Engel auf vier Pfoten - Rainer M. Schießler - E-Book

Engel auf vier Pfoten E-Book

Rainer M. Schießler

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Beschreibung

Rainer Maria Schießler war in seiner Kindheit oft bei Verwandten auf einem Bauernhof im Bayerischen Wald – und er liebt Tiere von klein auf. Immer schon wollte er einen Hund haben … oder eine Katze. Beide Träume hat er sich als Erwachsener erfüllt. Zuletzt mit seiner Französischen Bulldogge Pia. Und auf seiner Autogrammkarte zeigt sich der beliebte Pfarrer mit einer Schildkröte im Arm, die genauso alt ist wie er ... »Und wir beide haben noch mehr gemeinsam…«, sagte er: »Wir sind nicht nur verdammt alt, sondern wir sehen auch verdammt gut aus«. Die kleinen »tierischen Engel« liegen dem beliebten Pfarrer so sehr am Herzen, dass er in der Münchner Kirche St. Maximilian regelmäßig »Viecherlmessen« hält. Mehrere hundert Menschen kommen mit ihren Haustieren, um sie segnen zu lassen. Nicht zuletzt durch eigene Erfahrungen weiß Rainer Maria Schießler, wieviel Glück Tiere ins Leben bringen. Darüber schreibt er in diesem Buch und erzählt lustige, rührende und spannende Geschichten, die immer eines gemeinsam haben: eine tierische Hauptrolle. Ein wunderbares Geschenk für alle Tierliebhaber mit vielen Farbfotos. 

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Seitenzahl: 195

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Rainer M. Schießler

Engel auf vier Pfoten

Verlagsgruppe Droemer Knaur GmbH & Co. KG.

Über dieses Buch

Rainer Maria Schießler war in seiner Kindheit oft bei Verwandten auf einem Bauernhof im Bayerischen Wald – und er liebt Tiere von klein auf. Immer schon wollte er früher einen Hund haben … oder eine Katze. Beide Träume hat er sich als Erwachsener erfüllt. Zuletzt mit seiner französischen Bulldogge Pia. Die kleinen »tierischen Engel« liegen dem bekannten Münchner Pfarrer so sehr am Herzen, dass er in seiner Gemeinde regelmäßig »Viecherlmessen« abhält. Mehrere hundert Menschen kommen mit ihren Haustieren, um sie segnen zu lassen.

 

Auch durch eigene Erfahrungen weiß Rainer M. Schießler, wie viel Glück Tiere ins Leben bringen. Darüber schreibt er in diesem Buch und erzählt lustige, rührende und spannende Geschichten, die immer eines gemeinsam haben: eine tierische Hauptrolle.

Weitere Informationen finden Sie unter: www.bene-knaur.de

Inhaltsübersicht

Widmung

1 Lebensbegleiter

2 Urlaub auf dem Bauernhof

3 Viele Hunderassen

4 Topsi

5 Laufener Hasenbraten

6 Rätselhafte Reise

7 Kitscha

8 Lizzy

9 Phil

10 Pia

11 Die berühmte »Viecherlmesse«

12 Timmy und andere Kirchenhunde

13 Palmsonntag, von Kilian bis Coco

14 Tierschutz

15 Schöpfung bewahren

16 Tierisches Familientreffen

Nachwort

Gewidmet allen unermüdlichen Helfern, Mitarbeitern und Förderernim Tierschutz, in den Tierheimen und Tierauffangstationen

Foto: Reddogs / stock.adobe.com

1Lebensbegleiter

Foto: Birgit Zimmermann

Ein Tier ist für viele Menschen ein ganz besonderer Lebensbegleiter. Tiere sind wahre Multitalente für unser psychisches und physisches Wohlbefinden. Man kann sagen, sie sind Seelentröster, eine Art Engel auf vier Pfoten. Instinktiv spüren Tiere, ob wir traurig oder gestresst sind, ob wir uns einsam fühlen. Dann reagieren sie mit körperlicher Nähe oder Aufmunterungsversuchen. Allein die Anwesenheit von Tieren tut uns gut: Das Schnurren einer Katze, die Pfote, mit der uns die Hündin anstupst – all das wirkt oft besser als jedes beruhigende Wort aus dem Mund eines Menschen. Studien belegen, dass das Streicheln eines Tieres den Blutdruck senkt und Stresshormone abbaut.

Tiere sind stille Gefährtinnen und Gefährten, aber auch wenn sie nicht zu uns sprechen können, verstehen wir meistens, was sie meinen. Und auch, was sie gerne hätten. Irgendwie ist jedenfalls eine Kommunikation möglich – über Körpersprache, Blicke und Berührung. Schon Kleinstkinder beherrschen den nonverbalen Austausch mit Hund und Katze.

Foto: Andrzej Maj Photo / stock.adobe.com

Erwachsene und Kinder lieben in der Regel die Nähe und den Umgang mit Tieren. Es scheint uns mehr oder weniger angeboren zu sein, mit Tieren vertraut zu sein. Dabei spielt es zunächst keine Rolle, ob man auf dem Land oder in der Stadt lebt, ob man tagtäglich mit Tieren in Berührung kommt oder nur selten.

Foto: Rita Kochmarjova / stock.adobe.com

Hunde sind gute Spielkameraden in der Kindheit, für viele Jugendliche ein Anker in der Zeit der Pubertät; für manche Erwachsene vielleicht auch eine Art »Kinderersatz«. Und für andere der wichtigste Schutz vor Vereinsamung im Alter. Wenn Beziehungen zerbrechen, lieb gewordene Menschen sterben oder Lebenspläne scheitern, bleiben Haustiere eine wesentliche Konstante. Beim Spaziergang mit dem Hund kommt man mit anderen Menschen ins Gespräch, findet Anschluss, und das Draußensein tut uns ohnehin gut.

Für ein Lebewesen, einen Hund, eine Katze, ein Meerschweinchen, einen Hamster, einen Wellensittich oder ein Pferd, sorgen zu dürfen, Verantwortung zu tragen und dafür dankbare Rückmeldung zu bekommen, das gibt dem eigenen Leben Sinn und Bedeutung.

Tiere leben immer im Hier und Jetzt. Sie grübeln nicht über Vergangenes und sorgen sich nicht um morgen. Sie lehren uns so auf ihre eigene Weise, den Moment bewusst wahrzunehmen – sei es das Spiel mit einem Ball oder das Dösen in der Sonne.

*

Pferde sind nicht nur Haus- und Nutztiere, die dem Menschen immer schon dabei halfen, die Erde urbar zu machen. Sie sind auch treue Begleiter und Helfer für den Menschen.

Es gibt eine ganze Reihe großartiger Filme, in denen Pferde nicht nur Statisten sind, sondern echte Hauptdarsteller mit Charakter und Geschichte. Oft spiegeln sie die Seelenlage der menschlichen Protagonisten wider oder sind der Motor der Handlung.

Iltschi (»Wind«) ist das Pferd des Apachenhäuptlings Winnetou. Die Beziehung des Indianerhäuptlings mit seinem Pferd lässt uns den »Wind der Freiheit und des Abenteuers« spüren. Alle diese Tierbücher und -filme habe ich, haben viele Menschen meiner Generation regelrecht in uns aufgesogen. Jede Woche galoppierte ein wunderschöner schwarzer Hengst namens Fury in unsere Wohnzimmer. Kein Kinderherz blieb davon unberührt. Szenen aus dem Roman »Black Beauty« von Anna Sewell wurden seit den 1970er-Jahren gleich mehrere Male verfilmt. Die Lebensgeschichte eines schwarzen Hengstes wird dabei auch aus seiner eigenen Perspektive erzählt. Dabei wird einem bewusst, welche Verantwortung wir Menschen mit Blick auf den Tierschutz haben.

Wilde Greifvögel werden seit Jahrhunderten von Menschen für die Jagd ausgebildet. Die besondere Beziehung zwischen Tier und Mensch, die wesentlich für die Ausbildung ist, kann man bei beeindruckenden Greifvogelvorführungen auf ergreifende Art und Weise erleben.

Von der Katze heißt es, sie sei das einzig ungezähmte Haustier, habe ganz von allein die Nähe des Menschen aufgesucht, sich mehr oder weniger selbst an den Königspalästen der alten Pharaonen in Ägypten eingefunden und zum Schein domestizieren lassen. Ob das stimmt? Auf jeden Fall ist der Eigensinn der meisten Katzen nicht von der Hand zu weisen.

*

Die Beziehung zwischen Menschen und Hunden als Haustieren ist eine der ältesten, tiefsten und vielfältigsten Verbindungen. Hunde können menschliche Mimik, Gestik und Stimmlage interpretieren wie kaum ein anderes tierisches Lebewesen. Wenn sich Mensch und Hund tief in die Augen schauen, wird bei beiden das Bindungshormon Oxytocin ausgeschüttet – derselbe Mechanismus, der die Bindung zwischen Mutter und Kind stärkt. Hunde haben spezielle Gesichtsmuskeln entwickelt, mit denen sie beispielsweise die Augenbrauen heben können, was beim Menschen Fürsorgeinstinkte auslöst. Sie teilen das Leben der Menschen, zu denen sie sich zugehörig fühlen, auf Schritt und Tritt. Als aktive Begleiter im Alltag, beim Sport oder auf Reisen.

Der Hund erzwingt einen Tagesrhythmus. Man muss aufstehen und rausgehen, egal, wie man sich fühlt – das ist ein mächtiger Schutzfaktor gegen Depressionen. Und auch der kleinste Hund vermittelt oft ein Gefühl von Sicherheit und Wachsamkeit (»Da passt jemand auf mich auf«).

Die Vorfahren der Hunde, die heute als Haustiere mit uns leben – die Wölfe –, waren wilde Tiere und sind es bis heute geblieben. In manchen Gegenden Europas entfachen Wolfspopulationen politische Diskussionen, ob die Tiere zu Recht unter besonderem Schutz stehen oder ob sie gejagt und abgeschossen werden dürfen, weil sich die Population stark vermehrt hat.

Der Hund war das erste Haustier des Menschen, lange bevor sie sesshaft wurden und anfingen, Ackerbau zu betreiben oder Nutztiere wie Rinder und Schweine zu halten (was erst vor etwa 10000 bis 12000 Jahren geschah). Man geht davon aus, dass die eigentliche Domestikation – also die genetische Veränderung vom wilden Wolf zum Hund – mehrere Tausend Jahre dauerte. Es war keine bewusste »Zucht« im heutigen Sinne, sondern eher eine Evolution. Wahrscheinlich näherten sich zunächst die weniger scheuen und weniger aggressiven Wölfe den Lagerplätzen der Menschen, um Abfälle zu fressen. Über viele Generationen hinweg wurden die Tiere im Laufe der Zeit immer zahmer, auch weil sie sich durch eine gute Futtersituation stärker vermehrten als ihre »wild lebenden« Artgenossen.

Hunde wurden schon früher für bestimmte Aufgaben ausgebildet. Beispielsweise als Herdenschutzhunde oder Jagdhunde. Die moderne Rassezucht entstand erst in den letzten 200 Jahren. Jedenfalls begleiten Hunde die Menschen schon seit der letzten Eiszeit.

Der Hund ist in nahezu allen Lebensbereichen des Menschen ein unersetzbarer Partner geworden: Hütehunde in der Weideviehhaltung, Hunde als Wächter für Haus und Hof, als Jagdbegleiter, in therapeutischen Funktionen und als Helfer für schwer gehandicapte Menschen, beispielsweise als Blindenhunde. Speziell dafür ausgebildete Hunde warnen auch Diabetikerinnen und Diabetiker vor Unterzuckerung und sind bei Polizei und Zoll, in der Drogen- und Sprengstofffahndung unersetzbar geworden. Mehrmals im Jahr üben ehrenamtliche Mitglieder des Roten Kreuzes mit ihren Spürhunden in meiner Pfarrkirche. Ihre Hunde sind darin ausgebildet, Menschen aufzuspüren. Sie suchen im Alltag altersbedingt eingeschränkte Senioren, die sich verlaufen haben und nicht mehr nach Hause finden, und üben das in einem so großen Gebäude wie unserer Kirche bis hinauf in den Glockenturm.

Es ist beeindruckend, wenn die Hunde am Kircheneingang an einem kleinen Stofffetzen riechen und dann sofort losstürmen. Zielsicher finden sie den Weg, spüren die Person, deren Witterung sie aufgenommen haben, auch im entlegensten Winkel und im besten Versteck auf. Dann bellen die Suchhunde vor Freude und bleiben mit dem Schwanz wedelnd an der Fundstelle stehen. Die Streicheleinheiten und Leckerlis, die sie anschließend bekommen, sind die perfekte Belohnung. Ich könnte stundenlang zusehen und würde am liebsten mitlaufen, wenn wieder eine Suchaktion startet.

In unserer »Viecherlmesse«, die auch Thema in diesem Buch ist, haben sich diese Rot-Kreuz-Helfer mit ihren Hunden einmal vorgestellt. Sie kamen gerade aus dem Erdbebengebiet in der Türkei und in Syrien nach Hause. Es hat uns sprachlos gemacht, als wir hörten, was diese zierlichen Tiere vollbringen, wenn sie in alle Löcher und Spalten kriechen und Überlebende, aber auch Leichen aufspüren.

In vielen Lebensbereichen ist der Hund ein wichtiger Partner des Menschen geworden. Da verwundert es keineswegs, wie sehr auch ich mich wie jedes Kind nach einem solchen Begleiter immer schon sehnte und früh ein Tier an meiner Seite wissen wollte.

*

In einer Großstadt wie München ein Haustier zu haben, war in den 1960er- und 1970er-Jahren längst nicht so selbstverständlich wie heutzutage. Es galt damals als ein ganz besonderer Luxus. Das gemeinsame Bemühen, ein vom Krieg total zerstörtes Land wieder aufzubauen und zu einem eigenen kleinen Wohlstand zu kommen, bot wenig Spielraum für die Anschaffung eines Haustiers – und eines Hundes allzumal.

In der Siedlung, in der ich mit meiner Familie lebte, bestimmten teils sehr engmaschige Mietverträge das Leben der Menschen. Es galt beispielsweise, feste Ruhezeiten tagsüber und nachts einzuhalten. Da störte das Kläffen von Hunden ebenso wie das Ballspielen vor dem Haus oder das Üben mit Musikinstrumenten in der Wohnung – Blasinstrumente waren generell verboten. Kleinsttiere wie Hamster und Meerschweinchen, die keinen Lärm verursachen konnten, waren gerade noch in einer Mietwohnung akzeptiert. Aber das war’s dann auch schon mit der Tiervielfalt in der Münchner Vorstadtsiedlung.

Ein ganz besonderes und für uns wirklich eher fremdartiges Haustier war damals die ganz normale Hauskatze. Ich kann man mich an keinen einzigen Haushalt in unserer Siedlung erinnern, in dem eine Katze lebte. Selbst streunenden Katzen ist man nur ganz selten begegnet. Das hat sich gänzlich verändert. Heute soll es allein in München über 20000 heimatlose Katzen geben. Ein Fachmann hat mir einmal die Zusammenhänge erläutert: Je mehr Hauskatzen in einer Stadt gehalten werden, desto mehr Tiere entlaufen und leben dann eventuell für immer im Freien. Dort vermehren sich die Tiere ungeregelt, wenn das Nahrungsangebot groß genug ist, und die Anzahl der streunenden Katzen nimmt weiter zu. Man könnte meinen, dass diese Tiere in grenzenloser Freiheit leben. Aber Streunen bedeutet auch Kälte, Gefahren auf der Straße, Hunger und schlechtes Futter, eine fehlende medizinische Versorgung, Krankheiten, Schmerzen, Leiden und am Ende oftmals ein sehr qualvolles Sterben.

Nur wenige Bewohner hatten in der Zeit meiner Kindheit bei uns in der Stadt eigene Haustiere, und es war ein Highlight, wenn wir mal mit diesen Tieren bei unseren Freunden zu Hause oder im Innenhof der Siedlung spielen durften.

Die größte Erfüllung wäre es für mich als kleiner Bub gewesen, einen eigenen Hund zu haben. Dementsprechend groß waren mein Verlangen und das Insistieren bei meinen Eltern, diesen Traum möglich zu machen. Aber daraus wurde nichts.

Meine Eltern hatten ihre eigene Kindheit ohne Haustiere verbracht, eine enge Beziehung zu Tieren war ihnen fremd. Vor allem mein Vater war emotional sehr zurückhaltend, gerade wenn es um tierische Zuneigung ging.

Meine unentwegten Versicherungen, dass ich mich ausnahmslos selbst um das Tier kümmern würde, hat man mir natürlich nicht abgenommen. Im Gegenteil: Meine Eltern sahen sich selbst spätnachts und todmüde noch mit einem Hund Gassi gehen, was für sie eine unerträgliche Vorstellung war, die sie einfach nur zutiefst ablehnen konnten. Ihr Vertrauen in mich als ihr Kind war ansonsten wahrlich sehr groß, aber an diesem Punkt konnten und wollten sie nicht einen Schritt in Vorleistung gehen bzw. an eine Wesensänderung meinerseits glauben. Sobald meine erste Begeisterung verflogen und das Haustier zur Routine geworden wäre, würde ich mich neuen Interessen zuwenden, dachten sie. Und sie befürchteten, dass sie sich dann um alles kümmern mussten.

 

Wir lebten als Familie zu viert in einer Wohnung mit drei Zimmern und 56 qm Fläche. Für meine Eltern war das bereits »Auslastung« genug. Ein Haustier und vor allem ein eigener Hund hätte hier, so ihre Argumentation, niemals das Leben führen können, das ihm zusteht und für das ihm Gott das Leben gab. Ein Tier ist kein Spielzeug! Von diesem Grundsatz waren meine Eltern zutiefst überzeugt.

In der Rückschau bin ich heute dankbar für die Besonnenheit und Direktheit, mit der man mich als Kind in solche Abwägungen mit hineinnahm und einband. Ohne es groß auszusprechen, brachten mir meine Eltern auf diese Art und Weise spielerisch irgendwie eine erste ungeheuer wichtige Lektion in Sachen konsequenter Tierschutz greifbar nahe: Der Wert eines Tieres bemisst sich immer auch nach der Fürsorge, die man ihm zukommen lassen kann und will, und den Lebensbedingungen. Sind diese nicht ausreichend gegeben, kann es nur zum Schaden des Tieres sein. Das habe ich damals – unter vielen Tränen der Enttäuschung – verstanden.

Aber ich hatte auch das große Glück, dass ich sehr kluge und besonnene, vom Leben und vor allem auch von Enttäuschungen geprägte und damit sehr umsichtige Menschen als Eltern hatte. »Ihr müsst euch im Leben alles selbst erarbeiten«, war zeitlebens der Leitspruch meines Vaters an mich und meinen Bruder. Niemals hätten sie uns mit bloß oberflächlichen und schnellen Begründungen abgespeist oder gar die autoritäre Keule geschwungen. Ihnen ging es stets darum, Neugierde zu wecken und uns Kinder zu fördern. Wir sollten das Leben in seiner ganzen Komplexität verstehen.

Das galt für alle Lebensbereiche. Wenn es bei einem Gewitter blitzte und donnerte, so tat mein Vater dies nicht vor uns Kindern als das Schimpfen eines vermeintlich zornigen Herrgotts ab, wie es damals durchaus andere Menschen taten. Nein, er erklärte meinem Bruder und mir, wie Blitz und Donner überhaupt erst entstehen, wie alles miteinander zusammenhängt und welche Gefahren von einem Blitzschlag ausgehen. Dass wir unsere Teller beim Essen nicht halb geleert zurückgeben sollen, wurde auch nicht damit begründet, dass ansonsten der liebe Gott im Himmel traurig und zornig wird. Stattdessen haben uns unsere Eltern etwas beigebracht, was wir dann später im wunderbaren Roman von Antoine de Saint-Exupéry selbst gelesen und erfahren haben: »Du bist zeitlebens für das verantwortlich, was du dir zu eigen gemacht hast!« Diese Verantwortung bezieht sich auf alle Lebensbereiche. Und diese Form des bewussten Erkennens hat auch meine Beziehung zu den Tieren grundlegend geprägt.

Auch wenn aus dem Traum eines eigenen Hundes nichts wurde, sollte ich auf andere Weise immer wieder mit den Tieren in Berührung kommen, beispielsweise im Rahmen einer jährlichen Sommerfrische auf dem Bauernhof unserer Verwandten im Bayerischen Wald. Davon erzähle ich im nächsten Kapitel ausführlich. Vor allem aber war es der Weg einer umfassenden Bildung, und zwar von klein auf, das war meinen Eltern besonders wichtig. Eine Bildung, die zu Herzen geht und das Gefühl von Verantwortung im heranwachsenden Kind wachruft. Ein kleines Büchlein, das ich als zehnjähriger Bub geschenkt bekam, spielte dabei eine bedeutende Rolle. Immer wieder – bis heute – nehme ich es in die Hände, lese es in einem Schwung durch und betrachte dabei die Fotos. Das Büchlein trägt den Titel Die mein Leben begleiteten, geschrieben hat es der Autor Joseph Maria Lutz. Er erzählt in berührender Weise von Hunden, die sein ganzes Leben lang als treue Gefährten an seiner Seite waren. Dabei geht es auch um die große Verantwortung gegenüber den Tieren – und darum, dass nichts im Leben voraussetzungslos geschieht.

Joseph Maria Lutz (1867–1958) stammte aus Pfaffenhofen a.d. Ilm, einem Ort nördlich von München. Wegen einer Kriegsverletzung konnte er seinen erlernten Beruf als Landwirt nicht mehr ausüben und wurde zum Autor von Romanen, Gedichten, Novellen, Kurzgeschichten und Theaterstücken. Sein bekanntestes Stück, Der Brandner Kaspar schaut ins Paradies, eine wunderbare Adaption der Erzählung von Franz von Kobell, wurde 1934 uraufgeführt. Lutz verfasste auch eine neue Version der Bayernhymne, und seine 1956 erschienene Sammlung über die Münchner Volkssänger gilt noch heute als das Standardwerk in diesem Genre überhaupt. Ich besitze nur dieses eine kleine Büchlein Die mein Leben begleiteten – das mich, wie schon gesagt, immer wieder anrührt. Die erste Geschichte im Buch ist die von Joli, einem kleinen schwarzen Spitz, der im Elternhaus von Joseph lebt und von dem Jungen geliebt wird. Irgendwann gilt es, Abschied zu nehmen, Joli stirbt.

Das Leben ist immer Vorübergang, Abschied und Neuanfang. Im Abschiednehmen liegt auch die Chance auf einen Neubeginn. Ein neuer Hund mit Namen Butzi tritt bald darauf in das Leben der Familie. Joseph Maria Lutz und sein Vater befreien das Tier, das bislang sein Leben als Kettenhund fristen musste, aus seinem Gefängnis, indem sie es dem verantwortungslosen Vorbesitzer abkaufen. Butzi lernt endlich die Freiheit kennen, die ihm zusteht, und beantwortet dies mit seiner ganzen Liebe. Für den kleinen Joseph und auch für mich ist dies eine wichtige Lebenslektion: Du bekommst alles an Liebe zurück, was du einem anderen Geschöpf zuvor gewährst und schenkst. Butzi lernt den freien, aufrechten Gang und wird ein sehr stolzer Hund, obwohl er nur klein von Wuchs ist.

 

Während seines Studiums nimmt Lutz seinen ersten eigenen Hund, einen wunderschönen Airedale-Terrier, der auf den Namen Boy hört, bei sich auf. Boy ist ein echter Naturbursche, liebt alles in der Schöpfung, springt freudig in jede Pfütze und ist nur am Rennen. Später tritt ein kleiner Foxterrier mit dem Namen Foxl in das Leben des Autors. Ihm folgt Prinz, ein Mischling zwischen Schnauzer und Schäferhund, der ebenfalls eine traurige Vorgeschichte hat. Tagtäglich musste das Tier unter einem Obstverkaufswagen ausharren, ohne Auslauf und Lebensfreude. Joseph Maria Lutz löst den Hund bei seinem Vorbesitzer aus und schenkt ihm ein neues Leben. Für den Menschen geht es bei einem solchen Entschluss vielleicht um ein paar Jahre seines eigenen Lebens; für den Hund geht es um sein ganzes Leben! Und mit dem neuen Hund kommt jede Menge Freude in das Leben von Joseph. »Geht es dem Hund gut, so freut sich der Mensch«, heißt das Sprichwort, und es stimmt zu hundert Prozent!

Dabei ist niemals ein Hund dem anderen gleich. Gerade die lange Reihe der Hunde im Hause des Autors macht dies deutlich. Jeder von ihnen hat einen speziellen Charakter, bestimmte Vorlieben und Eigenheiten. Jedes Tier ist eine besondere Persönlichkeit. So auch der Schnauzer Rigo, der allem hinterherjagt, was sich auf der Straße fortbewegt. Diese Leidenschaft wird ihm letztlich auch zum schicksalhaften Verhängnis. Wieder einmal muss die Familie Abschied nehmen von einem treuen Kameraden und echten Familienmitglied.

Mit seinem nächsten Hund, einem wunderschönen, großen, schneeweißen ungarischen Hüte-Hirtenhund namens Sascha, erlebt Joseph Maria Lutz neues Glück. Sascha ist ein Kuvasc, diese Rasse ist sehr wachsam, absolut tapfer und treu und ganz auf den Menschen bezogen. Gerade deswegen hat das Tier am Anfang wohl Startschwierigkeiten, sich an sein neues Zuhause zu gewöhnen. Aber Margarete, die Gattin des Autors, erobert mit viel Liebe und vor allem mit selbst gesungenen Liedern das Vertrauen und das Herz des neuen Hundes. Es entsteht eine innige Verbindung.

Sascha beschützt während des Zweiten Weltkriegs durch seine Wachsamkeit und sein Gespür auch die Familie. Wenn das Tier bei Fliegeralarm in seinem Korb liegen bleibt, bedeutet das: Ihr könnt auch ruhig bleiben, die Jagdbomber am Himmel fliegen weiter, ohne ihre tödliche Bombenlast abzuwerfen. Und wenn der Hund aufsteht, machen sich alle direkt auf den Weg in den Luftschutzkeller. Auch die Nachbarn in der Siedlung in München wissen darum und rufen deshalb nach einem Sirenenalarm zuerst bei Familie Lutz an und fragen: »Was macht eure Sascha?«

Viele gute Jahre verbringen der Autor und seine Familie mit dieser ganz besonderen Hündin, bis sie alt und schwach in den Armen von Margarete für immer einschläft, während sie ihr ein Lied vorsingt. Jedes Mal, wenn ich diese Geschichte lese, kommen mir die Tränen. Mir ist, als säße ich dabei und wäre Zeuge dieses Abschieds. Joseph Maria Lutz hat seiner über alles geliebten Sascha ein eigenes Gebet gewidmet und sich mit diesen Worten von seinem Tier verabschiedet:

An meinen Hund

 

Ich bin nur ein Mensch und habe viele Fehler,aber du weißt, mein Hund, dass ich dich liebe.Und wenn du einst vor Gott trittst– bleib lange bei mir, mein Hund! –,

dann werden deine Augen ihm sagen:Ich bin einsam im Paradies ohne ihnund meine Seligkeit ist warten auf sein Kommen.Denn er war gut und hat mich verstanden,ob ich auch nicht seiner Art war.

Und du wirst Gott bitten für michmit der Schlankheit deiner zärtlichen Füßeund mit der rührenden Weichheit der Ohren.

Und du wirst vor Gottdie schmeichelnde Gebärdedes Spiels spielen,über das ich so oft gelächelt habe.

Und auch Gott wird lächeln,wie ich, und wird dich lieben – und mich,weil ich gut zu dir war,und dich geliebt habe,mein Hund.

 

Joseph Maria Lutz1

Foto: Sanja / stock.adobe.com

Sascha war der letzte Familienhund, es kam kein Nachfolger mehr ins Haus. Margarete und Joseph Maria Lutz wollten ihrer Sascha »die Treue halten«, vielleicht spürten sie auch instinktiv, dass sie nie mehr so einen wunderbaren Hund bekommen würden. Viele Hundehalter können diese Entscheidung vermutlich nachvollziehen.

Für mich als kleiner Bub, der sich so sehr einen eigenen Hund gewünscht hatte, aber nie bekam, war dieses Büchlein mehr als nur eine Lektüre. Und das ist es bis heute. Ich weiß nicht, was meine Eltern dazu bewogen hat, mir dieses Buch zu schenken. Aber sie haben mir damit eine Lebenslektion für die Ewigkeit erteilt. Auf den 110 Seiten des Buches konnte ich Respekt, Ehrfurcht, Achtsamkeit und Liebenswürdigkeit zu den Tieren lernen. Mit dem kleinen Büchlein haben mich meine Eltern gelehrt, worauf es im Leben ankommt und was man mit Tieren in besonders eindrucksvoller Weise erfahren kann: wie wichtig es ist, füreinander da zu sein!

Die oder der Nächste ist nie nur Mittel zum Zweck. Es ist und bleibt ein Geschenk Gottes, ein gelingendes Miteinander zu erfahren, und jedes Geschöpf ist wie ein Liebesbrief Gottes an diese Welt. Einen solchen Brief öffnet man behutsam, liest ihn aufmerksam, voll Rührung und Staunen – und bewahrt ihn dann auf, an einem sicheren Ort. Von der Gottesmutter Maria wird berichtet, dass sie die Botschaft des Engels in ihrem Herzen aufbewahrte. So beschreibt es der Evangelist Lukas. Mit dem Büchlein »Die mein Leben begleiteten« habe ich zum ersten Mal und prägend für mein ganzes Leben erfahren, was diese Worte eigentlich bedeuten.

Ich danke meinen lieben Eltern an dieser Stelle, dass sie mir derart umsichtig, weitsichtig und vor allem liebevoll mit ihrer Art und dem Büchlein von J. M. Lutz beigebracht haben, wie ein guter Umgang mit Tieren aussieht. Ihre Geste der Liebe ist für immer bei mir angekommen. So habe ich bereits mit jungen Jahren erfahren dürfen, was uns Menschen die Tiere bedeuten dürfen und sollen. Wir sind füreinander da, helfen und tragen uns gegenseitig. Es geht immer um Verantwortung, Fürsorge, Pflege. Mit wunderbaren Einblicken in das gemeinsame Leben von Herr und Hund in Joseph Maria Lutz’ Büchlein habe ich genau das für mich entdecken dürfen. Dafür sage ich dem Autor und meinen Eltern ein ganz großes Vergelt’s Gott!

Foto: Privat

2Urlaub auf dem Bauernhof

Mit meinem Bruder Wolfgang kümmere ich mich um ein Kälbchen auf dem Hof meiner Verwandten.

Foto: Privat

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