Einfach anders - Alexandra Sigmund-Wild - E-Book

Einfach anders E-Book

Alexandra Sigmund-Wild

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Beschreibung

Einfach anders ist der Weg, den ich zusammen mit meinen Hunden gehe. Ein Weg, der von Vertrauen, Wertschätzung, Respekt und Harmonie geprägt ist. Um mit einem Hund in einer für beide Seiten zufriedenstellenden Partnerschaft leben zu können, braucht es keine Dressur, keine Hilfsmittel, keine aversiven Trainingsmethoden, sondern lediglich die Bereitschaft, das soziale Lebewesen Hund in seinem Wesen anzuerkennen. Wenn wir möchten, dass uns unser Hund versteht, uns vertraut, dann sind wir aufgefordert, uns auf ihn einzulassen, mit ihm artgerecht umzugehen und zu kommunizieren, statt zu dressieren. Das Zusammenleben mit unseren Hunden kann entspannt und einfach sein, wenn wir bereit sind, unseren vierbeinigen Begleitern auf Augenhöhe zu begegnen. Lassen Sie sich ein auf eine andere Sichtweise und erfahren Sie, wie Sie mit sehr wenig sehr viel erreichen können, wie Sie mit Ihrem Hund zu einem partnerschaftlichen Team werden. Wenn der bisherge Weg Sie nicht zu Ihrem Ziel gebracht hat, dann dürfen Sie sich öffnen für neue Wege.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

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Veröffentlichungsjahr: 2020

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Der natürliche Weg zur entspannten Mensch-Hund-Beziehung

Alexandra Sigmund-Wild

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Für unsachgemäßes Nachahmen der im Buch beschriebenen Maßnahmen wird keine Haftung übernommen, da jeder Fall individuell zu betrachten ist, um eine richtige Vorgehensweise auszuarbeiten.

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http//dnb.de abruibar.

© 2020 Alexandra Sigmund-Wild

Fotos: Dogs Cottage Pictures (Vorder- und Rückdeckel, S. 14, 75, 117, 241, 246) Elke Ihde (S.9)

Pixabay (S. 5, 15, 21, 87, 97, 110, 124, 135, 137, 158, 162, 169, 186, 189, 222 225, 232, 233, 236, 240)

Alexandra Sigmund-Wild (S. 16, 61, 244, 245)

Umschlaggestaltung: Alexandra Sigmund-Wild (Idee),

Markus Wieninger / smokeyfoxgrafix.de (Umsetzung)

Verlag & Druck: tredition GmbH, Halenreie 40-44, 22359 Hamburg

ISBN:

978-3-347-01144-1 (Paperback)

978-3-347-01145-8 (Hardcover)

978-3-347-01146-5 (e-Book)

Klassisches Hundetraining ist nicht artgerecht, weil es nicht dem natürlichen Verhalten des Hundes entspricht.

Klassisches Hundetraining führt zu

Verhaltensauffälligkeiten (z.B. aggressives Verhalten),

einem Hund, der nicht alleine bleiben kann,

einem Hund, der an der Leine zerrt und / oder Probleme bei Hundebegegnungen / mit Artgenossen hat,

einem Hund, der jagen geht,

usw.

Warum?

Weil das klassische Hundetraining nicht das Wesen Hund anerkennt, nicht beachtet, was der Hund TATSÄCHLICH vom Menschen braucht.

Weil alle Probleme, die im Alltag mit dem Hund auftreten, durch einen nicht artgerechten Umgang mit dem Hund entstehen, weil man gängigen Erziehungstipps vertraut hat, weil man Hundeschulen besucht hat, weil man mit Leckerchen und Co. gearbeitet hat.

 

Wünschen Sie sich ein harmonisches Miteinander mit Ihrem Hund?

Wünschen Sie sich ein entspanntes Miteinander im Alltag?

Wünschen Sie sich einen Hund, dem Sie vertrauen können und der vor allem Ihnen vertrauen kann?

Wünschen Sie sich einen Hund, der sich ohne Bestechung (Leckerli, Spielzeug, …) an Ihnen orientiert?

 

Dann MÜSSEN Sie Ihrem Hund ein fairer Partner sein,

der bereit ist, ihn artgerecht zu behandeln,

mit der Bereitschaft den Hund zu verstehen und ihn in seinem Wesen anzuerkennen und zu respektieren.

Erst dann haben Sie einen ausgeglichenen Hund an Ihrer Seite,

der Ihnen vertraut, sich vertrauensvoll Ihnen anschließt.

 

Wer mit Konditionierung arbeitet, missachtet das Wesen des Hundes.

Wer mit Grobheiten arbeitet, missachtet das Wesen des Hundes.

Wer den Hund vermenschlicht, missachtet das Wesen des Hundes.

Schluss damit!

Erkennen Sie an, was Ihr Hund ist!

Interagieren Sie mit Ihrem Hund SEINER Natur entsprechend!

Nur so kann ein harmonischesMiteinander entstehen.

INHALT

Einfach anders

Konditionierung ist keine Erziehung

Ohne Konditionierung? Geht das?

Hunde haben individuelle

Fähigkeiten und Fertigkeiten

Problemhund? Problemverhalten?

Wessen Thema ist es?

Wessen Entscheidung ist es?

Erwartungen kreieren Themen

Fehlersuche

Symptombekämpfung

Hundetraining löst keine Probleme

Wie sich Hundetraining auswirken kann

Konditionierung löst im besten Fall keine

Themen… sie kreiert Themen

Konditionierung aus Sicht des Hundes

Erschaffe ich mir selbst die Themen

im Zusammenleben mit meinem Hund?

Worauf richte ich meinen Fokus?

Emotionen, ein wesentlicher Faktor in der Mensch-Hund-Kommunikation

Die Sache mit der Aufmerksamkeit

„So ein Verräter!“

Meine Erwartungen an meinen Hund

Ein Hund ist ein Hund!

„Faktor“ Mensch

Stress macht krank!

Die drei Säulen für eine harmonische Mensch-Hund-Beziehung

Säule 1: Ich verwalte Ressourcen

Säule 2: Grenzen und Regeln

Säule 3: Souveränität

Keine 10 Gebote!

Vorsicht Falle!

So ein sturer Hund

Lob - das Ende der Kommunikation

Aus der Praxis – Fallbeispiele

Ein Thema – viele Ursachen

Mit einem Augenzwinkern

Keine Terroristen-Gang

Kontrollverlust und Zerstörungswahn

Angst und Panik

Katzenjäger?

Oder einfach nur gewusst wie…?

Leinen-Rambo

Wie wichtig es ist, bei der Entscheidung zu bleiben

„Hilfe, mein eigener Hund droht mir!“

Aus purer Liebe zum Nervenbündel

Überschwängliche Begrüßung

Artgenossenaggression

Was spricht der Hund? Körpersprache und innerartliche Kommunikation

Was bedeutet was?

Hunde lernen sich kennen

Maßregelungen

Aus der Mitte gekippt

„Der Hund muss weg!“

Warum fällt es mir so schwer,

Führung zu geben?

Geben Sie sich Zeit!

Ich wünsche mir…

Ich wünsche Ihnen…

Auf einen Blick

Über die Autorin

Kontakt

Danke!

Lesetipp

Ihr dürft nicht fehlen

Anhang

Bevor Sie gehen…

EINFACH ANDERS

Mit diesem Buch erfinde ich bestimmt nicht das Rad neu. Dies ist auch überhaupt nicht meine Motivation. Meine Motivation für dieses Buch ist die Tatsache, dass die Mehrheit der Menschen noch immer glaubt, unsere Hunde müssten konditioniert werden. Dieses Denken spiegelt sich auch in der schier unüberschaubaren Vielzahl an Hundeschulen, die wie die Pilze aus dem Boden schießen, zeigt sich in der Flut an Hundeerziehungsratgebern in Buchform und Fernsehsendungen mit Profis oder Flüsterern, überflutet quasi das World Wide Web, das schier auf jede x-beliebige Hundeerziehungsfrage den ultimativen passenden Tipp hat. Dabei gibt es, um dann den Hundehalter, der teils ohnehin schon nicht mehr weiß, wem er nun Glauben schenken darf, für jedes Problem noch einmal zig teils völlig unterschiedliche Ratschläge. Wen verwundert es angesichts dieser Tatsache, dass der „Bedarf“ an eben diesen unzähligen Büchern, Trainern, TV-Sendungen usw. scheinbar gar nicht mehr gedeckt werden kann.

Haben Sie sich schon einmal überlegt, warum es gerade heutzutage solch eine Flut an Hunderziehungsratgebern, Fernsehsendungen, Hundeschulen und dergleichen mehr gibt? Was haben die Menschen vor 30 oder 40 Jahren gemacht? Hatten die damaligen Hundehalter unkontrollierbare Bestien zu Hause? War es ihnen damals völlig egal, ob ihr Hund für Menschen oder Artgenossen eine Gefahr ist, ob er jagen geht, ob er an der Leine zieht? Ich denke, die Antwort hierauf kann ich mir sparen.

Hundeschulen, Hundeerziehungsratgeber, Hundesport, Hundeernährungsfachgeschäfte, Hundeauslastungsmodelle, Hundeerziehungsmodelle, Hundefriseure und alles, was es rund um das Thema Hund sonst noch geben mag, ist eine Erscheinung der neueren Zeit, um Hunde für die konditionierte Menschenwelt innerlich und äußerlich passend zu formen. Meine Schwiegereltern hatten in jungen Jahren ebenfalls immer Hunde. Und, man mag nun staunen, ihre Hunde mussten weder hungern, weil es fertiges Hundefutter in abgepackter Form nicht gab, noch wurden die Hunde in irgendeiner Form konditioniert. Der Grund hierfür ist ganz einfach: Es wäre schlicht und ergreifend nie jemand auf die Idee gekommen, die Hunde zu dressieren. Diese lebten mit im Haushalt oder mit auf dem Hof, brauchten keine Leine, konnten sich frei bewegen, ohne dass jemand befürchten musste, dass der Hund fortlaufen oder anderen Menschen gefährlich werden würde. Es gab auch keine Hundetrainer, keine Hundeschulen und keine Hundeerziehungsbücher usw. Das alles brauchte niemand. Warum glauben daher so viele Menschen heute all das zu benötigen?

Ich kann förmlich den ein oder anderen mit den vermeintlich ultimativen Gegenargumenten im Kopf mit den Füßen scharren hören. Glauben Sie mir, ich kenne viele der Gegenargumente. Einige davon möchte ich gerne aufgreifen.

• „Aber das geht doch nicht, dass ein Hund nicht hören muss!“

Ja, dem stimme ich zu 100 Prozent zu. Das geht in unserer Gesellschaft tatsächlich nicht. Waren früher die Strukturen noch wesentlich ländlicher, die Verkehrslage noch deutlich entspannter, so finden sich viele Hunde heute mit ihren Menschen in einer immer hektischer werdenden Welt, mit deutlich mehr Verkehr, Verkehrswegen, mehr Menschen, die dichter wohnen usw. ABER: Hunde zu konditionieren ist weder hündisch bzw. artgerecht, noch führt es dazu, dass wir den Hund TATSÄCHLICH kontrollieren können. Die Kontrolle, die viele dadurch glauben zu haben, ist nichts weiter als die Bereitschaft des Hundes auf die Kommandos zu reagieren und diese auszuführen. Wenn der Reiz groß genug ist, versagen unter Umständen Kommandos auf ganzer Linie. Und der Hund kann noch so perfekt konditioniert sein.

• „Aber wenn ich mit positiver Verstärkung (Leckerchen / Lob) trainiere, dann ist das doch gut für meinen Hund!“

Das ist es DEFINITIV nicht! Ich kann mich an eine Hündin erinnern, die von ihrer Besitzerin ausschließlich mittels positiver Bestärkung trainiert wurde. Was aus dieser Hündin geworden war, war gelinde ausgedrückt ein Bild des Jammers: Ein Hund, der gefangen war in einer erlernten Hilflosigkeit, der überhaupt nicht mehr in der Lage war, ohne die Hundehalterin eine Bewertung für eine Situation zu finden und dadurch permanent heillos überfordert war. Die Hündin suchte allein schon beim Erscheinen von anderen Personen hinter ihrer Halterin Schutz, die diese wiederum für ihr (vermeintlich freiwilliges) Kommen mit Keksen belohnte. Der Hund wurde den ganzen Tag über für jedes aus Hundehaltersicht positive Verhalten mit Leckerchen belohnt. Je mehr die Besitzerin belohnte, desto unsicherer, ängstlicher und misstrauischer wurde die Hündin. Alles resultierend aus der vermeintlich positiven Verstärkung. Warum? Weil die Frau der Hündin damit mitteilte, dass sie selbst keine Führung übernimmt. Wie das zustande kommt, werden Sie in diesem Buch erfahren.

• „Mein Hund muss doch lernen, wie er sich anderen Hunden gegenüber zu benehmen hat.“

Wirklich? Muss er das tatsächlich lernen? Kann er sich denn ohne uns oder ohne Sozialisierung in einer Welpengruppe bzw. Hundeschule gar nicht benehmen? Ein Wunder, dass es noch immer Straßenhunderudel gibt. Müssten sie sich doch selbst allesamt längst ausgerottet haben, eben weil sie doch gar nicht in der Welpengruppe oder in einer Hundeschule waren, wo sie ein vernünftiges Miteinander gelernt hätten. Was nur haben die Hunde früher ohne all diese wahnsinnig sinnvollen Erfindungen gemacht? Wer bitte hat ihnen denn Benimm und Anstand anderen Hunden gegenüber beigebracht. Richtig! Niemand! Und auch heute noch werden Straßenhunde nicht konditioniert und trotz allem (oder vielleicht gerade deswegen) leben sie friedlich in ihren Rudeln zusammen.

• „Mein Hund braucht doch geistige Auslastung!“

Ach, wirklich? Warum sind die Hunde vor einigen Jahrzehnten noch alle uralt geworden – und das vor allem gesund? Kann es vielleicht daran liegen, dass sie um einiges stressfreier leben durften, weil sie nicht „ausgelastet“ wurden? Welches Wolfsrudel trifft sich denn zum Joggen mit Wolfskumpels? Welches Straßenhunderudel hüpft über Mülltonnen und Zäune zwecks Auslastung? Warum also glauben wir, wir müssten unsere Hunde mit Intelligenzspielzeug, Apportieren, Agility usw. „auslasten“?

Vielleicht waren hier einige Denkanstöße dabei, die Ihnen zeigen, dass unsere Einstellung gegenüber dem Thema Hund gewaltig in Schieflage geraten ist.

KONDITIONIERUNG IST KEINE ERZIEHUNG

Zu glauben, dass man durch die Konditionierung einen Hund erzieht, ist schlicht ein Irrglaube. Um Ihnen zu zeigen, warum dem so ist, werde ich Ihnen die Begriffe „Konditionierung“ bzw. „Erziehung“ erläutern.

Konditionierung

Die Lernpsychologie versteht unter Konditionierung Formen des Lernens von Reiz-Reiz-Assoziationen bzw. Reiz-Reaktions-Assoziationen durch eine wiederholte Koppelung von Reizen. Klingt im ersten Augenblick unter Umständen etwas verwirrend. Ich werde Ihnen an Beispielen die Konditionierungsarten verdeutlichen, sodass diese für Sie auch nachvollziehbar sind.

Man unterscheidet man zwei Arten der Konditionierung: die klassische und die instrumentelle bzw. operante Konditionierung.

Klassische Konditionierung

Iwan Petrowitsch Pawlow, ein russischer Mediziner und Physiologe, untersuchte 1918 die Verdauungsprozesse von Hunden. Durch Zufall entdeckte er dabei die Zusammenhänge der klassischen Konditionierung. Pawlow stellte fest, dass die Hunde verstärkt speichelten, sobald sein Assistent ihnen das Futter brachte. Ähnliches Verhalten können Sie bestimmt bei Ihrem eigenen Hund ebenfalls feststellen. Des Weiteren erkannte Pawlow, dass die Hunde auch bereits dann speichelten, wenn sie das Futter oder den Assistenten noch gar nicht sehen konnten. Es genügte offensichtlich, wenn sie diesen hörten.

Dass Hunde in Erwartung von Nahrung beginnen zu speicheln, ist eine natürliche Reaktion. Auch wir Menschen kennen dieses Phänomen. Uns läuft in Anbetracht einer leckeren Speise oder auch nur dem Gedanken daran das Wasser im Mund zusammen. Damit bereitet sich der Körper auf die Nahrungsaufnahme bzw. auf die Nahrungsverwertung vor. Im Speichel sind Enzyme enthalten, die dafür sorgen, dass bereits in der Mundhöhle sozusagen die ersten Schritte der Verdauung stattfinden.

Die Tatsache, dass die Hunde speichelten, sobald sie den Assistenten nur hörten, veranlasste Pawlow, dem ganzen auf dem Grund zu gehen. Er startete einen Versuch, der sich wie folgt darstellte:

Pawlow kombinierte die Futtergabe jeweils mit einem zweiten Reiz – einem Glöckchen, das er klingen ließ. Nach einigen Wiederholungen stellte er fest, dass bereits das Erklingen des Glöckchens ausreiche, um das Speicheln der Hunde auszulösen. Diese hatten nun den Ton des Glöckchens mit der Futtergabe verbunden.

Das Ertönen des Glöckchens hatte für den Hund ursprünglich keinerlei Bedeutung. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von einem neutralen Reiz. Indem Pawlow nun die Situation (Futter im Zusammenhang mit dem Klang des Glöckchens) oft genug wiederholte, löste er den Speichelfluss ab einem bestimmten Zeitpunkt allein dadurch aus, dass er die Glocke erklingen ließ. Damit wurde die Glocke zu einem bedingten Reiz, der nun seinerseits für sich alleine schon die gleiche Reaktion auslösen konnte, wie der unbedingte Reiz (das Futter). Aus der unbedingten Reaktion (Speichelfluss) wurde eine bedingte Reaktion auf den Klang der Glocke.

Bei der klassischen Konditionierung hat der lernende Organismus KEINE Kontrolle über die von ihm ausgelöste Reaktion. Das heißt konkret: Die Reaktion ist nicht willentlich beeinflussbar.

Wenn Sie sich zum Beispiel einmal den Magen ordentlich an einer Mahlzeit verdorben haben, kennen Sie dieses Phänomen sogar. Ich hatte solch ein Erlebnis einmal im Urlaub. Dort kaufte ich mir an einem Straßenstand einen leckeren Crêpe mit Schokoladencreme. Es war durchaus sehr schmackhaft, bescherte mir doch kurze Zeit später Montezumas Rache, die mich zu einem mehrstündigen Toilettenaufenthalt zwang. Seither wurde mir regelrecht übel, sobald ich nur diese Süßspeise sah. Und das, obwohl ich sehr wohl wusste, dass mein damaliges Erlebnis mit Sicherheit von den unter Umständen nicht optimalen Hygieneverhältnissen des Straßenverkaufs bzw. der nicht optimalen Lagerung der Zutaten für das Crêpe rührten. Auch konnte ich meine aufkommende Übelkeit keineswegs willentlich beeinflussen. Meine aufkommende Übelkeit war klassisch konditioniert.

Inzwischen muss ich allein beim Anblick von Crêpes mit Schokocreme nicht mehr gegen aufkommende Übelkeit ankämpfen. Auch das ist ein Phänomen der klassischen Konditionierung. Ein bedingter Reiz kann auch wieder verlernt werden. Man spricht dann von einer Extinktion (= Löschung), die dann zu Tage tritt, wenn es keine Wiederholung mehr von der ursprünglichen Verbindung gibt. Das heißt, würde man dem Hund aus Pawlows Versuch bei einem Glockenton nie mehr Futter anbieten, dann würde das Erklingen der Glocke keinen Speichelfluss mehr auslösen.

Die Erkenntnis aus Pawlows Versuch nutzt man im Hundetraining. Man verbindet einen Reiz, der vorher neutral für den Hund war, mit einem Reiz, der für den Hund eine Bedeutung hat.

Das Wort „Sitz“ hat für den Hund keinerlei Bedeutung. Es löst keine Reaktion in ihm aus. Wenn ich nun beginne, dieses Wort immer in dem Augenblick zu sagen, wenn der Hund sich mit seinem Hinterteil dem Boden nähert UND ihm dazu beispielsweise einen leckeren Keks ins Maul stecke, dann bekommt das Signal „Sitz!“ für den Vierbeiner nach AUSREICHENDER WIEDERHOLUNG eine Bedeutung.

Damit sind wir auch schon bei einem weiteren Nachteil der Konditionierung: Ich muss wiederholen. Und das teilweise zig Male, am besten mehrmals täglich und vor allen Dingen regelmäßig, möchte ich, dass mein Hund ein Kommando zuverlässig verknüpft hat.

Der nächste Nachteil der positiven Verstärkung ist, dass aus der positiven Belohnung schnell eine negative Strafe werden kann. Warum dem so ist, erkläre ich Ihnen. Bei einer positiven Belohnung fügt man dem Hund etwas zu. Positiv ist damit wie in der Mathematik zu sehen: Man fügt etwas hinzu. Belohnung heißt etwas Angenehmes. Damit ist die positive Belohnung (oder auch Verstärkung) das Zufügen von etwas Angenehmen.

Ist ein Kommando ausreichend konditioniert, so sollte man die Belohnung langsam ausschleichen. Das heißt, der Hund bekommt nicht mehr jedes Mal ein Leckerchen. Damit bestrafe ich meinen Hund nun wiederum allerdings. Denn eine negative Strafe heißt nichts anderes, als dem Hund etwas Angenehmes wegzunehmen. Damit nehme ich die damit verbundenen Emotionen Frustration und Enttäuschung beim Hund willentlich in Kauf.

 

Operante und instrumentelle

Konditionierung

Die positive und negative Belohnung, wie auch die positive bzw. negative Strafe sind Teil der operanten bzw. instrumentellen Konditionierung. Oftmals werden die operante und instrumentelle Konditionierung in einen Topf geworfen, jedoch unterscheiden sich diese beiden.

Die instrumentelle Konditionierung ist ein Lernen am Erfolg, Lernen durch Versuch und Irrtum. Das Verhalten wird als Instrument (Mittel, Werkzeug) eingesetzt, um etwas herbeizuführen. Damit bezweckt der Hund ein bestimmtes Ziel zu erreichen und hat entweder Erfolg oder eben nicht. Je nachdem wird er beim nächsten Mal wieder dasselbe oder ein anderes Verhalten an den Tag legen. Der Hund lernt also eine bestimmte Verhaltensweise mit dem Ziel, eine bestimmte Konsequenz zu erreichen. Diese Art des Lernens gehört neben dem Lernen durch Nachahmung zum natürlichen Repertoire des Hundes. Er lernt durch Erfolg und Misserfolg sein Handeln anzupassen.

Edward Lee Thorndike begann die Erforschung der instrumentellen Konditionierung mit Tierversuchen, die er im Rahmen seiner Doktorarbeit machte. Er setzte Katzen, Hunde und Hühner in von ihm selbst gebaute “puzzle boxes“ (Rätselkäfige) mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden und stoppte die Zeit, die die Tiere zur Befreiung benötigten.

Thorndike legte als Anreiz gut sichtbar für die Tiere Futter neben den Käfig. Hatte das Tier Erfolg und war mit Futter belohnt worden, setzte er es zurück in den Käfig und stoppte erneut die Zeit, die nun verstrich, bis das Tier die Käfigöffnung fand. Die Tiere zeigten deutlich, dass sie immer weniger Zeit benötigten, um den Ausgang zu finden, führte eine bestimmte Verhaltensweise (die Lösung des Puzzles) zur erwünschten Konsequenz (der Befreiung / Futter). Die Tiere hatten gelernt, dass ein bestimmtes Verhalten ein von ihnen erwünschtes Ziel zur Folge hat.

Im Gegensatz zur bedingten Reaktion bei Pawlows Hunden haben die Tiere bei Thorndike gelernt, dass ein bestimmtes Verhalten eine bestimmte Konsequenz zur Folge hat. Pawlows Hunde dagegen haben gelernt, dass nach einem bestimmten Reiz ein bestimmtes Ereignis eintritt.

Bei der operanten Konditionierung dagegen bestätigt man ein beliebiges spontanes Verhalten, das vom Lebewesen auch unbeabsichtigt oder rein zufällig gezeigt werden kann. Hier wird die Häufigkeit eines ursprünglich spontanen Verhaltens durch angenehme oder unangenehme Konsequenzen nachhaltig verändert. Man kann diese Art des Lernens auch als Lernen durch Belohnung oder Bestrafung bezeichnen. Die Verhaltensweisen können aus dem natürlichen Repertoire stammen, oder aus natürlichem Verhalten abgeleitet sein. Durch eine positive oder negative Verstärkung wird die Wahrscheinlichkeit, dass das Verhalten wieder gezeigt wird, erhöht.

Durch die positive oder negative Strafe wird die Wahrscheinlichkeit, dass das Verhalten wieder gezeigt wird, dagegen verringert.

Diese Tatsache kann man sich beim TrickDog zunutze machen. Möchte man beispielsweise seinem Hund das „Würfeln“ beibringen, kann einen Schaumstoffwürfel vor ihm hinlegen, den der Hund irgendwann beispielsweise mit der Nase berührt. In dem Moment, in dem er dieses Verhalten zeigt, bestätigt man positiv mit Futter. Der Hund wird dieses Verhalten immer öfter zeigen, um letztlich wieder an das Leckerchen zu gelangen. Wird ein Hund, der bei Tisch bettelt künftig ignoriert, wird dieser Hund das Betteln sein lassen. Das Verhalten hat keine Konsequenzen mehr für ihn.

Die Unterscheidung von positiver und negativer Belohnung und Bestrafung soll folgende Übersicht verdeutlichen:

Ein Verhalten tritt häufiger auf

Ein Verhalten wird weniger oft gezeigt

Positive Belohnung Es wird etwas Angenehmes hinzugefügt

Positive Bestrafung Es wird etwas Unangenehmes hinzugefügt

Lob, Leckerchen, Spiel, usw. Emotion: Freude

Anschreien, Einschüchterung, Leinenruck, usw. Emotion: Angst, Schmerz, Stress

Negative Belohnung Es wird etwas Unangenehmes entzogen

Negative Strafe Es wird etwas Angenehmes entzogen

Leinenzug wird weggenommen, sobald sich Hund setzt, usw.

Die erwartete Belohnung bleibt aus oder wird weggenommen, usw. Emotion: Frustration, Enttäuschung

Emotion: Erleichterung

 

Auch diese Form der Konditionierung hat seine Nachteile: Ich muss mit Belohnung oder Bestrafung arbeiten, um ein erwünschtes Verhalten hervorzurufen oder ein unerwünschtes Verhalten zu unterdrücken. Auch hier gilt: Es sind Wiederholungen notwendig.

Ich denke, Sie haben inzwischen erkannt, dass eine Konditionierung keine Erziehung ist. „Unter Erziehung versteht man die pädagogische Einflussnahme auf die Entwicklung und das Verhalten Heranwachsender. Dabei beinhaltet der Begriff sowohl den Prozeß als auch das Resultat dieser Einflußnahme.“1

Diese Definition zeigt, wenngleich sie sich hier auf die Erziehung des Menschen bezieht, was das Ziel des Vorhabens ist: Die Veränderung bzw. die Beeinflussung des Verhaltens. Erziehung verändert also Verhalten. Erziehung führt zudem zu Vertrauen und zu einem „Verstandenwerden“. Und im Gegensatz zur Konditionierung missachtet man dabei nicht das Wesen des Hundes, indem man ihm lediglich Tricks wie „Sitz! Platz! Hier!“ beibringt, die mehr oder minder reflexartig ausgeführt werden. Eine Erziehung ist für den Hund dagegen nachvollziehbar, sie vernachlässigt nicht wie die Konditionierung sein Sozialverhalten.

Hunde sind hoch soziale Lebewesen, die in der Lage sind, fein abgestuft zu kommunizieren und zudem über eine Stimmungsübertragung eine Situation erfassen können. Die Konditionierung spricht genau dies den Hunden ab, degradiert sie damit zu reinen Befehlsempfängern. Ein gut konditionierter Hund wird Ihnen bis zu einem bestimmten Grad folgen, aber lediglich aus Angst vor Bestrafung oder aber, um an das begehrte Leckerchen oder Spielzeug zu kommen. Respekt dürfen Sie dabei von Ihrem Hund nicht erwarten - und leider auch kein Vertrauen. Weder Respekt noch Vertrauen kann ich mir durch die Konditionierung beim Hund erarbeiten. Das ist DEFINITIV NICHT möglich.

Und dem nicht genug: Sie erreichen mit der Konditionierung zudem nur das Gegenteil. Ein konditionierter Hund KANN Ihnen gar nicht vertrauen oder Sie respektieren. Die Hundewelt ist eben eine soziale Welt, in der nicht konditioniert, sondern sozial interagiert wird.

Hunde sind sozial obligate Wesen. Das heißt sie brauchen ein funktionierendes SOZIALES Gefüge, um ausgeglichen und damit auch zufrieden leben zu können. Für Hunde ist es überaus wichtig, dass sie in diesem Gefüge einen klaren Platz zugewiesen bekommen. Sie wollen Struktur und diese beinhaltet Regeln und Grenzen. So leben auch Hunde miteinander. Oder haben Sie schon einmal einen Hund erlebt, der belohnt, so wie wir es tun? Haben Sie jemals einen Hund gesehen, der konditioniert?

Als Mensch sollte ich mir unbedingt bewusst sein, dass ich mit meinem Hund artgerecht kommunizieren MUSS, möchte ich, dass mich der Hund auch verstehen kann. Konditionierung ist keine artgerechte Kommunikation – es ist überhaupt keine Kommunikation! Konditionierung ist lediglich eine Dressur und hat mit einer sozialen Interaktion überhaupt nichts zu tun, sondern „steuert“ lediglich mehr oder minder erfolgreich den Hund. Damit ist die Konditionierung auch keine Erziehung.

Wie viele Hunde beherrschen zig Kommandos perfekt, funktionieren auf dem Hundeplatz wie auf Knopfdruck und zeigen sich im Alltag dennoch problematisch, jagen Jogger, Katzen oder Wildtiere, reagieren aggressiv auf Artgenossen oder auch auf Menschen? Ursache dafür ist, dass hier zwei Arten (Mensch und Hund) jeweils völlig unterschiedlich miteinander kommunizieren. Kommunizieren wir Menschen hauptsächlich verbal, so tun Hunde das über die Körpersprache. WIR sind gefordert, unsere Kommunikation der der Hunde anzupassen und nicht umgekehrt. Wie sonst soll eine Verständigung funktionieren, wenn der eine arabisch und der andere chinesisch spricht?

Was ein Hund braucht, ist ein Mensch, der seine Grundbedürfnisse (Schutz, Sicherheit, Nahrung, Zuneigung) befriedigt und zudem verantwortlich für alle Ressourcen ist.

Möchte ich also den Respekt und auch das Vertrauen meines Hundes bekommen, so muss ich mir beides verdienen – und zwar täglich, sein Leben lang. Die Hundewelt funktioniert eben anders als die unsere, in der ein Bundeskanzler eben einmal für vier Jahre gewählt wird. In der Hundewelt darf ich mich jeden Tag wieder als führungskompetent und souverän beweisen.

In einem sozialen Miteinander ist das Respektieren von Regeln und Grenzen ein Zeichen von Vertrauen. Gleichzeitig zeugt dies auch von Respekt. Kommuniziere ich meinem Hund souverän (friedfertig und bestimmt) die Grenzen und Regeln – und zwar so, dass er diese verstehen kann – wird er sich mir vertrauensvoll anschließen können und sich nicht verpflichtet fühlen, selbst Konflikte für sich zu lösen, dessen Ausführung zudem meist auch nicht der Vorstellung des Menschen entspricht.

Mit Kommandos und Befehlen kommuniziere ich mit meinem Hund über Umwege, statt ihm direkt mitzuteilen, was ich möchte. Kein Wunder also, dass es für einen Hund überhaupt nicht nachvollziehbar sein kann, warum er sich beispielsweise immer dann zu setzen hat, wenn ein Radfahrer entgegenkommt. Anstatt dem Hund klar zu zeigen, dass ich es nicht wünsche, dass er andere Menschen „belästigt“ oder gar Schlimmeres, erteile ich einen Befehl (= Kommando). Diesen wird der Hund zwar unter Umständen ausführen, wenn er dazu nicht zu aufgeregt und damit in der Lage ist, jedoch wird NIE begreifen / verstehen, warum er sich hinzusetzen hat, wenn ein Jogger oder Radfahrer des Weges kommt. Nicht nur, dass der Hund durch ein konditioniertes Kommando, was letztlich nichts weiter bedeutet, als dass er einen Reflex (Handlung) auf einen gesetzten Reiz (Kommando) zeigt, niemals tatsächlich verstehen kann, was wir von ihm wollen, es verhindert auch, dass der Hund selbstständig auf eine Lösung in der jeweiligen Situation kommen kann und damit erst ein echtes Lernen möglich ist. Letztlich führt das wiederum dazu, dass wir zeitlebens auf Kommandos angewiesen sind und unser Hund nie eine Lösung parat haben kann.

Der Hund ist der sechste Sinn des Menschen.

Friedrich Hebbel

1 Brockhaus Enzyklopädie, Stichwort Erziehung, Bd. 5, 17. Auflage, Wiesbaden 1968, S. 707.

OHNE KONDITIONIERUNG? GEHT DAS?

Natürlich geht das! Und für mich ist das auch der wirklich EINZIGE Weg, ARTGERECHT mit einem Hund umzugehen.

So manches Mal bekam ich in der Vergangenheit vor allem in den sozialen Netzwerken die Frage gestellt, wie ich Hunden etwas beibringe, wie ich erwünschtes Verhalten belohne. Meine Antwort darauf: Ich bringe Hunden nichts bei. Warum auch? Sie können doch alles, was sie können müssen. WIR müssen lernen, richtig mit unseren Hunden umzugehen. Auch lernen bei mir Hunde beispielsweise kein „Sitz-„ oder „Platzkommando“, denn sich setzen oder hinlegen können alle Hunde in der Regel wunderbar von selbst. Jetzt mag der ein oder andere sagen, dass das doch sinnvolle Kommandos sind, dass der Hund das doch auf Kommando können muss. Meine Gegenfrage: Warum?

Warum muss sich mein Hund exakt dann setzen oder ablegen, wenn ich meine, dass er das zu tun hat? Ja, ich kenne die Gegenargumente, wie zum Beispiel folgendes: "Wenn ich in einem Café bin, dann will ich, dass mein Hund bei mir sitzt oder liegt." Ich kann den Beweggrund, der dahinter steckt, durchaus nachvollziehen: Man möchte, dass der Hund beim Menschen in der Nähe bleibt.

Warum nur kommuniziere ich nicht genau DAS, sondern rede um den heißen Brei herum? Genau HIER setze ich eben anders an. Für mich ist es - wenn wir beim Beispiel Café-Besuch bleiben, wichtig, dass mein Hund in meiner Nähe ist, niemanden stört oder gar belästigt.

Ob sich mein Hund nun hinlegt oder sich setzt, ist mir vollkommen gleichgültig. Mir ist eben wichtig, dass er in meiner Nähe bleibt. Würde er versuchen, beispielsweise zum Nachbartisch zu wandern, dann würde ich mit raumkontrollierender Maßnahmen einwirken, bis er meine Grenze akzeptiert hat.2 Wirke ich nun mittels Konditionierung auf meinen Hund ein, versuche damit, ein Verhalten bei meinem Vierbeiner hervorzurufen, dann geschehen hier mehrere Dinge zugleich:

• Der Hund KANN mich VERSTEHEN. Bei einem Sitz-Kommando dagegen wird er sich bestimmt hinsetzen, jedoch nicht begreifen, WARUM er zu sitzen hat, nicht meinen eigentlichen Beweggrund, mein eigentliches Anliegen erkennen können. Im Grunde möchte ich doch nur, dass mein Hund sich nicht von mir entfernt. Nur das teile ich ihm durch Kommandos eben nicht mit.

• Zum anderen achte ich damit auch meinen Hund, sein Wesen. Weiß ich denn, ob er gerade in dem Moment, in dem ich meine, dass er beispielsweise zu setzen hat, überhaupt in der Lage ist (innere Gestimmtheit / Aufregung / usw.). Zum anderen weiß ich nicht, ob der Ort für ihn gut ist (Hunde meiden beispielsweise Erdstrahlen). Auch weiß ich nicht, ob ihm in diesem Moment irgendwo etwas weh tut (ähnlich wie bei uns, wenn uns etwas "zwickt").

Der Hund legt sich ohnehin ab oder setzt sich hin, wenn wir auch sitzen. Warum sollte er sich auch die Beine in den Bauch stehen?

Grundsätzlich spricht nichts dagegen, dass ein Hund zum Beispiel ein Sitz- oder Platzkommando kennt. Für mich ist das jedoch im Zusammenleben mit meinen Hunden überhaupt nicht mehr notwendig. Ich sehe Kommandos auch eher als "Tricks" an, die jeder Hund mehr oder minder schnell lernt. Das heißt jedoch noch lange nicht, dass ein Hund sich vertrauensvoll MIR anschließt, nur weil er die Kommandos gut ausführt. Und vor allen Dingen ist ein gut dressierter Hund noch lange kein verlässlicher Partner an meiner Seite.

In meiner täglichen Arbeit erlebe ich Hundehalter, die völlig ratlos und verzweifelt sind, vergeblich nach Hilfe gesucht haben, deren Hunde mindestens ebenso verzweifelt sind und nicht weniger selten ebenso ratlos wie ihre Menschen selbst. Hunde, die gut konditioniert sind, weitgehend funktionieren und dennoch eine ganze Liste an vermeintlichen Fehlverhalten zeigen, sind das Resultat des Hundetrainings. Denn mit Training erklären wir Menschen unseren Hunden, dass wir nicht in der Lage sind, die Führung zu übernehmen. Kein Wunder also, wenn Hunde dann Konflikte für sich selbst versuchen zu lösen – eben auf ihre Art und Weise.

Unseren Hunden wird ein Erziehungsmodell übergestülpt, welches das Wesen Hund überhaupt nicht beachtet, das den Hund zu einer funktionierenden „Maschine“ versucht zu degradieren.

Wen also wundert es, wenn gerade scheinbar gut dressierte Hunde „aussteigen“, vermeintliches Fehlverhalten zeigen? Mich ehrlich gesagt nicht! Und ich wünsche mir sehr, dass Sie am Ende dieses Buches meine Meinung verstehen können: Kein Hund braucht Hundetraining! Kein Hund braucht die Konditionierung!

Was ein Hund braucht, ist ein artgerechter Umgang mit ihm, ein Verstehen seines Wesens, ein Anerkennen seiner Fähigkeiten, ein Wertschätzen seiner Natur, Respekt vor dem Lebewesen Hund. Und dazu ist NUR eines notwendig: Die Bereitschaft, den Hund als das zu sehen, was er nun einmal ist: Ein Hund!

2 An dieser Stelle sei angemerkt, dass genau darauf im weiteren Verlauf noch sehr ausführlich eingegangen wird.

Hunde haben individuelle Fähigkeiten und Fertigkeiten

Genau wie Menschen haben auch Hunde – und im Übrigen mit Sicherheit sehr viele andere Tierarten auch – individuelle Fähigkeiten und Fertigkeiten. Hunde leben natürlicherweise in einem Verbund zusammen. Ob man das jetzt nun als Rudel bezeichnen möchte, als Verbund, als Gruppe oder wie auch immer, ist für mich nicht entscheidend, da gerade die Begrifflichkeiten teils zu heftigen Diskussionen unter „Experten“ führen, ob es nun Rudel heißen dürfe oder eben nicht.

Dass unsere Hunde keine Wölfe sind, das ist klar. Dass sie aber eben von dieser Gattung abstammen, ist auch klar. Und ähnlich wie ihre Vorfahren, schließen sich Hunde auch in Gruppen zusammen – beispielsweise Straßenhunde. In diesen Gruppen übernehmen die Hunde verschiedene Aufgaben, je nach ihrer individuellen Kompetenz. Diese Kompetenzen dürfen sie in ihrer Gruppe auch leben. Jeder tut das, was er eben am besten kann: Spuren suchen, Gefahr melden, die Gruppe sichern usw.