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Ich beschreibe in meinem Buch ehrlich und ungeschönt jede Phase und jede Situation, die ich während meiner Erkrankung durchlaufen habe. Von der Diagnosemitteilung über die Operation ,Chemo-, Brachy-, Strahlen-und Immuntherapie bis hin zur Reha und den Wiedereinstieg in den Beruf. Als ich die Diagnose bekam, gingen mir unzählige Fragen durch den Kopf. Plötzlich wurde ich mit der Endlichkeit des Lebens konfrontiert. Wie lang werde ich wohl noch leben? Werde ich es schaffen wieder gesund zu werden? Ich fühlte mich, wie in einem Alptraum versetzt. Doch in mir erwachte wieder etwas, was mir schon oft durch das Leben geholfen hatte: Mein Kampfgeist. Am Anfang fühlte es sich noch an, wie bei einer Achterbahnfahrt. Momente der Verzweiflung wechselten sich ab mit Phasen voller Hoffnung. Ich erzähle von Verzweiflung, Ängsten und Schmerzen, die ebenso zu so einer Erkrankung gehören. Aber auch von schönen Erlebnissen, wie den Beginn einer sehr guten Freundschaft, die noch heute anhält und nur durch die gemeinsamen Erlebnisse und Erfahrungen unserer Erkrankungen zustande kam. Ich thematisiere den Haarausfall - samt Perückenkauf, den Umgang mit der Sexualität, meine Erfahrungen mit den Ärzten, den Krankenkassenmitarbeitern, sowie den Auswirkungen, welche die Krankheit auf die gesamte Familiensituation hatte. Ich beschreibe Schritt für Schritt, wie ich durch diese "besondere Zeit" ging, immer nach vorne blickte und positiv dachte, mir selbst oft Mut zusprach und viel Kraft im Glauben fand. Durch meine eigene "Art " zu glauben. Mein Leben hatte eine andere Richtung eingeschlagen und ich musste mich wohl oder übel damit abfinden. Ich kam zum Nachdenken, merkte, dass ich in Ausnahmesituationen über mich hinauswachsen kann, fühlte, was eigentlich in mir steckt und erkannte die Fehler, die ich in meinem Leben gemacht hatte. Rückblickend wundert es einen dann oftmals nicht, dass dies noch Folgen haben musste .
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Seitenzahl: 177
Veröffentlichungsjahr: 2014
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Tanja Christine Sugar
Eine (Geschichte) von Vielen.
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Inhaltsverzeichnis
Titel
Impressum und Hinweis
Wie alles begann
Die erste Untersuchung
Die Mammographie !?
Gutartig ? Bösartig ? Ein komisches Gefühl
Die Stanzbiopsie
Die Diagnose
Zwischen Hoffnung und Verzweiflung
Angst
Hoffnung - jetzt pack ich’s!
Die Operation
Ich will heim
Das Befundgespräch, schade die Brust muss doch ab
Frau Jung
Ach ja, Elke
Der Onkologe, der Port und noch so allerlei
Der Port wird gelegt
Der erste Perückenkontakt
Die erste Chemo
Ich hatte die Situation unterschätzt
Alles doch nicht so einfach wie ich dachte
Chemozipperleinchen
Die Perücke und andere Ersatzteile
Der Haarausfall
Die zweite und die dritte Chemo
Elkes Problem mit ihrer Onkologin
Mein Geburtstag
Toll, Bergfest! Schon die vierte Chemo
Rita und Alison zu Besuch
Geschafft, die letzte Chemo
Endlich Urlaub
Die Brustamputation
Die Brust bleibt dran
Die Strahlenklinik
Die Brachytherapie
Die Bestrahlungstherapie
Wer nicht hören kann, muss fühlen
Der Antrag zur Anschlussheilbehandlung
Die Fingernägel
Die Herceptin Therapie und das Aufklärungsgespräch
Advent und Weihnachten, die Herceptin Therapie beginnt
Die Kur rückt näher
Bild Vorher
Bild Nachher
Ich will nicht weg
Die Kur beginnt (Es nutzt ja nichts, ich muss da bleiben)
Begeisterung sieht anders aus
Kuren macht doch Spaß
Und jetzt erst recht die Perücke bleibt drauf
Sehnsucht nach zu Hause
Zeit zum Nachdenken
Mein Glaube
Der letzte gemeinsame Kur Abend
Endlich, Emi ist da
Wieder daheim
Wieder mal Zeit für den Antikörper
Die neue Frisur
Positive und negative Gedanken
Die eigene Selbsthilfegruppe
Das Krankengeld läuft aus. Was nun?
Der Rentenantrag
Die Begutachtung
Mein Mann, das Heimwerkertalent
Immer wieder mal Ärger
Eintreffen des Rentenbescheids
Zeit, um richtig gesund zu werden
Das letzte Mal Herceptin. Ich war fertig mit den Therapien.
Was ? Schon wieder Weihnachten ?
Lust auf Neues
Mein 39. Geburtstag
Die Ruhe vor dem Sturm ?
Die Idee, ein Buch zu schreiben
Danke
Schlussgedanke
Impressum neobooks
Eine ( Geschichte ) von Vielen
von
Tanja Christine Sugar
Die Geschichte meiner Brustkrebserkrankung
Wer lachen kann, dort wo er hätte heulen können, bekommt wieder Lust zum Leben’
Werner Finck
1.Auflage April 2012
Abbildungen im Innenteil: private Fotos
Druck und Bindearbeiten:
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Die in diesem Buch vorkommenden Personennamen sind frei erfunden. Namensgleichheit oder sonstige Ähnlichkeit mit Lebenden ist zufällig.
Tja, nun sitze ich hier auf meinem Balkon mit einer Tasse grünem Tee und beginne nun endlich, was ich schon lange tun wollte – meine „Geschichte“ aufzuschreiben. Die Geschichte meiner Brustkrebserkrankung. Ich weiß nur noch nicht, wo ich anfangen soll. Aber ich glaube, ich beginne mit dem Tag, an dem ich mein Wunschkind verlor.
Mein Leben verlief nicht immer einfach und ich musste so manche Klippe umschiffen, bis ich endlich mein Glück gefunden hatte. Robin, mein elfjähriger Sohn, war aus dem Gröbsten raus und kam auch in der Schule ganz gut zurecht, mein Mann hatte endlich, nach seiner Umschulung, einen unbefristeten Arbeitsvertrag bekommen. Ich fühlte mich richtig glücklich und zufrieden. Da, wie wir dachten, nun alles perfekt für ein weiteres Kind wäre, probierten wir es einfach und – was soll ich sagen – es lief zu perfekt. Ich wurde sofort schwanger, ohne, dass ich groß darüber nachdachte und ehe ich es richtig begreifen konnte, war es auch schon wieder vorbei.
Am 11. August 2008 fuhr ich mit meiner Schwägerin Susi ins Krankenhaus zur Ausschabung und mein Mann fuhr meinen 17 jährigen Stiefsohn Christian nach Nürnberg zum Flughafen. Christian wusste nichts von der ganzen Aktion, ich erzählte ihm, ich müsste auf der Arbeit einspringen und nun doch arbeiten. Ich arbeitete als Altenpflegehelferin im Altenheim. Warum sollten wir ihn auch beunruhigen vor seinem Flug nach Amerika? Er flog also für ein Jahr nach Amerika und ich dachte noch, was wird in diesem Jahr wohl alles geschehen, bis wir uns wieder sehen. Ich hatte zu Christian schon immer ein gutes Verhältnis und ich muss gestehen, ich habe ihn auch sehr vermisst.
Naja, mein Mann holte mich dann um 15 Uhr aus der Tagesklinik wieder ab und verwöhnte mich ein wenig. Ich erholte mich schnell und dachte, nach drei Monaten können wir ja wieder einen Versuch starten und dann geht bestimmt alles gut.
So nahm ich drei Monate die Pille und setzte sie dann im November wieder ab, schließlich wollte ich ja wieder schwanger werden. Während dieser Zeit merkte ich , dass sich die Drüsen in meiner linken Brust nicht so zurückgebildet haben, wie die in der rechten, dachte mir aber nichts dabei, weil ich alles auf die vorherige Schwangerschaft geschoben habe und folglich meinte, dass sich das schon wieder gibt .Im November und Dezember hatte ich einen unregelmäßigen Zyklus wie in der Pubertät und wunderte mich, denn vorher verlief mein Zyklus regelmäßig . Wie es halt so ist, schob ich wieder alles auf die Hormone, den Abgang und den beruflichen Stress, den ich zu dieser Zeit hatte. Ständig wurde ich angerufen oder gebeten einzuspringen, weil eine Kollegin krank war.
Als ich den Weihnachtsdienst hinter mir hatte, freute ich mich auf mein „frei“. Wir waren wohl über die Weihnachtsfeiertage bei meinem Bruder und meiner Freundin eingeladen und ich musste daheim nichts machen und konnte mich ausruhen, aber ich fühlte mich dauernd müde und kaputt, was gar nicht zu mir passte. So kam es, dass ich am 27. Dezember 2008 auf meinem Sofa lag und mir das Phantom der Oper (im Fernsehen) anschaute, als es mir in meiner linken Brust einen Stich gab. Ganz automatisch griff ich hin und stellte entsetzt fest, dass fast die ganze Brust verhärtet war. Voller Panik schoss ich hoch und tastete alles ab. Panisch lief ich zu meinem Mann, der am Computer saß und fragte ihn, ob er mal meine Brust abtasten könnte, um seine Meinung dazu zu äußern.
Wie immer beruhigte er mich und sagte,das seien bestimmt Hormonschwankungen und bilde sich in den nächsten Tagen sicher wieder zurück. Doch nichts geschah und wenn ich in den Spiegel sah, erkannte man sogar, dass da was in der Brust sein musste.
Silvester ging vorbei und ich hatte, was das neue Jahr anging, schon so ein ungutes Gefühl.
Mein Mann schimpfte dann sogar in der Silvesternacht mit mir, ich solle nicht schon in den ersten Stunden das neue Jahr schlecht reden. Doch ich konnte nicht anders, da waren meine Brust und eben dieses „ungute Gefühl“, ich konnte es ja selbst nicht konkret beschreiben.
Nach Neujahr rief ich bei meiner Frauenärztin an und bekam für den 13. Januar 2009 einen Termin. Bis zu diesem Tag schauten mein Mann und ich im Internet nach und fanden so allerhand. Manches beruhigte mich und manches machte mir Angst, wie es halt so ist, in so einer Situation. Die Verhärtung hatte sich ja auch etwas zurückgebildet und das ließ auch mich auf eine Hormonstörung oder einen gutartigen Tumor hoffen.
Die Nächte gingen langsam vorbei – ich hatte Nachtdienst vor dem Untersuchungstermin – und meine Gedanken kreisten dauernd um meine Brust. Ich hatte die letzte Nacht geschafft und legte mich schließlich mit einem mulmigen Gefühl ins Bett. (Ich musste ja bald wieder aufstehen, hatte meinen Arzttermin.). Der Wecker klingelte, ich ließ das Badewasser ein und machte mich aufgeregt zurecht. Die Fahrt nach Kronach ging schnell, vor lauter Gedankenkreisen, konnte ich mich gar nicht an die Ankunft erinnern.
Die Wartezeit war unerträglich.
Frau Dr. Leiß tastete die Brüste ab und machte eine Ultraschalluntersuchung. Schon seit Jahren ging ich zu ihr und ich hatte immer vollstes Vertrauen, konnte mich auf sie verlassen. Sie wirkte ruhig und sprach so, als ob es nichts Besonderes wäre, was sie da sah.
Sie sagte: „Das Obere, sehen Sie, ist verhärtetes Brustdrüsengewebe. Aber da drunter ist was, da kann ich nicht erkennen, was das ist. Sie müssen zur Mammographie und das abklären lassen. Danach sehen wir weiter, was zu tun ist.“ Mit der Überweisung in der Hand ging ich und fuhr nach Hause.
Mein Mann meinte: „Du wirst sehen, das ist nichts Schlimmes und die ganze Aufregung war umsonst.“ Wie gesagt, er ist immer derjenige, der mich beruhigen kann.
Der Termin zur Mammographie war gleich gemacht und so fuhr ich mit meiner Schwägerin – weil mir übel war vor Angst – ins Krankenhaus. Den Tag weiß ich nicht mehr genau, aber es war irgendwann Ende Januar.
Die Arzthelferin rief mich auf. Im Behandlungszimmer zog ich mich aus und wartete auf den großen „Akt“. Da fragte sie mich, ob ich schwanger wäre und ich antwortete ihr mit den Worten „ich denke nicht“. Sie darauf: „Wie, Sie denken nicht?!“ „Naja, 100 prozentig kann ich es nicht sagen, da ich keine Verhütungsmittel nehme und ja nun die 2. Zyklushälfte sei, aber zu 98 % bin ich es nicht.“ Da ging die Diskussion erst richtig los. Ich entgegnete ihr, dass mir durch den ganzen Stress mit der Brust eh alles vergangen sei und wenn es doch durch einen dummen Zufall soweit gekommen wäre und ich hätte Krebs, müsste ich es ja sowieso abtreiben. Sie meinte dann, sie würde den Arzt erst einmal fragen müssen, sie verstünde mich zwar, aber sie kann die Mammographie nicht so einfach durchführen.
Als sie wiederkam, sagte sie ich solle einen Zettel unterschreiben, dass ich das alles auf meine Kappe nehme und die Verantwortung trage, falls ich doch schwanger wäre und ich dann später, sollte das Kind eine Behinderung haben, nicht ihnen die Schuld geben könne. Also gut, ich unterschrieb diesen Wisch und sagte: „Können wir nun endlich loslegen?“.
Während dieser ganzen Diskussion stand ich oben ohne da. (Entblößt und sehr, sehr ängstlich)Es sollte nun endlich losgehen, als das Telefon klingelte. Und wer war da wohl dran? – Richtig! Der Radiologe.
Plötzlich war er der Meinung, mein unterschriebener Zettel wäre nicht ausreichend. Der Chef sei nicht da und er würde die Verantwortung nicht übernehmen. Ich solle mir einen Schwangerschaftstest holen, diesen durchführen und je nach Ergebnis wieder kommen. Lustig, nicht wahr?!
So wurde ich nach einer halben Stunde oben ohne dumm dastehend und diskutierend heim geschickt. Gut, sie wollen auf Nummer sicher gehen. Aber für mich war es in dem Moment alles andere als beruhigend. Einen Schwangerschaftstest machen, 10 Tage, bevor die Regel kommen sollte – wie sollte das funktionieren?! Also bin ich unverrichteter Dinge wieder nach Hause gefahren worden und wartete nun auf meine Regel. Diese kam dann auch sechs Tage später und mit ihr die Hoffnung, dass sich der große Knoten vielleicht auch in Luft auflösen könnte.
Aber dem war nicht so. Er blieb unverändert an derselben Stelle, nur die Verhärtung um diesen herum war weg. Ich war genervt und gestresst von der Arbeit und von meiner Brust mit dem Knoten darin.
Der nächste Mammo-Termin. Diesmal am 05.02.2009. Die Arzthelferin wusste schon über mich und meinen Fall Bescheid. Deshalb ging es auch recht schnell. Da war er nun – der 05.02.2009 und wieder ging es mit meiner Schwägerin ins Krankenhaus. Dieses Mal verlief alles reibungslos ab und ich empfand auch entgegen mancher Behauptungen aus dem Internet keinen Schmerz bei der Mammographie. Das bisschen Druck kann man schon aushalten, ist ja auch schnell vorbei. Man steht halt immer ein wenig verkrampft da, aber das ist alles halb so wild. Man muss wirklich keine Angst haben. Nach der Untersuchung wartete ich mit der Arzthelferin auf den Arzt. Ich muss sagen,sie war wirklich sehr nett und hat ihre Arbeit super gemacht. Gerade bei so einem sensiblen Thema braucht man Menschen mit viel Geduld und Einfühlungsvermögen. Da kam er, der Radiologe, begutachtete die Bilder und tastete mich ab. Er meinte, es wäre ein circa 3 cm großes Fibroadenom (Fettgeschwulst) und zu 98 % wäre es gutartig. Er würde mir auch 100 % geben, aber dann würde ich keine Nachsorgemammographie mehr umsonst bekommen. In einem halben Jahr solle ich zur Überprüfung wieder eine Mammographie machen lassen, aber ich wäre ja noch so eine junge Frau, da sei seiner Meinung nach nichts Bösartiges.
Überglücklich eilte ich nach draußen zu meiner Schwägerin und freudig kauften wir gleich Kuchen, um daheim - nach der Anspannung - ein bisschen zu feiern, da es ja „gut“ ausging. Emi, mein Mann, war auch sehr glücklich und froh über dieses Ergebnis.
Dieses Glück währte aber nicht lange, denn ich hatte so ein ungutes Gefühl im Bauch. Ständig dachte ich daran, was sich da wohl in meiner Brust befindet. Außerdem war es so, als ob eine innere Stimme zu mir sagte „Ruf deine Frauenärztin an, da ist was nicht in Ordnung. Warte nicht so lange, der Knoten in deiner Brust ist nichts Gutes.“
Also rief ich nach circa einer Woche bei Dr. Leiß an und erfuhr von der Arzthelferin, dass sie schon Post für mich weggeschickt hätten. Ich sollte erneut in die Praxis kommen. Die Chefin wollte noch eine weitere Ultraschalluntersuchung plus Stanzbiopsie machen. Für sie ergab die Mammographie keinen klaren Befund. Ich ließ mir gleich einen Termin für den 19.02.2009 geben.
Das gab auch wieder ein Theater. Ich musste eher von der Arbeit weg, aber ich sagte, meine Gesundheit gehe vor! Schließlich durfte ich dann doch eher gehen, musste aber meiner Stationsleitung den Grund nennen und ihr sagen, dass es sich um einen Knoten in meiner Brust handelt.
Ich ging um 13.00 Uhr von der Arbeit heim, duschte und dann zu meiner Ärztin. Um 14.15 Uhr hatte ich den Termin. Nach einer gefühlten Ewigkeit voller Unruhe kam ich endlich an die Reihe. Die Ärztin schaute sich mittels Ultraschall noch einmal alles ganz genau an und sagte: „Dieses Risiko gehe ich nicht ein. Schauen Sie, die Ränder hier sind ganz verwaschen.“ Sie zeigte mir auch ein Bild von einem Fibroadenom und einer Zyste. Da waren die Ränder sauber abgegrenzt und nicht wie bei mir so unsauber, eben „verwaschen“. Sie sagte noch: „Was ist, wenn es bösartig ist und ich schicke sie nicht zur Stanze? Wer muss sich dann den Schuh anziehen, wenn der (der Radiologe) meint, es ist zu 98 % gutartig? Die restlichen 2 % Risiko übernehme dann ich, oder wie?“
Es war mir klar, sie hatte Recht! Sie setzte sich an ihren Schreibtisch, verlangte von ihrer Arzthelferin die Nummer von der Coburger Frauenklinik und machte für den 26.02.2009 einen Termin zur Stanzbiopsie. Sie erklärte mir, dass ich dort in guten Händen wäre und der dortige Chefarzt sein Handwerk verstehe. Ich glaubte ihr. Was wollte ich auch machen.
Die nächsten Tage verbrachte ich, indem ich zu meiner besten Freundin Susanne ging und ihr die Ohren vollquasselte oder zu meiner Schwägerin fuhr und mich mit meinem Neffen vergnügte oder mit meinem Mann redete.
Der Rosenmontag war mein letzter Arbeitstag. Als ich zum Frühdienst kam, waren Ramona und Gitta schon da. Ramona hatte auch ihren letzten Tag auf unserer Station. Sie wurde ab März auf die Station 1 versetzt und so zog sie ihr Handy aus der Tasche und sagte zu Gitta, sie solle mal ein Foto von uns machen, zum Abschied. Ich muss dazu sagen, wir sind sehr gute Kollegen gewesen, haben uns immer super verstanden. Ramona wusste von meinem Problem und so flüsterte ich ihr zu: „Du sagst zum Abschied – vielleicht wird es für mich auch mein letzter Tag und mein Abschied.“ Sie flüsterte zurück: „Quatsch, alta Waaf.“ Ich meinte darauf: „Wir werden schon sehen.“
Ramona wusste auch von meinem Abgang und war immer der Überzeugung, dass das noch hinhaut mit einem Baby , aber es sollte ja alles anders kommen. Mein Leben hatte andere Pläne, oder sollte ich sagen, Gott hatte Anderes mit mir vor und stellte mich vor die härteste Prüfung meines Lebens.
Robin hatte zum Glück auch keine Lust auf Fasching und so blieb mir wenigstens der Kinderfasching im Kulturzentrum erspart. Alles, was ich vom Fasching mitbekam, war der Umzug, den ich von Opas Fenster aus beobachtete.
Einen Tag später, am 25.02. feierte unser Opa seinen Geburtstag, den 77. Das war ein wenig Ablenkung, denn am 26.02. war es ja soweit – der Tag der Stanzbiopsie.
Meine Schwägerin Susi, die gute Seele, fuhr mich nach Coburg. Ich glaube, so gegen Mittag hatte ich meinen Termin. Ich kam da an und naja, man erledigt routinemäßig erst die Anmeldung und wartet dann, bis man dran kommt. Es dauerte nicht mal lange - mir kam es zumindest nicht lange vor - und ich wurde von Dr. Zapf schon aufgerufen.
Komisch, aber ich hatte irgendwie sofort ein Vertrauensgefühl. Er fragte mich, ob ich dieses Fibroadenom ertasten könne. Ich antwortete, dass man es ganz gut spüre und auch sehen würde. Er stand sofort auf und sagte, ich solle in die Kabine gehen und mich ausziehen, er wolle sich das ansehen.
Gesagt, getan. Er tastete dran rum und sagte: „Da müssen wir doch stanzen.“ Ich musste ins nächste Zimmer gehen. Dort wurde ein 3-D-Ultraschall gemacht. Da sah ich den Tumor und fragte den Arzt: „Das Ding da ist in meiner Brust? Ist das Krebs?“ Er meinte darauf, das sei etwas zwischen Gut und Böse und erklärte mir, wie die Stanze gemacht wird.
Er betäubte mich und setzte dann so ein strohhalmartiges Röhrchen ein. Ein weiteres, kleineres Röhrchen wurde noch hineingesteckt (so bekam ich das jedenfalls mit) und dann wurde wie mit einer Druckpistole gestanzt. Ich empfand das jedenfalls so. Ich denke, drei bis vier Proben hatte er entnommen und meinte zu seiner Arzthelferin, dass das reichen würde. Ich solle für den anderen Tag bei seiner Sekretärin einen Termin zur Besprechung des histologischen Befunds machen.
Also, ich muss sagen, es hat mir nicht wehgetan. Ich spürte nur etwas Druck und der Arzt war während des Stanzens ruhig und besonnen. Ich hatte zu ihm vollstes Vertrauen. Es tat auch danach nicht sehr weh und blutete nur ein bisschen. Auf dem Nachhauseweg kam mir dann alles Geschehene hoch und ich sagte zu meiner Schwägerin: „Du, ich soll morgen schon zum Befundgespräch und der hat nur drei oder vier Proben entnommen. Du wirst sehen, ich hab Krebs. Die Leiß hat gesagt, das dauert zwei bis drei Tage und der hat gesagt, schon morgen ist das Ergebnis da.“ Sie wollte mich beruhigen, aber ich wusste, was auf mich zukommt und sagte zu meinem Mann, dass er für den nächsten Tag Urlaub nehmen müsse, um mit mir nach Coburg zu fahren, da schon morgen der Befund da wäre und, dass ich nicht glauben würde, dass das für mich gut ausgehe. Wie immer konnte er mich beruhigen und meinte, wir schauen erst mal, was der Arzt morgen sagt und dann werden wir sehen, was zu tun ist. In dieser Nacht schlief ich komischerweise ganz ruhig ein.
Der Morgen des 27.02.2009 kam. Ich glaube, ich sollte wieder so gegen Mittag in Coburg sein. Mir war übel, aber ich war ganz ruhig. Wir fuhren ohne viel zu reden nach Coburg. Was würde uns wohl dort erwarten?
Es waren noch zwei Paare vor uns dran. Ein Paar ging rein und kam ganz normal wieder raus. Das andere Paar ging rein und als sie nach einer Zeit wieder raus kamen, weinte die Frau.
In dem Moment sagte ich zu Emi, dass es uns auch gleich so gehen würde. Er schüttelte noch mit dem Kopf, da wurden wir schon aufgerufen und das ernste Gesicht des Arztes verhieß nichts Gutes.
Ich glaube, Dr. Zapf ist nicht der Herr der großen Worte, muss er ja auch nicht sein. Ich denke, wenn man jemanden eine schlechte Nachricht überbringen muss, ist es immer schwer, Worte zu finden. So kam der sporadische Satz, wie manchmal im Fernsehen: „Frau Sugar, ich habe leider eine schlechte Nachricht für Sie. Der Tumor ist bösartig. Ich weiß, Sie würden mich jetzt am liebsten schlagen für diese Nachricht…“ Mehr hörte ich nicht mehr, weil ich losheulen musste. Ja, und obwohl mein Hirn das wusste, dass es so kommen würde, war es, als hätte mir jemand mit einem Hammer auf den Kopf geschlagen. Ich konnte nicht mehr klar denken. Tausend Gedanken gingen mir auf einmal durch den Kopf und ich konnte sie nicht sortieren, geschweige denn, zuhören. Gut, dass mein Mann dabei war. Ich hätte das nicht alleine geschafft. Ich glaube, ich wäre nicht mal mehr heim gekommen.
Ich bekam für den 04.03.2009 Termine zum Lungenröntgen, Leberultraschall und zum Knochenszintigramm. Zum Glück alle bei einem Arzt, der auch in Coburg war. Mir wurde gesagt, das müsse zuerst untersucht werden, um Fernmetastasen ausschließen zu können . Ich bekam einen Ordner mit Informationsmaterial über Brustkrebs und auch gleich sowohl OP-Vorbereitungs – sowie OP-Termin genannt, weil ich mich gleich zur OP entschieden hatte. Ich hätte auch erst Chemo machen können, um den Tumor zu schrumpfen (Neoadjuvant), aber ich wollte dieses Ding in meiner Brust sobald wie möglich loswerden. Es war schon viel zu lange dort. Der Arzt erklärte mir, dass es egal sei, ob man die Chemo erst vor oder nach der OP machen würde. Die Chancen stünden gleich.
