»Erfolgreich aus dem Nichts« - Barbara Schaeffer-Hegel - E-Book

»Erfolgreich aus dem Nichts« E-Book

Barbara Schaeffer-Hegel

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Beschreibung

Die Berliner Professorin Barbara Schaeffer-Hegel gründete Anfang der Neunzigerjahre die Europäische Akademie für Frauen in Politik und Wirtschaft – die EAF. Die pragmatische Rebellin und Außenseiterin der Frauenbewegung setzte sich mit ihrer Europäischen Akademie das Ziel, jungen Frauen mit Führungspotenzial den Aufstieg im beruflichen Leben zu erleichtern und ihnen dabei zu helfen, eine passende „work/life balance“ zwischen Familie und Beruf zu finden. Die EAF richtet sich an die Frauen, die zwischen konservativem Rollendiktat und feministischer Männerfeindlichkeit bisher keinen Ort und keine Zustimmung finden konnten. „Erfolgreich aus dem Nichts“ berichtet hautnah und beispielhaft darüber, wie durch die Entschlossenheit Einzelner namhafte Nicht-Regierung-Organisationen (NGOs) ins Leben gerufen und zur Entwicklung einer lebenswerten Gesellschaft beitragen können. Obwohl ein Sachbuch, ist Schaeffer-Hegels Bericht eine spannende Lektüre. Ihre Sprache ist anschaulich, ihre Bilder sind packend, immer wieder werden Spannungsbögen aufgebaut. Die Gründungsgeschichte der EAF und der Femtec, von Barbara Schaeffer Hegel meisterhaft erzählt, ist auch insofern von besonderer Bedeutung, als der Gründerin kein Gründungskapital, kein Gründungsponsor, und keine institutionelle Förderung zur Verfügung standen. „Aus dem Nichts“ heraus haben die Autorin und ihr Team zwei Organisationen aufgebaut, die bis heute im beruflichen Bildungsbereich fest etabliert sind.

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Seitenzahl: 298

Veröffentlichungsjahr: 2017

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»Erfolgreich aus dem Nichts« Ein Buch zum Mut machen für junge Frauen

»Erfolgreich aus dem Nichts« Ein Buch zum Mut machen für junge Frauen

Die Gründungsgeschichte der EAF e.V. und der Femtec GmbH

von
Barbara Schaeffer-Hegel

Königshausen & Neumann

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

© Verlag Königshausen & Neumann GmbH, Würzburg 2017 Gedruckt auf säurefreiem, alterungsbeständigem Papier Umschlag: skh-softics / coverart Umschlagabbildung: Xy: Abstract business people; #73326480 © Fotolia.com Bindung: docupoint GmbH, Magdeburg Alle Rechte vorbehalten Dieses Werk, einschließlich aller seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.
Printed in Germany ISBN 978-3-8260-8035-7www.koenigshausen-neumann.dewww.libri.dewww.buchhandel.dewww.buchkatalog.de

In dem Augenblick, in dem man sich endgültig einer Aufgabe verschreibt, bewegt sich die Vorsehung auch. Alle möglichen Dinge, die sonst nie geschehen wären, geschehen, um einem zu helfen. Ein ganzer Strom von Ereignissen wird in Gang gesetzt durch diese Entscheidung. Und sie sorgt zu den eigenen Gunsten für zahlreiche unvorhergesehene Zufälle, Begegnungen und materielle Hilfen, die sich kein Mensch vorher je erträumt haben könnte. Was immer du kannst oder dir vorstellst, dass du es kannst, beginne es! Kühnheit trägt Genius, Macht und Magie in sich. beginne jetzt!

Johann Wolfgang von Goethe

Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne Hermann Hesse

Inhalt

Widmung und Vorwort

1.

Brief an die Enkelinnen

2.

Kleine Geschichte von EAF und Femtec

3.

Erfolgsrezepte

Kapitel I.

Vorgeschichte und Vision

Paradigmenwechsel

Kapitel II.

Die Gründungspartnerinnen

Frauenpolitischer Gleichklang

Kapitel III.

Die Gründungspaten

Alte und neue Weggefährten

1.

Freunde und Mentoren

2.

Die Technische Universität Berlin

3.

Mitglieder des Kuratoriums und des Fördervereinsvorstandes

Kapitel IV.

Die Gründung

Brüche mit feministischen Denktraditionen

1.

Erste Anfänge

2.

Auf der Suche nach Kontakten und Ressourcen

3.

Vortragstätigkeit und PR

4.

Gescheiterte Projekte

Kapitel V.

Der Aufbau – Erste Projekte

Zur Professionalisierung der Frauenbewegung

1.

Erste Projekte mit öffentlicher und privater Förderung

2.

(E)Quality Management (EQM) und weitere Projekte für Wirtschaft und Politik

Kapitel VI.

Die Femtec. Hochschulkarrierezentrum für Frauen in Technik und Naturwissenschaften Berlin, GmbH

Aus Gegnern werden Partner

1.

Die Gründung

2.

Das Curriculum

3.

Das Femtec „Network“

Kapitel VII.

Die Konferenzen

Für eine gleichstellungspolitische Bildungskultur

1.

Bonn 1997:

Konzepte und Strategien für die politische Bildung und Professionalisierung von Frauen für die Politik

2.

Berlin 1999, Gründungskongress der EAF:

Die ganze Demokratie. Frauen für die Zukunft von Politik und Wirtschaft

3.

Berlin 2002:

Zukunftsfaktor Kinder. Für ganztägige Bildung und Betreuung in Deutschland

4.

Berlin 2004:

Bildungskultur und Begabungsreserven

5.

Berlin 2009:

Between Science and Fiction

Kapitel VIII .

Die Organisation

Bestenförderung und Networking

1.

Der Förderverein

2.

Die Firmenpartnerschaft

3.

Die Führung und das Team

Epilog

Literaturverzeichnis

Namensregister

Widmung und Vorwort

1. Brief an die Enkelinnen

Liebe Theresa, liebe Luise, liebe Sunita, liebe Tara, und liebe Alva und Annea – liebe Enkelinnen, und alle Mädchen und Frauen der Enkelinnen-Generation, die Ihr das Leben noch vor Euch habt,

ich schreibe dieses Buch um Euch Mut zu machen. Es ist das Vermächtnis meines Lebens, die Geschichte meiner Arbeit und meines Erfolges – und ich widme es Euch, damit Ihr erfahrt, dass man auch ohne weltliche Güter, ohne Geld, ohne Besitz und ohne Macht etwas erreichen kann im Leben. Wenn Ihr Euch ein Ziel setzt – was immer das auch sein mag – und wenn Ihr Euch diesem Lebensziel mit Herz und Verstand verpflichtet, so werdet Ihr gewinnen. Wenn Ihr Euch entschieden habt, was Ihr im Leben erreichen wollt, wenn Ihr Euch nicht durch praktische Schwierigkeiten, die mit Sicherheit auftauchen werden, und auch nicht durch die Warnungen anderer vom gewählten Weg abbringen lasst, wenn Ihr bereit seid, Verantwortung zu übernehmen und hart zu arbeiten –, dann könnt auch Ihr Berge versetzen und Welten bewegen. Auch Ihr könnt etwas gestalten, was nicht nur für die Menschen, denen Ihr Euer Werk widmet, sondern auch für Euch selbst von bleibendem Wert sein wird. Sehr früh zu Beginn meines beruflichen Lebens habe ich mich der Frauenbewegung angeschlossen. Obwohl ich die politischen Konzepte und die Vorgehensweisen vieler frauenbewegter Aktionen oft nicht akzeptieren konnte. Aber obwohl ich oft eigene Wege ging, fühlte ich mich dem Wohlergehen und den Rechten der Frauen verpflichtet. Schon eingedenk des Lebens meiner Mutter, des Lebens meiner Großmutter und des Lebens vieler Frauen der älteren Generation, die ich kannte und deren Talente und Fähigkeiten auf jede mögliche Weise an einer Entfaltung gehindert wurden – nur weil sie Mädchen waren. Ihr Enkelinnen wurdet in eine andere Zeit hinein geboren. Ihr seid unter sehr anderen Bedingungen aufgewachsen als meine Großmutter, meine Mutter und auch ich selbst, die ich den größten Teil meines Lebens im letzten Jahrhundert verbracht habe. Aber Ihr dürft nie vergessen, dass die Frauen meiner Generation viel für Euch erreicht haben. Sie haben lebenswichtige Freiräume für Euch erstritten: Veränderungen im Familienrecht, im Beruf, in der Liebe und im alltäglichen Leben. Ihr habt mehr Rechte, mehr Freiheiten, mehr Möglichkeiten, mehr Chancen, als wir sie je hatten. Und Ihr habt weibliche Vorbilder, die uns so schmerzlich fehlten. Die Frauen von Mailand haben uns gelehrt, „Wie weibliche Freiheit entsteht“. In ihrem gleichnamigen Buch1 haben sie uns gezeigt, wodurch Frauen die Fähigkeit erwerben, die Gesellschaft langfristig mitzugestalten und ein gleichberechtigtes, erfülltes Leben in Familie und Beruf zu führen: Sie erreichen das nur, wenn sie die Leistungen ihrer Mütter und Großmütter, die Werke und Taten ihrer Vorgängerinnen würdigen und anerkennen. Wenn sie sich auf deren Schultern stellen, anstatt sie zur Seite zu boxen, um mehr Platz für sich selbst zu haben. Nur dann kann auf Dauer eine Tradition entstehen, die der weiblichen Kultur und den weiblichen Werten wirksamen Raum verschafft. Nur dann haben Frauen eine Chance, die Gesellschaft langfristig in ihrem Sinne mitzugestalten. Um die Leistungen der „Mütter“ würdigen zu können muss man allerdings etwas über sie wissen. Und auch das war etwas, was den Frauen meiner Generation vorbehalten blieb. Wir wussten nichts über die vielen Frauen, die in vorausgegangenen Jahrhunderten im praktischen Leben, in der Politik, in allen Künsten, in der Wissenschaft, und selbst in Mathematik und Naturwissenschaften hervorragende Leistungen erzielt haben – und das trotz widriger Umstände, trotz Berufs- und Bildungsverbot, trotz Ausgrenzung aus allen nicht häuslichen Lebensbereichen. Wir wussten nichts über sie. In der männlichen Geschichtsschreibung und in den männlichen Traditionen kamen Frauen nur als Mütter und Töchter, als Ehefrauen oder als Animateurinnen in der leichten Unterhaltung vor. Es waren Eure Großmütter, die die verborgenen Schätze der weiblichen Errungenschaften gehoben, die nicht nur fundierte wissenschaftliche Kritik an dem einäugigen Blick der männlichen Wissenschaftler und Forscher geübt, sondern ihnen und vor allem uns Frauen das zweite Auge geöffnet haben2. Unzählige Werke der Anthropologie, der Geschichtsschreibung, der Kunstgeschichte, der Philosophiegeschichte, der Literaturwissenschaften sind in den 70ger, den 80ger, und den 90ger Jahren und auch in diesem Jahrhundert von Wissenschaftlerinnen und Journalistinnen geschrieben worden. Sie haben die kulturellen und politischen Leistungen der Frauen vergangener Jahrhunderte ans Licht gebracht und sie vor dem Vergessen bewahrt. Mein Werk ist ein kleines Werk. Nicht zu vergleichen mit dem, was eine Anita Augspurg, eine Luise Otto Peters, eine Hedwig Dohm oder eine Helene Lange geleistet haben (wenn Ihr die Namen nicht kennt – unbedingt bei Google nachsehen!). Die von mir gegründeten Organisationen, die EAF e.V. und die Femtec GmbH, leisten nur einen kleinen Beitrag zur Durchsetzung von mehr Geschlechtergerechtigkeit in unserer Gesellschaft. Aber ihr Beitrag ist ein ganz besonderer. Um sie und ihre Gründerinnen vor dem Vergessen zu bewahren, schreibe ich dieses Buch. Auch wenn Ihr heute mehr Rechte und mehr Möglichkeiten habt, Euer Leben weitgehend selbstbestimmt gestalten könnt, so gibt es doch noch immer viel zu tun. Sowohl was die Lebensbedingungen vieler Frauen und Kinder anbelangt, als auch, was den Zustand der Welt und unserer Gesellschaft im Ganzen betrifft. Es bleibt noch viel zu tun um der Welt ein menschenfreundliches, ein tolerantes und ein gerechtes Aussehen zu ge-ben. Euer Engagement, Eure Kraft, Eure Verantwortung für die Menschen ist gefragt. Mein Bericht soll Euch stärken und Euch ermutigen, Euch als starke Mädchen und als starke Frauen in Eurer Zeit dafür einzusetzen, dass die Welt ein menschlicheres Gesicht bekommt. Da sich mein folgender Bericht aus vielen Gründen nicht an eine genaue Chronologie der Ereignisse halten kann und damit es Euch bei der Lektüre des Haupttextes leichter wird, die jeweiligen Ereignisse einzuordnen, möchte ich Euch zunächst einen kurzen Überblick über die wichtigsten Stationen bei der Gründung und beim Aufbau der EAF und der Femtec geben.

2. Die kurze Geschichte von EAF und Femtec

Als Professorin in Berlin, von 1972 bis 1980 an der Pädagogischen Hochschule (PH) und seit 1980 am Fachbereich Erziehungs- und Sozialwissenschaften der Technischen Universität Berlin (TUB), hatte ich schon mehrere frauenpolitische Initiativen gestartet: die Gründung der Arbeitsstelle Sozial-Kultur-und Erziehungswissenschaftliche Frauenforschung an der TUB; die Veranstaltung von Vortragsreihen und Konferenzen3 – zuletzt 1989, zur Feier des 70. Geburtstags des Frauenwahlrechts in Deutschland, im Berliner Reichstag Vater Staat und seine Frauen –; die Initiierung von Entwicklungsprojekten, unter anderem zur Einrichtung eines Frauen-Studienganges an der TUB und nicht zuletzt die Durchführung von Forschungsprojekten, u.a. das DFG-Projekt, Frauen mit Macht, welches die Besonderheiten der ersten mehrheitlich mit Frauen besetzten deutschen Landesregierung, des so genannten „Frauensenats“ von Berlin (1988-1998), untersuchte. All diese wissenschaftlichen Aktivitäten hatten mir wichtige Einblicke in die Politik verschafft und darüber hinaus eine Vielzahl wertvoller Freundschaften und Kontakte zu Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, zu Politikerinnen und Politikern und vor allem auch zu wichtigen Einrichtungen und Programmen der internationalen Frauenbewegung eingebracht. Als ich aus vielerlei Gründen im Jahre 1994 den Entschluss fasste, eine Einrichtung zur Stärkung von Frauen in der Politik zu gründen, wusste ich, dass ich mit zahlreichen Freunden und Beratern und mit zuverlässiger Unterstützung rechnen konnte. Trotzdem war es ein großes Wagnis, ohne Geld und ohne institutionelle Förderung ein eigenes, wenn auch kleines Unternehmen zu gründen. Der Zeitpunkt musste stimmen, und ohne geeignete Mitkämpferinnen würde es auch nicht gehen. Aber beides stellte sich ein. Anfang des Jahres 1994 fand sich eine Projektgruppe zusammen, die die FDP-Politikerin Hildegard Hamm-Brücher als nächste Bundespräsidentin sehen wollte. Die Wahl des Bundespräsidenten stand für den Mai 1994 an. Im Zuge der Kampagne für Hildegard Hamm-Brücher (Kap. II) lernte ich Helga Lukoschat, eine frauenpolitisch engagierte und erfahrene Journalistin kennen und schätzen. Nach Angela Hellstern4, einer Freundin, mit der ich mein Vorhaben bereits ausgiebig diskutiert hatte, wurde Helga Lukoschat ins Vertrauen gezogen. Als Mitkämpferin der ersten Stunde hat sie die EAF von Anfang an begleitet und nach meinem Ausscheiden 2007 meine Nachfolge angetreten. Im Januar 1995 fuhren drei entschlossene Frauen, Angela Hellstern, Helga Lukoschat und ich, zu einem Planungswochenende ins Tagungshotel Netzeband. Wir einigten uns dort auf das Konzept und den Namen des zu gründenden Vereins, sowie auf das weitere Vorgehen. Im Oktober 1995 wurde die Europäische Akademie für Frauen in der Politik e.V. gegründet und ab März 1996 als gemeinnütziger Verein eingetragen. Dass die Vereinsgründung erst im Oktober passierte, lag nicht nur an den bürokratischen Hürden, die wir bewältigen mussten. Wir mussten uns gleichzeitig auch um eine zumindest minimale finanzielle Sicherung kümmern. Das erste Geld verdiente die noch kaum gegründete EAF mit der Einwerbung der Mittel für das Forschungsprojekt Zur SituationvonFrauen in der Politik als Aufgabe politischer Bildungsarbeit beim Bundesbildungsministerium. Mit welch kuriosem Hilfsargument wir den Zuschlag für dieses unser erstes Projekt bekamen, wird in Kapitel IV berichtet. Nach harter Arbeit folgten die nächsten Projekte: 1997-2000 das erste Europäische Projekt, das Trainings-Mentoring- Internship-Projekt Preparing Women to Lead, über das in Kapitel V ausführlich berichtet wird und welches das Vorbild für eine ganze Reihe von Mentoring-Projekten der EAF werden sollte. Mit der sicheren, auf drei Jahre bewilligten Finanzierung durch die Europäische Kommission in Brüssel konnten wir im April 1999    endlich den entscheidenden Schritt wagen: die EAF veranstaltete ihren Gründungskongress. Unter dem Thema Die ganze Demokratie. Frauen für die Zukunft von Politik und Wirtschaft wurde er ein grandioser Erfolg, über den im folgenden ausführlicher berichtet werden wird (Kapitel VII). Noch etwas anderes wurde jetzt möglich. Bisher, d.h. seit den Anfängen im Frühjahr 1995, hatte unsere noch kleine Projektgruppe in den Räumen gearbeitet, die mir als Professorin der TU zur Verfügung standen. Im Oktober erlaubte uns die TU, die mir aus Gründen, über die noch berichtet wird, gewogen war, den Umzug in eine Büroetage in der Jebenstraße, ein für TU-Verhältnisse fürstliches Quartier. Doch jetzt, im Jahre 1999, nachdem unser Gründungskongress so gut aufgenommen worden war und uns ein erstes Projekt mit der Wirtschaft, eingebracht hatte, wagten wir einen weiteren Schritt. Am 1. März 2000    bezog das Team der EAF eigene Räume in der Schumann-straße 5, in Berlin Mitte, in einer damals zwar noch recht schäbigen Umgebung, die aber sehr schnell saniert wurde und heute eine Topadresse ist. Auch dieser Umzug ist durch eine ganz zufällige, ja unwahrscheinliche Unterstützung erleichtert worden, die die Arbeit in den neuen Räumen überhaupt erst möglich gemacht hat. Darüber wird in Kapitel III, in Zusammenhang mit unserem Gründungspaten Helmut Kachel berichtet. Ein gutes Jahr vor dem Umzug in die Schumannstraße wurde am 1. November 1998 der Förderverein der EAF gegründet. Die Schaffung eines Fördervereins der EAF hatte mehrere Gründe: der Trägerverein, die „Europäische Akademie für Frauen in der Politik e.V.“ war im Oktober 1995 nur mit den vom Gesetz vorgeschriebenen sieben Vereinsmitgliedern gegründet und im darauf folgenden Jahr in „Europäische Akademie für Frauen in Politik und Wirtschaft“ umbenannt worden. Uns war klar geworden, dass wir die Lebensbedingungen von Frauen nur verbessern konnten, wenn Veränderungen auch in der Arbeitswelt stattfinden würden. Die EAF erhielt damit einen längeren Namen, der Verein blieb jedoch nach wie vor und bis heute auf die gesetzlich vorgeschriebene Mitgliederzahl beschränkt: drei Vorstandsfrauen und vier Personen, mit denen wir befreundet waren und die sich nicht in unsere Pläne einmischen würden. Wir wollten nicht Gefahr laufen, dass sich Fraktionsbildungen unter Vereinsmitgliedern störend auf die Arbeit des Vereins auswirken könnten. Der Verein selber sollte also eine Arbeitseinheit und daher klein bleiben. Um in der Öffentlichkeit wirksam zu sein und um Kontakte und Unterstützung zu mobilisieren, mussten jedoch mehr Mitglieder an die EAF gebunden werden. Hierfür wurden im Sommer 1996 das Kuratorium und im November 1998 der Förderverein der EAF gegründet. Für das Kuratorium, welches seit seiner Gründung zweimal jährlich tagt, konnten zum Teil hochrangige Frauen und Männer für die EAF gewonnen werden – Ministerinnen und Minister, Gewerkschaftsführer, Verbands- und Unternehmensvorstände –, die die EAF auf besondere Weise unterstützen konnten. Mit Rat und Tat und durch die Vermittlung von Kontakten. Mehr über das Kuratorium und seine Mitglieder findet sich in Kapitel IV. Durch die Gründung des Fördervereins wollten wir aber auch solche Frauen und Männer an die EAF heranführen, die sich für die EAF interessierten, sie unterstützen wollten und in der Lage waren, mehr Zeit einzubringen als die Kuratoriumsmitglieder. Ein Förderverein, der nebenbei einen von mir und meiner Freundin Angela Hellstern lang gehegten Traum wahrmachen könnte, war die richtige Lösung. Ein Förderverein kann unbegrenzt Mitglieder aufnehmen, kann die EAF und ihren Vorstand auf vielerlei Weise unterstützen und – das war der Traum – eine Art Salon bilden, in welchem sich die Freunde und Förderer der EAF zwanglos treffen, unterhalten und vernetzen könnten. Seit seiner Gründung im November 1998 haben der Förderverein und seine zwischen 110 und 140 Mitglieder zahlreiche Clubabende mit wechselnden, aber immer hoch spannenden Programmen für Mitglieder und für Gäste veranstaltet und u.a. dadurch viel dazu beigetragen, dass die EAF bekannt wurde. Neben der Gründung des Kuratoriums (1996) und des Fördervereins (1998) kam dem in vieler Hinsicht einzigartigen Team der EAF eine wachsende Bedeutung zu. Neue Mitarbeiterinnen wurden eingestellt und die EAF bekam nach dem Umzug in die Schumannstraße (März 2000) eine innere Personalstruktur: Helga Lukoschat und Marion Esch wurden zur Geschäftsführerin und stellvertretenden Geschäftsführerin ernannt, Marion Esch zugleich zur Wissenschaftlichen Leiterin der EAF. Für den Bereich Politik und den Bereich Wirtschaft wurden je eine Bereichsleiterin, für die einzelnen Projekte Projektleiterinnen bestimmt. Im Laufe der Jahre und mit der wachsenden Zahl der Teammitarbeiterinnen differenzierte sich die Personalstruktur weiter aus. Immer aber blieb das EAF-Team eine solidarische Gemeinschaft, eine – wenn nicht die wesentliche – Voraussetzung für das Gelingen des Unternehmens „EAF“, ein Schatz der durch nichts zu ersetzen war. Nachdem die organisatorische Struktur festgelegt, das Team um eine Reihe kompetenter Mitarbeiterinnen ergänzt und die Räume, zunächst in der TU, und ab 2000 in der Schumannstraße bezogen waren, blieb nur die Finanzierung der EAF noch lange ungewiss. Von den Anfängen an bis 1999, aber auch danach noch, versuchten wir verschiedene Fördermodelle zu etablieren. Wie zum Beispiel die Gründung eines Fonds zur Unterstützung der professionellen Kompetenz von Frauen für die Politik und eine EAF-Bildungsagentur für Gleichstellungspolitik. Ich reiste landauf und landab auf der Suche nach Förderern und Sponsoren und hielt insgesamt 82 Vorträge, um die EAF bekannt zu machen. Seit 1996 trug auch Helga Lukoschat durch Vorträge zur Bekanntmachung der EAF über Berlin hinaus bei. Erst ab 1999, nachdem wir das erste EU-Projekt („Preparing Women to Lead“, 1997-2000), das erste Projekt mit der Wirtschaft (Wintershall, 1999) und auch einen größeren Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BBFSFJ) akquiriert hatten, konnten wir etwas aufatmen. Wir konzentrierten uns auf die Arbeit und die bestand damals wie heute aus überwiegend drei Bereichen:

der Durchführung von

Workshops, Seminaren

und längerfristigen

Kursen

zur Förderung der Führungsfähigkeit von Frauen in den Bereichen Wirtschaft, Politik und Wissenschaft. Diese Projekte orientierten sich mehr oder weniger an unserem ersten, unserem „Mutterprojekt“

Preparing Women to Lead (1997-2000)

, das die Elemente

Training, Mentoring

und

Internship

kombinierte und Vorbild für viele weitere Projekte wurde (Kapitel V,2);

der Vorbereitung und Durchführung von

Konferenzen,

auf denen zentrale Themen des gesellschaftlichen Wandels und des Beitrags der Frauen zur Lösung sozialer Strukturmängel thematisiert wurden (Kapitel VII);

der Durchführung von

Forschungsprojekten,

die verschiedene Themen der Frauenpolitik und der Geschlechterordnung analysierten und in der Regel als Buch veröffentlicht wurden.

Da die Existenz der EAF in ihren Anfangsjahren völlig von mir und meiner Position als Professorin der TUB abhing, machte ich mich auf die Suche nach einer Organisationsform, die die EAF unabhängig von meiner Person auf Dauer in der Universität verankern könnte. Die Femtec entstand aus dem Bedürfnis heraus, die EAF auf eigene Füße zu stellen. Die Suche gestaltete sich allerdings als außerordentlich schwierig. Mehrere Bitten um einen Termin bei Professor Dr. Hans-Jürgen Ewers, dem damaligen Präsidenten der TUB, mit dem ich verschiedene Möglichkeitene zur Institutionalisierung der EAF besprechen wollte, wurden abgelehnt. Bis mich Marion Esch auf die Idee brachte, eine Gründung als P.P.P., als Private-Public- Partnership5- Organisation zu versuchen und zusammen mit der TUB eine GmbH zu gründen, was im Jahre 2000 gerade möglich geworden war. Die Idee war genial und ihre Umsetzung gelang. Als wir den TU-Präsidenten jetzt um seine Zustimmung zur Gründung einer gemeinsamen GmbH baten, hatte ich bereits drei Wirtschaftspartner für unsere P.P.P. gewonnen: unseren langjährigen Partner, die Wintershall AG, die Siemens AG und die Porsche AG. Mit diesen drei Partnern im Gepäck, die sich vertraglich verpflichtet hatten, für die Dauer von fünf Jahren jährlich DM 100.000. – in das gemeinsame Projekt zu investieren –, wagte ich es, den Präsidenten noch einmal um einen Termin zu bitten. Und der wurde mir prompt gewährt. Der Präsident der TUB willigte in unseren Plan ein und gemeinsam gründeten wir die „Femtec. Hochschulkarrierezentrum für Frauen in Technik und Naturwissenschaften Berlin GmbH"6, eine Organisation, die sich ab dem Jahre 2000 die Förderung ausgezeichneter Studentinnen der Natur-und Ingenieurwissenschaften zum Ziele setzte und zu diesem Zweck anfangs mit drei, heute, im Jahre 2016, mit zehn großen Unternehmen kooperiert. Das Programm der Femtec, über das in Kapitel VI ausführlich berichtet wird, wandte sich zunächst nur an Studentinnen aus Berlin. Es wurde jedoch, gefördert durch das Bundesministerium für Bildung Forschung und Technologie (BMBF), ab 2002 als Femtec.Network auf weitere Technische Hochschulen und Universitäten Deutschlands und auch der Schweiz (auf die Eidgenössische Technische Hochschule, die ETH Zürich) ausgedehnt und schließt heute alle führenden Technischen Universitäten Deutschlands, alle Mitglieder der „TU 9"7, ein. Bis zu meinem langsamen Rückzug aus dem Alltagsgeschäft von EAF und Femtec ab 2005 und meinem endgültigen Ausscheiden als Vorstandsvorsitzende der EAF leitete ich die beiden Vereine, wobei die Femtec meinen Einsatz weniger erforderte, da sie durch langfristige Verträge mit ihren Firmenpartnern über ein gesichertes Budget verfügte. Doch auch über sie, über beide Unternehmungen, vor allem aber über die vielen Initiativen, die zum Aufbau der EAF nötig waren, über die vielen Versuche, Pläne, Fehlschläge, aber auch über die großen Erfolge, von denen manche mit außerordentlich ungewöhnlichen Geschichten verbunden waren, wird in dem vorliegenden Buch berichtet. Und über die vielen Menschen, die bei der Gründung der beiden Organisationen Pate standen und uns vielfach mit Rat und Tat, aber auch mit Geld und Spenden zur Seite standen. Doch ehe ich in die Einzelheiten der Geschichte von EAF und Femtec einsteige, möchte zeigen, was wir aus der Gründungsgeschichte dieser Organisationen lernen können: die Erfolgsrezepte, die beide Vereine vorwärts gebracht und ihnen zum Durchbruch verholfen haben; d.h. aber die Quintessenz meiner Erfahrung, die auch anderen von Nutzen sein kann.

3. Erfolgsrezepte

a. Der Erfolg

Die „Europäische Akademie für Frauen in Politik und Wirtschaft e.V. – EAF“, hat sich seit ihrer Gründung am 30. Oktober 1995 in Berlin trotz mancher immer wieder auftauchender Schwierigkeiten kontinuierlich gut entwickelt – seit 2007 unter Leitung meiner Stellvertreterin und dann Nachfolgerin Dr. Helga Lukoschat. Die EAF belegt heute eine Büroetage von 278m2, beschäftigt insgesamt 19 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und hat einen Jahresumsatz von Euro 1.400.000. Mit ihren bewährten, aber immer präzise auf die jeweilige Klientel zugeschnittenen Förderprogrammen und mit ihren politisch wirksamen Konferenzen kooperiert die EAF mit mehreren Bundesministerien, mit zahlreichen international tätigen Firmen, mit einer Vielzahl von renommierten Vereinen und Verbänden, sowie mit vielen kleinen und mittleren Unternehmen. Die EAF ist in Berlin-Brandenburg wie auch in der gesamten Bundesrepublik unterwegs, und sie bestreitet seit mehreren Jahren verschiedene politisch bedeutsame Programme auch außerhalb Europas. Die „Europäische Akademie für Frauen in Politik und Wirtschaft e.V. – EAF“, hat sich seit ihrer Gründung am 30. Oktober 1995 in Berlin trotz mancher immer wieder auftauchender Schwierigkeiten kontinuierlich gut entwickelt – seit 2007 unter Leitung meiner Stellvertreterin und dann Nachfolgerin Dr. Helga Lukoschat. Die EAF belegt heute eine Büroetage von 278m2, beschäftigt insgesamt 19 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und hat einen Jahresumsatz von Euro 1.400.000. Mit ihren bewährten, aber immer präzise auf die jeweilige Klientel zugeschnittenen Förderprogrammen und mit ihren politisch wirksamen Konferenzen kooperiert die EAF mit mehreren Bundesministerien, mit zahlreichen international tätigen Firmen, mit einer Vielzahl von renommierten Vereinen und Verbänden, sowie mit vielen kleinen und mittleren Unternehmen. Die EAF ist in Berlin-Brandenburg wie auch in der gesamten Bundesrepublik unterwegs, und sie bestreitet seit mehreren Jahren verschiedene politisch bedeutsame Programme auch außerhalb Europas. Die EAF hat sich als zuverlässige Partnerin in allen Fragen von Diversity, Führungsförderung, und bei der Aktivierung und Stärkung von Frauen für die Politik einen Namen gemacht. Sie steht heute bestens da. Die Anfänge der EAF in den Jahren 1994/95 waren demgegenüber – wie bei Anfängen üblich – bescheiden. Vor allem war es völlig unsicher, ob es möglich sein würde, ohne Kapitalgrundlage, ohne einflussreiche Sponsoren, ohne irgendwelche institutionelle Förderung und vor allem ohne irgend ein Vorbild eine so ungewöhnliche Organisation lebensfähig auf die Beine zu stellen. Mein Entschluss, eine Plattform für Frauen in der Politik ins Leben zu rufen, stand jedoch fest. Die wichtigsten Faktoren, die das Gelingen einer so ungewöhnlichen Organisation wie der EAF möglich machten, möchte ich daher zusammenfassend benennen. Der nachfolgende Bericht wird dann die Entfaltung dieser Faktoren enthalten, die in ihrer Gesamtheit die Dynamik und den Erfolg der Gründungsjahre der EAF ausmachten.

b. Der Entschluss

Die wohl wichtigste, auf alle Fälle die erste Stufe zum Erfolg muss der Entschluss sein, etwas zu schaffen. Ihr müsst ein Ziel haben, eine Aufgabe, die Euch sehr am Herzen liegt und für die Ihr bereit seid, vieles andere aufzugeben – eine Vision! Die wird Euch wie eine Aura umgeben und andere Menschen anstecken. Sie wird immer wieder andere davon überzeugen, dass Eure Sache eine gute Sache ist und sie womöglich zur eigenen Sache zu machen. Als ich die EAF schon gegründet hatte und sie bereits mehrere Jahre eifrig betrieb, stieß ich auf ein Gedicht von Goethe, welches ich dem Bericht über die Gründung der EAF vorangestellt habe: In dem Augenblick, in dem man sich endgültig einer Aufgabe verschreibt, bewegt sich die Vorsehung auch. Das heißt natürlich nicht, dass nach einer grundsätzlichen Entscheidung alles von selbst liefe. Eine ganze Reihe von Anstrengungen, die Euch abverlangt werden und Regeln, die Ihr befolgen müsst, um Erfolg zu haben, kommen unvermeidlich hinzu. Über einige von ihnen wird in den folgenden Erfolgsrezepten die Rede sein. Vor allem aber muss der Entschluss unumstößlich sein und von der Art, dass auch widrige Umstände und schmerzhafte Enttäuschungen einen nicht von ihm abbringen können. Man muss an sein Vorhaben glauben – nur dann kann man erwarten, dass auch andere es tun.

c. Das Team

Große Dinge kann man nicht alleine verrichten. Man braucht Partnerinnen und Partner, Mitstreiterinnen und fähige Menschen, die einen unterstützen. Sehr bald fand ich mit Helga Lukoschat eine ebenso entschlossene Mitstreiterinnen, die im Verlaufe dieses Berichtes noch genauer vorgestellt werden wird. Sie und Angela Hellstern bildeten mit mir den harten Kern eines Teams, das ich bald um außerordentlich fähige, engagierte und loyale Mitarbeiterinnen ergänzen konnte. Viele von ihnen kannte ich durch meine Tätigkeit als Hochschullehrerin an der Technischen Universität; später kamen Mitarbeiterinnen hinzu, die wir über Ausschreibungen eingeworben hatten. Aber bei allen Personalentscheidungen galt eine strikte Regel: die Anwärterinnen mussten überdurchschnittliche Fähigkeiten mitbringen und sie mussten von den Zielen und dem Konzept der EAF überzeugt sein. Fähigkeit, Loyalität und Engagement waren die Kriterien, nach denen wir unser Team zusammenstellten, gegebenenfalls aber auch jemanden entließen. Denn auch ein noch so fest gefasster Entschluss hätte den Erfolg einer so prekären Neugründung, wie die EAF es war, nicht sicherstellen können, wenn es nicht unser hoch motiviertes, hoch talentiertes und in einzigartiger Solidarität geeintes Team gegeben hätte. Jede einzelne unserer Mitarbeiterinnen war der EAF mit Herz und Verstand verbunden, und die wenigen Anwärterinnen, bei denen das nicht der Fall war, schieden sehr bald aus unserem Unternehmen aus. Aus eigener Einsicht zumeist, oder auch durch Beschluss des Vorstands, der sorgfältig darüber wachte, dass die freundschaftlich-kollegiale innerbetriebliche Kommunikation und die auf Qualität ausgerichtete Arbeitsmoral unserer Truppe nicht gefährdet wurde. Jede und jeder aus dem Team erhielt in den regelmäßig stattfindenden Personalgesprächen Rückmeldung über ihre/seine Stärken und Schwächen und mindestens einmal im Jahr gab es ein Supervisionswochenende mit uns vertrauten Trainerinnen oder Trainern, auf dem etwaige Probleme und Konflikte, sowie Wünsche und Vorschläge der Mitarbeiterinnen behandelt wurden und auf dem die Jahresplanung und die Arbeitsverteilung der kommenden Monate mit dem gesamten Team besprochen und festgelegt wurden. Alle diese Maßnahmen, die den Alltag und die Arbeit der EAF von Anfang an bestimmten, sowie möglicherweise auch die Tatsache, dass mir viele der ersten Mitarbeiterinnen der EAF persönlich bekannt und verbunden waren, haben dazu beigetragen, dass sich in der EAF ein Team herausbildete, das an Kompetenz, an Einsatzbereitschaft und an freundschaftlicher Verbundenheit nicht zu überbieten war. Ein besonders bemerkenswertes Beispiel dafür, wie Mitarbeiterinnen der EAF für einander einstanden, wird in Kapitel VIII berichtet.

d. Das Programm

Das Programm der EAF war die Ware, die wir anboten und für die wir Käufer suchten: Behörden, Unternehmen, politische Parteien, die unsere Kursangebote buchen und Geldgeber, die uns Fördermittel für unsere wissenschaftlichen Untersuchungen und für unsere Konferenzen bewilligen sollten. Vor der Eröffnung eines normalen Geschäftes, das auf wirtschaftlichen Gewinn aus ist, stellt man üblicherweise Marktforschung an. Auch wir haben für unsere etwas anderen Verkaufsangebote Marktforschung betrieben. Im Jahre vor der Gründung der EAF besuchte ich die USA um die Programme zu erkunden, die von amerikanischen Wissenschaftlerinnen und Organisationen für ihr weibliches Klientel angeboten wurden, und entdeckte dadurch erhebliche „Marktlücken“ bei den Aktivitäten der deutschen Frauenbewegung. Es gab keine Angebote für Frauen in Führungspositionen und für solche, die dahin kommen wollten. Außerdem hatten wir dem ersten Training-Mentoring– Programm der EAF vor seiner Beantragung bei der EU Kommission eine wissenschaftliche Untersuchung – „Zur Situation von Frauen in der Politik – FIP“ (Kapitel V, 1) – vorgeschaltet, durch welche der Bedarf deutscher Politikerinnen an für sie passende Unterstützungsmaßnahmen ermittelt wurde. Obwohl der Zeitpunkt, zu dem die EAF sich anschickte, ihren Beitrag zur Stärkung von Frauen in Führungspositionen zu leisten, eher biografisch bestimmt war, schien er perfekt gewählt worden zu sein. Die neue deutsche Frauenbewegung hatte ihre erste wirksame Welle über die politische Landschaft geschickt. Sie hatte tiefgreifende Veränderung auch im öffentlichen Bewusstsein bewirkt und eine Reihe neuer Einrichtungen geschaffen. Frauenhäuser gab es in fast allen großen Städten; fast alle Kommunen, Hochschulen, Verwaltungen und viele große Unternehmen hatten Frauenbeauftragte eingestellt, die der Benachteiligung von Frauen in ihren jeweiligen Bereichen entgegenwirken sollten. Die politische Begründung, die zu diesen Veränderungen geführt hatte, war die Einsicht, dass Frauen über Generationen hinweg sozial, ökonomisch und beruflich benachteiligt worden waren. Jetzt sollte Abhilfe geschaffen werden. Frauen-Selbsthilfegruppen entstanden, zahlreiche Förderprogramme nahmen sich insbesondere der unterprivilegierten Mädchen und Frauen an, und Parteien führten eine Quote bei der Vergabe von Listenplätzen und Führungspositionen ein. So sinnvoll und wichtig diese Initiativen waren und so sehr sie dazu beitrugen, Ungerechtigkeiten entgegenzuwirken, so wenig überzeugend schien mir die mit ihnen verbundene politische Begründung. Diese bezog sich überwiegend auf moralische Argumente – Gerechtigkeit auch für Frauen –, und das Einklagen der Bürgerrechte – Libertée, Egalitée, Fraternitée –, die für den männlichen Teil der Gesellschaft im Zuge der französischen Revolution erobert, für Frauen aber nicht umgesetzt worden waren. Frauen waren nicht mitgemeint in der „Déclaration des Droits des Hommes et des Citoyens“. Erst im 20. Jahrhundert erhielten Frauen das Wahlrecht, das Recht auf Bildung, erst gegen Ende des 20. Jahrhunderts wurden sie auch im bürgerlichen Recht den Männern gleichgestellt. Trotzdem schien mir die Konzentration auf die Benachteiligung der Frauen als politische Begründung unbefriedigend. Sie bezog sich nicht auf die Alltagsbedingungen und die Lebensumstände von Frauen und wurde dem spezifischen Wert und der gesellschaftlichen Bedeutung der Frauen nicht gerecht. Vor allem berücksichtigte sie nicht die Veränderungen, die sich im Verlauf des 20. Jahrhunderts in der Lebensweise von Frauen und von Männern ergeben hatten. Noch so viele Gleichstellungsforderungen und noch so viel „Sozialarbeit" für Frauen würden die strukturellen Gegebenheiten, die immer wieder Ungleichheiten hervorbrachten, nicht beseitigen. Lange Jahre des Forschens und Lehrens über die Geschichte und die Natur des Geschlechterverhältnisses hatten mir in den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts eine andere, eher systemische Sicht auf das Problem Frauen und Gesellschaft eröffnet8, nicht zuletzt weil in der Bundesrepublik inzwischen erste Stimmen laut geworden waren, die vor einer desaströsen Bevölkerungsentwicklung warnten, sollte die Geburtenrate in Deutschland so niedrig bleiben, wie sie derzeit war. Die EAF bezog ihre Legitimation nicht aus der Opferrolle der Frauen, sondern aus dem bedeutsamen Beitrag, den Frauen unter den Bedingungen von Fachkräftemangel und Bevölkerungsrückgang für die Gesamtgesellschaft zu leisten in der Lage wären. Sofern ihnen ermöglicht würde, Mütter und Berufsfrauen zugleich zu sein. Im Interesse der noch immer schwierigen Vereinbarkeit von Beruf und Familie mussten Strukturveränderungen ins Auge gefasst werden. Mehr Frauen in Führungsund Entscheidungspositionen müssten dazu beitragen, dass solche Strukturveränderungen in Angriff genommen würden9. Die EAF würde mit ihren Programmen und Projekten dazu beitragen, dass Frauen mit Führungspotenzialen darin bestärkt würden, Einfluss zu nehmen und Änderungen zum Nutzen und im Sinne aller Gesellschaftsmitglieder – von Frauen und Männern und Kindern – voranzutreiben. Diese frauenpolitische Kehrtwende, mit der die EAF ihre Projekte und Programme begründete, verschaffte ihr Zugang zu vielen neuen und einflussreichen Partnern aus Politik und Wirtschaft. Auch zu männlichen Entscheidungsträgern, die die Tragweite unseres neuen Ansatzes und die Gefahren einer kinderarmen Zukunft verstanden hatten, bekamen wir aufgrund unserer frauenpolitischen Ausrichtung immer besseren Zugang. Was die Chancen der EAF, Projekte zu akquirieren und ihre Programme umzusetzen, beträchtlich erhöhte, uns aber nicht unbedingt das Lob und die Anerkennung manch anderer feministischer Gruppen einbrachte. In der politischen Situation der neunziger Jahre des 20. Jahrhunderts, waren die Möglichkeiten der traditionellen, überwiegend auf die soziale Situation von Frauen ausgerichteten Förderpraxis zwar nicht überflüssig geworden, aber in ihrer politischen Wirksamkeit ausgereizt. Hier schlug die EAF eine neue Form der Frauenförderung vor. Diese zielte auf die Professionalisierung von Frauen und auf die Veränderung überholter Strukturen, wobei auch der Einbeziehung von Männern als Teil der notwendigen institutionellen Veränderungen große Bedeutung zukam. Die EAF eröffnete damit eine neue Phase der Geschlechterpolitik, welche darauf aus war, Frauen in allen Bereichen der Gesellschaft endlich zu dem ihnen zustehenden Einfluss zu verhelfen.

e. Kontakte und Verbindungen – Networking

Um ein neues Unternehmen – welcher Art es auch sei – zu gründen, braucht Ihr Verbindungen. Ihr müsst den Markt, die Konkurrenz, aber auch das soziale, ökonomische oder, wie in unserem Fall das politische Umfeld kennen, in das hinein Ihr wirken wollte. Ihr müsst Leute kennen und diese dazu bringen, Euch noch mehr Leuten vorzustellen. Ihr müsst „Networken“, wie man das heute nennt, wie das Erfolg suchende Unternehmensgründer aber schon immer getan haben. Diesbezüglich hatte die EAF durch meine langjährige Berufstätigkeit einen enormen Vorteil. Denn das frauenpolitische Konzept und die auf dieses bezogenen Programme und Projekte der EAF allein hätten uns nicht zu dem Erfolg geführt, den die EAF letztendlich erzielen konnte. Viele der einflussreichen Menschen, die ich kennen gelernt hatte, und auch die Verbindungen, die Helga Lukoschat während ihrer Zeit als Journalistin und als Mitarbeiterin einer im Bundestag vertretenen Partei knüpfen konnte, trugen nicht unwesentlich zum nachhaltigem Erfolg der EAF bei. Meine langjährige Tätigkeit als Hochschullehrerin, meine zahlreichen politischen und frauenpolitischen Forschungsprojekte, und die viel beachteten Konferenzen, die ich seit den achtziger Jahren zu verschiedenen Themen der Frauenkultur und der Frauenpolitik durchgeführt hatte, hatten mich mit vielen hochinteressanten Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen, Politikern und Politikerinnen zusammengebracht. Ich hatte sie und sie hatten mich über die gemeinsame Arbeit schätzen gelernt. Viele von ihnen haben die EAF von ihren Anfängen an unterstützt, oder sie vermittelten uns die Kontakte, die wiederum für den Aufbau der EAF lebensnotwendig waren. Viele gehörten später den Gremien der EAF an. Auch hätte die EAF wohl kaum die ersten schwierigen Jahre ihrer Existenz überdauern können, wären uns nicht nach einem denkwürdigen Telefongespräch mit einem Unternehmer, der mir durch einen Freund und Förderer der EAF empfohlen worden war, am 4. März des Jahres 2000 die gesamte Ausstattung unseres ersten eigenen EAF-Büros – Schreibtische, Stühle, Konferenztische und Bücherregale – als Spende zur Verfügung gestellt worden (Kapitel III.). Hätte sich nicht eine der besten Wirtschaft-und Personalberaterinnen der Bundesrepublik bereit erklärt, für ihre brillanten Trainings für die EAF auf jegliches Honorar zu verzichten (Kapitel III,4), hätten wir mit Sicherheit nicht die für die EAF typische hohe Qualität unserer Trainingsangebote erzielen können. Und hätte uns nicht ein Bundesministerium in den Anfangsjahren der EAF durch eine auf fünf Jahre dimensionierte Fördervereinbarung eine erste langfristige Grundsicherung zugesagt, wären unsere Überlebenschancen sicher weitaus geringer gewesen. Und schließlich hat vor allem die Technische Universität Berlin die Entstehung und den Aufbau der EAF erst ermöglicht: durch die Bereitstellung von Räumen, durch meine Freistellung für den Aufbau der EAF – bei halbem Lehrdeputat und vollem Gehalt –, durch die Vorfinanzierung unserer EU-Projekte, durch die Übernahme von Kommunikationskosten und von Kosten für Büromaterialien und durch viele kleinere und größere Unterstützungsaktionen (siehe Kapitel III). Die „Paten“ der EAF, die Art ihrer „Geburtshilfe“ und die Umstände, unter denen sie zu Paten wurden, gehören daher unbedingt in einen Bericht über die Entstehung der EAF. Ihr Einsatz für die EAF und ihr jeweiliger Beitrag zu deren Zustandekommen wird in Kapitel III dieses Berichts gewürdigt.

f. Presse- und Öffentlichkeitsarbeit