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Die Erkenntnisse und Anekdoten aus der Praxis des einflussreichen transpersonalen Psychotherapeuten Ralph Metzner zeigen auf, wie psychologische Probleme oft von Faktoren herrühren, z.B. von pränatalen Prägungen und Verbindungen mit den Vorfahren, die in der konventionellen Psychotherapie nicht berücksichtigt werden. In 15 detaillierten Fallgeschichten aus Ralph Metzners mehr als 50-jähriger Praxis, wird u.a. beschrieben, wie geführte visualisierende Meditationen, yogische Licht-Feuer-Praktiken und die selektive Verwendung entheogener Substanzen in die transpersonale Psychotherapie integriert werden können und tiefe Heilung bewirken. Auf der Grundlage seiner Erfahrung als transpersonaler Psychotherapeut erforscht Ralph Metzner die spirituellen Assoziationen, karmischen Verquickungen sowie die Ahnenverbindungen, die unsere individuelle Psychologie prägen.
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Seitenzahl: 238
Veröffentlichungsjahr: 2025
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Ralph Metzner
Spiritualität, Reinkarnation und der Einfluss unserer Ahnen
Ralph Metzner
Spiritualität, Reinkarnation und der Einfluss unserer Ahnen
Impressum
Ralph Metzner
Entheogene Psychotherapie
Nachtschatten Verlag AG
Kronengasse 11 • CH-4500 Solothurn
www.nachtschatten.ch • [email protected]
© 2017 Ralph Metzner und seine Rechtsnachfolger
© 2025 Nachtschatten Verlag
Dieser Titel ist eine Übersetzung des englischsprachigen Originals Overtones and Undercurrents, erschienen 2017 im Verlag Inner Traditions (Park Street Press).
Der Nachtschatten Verlag wird vom Bundesamt für Kultur mit einem Strukturbeitrag für die Jahre 2021 bis 2025 unterstützt.
Übersetzung: Christine Heidrich
Fachlektorat: Markus Berger
Lektorat: Brigitte Egger
Grafik/Layout: Silvia Aeschbach
Umschlaggestaltung: Nina Seiler
Printed in Germany
ISBN: 978-3-03788-683-0
eISBN: 978-3-03788-714-1
Auslieferung EU:
LKG, Leipziger Kommissions- und Großbuchhandelsgesellschaft mbH
An der Südspitze 1–12, D-04571 Rötha, [email protected]
Alle Rechte der Verbreitung durch Funk, Fernsehen, fotomechanische Wiedergabe, Tonträger jeder Art, elektronische digitale Medien und auszugsweiser Nachdruck sind nur mit Genehmigung des Verlags erlaubt.
Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird in diesem Buch das generische Maskulinum verwendet. Die verwendeten Personenbezeichnungen beziehen sich – sofern nicht anders kenntlich gemacht – auf alle Geschlechter.
Einleitung
1 Innere Stille an einem Ort des Wahnsinns finden
2 Anleitung der Göttin Artemis zur Nähe
3 Wechselfälle der Seele auf dem Weg zu einer menschlichen Geburt
4 Sehnsucht nach der im Himmel zurückgebliebenen Zwillingsseele
5 Spinnengroßmutter heilt die Folgen sexuellen Missbrauchs in der Kindheit
6 Versöhnung der Familie durch einen indigenen Vorfahren
7 Befreiung der Tochter von der tragischen Besessenheit ihres Vaters in der Jugend
8 Botschaft eines sterbenden Mannes an seine Tochter
9 Rückkehr des verlorenen geliebten Bruders als Sohn
10 Befreiung von Schuld im Heilungstempel der Gerechtigkeit
11 Gelöbnis einer Mutter aus einem vergangenen Leben auf dem Sterbebett
12 Befreiender Tod einer verfolgten Hexenheilerin
13 Zeremonie zur Befreiung von einem bösartigen Eindringling
14 Transformation einer besitzergreifenden Wesenheit in einen Schutzverbündeten
15 Die heilende Weisheit der Schlange
Schlussfolgerungen
Bibliographie
Obertöne sind die zarten Klänge, die bei Saiteninstrumenten durch die Resonanzschwingungen der angeschlagenen oder gezupften Grundsaiten entstehen. Für den Hörer sind die Klänge ätherisch, als würden sie über dem Klang des Grundtons schweben. Obertöne sind auch in den Gesängen der tibetischen und mongolischen Obertonsänger zu hören, denn sie können ihren natürlichen Basston herabsetzen, um diese ätherischen Klänge zu erzeugen. Wir können uns die spirituellen Dimensionen unserer Erfahrung, die wir als „Geist“ oder „Seele“ bezeichnen, als Gegenstück zu diesen feinstofflichen schwebenden Klängen vorstellen. Es sind also diese inneren Töne und feinstofflichen Harmonien des Geistes und der Seele, die unser Erleben in bestimmten mystischen und spirituellen Zuständen begleiten können, wenn wir für sie empfänglich werden.
Unterströmungen sind die unsichtbaren Strömungen des Wassers unter der Oberfläche, die starke Bewegungen von Objekten an der Oberfläche hin zu gefährlichen Felsen in den Tiefen des Meeres in unerwartete und sogar bedrohliche Richtungen bewirken können. Entsprechend sind die karmischen Verstrickungen vergangener Inkarnationen in der Lage, unsere gegenwärtige Erfahrung mit scheinbar unbegründeten Gefühlen von Schuld, Dankesschuld, Groll oder Scham zu beeinflussen. Um sie gefahrlos aufzulösen, muss man sich mit den unterschwelligen Strömungen der Psyche befassen, damit wir diese noch vorhandenen Muster erkennen und die entsprechenden Schritte zu ihrer Heilung unternehmen können.
Das Anerkennen höherer spiritueller Dimensionen und die Bekenntnis zu karmischen Altlasten sind geheime und tabuisierte Themen für westliche, in der vorherrschenden materialistischen Weltanschauung aufgewachsene Menschen. In östlichen und indigenen Gesellschaften werden diese grundlegenden Konzepte jedoch – mit gegebenen kulturellen Abweichungen – als selbstverständlich angesehen. Erst mit dem Aufkommen der Transpersonalen Psychologie und der Psychotherapiebewegung in den 1970er Jahren begann eine Revision des materialistischen Paradigmas, als sich psychotherapeutische Praktiken entwickelten, in denen die Realität spiritueller Dimensionen und ihre Verbindung zu unserem Streben nach Heilung und Genesung anerkannt werden.
Es entstand ein umfassenderes neues Weltbild, das sich weiter entfaltet und Erfahrungen und Methoden mit Psychedelika einbezieht, aber auch nicht-medikamentöse Ansätze zur Bewusstseinserweiterung wie Achtsamkeitsmeditation, Holotropes Atmen, schamanische Reisemethoden, absichtsvolles bewusstes Träumen und eine Vielzahl von Ausdruckskünsten wie Musik, Bewegung, Mandala-Malen und anderes. Die neuen Paradigmenansätze unter Verwendung „transpersonaler“ Konzepte haben den Vorteil, dass sie in verschiedenen religiösen Traditionen, östlichen wie westlichen, anwendbar sind. Sie ermöglichen es den Anwendern der neuen Therapien, miteinander zu kommunizieren, ohne sich in theologische oder doktrinäre Einzelheiten verschiedener Religionen zu verstricken.
Auf die Verwendung von Psychedelika zur Erforschung nicht-alltäglicher Ebenen des Bewusstseins wurde ich zum ersten Mal aufmerksam, als ich Anfang der 1960er Jahre an den Studien über psychedelische Drogen an der Harvard-Universität teilnahm, mit Timothy Leary und Richard Alpert, der später als Ram Dass bekannt wurde. Einer Anregung von Aldous Huxley folgend, hatten wir die Lehren des Tibetischen Totenbuchs aufgegriffen, als Grundlage für unseren Leitfaden über psychedelische Zustände, The Psychedelic Experience, der 1964 erstmals veröffentlicht wurde. Die anhaltende Popularität unserer Übertragung dieses zentralen buddhistischen Textes zeugt davon, welchen Wert und welche Bedeutung die Prinzipien von Karma und Reinkarnation sowie die Lehren über höhere Dimensionen für Menschen haben, die bewusstseinserweiternde Erfahrungen mit psychedelischen Substanzen machen.
Die Erforschung psychedelischer Substanzen und ihrer möglichen Verwendung in der Psychotherapie machte mehr als deutlich, dass die Drogen an sich keine Erfahrungen von Einsicht und Heilung hervorrufen oder verursachen. Vielmehr verstärken und fördern sie Wahrnehmungen, die in einem unterstützenden Umfeld zutiefst heilsam sein können, aber auch desorientierend und verwirrend, wenn sie unvorbereitet eingenommen werden. Psychedelische Erfahrungen sind immer eine Sache der Absicht oder des „Sets“ des Einzelnen und des „Settings“ bzw. der Umgebung, sowie der vorausgehenden Vorbereitung. Da solche Drogen und verwandte Pflanzen und Pilze die Wahrnehmung verstärken und beleben, haben sie für viele Menschen, wie auch für mich, als ein erster bewusstseinsöffnender Ausflug in die Bereiche der Vorgeburt, der Nach-Tod-Erfahrung, der Anderswelt und der Erfahrungen aus sogenannten vergangenen Leben gewirkt.
Die Erkenntnis der Bedeutung eines meditativen bzw. kontemplativen Ansatzes bei drogeninduzierten veränderten Zuständen hatte offensichtliche Auswirkungen auf die Gestaltung von Set und Setting bei Personen, die durch planlosen und unvorsichtigen Konsum bewusstseinsverändernder Drogen verstörende Erfahrungen hatten. In den späten 1960er Jahren arbeitete ich als Psychologe im damaligen Mendocino State Hospital in Talmage, Nordkalifornien. Während meiner Tätigkeit im staatlichen Krankenhaus hatte ich die Gelegenheit, einige der Lektionen zur Anwendung zu bringen, die meine Kollegen und ich gelernt hatten, so z. B. die Bedeutung einer ruhigen Umgebung zur Unterstützung einer Person, die sich beim drogeninduzierten Erkunden des inneren Raums verloren hat. In Kapitel 1, „Innere Stille an einem Ort des Wahnsinns finden“, beschreibe ich, wie ich einen ruhigen, abgedunkelten Meditationsraum in der psychiatrischen Klinik einrichtete und so einem jungen Mann half, das innere Chaos zu ordnen, in das er durch die naive und unvorsichtige Einnahme von Straßendrogen geraten war.
Während der letzten vierzig Jahre, in denen ich meine Praxis der Einzel- und Gruppenpsychotherapie entwickelte, habe ich entheogene Verstärkung eingesetzt, wenn es möglich war, aber auf den Gebrauch solcher Substanzen verzichtet, wenn es den Umständen entsprechend nicht empfehlenswert schien, und fortlaufend yogische Meditationspraktiken und Sichtweisen in meine Arbeit integriert. Die 1970er Jahre verbrachte ich größtenteils mit dem intensiven Studium der Licht-Feuer-Übungen des Agni Yoga, Energiepraktiken, die in der School of Actualism gelehrt werden. Diese Methoden, die sich an die Traditionen der östlichen und westlichen Alchemie anlehnen und sie wiederbeleben, nutzen die Konzentration, um die inneren Quellen der Heilung zu erschließen. Sie erweitern das Bewusstsein für die feinenergetischen Felder auf verschiedenen Ebenen von Geist, Gefühl und Körper und lösen Blockaden durch die reinigende Wirkung des inneren Feuers auf.
Im Rahmen meiner Arbeit mit Einzelpersonen, deren Geschichten in diesem Buch wiedergegeben werden, habe ich die Übungen der Licht-Feuer-Meditation zur Einstimmung auf die spirituellen Welten angewendet und gelehrt und hinsichtlich mit Rücksicht auf bestimmte religiöse Systeme neutrale Formulierungen verwendet. Ich habe gebetsartige Anrufungen heilender und helfender Geistwesen ausgesprochen, insbesondere solcher, zu denen die Klienten aus früheren Erfahrungen bereits eine Verbindung hatten. Manchmal, wenn die Umstände es zuließen, wurden kleine Mengen einer entheogenen Substanz verwendet, um die Wahrnehmung der Klienten während der geführten Divinationen zu verstärken. Auch rhythmisches Rasseln war zuweilen eine hilfreiche Praxis, um die therapeutischen Dialoge mit dem höheren Selbst der Klienten einzuleiten und zu unterstützen.
In einem solchen achtsam vorbereiteten und geschützten Zustand können weit über das normalerweise Mögliche hinausgehende Verbindungen und Kommunikationen mit verstorbenen Ahnen und heilenden Geistwesen stattfinden. Im Divinationsprozess aus Frage und Antwort bleibe ich mit dem Klienten oder der Klientin in ständigem Kontakt, es werden Fragen gestellt und die von den Geistwesen erhaltenen Botschaften in Worte gefasst.
Eine der nützlichsten integrativen Praktiken ist die Erstellung und Verwendung eines kreisförmigen Diagramms mit einem vierfältigen Kreuz, das bei den indigenen Völkern Nordamerikas als „Medizinrad“ und in den asiatischen hinduistischen und buddhistischen Traditionen als „Mandala“ bekannt ist. Solche Diagramme, die es in unzähligen Varianten gibt, gelten als Symbole für die vier Hauptdimensionen des eigenen Lebens, wie die vier Richtungen in unserer Umwelt, die vier Elemente, die vier Teile der Psyche, die vier Hauptrollen in einer Familie und viele andere. C. G. Jung und in seiner Tradition arbeitende Psychotherapeuten haben Mandala-Zeichnungen als Ausdruck einer vierfachen Landkarte der Psyche verwendet. Sie können tiefe heilende Einsichten in den Transformationsprozess vermitteln.
Aus meinen eigenen Studien zu Jung und seiner Kartierung der Psyche sowie meinen Studien der indigenen Prinzipien des Medizinrads, habe ich einen Prozess der inneren Einstimmung und Integration entwickelt und nenne ihn das Medizinrad der Geistführer oder die Vier Tore des Seins. Diese Vierfältigkeit habe ich in meiner Arbeit mit Einzelpersonen und mit Gruppen eingesetzt. Aus den beiden Gegenspielern männlich und weiblich sowie jung und alt entwickeln wir einen vierfältigen Prozess zur Einstimmung auf diese in jedem von uns vorhandenen vier großen Archetypen. Ich beschreibe diesen Prozess und wie er zu einer überraschenden Lehre über Nähe und Beziehungen führte, in Kapitel 2, „Anleitung der Göttin Artemis zur Nähe“.
Die nächsten beiden Kapitel befassen sich mit der Heilung von Nachwirkungen schwieriger Umstände in der pränatalen Phase. Die akademische Psychologie und Psychiatrie, die in einer materialistischen Weltanschauung verhaftet sind, schenken pränatalen Erinnerungen keinen Glauben, geschweige denn Erinnerungen an die Entscheidung der Seele vor und während der Empfängnis. Wenn wir jedoch unsere konzeptionellen Vorurteile mit einer radikal empiristischen Einstellung hinter uns lassen, stellen wir fest, dass lebendige Erinnerungen an die Zeit vor der Geburt, an die Umstände der Empfängnis und an die Wahl der Inkarnation durch die Seele tiefgreifende Auswirkungen auf das Individuum haben können. In meiner Praxis habe ich oft mit Erinnerungsprägungen an die Geburt oder an die vorgeburtliche Existenz gearbeitet. Durch eine geführte Einstimmung mit oder ohne psychedelische Verstärkung kann ein bewusster Zugang zu ihnen hergestellt werden.
Die beiden hier vorgestellten Geschichten befassen sich mit dem sensiblen Thema der Abtreibung und deren Folgen. Selbst diejenigen, die wie ich das moralische Recht einer Frau, selbst zu entscheiden, ob sie einen Fötus austrägt oder nicht, völlig respektieren, können die manchmal auftretenden ernsthaften psychologischen Probleme bei nicht ausgetragenen Schwangerschaften nicht leugnen. In meiner Praxis hatte ich mehrere Gelegenheiten, eine seelische Kommunikation zwischen der Mutter oder dem Vater und ihrem abgetriebenen Kind zu ermöglichen, ähnlich wie die zwischen einer lebenden Seele und ihrem verstorbenen Verwandten. Obwohl der Körper, das Gefährt der Seele, sterben kann – vor, während oder lange nach der Geburt – kann die Seele nicht abgetrieben werden – sie ist unsterblich; eine grundlegende Tatsache. Wenn der Tod eines Fötus, aus welchen Gründen auch immer, absichtlich vor der Geburt herbeigeführt wird, kann dies unerwartete Folgen haben – die sich jedoch auch heilen und auflösen lassen.
Kapitel 3, „Wechselfälle der Seele auf dem Weg zu einer menschlichen Geburt“, handelt von einer therapeutischen Divination, die ich mit einer Frau durchführte, die in ihren Vierzigern war und vor mehr als zwanzig Jahren abgetrieben hatte. Als wir einen Vergebungs- und Heilungsprozess mit der ungeborenen Seele ihres abgetriebenen Kindes durchliefen, wurden wir durch eine klare telepathische Kommunikation eines jungen Mannes unterbrochen, der sich als die zufrieden reinkarnierte Seele des viele Jahre zuvor von der Frau abgetriebenen Kindes identifizierte.
In Kapitel 4, „Sehnsucht nach der im Himmel zurückgelassenen Zwillingsseele“, erzähle ich die Geschichte eines jungen Mannes, den eine Mutter empfing und zur Welt brachte, nachdem sie kurz vorher ein Zwillingspaar abgetrieben hatte. Erfüllt von Reue hatte die Mutter dann einen Sohn geboren, der sein ganzes Leben von dem Gefühl verfolgt wurde, die Reinkarnation eines der abgetriebenen Zwillinge zu sein und eine „Zwillingsschwester im Himmel zurückgelassen“ zu haben. Durch das Erkennen dieser Verbindung konnte der junge Mann aufhören, nach der Verkörperung seiner idealisierten Zwillingsschwester zu suchen und stattdessen eine realistische Beziehung zu einer potenziellen Partnerin entwickeln.
Kapitel 5, „Spinnengroßmutter heilt die Folgen sexuellen Missbrauchs in der Kindheit“, erzählt die dramatische Geschichte einer Ärztin mit einer persönlichen sexuellen Missbrauchs-Geschichte in der Kindheit, die unerwartet in eine intime, heilende Beziehung zu Großmutter Spinne mündete, der Schöpferin und Heiler-Seele vieler Pueblo-Indianer des nord- bzw. mittelamerikanischen Südwestens, mit der die Ärztin vorher nicht vertraut war. Die tiefe visionäre Erfahrung und die Verbindung zu einem persönlichen Totem-Geistführer fand im Rahmen einer Gruppenzeremonie mit entheogener Verstärkung statt.
Die nächsten drei Geschichten veranschaulichen den Wert und die Bedeutung des Erkennens und Anerkennens der Seelenverbindungen der Vorfahren. Bei der Arbeit mit Themen rund um die Beziehungen zur Familie, zu den Eltern und zu den Vorfahren erstellen der Klient und ich gemeinsam eine Art „Familienseelenrat“. Wir laden alle Mitglieder der Familie respektvoll zu einem Familientreffen im inneren Raum ein, um über eine Angelegenheit, die alle interessiert und betrifft, gemeinsam zu beraten. Zum Familienseelenrat gehören alle, die durch Geburt und genetische Abstammung sowie durch Heirat und gemeinsame Kindererziehung miteinander verbunden sind. Und da Seelen unsterblich sind, schließt eine Sitzung des Seelenrats alle diejenigen mit ein, die sich schon „auf der anderen Seite“ befinden. Menschen sind oft erstaunt, wenn sie entdecken, dass sie auf der Seelenebene tiefgreifende Begegnungen und Gespräche mit nie persönlich gekannten oder längst verstorbenen Familienmitgliedern und Vorfahren haben können. Es entwickelt sich dann eine Art Mehrgenerationengespräch im Rahmen eines Familienrates, in dem verborgene Aspekte der Familienmatrix, sowohl positive als auch negative, aufgedeckt und Konflikte geheilt werden können.
Kapitel 6, „Versöhnung der Familie durch einen indigenen Vorfahren“, erzählt die Geschichte eines Mannes, der seine tiefe spirituelle Verbindung zu einem indigenen Vorfahren, dem Vater seiner Mutter, entdeckte, ohne sie bis dahin je vermutet zu haben. Als er sich an diese Ahnenverbindung erinnerte und sie anerkannte, gelang es ihm, lange währende Spannungen mit seinen Eltern aufzulösen.
In Kapitel 7, „Befreiung der Tochter von der tragischen Besessenheit ihres Vaters“, erzähle ich die Geschichte einer Frau, die feststellte, dass die geheime, unerwiderte Liebe ihres längst verstorbenen Vaters – eine Liebe, die noch vor ihrer Geburt existierte – sie daran hinderte, ihr eigenes Liebesleben zu entfalten. Dieses Beispiel zeigt, wie durch das Erkennen und Anerkennen von Verstrickungen der Eltern und Vorfahren lang gehegte Blockaden aufgelöst werden können.
Kapitel 8, „Botschaft eines sterbenden Mannes an seine Tochter“, berichtet von der Geschichte einer Frau, deren Vater bei einem Flugzeugabsturz starb, als sie noch im Mutterleib war. Die Mutter erholte sich nie von dem Schock, vermeintlich verlassen worden zu sein und gestand ihrer Tochter die Beziehung zu ihrem Vater nie ein. Im Zuge von Heilungsdivinationen war die Frau in der Lage, sich mit der Seele ihres längst verstorbenen Vaters, der sich in ihren Träumen an ihr Kind-Ich wandte, in Verbindung zu setzen.
Um Berichte über vorgeburtliche oder präkonzeptionelle Erfahrungen der Eltern als mögliche Quellen für persönliche Schwierigkeiten und damit als potenzielle neue Wege des Wissenserwerbs und des Verstehens der Umstände in Betracht zu ziehen, müssen wir die Vorurteile des allgemein akzeptierten Weltbildes unserer Kultur und Gesellschaft aufgeben. Noch weiter entfernt von den akzeptierten Paradigmen, zumindest in der westlichen Kultur, sind Erfahrungen der Erinnerung und Rückverfolgung vergangener Inkarnationen, die potenzielle Einsichten in die karmischen Projekte und Verstrickungen der Seele bieten. In den meisten asiatischen Gesellschaften spiegelt sich in zahlreichen Mythen und spirituellen Schriften eine viel tiefere Akzeptanz und ein viel tieferes Verständnis der Seele und der Reinkarnation wider.
Meine eigene Erfahrung hat bestätigt, worauf die Literatur über Psychotherapie hinweist: Karmische Fixierungen auf ungelöste Schwierigkeiten treten am häufigsten dann auf, wenn der Tod in einem früheren Leben unerwartet, unvorbereitet oder mit heftigen Emotionen verbunden war. Das deckt sich mit den Lehren der Totenbücher in verschiedenen Kulturen, die Achtsamkeit und meditative Vorbereitung auf den letzten Abschnitt hervorheben. Es lässt sich gar nicht genug betonen, wie heilsam es ist, die bewusste Kommunikation mit einem verstorbenen geliebten Menschen zu erleben – etwas, das die westliche Weltanschauung als unmöglich oder als geheimnisvolle Spekulation betrachtet.
Da ich aus meiner eigenen Erfahrung gelernt habe, mit meinem Sohn, der als Kind bei einem Unfall ums Leben kam, auf sinnvolle Weise und wiederholt zu kommunizieren, kann ich meine Überzeugung, dass eine solche Kommunikation tatsächlich möglich ist, getrost weitergeben, und zwar auf Erfahrungen und nicht auf reinem Glauben basierend. Das soll nicht heißen, dass die Kommunikation mit einem verstorbenen geliebten Menschen immer oder automatisch stattfindet, doch die Offenheit für diese Möglichkeit erhöht die Empfänglichkeit der Hinterbliebenen für eine solche Kommunikation.
Bei meiner Arbeit über die Wechselfälle der Seele im Zusammenhang mit Leben und Tod war ich immer wieder beeindruckt von der Flexibilität und Kreativität der Entscheidungen, zu denen Seelen hinsichtlich der Inkarnation in eine menschliche Familie offenbar fähig sind. Auch wenn ich nicht weiß, ob es immer zutrifft: Ich habe beobachtet, dass die verstorbene Seele beim Tod eines Kindes oder eines jungen Menschen, der dem natürlichen Zyklus des Familienlebens zuwiderläuft, dazu bewegt werden kann, sich erneut in derselben Familie zu inkarnieren, als wolle sie eine Vereinbarung zur gemeinsamen Gründung einer Familie unter mehreren Seelen vollenden. Im normalen Lauf der Dinge scheint es so zu sein, dass die Seelen ihre Inkarnation beenden, wenn der Mensch seinen natürlichen Lebenszyklus abgeschlossen hat. Sie können sich dann nach einer gewissen Zeit erneut inkarnieren, in einer anderen Gesellschaft, in einer anderen Familie und unter anderen Bedingungen, vielleicht sogar als das andere Geschlecht, immer mit dem Ziel, mit der heilenden Kraft der bedingungslosen Liebe so viel wie möglich zu lernen und zu wachsen.
Die folgenden vier Geschichten veranschaulichen, wie das Erkennen und die Nachverfolgung vergangener Leben der Seele zur Lösung grundlegender Schwierigkeiten in der Gegenwart beitragen können.
In Kapitel 9, „Rückkehr des verlorenen geliebten Bruders als Sohn“, erzähle ich die Geschichte eines Mannes, der während des Divinationsprozesses zur Verbindung mit dem Rat der Ahnenseelen eine erstaunliche Entdeckung machte: Er war die Reinkarnation des geliebten älteren Bruders seines Vaters, der bereits verstarb, als der Vater noch ein kleiner Junge war. Diese Geschichte veranschaulicht die vielleicht selten vorkommende Reinkarnation innerhalb derselben Familie. Durch die Rückführung dieses Mannes in sein früheres Leben als Krieger, geprägt von Kampf und tragischem Verlust, gewann er einen tieferen spirituellen Blick auf die Herausforderungen seinnes gegenwärtigen Lebens.
Kapitel 10, „Befreiung von Schuld im Heilungstempel der Gerechtigkeit“, gibt die Geschichte eines Mannes wieder, der von Rückblenden in ein früheres Leben geplagt wurde. Damals war er der Bürgermeister einer kleinen Stadt in der Tschechoslowakei, die 1939 von der deutschen Armee überfallen wurde. In jenem Leben wurde er dazu gebracht, den Deutschen die Namen von Widerstandskämpfern zu verraten, darunter seine eigenen Söhne, mit dem Versprechen, ihr Leben würde verschont bleiben. Das Versprechen wurde gebrochen, und alle, einschließlich des Bürgermeisters, wurden niedergemetzelt. Er starb, verzehrt von Schuldgefühlen und Wut über den Verrat. In der Heilungsdivination bemühten wir den Rat der Ahnen der unsterblichen Seelen, damit die innere karmische Bedeutung eines jeden Lebens und der getroffenen Entscheidungen erkannt, akzeptiert und geheilt werden konnten.
In Kapitel 11, „Gelöbnis einer Mutter aus einem vergangenen Leben auf dem Sterbebett“, erzähle ich die Geschichte einer Frau, die schon als Kind einen seltsamen Zwang verspürte, sich um die materiellen Bedürfnisse ihres Vaters zu kümmern. Sie führte das auf ein früheres Leben zurück, in dem sie als die verarmte, unverheiratete Mutter eines behinderten Sohnes (ihres Vaters im jetzigen Leben) auf dem Sterbebett geschworen hatte, immer für ihn zu sorgen. Viele mythische Geschichten bestätigen die karmische Bindungskraft von Gelöbnissen, ob aus Liebe oder aus Rache, die im Augenblick des Todes abgelegt werden.
In Kapitel 12, „Befreiender Tod einer verfolgten Hexenheilerin“, wird eine Frau von einem sich wiederholenden Alptraum aus ihrem früheren Leben geplagt. Darin wurde sie von einem mörderischen Mob verfolgt. Als sie erkannte und akzeptierte, dass der schreckliche Tod tatsächlich stattgefunden hatte, wurde sie befreit – und sie sah, dass sie unmittelbar danach wieder mit ihrer geliebten Seelenfamilie vereint war.
Von allen Erfahrungen in den Berichten der Teilnehmer meiner alchemistischen Divinationszeremonien bereiten Besessenheitszustände dem allgemein akzeptierten Weltbild der modernen westlichen Welt die größten Schwierigkeiten. Diese moderne Weltanschauung erkennt „Besessenheit“ nicht als reales Phänomen an, obwohl in anderen Ländern, insbesondere in Brasilien, zu diesem Thema ernsthaft klinisch geforscht und veröffentlicht wurde.
In Kapitel 13, „Zeremonie zur Befreiung von einem bösartigen Eindringling“, beschreibe ich eine therapeutische Gruppenzeremonie unter Verwendung eines kurz wirksamen psychoaktiven Medikaments, bei der eine der Teilnehmerinnen in einen seltsamen Zustand der Besessenheit geriet. Obwohl sie sich offensichtlich in einer verzweifelten Lage befand, gelang es ihr, zu beschreiben, was mit ihr geschah, als die Besessenheit sie ergriff. Der Besessenheitszustand wurde durch das bewusste Eingreifen und die Unterstützung meinerseits sowie der gesamten Gruppe neutralisiert.
In Kapitel 14, „Transformation einer besitzergreifenden Wesenheit in einen Schutzverbündeten“, berichte ich von der Erfahrung eines Psychiaters, der einen Patienten mit dem Problem einer offensichtlichen dämonischen Besessenheit behandelte. Im Verlauf einiger Gruppensitzungen mit Psychedelika stellte er fest, dass er von demselben Wesen besessen war, das seinen Patienten heimsuchte. Gemeinsam entwickelten wir einen improvisierten Exorzismus unter Einsatz alchemistischer, schamanischer und spiritueller Selbstverteidigungstechniken, und es gelang uns, die besitzergreifende Wesenheit dauerhaft vom Psychiater sowie aus der Ferne von seinem unglücklichen Patienten zu trennen.
Indem ich von diesen Erfahrungen aus den paradigmatischen Grenzbereichen der psychologischen und psychiatrischen Praxis berichte, möchte ich aufzeigen, dass ein erweitertes Verständnis, die Anerkennung pränataler und karmischer Faktoren sowie reinkarnationsbezogene und besitzergreifende Einflüsse zu tieferen und umfassenderen Heilungsprozessen beitragen. In einer Zeit der weltweiten Sozial- und Umweltkatastrophen können wir es uns nicht leisten, die Weisheit und das Heilwissen aus anderen Zeiten und Kulturen zu ignorieren, die uns bei der Linderung körperlichen und psychischen Leidens helfen können.
In Kapitel 15, „Die heilende Weisheit der Schlange“, beschreibe ich Heilungszeremonien, in denen Schlangenbilder verwendet werden, um den psycho-spirituell-somatischen Prozess zu steuern. Dabei werden Erfahrungen mit drei verschiedenen Schlangenbildern beschrieben: die Ouroboros-Schlange, die in chinesischen taoistischen Praktiken verwendet wird; der Hermesstab mit der Doppelschlange, der an den Gott der Weisheit und der Kommunikation angelehnt ist; sowie der Äskulapstab mit einer einzelnen Schlange, der mit dem griechischen Gott der Heilung verbunden ist. Diese Erfahrungen beweisen, dass die symbolischen Bilder der Heilkunst auf einer tieferen, esoterischen Ebene erfahrungsorientierte Methoden der Heilkunst darstellen. Ihre bewusste Anwendung, leicht verstärkt mit einer entheogenen Substanz, kann zu neuen Einsichten und Erkenntnissen führen und uns mit diesen jahrtausendealten Traditionen des Heilens und der Weisheit wieder verbinden.
Mitte der 1960er Jahre zog ich von der Ostküste, wo ich in einer Lebensgemeinschaft in Millbrook, New York, gelebt hatte, nach San Francisco. Ich war Teil einer großen Bewegung psychedelischer Pioniere und Hippie-Pilger, die im Westen ein neues Paradies suchten. „California Dreaming“ und „All You Need Is Love“ waren die Hymnen dieser Bewegung, die ständig im Radio liefen. Zehntausende junge, aber auch einige ältere Menschen zogen nach Westen, mit der unbekümmerten Gewissheit und zugleich der Leichtgläubigkeit, dass ein neues Zeitalter des Friedens und der Liebe vor der Tür stand. „Kalifornien ist Liebe“, meinte ein siebzehnjähriges trampendes Mädchen voll ekstatischer Zuversicht.
Die Millbrook-Gemeinschaft, offiziell bekannt als die Castalia Foundation, bestand aus Timothy Leary und seinen beiden Kindern, Richard Alpert, meiner Frau Susan und mir sowie etwa einem Dutzend anderer in ständig wechselnder Besetzung. Ram Dass und ich haben mit unserem Co-Autor Gary Bravo im Buch Birth of a Psychedelic Culture (2010) über unser Leben in dieser Gemeinschaft geschrieben. Diejenigen von uns, die dort lebten, und die zahlreichen Wochenendbesucher versammelten sich ständig, redeten und führten Sitzungen mit psychedelischen Substanzen, die damals noch nicht illegal waren, um herauszufinden, wohin diese „Bewegung“ uns führen würde. Die öffentlichen Wochenendseminare, die wir (ohne Drogen) durchführten und die gelegentlichen Spenden, die wir erhielten, waren völlig unzureichend, um die überbordenden Ausgaben der Gemeinschaft zu decken, und die Kreditkartenschulden stiegen unaufhaltsam an. Niemand in der Gemeinschaft hatte einen bezahlten „Job“.
Schließlich erhielt ich einen Verlagsvorschuss von 2000 Dollar, eine beträchtliche Summe für die damalige Zeit, um The Ecstatic Adventure (1968), meine erste Sammlung von Berichten über psychedelische Erfahrungen, zu schreiben und herauszugeben. Das Geld ermöglichte es mir und drei weiteren Freunden, mit einem VW-Kleinbus von New York nach San Francisco zu fahren. Wir hatten mehrere Kartons mit Exemplaren der ersten beiden Ausgaben unserer vierteljährlich erscheinenden Zeitschrift The Psychedelic Review dabei. Diese lieferten wir unterwegs in verschiedenen New-Age-Buchläden ab, in der Hoffnung, dass sie sich verkaufen würden.
Großzügige Freunde und Befürworter unterstützten uns auf dem Weg. Sie verschafften uns Schlafplätze und Essen, während in uns die Zuversicht wuchs, dass tatsächlich ein neues Zeitalter angebrochen war. Als wir in San Francisco ankamen, konnte ich in Berkeley in Timothy Learys altem Haus wohnen, wo er in den 1950er Jahren gelebt hatte. Unsere kleine Gemeinschaft teilte, wie so viele andere zu dieser Zeit, ganz bewusst Einkommen und Ausgaben, sodass ich Tim keine Miete zahlen musste, doch Geld für alle anderen Ausgaben brauchte ich trotzdem.
Durch meine Freundschaft und Verbindung mit Robert Mogar, einem Psychologieprofessor an der San Francisco State University und Unterstützer unserer Schreib- und Verlagsprojekte in Millbrook, erhielt ich den Auftrag für eine Reihe von Vorträgen zur Psychopharmakologie psychedelischer Drogen für das Personal des Mendocino State Hospital. Der beiläufige Konsum dieser Drogen war beliebt und nahm zu, und in psychiatrischen Kliniken und Krankenhäusern häuften sich die Fälle von „Bad Trips“, welche pharmakologische Maßnahmen und manchmal sogar eine vorübergehende Einweisung in ein Krankenhaus erforderten.
Das MendocinoState Hospital war ein weitläufiger Campus, der 1889 als Krankenhaus für „kriminelle Geisteskranke“ errichtet wurde. In den späten 1950er Jahren gab es dort dreitausend chronisch psychotische und alkoholkranke Patienten und mehrere fortschrittliche Behandlungsprogramme sowie innovative Ausbildungsprogramme für das Personal. Das war in der Zeit vor den neueren Medikamenten, und das Mittel der Wahl zur Behandlung von Psychosen war Thorazin – mit der beunruhigenden Nebenwirkung, die Haut der Patienten fleckig violett zu färben. Mehrere Tage pro Woche leitete ich Schulungsprogramme in Meditationstechniken und Kurse in Psychopharmakologie für das Personal. Ich wohnte in einem der Gästehäuser auf dem Krankenhausgelände, und ich erinnere mich, dass ich manchmal nachts von den markerschütternden Schreien armer Seelen aufwachte, die von ihren inneren Traumdämonen gequält wurden. Als mir eine Vollzeitstelle als klinischer Psychologe im Krankenhaus angeboten wurde, war ich froh, vom Campus an einen ruhigeren Ort umziehen zu können.
Meine Anstellung im staatlichen Krankenhaus dauerte nur etwa zwei Jahre, das Krankenhaus selbst wurde 1972 geschlossen. Fünf Jahre später wurden die Einrichtungen von einer chinesisch-vietnamesischen buddhistischen Gemeinschaft aufgekauft und als Stadt der Zehntausend Buddhas wiedereröffnet, einer der größten buddhistischen Klostergemeinschaften im Westen. Sie bietet eine zentrale Tempelhalle mit zehntausend goldbemalten Buddha-Statuen, strenge Vinaya-Schulklöster für Männer und separate Klöster für Frauen sowie ein umfangreiches Bildungsprogramm für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Irgendwie schien es mir eine glückliche karmische Fügung des Schicksals zu sein, dass buddhistische Mönche und Nonnen in diese Umgebung kamen, um sie von den negativen Schwingungen als Hinterlassenschaft unglücklicher Geisteskranker früherer Generationen zu reinigen.
Bei meinen Nachforschungen und meiner Lektüre über die psychologischen Auswirkungen von Psychedelika hatten mich die Beobachtungen und Theorien von Personen wie dem englischen Psychiater Humphry Osmond beeindruckt, jenem Mann, der Aldous Huxley Mitte der 1950er Jahre erstmals Meskalin verabreicht hatte. Huxley hatte die Metapher geprägt, dass der menschliche Verstand im Normalfall als eine Art „Reduktionsventil“ funktioniert und die Fülle der vorhandenen Sinneseindrücke auf ein überschaubares Maß für das tägliche Leben reduziert. Während psychotischer Zustände wie der Schizophrenie war dieser Filter ausgeschaltet, ebenso die Fähigkeit, innere Bilder von äußeren Wahrnehmungen zu unterscheiden. Das Individuum wurde daher von einer Fülle von Gedanken und Bildern überwältigt und war nicht in der Lage, die Realität der durch ihren Geist strömenden Wahrnehmungen und Vorstellungen zu überprüfen – vor allem in der Anfangsphase oder „psychotischen Pause“, bevor sich die seltsamen neuen Wahrnehmungen zu einem immer fester werdenden wahnhaften System verdichteten.
Diesem Gedankengang zufolge setzten LSD und andere Psychedelika die Wirkung dieses Hemmungsmechanismus ebenfalls vorübergehend außer Kraft, was zu einem enormen Zustrom verstärkter Sinneseindrücke aller Art und einer gesteigerten Wahrnehmung innerer Bilder und Gedankenformen führt. Meine Erfahrung mit psychedelischen Halluzinationen half mir, das psychotische Dilemma zu verstehen. Denn auf einem Trip mit einer psychedelischen Droge kann man Stimmen hören oder seltsame visuelle Verzerrungen sehen, doch diese sind flüchtig, und man kann seine Aufmerksamkeit normalerweise auf andere, darüberhinausgehende Aspekte der Erfahrung lenken, vorausgesetzt, man befindet sich in einer ruhigen, geschützten Umgebung. Man kann sich immer daran erinnern, eine Droge als Auslöser dieses ungewöhnlichen Zustands eingenommen zu haben. Der unglückliche Geisteskranke hat jedoch keine solche Erinnerungen oder Kenntnisse und muss darüber spekulieren, wie diese seltsamen Wahrnehmungen zustandekommen.
