Endlich Mann sein - Christian Kuster - E-Book

Endlich Mann sein E-Book

Christian Kuster

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  • Herausgeber: Camino
  • Kategorie: Ratgeber
  • Sprache: Deutsch
  • Veröffentlichungsjahr: 2018
Beschreibung

Männer sind nicht dazu verdammt, dieselben alten und verbrauchten Muster täglich neu zu zementieren. Alles im Leben verlangt nach Wachstum im guten Sinne des Wortes, nach Bewegung, nach Veränderung, nach Weiterentwicklung. Dieses Buch möchte Männer auf dem Weg der abenteuerlichen Selbstentdeckung in ein neues, selbstbestimmtes Leben begleiten. Die vielen positiven Impulse sind einfach umzusetzten. Sie alle beruhen auf persönlichen Erfahrungen und haben sich im Leben vieler Männer bereits erfolgreich bewährt. Ein praxiserprobter Ratgeber, der Männer auf dem abenteuerlichen Weg zu einem selbstbestimmten Leben begleitet!

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Christian Kuster

EndlichMann sein

Das große Abenteuerzu sich selbst zu finden

1. Auflage 2018

Ein camino.-Buch aus der

© Verlag Katholisches Bibelwerk GmbH, Stuttgart, 2018

Alle Rechte vorbehalten

Für die Texte der Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift,

vollständig durchgesehene und überarbeitete Ausgabe

© 2016 Katholische Bibelanstalt GmbH, Stuttgart

Alle Rechte vorbehalten

Umschlaggestaltung: Franziska Barczyk, Toronto/New York

Gestaltung und Satz: wunderlichundweigand, Schwäbisch Hall

Druck und Bindung: Finidr s.r.o., Český Těšín, Tschechische Republik

www.caminobuch.de

ISBN 978-3-96157-069-0

Auch als E-Book erhältlich unter

eISBN 978-3-96157-981-5

Inhalt

Vorwort

Die richtige Entscheidung treffen

Männliche Spiritualität

Zum inneren Seelenfrieden finden

Wenn Männer fair streiten

Die Überwindung der Verzweiflung

Der Mann und seine vielen Rollen

Typisch männlich

Brüche und Aufbrüche im Leben des Mannes

Dunkle Schatten auf dem spirituellen Weg des Mannes

Wenn Männer pausenlos beten

Gefühlvolle und solidarische Männer

Der Mann als Vater

Die spirituelle Reise des Mannes

Stress und Achtsamkeit

Männerfreundschaften

Zweifelnde Männer

Der einfache Mann

Wie finde ich zu meiner Identität?

Der Mann und die Sexualität

Der Mann und sein Beruf

Von der Vaterwunde

Leben in der Wirklichkeit

Schlusswort

Vorwort

„Endlich Mann sein“, das klingt so, als ob wir (noch) keine Männer wären, als ob wir noch werden müssten, die wir sind, als ob es gar nicht selbstverständlich sei, männlich zu sein, was uns doch erblich bedingt von Geburt an prägt und ausmacht.

Mann sein ist in der Tat ein Prozess, eine Genese, wenn man so will. Und diese Entwicklung ist zeitlebens nicht abgeschlossen. Das ist die große Gefahr, aber auch die riesengroße Chance im Leben eines jeden von uns. Wir sind nicht dazu verdammt, dieselben alten und verbrauchten Muster täglich neu zu zementieren – aber es kostet Einsicht und Willenskraft, dem schleichenden Rhythmus der lähmenden Bequemlichkeit zu entgehen. Stillstand im Sinne verweigerter Entwicklung ist nämlich – spirituell gesehen – Sünde. Alles im Leben verlangt nach Wachstum im guten Sinne des Wortes, nach Bewegung, nach Veränderung, nach Weiterentwicklung.

Naturgemäß scheuen die meisten Männer diesen Prozess der Wandlung, doch genau das ist mit männlicher Spiritualität gemeint: Werdung, Selbstüberschreitung hin zu dem Bild, das mir ursprünglich zugedacht ist: „Gott erschuf den Menschen als sein Bild, als Bild Gottes erschuf er ihn. Männlich und weiblich erschuf er sie.“ (Gen 1,27)

So gesehen beruht unser Mannsein nicht so sehr auf einem Willensund Schaffensakt des Mannes alleine, es ist vielmehr ein Geschehen- und Zulassen jener Wirklichkeit, die bereits in uns lebt und wie ein Ungeborenes ins volle Leben geholt werden möchte. Das ist nicht einfach und oft erst das Ergebnis eines jahrelang eingeübten Lernprozesses.

Das Buch möchte Sie auf diesem abenteuerlichen Weg der Selbstentdeckung in ein neues, selbstbestimmtes Leben als Mann begleiten. Dieser Weg nach innen – wir werden Gott draußen nicht finden – ist gerade in der zweiten Lebenshälfte von größter Bedeutung. Das Buch vermag Ihnen viele wertvolle Impulse zu geben, die alle eines gemeinsam haben: Sie haben sich im Leben vieler Männer bewährt, sie sind einfach umzusetzen und stiften heute schon Erkenntnisse, die auf persönlicher Erfahrung beruhen und auch Sie in positiver Weise beeinflussen können.

Die richtige Entscheidung treffen

Ein Mann fragt seinen Freund: „Was soll ich tun? Soll ich meine Frau verlassen? Soll ich bei ihr bleiben? Sie sagt: ‚Ich liebe dich nicht mehr!‘ – Und ich weiß nicht, ob sie das ernst meint, oder ob sie will, dass ich um ihre Liebe kämpfe …“

Was soll ich tun? Wie soll ich mich entscheiden? Welchen Weg soll ich gehen? Woran erkenne ich, was für mich gut und richtig ist? „Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden“, diese Bitte aus dem Vaterunser ist vielen Männern bekannt. Immer wieder fragen sie mich, z.B. auch in der geistlichen Begleitung, wie denn der Wille Gottes erkennbar sei, woran man also den echten Willen Gottes festmachen könne. Gibt es sozusagen verlässliche Kriterien, die uns dieses Geheimnis erschließen?

Viele Männer stehen vor der Wahl, diesen oder jenen Berufsweg zu gehen, diese oder jene Frau zu heiraten, diese oder jene Summe für ein bestimmtes Projekt zu investieren oder eben auch nicht. Sie fragen danach, wie es in Krisenzeiten mit ihrer Ehe oder Beziehung weitergehen soll, ob sie sich beruflich verändern sollen oder wie mit einer schweren Krankheit umzugehen ist. In vielen Fällen unseres Lebens ist guter Rat teuer, das betrifft nicht nur die großen Lebenswenden, sondern durchaus auch ganz alltägliche und kleine Entscheidungen wie z.B. die Erlaubnis für den Ausgang ihrer 15-jährigen Tochter oder die rechte Form für eine berufliche Anfrage beim Chef usw.

Etliche Männer fühlen sich in diesen Fragen buchstäblich im Regen stehen gelassen und dann passiert es, dass nicht sie selbst aus ihrer inneren Mitte heraus neue Weichen für ihr Leben stellen. Vielmehr werden die Weichen von äußeren Umständen über sie gestellt. Sie leben nicht selbsttätig, sie werden gelebt, sie werden in diverse Richtungen gelenkt, ohne dies ausdrücklich so zu wollen. Sie probieren vieles aus, doch mit jeder Türe, die sie öffnen und durchschreiten, schließen sich andere Optionen für immer. Das macht sie unzufrieden, unglücklich, traurig, aggressiv, zornig oder auch lethargisch. Sie ergeben sich dann tatenlos ihrem Schicksal, das sie überhaupt nicht mehr beeinflussen können, wie sie meinen. Der Weg zur Flasche ist dann oft nicht mehr weit, obwohl sie eigentlich wissen müssten, dass die Wahrheit zu zweit beginnt und vier Augen mehr sehen als zwei. Aber auch diesen Weg in die geistliche Begleitung scheuen viele Männer. Sie sind immer noch der Meinung, alleine der Beste sein zu müssen. Nach Manier von John Wayne möchten sie als einsamer Wolf gegen den Rest der Welt bestehen.

Die folgenden Regeln machen es uns leichter, gute Entscheidungen zu fällen. Sie gelten auch als Kriterien für ein maßvolles, gelingendes geistliches Leben.

Regel 1: Freude ist das Kriterium für gute Entscheidungen

Eigentlich ist es ganz einfach: Was uns Männer dauerhaft glücklich und zufrieden macht, was mit anhaltender Herzensfreude verbunden ist, das ist die Frucht der rechten Entscheidung. Ein junger Abiturent fragte mich in der geistlichen Begleitung: „Was soll ich nur studieren? Welchen Beruf soll ich wählen?“ Er war geknickt, weil es dermaßen viele Optionen gab – vom Schreiner bis hin zum diplomierten Pflegedienstmanager –, dass er die Orientierung völlig verlor. Ich habe ihm dann geraten: „Tu das, was dein Herz dir sagt. Informiere dich gut über deine beruflichen Möglichkeiten und geh dorthin, wo dir das Herz aufgeht, wo die Freude in dir wächst und wo sie auch bleibend zugegen ist.“ – Der junge Mann hat sich nach längerem Ringen für ein Sprachenstudium entschieden, weil er damit die meiste Freude und das größte Talent verband, die zum Glück auch heute noch anhalten.

Die Freude als Frucht gelungener Entscheidung ist kein immerwährendes, oberflächliches Glücksgefühl. Wir müssen sie als beständiges und tief gründendes, gutes Basisereignis verstehen, das uns auch in schweren Zeiten der Verunsicherung, des Zweifels, der Niederlagen nicht gleich aus der Bahn wirft.

Sehr oft sind Männer zerrissen zwischen ihren vielen Optionen. Eine multioptionale Zeit schafft viele Probleme, der nicht jeder Mann gleichermaßen gewachsen ist. Manche sind damit überfordert und da braucht es Klarheit. Man sagt auch, dass alles Übermaß den Menschen von innen her zerstöre. Deshalb ist es sinnvoll, seine Pläne auf eine Kurzformel zu reduzieren und sich der Frage zu stellen: „Wer bist du, wenn du deine Entscheidung getroffen hast? Wie fühlt sich das an?“ Wenn es dann gelingt, die eigenen Ziele auf eine gute und befreiende Kurzformel zu bringen, dann sind wir Männer schon einen großen Schritt weiter. Diese Kurzformel lautete für den jungen Abiturenten: „Ich studiere Sprachen, Französisch und Spanisch. Wenn meine Entscheidung, Sprachen zu studieren, gefällt ist, dann bin ich am Ziel meiner Irrfahrt angelangt, dann weiß ich, wo ich hingehöre, dann bin ich angehender Dolmetscher. Das fühlt sich gut an, weil ich dann nicht mehr hierhin und dorthin schielen muss, weil ich nicht das und jenes ausprobieren muss, sondern aus einem guten inneren Halt heraus mein Leben in selbst gewählter Freiheit führen kann.“

IMPULS

Besinnen Sie sich auf ihr Leben und überlegen Sie, was Ihnen im Blick auf bevorstehende Weichenstellungen wirklich Freude bereitet. Gehen Sie in Gedanken dorthin, lassen Sie sich von dieser Freude anstecken und leiten, es wird Ihre Entscheidung erleichtern.

Regel 2: Die Wahrheit beginnt zu zweit

Ich deute diese Aussage Friedrich Nietzsches so, dass wir uns alleine sehr leicht in dunkle Kanäle verstricken können. Wir brauchen oft jemanden, der uns ein Wort sagt, das uns weiterhilft, denn dies können wir uns nicht immer selber sagen. Vier Augen sehen mehr als zwei, deshalb gibt es ja in Schulen und auf Universitäten einen Zweitkorrektor, der die ersten Testkorrekturen der Schüler- und Studierenden noch einmal aus seiner Perspektive überblickt. Somit erhält die Benotung einen objektiveren Rahmen.

Ähnlich ist es auch in unserem Leben. Wir Männer müssen nicht alles mit uns alleine ausmachen. Es ist sinnvoll, sich in wichtigen Situationen dem Urteil anderer, uns nahestehender Menschen, z.B. guter Freunde, auszusetzen. Einem entscheidungsfreudigen Manager habe ich einmal geraten, seinen bereits gefassten Entschluss noch einmal mit seiner Frau zu überdenken. Und tatsächlich gab es Einwände ihrerseits und es kam sozusagen zu einer besseren Lösung für den Manager und seine Familie. Das ist natürlich schmerzhaft und demütigend, weil man in der Regel hinter seiner gefällten Entscheidung steht, aber es ist heilsam. Es ist weitblickender und letztlich für alle Beteiligten von Vorteil.

IMPULS

Legen Sie Ihre Pläne einem eng vertrauten Menschen dar. Bitten Sie ihn um seine Einschätzung und versuchen Sie diese nach gutem Ermessen auch in die Tat umzusetzen.

Regel 3: An der Vernunft führt kein Weg vorbei

Auch verrückte und außergewöhnliche Pläne müssen in deren letzter Konsequenz der menschlichen Vernunft standhalten. Völlig abwegige und diffuse Absichten haben in unserem Leben keinen Halt, sie stiften keinen tiefen Frieden, sie zerreißen uns von innen her. Die Kardinaltugend der Klugheit (gr. phrónesis, lat. prudentia) befähigt uns Männer zu angemessenem Handeln. Sie berücksichtigt dabei auch die ökonomischen Bedingungen, die uns ein Gelingen unseres Vorhabens von den vorhandenen Ressourcen her überhaupt erst möglich machen. Es wäre zum Beispiel sehr unklug, wenn ein Choleriker sich zur Ausbildung zum Heilerziehungspfleger interessieren würde, weil er mit seiner aufbrausenden Art den ihm Anvertrauten von vornherein nicht gerecht werden könnte.

„Ich habe es satt, ich fahre jetzt für drei Wochen nach Griechenland“, hat ein junger Ehemann auf schmollende Weise bei einem Männerseminar verkündet. Bei näherer Betrachtung der Umstände stellte sich heraus, dass dies von Berufs wegen gar nicht so einfach war. Außerdem hatte er eine Familie zu versorgen, mit der das Ganze noch nicht abgesprochen war. Wir Männer rieten dem jungen Mann, der sich offensichtlich in einer ersten, größeren Ehekrise befand, Vernunft zu bewahren und das Ganze in Ruhe abzuwägen. Wir versuchten ihm Wege aufzuzeigen, die seine Absicht neutralisierten, z.B. rieten wir ihm, doch mit seiner Frau dorthin zu reisen oder überhaupt einen Familienurlaub zu planen …

IMPULS

Vernünftige Entscheidungen brauchen Zeit, sie wollen in der Regel nicht „aus dem Bauch heraus“ getroffen werden. Stecken Sie sich einen guten Zeitrahmen von drei Tagen, einer Woche oder auch mehr und wägen Sie vernünftig ab, welche Ressourcen Sie haben, wohin Sie in Zukunft gehen möchten und wie Ihre Lebensgefährten, Familien oder guten Freunde darauf reagieren werden.

Regel 4: Geerdet und konkret

Viele Männer wähnen sich in dem Glauben, dass gute Entscheidungen heroisch und außergewöhnlich sein müssten. Das sind sie im Einzelfall auch. Aber in der Regel sind sie wirklich ganz konkret, ganz einfach, ganz banal und erdgebunden. Von uns wird nicht erwartet, dass wir die ganze Welt verändern. Es genügt, wenn wir unseren Schreibtisch aufräumen, unsere Kinder am Spielplatz abholen, den Müll ausleeren, den Rasen mähen, gelegentlich den Kochlöffel in die Hand nehmen, die Frau trösten, wenn sie traurig ist, die Schuhe putzen, unser Auto zum Service fahren, unserer Arbeit täglich nachgehen …

Ich persönlich halte von den hehren, abgehobenen Plänen nicht sehr viel. Ihnen fehlt es an Erdung, an Bodenhaftigkeit und das kann für den Mann gefährlich werden. Er ist dann in Gefahr abzuheben, er wird hochmütig und verliert allmählich den Kontakt zum einfachen „Bodenpersonal“, er hält sich für etwas Besseres und geht auf diese Weise in die Isolation.

Die geerdete Entscheidung ruft in eine konkrete Situation ins „Hier und Jetzt“ hinein, sie meidet das „Irgendwann einmal“ und „Wenn-Sätze“. Darum gilt: Nichts aufschieben. Und nicht im Hinblick auf mein mögliches Morgen die Gelegenheit dieses Tages versäumen. Es gibt drei Kennzeichen für ein hingebungsvolles, bereitwilliges Leben: sogleich, freudig, ganz. Oftmals ist nicht von einem äußeren Orts-, Arbeits- und Partnerwechsel das Heil zu erwarten, sondern von einer inneren Neueinstellung, von einem Mehr an Lebenshingabe.

IMPULS

Seien Sie ehrlich zu sich selbst und schauen Sie genau, ob Ihr Vorhaben gut geerdet ist, ob es Bodenhaftung hat, ob es den alltäglichen Herausforderungen überhaupt gewachsen ist.

Regel 5: Überforderungen schaden uns

Diese Regel ist sehr entlastend. Ich erinnere mich daran, wie ich medial überladen als Lehrer von Schulklasse zu Schulklasse gehetzt bin, um den Jugendlichen möglichst viel beizubringen. Wenig davon blieb bei ihnen hängen und für mich war das alles sehr anstrengend und belastend. Dann bekam ich ein Fachbuch für Lehrer zur Hand, das von der Reduktion auf das Wesentliche sprach, z.B. von einer einzigen Bildbetrachtung, die sich über eine ganze Stunde hin erstreckte, oder von einem kurzen Text, der ein Stundenprogramm zu füllen vermochte. Dieses Buch hat in mir einen völlig neuen Lehransatz eingeleitet, den ich bis heute in vielen Zügen beibehalte. Man sagt ja auch: In der Kürze liegt die Würze.

Wir müssen uns nicht mit inneren und äußeren Ansprüchen überladen. Wir müssen der Traurigkeit und dem Disstress in unserem Leben keinen unnötigen Raum geben, denn die Traurigkeit führt zur Verbitterung und der Stress zur Flüchtigkeit und Nachlässigkeit. Wenn Männer darunter leiden, dass sie mehrere Aufgaben zugleich erhalten und erledigen müssen, können sie an diese Regel denken: Gott überfordert uns mit Sicherheit nicht, er lässt uns kleinen Schrittes dem großen Ziel entgegenschreiten.

IMPULS

Bedenken Sie, ob Sie der von Ihnen gestellten Aufgabe gewachsen sind. Wie fühlen Sie sich dabei? Sind Sie dem Kommenden gewachsen oder fühlen Sie sich überfordert? Löst es bei Ihnen Freude und Zuversicht aus oder macht es Sie ängstlich?

Regel 6: Widerhall im Leben Jesu?

Diese Regel ist uralt, denn es macht Sinn, für alles, was wir tun, eine Bestätigung in der Heiligen Schrift zu suchen. Der Maßstab guten Handelns ist für christliche Männer Jesus selbst, dem wir durch unsere Entscheidungen ähnlicher werden sollen. Das merken wir auch daran, wenn wir durch unsere Vorhaben demütiger und kleiner werden. Es ist durchaus vernünftig, sich bei allem zu fragen: „Was hätte Jesus jetzt getan?“ Dann erhält die Entscheidung nämlich noch einmal ein anderes, ein christliches Gewicht. Ein Mann ist bei einem Männerseminar plötzlich sehr laut geworden: „Ich bin es satt, immer nur brav und angepasst zu sein! Ich will nicht mehr den ‚lieben Kollegen‘ spielen! Die Ungerechtigkeiten in unserem Betrieb schreien zum Himmel und ich will sie beim Namen nennen!“ – Da fragten wir ihn nach einem biblischen Beispiel für seinen Zorn und er nannte den Zorn Gottes über die Stadt Ninive, der er das Strafgericht androhte und auch den Zorn Jesu, der im Tempel die Tische umwarf (vgl. Mk 11,15), weil das Haus seines Vaters keine Räuberhöhle sein sollte. Wir sprachen über diesen zornigen Jesus, über sein gutes Anliegen und wie nun dieser Mann seinem Zorn in geordneten, aber eindrucksvollen Bahnen Luft machen konnte. Ich weiß nicht genau, wie er es dann gemacht hat, aber es hat jedenfalls gefruchtet.

IMPULS

Schauen Sie in der Bibel nach, ob Ihre Entscheidung im Leben Jesu Widerhall findet. Wie geht es Ihnen dabei? Wenn die Liebe zum Leben in Ihnen größer wird, dann sind Sie bestimmt auf einem guten Weg.

Regel 7: Im Zweifel für die Versöhnung

In einem langen Gespräch erzählte mir ein alter Mann von seinem schwierigen Schwiegersohn, der ihn nicht grüße, nicht anrufe, nicht beachte … Ich sagte nichts, hörte einfach nur zu und dann am Schluss stellte er mir eine überraschende Frage: „Was würdest du an meiner Stelle tun? Wie siehst du die Sachlage?“ Ich persönlich habe es gelernt, mit Ratschlägen zurückhaltend zu sein, weil sie in der Regel überhaupt nichts bringen. Aber in diesem Falle habe ich mich vorsichtig an den Alten herangetastet und ihm meine Eindrücke kundgetan: „Er ist dein Schwiegersohn“, sagte ich, „der Mann deiner einzigen Tochter. Sie liebt ihn. Warum solltest du ihn ablehnen? Wer hindert dich denn, den ersten Schritt auf diesen Menschen hin zu gehen? Ich würde es tun, ich würde ihn anrufen, zum Essen einladen …“

„Aber das geht nicht!“, erwiderte der alte Mann. „Wir haben uns ja schon so lange nicht mehr gesehen.“ – „Ja, ihr sprecht nur noch garstig übereinander, es wird Zeit, dass du auf ihn zugehst!“, erwiderte ich hartnäckig. Ob der alte Mann meinem Rat gefolgt ist, weiß ich nicht, aber mir persönlich ist es völlig klar: Wir können nur über den Frieden mit unseren Mitmenschen zu tiefem, inneren Frieden finden. Und im Zweifelsfalle ist die beste Entscheidung immer die der Versöhnung. Das gilt in einem Männerleben ganz besonders für den eigenen Vater. Wer ihm nicht wirklich von Herzen zu vergeben bereit ist, wird ein Leben lang über seinen alten Herrn stolpern und dieser wird ihm immer wieder ein Bein stellen.

IMPULS

Diabolisch ist alles, was verwirrt, durcheinanderwirbelt, was zerstreut und von innen her zerstört. Die guten Entscheidungen verbinden, versöhnen und stiften Klarheit. Messen Sie heute Ihre Entscheidungen an diesem Kriterium.

Männliche Spiritualität

Gabriel wurde von seiner Frau verlassen. Entscheidend ist jetzt, wie er mit dem großen Schmerz in seinem Leben umgeht, ob es ihm gelingt, ihn in eine starke Liebe hinein zu transformieren oder ob er ihn an seine Mitmenschen weitergibt. Der Weg dorthin läuft nicht über die Addition, über das Hinzufügen weiterer Erkenntnisse, sondern über die Reduktion, über die konzentrierte Wahrnehmung des augenblicklich Wichtigen und das ist für Gabriel im Moment der aufrechte Wunsch, dass es für ihn wieder in geordneten Bahnen weitergeht …

Für mich ist Spiritualität vor allem mit Wandel verbunden. Das Herz des Mannes schlägt sich wund: am Vatermangel, am Misserfolg, an schwierigen Beziehungen, an falschen Idolen und Zielen. Männer machen viel kaputt, wenn ihre Wunden nicht transformiert werden. Dann werden sie brutal, hartherzig, führen Kriege, beuten andere aus, betreiben Menschenhandel, geraten in die Pornofalle … Wenn es uns gelingt, das verwundete Herz eines einzigen Mannes zu heilen, dann heilen wir die ganze Welt. Der prädestinierte Ort Mann zu sein und Mann zu werden ist die Männerrunde. Im erwartungsfreien, rituell geschützten Kreis von Männern geschieht Nachfolge Jesu und damit verbunden echte Mann-Werdung.

Der Mann findet sich kaum in der Kirche, ihm missfällt die weiche und einschläfernde Liturgie, er fühlt sich von vielen Frauen und den wenigen, aber durchaus dominanten Geistlichen in Frauengewändern nicht wirklich angesprochen. Ihre Worte erreichen ihn nicht. Er mag es nicht, wenn unvermutet und direkt über seine Gefühlswelt gesprochen werden soll. Und doch sehnt er sich nach einem Gott, nach einer kraftvollen, wilden Spiritualität, die ihn aus der Bequemlichkeit herauslockt in ein abenteuerliches und eigenverantwortetes Leben. Männer suchen die Herausforderung, die Aufgabe, die Selbstaufopferung, die Grenzen. Blut, Opfer, Kampf und Schwert haben in ihrem Leben eine große Bedeutung. Deshalb müssen sie ja danach suchen, was sie lebendig macht und wofür sie leben und sterben wollen. Wenn sie dies tun und entsprechend handeln, werden sie zu ganzen Männern, wie sie die Welt heute braucht.

Männer haben einen eigenen Zugang zum Glauben, sie glauben nicht so selbstverständlich, nicht so angepasst, nicht so kirchlich und auch nicht so vernetzt wie Frauen. Sie machen immer noch vieles mit sich alleine aus. Genauso wenig, wie sie besonders gerne und regelmäßig zum Arzt gehen, scheuen sie auch den Kontakt zum Beichtvater oder überhaupt zu einem Mann, mit dem sie über Wesentliches, Persönliches, Peinliches und letztlich auch Befreiendes sprechen könnten. Männliche Spiritualität ist auf das Tun hin ausgerichtet: Männer wollen schaffen, sie wollen gebraucht sein, sie wollen verändern, gestalten, verbinden. Und so verlagern sich „spirituelle“ Begegnungen auf den Tennis- oder Fußballplatz oder in die Stammtischrunden diverser (Sport-) Gasthäuser. Das ist gut so, aber ob diese weltlichen Erfahrungen reichen, um ein geistiges Vakuum, um sozusagen die große Sehnsucht eines Mannes zu füllen, bleibt fraglich. Ich denke, dass Männer in der Tat Gott brauchen. Er ist jene Kraftquelle, jener Esprit, der ihr verwundbares Leben fruchtbar und sinnvoll macht, der sie nützlich und tauglich macht für diese Welt und der sie auf dieser Erde dementsprechend brauchbar einrichtet.

In den folgenden vier Thesen wird die männliche Spiritualität sozusagen auf den Punkt gebracht und entfaltet:

These 1: Männer müssen die Reise in die Ohnmacht lernen

Männer scheuen die Ohnmacht, den Verlust, die Niederlage, den Tod instinktiv. Sie wollen naturgegeben gesund, stark, einflussreich und aktiv sein. Ohnmacht, Verlust oder Verwundbarkeit sind keine großen Männerthemen, treten aber dennoch unweigerlich in jedem Männerdasein auf – gefragt oder ungefragt.

Kürzlich ist mir ein Krankenpfleger begegnet. Jahrelang hat er gewissenhaft gearbeitet, in sechzehn Dienstjahren kam er gerade mal auf zehn Krankheitstage. Er wähnte sich selbstverständlich in der Vorstellung, dass dem für weitere Jahre so bleiben würde, bis ihn plötzlich ein schwerer Burnout infolge totaler Selbstüberschätzung und -überarbeitung außer Kraft setzte. Wir sprachen über seinen Zustand und er sagte: „So etwas kenne ich überhaupt nicht. Warum muss mir das passieren? Ich fühle mich so ohnmächtig, kann nicht mehr arbeiten, weiß nicht, wie es weitergehen soll?“ Er konnte nicht verstehen, dass Ohnmacht ein Thema ist, das auch ihn selbst betreffen würde. Bislang kannte er es nur von anderen, die zusammenbrachen, die sich suizidierten, die einen Herzinfarkt erlitten oder ihren Job verloren. Der Krankenpfleger war sozusagen auf den Ernstfall des Lebens nicht vorbereitet. Und jetzt war er auf sich zurückgeworfen, sah sein Leben in Trümmern liegen und wusste überhaupt nicht, wie es weitergehen sollte …