Erfahrungen mit Angst - August Dr. Höglinger - E-Book

Erfahrungen mit Angst E-Book

August Dr. Höglinger

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Beschreibung

Erfahrungen mit Angst Das Buch "Umgang mit Angst" habe ich mit meinen Erfahrungen im Umgang mit Ängsten auf emotionaler und seelischer Ebene ergänzt. Ich empfinde eine tiefe Dankbarkeit für meine Ängste. Sie zeigen mir Defizite in meiner Persönlichkeit auf und sind damit Wegweiser für meine Entwicklung. Sie sind auch ein Prüforgan für meine Liebesfähigkeit. Besonders wichtig ist mir, die Kraft spürbar zu machen, die durch die Bearbeitung von Ängsten frei wird. Wenn keine Angst da ist, kann Liebe fließen. Insofern leistet dieses Buch wertvolle Unterstützung beim Gelingen von "Liebe und Beziehung". Denn die Angst stärkt uns für ein liebevolles und gelingendes Leben.

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Seitenzahl: 78

Veröffentlichungsjahr: 2016

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August Höglinger

Erfahrungenmit Angst

Verlag August Höglinger

Impressum:

Herausgeber und Verleger: Dr. August HöglingerLektorat: Textservice Johann Schnellinger, LinzRedaktionelle Bearbeitung: Teil 1: Dr. Georg Schildhammer, Teil 2: Maria NichtCoverfoto: mitifotoSatz und Layout: pixelkinder, www.pixelkinder.com

Copyright © 2016 by Dr. August Höglinger, Fröhlerweg 8, A-4040 Linz.Alle Rechte vorbehalten. Vervielfältigung, auch auszugsweise, nur mit schriftlicherGenehmigung des Herausgebers.

Männliche/weibliche Form im Text

Ich habe aus Gründen der besseren Lesbarkeit und Verständlichkeit des Textes nureine Form der Anrede gewählt, und zwar die männliche, weil sie die gängigere ist.Diese steht stellvertretend für beide Geschlechter. Ich bitte alle meine Leserinnenund Leser um ihr Verständnis.

Bestellungen an den Verlag:

Dr. August Höglinger, Fröhlerweg 8, A-4040 LinzTel.: ++43(0)732 / 75 75 77Fax: ++43(0)732 / 75 75 77, DW 4E-Mail: [email protected]: www.hoeglinger.net

ISBN 978-3-902410-41-2eISBN 978-3-902410-42-9

Erfahrungenmit Angst

Inhaltsverzeichnis

Teil 1

Umgang mit Angst

Der Begriff „Angst“

Zur eigenen Angst stehen

Angst, Furcht, Panik, Phobie und Trauma

Angst und Wirklichkeit

Angst und Liebe

Die helle und die dunkle Seite der Angst

Angst und Freiheit

Angst davor, zu verletzen

Angst vor Verletzungen, Krankheit und Tod

Die Angst, sich nicht zu finden

Angst vor der Sinnlosigkeit

Angst im Beruf

Angst und Kommunikation

Männer-Ängste/Frauen-Ängste

Angst als Wirtschaftsfaktor

Was bewirkt die Angst?

Der Sinn der Angst

Strategien gegen die Angst

Die Wurzeln der Angst

Vom richtigen Umgang mit der Angst

Teil 2

Einleitung

Kollektive Angst vor Gott und dem Leben

Seiten der Angst

Wirkungsweise der Angst

Wunden hinter der Angst

Strategien hinter der Angst

Bewältigung der Angst

Teil 1

Umgang mit Angst

Wer von sich behauptet, niemals Angst zu haben, der belügt zumindest sich selbst. Denn jeder Mensch hat Angst, zwar nicht immer, aber doch immer wieder. Das ist noch kein Grund zur Besorgnis. Denn Angst ist etwas ganz Natürliches. Sie tritt in unterschiedlichen Situationen und Gestalten auf und hat stets ihre Gründe. Zur eigenen Angst zu stehen, sie als etwas fundamental Menschliches zu begreifen, hilft dabei, ein großes Stück ihrer Bedrohlichkeit loszuwerden. Wer seine Ängste annimmt und lernt, ihre Botschaften zu verstehen, kann nicht nur leichter mit ihnen umgehen. Er kann auch aus ihnen lernen. Die Beschäftigung mit der eigenen Angst ist also durchaus lohnenswert.

Seit Jahren befasse ich mich nun mit dem Thema „Angst“. Dabei habe ich mich vor allem sehr intensiv und offen mit meinen eigenen Ängsten auseinandergesetzt. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich ihnen nur dann erfolgreich begegnen kann, wenn ich bereit bin, ihnen ins Auge zu sehen, anstatt aus Angst vor der Angst davonzulaufen.

Der Begriff „Angst“

Der Begriff „Angst“ stammt vom indogermanischen „anghu“ ab, das sich über das althochdeutsche „angust“ zu unserem heutigen Wort „Angst“ entwickelt hat und so viel wie „Enge“ bedeutet. Dass Angst tatsächlich mit „Einengung“, „Beklemmung“ einhergeht, hat sicher jeder von uns schon einmal wahrgenommen. Angst ist das unbestimmte Gefühl einer Bedrohung. Und dennoch lässt sie sich – nicht nur im übertragenen Sinn – in unserem Körper lokalisieren. Nicht umsonst verwenden wir Formulierungen wie „Die Angst schnürt mir die Kehle zu“, „Ihr sitzt die Angst im Nacken“ oder „Die Angst fährt ihm in die Knochen“. Angst äußert sich, sie findet ihren Ausdruck meistens in körperlichen Symptomen.

Zur eigenen Angst stehen

Vor einiger Zeit wurde ich eingeladen, in Salzburg einen Festvortrag bei der Verleihung des WIFI-Trainer-Awards zu halten. Diese Auszeichnung ist so etwas wie der Oscar für WIFI-Trainer. Dementsprechend gut besucht war die Veranstaltung. Die Crème de la Crème der Trainer hatte sich eingefunden. Grundsätzlich bin ich ja nicht nervös. Und vor anderen Menschen zu sprechen, bereitet mir auch keine Probleme, das gehört ja schließlich zu meinem Beruf. Und trotzdem: An diesem Tag war ich sehr nervös. Eine halbe Stunde vor Beginn der Veranstaltung bekam ich Schweißausbrüche. Mein Herzschlag erhöhte sich merklich und ich hatte – Angst.

Da ich ja auch als Meditationsleiter arbeite, dachte ich mir: Na gut, du weißt ja, wie du damit umgehen musst. Es gibt ja auch eine Meditationsübung, um die Angst abzubauen. Ich habe diese Übung angewandt – vergebens. Was sollte ich tun? Meine Angst war noch immer da. Und vor mir saßen etwa 120 Kollegen, die gespannt auf meine Rede warteten. Ich habe meinen ganzen Mut zusammengenommen, habe mich hingestellt und – über meine Angst gesprochen.

Scheinbar eine paradoxe Situation: Das Einzige, was geholfen hat, war, dort oben zu stehen und zu meiner Angst zu stehen, sie nicht zu verdrängen. Ich habe zu meinen Zuhörern gesagt: "Ich fühle mich so geprüft wie schon lange nicht mehr.“ Aber ich habe einfach drauflosgeredet und dann auch noch gesagt: „Ich erzähle euch jetzt die drei größten Flops, die ich als Trainer und Vortragender gehabt habe.“ Meine Angst war verschwunden und der Vortrag ist mir schlussendlich sehr gut gelungen.

Das einzige Mittel, das gegen meine Angst geholfen hat, war: zu ihr zu stehen und meine sensible, verletzliche und menschliche Seite zu zeigen.

Angst, Furcht, Panik, Phobie und Trauma

Viele Menschen verwenden das Wort „Angst“ beinahe täglich. Sie bezeichnen damit aber ganz unterschiedliche Dinge. Die einen meinen nämlich „Furcht“ und beziehen sich auf etwas Konkretes, auf Dinge, Sachverhalte oder Menschen. „Furcht vor“ heißt es in diesem Fall. „Angst“ hingegen ist etwas Unspezifisches. Oft ist es so, dass Menschen, wenn sie sagen, sie haben „Angst“, eigentlich meinen, dass sie sich vor etwas oder jemandem „fürchten“.

Ich werde in diesem Buch die Bezeichnungen „Furcht“ und „Angst“ nicht klar voneinander trennen. Mit den Begriffen „Panik“, „Phobie“ und „posttraumatisches Syndrom“ möchte ich mich nur am Rande beschäftigen. Dennoch will ich einen kurzen Überblick bieten, was mit den verschiedenen Begriffen gemeint ist.

Angst

Angst ist ein Gefühl, das nicht unmittelbar auf etwas Konkretes abzielt. Das bedeutet aber nicht, dass sie keine Ursachen hat. Natürlich gibt es Gründe für Angst, dieses unbestimmte, bedrohliche Gefühl, das einen Menschen mit Unbehagen erfüllt. Wenn wir uns klarmachen, wo unsere Angst herkommt, können wir sie in den Griff bekommen, weil wir ihren Ursachen gezielt entgegentreten können. Wenn wir die Gründe für unsere Angst nicht identifizieren, kann sie anwachsen. Wobei ich darauf hinweisen möchte, dass unser Körper und unsere Psyche vollkommen gleich reagieren, egal, ob es sich um eine wirkliche oder fantasierte Bedrohung handelt.

Die Stresssymptome, die auftreten, wenn wir große Angst haben, sind eine natürliche Reaktion unseres Körpers. Die Ausschüttung von Stresshormonen, die Beschleunigung von Atem und Herzschlag bereiten uns auf eine erhöhte Leistungsanforderung vor. „Fight or flight“, „Kampf oder Flucht“, nennen das die Biologen: Wir kämpfen entweder gegen eine Bedrohung an, z. B. gegen unsere Fress-Feinde. Oder wir flüchten, weil wir erkennen, dass wir unseren Angreifern im Kampf unterliegen würden. Diese physiologische Reaktion hat die Natur sinnvoll eingerichtet. Denn sie bringt uns auf Touren und erhöht unsere Überlebenschancen ... so oder so. Wenn die dabei entstandene Energie jedoch nicht genützt wird, schadet sie auf Dauer dem Organismus.

Furcht

Wenn bestimmte Objekte oder Personen Unbehagen bei uns verursachen, so sprechen wir von Furcht. Dann sagen wir etwa: Ich fürchte mich vor Hunden. Oder: Ich fürchte mich vor einer bestimmten Person (die mir vielleicht Böses will). Oder: Ich fürchte mich vor dieser Straße, weil sie so unübersichtliche Kurven hat. Furcht ist nicht Ausdruck von Feigheit. Sie ist als Warnsignal vor möglichen Gefahren absolut sinnvoll und notwendig – eine natürliche Einrichtung, um unser Überleben zu sichern. Wer sich darauf trainiert, seine Furcht systematisch in den Griff zu bekommen, könnte sich um einen wichtigen Instinkt bringen. Meistens fürchten wir uns ja vor Dingen, die wir nicht kennen, bzw. dort, wo wir die näheren Umstände nicht kennen, die Hintergründe, das, was – vielleicht – dahintersteckt. Und wenn wir dann Bescheid wissen, wenn wir erkannt haben, dass das gar nichts Bedrohliches ist, verschwindet unsere Furcht ganz von selbst wieder.

Als ich noch ein kleiner Bub war und zu Fuß zur Schule gehen musste, habe ich mich oft gefürchtet. Denn im Winter war es meistens dunkel, wenn ich mich auf den Weg zur Schule gemacht habe. Da war dieses eine Stück des Weges, das verlief mitten durch den Wald. Und da war es besonders finster. Wie oft habe ich mir gewünscht, aus dem Himmel möge eine Schnur zu mir herunterhängen! So wie bei diesen Stehlampen, die eine Schnur zum Ein- und Ausschalten haben. Ich hätte nur kurz zu ziehen brauchen und der Wald wäre hell erleuchtet gewesen. Und dann hätte ich mich umgesehen und festgestellt, dass keine grauenerregenden Ungeheuer, keine wilden Tiere und keine bösen Menschen im Wald auf mich lauern. Nur ein einziges Mal hätte ich auf diese Weise das Licht aufdrehen müssen und ich hätte mich nie wieder gefürchtet.

Daraus habe ich gelernt, dass meine Angst geringer wird, wenn ich viele Informationen über eine furchterregende Angelegenheit sammle und damit einen guten Überblick bekomme.

Panik

Panik ist der lauteste Schrei der Natur, die stärkste Form von Angst. Eine starke Erregung gepaart mit dem Gefühl des Ausgeliefertseins und der Hilflosigkeit. Atemnot, Herzrasen, Übelkeit – die physiologischen Reaktionen sind sehr intensiv. Panik ist – da die Gründe rational betrachtet meistens nicht lebensbedrohlich sind – eine Überreaktion. Sie ist also irrational. Trotzdem kommt es gelegentlich vor, dass wir in Panik geraten.

Phobie