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Kommt es immer öfter zu Wut und Streit mit deinen Kindern? Fühlst du dich manchmal von deinem Familienalltag überfordert? Bist du gestresst und erschöpft, ohne Zeit und Geduld für deinen Partner? In Dr. med. Ulrike Gillerts Buch "Eltern sein leicht gemacht" findest du Antworten auf diese Herausforderungen. Mit Geschichten und fundiertem Hintergrundwissen unterstützt sie dich auf vielfältige Weise. Praxiserprobte Hinweise helfen dir dabei, deinen Alltag sofort leichter zu gestalten. Das Buch zielt darauf ab, Eltern dabei zu unterstützen, ihre Stärken als wundervolle Mama oder super Papa zu erkennen. Dr. med. Ulrike Gillert ermutigt Eltern dazu, ein liebevolles und unterstützendes Umfeld für ihre Kinder zu schaffen und eine erfolgreiche, positive und achtsame Beziehung zu ihnen aufzubauen. "Eltern sein leicht gemacht" ist ein wertvoller Begleiter für alle Eltern, die nach Orientierung und Inspiration suchen, um das Abenteuer des Elternseins erfolgreich zu meistern. Es bietet praktische Tipps und Anleitungen, um den Familienalltag zu verbessern und sorgt so für eine entspanntere und harmonischere Atmosphäre. Lass dich von Dr. med. Ulrike Gillert dabei unterstützen, die typischen Situationen des Elternseins, wie Anziehen, Schlafen gehen, Einkaufen, Streit, zu meistern und das Glück und die Freude im Familienalltag wiederzuentdecken.
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Seitenzahl: 272
Veröffentlichungsjahr: 2023
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Für meine Kinder, die meine größten Lehrer waren und immer noch sind.
Über die Autorin
Ganzheitliche Elternbegleitung
Prolog
Einleitung
Realitätsabgleich – Wenn der Traum von eigenen Kindern zum gefühlten Albtraum wird
»Gebrauchsanleitung« für dieses Buch
IN UNSEREM HERZEN WISSEN WIR, WAS RICHTIG IST
1.1 Der Gedanke der Liebe
1.2 Wie ist es nur so weit gekommen?
1.3 Hilfe, ich bin wie meine Eltern
1.4 Unsere Vergangenheit
1 Dachboden und Keller des Lebens ausmisten
2 Die NS-Vergangenheit
3 Unsere Eltern als fünfjährige Kinder
1.5 Bitte dein Kind um Verzeihung
1.6 Die Sicherheit des Hier und Jetzt
WIE FAMILIENBEZIEHUNGEN GELINGEN
2.1 Deine Beziehung zu dir selbst
1 Zuerst komme immer ich!
2 Alle Tanks voll
3 Nimm dich an, so wie du bist – Du bist gut genug!
4 Drei magische Sätze für ein selbstbewusstes Leben
5 Ich sehe – Ich denke – Ich fühle
6 Raus aus der Opferrolle, rein in die Eigenverantwortung und deine Gestalterrolle
7 Hinter der Angst wartet die Freiheit
8 Dein Unterbewusstsein ist dein treuester Diener – Gib ihm die richtigen Aufträge
2.2 Die Beziehung zu deinem Partner
1 Der Liebestank voll und die Veränderung der körperlichen Liebe
2 Elternzeit
3 15 Minuten »Luft« für den Partner, der nach Hause kommt und umgekehrt
4 Öffne dich und sei radikal ehrlich
2.3 Die Beziehung zu deinem Kind – Wie du selbst in herausfordernden Situationen deine liebevolle Haltung behälst
1 »Papa, wann stirbst du endlich?« oder NICHTS ist gegen dich gerichtet
2 Unsere Kinder sind unsere besten Lehrer
3 Die Familienzeit
4 Nur ihr zwei
5 Vertraue deinem Kind! (Teil 1)
6 Umarmungen sind Balsam für die Seele
7 Wie Kinder wieder glücklich werden
2.4 Wie du deinem Kind möglichst viel mitgeben kannst
1 Spielen ist kein Spiel
2 Lass dein Kind sein, wie es ist
3 Wahre deine Integrität und die deines Kindes
4 Lasse dein Kind einen Beitrag leisten
5 Kritisiere niemals und unterstütze dein Kind in allen seinen Projekten
6 Gut – Schlecht / Richtig – Falsch
7 Leuchte mit deiner Taschenlampe auf alles Positive
8 Sage deinem Kind, welche Stärken es hat
9 Rede und frage lieber zu viel als zu wenig
10 Vermittle deinen Kindern Selbstvertrauen, Gelassenheit und Stärke
11 Übernimm die Leitung, wenn nötig!
12 Wie du mit fünf Fragen die Empathie und Einfühlung deines Kindes fördern kannst
2.5 Wir als Familie – Wie mache ich alles richtig?
1 Um ein Kind zu erziehen, braucht es ein ganzes Dorf
2 Wie du eine Situation bewertest, so bewertet auch dein Kind sie
3 Es gibt nur zwei Arten von Liebeserklärungen
4 Auch Eltern dürfen Fehler machen
5 Wir sind alle gleichwürdige Menschen
6 Von »Ich, nein du!« zu »Ich mit dir«
7 Familien-Rap
8 So wenig Regeln wie möglich – nur Sicherheitsregeln
9 Zeige dich und äußere deine Bedürfnisse
10 Den Fokus weg von mir und hin zum anderen
11 Sei immer größer, stärker und liebenswürdig – Der Kreis der Sicherheit
12 Alles hängt mit allem zusammen
WÜNSCHE EINES KINDES AN SEINE ELTERN
3.1. Was Kinder brauchen
WAS TUN, WENN MEIN KIND WÜTEND IST?
4.1 Wie entsteht Wut?
1 Autonomiephase/Trotzphase: Die Anpassungssysteme sind überwältigt
2 Ich kann noch nicht sagen, was ich will
3 Unerfüllte Bedürfnisse
4 Es gibt nur zwei Arten von Botschaften: Hilferufe und liebevolle Antworten
5 Ein »Muss« oder »Sollte« in deinem Kopf macht Wut in deinem Bauch
6 Wenn es nicht so geht, wie dein Kind es will
7 In seinem Kopf kann dein Kind schon vieles
8 Ungerechte Behandlung
4.2 Der »Gehirnfahrstuhl«
4.3 Was tun, wenn die Wut da ist
1 Neun Schritte aus der Wut
2 Lerne zaubern
3 Ignoriere das »negative« Verhalten
4 Schütze dich selbst, ein Geschwisterkind oder andere
4.4 Wie kann ich Wut vorbeugen? – Die Königsdisziplin
1 Sorge gut für dich
2 Gönne dir und deiner ganzen Familie Natur & Bewegung
3 Den Tag gemeinsam mit anderen Familien verbringen
4 Kündige Veränderungen an
5 Frage nicht, sage!
6 Sage, was du willst, nicht, was du nicht willst!
7 Gestalte die schlimmste Stunde des Tages: die Stunde vor dem Abendessen
8 Achte auf die Grundbedürfnisse
9 Strafen helfen niemandem
10 Etwas Schönes in Aussicht stellen, macht Lästiges leichter
11 Wertschätzen und Anerkennen, während es am schwierigsten ist
12 »Ich« statt »man« – Persönliche Sprache respektiert das »So-sein« des Kindes
13 Routinen und Rituale beugen Stress und Wutanfällen vor
14 Setze Grenzen um dich, nicht um dein Kind
15 Benenne oder erfrage die Gefühle und die Bedürfnisse hinter Emotionen
16 Steige nicht in den »Ring«
4.5 Schwierige Alltagssituationen
1 Vertraue deinem Kind! (Teil 2)
2 Das Wichtigste machst du nebenbei
3 Geschwisterrivalität
4 Geschwisterstreit
5 Mache deine Ansage so, dass dein Kind sie hört
6 Wie du negative Situationen in positive umwandelst
7 Wie anziehen mit der Anziehstraße leicht geht
8 Mit Essen spielen
9 Wie aufräumen schnell geht und Spaß macht: Acht einfache Tipps
10 »Allein« – Dein Kind will alles allein machen
11 Wie du deinem Kind beim Einschlafen helfen kannst
12 Einnässen und die geniale Frage: »Wie hast du das geschafft?«
FEIERE ERFOLGE, FEIERE DAS LEBEN
AUF ZU NEUEN UFERN – BEGLEITE EINE NEUE GENERATION MIT GRENZEN & LIEBE
Fußnoten
Liste der Merksätze
Die erste Grundausbildung für Eltern
Eltern-Service
Danke!
Frau Dr. med. Ulrike Gillert ist seit 1991 als Kinderärztin in Berlin tätig und seit 2007 als Psychotherapeutin für Kinder und Jugendliche. Zusätzlich lernte sie u.a. von Jesper Juul, Marshall Rosenberg, Gerald Hüther und Thích Nhât Hạnh. Sie ist Mutter von drei inzwischen erwachsenen Kindern.
In diesem Elternhandbuch erfährst du die Quintessenzen all ihrer Erfahrungen. Sie beantwortet dir die unzähligen Fragen, die Eltern ihr in der Praxis stellen. Praxisbewährte Grundhaltungen, Sprach- und Handlungsmuster sowie kleine Tipps zeigen dir, wie du mehr Lebensfreude in deine Familie bringst und deinen Kindern zu einem höheren Selbstwertgefühl verhilfst.
Du bist Mutter oder Vater von ganzem Herzen und hast Kinder zwischen 1 und 10 Jahren. Eigentlich weißt du, wie du mit deinen Kindern umgehen möchtest. Aber dann kommt der Alltag: Türen knallen, du hörst dich deine Kinder anschreien und Selbstzweifel schwirren dir durch den Kopf. Manchmal wünschst du dir deine Kinder wenigstens für eine kleine Weile auf den Mond oder dich selbst auf den Liegestuhl einer Tropeninsel mit persönlichem Butler.
Wenn du schon vieles ausprobiert hast und es dennoch in der Hektik des Alltags vorkommt, dass dir Situationen mit deinen Kindern manchmal nicht so gelingen, wie du es dir wünschst, dann komme gern zur Elternbegleitung. In einer exklusiven Elterngruppe beantworte ich alle deine Fragen und du wächst gemeinsam unglaublich schnell über dich hinaus. Du bekommst einen Notfall-Koff er für jede Situation und erfährst und übst, wie du sogar in Stresssituation die Kurve bekommst.
ENTSCHEIDE DICH JETZT FÜR MEHR LACHEN ZUHAUSE und eine liebevolle Beziehung, die deinem Kind noch über deinen Tod hinaus Rückenwind gibt. Damit dein eigenes Zuhause sich bald wie ein Urlaub auf der Tropeninsel anfühlt.
INVESTIERE JETZT IN DIE WICHTIGSTEN BEZIEHUNGEN IN DE INEM LEBEN: die zu dir selbst, die zu deinem Partner und die zu deinen Kindern und buche dir einen Platz im Eltern-Coaching. Mehr Infos dazu am Ende des Buches, → Seite →.
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Dieses Buch ist entstanden, damit all das »Schlimme«, das wir seit Jahrtausenden von Generation zu Generation weitertragen, Stück für Stück weniger wird.
Wenn mein Vater mit gepresster Stimme sagte: »Buchsen runter!«, uns den Hintern versohlte und uns anschrie, weil wir in seinen Augen etwas so falsch gemacht hatten, dass wir ein für alle Mal lernen sollten, dieses »Falsche« nie wieder zu tun, dann war das für mich alles auf einmal: Wut, Angst vor seinen vernichtenden Worten, Scham, Schuld, Erniedrigung und ein brennendes Gefühl von Ungerechtigkeit. Für mich war es dabei immer genauso schrecklich – egal ob ich selbst dran war, eines meiner Geschwister oder meine Mutter, die »nur« angeschrien und nicht geschlagen wurde.
Als ich später selbst Mutter war, erkannte ich, dass es seine Ohnmacht war, die meinen Vater dazu gebracht hatte, zu schreien und zu schlagen.
Liebe Mama, lieber Papa, die du dieses Buch in Händen hälst: Erzähle von dir, damit deine Kinder keine Gewalt erleiden müssen – keine verbale Gewalt wie Herabwürdigung und Beschämung und keine körperliche Gewalt. Behandle deine Kinder gleichwürdig wie einen Erwachsenen. Sprich respektvoll mit ihnen und sage ihnen, wo deine Grenzen sind – klar, eindeutig und voller Liebe.
Ich bin meinem Vater auch sehr dankbar für die vielen Dinge, die er mir vorgelebt und die ich erlebt habe: seine Wissbegierde, das miteinander Singen, seine stolzen Blicke, die Art, wie er mich mit seiner Hand an seinen Oberschenkel drückte, wenn ich neben ihm stand, und vieles mehr.
Ich erinnere mich lebhaft an einen Moment, als meine beiden Töchter etwa zwei Jahre alt waren und mein Sohn vier. Ich war mit ihnen zum Spielen draußen und die Kinder fuhren voller Freude mit ihrem Bobbycar beziehungsweise Laufrad herum. In diesem Moment tauchte in mir ein schamvoller Gedanke auf: »Hoffentlich merkt niemand, dass ich gar keine echte Mutter bin, sondern dass ich nur so tue, als ob.« Versteh mich bitte nicht falsch: Ich liebe meine Kinder und ich liebte sie auch damals von oben bis unten und ganz und gar. Aber ich schämte mich irgendwie, dass ich das nicht besser konnte: Mutter sein. Es fühlte sich für mich an, als wäre ich gar keine »echte« Mutter. Als wäre mein Verhalten meinen Kindern gegenüber irgendwie unecht, gespielt und ohne intuitive Sicherheit. Ich schämte mich, weil ich nicht von allein wusste, was in Bezug auf meine Kinder »richtig« war: Wie sollte ich meine Kinder durchs Leben begleiten und wie sollte ich mich verhalten, damit sie als fröhliche, selbstsichere Menschen ins Erwachsenenalter gehen? Mit welcher Grundhaltung sollte ich ihnen begegnen?
In meinen damaligen Augen sah es für mich so aus, als würde ich meinen Mutterjob nicht gut genug machen – und das, obwohl die Gesamtsituation mit meinen Kindern sehr schön war. Aus heutiger Sicht finde ich, dass ich meine Aufgaben als Mutter größtenteils ziemlich gut hinbekommen habe, auch in der eben beschriebenen Situation. Die Kinder spielten wunderbar und waren glücklich, nur ich hatte das Gefühl, nicht richtig zu sein. Nicht gut genug. Nicht die perfekte Mutter. Was für ein Anspruch, was für ein Druck!
Doch was hat es mit dieser Sorge, als Mutter etwas falsch zu machen, auf sich? Jedes Tier weiß instinktiv, wie es sich um seine Jungen zu kümmern hat. Und auch ich hatte in verschiedenen Situationen meines Lebens erfahren, wie gut es sich anfühlt, zu wissen, etwas gern so und nicht anders machen zu wollen. Doch damals fiel es mir schwer, meinem Gefühl zu vertrauen. Ich war mir häufig nicht sicher, ob das jetzt mein Gefühl war oder nicht vielleicht eine anerzogene Vorstellung. Wiederholte ich bei meinen Kindern teilweise das, was meine Eltern mit mir gemacht hatten?
Über die Jahrtausende der Menschheitsentwicklung hat sich jede Menge erzieherischer Mist angehäuft. Doch was davon ist wirklich Mist und woran sollten wir vielleicht lieber festhalten, weil es gut ist? Warum sind manche Menschen Frohnaturen und bei anderen spüren wir in jeder Situation eine bleierne Schwere?
Fragen über Fragen. Wie geht es dir? Was denkst du über dich als Mutter oder als Vater? Was ist in der Erziehung überhaupt »gut« oder »richtig«? Und wer entscheidet das? Warum bist du häufig so erschöpft, während viele andere ihr Elternsein ganz locker zu bewältigen scheinen? Hast du dir dein Leben mit Kindern vor der Geburt deines ersten Kindes auch ganz anders vorgestellt? Fühlst du dich als Mutter oder als Vater manchmal ohnmächtig und verwirrt von den vielen widersprüchlichen Empfehlungen deiner Umgebung? Oder hast du immer wieder das Gefühl, dass dir die niemals enden wollenden täglichen Aufgaben über den Kopf wachsen und du heute mal wieder gar nichts auf die Reihe gekriegt hast?
Für die aus meiner Sicht wichtigste Aufgabe in unserem Leben, unsere Kinder stärkend ins Erwachsenenalter zu begleiten, werden wir weder in der Schule noch sonst irgendwo vorbereitet oder gar ausgebildet. Plötzlich stecken wir dann mittendrin. Zu allem Überfluss scheinen unsere Kinder auch noch jede einzelne unserer Wunden zu kennen, fordern uns ständig heraus und bringen uns an unsere Grenzen – und mitunter darüber hinaus. Kein Wunder, wenn wir dann ins Zweifeln kommen. Die gute Nachricht ist aber, dass die Fähigkeit, Mutter oder Vater zu sein, in jedem von uns angelegt ist. Wie bei allen in uns schlummernden Fähigkeiten werden wir aber nicht über Nacht zu reifen Eltern, vielmehr will auch das Elternsein Stück für Stück erlernt, geübt und erfahren werden.
Dieses Buch zeigt dir in kleinen und einfachen Schritten, wie du die Atmosphäre bei dir zu Hause stetig verbessern und dabei immer mehr du selbst sein kannst. Es zeigt dir auch, wie du das So-sein deines Kindes akzeptieren und fördern kannst, so dass am Ende alle glücklicher sind.
Jeden Tag ziehen im Hintergrund unseres Geistes nonstop irgendwelche Gedanken vorbei, und zwar zu etwa 95 Prozent die gleichen wie gestern. Bei den meisten Menschen sind diese Gedanken nicht sehr freundlich und positiv, sondern im Gegenteil herabwürdigend und verletzend – gegenüber uns selbst und auch gegenüber unseren Kindern. Vielleicht hörst du dich manchmal Sätze wie »Du Idiot!« oder »Typisch du wieder! Nie kannst du deine Klappe halten!« zu dir selbst sagen. Oder Sätze, mit denen du deinen Kindern Vorwürfe machst, wie »Kannst du nicht mal aufpassen?« oder »Immer machst du alles kaputt!«.
Diese negativen Sätze verletzen uns selbst ebenso wie unsere Kinder. Aus solch einer abwertenden Grundhaltung heraus stelle dir bitte mal folgende Fragen: Was würde passieren, wenn du so weitermachst wie bisher? Wie wachsen dann deine Kinder auf und mit welchem Selbstwertgefühl werden sie wohl ins Erwachsenenalter gehen? Welche Freunde werden sie sich aussuchen, welchen Beruf ergreifen? Werden sie erfolgreich sein in dem, was sie tun? Wie gehen sie mit Herausforderungen um? Wie entspannen sie sich zu Hause? Welchen Sport treiben sie? Machen sie überhaupt Sport? Hören oder machen sie gern Musik? Wie ernähren sie sich? Welchen Partner werden sie wählen? Welche partnerschaftlichen (Un-)Fähigkeiten haben sie sich abgeguckt, die du oder ihr als Paar ihnen vorgelebt habt?
Dieses Buch ist entstanden, damit das ganze Kopfkino, das du jetzt gerade durchlebt hast, schlechtes Kopfkino bleibt und bald von einem besseren Kinoprogramm abgelöst wird, das deine Familienrealität konstruktiv bereichert. Das Buch soll dir helfen, jeden Tag ein bisschen mehr das Leben zu verwirklichen und zu genießen, das du dir für dich, deinen Partner und deine Kinder wünschst.
Zum Glück ist das deutlich einfacher, als du es dir im Moment vielleicht vorstellst. Denn ob du es glaubst oder nicht: Indem du manche Dinge anders angehst, wird sich die Stimmung zu Hause schnell zum Besseren verändern! Wäre es nicht wunderschön, wenn du morgens aufwachst und voller Vorfreude auf den Tag aus dem Bett springst, um dich mit deiner Lebensfreude und der deiner Kinder zu verbinden? Wenn du immer mehr Situationen mit Humor sehen kannst und manche Dinge auch mal schief gehen dürfen? Wenn du einen besseren Zugang zu deiner Flexibilität und Kreativität findest? Und was würden diese Veränderungen für deine Kinder bedeuten? Wie würden sie dir dann wohl begegnen? Wie viel Vertrauen hätten sie dann in sich? Wie anders würde ihr Leben wohl verlaufen? Würden sie sich als Erwachsene mehr von ihrer kindlichen Lebensfreude erhalten haben? Wie würden sie sich später an ihre Kindheit erinnern, und was würde das wiederum für ihre eigenen Kinder bedeuten?
Dieses Buch mit vielen Schritt-für-Schritt-Anleitungen ist entstanden, damit all die positiven Vorstellungen, die eben beim Sinnieren über diese Fragen in dir aufgestiegen sind, Wirklichkeit werden können. Denn es ist tatsächlich möglich, dass ihr alle – du, dein Partner beziehungsweise deine Partnerin und jedes eurer Kinder – glücklich seid, trotz der vielleicht nicht immer idealen Umstände eurer Vergangenheit und Gegenwart.
In früheren Generationen waren Eltern häufig wie Diktatoren – oft der Vater, aber gar nicht so selten auch die Mutter. Kindern wurden Befehle gegeben, die unbedingt zu befolgen waren, während die Eltern in jeder Hinsicht bestimmt und ihren Willen durchgesetzt haben. Heute werden immer häufiger die Kinder zu Diktatoren. Das Krasseste, was ich in dieser Hinsicht erlebt habe, war eine Familie, in der die neunjährige Tochter über ihren Vater nur in der dritten Person sprach. Sie fragte beispielsweise ihre Mutter: »Was will der hier schon wieder? Schick ihn raus, ich will ihn nicht sehen!«.
In diesem Buch erfährst du, wie Eltern und Kinder in dieser Hinsicht einen goldenen Mittelweg finden können. Denn genauso wenig, wie wir wollen, dass unsere Kinder zu Diktatoren werden, wollen wir das von uns selbst. Schließlich haben viele von uns unter herrschsüchtigen Eltern oder Lehrern gelitten. Lass uns gemeinsam diesen Mittelweg der Liebe und der Leitung erkunden – einen Weg, der klare Grenzen aufzeigt, ohne ausfallend, gewalttätig oder gar bösartig zu werden.
Das Wichtigste gleich vorneweg, damit es in deinem Herzen mitschwingt, während du alles andere liest. Eltern sein bedeutet aus meiner Sicht: Dich gut um dich selbst kümmern und dich selbst mit wohlwollenden Augen ansehen, deinem Kind ein gutes Vorbild sein und ihm regelmäßig Aufmerksamkeit und Zuwendung geben, Interesse an seinem Tun haben.
Dieses Buch ist ein Angebot: Nimm dir, was du brauchst, hinterfrage und prüfe genau, ob das, was du liest, für dich, dein Kind und deine Familie passt. Jedes Kind, jeder Mensch ist anders. Was beim einen Kind klappt, funktioniert für ein anderes Kind vielleicht gar nicht. Deshalb höre nicht auf mich, nicht auf irgendjemand anderen, sondern am meisten auf dein Mutter- bzw.- dein Vaterherz! Vor allem möchte ich dir Mut machen, dass du die Mama, der Papa werden kannst, der du in deinem Herzen schon lange bist, der beste Vater oder die beste Mutter für dein Kind, voll mit Liebe bis oben hin.
Ich habe etwa zwei bis drei Jahre gebraucht, bis ich die Gewohnheit, meine Kinder zu fragen, wenn ich wollte, dass sie etwas Bestimmtes machen, abgelegt hatte und stattdessen direkt gesagt habe: »Bitte geh dir jetzt die Hände waschen!« Das schaffst du garantiert schneller! Auch Schwimmen oder eine neue Sprache lernst du nicht durch dreimal üben. Sei also milde mit dir, erlaube dir Fehler und stell dir vor, wie du mit 95 Jahren aus deinem Ohrensessel wohlwollend auf diese Situation siehst.
Das Wunderbare an diesem Buch ist: Ich backe dir kein Brot, sondern ich zeige dir, wie Brot backen geht! Auf dieses Buch bezogen meine ich damit: Ich beschreibe dir immer wieder, wie unser Gehirn funktioniert oder welcher Sinn hinter einem bestimmten Verhalten steckt, damit du am Ende in allen kritischen Situationen selbst automatisch weißt, was für dich und dein Kind das Beste ist. Ich tue dies in einfachen, kleinen Schritten und aus verschiedenen Perspektiven, damit sich die Inhalte besser bei dir einprägen. Da sich manche Änderungen wie z.B. die persönliche Sprache – wenn du also von dir statt von »man« sprichst – auf verschiedene Aspekte des Zusammenlebens auswirken, tauchen sie mehrfach im Buch auf. Wir nähern uns dem Thema »Wie begleite ich mein Kind am besten ins Erwachsenenalter?« von verschiedensten Seiten, so dass du am Ende eine möglichst komplette Vorstellung davon hast, was nötig ist, damit zwischen deinen Kindern und dir eine Beziehung entsteht, von der ihr beide, du und dein Kind, ein Leben lang profitiert.
Ich habe darauf achtgegeben, dass jedes Kapitel in sich geschlossen ist, so dass du die Kapitel auch in unterschiedlicher Reihenfolge lesen kannst. Je nachdem, wie viel Zeit und Muße du gerade hast, kannst du das Buch von vorn nach hinten durchlesen oder direkt zu den schwierigen Alltagssituationen – oder dem Kapitel über die Wut – im hinteren Buchteil springen, um die konkretesten Tipps zuerst umzusetzen. Lass dich gern vom Inhaltsverzeichnis oder von der Liste der Merksätze inspirieren und lies, was dich am meisten anspricht. Im Text sind auch immer wieder Merksätze hervorgehoben, die dir helfen sollen, das Gelesene in deinen Alltag zu integrieren. Vielleicht pinnst du dir den einen oder anderen Satz, der in dir eine Resonanz auslöst, zur Erinnerung irgendwo hin. Zu diesem Zweck gibt es am Ende des Buches eine Liste aller im Buch erwähnten Merksätze. So kannst du sie leicht finden und unter Umständen auch das dazugehörige Kapitel erneut lesen.
Im ersten Kapitel geht es einerseits um eine annehmende Grundhaltung und auch darum, zu verstehen, wo wir herkommen, aus welcher Familienkultur, aus welcher Landeskultur, aus welcher Generation usw., um mehr Verständnis für uns selbst wie auch für unsere Eltern zu bekommen, selbst, wenn sie aus unserer Sicht »unmöglich« waren oder sind.
Im zweiten Kapitel geht es um die verschiedenen Beziehungen in der Familie, die zu dir selbst, die zu deinem Partner bzw. deiner Partnerin und die zu deinen Kindern. Sobald wir uns bewusst sind, dass alle diese Beziehungen wichtig sind, gelingt das Zusammenleben in der Familie viel besser.
Das dritte Kapitel ist ein Sonderkapitel. Eine Forschungsgruppe hat die Wünsche eines Kindes an seine Eltern zusammengeschrieben. Es fasst die Sichtweise von Kindern so gut zusammen, dass ich es für dich gern in der Mitte meines Buches platzieren wollte, damit du es immer mal wieder lesen kannst.
Das vierte Kapitel ist das konkreteste mit den meisten praktischen und sofort umsetzbaren Hinweisen für typische Alltagssituationen. In diesem Kapitel erkläre ich auch in Grundzügen, wie das Gehirn funktioniert. Daraus ergibt sich in vielen Situationen automatisch, welches Verhalten in einem bestimmten Moment sinnvoll ist und welches nicht. Einzelne Alltagssituationen, die für sehr viele Eltern besonders herausfordernd sind, sind am Ende noch genauer ausgeführt.
Im Kapitel fünf geht es darum, dass wir uns selbst und unsere Kinder so häufig wie möglich feiern, selbst wenn die Erfolge nur sehr klein sind. Warum das sinnvoll ist, erfährst du dort.
Das Kapitel sechs ist mein Grund, mein Antrieb für all mein Handeln: in der Praxis, für die Akademie und in meiner Freizeit. Es ist meine tiefe Überzeugung, dass wir Menschen in der Lage sind, jeden Tag besser miteinander umzugehen, immer friedlicher, wertschätzender und wärmer. Die Familie ist die »Basiseinheit« jeder Gesellschaft. Sie ist die Grundlage für jede Veränderung, die Basis von der aus wir starten und der hoffentlich sichere Hafen, in den wir idealerweise jederzeit zurückkommen können.
Noch ein paar Worte zum Gendern: das war gar nicht so einfach für mich und ich habe Verschiedenes ausprobiert. Am Ende habe ich mich entschlossen, mal die weibliche und mal die männliche Form zu benutzen oder auch beide Eltern ausdrücklich zu erwähnen. Dabei ist es in vielen Fällen doch wieder die männliche Form geworden, weil LeserInnen sich irritiert fühlten. Deshalb bitte ich euch hier ausdrücklich darum, dass ihr euch alle angesprochen und inkludiert fühlt, denn so ist es von Herzen gemeint.
»Ich glaube daran, dass das größte Geschenk, das ich von jemandem empfangen kann, darin besteht, gesehen, gehört, verstanden und berührt zu werden. Das größte Geschenk, das ich geben kann, ist, den anderen zu sehen, zu hören, zu verstehen und zu berühren. Wenn dies geschieht, entsteht Kontakt.«
Virginia Satir 1
Wie kommen wir von den negativen Erziehungsmethoden unserer Vorfahren wieder zurück zu unseren Träumen und in unser wahres Zuhause, das »Hier und Jetzt«?
Menschen, die als Kinder von ihren Eltern nicht sehr gut behandelt worden sind, hegen häufig den Wunsch, bei ihren eigenen Kindern vieles komplett anders zu machen. Sie haben ein Gefühl von »Oh ja, so müsste es sein. Und wenn ich mal Mutter bzw. Vater bin, dann mache ich das ganz anders.« Diese Idealvorstellung spüren wir tief in unseren Herzen, sie schwingt bei den meisten Eltern jeden Tag mit. In unserem Herzen wissen wir, was richtig ist. Doch dann holt uns die Alltagsrealität ein und wir merken, dass wir gar nicht so sein können, wie wir eigentlich in unserem Herzen sind – die besten und liebevollsten Eltern der Welt. Wenn wir das zu oft nicht hinbekommen, sind wir unzufrieden mit uns selbst. In unserer Frustration meckern wir dann aber unsere Kinder an, sind grob oder verhalten uns unfair. Hinterher bereuen wir unser Verhalten oder könnten vor Scham im Boden versinken. Wie konnte das passieren? Warum konnte ich meine liebevolle Haltung nicht zeigen? Manchmal kommen wir zu dem Schluss, dass es daran liegt, dass unsere Kinder so schwierig sind; und manchmal machen wir uns selbst unnötig schlecht. Beides hilft weder uns noch unseren Kindern.
Die Lösung für dieses Dilemma liegt im Gedanken der Liebe. Am Anfang ist es ja oft so, dass wir uns als Paar sehr lieben und uns ein gemeinsames Kind wünschen, das aus dieser Liebe heraus geboren ist und in dieser Liebe aufwächst. Dabei stellen wir uns unsere Elternschaft und unser Familienleben ideal und wunderschön vor. Genau so wie in unserer Vorstellung soll es sein!
Doch dann ist in der Realität manches deutlich anders als in unserer rosaroten Traumvorstellung. So können gar nicht so wenige Eltern ihre Kinder nicht oder zunächst nicht lieben – ein Tabuthema, über das kaum gesprochen wird. Manche frischgebackenen Eltern kommen ganz gut mit der Umstellung vom Paar ohne Kind zu Familie klar, andere weniger gut oder gar nicht. Wie auch immer: Das erste Lebensjahr des Kindes ist für die meisten Eltern ein drastischer Perspektivwechsel, dessen Tragweite sie vor der Geburt des Kindes niemals für möglich gehalten hätten. Kein Wunder, dass viele Eltern rückblickend erzählen, dass sie zwei Leben haben, dasjenige vor und dasjenige mit den Kindern.
Doch egal mit welchen Hoffnungen und Erwartungen das Familienleben beginnt, die meisten Eltern kümmern sich »ohne Wenn und Aber« um ihre Kinder, richten sich nach deren Bedürfnissen und fühlen sich bestmöglich ein. Weil Babys noch nicht sagen können, was sie brauchen, beobachten die Eltern ihr Kind sehr gut und tun alles in ihrer Macht stehende, um seine Bedürfnisse zu befriedigen.
Doch plötzlich – meist um den ersten Geburtstag des Kindes herum – passieren sowohl auf der Kinder- als auch auf der Erwachsenenseite mehrere Dinge gleichzeitig: Wir können und wollen uns nicht mehr ausschließlich nach den Bedürfnissen unseres Kindes richten und das ist auch gut so. Unsere Kinder entwickeln einen eigenen Willen und tun diesen deutlich kund. Da ist Knatsch vorprogrammiert!
Oft gehen wir um des lieben Friedens willen über unsere Grenzen hinaus, manchmal sogar sehr weit. Und bevor wir es uns versehen, verhalten wir uns möglicherweise genauso wie unsere eigenen Eltern, obwohl wir uns damals geschworen hatten, dass wir uns unseren Kindern gegenüber niemals so verhalten würden!
Der Wiedereintritt der Eltern in die Arbeitswelt bringt zusätzlichen Stress in die Familie. Plötzlich muss die Mama morgens wieder pünktlich aus dem Haus und ist genervt, wenn die Tochter sich nicht anziehen lässt. Auch gibt es nicht mehr so viel Erholungszeit zwischendurch, und die vielen alltäglichen Aufgaben wie Kochen, Waschen, Einkaufen, Steuererklärung fertigmachen oder Auto in die Werkstatt bringen müssen jetzt neben Kind und Arbeit bewältigt werden. All das, was wir vielleicht schon vorher nur mit Mühe geschafft haben, muss jetzt noch effizienter ablaufen. Wenn dann die Kinder nicht so richtig »funktionieren«, werden wir leicht ungeduldig oder wütend – und oft geht plötzlich gar nichts mehr.
Um den ersten Geburtstag herum kann dein Kind auch schon richtig viel: Es krabbelt, beginnt zu laufen und einige Worte zu sprechen. Und es möchte diese Fähigkeiten auf seine ganz individuelle Art und Weise ausprobieren. Mit den wenigen Worten und seiner ausdrucksstarken Mimik und Gestik kann es sehr genau »sagen«, was es möchte und was nicht. Es kann sich selbst fortbewegen und entscheiden, in welche Richtung es sich bewegen möchte. Mit einem Jahr beginnen auch die Wutanfälle, weil eben nicht mehr alles so läuft, wie die Prinzessin oder der Prinz es sich wünschen.
Für Kinder ist diese Zeit eine riesige Umstellung. Seit der Geburt wurden ihnen alle Wünsche von den Lippen abgelesen und jetzt müssen sie sich plötzlich nach den Eltern richten, weil beide wieder arbeiten gehen und es festgelegte Tagesstrukturen gibt. Das ist nicht fair! Kein Wunder, dass viele Kinder angesichts dieser Umstellungen ziemlich wütend werden.
In dieser kritischen Umbruchszeit ertappen sich viele Eltern dabei, wie sie ihr Wunschkind stunden-, tage- oder wochenweise auf den Mond wünschen oder sich fragen, wann sie es endlich mal wieder für einen Nachmittag an die Großeltern abgeben können. Die Realität hat uns eingeholt. Deine Arbeit beginnt früh, dein Kind muss pünktlich in der Kita sein, doch ausgerechnet jetzt hat dein Traumkind einen Wutanfall, weil irgendetwas nicht so läuft, wie es sich das vorgestellt hat. In diesem Moment schreist du es vielleicht an oder hörst dich die schlimmen Worte deiner Mutter oder deines Vaters von damals sagen.
Auch mit deinem Traumpartner gibt es vermehrt Streitigkeiten – wegen irgendwelcher Lappalien, die plötzlich keine Lappalien mehr sind. Zu wenig Schlaf, zu wenig Essen, zu wenige Pausen. Baby-Talk statt anspruchsvoller Unterhaltungen. Wann hattest du eigentlich das letzte Mal Zeit für dich? Zeit mit deinem Partner? Wann habt ihr das letzte Mal miteinander geschlafen? Mit deinen Freunden hast du dich auch seit Ewigkeiten nicht mehr getroffen! Es gibt einfach von ALLEM zu wenig. Und am allerwenigsten gibt es von der so dringend nötigen Gelassenheit. Nur: Wo gibt es die zu kaufen?
Wie werden wir zu den Menschen, die wir heute sind? In den ersten Lebensjahren werden wir »programmiert«: von unseren Eltern, unserer Umgebung und der Gesellschaft. Bis zu einem Alter von sechs bis sieben Jahren geht dabei fast alles, was wir hören oder sehen, mehr oder weniger ungefiltert ins Unterbewusstsein – so ein bisschen wie bei der bekannten Radiowerbung »Geht ins Ohr, bleibt im Kopf«.
Wir saugen also quasi mit der Muttermilch auch die Gewohnheiten und Sichtweisen unserer Eltern, unserer direkten Umgebung und der Gesellschaft auf. Wir schauen uns von unseren Eltern deren Körperbewegung, Mimik, Gestik, Wortwahl, Sätze und Handlungsweisen ab und nehmen sie in unser Unterbewusstsein auf.
Erst ab einem Alter von etwa sechs Jahren, je nach Entwicklung des Kindes auch schon früher, können wir mithilfe unseres Bewusstseins manche der Inhalte herausfiltern und in Form eines innerlich gesprochenen »Nein, das stimmt nicht« ablehnen.
Unser Unterbewusstsein kann dies jedoch nicht, vielmehr übernimmt es alle eintreffenden Inhalte unwidersprochen. So übernehmen wir unbewusst die Lebensweise unserer Eltern: Wir gewöhnen uns an die Nahrung, die unsere Eltern uns geben, und mögen sie am Ende meist lieber als alles andere Essen. Vielleicht gewöhnen wir uns auch analog zu unseren Eltern an, immer zu spät zu kommen oder regelmäßig Sport zu machen. Über die Jahre übernehmen wir beispielsweise die Sichtweise unserer Eltern, ihre Art, mit Krankheiten umzugehen, oder ihre Glaubenssätze wie »Wir werden nie Geld haben« oder »Wer sich so benimmt, scheitert im Leben«. Die Glaubenssätze unserer Eltern werden unsere eigenen Glaubenssätze – aus »Jetzt streng dich doch mal an!« wird schleichend ein »Ich bin nicht gut genug«.
Wenn wir uns als Eltern jetzt ehrlich fragen, wie wir mit unseren Kindern umgehen, wird uns vielleicht beschämt auffallen, dass wir einige Dinge genauso machen wie damals unsere Eltern. Noch unangenehmer ist es, wenn unser Partner bzw. unsere Partnerin uns darauf hinweist. Am liebsten würden wir diese Art der Kritik möglichst schnell wieder verdrängen. Schließlich möchte keine von uns unseren Kindern irgendwelchen Ballast in Form längst überkommener Familiengewohnheiten mitgeben.
Zum Glück können wir viele dieser Gewohnheiten jederzeit ändern – zwar nicht immer so schnell, wie wir uns das wünschen würden, aber deutlich einfacher, als du denkst.
Unsere Kinder beobachten uns ständig, schon von ihrem ersten Lebenstag an. Auch wenn sie nicht hinsehen und anscheinend ins Spiel vertieft sind: Sie bekommen alles mit. Und sie lernen daraus, wie die Welt zu sein scheint. Für sie gibt es nur diese eine Welt: die Welt bei uns zu Hause. So ist es. Dadurch, dass unsere Kinder uns so genau beobachten, kennen sie uns oft besser als wir uns selbst. Denn unsere Kinder hören nicht nur auf unsere Worte, sondern achten auch genau darauf, wie wir etwas sagen oder tun. Ohne dass wir uns dessen vollumfänglich bewusst sind, haben unsere Körper sprache, Mimik, Gestik und Tonlage einen wesentlichen Anteil an unserer Kommunikation mit unseren Kindern. Wie ein Seismograph bemerkt dein Kind Diskrepanzen zwischen dem, was du sagst, und dem, was du tust.