Endlich Schmerzlinderung! - Stefan Schramm - E-Book

Endlich Schmerzlinderung! E-Book

Stefan Schramm

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Beschreibung

Endlich Schmerzlinderung! Dieser Ratgeber bietet verständliche Hilfen zur Schmerzlinderung

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Seitenzahl: 54

Veröffentlichungsjahr: 2020

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Diese Ratgeber bietet im ersten Teil chronischen Schmerpatienten konkrete Strategien zur Selbsthilfe an. Es hat sich gezeigt, dass der Patient im Umgang mit seinen Schmerzen aktiv werden muß. Der Ratgeber bietet wisschenschaftlich untersuchte Bewältigungsstrategien im Umgang mit den Schmerzen an.

Im zweiten Teil zeigt der Autor den Weg in eine erfolgreiche professionelle Schmerztherapie auf.

Inhalt

Einleitende Gedanken

Grundlegende Informationen über den Schmerz

1.1 Psychologische Einflüsse auf den Schmerz

1.2 Akuter und chronischer Schmerz

1.3 Theorien zur Schmerzentstehung

1.4 Schmerzbewältigung und Schmerzverhalten

1.5 Gedankliche Reaktionen bei Schmerz

1.6 Gefühlsreaktionen bei Schmerzen

1.7 Ungünstiges Schmerzverhalten

1.8 Teufelskreis der Schmerzen

Selbstbeobachtung

Atmung

3.1 Atme richtig

3.2 Schmerzatemübung

Progressive Entspannung

4.1 Vorbereitungen

4.2 Ablauf

4.3 Abschluss

Ablenkung über die Aufmerksamkeit

5.1 Äußere Ablenkung

5.2 Innere Ablenkung

Genuss

6.1 Lernen Sie zu genießen

6.2 Genußregeln

6.3 Genußübung

6.4 Kleine Sinnschulung für den Alltag

Der Stress

7.1 Stressanalyse

7.2 Streßbewältigungsstrategien

Positives Denken im Schmerz

Der Weg in eine erfolgreiche Therapie

9.1 Der Hausarzt

9.2 Die multimodale Schmerztherapie

9.3 Die medizinische Behandlung im multimodalen Konzept

9.3.1 Die Akupunktur

9.3.2 Das TENS-Gerät

9.4 Die psychologische Behandlung im multimodalen Therapiekonzept

9.4.1 Biofeedback

9.4.2 Hypnose

9.4.3 Autogenes Training

9.4.4 Muskelentspannung

9.5 Abschluss der multimodalen Behandlung & Weiterbehandlung

9.6 Stationäre Schmerztherapie

9.7 Ambulante Psychotherapie

9.8 Stationäre Psychotherapie

9.8.1 Der psychosomatische Schmerz

9.8.2 Der stationäre Aufenthalt

Schmerztherapeutische Einrichtungen

Einleitende Gedanken

Im ersten Teil des Buches habe ich gut erlernbare Strategien, um Schmerzen zu begegnen, zusammengetragen, die sich zum einen anhand der aktuellen Studienlage aber auch aufgrund meiner 10jährigen Erfahrung mit Schmerzpatienten als hilfreich erwiesen haben.

Im zweiten Teil des Buches habe ich den Weg in eine erfolgreiche Schmerztherapie aufgezeigt.

Um das Verständnis und die Motivation zu fördern, habe ich zunächst einige wichtige Informationen zu dem Thema zusammengetragen. Beim Lesen wird deutlich, warum die daran anschließenden Strategien sich für viele Patienten bereits als hilfreich erwiesen haben.

Die folgenden Ausführungen über Schmerzen beziehen sich nur auf die chronischen Schmerzen, nicht auf die akuten Schmerzen. Auch sind die Strategien gegen die Schmerzen ausschließlich auf die chronischen Schmerzen gerichtet.

1. Grundlegende Informationen über den Schmerz

Bevor Sie mit den Schmerzübungen anfangen können, habe ich zunächst grundlegende Informationen über den Schmerz für Sie aus aktuellen Studien zusammengetragen. Anhand dieser Informationen lassen sich die psychologischen Einflüsse auf die Schmerzen besser verstehen.

1.1 Psychologische Einflüsse auf den Schmerz

In den 70er Jahren haben verschiedene Autoren Persönlichkeitsfaktoren als bedeutsam für die Entwicklung der Schmerzen angesehen. Fleck (1975) beschrieb in klinischen Fallberichten, dass besonders Rückenschmerzpatienten eine ausgeprägte Helfereinstellung hätten und sich deswegen oft selbst überfordern würden. Diese Eigenschaften würden im Verhalten mit einem ausgeprägten Tatendrang einhergehen. Gedanken wie „Rückgrat haben“ oder „sich stark zeigen“ sollen bei diesen Patienten gehäuft auftreten. Kütemeyer (1979) fasste dieses in den 70er bekannt gewordenen Muster in dem so genannten „Durchhaltesyndrom“ zusammen. Das Zulassen passiver Bedürfnisse wie „sich fallen lassen“ und „sich pflegen lassen“ ist schwierig für die Patienten.

Diese psychodynamischen Betrachtungsweisen beruhen auf Annahmen, die von einem fehlenden Wechsel zwischen An- und Entspannungsphasen ausgehen, was zu einer Muskelverspannung und Schmerz führt.

Obwohl die Beteiligung psychologischer Einflüsse bei vielen Schmerzerkrankungen mittlerweile als bewiesen gilt (Egle & Hoffmann 1993, Basler 1990), sind die Vorstellungen über die Wirkweise dieser Einflüsse nicht einheitlich.

Während Vertreter psychoanalytischer Therapieansätze versuchen zwischen psychisch verursachtem und organisch bedingtem Schmerz zu trennen, gelangen Vertreter verhaltenstheoretischer Konzepte (Kröner-Herwig et al. 1996) anhand mehrerer Befunde zu der Erkenntnis, dass sich Schmerzpatienten in ihrer Persönlichkeit nicht von der Normalbevölkerung unterscheiden. Das Schmerzgeschehen kann sich auf verschiedenen Ebenen auswirken:

Das Schmerzgeschehen kann sich auf der körperlichen Ebene auswirken (Abnahme der Leistungsfähigkeit), zu psychischen Beeinträchtigungen führen (Angst, Depressivität, Abnahme der Belastbarkeit) und Veränderungen im Verhalten (Schon- und Vermeidungsverhalten) bewirken. Dies kann soziale Folgen wie z.B. soziale Isolation oder Arbeitsplatzverlust haben. Studien haben gezeigt, dass die psychischen Belastungen mit fortschreitender Chronifizierungsdauer zunehmen (Pfingsten & Hildebrandt 1997).

Neben den emotionalen Auswirkungen (Angst, Depressivität) der Schmerzen spielen Lernerfahrungen bei der Krankheitsentwicklung eine Rolle. Das Erleben von Behinderung durch den Schmerz wird von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als „Disability“ bezeichnet. Dieses Erleben wird laut Studienlage von einer Vielzahl psychologischer Einflüsse mitbestimmt (Kohlmann et al. 1992). Wenn man Schmerzen hat, denkt er/sie vielleicht dass Arbeit, Aktivität, Belastung und Bewegung schädlich sind und man beginnt dem Schmerz mit Vermeidung von Bewegungen und Belastungen zu reagieren. (Pfingsten & Hildebrandt 1997). Dieses schonende Verhalten wiederum führt zu Fehlhaltungen und zur Schwächung wichtiger Muskelgruppen. Neben den körperlichen Auswirkungen treten aufgrund des oft ausgeprägten Rückzugsverhaltens von Schmerzpatienten auch psychosoziale Probleme (Isolation, Arbeitslosigkeit, finanzielle Not) auf. Gerade die körperliche Passivität wird von der Umgebung oft durch Anweisungen wie „schone dich“ verstärkt.

Die beschriebenen Bewältigungsstrategien führen häufig zur Ausprägung einer depressiven Stimmungslage. Der Schmerzpatient fühlt sich durch die körperliche Schädigung bedroht und weiß nicht wie er mit dem Schmerz richtig umgehen soll (Rudy et al. 1988).

1.2 Akuter und chronischer Schmerz

Für das Verständnis und den Umgang mit chronischen Schmerzen ist die Unterscheidung zwischen akutem und chronischem Schmerz sinnvoll.

Schmerz wird von der International Association for the Study of Pain (1986) als ein unangenehmes Sinnes- und Gefühlserlebnis definiert, das mit aktueller oder potenzieller Gewebeschädigung verknüpft ist oder mit Begriffen einer solchen Schädigung beschrieben wird.

Akute Schmerzen haben eine Warnfunktion und weisen auf eine drohende oder bereits eingetretene Gewebeschädigung hin. Sie treten im Alltag häufig als Begleitsymptom einer akuten Erkrankung oder als Folge einer darauf ausgerichteten Behandlungsmaßnahme (z.B. Operation) auf. Die Schmerzempfindung lässt nach erfolgreicher Behandlung der Schmerzursache in der Regel nach. Der akute Schmerz kann somit zunächst hinsichtlich seines Verlaufs und seiner Auslösung vom chronischen Schmerz unterschieden werden

Im Vergleich zum akuten Schmerz hat der chronische Schmerz seine Warnfunktion verloren, ihm liegt somit keine klare biologische Funktion. Unter dem Einfluss von Bonica entstand 1976 die International Association for the Study of Pain (IASP), die 1986 eine Schmerzdefinition und ein Klassifikationssystem für die verschiedenen Schmerzarten entwickelte.

1.3 Theorien zur Schmerzentstehung

Melzack & Wall formulierten 1965 die so genannte Tor - Theorie („Gate-Control-Theorie“), die erstmals den Versuch unternimmt, psychologische und physiologische Einflüsse in einer Schmerztheorie zu integrieren. Ich habe versucht die z.T. sehr komplizierten psychophysiologischen Zusammenhänge in einer gut verständlichen Form abzukürzen.