbuch: Heilpflanzen gibt es schon sehr lange, längst vor Bionorica und Ihrem Schaffen. Darüber gibt es ein jahrhunderte- bis jahrtausendealtes Wissen. In unterschiedlichen Kulturen, in unterschiedlichen Gesundheitstraditionen. Besteht die Intelligenz der Heilpflanzenforschung in dieser erfahrungswissenschaftlichen Traditionsausbeute mit modernen wissenschaftlichen Analysemethoden oder erforschen Sie etwas grundsätzlich Neues?
