Er sieht dich - Arthur H. Schachenhofer - E-Book

Er sieht dich E-Book

Arthur H. Schachenhofer

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Beschreibung

Ein Mann begegnet dem rätselhaften Gabriel, dessen kühle Logik seine Wahrnehmung verändert und ihn in ein Netz aus Einfluss und Selbsttäuschung zieht. Als Raphael auftaucht und behauptet, ihn stoppen zu müssen, verschwimmen Realität und Identität. Der Erzähler erkennt, dass beide Stimmen Teil seiner eigenen zersplitterten Psyche sind. jetzt muss er entscheiden.

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Seitenzahl: 52

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Liha – W. L. KG

Bergsiedlung 47 A4221 Steyregg

Inhaltlich verantwortlich gemäß § 18 Abs. 2 MStVArthur H. Schachenhofer

Copyright © 2025 Arthur H. Schachenhofer. Alle Rechte vorbehalten.

Die in diesem Werk veröffentlichten Inhalte, Texte und ggf. Grafiken unter liegen dem Urheberrecht. Jede Art der Vervielfältigung, Bearbeitung, Verbreitung oder Verwertung außerhalb der Grenzen des Urheberrechts bedarf der vorherigen schriftlichen Zustimmung des jeweiligen Urhebers.

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Dieses Werk ist fiktional. Ähnlichkeiten mit real existierenden Personen, Orten oder Ereignissen sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Arthur H. Schachenhofer

Vorwort

Dieses Buch ist kein klassischer Thriller. Es ist auch keine Geschichte über Gut und Böse, denn solche Kategorien halten der Realität selten stand. Was du in den folgenden Seiten findest, ist vielmehr eine Untersuchung: eine sezierende Betrachtung dessen, was geschieht, wenn Wahrnehmung, Verantwortung und Identität beginnen, ineinanderzugreifen wie Zahnräder, die sich nicht mehr voneinander lösen lassen.

Die Figuren, denen du begegnest, sind keine Helden und keine Monster. Sie sind Möglichkeiten. Projektionen. Spiegelungen jener inneren Stimmen, die wir im Alltag überhören, weil ihr Flüstern zu präzise wäre, um bequem zu bleiben. Dieses Werk stellt keine Diagnose und bietet keine Moral. Es zeigt nur, wie dünn die Membran zwischen Beobachtung und Einfluss wirklich ist und wie schnell ein Gedanke zu einer Handlung werden kann, wenn man ihm genug Raum gibt.

Die Geschichte entstand aus der Frage, was passiert, wenn ein Mensch beginnt, sich selbst zuzusehen. Und was geschieht, wenn er merkt, dass er dabei nicht allein ist.

Wenn du weiterliest, tu es mit der Bereitschaft, nicht alles einordnen zu müssen. Manche Antworten entstehen erst im Echo. Manche Figuren existieren nur, solange du an sie denkst. Und manche Wahrheiten wirken erst dann, wenn man sie nicht mehr von sich wegschiebt.

14.01.1991

Es war kein besonderer Ort, an dem ich Gabriel zum ersten Mal begegnete.Gerade das machte ihn gefährlich, dachte ich.

Ein Café an einer Kreuzung, deren Ampel nie lange genug grün blieb, um Hoffnung zu erzeugen. Die Fenster beschlagen, als wollten sie das Innere vor der Welt schützen. Menschen saßen dort wie pausierte Gedanken: halbfertig, unentschlossen, wartend auf etwas, das sie selbst nicht benennen konnten.

Gabriel saß mir gegenüber, obwohl ich mich nicht erinnern konnte, ihn eingeladen zu haben.

Er trug nichts Auffälliges. Er strahlte weder Symbolik noch andere Züge aus, die auf seinen Charakter schließen ließen. Seine Unauffälligkeit war präzise. Als hätte er lange studiert, wie man verschwindet, ohne den Raum zu verlassen.

„Du beobachtest sie falsch“, sagte er schließlich.

Seine Stimme war ruhig, aber nicht sanft. Sie hatte diese irritierende Neutralität, die weder tröstet noch angreift, sie stellt fest. Wie ein ärztlicher Befund, den man nicht widerlegen kann.

Ich sah an ihm vorbei. Eine Frau rührte seit Minuten in einem Kaffee, den sie längst nicht mehr trinken würde. Ihre Bewegung war zwanghaft, fast liturgisch.

„Sie wartet nicht“, fuhr Gabriel fort. „Sie revidiert.“

Ich schwieg. Schweigen war in seiner Nähe kein Widerstand, sondern Einladung.

„Menschen“, sagte er schlißlich, „verwechseln Freiheit mit Auswahl. In Wahrheit wünschen sie sich nur jemanden, der ihnen die Verantwortung abnimmt.“

Er lächelte nicht.Er hatte es nicht nötig.

Ich spürte eine leichte Irritation, eine kaum merkliche Verschiebung meiner inneren Statik. Es war dieses Gefühl, das man kurz vor einer Erkenntnis hat, oder vor einem Fehler, der sich erst später als solcher entlarvt.

„Du klingst überzeugt“, sagte ich.

Gabriel sah mich an. Zum ersten Mal direkt.Sein Blick war nicht bohrend, nicht prüfend. Er war bereits fertig mit mir.

„Überzeugung ist ein grobes Instrument“, erwiderte er. „Ich bevorzuge Plausibilität.“

Die Frau am Nebentisch stand plötzlich auf. Ihre Tasse kippte um, der Kaffee ergoss sich wie eine dunkle Konsequenz über den Tisch. Niemand reagierte. Auch sie nicht. Sie schien erleichtert, als hätte ihr Körper eine Entscheidung getroffen, zu der sie selbst nicht fähig gewesen war.

Gabriel folgte ihr nicht mit den Augen.

„Sie wird heute Nacht nicht schlafen“, sagte er leise. „Morgen wird sie jemandem sagen, dass sie eine klare Entscheidung getroffen hat.“

„Welche?“ fragte ich.

Er zuckte kaum merklich mit den Schultern.

„Das spielt keine Rolle.“

Draußen schaltete die Ampel auf Grün.Niemand ging.

In diesem Moment verstand ich noch nicht, dass ich Gabriel nicht beobachtete.Ich hörte ihm zu.Und das war bereits der Anfang.

Ich blieb noch eine Weile sitzen, nachdem Gabriel gegangen war oder nachdem ich glaubte, dass er gegangen war. Sein Platz war leer doch die Luft mir gegenüber hatte ihre Konsistenz verändert, als wäre dort etwas zurückgeblieben das sich nicht räumen ließ.

Ich betrachtete meine Hände. Sie wirkten mir fremd in diesem Licht zu exakt zu funktional als gehörten sie zu jemandem der wusste, was er tat. Und diese Vorstellung gefiel mir nicht.

Gabriel hatte nicht bezahlt. Ich stellte fest, dass mich das nicht empörte. Im Gegenteil es erschien mir folgerichtig als wäre Geld eine Kategorie, die ihn nicht betraf. Er hatte nichts konsumiert außer Aufmerksamkeit und selbst davon nur das Notwendigste.

Die Frau vom Nebentisch war verschwunden. Der verschüttete Kaffee wurde von einer Bedienung kommentarlos aufgewischt. Es war erstaunlich wie schnell sich Spuren tilgen ließen, wenn niemand ihnen Bedeutung beimaß.

Ich fragte mich, ob ich das Gespräch rekonstruieren konnte. Nicht den Wortlaut, sondern den Effekt. Es war, als hätte jemand einen Spiegel minimal verschoben. Das Bild blieb dasselbe doch etwas darin war nicht mehr zentriert.

Auf dem Heimweg fiel mir auf, dass ich begann Menschen anders zu betrachten. Nicht empathischer nicht verächtlicher, sondern funktionaler. Ich sah Bruchstellen dort, wo zuvor nur Charakter gewesen war. Unentschlossenheit wurde zu Material.

Es beunruhigte mich, dass diese Gedanken sich nicht fremd anfühlten.

In meiner Wohnung war es still. Eine sterile Stille die nichts mit Ruhe zu tun hatte, sondern mit Abwesenheit. Ich setzte mich nicht sofort. Ich blieb stehen, als müsste ich mich erst vergewissern, dass ich allein war.

Dann hörte ich seine Stimme.

Nicht laut. Nicht deutlich.

Du solltest das nicht pathologisieren.