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Das Buch ermöglicht einen lebendigen, spannenden Zugang zur Geschichte Hamburgs durch 240 Biografien. Es werden sowohl prominente als auch weniger bekannte Hamburgerinnen und Hamburger berücksichtigt. Durch die Biografien erfährt die Leserin/der Leser viel Neues über das politische, kulturelle, wirtschaftliche, soziale und religiöse Leben in der Stadt im Verlauf von 12 Jahrhunderten. Hamburger Dichter werden ebenso porträtiert wie Frauenrechtlerinnen, Reeder, Politiker und Wissenschaftlerinnen. Auch bekannte und weniger bekannte Hamburger Originale werden dargestellt. Das Buch ist eine Einladung, sich auf eine Entdeckungsreise zu begeben, bei der komplexe historische Prozesse gut verständlich vermittelt werden und ebenso die Höhen und Tiefen des Alltagslebens. Auch humorvolle Darstellungen fehlen nicht.
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Seitenzahl: 1292
Veröffentlichungsjahr: 2023
Frank Kürschner-Pelkmann
Entdeckungsreise durch die Hamburger Geschichte
240 Porträts aus 12 Jahrhunderten
© 2023 Frank Kürschner-Pelkmann
ISBN Hardcover: 978-3-347-48557-0
ISBN E-Book: 978-3-347-48558-7
Umschlaggestaltung: Milla Kay, Hamburg
Druck und Distribution im Auftrag des Autors:
tredition GmbH, An der Strusbek 10, 22926 Ahrensburg, Germany
Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt.
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Cover
Titelblatt
Urheberrechte
Einladung zu einer Lesereise
Hamburgs Geschichte in einem kurzen Überblick
845 – Ansgar, der „Apostel des Nordens“, wird von den Wikingern aus Hamburg vertrieben
865 – Rimbert wird zum Nachfolger Ansgars gewählt
965 – Benedikt V., ein abgesetzter Papst im Exil in Hamburg
1021 – Bernhard II. Lässt die „Neue Burg“ erbauen und begründet den Aufstieg der Stadt
1043 – Adalbert wird Erzbischof von Hamburg und Bremen, gern wäre er Patriarch
1110 – Adolf I. von Schauenburg und Holstein sorgt für neues Leben in Hamburg
1188 – Adolf III. ermöglicht den weiteren wirtschaftlichen Aufstieg der Hansestadt
1227 – Adolf IV. besiegt die Dänen bei Bornhöved und wird danach Mönch
1246 – Heilwig von der Lippe gründet ein Frauenkloster und wird Äbtissin
1255 – Gerhard I. und Johann I. von Schauenburg ermöglichen die Gründung eines Beginenkonvents
1376 – Vicko von Geldersen, ein erfolgreicher Kaufmann wird Ratsherr
1383 – Meister Bertram stellt den Altar der Kirche St. Petri fertig
1401 – Klaus Störtebeker wird – zumindest der Legende nach – in Hamburg enthauptet
1401 - Simon von Utrecht trägt zum Hamburger Sieg über die Seeräuber bei
1429 - Geseke Cletzen eröffnet ein Hospital für arme Frauen
1444 – Katherina Hanen wird als „Hexe“ verbrannt
1493 – Albert Krantz, ein bekannter Theologe und Gelehrter, kommt nach Hamburg
1528 - Stephan Kempe streitet bei einer Disputation erfolgreich für die Reformation
1529 – Johannes Bugenhagen sorgt mit seiner Kirchenordnung für Ordnung in Hamburg
1535 – Anna Büring finanziert den Bau eines Altenstifts
1536 – Caecilia von Oldessem, aus ihrem Kloster Harvestehude wird das Stift St. Johannis
1548 – Agneta Willeken verklagt die Stadt Hamburg, um sich zu rächen
1567 – Richard Clough und andere englische Kaufleute sind in Hamburg willkommen
1567 – Melchior Lorich sichert mit einer Karte Hamburgs Vorherrschaft an der Elbe
1583 – Abelke Bleken aus Ochsenwerder wird als „Hexe“ verbrannt
1585 - Wilhelm Amsinck gehört zu den Gründern der „Niederländischen Armen-Casse“
1595 - Rodrigo de Castro, ein angesehner Arzt kämpft erfolgreich gegen die Pest
1597 - Tycho Brahe erforscht den Sternenhimmel vom Turm des Wandsbeker Herrenhauses aus
1626 - Johan van Valckenburgh verhilft Hamburg zu einer imposanten Festungsanlage
1646 – Diego und Manuel Teixeira, eine jüdische Familie fällt durch ihren Reichtum auf
1653 - Johann Rist, ein Pastor und Dichter, wird vom Kaiser geadelt
1660 – Gerrit Roosen wird Prediger der Mennonitengemeinde in Altona
1663 – Glückel von Hameln und ihr Mann handeln mit Juwelen und verleihen Geld
1666 - Christina: Die Flucht der schwedischen Königin vor dem Volkszorn der Hamburger
1669 – Peter und Anna Maria Rentzel stiften mit guten Absichten das Spinnhaus
1674 - Eleonore D‘Olbreuse, die Gräfin von Wilhelmsburg, stammt aus Frankreich
1675 – Friedrich Martens berichtet detailliert von der Jagd auf den Wal im Nordmeer
1683 - Berend Jacobson Karpfanger, ein berühmter Admiral stirbt bei einem Schiffsunglück in Cádiz
1686 – Cord Jastram und Hieronymus Snitger wagen den Aufstand – und werden hingerichtet
1690 – Johann Friedrich Mayer, ein Hamburger Pastor im Streit mit den Pietisten
1693 – Johann Heinrich Horb, ein frommer Theologe, wird aus Hamburg vertrieben
1693 – Arp Schnitger, eine neue Orgel erklingt in St. Jacobi
1700 – Christian Krumbholtz wird Hauptpastor an St. Petri und gilt bald als Aufrührer
1705 – Georg Friedrich Händel und das Duell auf dem Gänsemarkt
1712 - Balthasar Denner, ein erfolgreicher Porträtmaler heiratet in Hamburg
1713 – Magnus Stenbock, ein schwedischer Feldmarschall Lässt Altona niederbrennen
1720 – Barthold Heinrich Brockes, ein wohlhabender Dichter, wird Mitglied des Hamburger Rates
1721 – Georg Philipp Telemann wird vom Rat zum Musikdirektor der Stadt berufen
1724 – Michael Richey, ein Aufklärer und Gründer der Wochenzeitung „Der Patriot“
1724 – Hark Olufs aus Amrum wird als Sklave nach Algier verschleppt
1728 – Hermann Samuel Reimarus wird Professor in Hamburg
1740 - Friederike Neuber verabschiedet sich enttäuscht vom Hamburger Theaterpublikum
1748 - Caspar Voght „der Ältere“ gründet ein Handelshaus in Hamburg
1754 – Friedrich und Meta Klopstock, der Dichter des „Messias“ und seine hochgebildete Frau
1755 – Johann Melchior Goeze wird zum streitbaren Hauptpastor von St. Katharinen
1757 - Heinrich Carl Schimmelmann baut von Hamburg aus ein globales Unternehmen auf
1764 – Elise Reimarus, eine angesehene Gelehrte veröffentlicht auch Kinderliteratur
1765 – Johann Georg Büsch, Aufklärer und einer der Gründer der „Patriotischen Gesellschaft“
1767 – Gotthold Ephraim Lessing wird Dramaturg am „Deutschen Nationaltheater“ in Hamburg
1768 – Carl Philipp Emanuel Bach wird Musikdirektor in Hamburg
1768 – Jacob Schuback unterzeichnet den „Gottorper Vertrag“, durch den die Stadt viel Geld verliert
1770 - Franz Peter His, der letztlich glücklose Betreiber des ersten Zahlenlottos in Hamburg
1771 – Matthias Claudius wird Redakteur der Zeitung „Wandsbecker Bote“
1772 - Rebecca Behn heiratet den mittellosen Dichter Matthias Claudius
1772 – Margarethe Milow und ihr Mann Johann finden in Wandsbek eine neue Heimat
1776 – Eva König heiratet den Dichter Lessing und erlebt eine kurze Zeit des Glücks
1776 – Charlotte Ackermann, eine berühmte Schauspielerin, stirbt schon mit 17 Jahren
1777 – Ernestine und Johann Heinrich Voß heiraten in Wandsbek und führen eine harmonische Ehe
1780 - Johann Jacob Rambach wird zum beliebten Pastor an St. Michaelis
1784 - Caroline Rudolphi eröffnet eine vorbildliche Erziehungsanstalt für Mädchen in Billwerder
1784 - Salomon Heine macht sich fast mittellos auf den Weg nach Hamburg – und wird steinreich
1785 – Christian Frederik Hansen wird Stadtbaumeister und Architekt in Altona
1785 – Johannes Kopp, der Baumeister des neuen Waisenhauses, das fast wie ein Schloss wirkt
1785 - Caspar Voght „der Jüngere“ erwirbt Bauernhöfe in Klein-Flottbek
1786 – Ernst Georg Sonnin kann den Bau der Kirche St. Michaelis trotz vieler Konflikte abschließen
1788 - Johann Arnold Günther und die Gründung der „Allgemeinen Armenanstalt“
1789 - Franz Heinrich Ziegenhagen gründet eine utopische Kolonie in Billwerder
1790 - Georg Heinrich Sieveking organisiert ein großes Freiheitsfest in Harvestehude
1790 - Daniel Louis Jacques, ein Einwanderer bringt die französische Küche an der Elbe
1792 - Ernst Schimmelmann, ein Verfechter der Aufklärung, wird am Sklavenhandel beteiligt
1792 - Félicité de Genlis flüchtet vor der Französischen Revolution nach Altona
1794 - John Parish, ein englischer Einwanderer, verdient ein Vermögen mit riskanten Geschäften
1796 - Jens Jacob Eschels, ein Hamburger Kapitän kritisiert die Sklaverei in der Karibik
1798 - Napper Tandy, ein irischer Freiheitskämpfer Löst eine internationale Krise aus
1804 – Pauline und Philipp Otto Runge, ein frisch verheiratetes Paar findet in Hamburg sein Glück
1805 – Johann Curio gründet die erste Lehrervereinigung in Hamburg
1805 – Friederike Klünder führt in Blankenese die Pockenschutzimpfung ein und rettet viele Kinder
1809 – Louise Reichardt, Gesangslehrerin und Komponistin, kommt nach Hamburg
1811 - Louis-Nicolas Davout wird zum „Generalgouverneur der Elbmündung“ ernannt
1816 - Heinrich Heine kommt nach Hamburg und wird weder Bankier noch Kaufmann
1818 – Eduard Kley wird Prediger am jüdischen Tempel in der Hamburger Neustadt
1820 – Johann Wilhelm Rautenberg wird Pastor in Hamburg und will den Kindern Bildung vermitteln
1821 – Johann Daniel Lawaetz gründet eine Armenkolonie nördlich von Altona
1823 – Rosa Maria Assing eröffnet einen literarischen Salon in der Poolstraße
1824 – Marianne Ruaux, die „schöne Marianne“, wird zur erfolgreichen Wirtin in Langenfelde
1827 – Amalie Schoppe gründet die „Neuen Pariser Modeblätter“ in Hamburg
1828 – Betty Heine, die Mutter von Heinrich Heine, zieht um nach Hamburg
1832 – Amalie Sieveking gründet einen diakonischen Verein ohne Mann an der Spitze
1832 - Chéri Maurice, der erfolgreiche Theaterdirektor darf Hamburger Bürger werden
1833 – Johann Hinrich und Amanda Wichern im „Rauhen Haus“, einem neuen Zuhause für Kinder
1834 - Johann Gerhard und Sarah Oncken, die ersten Taufen von Baptisten auf Steinwerder
1835 – Elise Lensing und Friedrich Hebbel beginnen eine tragische Beziehung
1835 – Elise Averdieck gibt ihrem Leben nach einem Bekehrungserlebnis eine neue Richtung
1836 – Robert Miles Sloman nimmt den Linienverkehr nach Nordamerika auf
1837 - Lazarus Gumpel finanziert ein vorbildliches Wohnstift für verarmte jüdische Familien
1837 – Carl Woermann, eine Geschichte vom wirtschaftlichen Aufstieg im Afrikahandel
1837 - Betty Heine, der Tod der Ehefrau des reichen Bankiers Salomon Heine
1838 – Anton Rée wird Lehrer an der Reformschule „Israelitischen Freischule“ am Zeughausmarkt
1839 – Ferdinand Laeisz, ein Hamburger Reeder mit demokratischer Gesinnung
1841 – Wilhelm Hocker, bekannter Spötter und Weinhändler, sorgt für einen Tumult
1841 – Friedrich Eduard Dannenberg gründet ein volkstümliches Theater am Spielbudenplatz
1841 – Hoffmann von Fallersleben und das „Lied der Deutschen“
1842 – Berend Goos, ein Hamburger Apotheker erlebt den Großer Brand
1843 – Alexis de Chateauneuf plant die Alsterarkaden als Kleinod des neuen Hamburg
1844 – Gotthold Salomon, ein beliebter Prediger am neuen jüdischen Tempel in der Poolstraße
1844 – Vetter Kirchhoff, vom „vergneugtes“ Leben eines Hanburger Originals
1845 – Joachim Friedrich Martens, der Gründer eines Bildungsvereins für Arbeiter
1845 – Jenny Lind, die„Schwedische Nachtigall“ feiert an der Alster große Erfolge
1848 – Gabriel Riesser, ein angesehener Jurist, wird in die Nationalversammlung gewählt
1848 – William Lindley kann gegen Widerstände die moderne „Stadt-Wasserkunst“ fertigstellen
1848 – Friedrich Gerstäcker, ein Hamburger Schriftsteller erlebt den „Goldrausch“ in Amerika
1849 - Emilie Wüstenfeld beteiligt sich an der Gründung der Frauenhochschule
1853 - Louis Vernet, wie ein Hamburger Kaufmann zum Herrn der Malwinen wurde und sie verlor
1854 - Johann Wilhelm Bentz, bekannt als Hummel, stirbt im Armenhaus
1855 – Charles Ferdinand James Bachu, ein „Mohr“ wird in der St. Michaeliskirche getauft
1857 – Johan Cesar VI. Godeffroy baut in der Südsee ein Handelsimperium auf
1858 - Albrecht Roscher reist nach Sansibar und beginnt von dort aus Forschungsreisen
1860 – Johanna Goldschmidt engagiert sich für die Ausbildung von Kindergärtnerinnen
1860 – Heinrich Sengelmann ergreift die Initiative für die Gründung der Alsterdorfer Anstalten
1861 - Isaac Wolffson wird der erste jüdische Präsident der Hamburger Bürgerschaft
1863 - Johannes Brahms verlässt enttäuscht seine Heimatstadt Hamburg
1864 - Sophie Dethleffs, eine Dichterin stirbt verarmt im Schröderstift am Schlump
1864 - Joseph Kohn flüchtet aus Polen, baut eine Firma in Hamburg auf und engagiert sich politisch
1864 – Wilhelm von Tegetthoff kommandiert eine österreichische Flottille, die Hamburg hilft
1866 - Alfred Nobel und die Erfindung des Dynamits in Krümmel, eine explosive Geschichte
1866 – Anna Wohlwill wird ohne pädagogische Ausbildung zur Direktorin der Paulsenstiftschule
1866 – Therese Halle eröffnet am Jungfernstieg das „Heine‘sches Asyl“
1866 – Emily Ruete, eine ehemalige sansibarische Prinzessin, kommt nach Hamburg
1867 – Otto Meissner veröffentlicht „Das Kapital“ von Karl Marx in seinem Verlag in Hamburg
1870 – Heinrich von Ohlendorff kauft das erste von vielen Grundstücken in Volksdorf
1874 – Bernhard Pollini übernimmt die Leitung des Stadttheaters und engagiert berühmte Künstler
1875 – Detlev von Liliencron kehrt enttäuscht aus Amerika zurück und hat Erfolg als Dichter
1877 – Justus Brinckmann kann das Museums für Kunst und Gewerbe gründen
1878 – Carl Laeisz beteiligt sich als Reeder am Salpetergeschäft und wird dadurch reich
1879 – Wilhelm Cordes wird mit der Leitung des neuen Friedhofs in Ohlsdorf beauftragt
1880 – Abraham Ulrikab und seine Inuit-Familie sind in „Völkerschauen“ zu besichtigen
1883 - Lydia Adelheid Hellenbrecht trauert um ihren Mann und wird zur „Vogeljette“
1884 – Adolph Woermann fördert den deutschen Kolonialismus und profitiert kräftig davon
1886 – Alfred Lichtwark wird zum Direktor der Hamburger Kunsthalle berufen
1886 – Martha Bernays heiratet in Wandsbek den noch unbekannten Arzt Sigmund Freud
1887- Carl Günther, ein Kupferschmied bei Blohm & Voss, brilliert als Operntenor
1889 – Nicolai von Ruckteschell, der Eilbeker Pastor sucht das Gespräch mit den Arbeitern
1890 – Johann Georg Mönckeberg wird zum sehr sparsamen Bürgermeister der Stadt
1890 – George Scott Railton bringt die Heilsarmee nach Hamburg
1891 – Gustav Mahler kommt als Dirigent an die Hamburger Oper und nennt sie „Strafanstalt“
1892 – Jakob Loewenberg leitet eine jüdische Reformschule in der Johnsallee
1892 – Hein Köllisch, ein unvergessener Humorist und Liedermacher, beginnt seine Karriere
1894 – Henriette Müller, bekannt als „Zitronenjette“, wird in eine „Irrenanstalt“ eingeliefert
1895 - Moritz und Charlotte Warburg erwerben das Villengrundstück Kösterberg in Blankenese
1895 – Gebrüder Wolf, ein Gesangsduo feiert Erfolge mit Couplets
1896 – Agnes Wolffson eröffnet die erste Haushaltsschule der Stadt
1897 – Friedrich Haerlin kauft ein kleines Hotel und baut es zum „Vier Jahreszeiten“ aus
1897 – Lida Gustava Heymann gründet ein Frauenzentrum in der Hamburger Innenstadt
1899 – Helma Steinbach beteiligt sich an der Gründung der Genossenschaft „Produktion“
1899 – Albert Ballin, Generaldirektor der HAPAG, entwickelt sie zur global führenden Reederei
1900 – Emma und Henry Budge erwerben eine Villa und ein großes Grundstück an der Alster
1901 – Otto Stolten wird als erster Sozialdemokrat Mitglied der Hamburger Bürgerschaft
1901 – Joachim Ringelnatz kommt nach Hamburg und heuert auf dem Segelschiff „Elli“ an
1902 - Simon Bamberger wird Rabbiner in Wandsbek und genießt ein hohes Ansehen
1903 - Maria Gleiss Lässt sich als erste praktische Ärztin in Hamburg nieder
1905 – Alma Wartenberg, eine Frauenrechtlerin wird beinahe aus der SPD ausgeschlossen
1906 – Semmy Engel und Ernst Friedheim, die Architekten der Bornplatzsynagoge
1907 – Carl Hagenbeck eröffnet seinen Tierpark in Stellingen und verzichtet auf Gitter
1907 – Alfred Beit trägt zur finanziellen Grundlage für die Gründung der Hamburger Universität bei
1909 – Fritz Schumacher, Hamburgs großer Oberbaudirektor, fördert die Backsteinarchitektur
1909 – Luise Kähler wird 1. Vorsitzende des Hamburger Verbandes der Hausangestellten
1909 – Mtoro Bin Mwinyi Bakari unterrichtet als „Sprachgehilfe“ am Kolonialinstitut
1910 – Dorothea Johannsen und Emil Maetzel heiraten, sie verliert daraufhin ihre Lehrerinnenstelle
1910 – Max Warburg übernimmt die Leitung des Bankhauses Warburg
1912 – Ida und Richard Dehmel ziehen in ihr Künstlerhaus in Blankenese
1912 – Alma de L’Aigle wird Lehrerin an einer „Hilfsschule für Schwachbefähigte“
1913 – Carl von Ossietzky wird wegen Beleidigung der Justiz verurteilt, weitere Strafen folgen
1914 - Alexandra Povòrina, eine kosmopolitische Malerin in kriegerischen Zeiten
1916 - Gorch Fock, ein berühmter Heimatdichter, stirbt in der Skagerrak-Schlacht
1917 – Henry P. Newman hat eine Audienz beim Kaiser und unterstützt dessen Kriegspläne
1918 – Heinrich Laufenberg setzt sich an die Spitze der Revolution in Hamburg
1919 - Helene Lange eröffnet die erste demokratisch gewählte Hamburger Bürgerschaft
1919 – Paul von Lettow-Vorbeck zieht mit Reichswehrtruppen in Hamburg ein
1919 – Paul Möhring gründet die „Hamburger Theater-Zeitung“
1920 – Gertud Benzian übernimmt die Leitung des jüdischen Waisenhauses „Paulinenstift“
1921 - Asbjørn Halvorsen, der neue HSVMittelläufer, kommt aus Norwegen
1923 – Agathe Lasch wird erste Professorin an der Universität Hamburg
1923 – Ernst Thälmann und der kommunistische Aufstand in Hamburg
1924 – Kurt und Telse Grell übernehmen das Varieté Hansa-Theater am Steindamm
1924 - Max Brauer wird zum Oberbürgermeister von Altona gewählt
1924 – Fritz Höger, der Baumeistes des berühmten Bürogebäudes Chilehaus
1924 – Julius Adolf Petersen, bekannt als „Lord von Barmbeck“, steht wieder einmal vor Gericht
1924 – Marie Anna und Alberto Jonas kommen an die „Israelitischen Töchterschule“
1926 – Aby Warburg eröffnet die „Kulturwissenschaftliche Bibliothek Warburg“
1926 – Mary Warburg, mehr als nur die Ehefrau von Aby Warburg
1928 - Arie Goral-Sternheim verlässt die Stadt und plant seine Auswanderung nach Palästina
1929 - Bertha Keyser gründet einen Hilfsverein zur Unterstützung der Armen der Stadt
1929 – Karl Herbert, die „wandelnde Bruttoregistertonne“, entert das „Hafenkonzert“
1929 – Ernst Cassirer, der berühmte Philosoph, wird Rektor der Universität Hamburg
1930 – Lucy Borchardt übernimmt die Leitung der „Fairplay Reederei“
1930 – George Padmore organisiert einen Kongress schwarzer Arbeiter in Hamburg
1931 - Dorothea Kasten wird in die „Alsterdorfer Anstalten“ aufgenommen, mit tödlichen Folgen
1931 – Bruno Italiener, der neue Rabbiner des neuen jüdischen Tempels an der Oberstraße
1931 – Abbas Ali Pyr-Chad, ein iranischer Kaufmann Lässt sich in Hamburg nieder
1931 – Hans Albers tritt mit großem Erfolg im Thalia Theater auf
1932 - Heinz Liepmann kritisiert in einem Zeitungsartikel Goebbels – und das hatte Folgen
1932 – Hans Christian Asmussen, ein Pastor erlebt den „Altonaer Blutsonntag“
1932 - Bernard Wintermann stellt sich als katholischer Geistlicher gegen die Nazis
1932 - Liao Chengzhi, ein chinesischer Revolutionär wird aus Hamburg ausgewiesen
1933 – Anita Rée, die vereinsamte Hamburger Malerin nimmt sich auf Sylt das Leben
1934 - Charlie Rivel geht eigene Wege als Clown und findet Unterstützung in Hamburg
1934 – Franz Tügel wird evangelischer Bischof in Hamburg und verkennt die Absichten der Nazis
1934 – Mirjam Horwitz, eine bekannte Schauspielerin, verlässt wie andere Regimegegner die Stadt
1935 – Leo Lippmann wird Vorstandsmitglied der bedrohten Jüdischen Gemeinde
1936 – Joseph Carlebach wird Oberrabbiner an der Synagoge am Bornplatz
1938 – Hans Leip und sein Lied von Lili Marleen
1938 – Benno Hirschfeld, die „Arisierung“ eines Modehauses und die Folgen
1938 – Aracy de Carvalho Guimarães Rosa, eine brasilianische Konsulatsmitarbeiterin rettet Juden
1939 – Gustav Schröder und die Irrfahrt der „St. Louis“ über den Atlantik
1939 – Ida Ehres Flucht scheitert und sie wird in Hamburg wieder „an Land gespült“
1940 - Oskar vom Pferdemarkt, Hamburgs vielleicht letztes Original, muss in den Krieg
1940 – Gretchen Wohlwill flüchtet mitten im Krieg nach Portugal
1940 – Fritz Bringmann kommt als Kommunist in das Konzentrationslager Neuengamme
194l - Sergej Kartaschow, ein sowjetischer Kriegsgefangener überlebt das KZ Neuengamme
1941 – Lotte Carlebach, ihr Mann und drei Kinder werden in ein KZ bei Riga deportiert
1943 – France Bloch-Sérazin, die Ermordung einer französischen Widerstandskämpferin
1943 - Augusto Costantini und andere italienische Zwangsarbeiter werden in der Stadt ausgebeutet
1943 – Hanne Mertens kommt als Schauspielerin ans Thalia Theater und wird ein Gestapo-Opfer
1943 – Reinhold Meyer, Mitglied der „Weißen Rose“ in Hamburg, wird verhaftet
1944 - Hans Leipelt und Marie-Luise Jahn werden als Widerstandkämpfer verurteilt
1944 – Wanda Edelmann und andere weibliche Häftlinge aus KZs Müssen Plattenhäuser bauen
1945 - Hiltgunt Zassenhaus und die Befreiung skandinavischer KZ-Häftlinge
1945 – Roman und Eleonora Witonski werden in der Schule Bullenhuser Damm ermordet
1945 – Annemarie Ladewig, eine der letzten Ermordeten im Konzentrationslager Neuengamme
1945 – Gustav Dührkop, ein Parteigänger der Nazis, kehrt als Propst nach Wandsbek zurück
1945 – Hans-Jürgen Massaquoi erlebt den britischen Einmarsch in Hamburg als Befreiung
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Einladung zu einer Lesereise
Es gibt viele Komplimente für die Stadt an Elbe und Alster, eines der schönsten stammt von der Schauspielerin und Intendantin der Hamburger Kammerspiele Ida Ehre, und deshalb soll sie als Erste in diesem Buch zu Wort kommen: „Hamburg ist unbeschreiblich schön, mit einem Flair wie kaum eine andere Stadt. Ich kenne viele Städte, auch herrliche Städte, aber leben möchte ich nur in Hamburg. Wenn man die Elbe entlanggeht, der Nebel zieht langsam auf, alles wird leicht bläulich in der Luft, hier und da scheint ein Licht, es riecht nach Wasser, die Weite umfängt einen - es ist eine Großstadt und wirkt doch nicht wie eine Großstadt, das ist das Tolle an Hamburg.“
Die Liebe zu dieser Stadt zieht sich wie ein roter Faden durch viele Porträts dieses Buches. Es war oft keine ungetrübte Liebe, auch bei Ida Ehre nicht, die zu den Verfolgten des Naziregimes gehörte. Es gibt eine fast endlose Liste von Diskriminierungen und Verfolgungen, die das Leben von Fremden, von Andersgläubigen, von Armen und vom Frauen überschatteten, und nicht einmal reiche Hamburger wie Salomon Heine oder die aus Portugal eingewanderte jüdische Familie Teixeira waren vor Angriffen sicher. Heinrich Heine schon gar nicht, und der rächte sich mit Aussagen wie diesen: „Schlechtes Leben hier. Regen, Schnee und zu viel Essen. Und ich sehr verdrießlich. Hamburg ist am Tage eine große Rechenstube und in der Nacht ein großes Bordell.“ Und doch schimmert neben seinem Spott und seiner beißenden Kritik auch immer wieder die Liebe zu dieser Stadt durch, etwa, als er die zerstörte Stadt nach dem Großen Brand von 1842 besuchte. Es war eine zu seinen Lebzeiten unerwiderte Liebe.
Dieses Buch ist eine Einladung, Hamburg durch Porträts zu entdecken. Die 240 Porträts geben einen lebendigen Einblick, wie aus einem kleinen Dorf am Rande des Frankenreiches eine prosperierende Großstadt wurde. Ich habe sowohl bekannte Persönlichkeiten als auch „kleine Leute“ berücksichtigt. Zugleich galt es, sowohl Leidensgeschichten als auch von Humor geprägte Lebenswege einzubeziehen. Besonders für das Mittelalter war es schwierig, genügend Informationen über einzelne Frauen zu finden, um diese in lebendigen Porträts vorzustellen. Das ist ein Problem jeder Geschichtsschreibung über Hamburg, aber selbstverständlich besonders schwierig für ein Buch mit Porträts. Ich habe darauf verzichtet, diese Lücken mit romanhaften Darstellungen von Frauen zu füllen. Es wird den Leserinnen und Lesern auffallen, dass ich bei der Darstellung späterer Jahrhunderte mehr Frauen berücksichtigt habe, als dies in den meisten bisherigen Darstellungen der Hamburger Geschichte der Fall war. So sind nun fast 80 Frauen in Porträts kennenzulernen, manchmal in Doppelporträts mit ihren Ehemännern oder Lebenspartnern.
Bei der Auswahl der Porträts liegt ein Schwerpunkt auf wichtigen Wendepunkten der Hamburger Geschichte, und ich habe dazu jeweils mehrere Porträts aufgenommen. Das gilt besonders für den Weg vom Dorf zur spätmittelalterlichen Handelsmetropole, die Reformation, die Aufklärung, die Franzosenzeit, die jüdische Emanzipation, den demokratischen Aufbruch, die Umbrüche während der Weimarer Republik sowie Naziherrschaft und Widerstand. Die letzten Porträts in diesem Buch geben einen Einblick in die dramatischen Ereignisse am Ende des Zweiten Weltkriegs.
Besonders in den ersten Jahrhunderten der Hamburger Geschichte nehmen Fragen des Glaubens einen breiten Raum ein, weil die allermeisten Menschen angesichts der Sorgen und Nöte des Alltags auf ein himmlisches Paradies hofften und religiöse Konflikte um ein gottgefälliges Leben und den Weg in Gottes Reich eine existenzielle Bedeutung hatten. Die Konflikte zwischen Katholiken und Lutheranern und später zwischen orthodoxen und pietistischen Lutheranern spalteten deshalb die Stadtbevölkerung und wurden heftig ausgefochten.
Über die Jahrhunderte hinweg geht es auch immer wieder um die soziale Frage, wie Armut bekämpft und allen ein Leben in Würde ermöglicht werden kann. Bis zur Reformation hatten die Klöster eine herausragende Rolle bei der Unterstützung von Armen und Kranken. Danach waren vor allem die Kirchen und die Reichen der Stadt gefordert. Die Gläubigen füllten die „Gotteskästen“, und viele Reichen stellten mit Stiftungen die Mittel für den Bau und Unterhalt von Wohnstiften und anderen wohltätigen Einrichtungen zur Verfügung. Meist war diese Unterstützung an Bedingungen geknüpft, etwa an einen untadeligen Lebenswandel und eine unverschuldete Verarmung. Angesichts des Elends, in dem große Bevölkerungsschichten lebten, reichte diese Mildtätigkeit bei Weitem nicht aus, und der Rat der Stadt musste widerstrebend einen Beitrag dazu leisten, dass ein Waisenhaus und eine Armenanstalt gebaut und unterhalten werden konnten. Die Armen blieben dabei stets die Objekte der Unterstützung, die sich dankbar zeigen sollten und nicht mitreden durften. Das wird in einer ganzen Reihe von Porträts deutlich.
Religiöse Minderheiten und Zugewanderte hatten meist keine Aussicht auf Unterstützung. Das erklärt, warum eine Niederländische Armen-Casse und jüdische Waisenhäuser, Armenschulen und Wohnstifte entstanden. Manche von ihnen wurden zu Vorbildern für das Bestreben, Menschen dabei zu helfen, ihre Armut zu überwinden und zu selbstbewussten Bürgerinnen und Bürgern zu werden. Auch auf vielen anderen Gebieten waren es Angehörige der jüdischen Minderheit und Zuwanderer aus anderen Ländern, die Entscheidendes zur wirtschaftlichen, kulturellen und sozialen Entwicklung der Stadt leisteten. Ohne ihr Engagement in und für die Stadt sähe Hamburg gänzlich anders aus. Manche der Fremden lebten nur für kurze Zeit in Hamburg und sind doch in Erinnerung geblieben – einige auch in schlechter Erinnerung wie der französische Feldmarschall Davout, der auf Befehl Napoleons die Stadt zur Festung ausbaute und dabei rücksichtslos vorging. Auch ihm ist in diesem Buch ein Porträt gewidmet.
Gleichzeitig gab es viele Hamburgerinnen und Hamburger, die freiwillig oder gezwungenermaßen die Stadt verließen, sich im Ausland eine Existenz aufbauten und dann nicht selten in die Heimatstadt zurückgekehrt sind. Sie hatten die Malwinen (Falkland-Inseln) beherrscht, ihre abenteuerlichen Reisen durch andere Kontinente in Büchern dargestellt oder die Überfahrt nach Amerika trotz der unbeschreiblichen Zustände in den Zwischendecks der Schiffe überstanden … Grund genug, sich auch auf ihre Spuren zu begeben.
Jedes Porträt ist zwischen zwei und fünf Druckseiten lang. Das ist ein Kompromiss zwischen dem Bemühen, ein möglichst breites Spektrum von Hamburgerinnen und Hamburgern vorzustellen, und dem Versuch, diese Menschen und ihr Handeln anschaulich darzustellen. Dabei werden Menschen berücksichtigt, die im heutigen Stadtgebiet von Hamburg gelebt und gewirkt haben, also zum Beispiel auch in Wandsbek und Altona. Um einzelne Personen leichter aufzufinden, habe ich zahlreiche Querverweise eingefügt und ein alphabetisches Verzeichnis der porträtierten Personen an das Ende des Buches gestellt.
Ich habe bei allen Porträts diverse Quellen herangezogen, darunter eine große Zahl von Büchern und Buchaufsätzen. Trotz gründlicher Überprüfung sind einzelne Fehler bei den vielen Tausend Informationen nicht auszuschließen. Für entsprechende Hinweise bin ich dankbar. Mein besonderer Dank gilt Irene Idarous und Ingeborg Liebert, die mit großer Akribie Druckfehler aufgespürt und stilistische Verbesserungen angeregt haben. Den sehr schön gestalteten Buchumschlag verdanke ich Milla Kay.
Für mich war die Arbeit an diesem Buch eine spannende und oft auch überraschende Reise durch die Hamburger Geschichte. Ich hoffe, dass es den Leserinnen und Lesern auch so gehen wird. Wer nicht gleich 1.000 Seiten hintereinander lesen möchte, kann auch irgendwo im Buch beginnen und eine Reise kreuz und quer durch Hamburgs Geschichte unternehmen. In jedem Fall kann das Buch helfen zu verstehen, wie diese Stadt in 12 Jahrhunderten so gewordenden ist, wie wir sie heute kennen. Dieses Wissen kann dazu ermutigen, aus der Geschichte zu lernen und sich einzusetzen für eine liebenswerte Stadt, die alle einbezieht und allen ein Leben in einem nachhaltigen, humanen Gemeinwesen ermöglicht.
Hamburgs Geschichte in einem kurzen Überblick
Im 9. und 10. Jahrhundert gab es am Ufer der Alster nur eine kleine Siedlung, umgeben von einem Lehmwall, der keinen Schutz gegen die Wikinger bot. Wie hart das Leben damals war, kann man erahnen, wenn man das Porträt von Papst Benedikt V. liest, der hierher verbannt worden war und noch im ersten Jahr seines Exils starb. In weiteren Porträts wird dargestellt, wie das, was einmal Hamburg werden sollte, mehrmals in Schutt und Asche gelegt wurde. Schutt gab es allerdings zunächst nicht viel, haben Archäologen inzwischen festgestellt, denn der kleine Ort bestand aus recht primitiven Holzbauten. Die günstige Lage an Flussfurten und Handelswegen zahlte sich aber bald aus.
Vom 13. ]ahrhundert an entwickelte sich Hamburg zu einer wohlhabenden Handelsstadt, die für ihr Bier berühmt war und als Mitglied des Städtebundes der Hanse mit allen Städten an Nordund Ostsee wirtschaftliche Beziehungen unterhielt. Mit viel Geschick, Hartnäckigkeit und einem gefälschten Barbarossa-Freibrief konnte die Stadt ihre Selbständigkeit verteidigen. Aus dieser Zeit gibt es bereits so viele historische Quellen, dass eine größere Zahl von Porträts erscheinen kann. Sie erzählen zum Beispiel von Kaufleuten und Pastoren, Künstlern und angeblichen „Hexen“.
Die nächste große Veränderung, die mit Porträts nachgezeichnet wird, war die Reformation. Anders als in deutschen Fürstentümern und Königreichen bestimmte nicht ein Herrscher, was die Menschen zu glauben hatten, sondern es gab öffentliche Disputationen über den rechten Glauben, bei denen es um die Grundfragen menschlicher Existenz ging: um ein gottgefälliges Leben hier auf Erden und den Weg zum ewigen Heil. Die Lutheraner konnten sich durchsetzen und das auch deshalb, weil angesichts der Missstände in der Kirche und besonders in den Klöstern die Forderung nach radikalen Veränderungen von allen Schichten der Bevölkerung mitgetragen wurde. Die neue Kirchenordnung Bugenhagens regelte nicht nur das religiöse Leben, sondern auch das Verhältnis von lutherischer Kirche und städtischer Obrigkeit. Religiöse Minderheiten hatten danach durch die Vorherrschaft der lutherischen Kirche einen schweren Stand in der Stadt, besonders die Katholiken und die Juden.
Im 17. Jahrhundert wurden gerade noch rechtzeitig vor den anrückenden Heeren des Dreißigjährigen Krieges gewaltige Wallanlagen nach Plänen des niederländischen Festungsbauers Valckenburg fertiggestellt. Bei dieser Gelegenheit wuchs das geschützte Stadtgebiet um die Neustadt, also die Gebiete westlich der Alsterfleete. Die halbkreisförmigen Wallanlagen sind noch heute deutlich auf dem Stadtplan zu erkennen. Hamburg überstand den Dreißigjährigen Krieg weitgehend unbeschadet und stieg zu einer der größten und reichsten Städte des Deutschen Reiches auf.
Eine weitere prägende Epoche war der Aufbruch der Aufklärung im 18. Jahrhundert. Alte Glaubensgewissheiten gerieten ins Wanken, auch bei der jüdischen Minderheit. Eine Reihe von Porträts erlauben es, diesen Aufbruch und die zum Teil heftigen Reaktionen darauf kennenzulernen. Es ist bemerkenswert, dass die vehementen Verfechter der Gedanken der Aufklärung ihre bis heute bestehende Vereinigung Patriotische Gesellschaft taufen. Patriotisch sein, das hieß für sie, sich zum Wohle der Stadt zu engagieren und dabei besonders die Armen der Stadt zu unterstützen sowie allen Bewohnerinnen und Bewohnern eine Bildung zu ermöglichen.
Auch entstanden damals in Hamburg bemerkenswert viele Stiftungen, die vor allem Wohnmöglichkeiten für Verarmte schufen. Viele dieser Wohnstifte bestehen bis heute. Es war zunächst eine paternalistische Unterstützung, bei der die Förderer bestimmten, wem geholfen wurde und wem nicht. Und häufig waren es verarmte Mitglieder der Oberschicht, für die zu allererst oder ausschließlich gesorgt wurde.
Hamburgs Aufbruch zu einem modernen Gemeinwesen erhielt von den letzten Jahrzehnten des 18. Jahrhundert an großen Auftrieb durch viele Tausend Einwanderer aus Frankreich, England und anderen Ländern. Sie ließen eine kosmopolitische Stadt entstehen, wo es ein französisches Theater gab, viele Handelshäuser ihre Geschäftsbücher auf Niederländisch führten und man englische Sitten hochschätzte. Lutherische Geistliche wie der berühmte Hauptpastor Goeze versuchten im multireligiösen Hamburg, die Privilegien der lutherischen Kirche zu verteidigen. Die Stadt sollte ein „lutherisches Zion“ bleiben. Wer nicht lutherischen Glaubens war, konnte Jahrhunderte lang kein Bürger werden, wer gar Jude war, musste mit Schikanen und Ausweisung rechnen. Die Nachbarstadt Altona und das kleine Wandsbek waren wesentlich toleranter und wurden zur Heimat von Verfolgten aus vielen Ländern Europas.
Die Einwanderer trugen entscheidend zum profitablen Überseehandel bei und sorgten für weltweite Geschäftsverbindungen. Das zeigen beispielhaft einige Porträts in diesem Buch. Hamburg wurde zum wichtigsten Umschlagplatz für „Colonialwaren“ in Norddeutschland und Nordeuropa. Skrupel kannten viele dieser Reeder und Kaufleute nicht. Es gibt viele Beispiele dafür, wie sie sich an Sklavenhandel und der Ausplünderung ganzer Weltregionen beteiligten und dadurch zu großem Reichtum gelangten. Die Kaufleute selbst hatten erkannt, dass hohe Gewinne nicht an Bord schwankender Segelschiffe zu erzielen waren, sondern auf den festen Holzböden der Kontore.
1806 erlitt die Wirtschaft der Stadt einen schweren Rückschlag. Napoleonische Truppen besetzten Hamburg und verbreiteten Schrecken und Elend. Englische Waren wurden verbrannt, der Überseehandel kam völlig zum Erliegen und auch die übrigen Geschäfte lagen weitgehend darnieder. Es galt in dieser Zeit als patriotische Tat, Waren über die Hamburger Stadtgrenze zu schmuggeln. Immerhin sorgten die französischen Besatzer für eine Modernisierung der Verwaltung und gleiche Rechte für alle Religionsgemeinschaften, wovon nicht zuletzt die jüdische Bevölkerung profitierte. Kaum waren die Franzosen 1814 abgezogen, kehrten auf vielen Gebieten die alten Verhältnisse zurück, „Restauration“ hieß diese Epoche in Deutschland, und in Hamburg wurde damals viel „restauriert“ – zum Beispiel wurde der jüdischen Minderheit ihr gerade erst zuerkanntes Bürgerrecht wieder genommen.
Wie lebendig das wieder prosperierende Hamburg im 19. Jahrhunderts war, hat der Dichter Joseph von Eichendorff staunend festgestellt: „Endlich langten wir im Hafen an. Welchen Eindruck dieses seltsame in der Welt einzige Schauspiel auf uns machte, ist unbeschreiblich. Mit staunendem Entzücken fuhren wir in das tosende Chaos hinein. Wie eine fremde Feenwelt umschlossen uns rings die ungeheuren Seepaläste. Hier wurde gezimmert, dort gerudert, dort klommen Matrosen auf den Masten hinan, hier schwebten andere am Tauwerk zwischen Himmel u. Wasser, und ein dumpfes Getöse von 1.000 Stimmen in hunderterlei Sprachen tönte darein … Der Jungfernstieg verdient wegen seiner vorzüglichen Schönheit nähere Erinnerungs-Merkmale: Es ist eine große breite Straße, an der einen Seite von schönen Häusern, von der anderen von einem große Teiche begrenzt, welcher wieder zu beiden Seiten von der Stadt u. im Hintergrunde von den trefflichen Wällen eingeschlossen wird. Auf dem Teiche befinden sich mehrere Schwanenhäuschen, u. schöne auf modernen niedlichen Schiffen schwimmende Coffeehäuser … Nach Tische gingen wir auf den Jungfernstieg, bestiegen dort eine Gondel, u. ließen uns auf dem kleinen See herumschiffen, eine herrliche Partie noch zum letztenmale recht in vollen Zügen zu genießen.“
Die Welt, die den Dichter am Jungfernstieg faszinierte, war die Welt der Wohlhabenden und Reichen. Es gab daneben aber auch die Welt der Armen - und das war die große Mehrheit der Bewohnerinnen und Bewohner der Stadt -, die in engen, feuchten Kellern oder dunklen, kleinen Wohnungen in den Gängevierteln leben mussten. Alt wurden die Menschen unter solchen gesundheitsgefährdenden Lebensverhältnissen nicht, und wer in eine Notlage etwa durch den Tod des Ehemanns geriet, war auf mildtätige Gaben angewiesen. Das waren Hilfen, die meist erst nach einer strengen Überprüfung des Lebenswandels der Bedürftigen gewährt wurde. Das hatte sich über die Jahrhunderte nicht geändert.
Da nur die Reichen in der Bürgerschaft, dem Parlament der Stadt, saßen, hatten die Armen wenig Aussicht auf eine Änderung dieser Misere. Im Rat, der Stadtregierung, waren die Kaufleute und Reeder sowie einige Juristen unter sich. Der Rat ergänzte sich durch Zuwahl, und die Mitglieder wurden auf Lebenszeit gewählt, sodass man unter sich blieb. Ein gemeinsames Interesse dieser Kaufleute und Reeder bestand darin, ihre Steuern niedrig zu halten. Sozialaufgaben überließ man privater Mildtätigkeit, und eine Universität verhinderte man, weil sie Kosten verursacht hätte und es billiger war, die eigenen Söhne an andere Universitäten zu schicken. Einzelne Aufstände des „Pöbels“ wurden rücksichtslos niedergeschlagen.
Wie fragil die Lage der Stadt war, zeigte sich beim Großen Brand von 1842. Tagelang herrschte völliges Chaos in Hamburg, weil alle nur an die Sicherung des eigenen Besitzes oder aber an das Plündern dessen dachten, was die Reichen angesichts des nahenden Feuers zurückgelassen hatten. Aber auch nach dieser Katastrophe wurden die alten Verhältnisse wiederhergestellt. Selbst das Jahr 1848 brachte keine grundlegenden Veränderungen, schon gar nicht für das wachsende Proletariat der Stadt.
Was sich in den folgenden Jahren abzeichnete, war ein Bündnis zwischen den alten Kaufmannsfamilien, die seit Generationen die Stadt beherrschten, und dem wachsenden aufstrebenden Bürgertum. Das Ergebnis war die Verfassungsreform von 1860, die das Wahlrecht auf eine größere Zahl von Bürgern mit erheblichem Einkommen oder Grundbesitz ausdehnte. Die armen Männer der Stadt und alle Frauen waren weiter machtlos. Selbst die Reichsgründung von 1871 änderte daran nichts. Bei Reichstagswahlen durften alle Männer abstimmen, bei den Wahlen zur Bürgerschaft nur die wohlhabenden unter ihnen – so viel zur vielgepriesenen demokratischen Tradition Hamburgs.
Auch ohne Wahlrecht in lokalen Angelegenheiten bildete sich in Hamburg eine starke Arbeiterbewegung, die sich in Gewerkschaften und SPD sammelte. Auch die demokratische Frauenbewegung in Deutschland hatte in Hamburg eines ihrer Zentren. Darüber ist in einer ganzen Reihe von Porträts mehr zu erfahren. Wie wenig unter den herrschenden politischen Bedingungen für die Überwindung auch nur der schlimmsten sozialen Missstände geschah, zeigte die Choleraepidemie von 1892, die den herbeigerufenen Arzt Robert Koch erschütterte. Danach wachte die Obrigkeit endlich auf, denn die Quarantäne, die verhängt werden musste, hatte große Einbußen in der Wirtschaft verursacht.
Es wurde beschlossen, die Gängeviertel abzureißen, die für alle sichtbare Ballungsräume des sozialen Elends in der Stadt. Die freiwerdenden Flächen bebaute man vor allem mit großen Kontorhäusern und Geschäften, während die Bevölkerung an den Rand der Stadt, zum Beispiel nach Barmbek, verdrängt wurde. Auch für den Bau der Speicherstadt, die Backsteinlagerhäuser im neu entstandenen Freihafen, riss man Hunderte von Wohnhäusern rücksichtslos ab und siedelte die Bewohner um, meist in billig errichtete Mietskasernen.
Der Wirtschaftsaufschwung vor dem Ersten Weltkrieg begünstigte eine Entfaltung des kulturellen Lebens. Neue Theater und Museen entstanden, internationale Stars wie die schwedische Sängerin Jenny Lind feierte die Bevölkerung nicht hanseatisch kühl, sondern sehr stürmisch. Viele Porträts geben einen lebendigen Einblick in diesen kulturellen Aufbruch. Das Ende des Kaiserreiches und der große politische Einfluss der Sozialdemokraten auch in Hamburg und Altona veränderten nicht nur das politische Leben, sondern es entstand auch eine große Zahl solider Backsteinmietshäuser, die sich noch heute großer Beliebtheit erfreuen. Die hohe Arbeitslosigkeit blieb aber in den 20er und Anfang der 30er Jahre ein großes soziales Problem und war eine der Ursachen für den Aufstieg der Nationalsozialisten auch in Hamburg.
Vom 30. Januar 1933 an brachten die Nazis sehr rasch den gesamten Staatsapparat und die meisten kulturellen, sozialen und religiösen Einrichtungen durch eine „Gleichschaltung“ unter ihre Kontrolle und verbreiteten Angst und Terror. Es erwies sich als unmöglich, die große Mehrheit der Bevölkerung gegen dieses Unrechtsregime zu mobilisieren. Tatenlos sahen sehr viele zu, wie Kommunisten und Juden, Sinti und Menschen mit Behinderungen ausgegrenzt, verfolgt und ermordet wurden. Umso bedeutsamer, dass Einzelne und kleine Gruppen sich zum Widerstand entschlossen und das eigene Leben dafür riskierten, der Gewaltherrschaft der Nationalsozialisten ein Ende zu setzen. An einige dieser Menschen wird mit Porträts erinnert. Das Ende des Krieges war besonders für verfolgte Menschen eine Stunde der Befreiung – und mit dieser Zäsur in der Hamburger Geschichte endet das Buch.
845 – Ansgar, der „Apostel des Nordens“, wird von den Wikingern aus Hamburg vertrieben
„Geh hin, und vom Martyrium gekrönt wirst du zu mir zurückkehren.“ Dieser Auftrag, den Ansgar 814 in einer Vision vernahm, wurde zum Wendepunkt in seinem Leben. Mit großem Gottvertrauen überstand er alle Gefahren und Rückschläge seiner Mission unter den „Barbaren“ im Norden Europas. Als Ansgar 801 im Norden des heutigen Frankreichs zur Welt kam, stand das Reich der Karolinger unter Karl dem Großen auf dem Höhepunkt seiner Macht. 804 besiegte Karl der Große die Sachsen und konnte nun sein Reich bis nach Holstein ausdehnen. Er machte die Sachsen mit Gewalt zu Christen. Auch der kleine Ort an der Alster mit der Hammaburg erhielt eine erste kleine Kirche.
Nördlich der Elbe beschränkte sich Karl der Große darauf, die Burg Esesfeld (nahe dem heutigen Itzehoe) als Vorposten zu errichten und die Hammaburg auszubauen. Auf einen Krieg gegen die kampfstarken Dänen und Slawen verzichtete er. Umgekehrt bedrohten dänische und norwegische Wikinger aber immer wieder die Küstengebiete seines Reiches und machten jahrelange Aufbauarbeiten in wenigen Stunden zunichte. Nach dem Tod Karls des Großen 814 regierte Ludwig der Fromme ein Reich, das von Norditalien bis an die Eider, von der Bretagne bis zum heutigen Österreich reichte.
Ludwig wollte das Christentum in Nordeuropa verbreiten. 826 ergab sich eine Gelegenheit, als der dänische König Harald den Kaiser aufsuchte, um ihn als Bündnispartner gegen seine Widersacher in Dänemark zu gewinnen, die ihn aus der Heimat vertrieben hatten. Ludwigs Bedingung: die Taufe Haralds und seines Gefolges. Das geschah auch – wobei unklar blieb, ob Harald dies aus taktischen Gründen tat, um mit kaiserlichen Truppen seine Herrschaft zurückzugewinnen. Der Kaiser wollte einen Priester mit König Harald nach Dänemark senden, aber es fand sich zunächst niemand bereit, in den als wild gefürchteten Norden zu ziehen und einen König zu begleiten, dessen christlicher Glaube alles andere als gefestigt war und der sein Herrschaftsgebiet erst noch mit kaiserlicher Unterstützung zurückgewinnen musste. Nur ein Priester war bereit, diese Risiken auf sich zu nehmen, Ansgar. Er hatte in einer Vision den Auftrag erhalten: „Gehe hin und verkünde den Heidenvölkern das Wort Gottes!“
Er war nach dem Tod seiner Mutter schon im Alter von fünf Jahren in das Kloster Corbie in Flandern gekommen, und zunächst mehr an kindlichen Spielen als an einem ernsten klösterlichen Leben interessiert. Erst eine erste Vision brachte ihn dazu, sein Leben in den Dienst der Kirche und der Mission zu stellen. Im Traum erschien ihm die Jungfrau Maria und in ihrem Gefolge seine eigene Mutter, und es wurde ihm gesagt, er werde nur dann seine Mutter im Himmel wiedertreffen, wenn er sein Leben in den Dienst Gottes stellen würde. Solche Visionen und Träume, in denen Gläubige ihrem Gott oder Gestalten aus dem Evangelium begegneten, waren damals keine Seltenheit. Eine persönliche Offenbarung durch Gott und seine Boten war Teil des Glaubens. Für Ansgar waren solche Visionen immer wieder Entscheidungshilfen und Stärkung, wenn er sich in schwierigen Situationen befand.
Nach den ersten Visionen wurde er zum ernsthaften Schüler und entschloss sich, Mönch zu werden. Als Lehrer genoss er schon in jungen Jahren hohes Ansehen, und als ein Kloster in Corvey an der Weser gegründet wurde, sandte der Abt von Corbie ihn 822 als Lehrer und Prediger dorthin. Ansgar sah sich durch seine Visionen zur Heidenmission berufen und lebte mit der Erwartung, als Märtyrer zu sterben. So war er gern bereit, im kaiserlichen Auftrag die gefährliche Missionsreise nach Dänemark zu unternehmen. Sie endete allerdings sehr rasch, als Harald nach einigen Monaten erneut aus seinem Land vertrieben wurde.
830 reiste Ansgar auf Einladung des schwedischen Königs im kaiserlichen Auftrag nach Birka in der Nähe des heutigen Stockholms. Auf dem beschwerlichen Weg nach Birka überfielen Wikinger ihn und seinen Begleiter. Sie raubten unter anderem die Geschenke, die der Kaiser ihnen für den schwedischen König mitgegeben hatte. Ansgar konnte froh sein, mit dem Leben davon zu kommen. Auch ohne die Geschenke war es mit königlicher Unterstützung möglich, eine Holzkirche in Birka zu bauen und eine Gemeinde zu gründen. Nach eineinhalb Jahren kehrte Ansgar in die Heimat zurück. Der Kaiser entsandte danach einen Missionar nach Birka, der dort mehr als ein Jahrzehnt lang wirkte.
Ansgar benötigte für seine schwierige kirchliche Aufbauarbeit einen festen Standort im Norden. Die Wahl fiel auf die Hammaburg, damals eine winzige Siedlung am Unterlauf der Elbe. Nach neuen archäologischen Erkenntnissen entstand diese Burg im 8. Jahrhundert als kleine sächsische Siedlung mit einigen Gehöften und vermutlich einem Adligen an der Spitze. Sie wurde um 820 von den Franken durch eine zweite Hammaburg ersetzt, die bereits einen Durchmesser von etwa 75 Metern hatte und über einen palisadengekrönten Erdwall verfügte.
Bis vor einigen Jahren ging man davon aus, dass Kaiser Ludwig der Fromme Ansgar im Einvernehmen mit dem Papst 831 zum Bischof von Hamburg machte. Inzwischen ist nachgewiesen worden, dass es sich bei der entsprechenden Urkunde um eine Fälschung aus dem 10. Jahrhundert handelt, die das Ziel hatte, Ansprüche des Erzbischofs von Köln auf Bremen abzuwehren und ältere Rechte eines Hamburger Bistums auf Bremen nachzuweisen. Rimbert titulierte Ansgar als Bischof, war aber wahrscheinlich nicht an der Fälschung der Urkunde beteiligt.
832 erfolgte die Ernennung Ansgars zum päpstlichen Missionslegaten für den Norden. Er ließ eine kleine Holzkirche in oder neben der Hammaburg bauen. Auch ein Wohnhaus wurde errichtet. Er lebte hier sehr bescheiden und soll sich meist darauf beschränkt haben, Wasser zu trinken und Brot zu essen. Es sollen auch ein Kloster und eine Schule in der Hammaburg entstanden sein, aber wir müssen von kleinen kirchlichen Anfängen ausgehen, denn bereits 845, kam die Aufbauarbeit abrupt zum Erliegen. Dänische Wikinger segelten in schnellen Booten die Elbe herauf.
Was dann geschah, hat Ansgars engster Mitarbeiter und Nachfolger Rimbert < S. 41 > so beschrieben: „Die überraschende Plötzlichkeit dieses Ereignisses ließ keine Zeit, Männer aus dem Gau zusammenzuziehen, zumal auch der damalige Graf und Befehlshaber des Ortes, der erlauchte Herr Bernhard, nicht zugegen war; als der Herr Bischof dort von ihrem Erscheinen hörte, wollte er zunächst mit den Bewohnern … den Platz halten, bis stärkere Hilfe käme. Aber die Heiden griffen an; schon war die Burg umringt; da erkannte er sich zur Verteidigung außerstande, und nun sann er nur noch auf Rettung der ihm anvertrauten heiligen Reliquien; seine Geistlichen zerstreuten sich auf der Flucht nach allen Seiten, er selbst entrann ohne Kutte nur mit größter Mühe. Auch die Bevölkerung, die aus der Burg entrinnen konnte, irrte flüchtend umher; die meisten entkamen, einige wurden gefangen, sehr viele erschlagen.“
Alle Häuser und die Kirche brannten nieder. Ansgar und seine Mönche konnten nur ihr Leben und die Reliquien retten und flohen nach Bremen. Ebenfalls 845 erlitt die Missionsarbeit in Schweden einen schweren Rückschlag, als heidnische Schweden die Kirche zerstörten und den Priester vertrieben.
Bremen wurde nun zum Wohnsitz Ansgars, aber auch dieser Ort wurde 858 von Wikingern erobert und geplündert. Um für die Missionierung des Nordens eine breitere Grundlage zu schaffen, entstand unter großen kirchenpolitischen Mühen das Erzbistum Hamburg-Bremen. Nach neueren Forschungserkenntnissen geschah das erst im 10. Jahrhundert und nicht schon zu Lebzeiten Ansgars. Er ließ sich durch alle Rückschläge nicht entmutigen und konnte dort bei mehreren Reisen nach Dänemark und Schweden erneut Gemeinden gründen. Auch in Haithabu entstand eine christliche Gemeinde.
Aber trotz vieler Reisen voller Gefahren blieb Ansgar das Märtyrerschicksal erspart oder, wie er es selbst sah, vorenthalten. Als er am 3. Februar 865 auf dem Krankenbett im Sterben lag, war er tief enttäuscht, dass ihm die „Krone des Martyriums“ nicht vergönnt war. Sein bester Freund, Biograf und Nachfolger Rimbert versuchte, Ansgar damit zu trösten, dass sein ganzes Leben ein Martyrium gewesen wäre. Aber erst durch eine letzte Vision ließ Ansgar sich überzeugen, dass er auch ohne den Opfertod in den Himmel kommen würde. So konnte er friedlich sterben. Er wurde vom Papst heiliggesprochen. David Fraesdorff hat in einer 2009 erschienenen Ansgar-Biografie dessen Beitrag zur Missionierung des Nordens so bewertet: „Ansgar hat den Anfang eines gefährlichen und unsicheren Unternehmens gemacht und so den Grundstein für den noch heute tief verwurzelten christlichen Glauben in Nordeuropa gelegt.“
Die Erinnerung an Ansgar wird in Hamburg u. a. durch die Ansgar-Kirche in Langenhorn, die Sankt-Ansgar-Schule, den Ansgarweg in Lokstedt, Statuen in der St. Petrikirche und auf der Trostbrücke sowie die jährliche ökumenische St. Ansgar-Vesper wachgehalten.
865 – Rimbert wird zum Nachfolger Ansgars gewählt
Rimbert hat in seinem Buch „Das Leben des heiligen Ansgar“ der Nachwelt ein lebendiges Bild der Frühgeschichte der Kirche in Hamburg hinterlassen. Über sein eigenes Leben wissen wir vor allem deshalb Einiges, weil ein Mönch aus seiner Umgebung seine Lebensgeschichte aufgeschrieben hat. Beide Lebensberichte sind eine Mischung aus Biographie und Heiligengeschichte, aber gerade deshalb erfahren wir aus ihnen viel über den Glauben und das Denken der Kirchengründer, die in einer Zeit voller Kriege und Gewalt eine Botschaft der Hoffnung verbreiteten.
Rimbert wurde um 830 geboren und wuchs als Schüler im Kloster Torhout in Flandern auf. Dieses Kloster sollte die Missionsarbeit Ansgars finanziell und mit Geistlichen zu unterstützen, und so besuchte Ansgar von Zeit zu Zeit Torhout. Bei einem dieser Besuche fiel ihm ein Junge auf, der ganz ernst zum Gebet in die Kirche ging, während seine Mitschüler laut plaudernd zur Kirchentür eilten. Ansgar erkundigte sich nach dem Jungen und gab den Auftrag, ihn besonders sorgfältig auszubilden.
In einer seiner Visionen wurde Ansgar in seiner Auffassung bestätigt, dass Rimbert eines Tages zu seinem Nachfolger werden sollte. Kaum hatte dieser die Klosterschule abgeschlossen, machte ihn Ansgar zu seinem Gehilfen und bald auch zu seinem Berater und Vertrauten. Gemeinsam überstanden sie die Gefahren vieler Reisen, und in den letzten Wochen der Krankheit Ansgars im Jahre 865 wich Rimbert nicht von dessen Lager.
Er besaß zu dieser Zeit bereits ein so hohes Ansehen, dass es nicht einmal Ansgars Vision bedurft hätte. Jedenfalls wurde er schon am Tage der Bestattung Ansgars von Geistlichkeit und Gemeinde zum neuen Leiter der Missionsarbeit im Norden gewählt, ohne dass es einen Gegenkandidaten gegeben hätte. Rimbert war voller Bewunderung für seinen Vorgänger und verfasste eine Lebensbeschreibung
