Eine unerwartet lange Heimreise - Wolfgang Kretzschmann - E-Book

Eine unerwartet lange Heimreise E-Book

Wolfgang Kretzschmann

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Beschreibung

Ein Chirurg aus der heutigen Zeit wird durch ein gutgemeintes aber schiefgelaufenes Energieexperiment ins Jahr 1148 geschleudert. Er findet sich in Ägypten wieder. Dort muss er lernen zu überleben, denn operieren ist verboten. Aber als Medikus kann er arbeiten und Geld verdienen. Er möchte wieder nach Deutschland, so lässt er sich einen Katamaran bauen. Er lernt eine Frau kennen und nimmt sie mit auf die Reise nach Deutschland. Er verliebt sich in die Frau und zusammen erleben sie höhen und tiefen. Sie hat aber einige Geheimnisse, die erst später herauskommen und für mächtig Ärger sorgen. Die Reise, eigentlich nur kurz übers Mittelmeer, wird ständig Änderungen unterworfen. Mal freiwillig -mal ungewollt. Es ergeben sich auf dieser Reise viele Möglichkeiten, wo er versucht, sein Wissen aus der Zukunft anzuwenden. Doch er muss feststellen, das Improvisation mehr gefragt ist. Auch muss er feststellen, das er bestimmte Dinge nicht in der Hand hat, sondern andere an den Hebeln sitzen. Er ist nur die Marionette in einem viel größeren Spiel.

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Seitenzahl: 483

Veröffentlichungsjahr: 2018

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Wolfgang Kretzschmann

Eine unerwartet lange Heimreise

Roman

Wolfgang Kretzschmann

Die Namen in diesem Roman sind frei erfunden und Ähnlichkeit mit lebenden oder toten Personen wäre rein zufällig und ist nicht gewollt oder gewünscht.

Impressum

Texte: © Copyright by Wolfgang KretzschmannUmschlag: © Copyright by Wolfgang Kretzschmann

Verlag:Kretzschmann

23795 Bad [email protected]

Druck:epubli - ein Service der neopubli GmbH,

Berlin

Kapitel 1.

Das durchdringende Piepen des Weckers weckte mich. Verschlafen öffnete ich die Augen und sah auf die grün leuchtenden Ziffern des Weckers. 6.18 Uhr prangte mir entgegen. Was für eine komische Zeit, um geweckt zu werden, dachte ich so bei mir. Nicht 6.15 Uhr oder 6.20 Uhr, nein, da stand 6.18 Uhr. Im Urlaub um diese Zeit aufgeweckt zu werden, hatte sicher eine Bedeutung. Ach ja, es war der letzte Tag meines zehntägigen Urlaubs in Ägypten. Badeurlaub in Hurghada am Roten Meer. Heute war leider Abreisetag.

Ich stand langsam auf und ging nur mit einer kurzen Pyjamahose in modischem Streifenmuster in das Badezimmer. Dort entledigte ich mich des Sakkara-Biers vom Vorabend in die WC - Schüssel und schaute in den Spiegel.

Ein 36-jähriger Mann mit leicht gebräuntem Body, wo der erste Ansatz eines kleinen Wohlstandsbauches vorhanden war und die ersten grauen Haare am Kopf durchkamen, schaute mich aus grau-grünen Augen an. Ein Gesicht, nicht gerade Robert Redford, aber tageslichttauglich, wie die Mädels es nannten.

„Rolf, altes Haus“, sagte ich, „schlecht schaust du aus.“

Rolf Rüdiger Klinger, ja das bin ich. Findelkind, aufgewachsen in einer Pflegefamilie. Bereits verwitwet durch einen tragischen Verkehrsunfall, keine lebenden Kinder. Wohnhaft in einer kleinen Stadt in Schleswig-Holstein, vor den Toren der Stadt Hamburg. Eine kleine Eigentumswohnung von satten 100 qm Größe konnte ich inzwischen mein Eigentum nennen. Ein schicker Audi A3 Sport in Schneeweiß gehörte mir ebenso wie eine große Sammlung von DVD und Blu-Rays. Eingerichtet war meine Wohnung normal, ich möchte fast sagen spießig, wie sicher einige Bekannte behaupten würden. Die übliche 3-2-1 Sitzgelegenheit in Freundlichem dunkelgrün in Leder und eine Schrankwand in Buche furniert. Schlafzimmer Ikea Style, ebenfalls in Buche furniert. Außergewöhnliches, Fehlanzeige, wenn man von dem Beamer im Wohnzimmer an der Decke und der Dolby - Surround Anlage mit der 3 Meter Leinwand einmal absah. Es war eben mein Hobby, Filme anzuschauen und ein Fernseher gab mir nicht das richtige Feeling. Beruflich arbeitete ich jetzt als Sachbearbeiter einer Krankenversicherung. Ich war dafür zuständig, dass die Rechnungen der Ärzte korrekt waren, sonst gab es kein Geld. Es war ein Job, der mir zwar lag, aber nicht mein Beruf. Normalerweise wäre ich Arzt der Chirurgie, wenn da nicht die Sache mit meiner Frau Sabine gewesen wäre.

Wir hatten uns beim Studium im zweiten Semester bei einer Vorlesung kennengelernt. Sie hatte neben mir gesessen und mich um einen Kugelschreiber gebeten. Eine schlanke, wahnsinnig gut aussehende Frau, mit leuchtenden Augen, der ich sofort einen Kugelschreiber und mein Herz schenkte. Ihre Augen hatten mich in Bruchteilen von Sekunden in ihren Bann gezogen.

Aus diesem kurzen Blick entwickelte sich eine handfeste Beziehung, die wir bei jeder Gelegenheit kräftig auslebten. Im Überschwang unserer jugendlichen Gefühle dachten wir nicht an Verhütung und es endete damit, dass Sabine schwanger wurde. Ihre Familie hätte einer Abtreibung niemals zugestimmt und so heirateten wir im zarten Alter von 23 Jahren.

Leider verlief die Schwangerschaft nicht ohne Komplikationen, doch Sabine bekam das Kind. Es war ein Junge und wir nannten ihn Benjamin. Nach den ersten Untersuchungen war klar, er war schwerstbehindert und man machte uns keine Hoffnung, dass Benjamin alt werden würde. Sabine brach ihr Studium ab, um sich ganz um Benjamin zu kümmern. Durch die Belastung von Benjamins Pflege, kam es immer öfter zum Streit mit Sabine und auch mein Studium wurde nicht das Beste. Trotzdem beendete ich es mit Ach- und Krach.

Benjamin starb im Alter von 5 Jahren. Sabine nahm sich das sehr zu herzen. Ich überschüttete sie in dieser Zeit mit sehr viel Verständnis und Liebe und so kamen wir wieder zueinander. Nach dem Studium fing ich als Assistenzarzt im Krankenhaus an. Schließlich kam ich in die Chirurgie und arbeitete gut, jedenfalls nach Meinung meiner Oberärzte.

Sabine nahm nach dem Tod von Benjamin ebenfalls ihr Studium wieder auf. So waren wir beide auf einem guten Weg.

Es war der 12. März, der alles veränderte. Wir hatten mit unseren Freunden Karten gespielt, was wir einmal im Monat machten. Einmal bei uns, einmal bei unseren Freunden. Diesmal waren wir zu ihnen gefahren. Der Abend ging schnell vorbei und wir verabschiedeten uns so gegen

23 Uhr. In fröhlicher Stimmung fuhren wir in Richtung der Hauptstraße, die wir überqueren mussten, um zu unserer Wohnung zu fahren. Die Ampel zeigte grün und so fuhr ich los. Den heranrasenden Wagen sah ich nicht. Er fuhr direkt in die Beifahrerseite unseres Autos.

Unser Wagen wurde quer über die Kreuzung geschleudert. Dort prallte er gegen die Ampel und mein Kopf wurde trotz der Seitenairbags in die Seitenscheibe gestoßen. Was zur Folge hatte, dass meine Schädelknochen auf der linken Seite teilweise zertrümmert wurden und ein anderer Teil in den angrenzenden Garten flog. Zum Glück waren Rettungskräfte schnell vor Ort. Als ich schließlich wieder zu mir kam, war ich im Krankenhaus.

Der behandelnde Arzt erzählte mir was von Glück gehabt, dass ich noch lebe. Ich hatte einen gebrochenen Arm und mein Schädel zierte jetzt eine neue experimentelle Titanplatte, der einige seltene Erden beigemengt waren. Es sollte die Abstoßung verhindern und das Einwachsen verbessern. Ein Experiment, dem ich nicht die Zustimmung gegeben hätte, aber ich war nicht bei Bewusstsein gewesen und meine Kollegen hatten es gut gemeint. Ansonsten ging es mir einigermaßen gut. Allerdings verschwieg er mir, dass Sabine den Unfall nicht überlebt hatte. Nur ein paar Tage vor ihrem

30. Geburtstag.

Der Unfallfahrer war stockbesoffen mit überhöhter Geschwindigkeit in unseren Wagen gefahren. Er hatte überlebt, zwar ebenfalls schwer verletzt, aber er lebte.

Da ich einige Wochen im Koma lag, war die Beerdigung von Sabine bereits gewesen. So konnte ich mich nur am Grab still von ihr verabschieden.

Es folgten der Ganze gerichtliche Kram und die damit verbundenen Umstände. Der Fahrer bekam meiner Meinung nach eine viel zu milde Strafe. Ich war verbittert und mir ging es nicht besonders. Dadurch vernachlässigte ich alles und jeden, zog mich ziemlich zurück. Zu allem Übel kam der Alkohol und dadurch gab es Probleme im Krankenhaus. Ich war nicht mehr zuverlässig, machte zum Glück keine schwerwiegenden Fehler, aber ich wurde dank meines Oberarztes letztendlich den Job los.

Nach einigen Monaten der Selbstfindung und Dank meines Freundes Hilfe kam ich vom Alkohol los. Von irgendetwas musste ich schließlich leben und so kam ich an den Job bei der Krankenversicherung. Finanziell ging es mir gut, denn durch den Unfall bekam ich eine Lebensversicherung und eine Unfallversicherung ausgezahlt, die wir bei dem nervigen Versicherungsvertreter abgeschlossen hatten. Im Nachhinein dankte ich dem Vertreter für seine Hartnäckigkeit. Dadurch konnte ich mir die Eigentumswohnung leisten und kam mit meinem Einkommen gut über die Runden.

Sport ist Mord – nach der Devise lebte ich. Essen ist notwendig, aber großartig kochen, nein danke. Zumal meine Kochkünste hervorragend waren. Mein Opa war Koch in einigen großen Hotelküchen gewesen und hatte mir einiges beigebracht. Es wäre also kein Problem gewesen, einmal kurz etwas Leckeres zu brutzeln. Doch meistens war ich einfach zu faul, das gebe ich gerne zu. Es war ja auch viel bequemer, schnell einmal ein Mikrowellengericht hier, ein Dosengericht da und nicht zu vergessen, es gab ja noch die Lieferservices. Einmal schnell eine Pizza oder Chinesisch, wer sagt da schon Nein. Als ich noch verheiratet war, war es anders, da habe ich gerne gekocht. Doch das war Schnee von gestern.

Nun stand ich hier vorm Spiegel in Ägypten und schaute mir das entgegenblickende Elend an.

Ich putzte schnell die Zähne, rasierte mich und wollte gerade unter die Dusche, als plötzlich eine nackte Frau an mir vorbeieilte und sich auf den Toilettensitz fallen ließ.

Ach ja, Ludmilla, hatte ich völlig verdrängt. Wir hatten uns gestern Abend recht nett unterhalten und nach ein paar Bierchen wusste ich alles über Ludmilla aus Kasachstan. Ihr „Göttergatte“ sei langweilig, ständig voll und bringe es nicht mehr. Sie bräuchte einmal wieder einen Mann, der ordentlich kann. Nun, wir hatten wohl die Nacht verbracht, aber ich dachte, sie wäre bereits wieder bei ihrem Mann.

„Sorry du, völlig verpennt, muss sofort verschwinde“, sagte sie in ihrem russisch-deutschen Akzent und lies erst einmal ebenfalls das Sakkara-Bier in die Schüssel rauschen. Anschließend huschte sie wieder ins Zimmer, zog sich erstaunlich schnell ihre Klamotten und ihre High-Heels Pantoletten an, bevor sie mir noch kurz ein Buzzi-Buzzi zurief und weg war sie.

Ja, Frauen, das war auch so ein Thema. Ich hatte seit dem Tod meiner Frau nichts Festes mehr gehabt, sondern nur schnelle Bekanntschaften. Drive - In und bitte das Tagesmenü. Hier einmal ein Küsschen und da einmal ein Quickie, bloß nichts Festes. War das wirklich die Erfüllung? War das schon alles? Nein! Schließlich glaubte ich noch an die große Liebe. Ich war mir sicher, irgendwann würde ich die Richtige finden oder Sie mich. Nur wann und wo, das stand noch in den Sternen.

Ich stieg in die Dusche und duschte ausgiebig, um Ludmilla wegzuwaschen. Trocknete mich kurz ab, zog die Badehose an, Hose und T-Shirt und ab an den Strand.

Bevor ich zum Frühstück ging, wollte ich noch schnell das letzte Mal für diesen Urlaub in das 28 Grad warme und herrlich klare Wasser des Roten Meeres springen.

Es war eine Wohltat. Man konnte tief ins Wasser blicken und die Fische schwimmen sehen. Das Hotel hatte eine vorgelagerte Insel mit eigenem Riff, wo die bunten Fische sich tummelten. Es war ein fünf Sterne Schuppen, aber nicht so ein großer Klotz, sondern eher klein. Dafür aber sauber und man konnte sich gut erholen. Die Zimmer waren hübsch, und da man sich meistens sowieso nur zum Schlafen dort aufhielt, auch völlig ausreichend.

Nach dem Bad im Meer folgte das Bad im Zimmer. Klar, ich hatte mich auch am Strand geduscht, denn der Salzgehalt ist echt heftig. Ich habe gelesen das vier Prozent Salz im Wasser sein sollen. Hört sich nicht viel an, aber es schmeckt nach vierzig Prozent und man klebt wie ein Blatt von den Klebenotizblöcken. Ich packte meinen Koffer und ging zum Frühstücksbuffet.

Noch einmal schlemmen, wie Gott in Frankreich. Es gab von allem reichlich. Brötchen, Brot in verschiedenen Sorten, frisch oder getoastet. Eier in allen Darreichungsformen. Müsli, Marmelade, Wurst und Käse. Obwohl, der schmeckte mir nicht wirklich, da können wir besseren Käse in Deutschland herstellen. Zum krönenden Schluss folgten kleine Kuchen. Der Magen war einfach zu klein, für die herrlichen Leckereien.

Ludmilla und ihr Igor waren ebenfalls im Frühstücksraum. Der Haussegen hing schief, das konnte ich sehen. Igor war im Gesicht rot wie eine Tomate und schaute sich im Raum um. Er sollte mehr auf seine Gesundheit achten, schätze, er hat Probleme mit dem Blutdruck. Hoffentlich hatte Ludmilla nichts von mir erzählt. Eine Prügelei war das Letzte, was ich jetzt gebrauchen konnte. Also tat ich so, als wenn ich sie nicht kannte. Schaute immer in eine andere Richtung und verließ im gemächlichen Schritt den Frühstücksraum.

An der Rezeption bezahlte ich die Minibarrechnung und was sonst noch so offen war.

Hmm, konnte mich nicht daran erinnern, Krimsekt aufs Zimmer bestellt zu haben. Doch dann sah ich Datum und Uhrzeit. Ludmilla dachte ich nur. Anschließend setzte ich mich in die Hotellobby. Dort sollte ich in ca. 20 Minuten abgeholt werden, um zum Flughafen gebracht zu werden.

Angst vorm Fliegen hatte ich keine, obwohl ich schon einmal eine Landung mit Hindernissen miterlebt hatte. Es war sehr stürmisch gewesen und wir sollten in Hamburg landen. Beim Landeanflug wackelte das Flugzeug hin und her. Es ging herauf und herunter. Der Pilot hatte echte Mühe das Flugzeug zu stabilisieren. Zweimal wurde der Landeanflug abgebrochen und er musste wieder durchstarten. Was dazu führte, dass die „Kotztüten“ reichlich benutzt wurden und die Luft sich mit dem herrlichen Duft nach frisch Erbrochenem mischte.

Mir machte das nichts aus. Wer schon einmal bei einer Obduktion anwesend war, weiß, was Gestank ist. Aber so war das für mich fast ein lieblicher Duft. Trotzdem möchte ich nicht das Reinigungspersonal gewesen sein. Beim dritten Anflug klappte endlich die Landung. Es knallte ganz schön und ich vermutete, dass der Pilot wohl alles darangesetzt hatte, um die Maschine nach unten zu bekommen. Aber das war auch das einzig erwähnenswerte Erlebnis, was ich beim Fliegen gehabt hatte. Ansonsten war fliegen wie Bus fahren, nur etwas schneller.

Pünktlich kam der Transferbus, um mich im Hotel abzuholen. Der Koffer war schnell verstaut und los ging es zum Flughafen. Der Reiseleiter teilte den Anwesenden mit, dass es eventuell Verspätungen geben könnte. Ein Schwarm von Heuschrecken sei gerade in Flugplatznähe und störe den Flugverkehr. Nach Ankunft am Flughafen hüpften auch schon die ersten rosafarbenen Heuschrecken durch die Gegend. Erstaunlich, wie groß die waren. Man erklärte uns, dass die Heuschrecken, wenn sie diese Farbe hätten, fliegen können. Anschließend würden sie gelb und würden sich vermehren. Es wären wohl einige Sprühflugzeuge mit Gift unterwegs, um diesen Schwarm zu vernichten, deshalb gäbe es eine kleine Verspätung. Na prima, dachte ich, checkte ein und ging in den Wartebereich.

Die Passkontrolle war wieder himmlisch. Ein Blick, ein Stempel – weitergehen. Na, mir sollte es recht sein. Dafür durchleuchteten sie das Gepäck minutenlang. Ich musste sogar meine Schuhe ausziehen und durchleuchten lassen. Es waren schöne ockerfarbene Kamelboots. Halbschuhe, schön bequem und man konnte damit kilometerweit laufen, ohne Blasen an den Füßen zu bekommen. Selbst mein Gürtel wurde unter die Lupe genommen, dabei war das nun wirklich kein besonders schöner Gürtel. Na ja, es diente schließlich der Sicherheit.

Nach dreißig Minuten Verspätung wurde endlich unser Flug aufgerufen und wir quälten uns an Bord des Flugzeugs. Ich hatte meinen Koffer aufgegeben und nur noch einen kleinen Handgepäckkoffer dabei. Dort waren meine Papiere und etwas zum Lesen, sowie T-Shirt, Badelatschen, eben alles Lebensnotwendige. Meinen Platz fand ich schnell, 15 a, direkt am Fenster. Das Flugzeug war nicht voll besetzt. Neben mir waren noch zwei Plätze, aber der mittlere blieb frei. Im Sitz zum Gang nahm eine Frau Platz.

„Guten Tag“, sagte sie mit einem Lächeln.

„Guten Tag“, erwiderte ich höflich. Sie war, so schätzte ich sie, Mitte vierzig. Braun gefärbtes langes Haar, eine Sonnenbrille in die Stirn geschoben. Sie war braun gebrannt, nicht ganz schlank und hatte eine beachtliche Oberweite. Alle Achtung dachte ich so bei mir, ganz schöne Kaliber. Ob die Natur diese Hügel schuf oder die Hand eines Kollegen, konnte ich so natürlich nicht feststellen. Falls es künstliche Brüste waren, hätte ich sie gerne einmal genauer angeschaut. Natürlich rein beruflich.

Nachdem sie endlich ihren Platz eingenommen hatte, was erstaunlich lange dauerte, quälte sie einen I-Pod aus ihrer Hosentasche. Typisch Frau, erst hinsetzen und dann den

I-Pod herausholen, anstatt das Ganze umgekehrt zu machen. Sie stöpselte sich auch gleich die Ohrhörer in die Ohren und schloss mit einem tiefen Atemzug die Augen.

Ich konnte leise hören, dass da wohl ein Hörbuch ablief. Nun, ich nahm mein Buch, „der Schwarm“ und fing an zu lesen, wo ich am Strand aufgehört hatte. Es war ganz schön dick, die Hälfte hatte ich geschafft.

Kurz vor dem Start die obligatorischen Sicherheitshinweise der Crew. Natürlich schaute ich nicht zu, man kannte die Leier ja schon. Wenn das Flugzeug abstürzt, ist eh alles zu spät, da nützt auch keine Schwimmweste in der Wüste. Der Start verlief reibungslos und ich schaute aus dem Fenster. Schnell gewannen wir an Höhe und ich konnte die Wüste sehen. Der Himmel war strahlend blau, keine Wolke war zu sehen. Der Flugkapitän meldete sich per Bordsprechanlage.

„Guten Tag, meine Damen und Herren, ich bin Kapitän Hans Krause und begrüße sie auf unserem Flug von Hurghada nach Hamburg. Die Flugzeit wird 4 Stunden und 50 Minuten betragen...“ Ich hörte nicht mehr hin, denn es war ja immer das Gleiche.

In Ägypten war ich jetzt das vierte Mal. Es war einfach toll im Roten Meer zu schnorcheln oder einfach nur zu baden. Von den schönen Barabenden einmal ganz zu schweigen.

Nachdem wir so eine knappe Stunde geflogen waren, begann der Service. Es sollte etwas zu essen geben. Fisch oder Hühnchen hörte ich. Wurde auch Zeit, ich bekam langsam aber sicher Hunger. Das Essen wurde von den Flugbegleitern ausgeteilt und ich nahm das Hühnchen. Für den kleinen Hunger reicht es ja, dachte ich und verputzte alles Essbare. Wehmütig dachte ich an das herrliche Buffet im Hotel. Meine Sitznachbarin hatte ebenfalls das Hühnchen verputzt und nach einem freundlichen Lächeln widmete sie sich wieder ihrem Hörbuch.

Hatte wohl keine Lust auf Konversation. Ich schaute aus dem Fenster und war in Gedanken versunken. Es wäre schön, wenn jetzt Sabine noch hier gewesen wäre. Sie hatte ein tolles Lachen und war sehr warmherzig gewesen. Auf Dauer wollte ich nicht allein sein, das war nichts für mich.

In meiner Kindheit war ich bei meiner Pflegefamilie als Einzelkind aufgewachsen. Klar, man hatte Freunde gehabt und auch heute hatte man noch Freunde. Aber eine Partnerin, mit der man durch dick und dünn ging, die fehlte mir. Noch sagte ich, denn ich war ein unverbesserlicher Optimist. Bei mir waren die Gläser halb voll und nicht halb leer. Ein Sudoku Rätsel wurde immer mit Kugelschreiber begonnen. Es gab keine unlösbaren Aufgaben, es musste halt nur lange genug nach einer Lösung gesucht werden. Das war meine Lebenseinstellung.

Ein Geräusch holte mich aus meinen Überlegungen in die Wirklichkeit zurück. Die Schönheit neben mir hatte einen Schluckauf und versuchte es zu unterdrücken. Die Geräusche, die sie dabei erzeugte, waren herzzerreißend komisch. Ich ignorierte es und wollte gerade wieder weiterlesen, als meine Aufmerksamkeit durch ein Leuchten im Fenster geweckt wurde.

Es war, als ob eine grün-blaue Leuchtkugel am Himmel stand. Nicht besonders groß, aber das war geschätzt. Was konnte das sein? Sie war sehr weit weg, kam aber immer näher. Ein UFO? Meine erste Vermutung, denn ich kannte keinen solchen Flugzeugtyp. Die Kugel bewegte sich in Richtung unseres Flugzeugs.

Plötzlich ging alles sehr schnell. Die Kugel kam mit einem irren Tempo auf unser Flugzeug zu gesaust, traf das Flugzeug. Ein Knall, ein grellweißer Blitz, ich sah und hörte nichts mehr. Irgendwie fühlte ich etwas, aber was es war, kann ich nicht sagen. Schreie drangen dumpf an mein Ohr, aber waren es Schreie? Wie lange das Ganze dauerte, kann ich nicht beantworten. Mir kam es vor, als wenn es überhaupt nicht enden wollte. Ich fühlte mich wie in einem Tunnel. Sterbe ich? War, dass das Licht, von dem immer alle sprachen? Ich kam mir schwerelos vor. Plötzlich ein Stoß, ein heftiger Schmerz und dann Dunkelheit.

Kapitel 2

Überall Schmerzen war das Erste, was ich wieder fühlte. Alles tat weh, jeder Zentimeter meines Körpers schien von einem Profiboxer bearbeitet worden zu sein. Nur langsam verebbten die Schmerzen.

Vorsichtig öffnete ich meine Augen. Es blieb trotzdem dunkel, nicht stockdunkel, aber eben dunkel. Irgendwie war mir kalt, mein Mund war staubtrocken und ich hatte Sand im Mund. Ich musste ausgiebig husten und spuckte den Sand aus. Selbst in der Nase hatte ich Sand. Ich versuchte, mit der rechten Hand meine Nase zu erreichen. Es tat höllisch weh. Endlich schaffte ich es. Mit reiben und schnäuzen versuchte ich allen Sand zu entfernen.

Mein Kopf fühlte sich an, als ob ich eine wahnsinnige Sauforgie hinter mir hatte. Ich versuchte, meinen Kopf zu bewegen. Die erneut auftretenden Schmerzen ließen es bei einem Versuch.

Was war passiert? Ich konnte mich nur noch an das schreckverzerrte Gesicht der hübschen Frau neben mir im Flugzeug erinnern und an das Licht. Meine Finger spürten Sand. Wie konnte hier Sand sein? War das Flugzeug abgestürzt? Wenn ja, wieso wusste ich nichts davon? Wie hatte ich das überleben können? Hatte ich einen Blackout? Viele Fragen, aber keiner war da um sie zu beantworten.

Langsam gewöhnten sich meine Augen an das Halbdunkel. Scheinbar war es später Abend und ich lag irgendwo im Sand. Nirgends war etwas von dem Flugzeug zu sehen. Keine brennenden Wrackteile oder schreiende überlebende. Nein, es war sehr still. Ein leichter Wind wehte. Meine Hände tasteten umher und schließlich tastete ich meine Brust ab. Wieso hatte ich kein Hemd an? Ich richtete mich auf, Sterne tanzten vor meinen Augen, mir wurde übel. Würgend, aber nicht übergebend, schwankte ich im Sitzen hin und her. Was zum Teufel war passiert? Nun merkte ich zu meinem Erstaunen, das ich nackt war. Keine Hose, Strümpfe, Schuhe – alles weg! Tod dachte ich, so fühlt es sich also an. War ich am Eingang zum Himmel oder der Hölle?

Wieso war hier Sand? Wo ist das helle Licht, das man sehen soll? Die Übelkeit ließ langsam nach, nur die Kälte blieb. Ich schaute mich um, nichts außer Sand. Kilometerweit nur Sand, jedenfalls soweit ich in der Dunkelheit schauen konnte. Scheinbar war ich aber noch auf der Erde, denn langsam konnte ich Sterne erkennen und der Mond stand am Horizont.

„Okay, Rolf“, sagte ich mit eigenartig belegter Stimme. Nachdem ich mich mehrmals geräuspert hatte, spuckte ich ein paar Mal aus und sagte, um mich selbst zu beruhigen: „Immer ruhig bleiben und keine Panik. Das Wichtigste, du lebst.“ Schön, meine Stimme konnte ich wieder hören.

Ein leichter Windstoß wehte Sand an meinen Körper und ich fröstelte. Vorsichtig versuchte ich aufzustehen. Es gelang, auch wenn ich wieder Sterne sah, die nicht am Himmel standen. Nach kurzer Zeit konnte ich wieder klar sehen. Keine Menschenseele zu sehen. Nur Sand, davon aber reichlich, egal wo ich hinschaute. War ich noch in Ägypten? Wenn ja, wo war ich? Da ich hier nicht Wurzeln schlagen wollte, musste ich also entscheiden, wo lang? Wo gab es Rettung? Wehte der Wind jetzt vom Meer ins Landesinnere oder umgekehrt? Ich entschied mich gegen den Wind zu gehen, damit ich eine Richtung hatte. Ein markanter Lichtpunkt in der Ferne am Himmel und ich ging los.

Langsam kam ich irgendwie voran. Wie lange ich so vor mich hin trottete, weiß ich nicht. Ging ich jetzt schon Stunden durch die Wüste oder waren es lediglich Minuten? Ich hatte jedes Zeitgefühl verloren. Es wurde immer kälter, ich durstiger und müder. Jetzt bemerkte ich, dass ich kaum Kondition hatte. Alle Muskeln taten weh. Hätte doch das Angebot des Fitnessstudios annehmen sollen.

Ob ich die Richtung noch einhielt? Da war ein Licht, es war noch weit weg. Ich hielt an, schaute genau hin. Ja, ein Licht. Es flackerte, das könnte ein Lagerfeuer sein. Oder Einbildung! Egal wer oder was da war, es konnte meine Rettung sein.

Ich beschleunigte meine Schritte. Langsam kam ich näher. Ja, es war ein Feuer, Rettung für mich.

„Hallo“, rief ich. „Ich brauche Hilfe“. Mit letzter Kraft lief ich auf das Feuer zu. Jetzt konnte ich erkennen, dass mehrere Gestalten am Feuer saßen. Einer war aufgesprungen und hielt etwas in der Hand.

„Hilfe“, rief ich und ging langsamer. Er rief mir irgendetwas zu, was ich aber nicht verstand.

„I need Help“ versuchte ich es in Englisch, während ich japsend nach Luft schnappte. Er schien zu verstehen. Die anderen Gestalten waren inzwischen ebenfalls aufgestanden und hatten, wie der Erste, gebogene Schwerter gezogen. Ich konnte es nicht glauben, die hatten Säbel!

Der als Erstes aufgestanden war, sagte in Englisch: „Halt!

das ist weit genug. Bleibt stehen.“ Wie befohlen blieb ich stehen und schon sprudelte es aus mir heraus: „Mein Name ist Rolf Rüdiger Klinger, ich komme aus Deutschland. Das Flugzeug muss abgestürzt sein, ich habe nichts anzuziehen, mir ist kalt und ich bin durstig. Können sie mir helfen?“

„Effendi“, sagte er, lies dabei sein Säbel sinken, „kommt ans Feuer und wärmt euch.“ Er sagte etwas in einer fremden Sprache, ich nahm an, es war arabisch, zu seinen Begleitern. Sie ließen ebenfalls die Säbel sinken. Einer ging in ein kleines Zelt. Das sah ich erst jetzt, als ich langsam ans Lagerfeuer ging.

Ahh – das tat gut, endlich Wärme. Der im Zelt verschwunden war, kam mit einem über den Arm gelegten Hemd oder so etwas Ähnlichem und gab es mir. Es war ein sackähnlicher Ganzkörper etwas, wie alle Ägypter es trugen. Genauso wie die Männer, die hier am Lagerfeuer saßen. Ich glaube, es heißt „Gallabea“ oder so ähnlich.

„Zieht es an und setzt euch zu uns ans Feuer, Effendi“, sagte der freundliche Ägypter. Ich nahm einfach an, dass er Ägypter war.

„Trinkt diesen Tee und erzählt uns, was passiert ist.“

„Danke für eure Hilfe“, sagte ich und nahm dankbar den heißen Tee, nachdem ich das „Hemdchen“ anhatte. Der Tee war in einem einfachen Tonbecher und schmeckte gut. Ein Kaffee wäre mir jetzt lieber gewesen, aber der Tee tat es auch.

„Mein Name ist Mohamed Omar Tambuk“, sagte mein Retter. Dabei legte er die rechte Hand auf seine Brust und verneigte sich leicht.

„Mein Name ist Rolf Rüdiger Klinger“, antwortete ich.

„Ihr kommt aus Europa, Effendi?“, fragte Omar.

„Ja, um genau zu sein, aus Deutschland“, antwortete ich.

„Deutschland?“, fragte er mit einem komischen Gesicht. „Seid ihr schon lange in Ägypten?“, fragte Omar.

„Nein, noch nicht lange“, antwortete ich und trank einen Schluck Tee.

„Sind die Kriege in Europa noch?“, fragte Omar.

„Welche Kriege?“, fragte ich erstaunt.

„Vor vierzehn Tagen war noch alles normal“, antwortete ich und schlürfte an meinem Tee. Omar schaute mich sehr komisch an.

„Nun, ich meine die heiligen Kreuzkriege, die die Gläubigen gegen die Ungläubigen führen. Die auch hier bei uns lange Zeit gewütet haben, jetzt sind sie aber Richtung Persien unterwegs.“

Ich verstand nur Bahnhof. Was meinte Omar damit? Die Glaubenskriege waren doch schon lange vorbei. Meinte er etwa die? Oder den Krieg im Iran? Afghanistan? Syrien?

„Ihr müsst entschuldigen“, sagte ich, „ich habe länger keine Nachrichten gesehen.“ Omar schaute seine Begleiter an und lachte.

„Hat man euch auf den Kopf geschlagen, als ihr ausgeraubt wurdet, Effendi?“

Ich muss ein selten doofes Gesicht gemacht haben, den Omar und seine Freunde lachten, bis ihnen die Tränen kamen.

„Ich weiß nicht, was passiert ist“, sagte ich wahrheitsgemäß. „Kann mich an nichts mehr erinnern. Weiß nur noch, dass ich hier irgendwo aufgewacht bin. Wo sind wir hier eigentlich?“

„Das ist die Wüste vor der Hafenstadt Alexandria“, sagte Omar. „Wir kommen aus Kairo.“

„In Kairo war ich auch schon“, antwortete ich, „die Pyramiden und das ägyptische Museum.“

„Museum?“, fragte Omar, „was ist das?“ Jetzt schaute ich ihn fragend an.

„Nun, wo alle Kunstschätze aufbewahrt werden.“

„Was!“, sagte Omar ziemlich erstaunt. „Ihr durftet in die Schatzkammer vom Pharao?“

Jetzt dreht er durch, dachte ich. Pharao! Klar doch, den blöden Reisenden ein bisschen auf den Arm nehmen. Doch irgendwie sagte er das sehr glaubwürdig.

„Mir ist schlecht, ich habe Kopfschmerzen und ich weiß nicht einmal, welcher Tag heute ist“, sagte ich und hatte ein flaues Gefühl im Magen.

Er überlegte und sagte dann: „Heute ist der 3. Tag des 8. Monats im Jahr des Herrn 1148 nach eurer Zeitrechnung, Effendi“.

Dem Zug, der mich in diesem Moment von hinten überfuhr, während ich unter einer bimmelnden Kirchenglocke saß und dem Klang eines Presslufthammers lauschte, der das Datum in meinem Kopf hämmerte, war ich völlig ausgeliefert. Ich saß wie versteinert. Nur langsam kam ich in die Wirklichkeit zurück.

„Das ist doch ein schlechter Scherz“, flüsterte ich und fast wäre mir der Teebecher aus der Hand gerutscht. Wenn das Datum stimmte, war ich in der Vergangenheit. Wie sollte so etwas gehen? Das war unmöglich! Gut, da war dieses komische Licht gewesen und ich hatte auch schon einige Filme gesehen, wo so etwas klappte. Aber das waren Hollywoodfilme und keine Wirklichkeit. Und wenn es wahr wäre, warum ausgerechnet in diese Zeit? Aus dieser Zeit hatte ich einmal ein paar Bücher gelesen, aber mich sonderlich nie ausführlich mit dieser Zeit und den Umständen, geschweige denn mit den Gepflogenheiten und Lebensumständen auseinandergesetzt.

Nachdem ich mich wieder etwas gefangen hatte, sagte ich: „Na klar, der 3. August 1148. Nun mal Butter an die Fische. Wo ist die versteckte Kamera?“ Ich schaute mich lächelnd um. Jeden Augenblick irgendwo das Schild „Verstehen sie Spaß“ zu entdecken. Verdammt gute Schauspieler, dachte ich. Verziehen keine Mienen. Ich sah ein paar Zelte und Kamele, sonst nichts. Sehr beeindruckend, die Kulisse, dachte ich bei mir.

Das Datum kreiste immer noch in meinem Kopf, als Omar sagte: „Ich verstehe den Sinn eurer Sprache nicht. Wir Reisen nach Alexandria um einen Medikus aufzusuchen“.

Das brachte mich wieder zurück in die Gegenwart.

„Einen Medikus?“ echote ich. „Ich bin ein Medikus.“ War ja richtig, nur dass ich zurzeit nicht als Arzt arbeitete, aber das sagte ich nicht.

„Ihr seid Medikus, Effendi?“, fragte Omar erstaunt.

„Ja, ich bin Medikus“ ich hatte gelesen, dass Arzt früher so hieß.

„Oh, das ist gut“, sagte Omar.

„Seine Tochter Aynur bedarf der Hilfe“, sagte sein Begleiter. Er hieß glaub ich Hazem Hasan. Die Vorstellung der Namen war irgendwie an mir vorbeigegangen.

„Wo ist eure Tochter und was hat sie für Beschwerden?“, fragte ich nun ganz in meinem Element.

„Der mit uns reisende Baader Mohamed Ben Nerva meint, sie hat die Seitenkrankheit“, sagte Hazem Hasan.

„Seitenkrankheit? Ach ja – kann ich deine Tochter mal sehen?“, fragte ich. Seitenkrankheit, so hatte mein Professor in der Vorlesung uns beigebracht, wurde früher die simple Blinddarmentzündung genannt. Wir Studenten hatten sie immer „Bockwurstkrankheit“ genannt, weil der entzündete Blinddarm so prall wie eine Bockwurst aussah. Wie konnte der Baader zu dieser Zeit eine Appendizitis, Pardon, Seitenkrankheit erkennen? Wenn es wirklich die Zeit war, die sie mir genannt hatten. Ich ging immer noch von einem schlechten Scherz aus.

Wir gingen zu einem Zelt. Im Zelt war es dunkel, sodass man so gut wie nichts sehen konnte. Irgendjemand war im Zelt, denn ich hörte ein Stöhnen.

„Meine Tochter ist 13 Jahre alt, sie hat starke Schmerzen in der Bauchseite, hier“, sagte Omar und zeigte auf die rechte Bauchseite.

„Ich brauche Licht, sonst kann ich sie nicht untersuchen.“

Omar holte eine Fackel und ich konnte nun genug sehen. Ich schaute das Mädchen an, es war sehr dünn, hatte einen unregelmäßigen Atem. Die Stirn war sehr heiß und schweißbedeckt, zudem war ihr Gesicht verschleiert. Hohes Fieber vermutete ich. Ein Druck in die Bauchseite, loslassen und das Mädchen schrie auf. Die Bauchdecke fühlte sich auch sehr hart an. Das könnten zugegeben Symptome einer erstklassigen Blinddarmentzündung sein. Aber ohne genaue Blutuntersuchung konnte ich es nur vermuten. Es gab schließlich genug andere Krankheitsmöglichkeiten.

Sie trug ein sehr schönes Kleid mit einem außergewöhnlichen Muster. Passte irgendwie gar nicht zu den sonst so ärmlich gekleideten Männern, aber ich dachte mir nichts dabei, da ich andere Probleme hatte.

Was konnte ich hier jetzt tun? Normalerweise würde ich einen Krankenwagen rufen und ab in den Operationssaal. Aber hier in der Wüste? Die Symptome sahen erschreckend echt aus. Sollte ich wirklich in der Vergangenheit sein?

„Wie weit ist es bis Alexandria?“, fragte ich.

„In drei Tagen erreichen wir die Stadt“, sagte Hazem Hasan.

Ich überlegte, was ich machen konnte. In drei Tagen würde das Mädchen wahrscheinlich einen Blinddarmdurchbruch haben und daran sterben. Ich hatte noch ein Dilemma. Wenn ich wirklich in der Vergangenheit war, so waren Operationen nicht so wie zu meiner Zeit alltäglich. Soweit ich wusste, waren sie sogar verboten gewesen. Das Öffnen der Körper war aus Glaubensgründen nicht erlaubt, falls ich mich richtig erinnerte. Dem Medikus war auch der Umgang mit Blut verboten. Das war nur dem Baader erlaubt. Zum Glück war einer hier, aber wie sollte ich hier helfen?

Mir kam noch etwas in den Sinn: Wenn ich in der Vergangenheit dieses Mädchen retten würde, was für Auswirkungen hätte das für die Zukunft? Das Mädchen mochte vielleicht unbedeutend sein, aber sie bekam eventuell Kinder, die vielleicht etwas bewirkten und so weiter. Was bei ihrem Tod nicht passieren würde. Durfte ich also dieses Mädchen retten? Mal abgesehen davon wusste ich nicht einmal, ob sie eine provisorische Operation hier in der Wüste überleben würde. Aber, ich hatte den ärztlichen Eid geschworen, beziehungsweise würde ihn in Zukunft schwören. Was für eine beschi…ene Situation.

Die Chancen standen astronomisch hoch, dass sie während der Operation starb. Dazu käme das Problem, wie sollte ich erklären, dass ich ihren Körper geöffnet hatte? Wo sollte ich hier in der Wüste steriles Operationsbesteck herbekommen? Blutkonserven, Narkose und so weiter. Nicht durchführbar dachte ich.

Laut sagte ich: „Ja, sie hat die Seitenkrankheit und leiser „sie wird sterben.“ Omar schaute mich entsetzt an.

„Effendi, wie könnt ihr so etwas sagen? Ihr seid Medikus, es muss doch etwas geben, was ihr tun könnt.“

Ich überlegte lange und sagte: „Es gäbe eine neue Möglichkeit aus Germanien. Sehr gefährlich, aber die einzige Möglichkeit, um überhaupt eine kleine Chance zu haben. Die Risiken sind hoch und es gibt keine Garantie.“

Omar schaute mich skeptisch an und fragte: „In „Germanien“ gibt es das?“

Ich nickte nur. „Lasst uns das später klären. Wo ist der Baader?“ Omar rief einen Mann heran.

„Das ist Mohamed Ben Nerva, der Baader.“

„Sei gegrüßt, Mohamed Ben Nerva. Was habt ihr an Medikamenten, Kräutern und an medizinischen Geräten dabei? Skalpell und so weiter? Besitzt ihr Äther?“ Ich bestürmte ihn mit Fragen, die ihn doch recht erstaunten. Aber er gab bereitwillig Auskunft.

Mohamed Ben Nerva hatte selbstverständlich keinen Äther dabei, er wusste nicht einmal, was das war. Ich fragte, was er zum Betäuben nehme. Er hatte ein Mittelchen, was Schmerzen linderte und eine Salbe, die eine betäubende Wirkung der Haut hatte. Sie wurde aus Mohnsamen hergestellt, behauptete jedenfalls Mohamed Ben Nerva.

Ich nahm ihn beiseite und fragte: „Wie betäubt ihr die Patienten, wenn ihr ihnen helfen wollt?“

„Effendi, wir schneiden und nähen so. Das ist schmerzhaft, aber nicht zu ändern, da die meisten sich die Salbe nicht leisten können“.

Na riesig, dachte ich, ohne Betäubung und ich will hier operieren.

„Hört gut zu, Mohamed Ben Nerva, ich beabsichtige das Mädchen, zu operieren. Das heißt, ich muss den Körper aufschneiden.“ Entsetzt sah er mich an.

„Effendi, darauf steht die Todesstrafe. Seid ihr etwa auch Chirogikus? Kennt ihr euch damit aus? Wisst ihr alles über die Lehre der vier Säfte? Aber selbst wenn, es ist verboten den Körper zu öffnen“, sagte aufgebracht Mohamed Ben Nerva.

Ja, die vier Säfte, die kannte ich. Früher glaubte man, dass im Körper vier Säfte waren. Das Blut, der Schleim, schwarze und gelbe Galle. Was für ein Blödsinn!

„Das weiß ich Mohamed Ben Nerva, deshalb frage ich euch, ob ihr mir helfen werdet. Niemand wird davon erfahren, denn wenn alles gut geht, wird das Mädchen gesund. Wenn es schief geht, nun, sie wird eh sterben, ohne Operation.“

Mohamed Ben Nerva rang mit sich und fragte: „Habt ihr das schon einmal gemacht, Effendi?“

Jetzt musste ich Farbe bekennen. „Ja“, sagte ich und verkniff mir zu sagen, dass allein in der Ausbildung zum Arzt das x-mal geübt wurde. Im Krankenhaus war es eine Routineoperation. Eigentlich nichts Besonderes, solange der Blinddarm nicht geplatzt war. Ich hatte die Operation sehr oft gemacht, war recht geschickt gewesen, doch das konnte ich Mohamed Ben Nerva wohl schlecht erzählen. Wir schnitten fast keinen Patienten mehr auf, sondern arbeiteten mit der Schlüssellochmethode. Minimal-Invasiv, wie wir sagen, mit Endoskopen.

Ich schaute mir die „vorsintflutlich“ medizinischen Utensilien von Mohamed Ben Nerva an und sagte: „Wir benötigen deine Skalpelle und ein Zelt mit Licht. Niemand außer uns beiden darf das Zelt während wir operieren betreten. Wir brauchen Jod. Habt ihr das?“ Er schaute verständnislos.

„Deine Skalpelle müssen wir abkochen, damit sie keimfrei sind.“

„Ihr redet in Rätseln, Effendi.“

Ich erklärte ihm, dass wir in meiner Heimat mehr über die Seitenkrankheit wüssten und sie „Blinddarmentzündung“ genannt wurde. Nichts Besonderes, aber tödlich, wenn er sich entzündete und nicht entfernt wird. Ich erklärte, wie ich die Operation durchführen wollte.

Da ich nichts Großartiges zur Verfügung hatte, musste das Wenige reichen. Das wird spannend, dachte ich.

„Das Zelt muss komplett abgedichtet sein, damit möglichst wenig Sand hereinkommt. Habt ihr einen Spiegel?“, fragte ich Mohamed Ben Nerva. Er schüttelte den Kopf.

„Wir brauchen etwas blank poliertes.

„Geht ein Säbel?“, fragte er.

„Ja, das sollte gehen.“

Die Erklärung an Omar war eine andere. Ein komplizierter Aderlass sei erforderlich, um seine Tochter zu retten. Ich erklärte ihm, was ich benötigte. In einem Topf wurde Wasser gekocht und die medizinischen Utensilien des Baaders wurden darin abgekocht und somit einigermaßen keimfrei. Mohamed Ben Nerva bereitete alles vor. In einer Stunde sollte es hell werden und dann wollten wir beginnen. Ich sagte Omar, dass niemand das Zelt betreten sollte, bis ich es erlaubte.

Mohamed Ben Nerva hatte alles erledigt, so wie ich es ihm aufgetragen hatte. Die Skalpelle waren gesäubert, abgekocht und mit einem Tuch abgedeckt, einigermaßen saubere Verbände vorbereitet.

Damit das Mädchen nicht vom provisorischen Operationstisch hüpfen konnte, hatte ich sie mit Seilen fixiert. Sah nicht schön aus, war aber notwendig.

Das Schwerste war die Narkose. Wie sollte ich sie betäuben? Wenn ich sie irgendwie bewusstlos machen könnte, wäre das sehr hilfreich.

Ich flößte ihr das Schmerzmittel ein. Da ich nicht wusste, wie es wirken würde, gab ich ihr nach und nach mehr davon. Das Mädchen wurde ruhig, atmete aber noch gleichmäßig, also noch ein bisschen.

Den Puls kontrollieren, okay, er war gleichmäßig. Die betäubende Mohnsalbe aufgetragen, ein paar Minuten warten. Eine Nadel wurde zum Prüfinstrument. Sie zuckte nicht.

„Na dann, auf geht’s.“ Ich hatte Mohamed Ben Nerva aufgetragen, sich ordentlich zu waschen, ebenso wie ich. Allerdings war es nur provisorisch möglich, da wir nur begrenzte Wasservorräte hatten. Einen Mundschutz hatte ich aus Stoff provisorisch gefertigt. Sah recht abenteuerlich aus. Auf Kittel mussten wir verzichten, war nicht genug Stoff da.

Ich gab Mohamed Ben Nerva den Säbel und sagte, er solle das Zeltdach etwas aufschlitzen. Dann sollte er die Sonnenstrahlen mit dem Säbel so auf die zu operierende Stelle lenken. So hatte ich wenigstens etwas Licht. Mohamed Ben Nerva schaute interessiert zu, als ich das Skalpell nahm und den ca. 12 cm langen Schnitt setzte. Das Mädchen schrie aus Leibeskräften und fiel in Ohnmacht. Gott sei Dank, dachte ich, jetzt konnte ich weitermachen.

Wie lange hatte ich das schon nicht gemacht? Aber es war wie Fahrrad fahren, einmal gelernt, bleibt gelernt.

Ruhig öffnete ich die Wunde, tupfte das Blut ab und sagte zu Mohamed Ben Nerva, er möge den Lichtstrahl in die offene Wunde lenken. Es klappte. Ich hatte ein paar Haken improvisiert, damit konnte ich die Wunde spreizen. Mohamed Ben Nerva hielt den einen Haken und das Schwert. Sah sehr unbequem aus, aber es ging. Langsam legte ich den Blinddarm frei. Ich wollte gerade das Skalpell über einer Fackel heißmachen, damit ich sozusagen beim Schneiden die Wunde gleich verschweißen würde, als das Mädchen sich zu regen begann. Mir blieb nichts anderes übrig. Schweren Herzens gab ich ihr einen Faustschlag gegen die Schläfe, damit die Blutzufuhr zum Gehirn unterbunden wurde. Sie wurde wieder ruhig.

„Tut mir leid“, murmelte ich, nahm das heiße Skalpell, schnitt und ein zischendes Geräusch und Dampf kam aus der Wunde.

Vorsichtig, sehr vorsichtig, nahm ich den abgeschnittenen Blinddarm heraus, damit er nicht jetzt noch platzte. Es hatte tatsächlich geklappt!

Das Schließen der Wunde war danach ein Kinderspiel. Eine saubere Naht war zu sehen.

„Wir müssen sie sauber verbinden und jeden Tag den Verband wechseln. Würdet ihr das übernehmen?“, fragte ich Mohamed Ben Nerva. Er nickte stumm. Jetzt kam der schwierigste Teil. Sie musste wieder aufwachen. Ich öffnete das Zelt und ließ frische Luft herein. Nun fühlte ich den Puls des Mädchens, er war regelmäßig und ich hatte ein gutes Gefühl.

Die blutverschmierten Tücher warf ich ins Feuer. Ich hoffte, das ich sauber genug gearbeitet hatte. Sie hatte tatsächlich nur wenig Blut verloren. Nun hieß es warten.

Endlich, nach ein paar Minuten, kam Aynur langsam zu sich. Sie stöhnte und rief etwas, was ich nicht verstand. Ihr Vater Omar war sofort bei ihr und sprach in seiner Sprache mit dem Mädchen.

„Sie hat immer noch Schmerzen in der Seite und jetzt auch noch am Kopf!“ Omar schaute mich fragend an.

„Das ist normal, ich musste sie ja auch an der Seite zur Ader lassen, das gibt Kopfschmerzen“, log ich. „Die nächsten Tage werden entscheiden, ob sie leben oder sterben wird. Das liegt jetzt in Allahs Hand“, sagte ich salbungsvoll. Mohamed Ben Nerva schaute mich strafend an, sagte aber nichts.

„Können wir weiterreisen Effendi?“, fragte Omar.

„Habt ihr einen Wagen?“

„Ja, einen haben wir, er ist aber beladen“, antwortete Omar.

„Wir sollten sie möglichst wenig bewegen, jedenfalls für einen Tag“, antwortete ich. „Auch lange Fußmärsche sind nicht möglich, erst in zwei Tagen kann sie langsam anfangen, zu gehen. Jetzt ist sie sehr erschöpft und braucht unbedingt Ruhe. Sonst kann ich für nichts garantieren.“

Omar nickte und sagte: „Gut, einen Tag können wir noch rasten.“

Wir gingen gemeinsam zum Lagerfeuer und setzten uns.

„Erzählt von euch, Effendi“, sagte Omar. Da war ich nun etwas in der Klemme. Wie sollte ich ihm erzählen, dass, wenn es wahr war, ich aus der Zukunft kam? Ich dachte mir, ich könnte etwas erzählen, was unverfänglich klang. Also erzählte ich, dass ich verheiratet war, ein Kind hatte, beide gestorben waren. Das schmückte ich so aus, als wenn es auch in dieser Zeit passiert wäre.

Omar hörte zu und fragte nicht dazwischen. Als ich nicht weitererzählte, fragte er: „Wie seid ihr nach Ägypten gekommen, Effendi?“

„Mit einem Schiff, zu Studienzwecken. Ich habe gehört, dass eine neue Krankheit aus dem Osten kommt. Die wollte ich studieren und wenn möglich natürlich helfen“ log ich. Dabei dachte ich an die Pest. Der Zeitrahmen war, glaube ich ein anderer, aber genau wusste ich es nicht. Omar und seine Begleiter erst recht nicht.

Wobei mir nicht ganz klar war, ob ich vielleicht nicht ebenso erkranken könnte. Soweit ich wusste, hatte ich alle Impfungen und sogar meine Tetanusimpfung war frisch, aber die Pest? Ich wusste, dass Sauberkeit das Ganze verhindern konnte. Selbstverständlich auch der Kontakt mit den Infizierten selbst und den Erregern, den Flöhen, die von den Ratten in die Städte gebracht wurden. Ich sollte mich also dementsprechend immer kontrollieren, ob ein Flohbiss stattgefunden hatte.

„Habt ihr davon gehört?“, fragte ich.

„Nein“, sagte Omar, „aber wir sind ständig unterwegs und wissen nicht, was in den großen Städten so passiert. In Alexandria könnten sie mehr wissen.“

Wenn ich also wirklich in die Vergangenheit geschleudert worden war, musste ich mir langsam Gedanken machen, wie es weitergehen sollte. Kein Zuhause, keine Familie oder Freunde. Kein Fernsehen, kein Telefon, kein Auto. Ja, nicht mal Elektrizität! Wie sollte ich ohne das alles auskommen? Natürlich könnte ich mir einiges selbst bauen. Elektrizität war für mich kein Geheimnis, aber zu dieser Zeit wohl Hexenwerk.

Wenn ich tatsächlich hier in dieser Zeit festsaß, musste ich mir überlegen, wo wollte ich leben? In Deutschland? Hier in Ägypten? Da war das Sprachproblem. Gut, ich beherrschte Englisch und Deutsch. Ein bisschen Latein, aber das dürfte nicht reichen, um in Ägypten als Arzt zu arbeiten. Einmal davon abgesehen, ich hatte eine Ausbildung zum Chirurgen und war mit der Gerätemedizin „groß geworden“. Hier gab es nichts dergleichen. Kein Röntgengerät oder Überwachungsmonitore, von Krankenhäusern einmal ganz zu schweigen.

Hier gab es nur Kräuter und die Kunst des Arztes. Das würde ein großes Problem werden. Also zurück nach Deutschland. Aber wie? Ohne Moos nichts los. Wie sollte ich mir das Geld verdienen? Die einzige Chance sah ich darin, jemand zu finden, dem ich mein Wissen verkaufen konnte. Ich könnte auch eine Erfindung machen und die verkaufen. Schließlich kam ich aus der Zukunft und konnte ja mal eben schnell etwas erfinden. Aber, was wurde in dieser Zeit gebraucht? Das war nicht so einfach. Wie überlebte ich bis dahin?

Sollte ich vielleicht eine Dönerbude aufmachen?

Probleme über Probleme. Ich wusste im Moment nicht, wie es weitergehen sollte. Ich war nicht nur heimatlos, sondern auch in einer hoffnungslosen Lage.

Da hatte ich eine Idee und sprach den Baader an: „Sagt einmal Mohamed Ben Nerva, wohin reist ihr eigentlich?“

„Ich bin auf dem Weg nach Alexandria.“

„Was wollt ihr da machen?“, fragte ich nicht ohne Hintergedanken.

„Nun, ich muss Geld verdienen, Effendi“, sagte er lachend.

„Prima“, rief ich, „wollen wir uns zusammentun? Ich weiß mehr über Medizin, als ihr euch vorstellen könnt und wenn wir zusammenarbeiten, bringe ich euch eine Menge bei. Was sagt ihr dazu, Mohamed Ben Nerva?“

„Hmm, ich werde es mir überlegen, Effendi“ wich Mohamed Ben Nerva aus.

Klar, er hatte die Operation gesehen und wusste, ich achtete nicht auf die bestehenden Verbote. Viel schlimmer, ich war auch ein Ungläubiger. Mohamed Ben Nerva hingegen musste sich wohl erst an den Gedanken gewöhnen, dass es nichts Neues zu lernen gibt, ohne die Gefahr, bestehende Gesetze links liegen zu lassen. Also ließ ich ihm die Zeit zu überlegen.

Ich schaute nach meiner Patientin. Aynur schlief tief und ruhig. Ich berührte ihre Stirn und stellte fest, dass das Fieber runter ging. Eigentlich ein Wunder, aber es könnte tatsächlich gut gehen. Sie würde wahrscheinlich überleben.

Nach der ganzen Aufregung war ich sichtlich müde. Ich legte mich in die Ecke vom Zelt, in dem Aynur schlief, und war kurze Zeit später eingeschlafen.

Kapitel 3

Ich wurde recht unsanft geweckt. Irgendjemand schüttelte mich und redete auf mich ein. Leider in einer mir nicht geläufigen Sprache. Ich kam langsam hoch, rieb mir die Augen und schaute in das bärtige Gesicht eines mir unbekannten Mannes. Er trug eine der landesüblichen Ganzkörper - Gallabea und ein Turban. Aber das, was mich am meisten beeindruckte, war der Säbel, mit dem er mir vor der Nase herumfuchtelte und immer wieder irgendetwas laberte.

„Ich kann sie nicht verstehen“, sagte ich. Ich versuchte es mit Deutsch, Englisch und Latein. Plötzlich trat der Typ beiseite und ein etwas größerer trat in mein Sichtfeld.

„Wer sind sie?“, fragte er in Englisch.

„Mein Name ist Rolf Rüdiger Klinger, ich komme aus Deutsch… Germanien“, verbesserte ich mich „und bin Medikus“ antwortete ich auch auf Englisch.

„Ihr seid Medikus?“, fragte er und schaute sich fragend um. „Wo sind eure Begleiter? Eure Unterlagen, eure Utensilien? Ihr wollt mir doch nicht weismachen, dass ihr allein durch die Wüste reist!“

„Wieso allein?“, fragte ich, scheinbar etwas dümmlich aussehend. Ich stand auf, ging zum Zelteingang und schaute hinaus. Genau in das schrecklich schöne Maul eines Kamels. Eine ganze Menge von diesen Tieren mitsamt ihren Reitern war zu sehen. Ansonsten sehr wenig. Das Lagerfeuer war aus, kein weiteres Zelt war zu sehen. Lediglich das kleine Zelt, in dem ich mit dem Mädchen Aynur gelegen hatte. Moment, wo war Aynur? Ich schaute mich im Zelt um. Nichts, absolut nichts war im Zelt. Mein Gesichtsausdruck muss ungefähr dem eines Nilpferdes ähnlich gewesen sein.

„Aber gestern waren Omar und die anderen doch noch da“, sagte ich mehr fragend zu mir. Hatte ich das alles geträumt?

„Mein Name ist Mohamed Wasula Ahmed Turk“, sagte der Hüne. „Wir verfolgen seit fünf Tagen die Entführer meiner Tochter. Habt ihr ein Mädchen bei den Geflohenen gesehen? Erzählt schon, bevor ich euch zu Allah befördere.“ Damit hob er seinen Säbel an meine Kehle und sah überhaupt nicht freundlich aus.

Jetzt wusste ich, warum Omar und seine Kumpels Englisch

Sprachen. Es waren Sklavenhändler!

„Also“, sagte ich, „das war so….“ Ich erzählte, dass ich überfallen und ausgeraubt worden bin, schließlich sollte es ein bisschen glaubwürdig sein. Das ich schließlich nachts auf dieses Lager gestoßen sei. Hier wurde mir geholfen und ja, es wäre ein Mädchen dabei gewesen. Allerdings war das Mädchen sehr schwer krank.

„Wie sah das Mädchen aus?“, fragte Mohamed Wasula.

„Nun, das Gesicht habe ich nicht gesehen, sie war verschleiert. Sie hatte aber ein sehr schönes Kleid mit einer sehr auffälligen Musterung an. Es wäre die Tochter von Omar, so sagte man mir.“

„Dieser hinterhältige Sohn eines Eunuchen“ fuhr Mohamed Wasula hoch. „Was war mit Aynur?“

„Ja, so nannte sie auch Omar“, antwortete ich. „Sie hatte die Seitenkrankheit. Ist euch das ein Begriff?“

„Die Seitenkrankheit!“, rief Mohamed Wasula und wurde etwas bleicher. „Daran stirbt man!“, rief er und schaute mich fassungslos an.

„Ja“, sagte ich, „aber ich habe sie behandelt und sie sollte eigentlich wieder gesund werden, wenn die Operation“, wollte ich sagen, besann mich aber eines Besseren, „die Behandlung erfolgreich war“ sagte ich stattdessen. Mohamed Wasula schaute mich lange an.

„Und wie ging es weiter?“

„Nach der Behandlung von Aynur war ich sehr müde, denn es war sehr, sehr anstrengend gewesen. Das „sehr anstrengend“ betonte ich dabei ausdrücklich. „Ich hatte mich schlafen gelegt, bis ihr mich freundlich geweckt habt. Wo die anderen sind, weiß ich wirklich nicht. Aber sie sagten, sie wollten nach Alexandria. Doch ob es stimmt, kann ich nicht sagen.“

„Nun“, sagte Mohamed Wasula, „wir werden weiter Richtung Alexandria reiten, es ist am nächsten. Eine gute Nachricht habe ich für Euch“ grinste er. „Ihr kommt mit, keine Widerrede!“, sagte er mit einem sehr ernsten Gesichtsausdruck.

Ein Kamel wurde herangeholt und ich sollte aufsteigen.

Oh Gott, auf so einem Flohteppich reiten, das hatte ich noch nie gemacht. Mohamed Wasula zeigte mir, wie es ging und nach kleinen anfänglichen Schwierigkeiten klappte es ganz gut.

Bis zum Abend hatten wir eine gute Strecke zurückgelegt und Wasula meinte: „Morgen Abend werden wir die Stadt Alexandria erreichen. Ich hoffe für euch, Effendi, dass ihr nicht gelogen habt.“

Na toll, ich hatte einen verrückten Vater an der Backe, der mir die Schuld für die ganze Sache gab. Was konnte ich denn dafür, dass er nicht besser auf seine Tochter aufgepasst hatte. Immerhin hatte ich ihr das Leben gerettet. Typisch, Undank ist der Welten Lohn! Es wurde ein Lagerfeuer angezündet.

„Kommt zu mir, Effendi und berichtet mir von euch“, sagte Mohamed Wasula. Ich setzte mich also ans Feuer und erzählte meine frei nach Münchhausen erdachte Geschichte, die sich aber mit der deckte, die ich schon Omar aufgetischt hatte. Anschließend gab es etwas zu essen und zu trinken, was zwar nicht besonders schmeckte, aber sättigte.

„Versucht nicht zu fliehen, Effendi“, sagte Mohamed Wasula. Dabei tätschelte er seinen Säbel und legte sich schlafen. Blödmann dachte ich bei mir. Wo sollte ich den hinlaufen? Müde vom langen Reiten legte ich mich schlafen.

Schon sehr früh wurde ich geweckt.

„Wir wollen weiter“, sagte Mohamed Wasula.

„Ein paar Brötchen und ein weich gekochtes Ei samt Kaffee wären toll“, sagte ich und grinste. Allerdings schaute mich Mohamed Wasula nur an und ging weg.

„Scheint, der Kaffee fällt aus“, sagte ich zu mir und nach einem mehr als kargen Frühstück ritten wir wieder los. Wir waren ungefähr eine Stunde geritten, als plötzlich Mohamed Wasula anhielt.

„Was ist“, fragte ich, „gibt es eine Spur?“

„Nein, schlimmer, einen Sandsturm“, sagte Mohamed Wasula und deutete in Richtung der Sonne. Ich schaute hin und sah nur eine dunkelbraune Wand, die langsam näherkam.

„Wir müssen sofort anhalten und uns schützen“, erklärte Mohamed Wasula. Wie eine Wagenburg wurden die Kamele zum Sitzen gebracht. Die Männer setzten sich neben die Kamele, nahmen Decken und Tücher und schützen sich. Wasula gab mir ebenfalls eine Decke. Einen Sandsturm hatte ich auch noch nicht erlebt.

Wenn ich gewusst hätte, was da auf mich zukam, ich hätte gerne auf diese Erfahrung verzichtet. Unglaublich schnell war er da. Es wehte ein warmer Wind, der ständig stärker wurde und immer mehr Sand heranwehte. Sprechen war nicht mehr möglich. Hätte man es versucht, der Mund wäre in kürzester Zeit voll mit Sand gewesen. Selbst bei geschlossenem Mund hatte man schon ständig Sand im Mund. Meine Augen waren fest verschlossen und tränten trotzdem.

Unglaublich, wie laut es war. Andauernd heulte der Wind und der Sand kam einem vor, als ob jemand mit Schmirgelpapier an einem herumrubbelt. Es war nicht nur unangenehm, sondern tat sogar weh. Man wurde regelrecht unter Sand begraben. Da musste man schon ganz schön aufpassen, dass man nicht lebendig beerdigt wurde.

Das Zeitgefühl hatte ich völlig verloren. War es schon eine Stunde, zwei oder mehr? Keine Ahnung! Durch das ständige Lärmen des Windes wurde ich langsam irre. Ich hielt mir die Ohren zu und hoffte, dass es bald vorbei wäre.

Endlich, nach gefühlten 10 Stunden, ließ der Wind nach und der Sand wurde weniger. Danach Stille, das tat richtig gut. Überall wühlten sich die Männer wieder aus dem Sand. Scheinbar waren sie so etwas gewöhnt. Keine große Sache.

„Nicht der Rede wert, passiert hier öfter“, erklärte mir Mohamed Wasula.

„Ja, war ganz nett, nicht wirklich aufregend“, erwiderte ich und spuckte Sand aus. Mein Mund war trockener als die Wüste Gobi. Überall am Körper war Sand. Ich wog mindestens fünf Kilogramm mehr. Aufstehen und herumhüpfen, abklopfen, das Gewand vom Sand leeren. Mohamed Wasula gab mir etwas Wasser zu trinken. Was für ein Genuss! Anschließend wurden die Kamele befreit und ohne großes Palaver ging es weiter. Das wäre bei uns auf der Titelseite der Bildzeitung gewesen. Hier gab es nicht einmal eine Randnotiz, verrückte Welt!

Ohne viele Umstände ritten wir weiter. Gegen späten Nachmittag, mir tat mein Hinterteil mehr weh, als ich erzählen kann, erreichten wir die Stadt Alexandria. Ein imposanter Anblick. So groß hätte ich sie mir nicht vorgestellt. Überall die hohen Türme und die vielen Häuser. Wahnsinn!

„Wie wollt ihr hier Omar finden?“, fragte ich Mohamed Wasula.

„Da benötigen wir viel Glück. Wenn ich den Kerl richtig einschätze, wird er versuchen, meine Tochter zu verkaufen. Das kann er am besten auf dem Basar. Nur dort wird gehandelt. Mit allem, was es gibt.“

„Aber Menschen? Werden die auch so verkauft? Ist der Sklavenhandel denn noch möglich?“, fragte ich.

Mohamed Wasula schaute mich sehr fragend an und sagte: „Selbstverständlich, es werden Mädchen und Jungen offiziell angeboten und verkauft, aus allen Ländern“, antwortete Mohamed Wasula.

Wir ritten in die Stadt und erreichten den Basar. Ein buntes Treiben erwartete uns. Überall waren Händler mit ihren Waren und riefen irgendetwas, um die Kunden von ihrer Ware zu überzeugen. Da waren Stände mit Gewürzen in allen Farben, Kleidungsstücken in den prächtigsten Stoffen. Stände mit Essen, Früchten, mit Krügen und was weiß ich noch.

Wir stiegen ab und die Kamele wurden angebunden. Zwei Männer blieben bei den Kamelen und versorgten sie mit Wasser und Futter. Die anderen Männer teilten sich auf. Sie schienen genau zu wissen, wonach Sie suchten. Mohamed Wasula nahm mich an seine Seite und bedeutete mir ihm zu folgen. Nun, was sollte ich auch sonst tun? Hatte eh nichts im Terminkalender stehen.

Wir gingen recht schnell durch die Gassen der Händler. Hier und da sprach Mohamed Wasula einen Händler an. Die meisten schüttelten mit dem Kopf. Ich nahm an, dass er nach seiner Tochter fragte. Irgendwann zeigte einer der Händler in eine Richtung. Dort sollte ein Händler sein, der mit Sklaven handelte, erklärte mir Mohamed Wasula. Wir liefen los. Als wir an den besagten Stand kamen, war ein kleiner unscheinbarer Mann mit kurzen schwarzen Haaren damit beschäftigt, ein paar Krüge ordentlich aufzustellen. Mohamed Wasula begrüßte ihn, als ob er ihn schon lange kannte. Es entwickelte sich ein Gespräch, das ich leider nicht verstand. Mohamed Wasula wurde immer lauter und zog plötzlich den Mann zur Seite, und bevor ich wusste, was los war, hatte er seinen Säbel an der Kehle des Mannes. Das kannte ich doch irgendwoher. Kurz darauf kam Mohamed Wasula zu mir.

„Die Söhne von Schweinen waren hier. Sie sollen unten am Hafen sein“, sagte er. Kurz darauf eilten wir mit den Männern von Mohamed Wasula in Richtung Hafen. Dort lagen viele kleinere und größere Schiffe und Boote. Ein emsiges Treiben herrschte auch hier. Ständig liefen Männer mit irgendwelchen Gütern auf die Schiffe herauf oder von den Schiffen herunter. Wie sollten wir da Omar finden? Plötzlich fielen mir zwei Männer auf, die einen Teppich trugen. Er musste sehr schwer sein. Außerdem war er sehr dick.

„Ich wette“, sagte ich zu Mohamed Wasula, „dort ist deine Tochter drin.“

Im Eiltempo liefen wir zu den Männern. Die Männer von Mohamed Wasula zogen ihre Säbel, und bevor sie die Männer mit dem Teppich erreichten, kamen andere Männer von überallher. Auch Omar war dabei. Da ich kein Kämpfer, geschweige denn eine Waffe hatte, hielt ich mich zurück. Es gab einen heftigen Kampf. Überall wurde gekämpft und es gab Tote und Verletzte. Mohamed Wasula war ein guter Kämpfer, er wirbelte mit seinem Säbel durch die Gegend, dass einem schwindelig wurde. Wie viele Angreifer es waren, kann ich nicht sagen. Ich hatte hinter einem Fass Schutz gesucht und wartete auf den Ausgang des Kampfes. An den Teppich zu kommen, war so gut wie unmöglich, ohne von den Kämpfenden entdeckt zu werden.

Mohamed Wasula und seine Männer kämpften mit dem Mut der Verzweiflung.

Mohamed Wasula und Omar kämpften wie in den besten amerikanischen Abenteuerfilmen. Leider war das hier kein Film. Da, Mohamed Wasula schlug eine Finte und stieß Omar den Säbel in den Bauch. Blut spritze und lief am Säbel von Mohamed Wasula entlang. Das war das Ende des Kampfes. Die anderen Kämpfer hatten gesehen, dass ihr Anführer gefallen war, und zogen sich wie flinke Ratten zurück. Ich kam aus meinem Versteck und lief zum Teppich. Vorsichtig wurde er auseinandergefaltet und da lag sie, Aynur. Sie war wach, und als sie ihren Vater sah, fing sie an zu weinen und umarmte ihn.

„Lasst mich nach der Wunde sehen“, sagte ich. Vorsichtig schob ich ihre Bekleidung an der Hüfte beiseite und sah, dass der Verband blutig war.

„Sie muss sofort neu verbunden werden“, sagte ich. Mohamed Wasula nahm seine Tochter und trug sie auf den Armen.

„Kommt mit“, sagte er knapp. Ein kleines Haus am Rand des Hafens war unser Ziel. Es war so eine Art Wirtshaus. Mohamed Wasula stürmte hinein und rief etwas zum Wirt. Der zeigte auf einen angrenzenden Raum. Dort war ein Bett. Mohamed Wasula legte Aynur vorsichtig darauf.

„Ich benötige Verbandszeug und heißes Wasser“, sagte ich zu Mohamed Wasula. „Nadel und Faden wären ebenfalls angebracht, wenn ich einige Wunden deiner Männer sehe.“ Wahrscheinlich musste ich auch die Wunde von Aynur neu versorgen, aber das behielt ich lieber für mich.

Mohamed Wasula sprach mit dem Wirt und einer seiner Männer machte sich auf den Weg, um die Sachen zu holen. Kurz darauf hatte ich alles, was ich brauchte, versorgte die Wunde von Aynur und flickte die Männer zusammen. Einige Wunden musste ich ohne ein schmerzstillendes Mittel nähen. Doch kein Laut des Schmerzes kam über die Lippen der Männer.

Ich hatte mehr Glück als Verstand gehabt. Der Verband von Aynur sah schlimmer aus, als es war. Sie hatte geblutet, aber ansonsten war alles in Ordnung.

„Hört, Mohamed Wasula, eure Tochter sollte mindestens zwei Tage das Bett hüten. Die Wunde muss heilen. Das geht nicht, wenn sie auf einem Kamel durch die Wüste reitet.“

Mohamed Wasula schaute mich an, nickte und sagte: „Gut Effendi, wir bleiben hier, bis meine Tochter wieder reisen kann. Ihr seid mir für ihre Gesundheit verantwortlich.“

Eine Stunde später saßen wir beim Essen, Aynur schlief.

„Effendi Rolf“, sagte Mohamed Wasula. Ich horchte auf, denn vorher hieß ich nur Effendi.

„Ihr habt meine Tochter gerettet. Was bin ich euch schuldig?“