Einmal um die Welt - Der gelebte Traum - Susanne Hartmann - E-Book

Einmal um die Welt - Der gelebte Traum E-Book

Susanne Hartmann

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Beschreibung

Susanne Hartmann & Ralf Seck haben ihre Jobs aufgegeben, um auf einer einjährigen Weltreise interessante Menschen kennen zu lernen, faszinierende Kulturen zu erleben und entlegene Flecken unserer Erde zu erkunden. Dieses Buch erzählt den Werdegang von der Entwicklung der Idee bis zur Umsetzung ihres Lebenstraums. Zahlreiche Abbildungen, Reise-Anekdoten zum Schmunzeln und Hintergrundinformationen zum Staunen ergänzen diesen Erlebnisbericht. Die Reiseroute führt die beiden über Asien, Australien, Neuseeland, die Osterinsel, Galapagos und quer durch den südamerikanischen Kontinent bis hinunter nach Kap Hoorn. Sie ist geprägt von traumhaften Erlebnissen, unvergesslichen Eindrücken und wundervollen Begegnungen mit außergewöhnlichen Menschen und sonderbaren Tieren.

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Seitenzahl: 232

Veröffentlichungsjahr: 2014

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Der Reisebericht über unser einjähriges Abenteuer, interessante Menschen, faszinierende Kulturen und entlegene Flecken der Erde kennen zu lernen.

Ein Traum, der Wirklichkeit geworden ist, und am liebsten nie geendet hätte.

Die Autoren:

Susanne Hartmann, Jahrgang 1964, wahrscheinlich geboren mit dem Traum, um die Welt zu reisen und Ralf Seck, Jahrgang 1962, immer neugierig und offen für alles in der Welt. Seit über 20 Jahren sind die beiden unzertrennlich und so reifte die Idee, den Traum Wirklichkeit werden zu lassen.

Inhalt

1. Von der Idee zur Umsetzung (Susanne)

2. Die Entwicklung der Reiseroute (Ralf)

3. Das Reisegepäck (Susanne)

4. Der Abschied (Susanne)

5. Thailand (Ralf)

6. Bintan/Indonesien (Susanne)

7. Australien/Outback (Susanne)

8. Australien/Ostküste (Susanne)

9. Neuseeland/Südinsel (Ralf)

10. Neuseeland/Nordinsel (Ralf)

11. Chile/Osterinsel (Ralf)

12. Nordargentinien (Susanne)

13. Iguazu-Wasserfälle (Ralf)

14. Südbrasilien (Susanne)

15. Uruguay (Ralf)

16. Südargentinien (Ralf)

17. Kap Hoorn/Südchile (Susanne)

18. Ecuador (Ralf)

19. Galapagos Inseln (Susanne)

20. Peru (Ralf)

21. Brasilien (Ralf)

22. Die Rückkehr (Susanne)

23. Kurioses und Wissenswertes

1. Von der Idee zur Umsetzung – Susanne:

Die Idee, ein Jahr um die Welt zu reisen, spukte schon sehr lange in unseren Köpfen herum, doch wie setzt man so etwas um? Da gab es jede Menge Hürden zu überwinden. Und diese Hürden waren unterschiedlich hoch. Es gab zuerst einmal die Bedenken, was passiert, wenn wir unsere Existenz aufs Spiel setzen und als Mittvierziger aus dem Beruf aussteigen. Finden wir nach der Rückkehr einen Wiedereinstieg ins Berufsleben oder gehören wir dann zu den nicht mehr vermittelbaren Kandidaten? Oder wollen wir dann vielleicht gar nicht mehr in unser vorheriges Leben zurück? Informationen zu diesem Thema zu bekommen ist schwierig, denn selbst Leute, die diese Erfahrung schon gemacht haben, können einem keine Entscheidungshilfen geben, da jeder Mensch andere Voraussetzungen für solch einen „Ausstieg auf Zeit“ mitbringt. Der Faktor Mut spielt natürlich auch eine gehörige Rolle im Entscheidungsfindungsprozess. Wir mussten zu der persönlichen Überzeugung kommen, dass dieser Schritt in eine spannende, aber auch ungewisse Zukunft die richtige Entscheidung ist. Das nennen wir mal den geistigen Reifeprozess, der durchaus einige Zeit in Anspruch genommen hat.

Daneben gab es natürlich auch noch andere Aspekte, z.B.: Wie finanziert man das Ganze? Was mache ich mit meinem Zuhause während der Abwesenheit und noch viele Fragen mehr, die es zu beantworten galt. Das könnte man dann unter dem Oberbegriff Machbarkeitsstudie zusammenfassen. Der Entscheidungsfindungsprozess wurde unterstützt durch ein „Zeichen“. Denkt jetzt nicht, dass wir abergläubisch sind oder an höhere Mächte glauben – keineswegs – aber es war das Startsignal, unseren Traum zu verwirklichen: Zu Silvester erhielten wir auf dem Rückflug von einer unserer zahlreichen Kurz-Reisen von der Fluggesellschaft neben einem Glas Sekt jeder einen Glückskeks und in meinem stand doch tatsächlich geschrieben: „Sie werden bald um die Welt reisen!“. Wir haben uns angeguckt, gelacht und konnten es einfach nicht glauben. Sollte etwas so Wegweisendes tatsächlich in einem Glückskeks stehen? Jedenfalls hat uns diese Prophezeiung sehr berührt. So war es das erste Mal in unserem Leben, dass wir solch einen Zettel mehrfach gelesen und nicht achtlos weggeworfen haben. Von diesem „Zeichen“ an sollten noch eineinhalb Jahre bis zum Start der Reise vergehen, doch dieser Zettel aus dem Glückskeks hat uns immer wieder ermuntert, die Planungen voranzutreiben. Die Prophezeiung stets vor Augen, setzten wir uns ernsthafter mit der Reise auseinander und rückten sie weiter in den Vordergrund. Dann trafen wir schließlich die Entscheidung, das Abenteuer zu wagen. Es war ein unglaublich schönes Gefühl, die Vorfreude verdrängte die leisen Zweifel schnell. Wir hatten diese Entscheidung ganz bewusst zu zweit getroffen und weihten erst zu einem viel späteren Zeitpunkt unsere Familien und Freunde ein. Wir wollten diese Phase unbedarft und ohne jede Einmischung von außen genießen. Es war eine tolle Zeit.

Jetzt ging es an die Machbarkeitsstudie. Es gab jede Menge Fragen zu klären. So mussten wir unsere Arbeitssituation und die möglichen Ausstiegsszenarien unter die Lupe nehmen. Alleine dies war ein ziemlich komplexer Prozess, da wir in zwei sehr unterschiedlichen Situationen „gefangen“ waren. Zum einen gab es unser Sportgeschäft, welches Ralf selbstständig und im wahrsten Sinne des Wortes „Inhabergeführt“ betrieben hat und zum anderen gab es meinen Job, der auch nicht so leicht wieder zu finden war, was in der Konsequenz bedeutete, dass hier wohl überlegte Entscheidungen zu treffen waren. So entschlossen wir uns schließlich, uns von der SPORTWELT zu trennen. Dies war keine leichte Entscheidung, denn Ralf hatte zehn Jahre sehr viel Arbeit und noch mehr Herzblut in den Betrieb gesteckt und wurde durch viele zufriedene Stammkunden und herzlichen Rücklauf belohnt. Das lässt man natürlich nicht so einfach zurück, doch wir wollten uns unseren Traum erfüllen und mussten dafür auch bereit sein, einen Obolus zu zahlen. Parallel zu dieser Entscheidung gab es die Idee, meinen Job zu „retten“. Gesagt, getan, so marschierte ich eines Tages zu meinem Arbeitgeber und bat um eine unbezahlte Auszeit. Dies wurde zwar zunächst etwas vorsichtig und mit ein wenig Skepsis aufgenommen, doch man beschied mir, man würde mein Anliegen prüfen. Kurze Zeit später war ich dann stolzer Besitzer eines Änderungsvertrages, der mir mit einer einjährigen unbezahlten Auszeit die Sicherheit der Rückkehr in einen adäquaten Job gab.

Natürlich stellte sich auch die zentrale Frage, ob wir dieses Projekt überhaupt finanzieren können. Also rechneten wir mit dem spitzen Bleistift und kalkulierten was das Zeug hielt, um eine Idee zu bekommen, wie viel Geld wir denn überhaupt so brauchen würden. Wir mussten intensiv recherchieren, um herauszufinden, wie wir unseren Etat am besten aufsetzen. Die Kosten für eine Low-Budget-Tour unterscheiden sich naturgemäß gewaltig von denen einer Luxus-Reise. Wir mussten also erst mal unsere Bedürfnisse definieren. Als Rucksack-Tramper wollten wir die Tour nicht absolvieren und ein gewisser Anspruch an den Lebensstandard während der Reise war auch vorhanden. So waren wir uns einig, dass wir weder in den billigsten Absteigen noch in Schlafsälen oder Jugendherbergen unterkommen wollten. Die Ernährung sollte gesund und ausgewogen sein und nicht ausnahmslos aus Junkfood bestehen. Und obendrein hatten wir den ehrgeizigen Plan, ein paar entlegene Reiseziele, die nicht nur aufgrund ihrer geografischen Lage kostspielige Vergnügen sind, anzusteuern. Mit diesen definierten Vorgaben nahmen wir Einschätzungen vor, wie teuer es wohl in jedem Land, das wir bereisen wollten, sein könnte. Die gesammelten Informationen mixten wir mit den persönlichen Erfahrungen aus all unseren bisherigen Reisen und strickten daraus einen Finanzplan für unterwegs, der am Ende ein Reisebudget auswarf. Damit hatten wir uns eine Planungsbasis geschaffen und somit ein Sparziel definiert. Dies ist allerdings nur die halbe Wahrheit, denn natürlich mussten wir auch noch die laufenden Kosten zuhause identifizieren, analysieren und kategorisieren. Hier galt es also die „Guten“ von den „Schlechten“ zu trennen, d.h. die unvermeidbaren Kosten mussten auch während unserer Abwesenheit weiterlaufen, aber andere Mitgliedschaften und Verträge konnten wir kündigen oder ruhen lassen. Als auch diese Hürde genommen war, hatten wir dann, so wie wir glaubten, ein komplettes Bild gewonnen und wussten, worauf wir uns in Sachen Finanzen einlassen mussten. Dann kamen der Kassensturz und ein recht ehrgeiziger Sparplan. Wieder waren wir um ein hehres Ziel reicher, nämlich sämtliche Ausgaben zu hinterfragen, damit wir unser Sparziel zügig erreichen konnten. Das erforderte natürlich ein wenig Disziplin, machte aber gleichzeitig Spaß, da wir die kleinen Entbehrungen ja für die Verwirklichung unseres Lebenstraums auf uns nahmen.

Die Vorbereitungsliste musste Punkt für Punkt abgearbeitet werden. Bleiben wir mal bei dem „lästigen“ Teil. Wer weiß schon so genau, wann sich das laufende Zeitungsabonnement das nächste Mal automatisch verlängert, oder wann man Mitgliedschaften oder den Telefonanschluss kündigen kann. Wir jedenfalls mussten dafür in unseren Unterlagen nachschauen und dann entsprechend handeln. Auch das Thema Versicherungen ist ein ganz spezielles, angefangen bei der Hausratversicherung für unsere Wohnung, bis hin zur Reisekrankenversicherung. Überall gab es noch mehr Hürden und Stolpersteine als wir eh schon befürchtet hatten. So wollte keine Hausratversicherung das Risiko abdecken, eine leer stehende Wohnung für ein Jahr zu versichern. Erst nach etlichen Telefonaten mit diversen Versicherungen und einer Menge Überzeugungskraft ist es uns gelungen, eine entsprechende Police zu erhalten. Dagegen war der Abschluss der Langzeitauslandskrankenversicherung fast ein Kinderspiel.

Auch das Thema der Geldversorgung während der Reise hat uns eine Weile beschäftigt. Vor 25 Jahren hätten wir uns noch mit beträchtlichen Mengen an Bargeld und Reiseschecks auf den Weg machen müssen, doch in der heutigen Zeit ist die Beschaffung von Geld in der jeweiligen Landeswährung ganz einfach. Wir taten eine prima Kreditkarte auf dem Markt auf, mit der sich weltweit kostenlos Bargeld an jedem Geldautomaten ziehen ließ. Ein Produkt, wie auf unsere Bedürfnisse zugeschnitten. Diese Kreditkarte entband uns von der Sorge, ständig eine Menge Bargeld mit uns herumtragen zu müssen und war von den üblichen Gebühren befreit, die man sonst bei jeder Abhebung zu entrichten hat. Die spannende Frage, ob wir an alles gedacht hatten konnte bis zum Abflug nicht geklärt werden, schließlich ergeben sich unerwartete Situationen immer erst unterwegs.

2. Die Entwicklung der Reiseroute – Ralf:

Hier stellte sich nun erst mal die wesentliche Frage: Wo wollen wir denn überhaupt hin? Die einfache Antwort hätte lauten können, na überall hin…. Das ist natürlich Quatsch und auch nicht umsetzbar. Dank unserer schon lange vorhandenen und auch ausgelebten Reiselust konnten wir doch auf einige Erfahrungswerte zurückgreifen und haben zunächst eine Art „Länder würfeln“ gespielt. Würfeln umschreibt die Prozedur natürlich nicht richtig, vielmehr haben wir etliche Länder, die wir nicht besuchen wollten, direkt eliminiert. Aus den verbliebenen möglichen Reisezielen entwickelte sich dann langsam eine Reiseroute. Die Weltkarte hing immer in Augenhöhe an der Wand, ein zusätzliches Exemplar schmückte über lange Zeit unseren Fußboden, so dass wir uns immer wieder inspirieren lassen konnten. Wir mussten sowohl Klimazonen als auch Jahreszeiten der jeweiligen Länder beachten, so dass hier jede Menge Recherche notwendig war, um eine sinnvolle Länderkombination herzustellen. Man will ja nicht während der Regenzeit knietief im Schlamm versinken oder bei minus 20 Grad am Gletscher festfrieren.

Nach einem ausgiebigen Auswahlprozess kristallisierten sich Asien, Neuseeland, Australien und mehrere Länder Südamerikas als Reiseschwerpunkte heraus. Es war schon sehr witzig, wie wir immer wieder Ländernamen in den Raum warfen und das Für und Wider diskutierten, um schließlich dieses Land in die Reiseroute zu integrieren, oder eben nicht. Afrika hatten wir in der Vergangenheit schon einige Male bereist, doch diesmal mussten wir den „Schwarzen Kontinent“ schweren Herzens aussparen, er lies sich einfach nicht sinnvoll in das Reiseroutengerüst integrieren.

Schnell waren wir uns einig, welche besonderen Ziele wir auf jeden Fall besuchen wollten. Dazu gehörten u.a.: Kap Hoorn, die Galapagos-Inseln, die Inka-Stätte Machu Picchu und die Osterinsel. Mit diesen Mindestvorgaben machten wir uns auf Ticketrecherche und stellten fest, dass damit nur ein einziges Round-The-World Ticket in Frage kam. Der Grund: die Osterinsel ist nur im One World-Verbund enthalten, denn zu diesem entfernten Flugziel mitten im Pazifischen Ozean gibt es nur eine einzige Verbindung, die von LAN Chile als Monopolinhaber bedient wird. Erfreulicherweise bot dieses Ticket gleichzeitig viele Flugverbindungen in Lateinamerika, was für unsere südamerikalastige Reiseroute wichtig war. Damit war die Entscheidung für dieses Flugticket schnell gefallen.

Jetzt mussten wir die Tücken der Ticketbedingungen so umschiffen, dass wir alle geplanten Reiseziele unterkriegen konnten. So kann man z.B. immer nur in eine Richtung fliegen, d.h. nur ostwärts oder nur westwärts. Zudem sind nur eine bestimmte Anzahl Flüge pro Kontinent möglich. Diese Bedingungen in Einklang mit den Klimatabellen zu bringen und daraus eine zeitlich passende Route zu entwickeln, war die nächste Aufgabe.

Langzeitreise-Empfehlungen sagen, dass man sich nicht zu viel vornehmen sollte. Wir haben versucht dies zu beherzigen und uns in der Ausgangsplanung auf zehn Länder beschränkt, die wir ohne Hast und sehr bewusst bereisen wollten. Letztendlich ist dann mit dem spontanen Uruguay-Trip noch ein elftes Land hinzugekommen.

Da unsere Reise im Juli losgehen sollte, mussten wir den Asien-Aufenthalt auf kleine Flamme setzen, denn um diese Zeit ist dort in den meisten Gebieten Regenzeit. Um die größten Schlammschlachten zu vermeiden, beschränkten wir uns in Asien also auf die „Sparversion“. So blieben auch Vietnam und Laos als mögliche Ziele auf der Strecke und wurden ersatzlos gestrichen. Schade eigentlich, aber so bleibt immer ein Grund, eine weitere Reise zu planen.

Auch die Routenfestlegung für Australien hatte ihre Tücken. So wurde der Anflughafen sowie die Reiserichtung in Down Under neben der Jahreszeit auch noch davon bestimmt, dass es in Nordaustralien beinahe doppelt so teuer ist ein Auto zu mieten, wie im Süden. Hierüber sind wir während unserer Recherche gestolpert, als unsere Autorundreise zu scheitern drohte, weil die Mietwagenpreise einfach viel zu teuer für unser Budget waren. So warfen wir unseren Plan, in Darwin unsere Australienreise zu starten über Bord und entschlossen uns, das Outback mit einem weit preiswerteren Auto von Adelaide aus Richtung Norden zu durchqueren und nicht wie ursprünglich angedacht in umgekehrter Richtung. Natürlich kann man in Australien auch ein Auto kaufen, doch dieses Vorhaben ist ebenfalls mit allerlei Tücken behaftet und noch dazu sollte man Auto technisch etwas begabt sein, wenn man sich so eine alte Gurke kauft. Da wir beide keine „Bastler und Schrauber“ sind, kam also nur der Mietwagen in Betracht und damit auch die Sicherheit, nicht irgendwo im Outback mit einem Motorschaden auf Nimmerwiedersehen zu verschwinden. Rückblickend war es genau richtig, dass wir die Reiseroute drehen mussten, aber hinterher ist man immer schlauer. Unser Fazit an dieser Stelle, Glück gehabt, es sollte so sein.

Die weitere Planung führte uns nach Neuseeland. Hier galt es zu beschließen, ob wir uns zuerst die Nordinsel oder zuerst die Südinsel ansehen wollten. Die Entscheidung fiel letztendlich auf die Südinsel, und so stand auch dieses Flugsegment fest. Dann ging es an die große „Teichüberquerung“. Hierbei haben wir die begrenzten Eigenschaften eines solchen Round-The-World Tickets kennen gelernt. Es blieb uns nichts anderes übrig, als zunächst von Auckland (Nordinsel Neuseeland) nach Santiago de Chile zu fliegen (knappe zwölf Stunden Flug), um dann beinahe sechs Stunden auf die Osterinsel zurück zu fliegen, denn die direkte Route mit Zwischenstopp in Tahiti war nicht Teil des Tickets und damit für uns nicht möglich. Wir wollen nicht murren, so hat es zwar etwas mehr Zeit gekostet, auf die Osterinsel zu kommen, jedoch wurde es mit diesem Kniff für uns erschwinglich und wir konnten uns auch diesen Traum erfüllen.

Die Festlegung der Flüge auf dem südamerikanischen Festland fiel uns auch nicht ganz leicht. Wir hatten mit der Schwierigkeit zu kämpfen, dass nur eine begrenzte Anzahl Flüge pro Kontinent im Ticketpreis enthalten waren und es hier wirklich große Strecken zu überwinden galt. Nach einigem Hin und Her entschlossen wir uns dann, den südlichen Teil im Wesentlichen auf dem Landweg zu bereisen und anschließend von Santiago de Chile aus erst mal nach Ecuador zu fliegen und auf dem Rückweg Peru mitzunehmen. Diese Reihenfolge ersparte uns einen zusätzlichen Flug und somit wieder eine Stange Geld. Eine Eigenart des Weltreise-Tickets ist, dass man zwar die Flugtage auch später noch ohne Aufpreis ändern kann, die Flugstrecken hingegen fixiert sein müssen. Dann endlich hatten wir die Route soweit festgelegt, dass wir die Tickets kaufen konnten. Die sinnvolle Zusammenstellung des Reiseweges war ein zeitaufwändiger Kraftakt, aber nun konnten wir uns aus der detaillierten Planung erst mal wieder verabschieden. Innerhalb der einzelnen Länder wollten wir keinem exakt vorgegebenen Plan folgen, sondern uns treiben lassen und flexibel bleiben.

3. Das Reisegepäck – Susanne:

Jetzt lag eine ungleich schwierigere Hürde vor uns. Was nehmen wir mit? Was brauchen wir? Entsprechend unserer geplanten Route würden wir heiße Klimazonen ebenso durchreisen wie regnerische und eiskalte Gegenden. Irgendwie mussten wir uns für alle Wetterkapriolen wappnen. Gleichzeitig wollten wir aber nicht mit schwerem und unhandlichem Gepäck auf Tour gehen. In dieser Zwickmühle gefangen, begaben wir uns wieder auf Recherche. Die einschlägige Literatur gibt zwar Hinweise und Empfehlungen für alle möglichen Touren, allerdings konnten wir keine hilfreichen Tipps für unseren Klamotten- und Utensilienbedarf entdecken. Wir waren uns jedoch einig, dass wir keine komplette Campingausrüstung im Rucksack unterbringen wollten. Die Beschränkung auf je einen dünnen Sommerschlafsack war somit beschlossene Sache. Für die weitere Zusammenstellung des Reisegepäcks vertrauten wir einfach unserer Erfahrung.

Eine nicht unerhebliche Entscheidung war die der Rucksack-Größe, wir entschieden uns für 45+10 Liter Volumen und somit war unsere Packkapazität begrenzt. Entgegen der Meinung einiger „Berater“ fanden wir unsere Rucksäcke groß genug. Jetzt galt es eine sinnvolle Gepäckauswahl zu treffen und clever zu verstauen. Nach dem Motto „Ausrüstung für viele denkbare Situationen, aber so wenige Teile wie möglich“ hatten wir unsere Packliste zusammengestellt. Bei kalter Witterung sollte das bewährte Zwiebelprinzip zur Anwendung kommen. Alleine das Kaufen der Funktionsklamotten nahm schon eine ganze Weile in Anspruch, denn dazu mussten wir eine beachtliche Anzahl gut sortierter Outdoorläden durchstöbern. So konnten wir nach und nach unseren Textilbedarf decken. Aber auch dieser Teil der Reisevorbereitung machte ordentlich Spaß, denn die Vorfreude steigerte sich mit jedem Einkauf gewaltig. Von Badebekleidung bis zu warmen Klamotten, von Flipflops über Laufschuhe bis zu Goretex-Trekkingschuhen, von Reiseliteratur bis zum Fernglas und vom Campingbesteck bis zur Fliegenklatsche hatten wir alles bereit gelegt. Hinzu kamen noch wasserdicht eingetütete Kopien von allen Reisedokumenten. Als die Packliste endlich abgearbeitet war, waren wir echt gespannt, ob unsere Schätzung aufgehen würde und alles in die Rucksäcke passt. Direkt der erste Packversuch war erfolgreich und so konnten wir frohen Mutes wieder einen Punkt auf unserer Check-Liste abhaken. Das Gepäck war komplett und Reise tauglich! Letztlich wogen die gepackten Rucksäcke, die im leeren Zustand schon gut zwei Kilo auf die Waage bringen, lediglich knapp 15 Kilo und waren damit angenehm zu tragen. Im Nachhinein können wir sagen, dass es absolut sinnvoll war, weniger Klamotten mitzuschleppen und dafür häufiger zu waschen. Dabei lernt man sehr verschärft, mit wie wenigen Dingen ein Mensch eigentlich auskommen kann, ohne wirklich auf etwas verzichten zu müssen. Dies ist eine wertvolle Erfahrung, wenn man wie wir, aus einer Wohlstandsgesellschaft kommt.

4. Der Abschied – Susanne:

Kurz vor Reisebeginn rannte die Zeit förmlich davon, und ehe wir uns versahen, waren es nur noch wenige Tage, bis es losgehen sollte. Immer und immer wieder haben wir alles geprüft und überlegt, ob wir auch wirklich nichts vergessen haben. Dann wollten wir uns auch noch von unseren Familien und Freunden verabschieden und haben eine Abschiedsparty bei uns zu Hause organisiert. Alle waren gekommen und hatten uns jede Menge einfallsreiche und ausgefallene Geschenke mitgebracht, sogar zusätzliches Reisegepäck: Ralf und ich bekamen je einen mit „unserer“ Musik bespielten MP3 Player geschenkt. Es war überwältigend, wie viel Freundschaft und Zuneigung uns entgegengebracht wurde und ein ganz tolles Gefühl. So wussten wir zumindest, dass es in jedem Fall einen guten Grund geben würde, wieder zurückzukehren. Es war ein sehr schöner Abend und wir hatten viel Spaß. Nachdem dann alle gegangen waren, überkam uns ein eigenartiges Gefühl. Da vermischte sich große Vorfreude mit einem bisschen Wehmut und der Gewissheit, dass es nun kein Zurück mehr gab. Uns blieben nur noch wenige Tage bis zum Abflug, allerdings ohne weitere Verpflichtungen. Der Räumungsverkauf in unserem Geschäft lag bereits hinter uns, meine Arbeit war beendet, Freunde und Familie hatten wir verabschiedet, den Garten fit gemacht und die Infomappe für die „Haus- und Gartensitter“ zusammengestellt. Langsam wurden wir unruhig, jetzt konnte es wirklich losgehen, das Fernweh hatte uns gepackt.

Endlich war es soweit, Tag 1 unserer Weltreise war gekommen. Unser „Taxidienst“, bestehend aus Bigge, Anni und Verena, der uns zum Düsseldorfer Flughafen chauffieren wollte, stand überpünktlich auf der Matte. Noch ein letzter Check in der Wohnung und dann ging es los, die große Tour begann. Doch auf der Autobahn erhielt unsere Vorfreude blitzartig einen gewaltigen Dämpfer. Vollsperrung auf der A3! Da ist uns das Herz aber ein wenig in die Hose gerutscht. Wir sahen uns schon im Stau stehend dem Flieger winken. Das waren ganz schön bange Minuten. Ralf schien noch ganz relaxed, doch ich war schon ziemlich nervös und wollte nicht wirklich glauben, dass unsere Reise nun an so etwas Simplem wie einer Autobahnsperrung zu scheitern drohte. Das Warten zerrte an unseren Nerven. Doch urplötzlich löste sich der Stau nach der Aufhebung der Sperrung auf und wir erreichten tatsächlich noch rechtzeitig den Flughafen. Da war sie wieder, die Prophezeiung aus dem Glückskeks: „Sie werden bald um die Welt reisen!“

Das Einchecken verlief problemlos, und als wir dann unsere ersten Bordkarten in den Händen hielten, waren wir restlos glücklich: Geschafft – unser Traum wird wahr!

Wir saßen in der Wartehalle, haben uns ein Glas Sekt gegönnt und versuchten zu realisieren, dass es jetzt wirklich losgeht und wir in den Traum eintauchen werden. Ein schönes, unwirkliches und unbeschreibliches Gefühl!

5. Thailand – Ralf:

Helsinki – im Flughafen wimmelt es nur so von Menschen, halb Asien scheint auf einem Europatrip zu sein. Solch überfüllte Abflughallen haben wir beide noch nicht gesehen, doch genau darum machen wir ja eine Reise: Wir möchten etwas erleben. Die fünf Stunden Wartezeit vergehen eher zähflüssig, doch wir haben ja keine Eile, wir haben sogar ein ganzes Jahr Zeit! Der Umweg über Helsinki ist eben ein Teil der Tücken eines Round-the-World Tickets. Irgendwann geht es dann ins Flugzeug, doch der Abflug verzögert sich, es gibt technische Probleme! Diese zum Glück nur kurze Verzögerung bringt uns schon nicht mehr aus der Ruhe. Wir haben prima Plätze erwischt und können den Langstreckenflug richtig genießen. In Bangkok angekommen, erledigen wir zunächst die Einreiseformalitäten und die Reisepässe erhalten erste Einreisestempel. Unsere Rucksäcke tauchen nach einer überschaubaren Wartezeit auf. Dann suchen wir den Check In-Schalter für den Inlandsflug nach Ko Samui, einer Urlaubsinsel in Südthailand. Die Wartezeit bis zum Abflug können wir hier in einer netten Lounge mit Snacks und Internetzugang, einem kostenloser Service von Bangkok Airways, überbrücken. Der anschließende Kurzflug bringt uns unserem ersten Ziel wieder ein Stück näher.

So langsam gewinnt die Müdigkeit Oberhand und wir sind froh, dass wir uns um die erste Unterkunft vor Ort nicht mehr kümmern müssen, denn die haben wir bereits von Zuhause aus übers Internet reserviert. So lassen wir uns bequem vom Abholservice kutschieren und kurz darauf erreichen wir unser Domizil für die nächsten Tage. Ein herrlicher Blick aufs Meer in tropischer Umgebung entschädigt umgehend für die lange Anreise und lässt sofort Urlaubsgefühle aufkommen. Wir richten uns in unserem Bungalow häuslich ein, machen einen ersten Abstecher an den Strand, kaufen Getränke und beschließen den Tag mit einem leckeren scharfen Thai-Curry, bevor wir hundemüde ins Bett fallen. Die stundenlangen Flüge und die sechs Stunden Zeitunterschied fordern halt ihren Tribut. Thailand als erste Station soll uns zum „Ankommen“ und „Entspannen“ dienen. Die letzten Monate waren sehr stressig und voll gepackt mit Reisevorbereitungen neben dem normalen Arbeitsalltag. Da kommt ein erster Strandaufenthalt bei tropischen Temperaturen gerade recht. Ko Samui ist eine Trauminsel, ein Naturparadies mit Palmen gesäumten Sandstränden, glas klarem Wasser und üppigen Reisfeldern. Nachdem wir morgens vor dem Frühstück unsere Laufschuhe mit einer Runde durch Lamai eingeweiht haben, wollen wir uns ein wenig umsehen. Um die Insel erkunden zu können, mieten wir uns ein Moped. Aber aufgepasst: Motorrad fahren auf Ko Samui ist gefährlich. Die Urlaubsinsel hat die höchste Unfallstatistik in Thailand, weil es vor 100 ccm-Mopeds nur so wimmelt. Das Straßenbild ist geprägt von den knatternden Flitzern: Halbstarke rasen verkehrt herum durch die Einbahnstraßen, Touristen fahren vom Strand zur Bar und betrunken wieder zurück und vierköpfige Familien steuern – das kleinste Kind auf dem Lenker sitzend – wagemutig durch den Verkehr. Die vorherrschende Motorradkluft im tropischen Thailand besteht aus kurzer Hose, T-Shirt und Flipflops, niemand trägt hier einen Helm. Wir also auch nicht. Gemütlich rollen wir über die Insel, vorbei an malerischen Fischerdörfern, abgelegenen Tempeln und versteckten Wasserfällen. Die Sonne scheint, unsere Haare flattern im Wind. So schön kann Urlaub sein. Plötzlich werden wir von der Polizei gestoppt: Helmkontrolle! Au weia! Zweiradfahrer ohne Helm, egal ob Touristen oder Thais, müssen sich in die lange Warteschlange vor dem Kassenhäuschen einreihen. 300 Baht (umgerechnet 6 Euro) Strafe muss jeder Fahrer zahlen, damit ist das Verwarnungsgeld doppelt so teuer wie die Mopedmiete pro Tag. Die Kopiloten, teilweise drei davon auf dem Moped, gelten anscheinend nicht als schützenswert, denn sie kommen allesamt straffrei davon. Susanne auch. Bei einem beiläufigen Blick auf die Straße sehen wir, dass plötzlich jeder Mopedfahrer einen Helm trägt. Für uns ist es rätselhaft, wo die vielen Helme plötzlich herkommen. Der Inselfunk scheint gut zu funktionieren, vielleicht hat sich aber auch ein cleverer Helmverleiher am Straßenrand postiert. Na, egal, wir zahlen 300 Baht und dürfen dann ohne Helm weiterfahren. Als Souvenir erhalten wir die Kopie der Anzeige komplett in Thai geschrieben, wir können lediglich die Zahl 300 identifizieren und amüsieren uns köstlich. Am nächsten Tag rasen alle Mopeds wie gewohnt über die Insel, und – als hätte es die Polizeikontrolle nie gegeben – kein einziger Fahrer trägt mehr einen Helm. Auf der Insel gibt es viel zu entdecken: Kokospalmenwälder, Wasserbüffel, traumhafte Buchten, idyllische Dörfer und nette Menschen. Wir kommen an einem Acker vorbei, wo ein Feldarbeiter Pause macht. Er winkt uns zu sich herüber und gibt uns mit Händen und Füßen zu verstehen, dass er seinen Affen auf eine Palme schicken will, damit er ein paar Kokosnüsse für uns pflückt.

Das ist eine super Idee bei dieser Hitze, denn der Saft der Kokosnuss ist ein ausgesprochen guter Durstlöscher. Nur der Affe ist nicht gerade begeistert. Aber Job ist Job. So erhalten wir eine Privatvorführung des Affen, der seine Kletterkünste und seine Geschicklichkeit beim Ernten der Kokosnüsse demonstriert und uns zu einer tollen Erfrischung verhilft. Wir bedanken uns mit einer kleinen Futtergeldspende und rattern weiter über die Insel.

An unserem ersten Wochenende wird ein zweitägiges Alkoholverbot in der Öffentlichkeit aufgrund religiöser Feiertage angekündigt. Konsequenterweise haben diverse Bierbars komplett geschlossen. Auch im Restaurant unserer Wahl werden wir auf diese besondere Situation aufmerksam gemacht. Allerdings hat die freundliche Bedienung einen „Geheimtipp“ für uns parat: Sie könnte das Verbot unauffällig umgehen, indem sie uns alkoholische Cocktails in Saftgläsern bringt. Entweder hält sie nicht viel von buddhistischen Appellen an die Bevölkerung, oder sie ist enorm geschäftstüchtig.

In einer Zeitschrift lesen wir, dass in Pattaya eine Laufveranstaltung stattfindet. Da wir eh geplant hatten, noch ein wenig im Land herumzureisen, marschieren wir in ein Internet-Café, um mich für die 10,5 Kilometer-Strecke anzumelden. Das Ausfüllen des Anmeldeformulars ist recht lustig, denn wir können die Thai-Schriftzeichen nicht lesen. Dann müssen wir noch das Startgeld überweisen, was in den reichlich vorhandenen Wechselstuben nicht möglich ist. Endlich haben wir eine Bankfiliale gefunden. Mit dem für uns praktisch unlesbaren Anmeldeformular in der Hand kann die freundliche Bankangestellte die Startgeldüberweisung durchführen. Sagt sie zumindest. Wir vertrauen ihr. Jetzt müssen wir nur noch einen Flug nach Pattaya buchen und möglichst eine Unterkunft in unmittelbarer Umgebung des Startbereichs finden. Dank intensiver Recherche im Internet gelingt uns auch das und wenige Tage später sitzen wir bereits im Flieger nach Pattaya. Die Unterkunft erweist sich als prima und liegt tatsächlich zentral. Susanne hat nur mir zuliebe eingewilligt nach Pattaya zu fliegen, denn ihr schwillt immer der Kamm, wenn sie diese „alten Säcke“ sieht, die sich die jungen Mädchen und Frauen kaufen. Und Pattaya ist echt eine Hochburg für diese notgeilen Typen.

Bevor wir uns ein wenig in der Stadt umsehen, holen wir erst mal die Startunterlagen ab. Wieder müssen wir den Kampf mit den Thaischriftzeichen aufnehmen, doch nach einer Weile haben wir den richtigen Stand gefunden. Jetzt sind wir mal gespannt, ob ich auf der Teilnehmerliste stehe und das Geld