Erfolgreich in der Nachhilfe - Peter Matthä - E-Book

Erfolgreich in der Nachhilfe E-Book

Peter Matthä

0,0

Beschreibung

Dieser Ratgeber ist der Tätigkeit des Nachhilfelehrers gewidmet und beschreibt die Herausforderungen im alltäglichen Unterricht und wie man ihnen begegnet.Den Schwerpunkt bildet das erfolgreiche Training von Schülern insbesonders die Vorbereitung auf schriftliche und mündliche Prüfungen.Ebenso angesprochen werden die finanziellen und sozialrechtlichen Aspekte dieser Tätigkeit.

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern
Kindle™-E-Readern
(für ausgewählte Pakete)

Seitenzahl: 95

Veröffentlichungsjahr: 2013

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Peter Matthä

Erfolgreich in der Nachhilfe

Ein Ratgeber für Nachhilfelehrer

 

 

 

Dieses ebook wurde erstellt bei

Inhaltsverzeichnis

Titel

1. Warum eigentlich Nachhilfe?

2. Der erste Tag

3. Die Zusammenarbeit mit seinen Nachhilfeschülern

4. Was sich Eltern von der Nachhilfe erwarten

5. Herausforderungen und Stolpersteine

6. Geld und Recht *

7. Der Chef und die Büroleiterin

8. Die Kollegen und Lehrer an den Schulen

9. Trends in der Nachhilfe

10. Did you know that ?

11. Facts and Figures

12. Anhang

Impressum neobooks

1. Warum eigentlich Nachhilfe?

In früheren Zeiten, beispielsweise im 19. Jahrhundert, war die Wissensvermehrung durch Hauslehrer vor allem in Familien der Oberschicht oder des Adels der Hauptaspekt der „Nachhilfe“. Heutzutage geht es hauptsächlich darum Wissensdefizite jeglicher Art aus dem Schulunterricht zu kompensieren und so ein besseres Verständnis des Lehrstoffs und damit wiederum positive Noten in der Schule zu erreichen.Obwohl am Beginn des 21. Jahrhunderts die Verfügbarkeit des Wissens weiter rasant zunimmt und der Zugang durch die neuen Medien ebenfalls ständig verbessert wird wächst die Nachfrage nach außerschulischen Lernangeboten weiter an.

Für die Inanspruchnahme von Nachhilfe gibt es mannigfaltige Gründe wie eine Studie der Universität Wien aus dem Jahr 2003 zeigt.1 Am häufigsten wurde der Wunsch nach besseren Noten genannt. Schwieriger Lernstoff und mangelnde elterliche Unterstützung nahmen den zweiten Rang ein, gefolgt von mangelndem Verstehen im Unterricht in den Gegenständen Englisch und Mathematik.

Was verbirgt sich dahinter?

Wunsch nach besseren Noten

Der Wunsch nach Anerkennung bei Eltern, Freunden, Mitschülern und Lehrern

Der Aufstieg in die nächste Klasse soll gewährleistet sein

Selbstbestätigung für den einzelnen Schüler etwas positiv geschafft zu haben

Bei einer positiven Note auch das Bewusstsein den durchgenommenen Stoff verstanden zu haben

Schwieriger Lernstoff

Der Lernstoff ist für den Schüler unverständlich

Der Vortrag des Lernstoffs erfolgt zu schnell

Es wird nicht oder nicht ausreichend erklärt

Die Menge des durchgenommenen Lehrstoffs während einer Einheit erscheint als zu groß

Der Schüler hat Mängel bei den notwendigen Vorkenntnissen

Unterschiedliche Lerntypen

Visueller Lerntyp

Bei diesem Lerntyp können sich Schüler am besten die Informationen einprägen, die über den optischen Kanal, sprich über das Sehen übermittelt werden.

Auditiver Lerntyp

Diesen Schülern fällt es leicht sich Dinge zu merken, die sie gehört haben. Das zählt für die Erklärungen eines Lehrers ebenso, wie für das eigene Mitsprechen.

Haptisch - motorischer Lerntyp

Bei Schülern, die sich Inhalte vor allem über motorische Abläufe merken können, bietet es sich an, sie die Lösungswege selbst ermitteln zu lassen. Durch Nachahmen und anschließendem eigenen Experimentieren erzielen diese Schüler den größten Lerneffekt.2

Mangelnde elterliche Unterstützung

 Die Gründe dafür können ebenfalls vielfältiger Natur sein: Manche Eltern haben auf Grund ihrer Belastung als Doppelverdiener oder Alleinerzieher nur geringe Zeitressourcen zu Verfügung um ihr Kind beim Lernen zu unterstützen. Ein weiterer Grund kann sein, dass die Eltern eigene Wissenslücken vor ihrem Nachwuchs „kaschieren“ wollen und deshalb mit ihrem Kind nicht lernen können. Oft nehmen auch jüngere Geschwister die Eltern „über Gebühr in Anspruch“. Manchmal ist es aber auch schlicht Desinteresse an der Ausbildung des Kindes oder sogar Neid auf die „besseren“ Chancen der eigenen Sprösslinge (auch das gibt es!). Häufig anzutreffen ist auch die Einstellung, dass man mittels Nachhilfe reines Wissen, Zuneigung oder Disziplin käuflich erwerben kann. Dies geschieht dann oft nach dem Motto „ Ich zahle ja für eine Dienstleistung“.

Mangelndes Verstehen im Unterricht und die möglichen Ursachen:

Der Klassenverband mit einem hohen Anteil von Schülern mit nichtdeutscher Muttersprache

Akustik

Organische Ursachen beim einzelnen Schüler

Pubertät

Eine Ablehnung des Gegenstandes an sich, des Schultyps oder des Lehrers als Person

Legasthenie (Lese - Rechtschreibstörung)

Dem Schüler fällt es schwer Texte zusammenzufassen, es werden einzelne Buchstaben verwechselt, Wörter, Silben oder einzelne Buchstaben werden hinzugefügt oder weggelassen, in der Grammatik werden viele Fehler gemacht.3

Auszüge einer Studie der Arbeiterkammer Österreich aus dem Jahr 2010, in der die Situation der Nachhilfe und ihrer Protagonisten in Österreich beschrieben wird, ebenso wie Erkenntnisse aus einer Studie zum Stand der Nachhilfe in Deutschland (inclusive eines internationalen Vergleichs mit ausgewählten Ländern) finden sich im Kapitel “ Did you know that? “.

2. Der erste Tag

Nachdem ich einige Jahre erfolgreich Nachhilfe in Englisch und Deutsch gegeben hatte schien es an der Zeit zu sein, mein erworbenes Wissen bei einem Nachhilfeinstitut einzubringen und damit etwas mehr Geld zu verdienen.War ich bis dahin nur den meist höflichen Fragen eines Schülers und oft auch seiner wissbegierigen Mutter ausgesetzt waren es nun zumindest 4 Schüler die mich ungeniert mit ihren Fragen „löcherten“.

Hier ein kurzer Auszug: „Wie heißt eigentlich der japanische Ministerpräsident?“ - (wusste ich nicht). „Wurde McDonalds eigentlich in den USA gegründet?“ - (Ja). „Wie rechnet man Grad Celsius in Grad Fahrenheit um?“ - (Die Formel dafür steht im Langenscheidt Schulwörterbuch bzw. hier: Celsius in Fahrenheit: ° C x 1.8 + 32. Währenddessen gaben mir die Schüler ihre Texte zum Korrigieren und die Büroleiterin versuchte zwischendurch noch organisatorische Details mit mir abzuklären. Dann wurde meinem Kurs auch noch ein neuer Schüler zugeteilt der an diesem Nachmittag gerade „ in Stimmung war“ meine Dienste in Anspruch zu nehmen.

Nachfolgend will ich zeigen wie man in solchen Situationen die „Oberhand“ behält und sich nicht das Zepter aus der Hand nehmen lässt ohne dabei zu dominant aufzutreten - Etwas Dominanz zur richtigen Zeit hat allerdings auch noch nie geschadet!

Vorweg noch zwei Bemerkungen: Meine Erfahrungen beziehen sich auf den Unterricht mit Jugendlichen im Alter von 12 bis 19 Jahren und auf den Unterricht von Erwachsenen.

Dieses Buch soll auch dazu beitragen meinen Kollegen mit keiner oder nur geringer Berufserfahrung einige schmerzliche Enttäuschungen zu ersparen die ich am Anfang der Tätigkeit und auch später noch machen musste.

Merke: Der erste Eindruck zählt!

Geplanter Ablauf einer ersten Unterrichtseinheit in einem vorgegebenen Zeitrahmen

14.00 Uhr – 15.30 Uhr90 Minuten

14.00 Uhr

Begrüßung und kurze Vorstellung der eigenen Person

Wichtige Daten der Schüler notieren: Name, Schulstufe, Schule und Name der Lehrkraft (für eine etwaige spätere Kontaktaufnahme).Am wichtigsten aber sind die Notizen zu den einzelnen Fragen der Schüler. Wenn man diese Informationen gesammelt hat kann man sich gegebenenfalls zu Hause bereits die richtigen Übungs- oder Merkblätter vorbereiten.

In der ersten Stunde eines Kurses ist es auch wichtig sich etwaige Abwesenheiten (Exkursionen, diverse andere Schulveranstaltungen) zu notieren und diese, falls sie nicht ohnehin bekannt sind, der Büroleiterin mitzuteilen. Dies erleichtert die Planbarkeit der folgenden Kurse ungemein.

Ebenso sollte man sich alle bereits fixen Termine der Schularbeiten (SA) notieren um vor diesen mit den Schülern ausreichend Probeschularbeiten absolvieren zu können.

Dann geht´ s richtig los!

Welche konkreten Probleme oder Fragen hat jeder einzelne Schüler in der Gruppe? Diese liegen meist im Bereich der Grammatik, Textproduktion oder der Aussprache. Am besten ist es natürlich, wenn der Schüler sein Problem genau benennen kann bzw. konkrete Fragen stellt. Hier sollte man als Nachhilfelehrer besonders aufmerksam zuhören und den Ausführungen der Schüler kein Zeitlimit setzen, wobei Notizen hilfreich sein können um bei vielen Schülern nicht den Überblick zu verlieren. Für diese Aufzeichnungen gibt es bei manchen Nachhilfeinstituten Vordrucke die man zwecks Einheitlichkeit auch verwenden sollte. Ältere Schüler hingegen können ihr Problem meist recht genau beschreiben.

Bewährt hat sich auch eine einleitende Textproduktion (TP) wie bspw. “My last Summer Holidays“ mit je nach Schulstufe variabler Wortanzahl. Diese dient dazu den Schüler einen Text zu einem halbwegs neutralen Thema schreiben zu lassen der sehr aufschlussreich sein kann. Man kann sich ein Bild über die TP allgemein machen sieht aber auch sofort Schwächen in der Rechtsschreibung oder der Grammatik sowie Mängel beim Wortschatz. Hier ist es am Anfang besonders wichtig die entsprechende Schulstufe des Schülers zu berücksichtigen, da sie genau darüber Auskunft geben kann was der Schüler bereits gelernt hat bzw. schon wissen sollte. Dieser Text wird dann auch korrigiert und mit dem Schüler besprochen. Ebenso sollten alle von den Schülern geschriebenen Texte ebenfalls korrigiert werden.

15.15 Uhr

Es bleiben noch 15 Minuten bis zum Ende der Unterrichtseinheit - also auf die Zeit achten! In der verbleibenden Viertelstunde kann man entweder die Schüler „normal“ weiter arbeiten lassen oder etwa schwierige Sachverhalte kurz wiederholen, ein Quiz oder ähnliches machen. Ganz wichtig ist es aber die im Laufe der UE aufgetretenen Fragen zu beantworten um die Schüler mit möglichst wenig Unklarheiten aus dem Unterricht zu entlassen. Auch dient dieser Zeitraum dazu die aufgegebene Hausübung, falls notwendig, noch einmal zu besprechen.

15.25 Uhr

Verabschiedung von den Schülern mit freundlichen Worten – Be positive!

15.30 Uhr Kursende - Pause machen nicht vergessen!

Da jetzt häufig von Fragen aller Art die Rede war soll jetzt noch eine besondere Kategorie kurz angesprochen werden nämlich jene die die eigene Person betreffen.

Als Nachhilfelehrer hat man natürlich auch eine gewisse Vorbildfunktion seinen Schülern gegenüber besonders was das Auftreten und das Erscheinungsbild auch außerhalb des Nachhilfeunterrichts betreffen. Um von seinen Schülern auch respektiert zu werden sollte man sich nicht zu kumpelhaft geben oder versuchen, sich wie auch immer, bei seinen Schülern anzubiedern. Solche Verhaltensweisen könnten einem besonders von jüngeren Schülern als Schwäche ausgelegt werden. Fragen zu Alter, Ausbildung, Familienstand und Hobbys sollten ohne weiteres beantwortet werden. Kritisch hingegen kann es bei Fragen zu finanziellen Angelegenheiten oder beispielsweise dem eigenen Alkoholkonsum werden. Hier sollte man, wenn überhaupt, nur sehr diplomatisch antworten (auch wenn man nichts zu „verbergen“ hat).

Eine Frage die ebenfalls gerne gestellt wird ist warum man eigentlich Nachhilfe gibt. Hier wollen fast alle Schüler hören, dass man es nicht nur wegen des Geldes macht, sondern einem tatsächlich etwas an den Schülern und dem unterrichteten Gegenstand liegt (in dieser Reihenfolge).

Dies sollte, wenn möglich, auch der Wahrheit entsprechen denn etwas anderes lässt sich auf Dauer ohnehin nicht durchhalten.

3. Die Zusammenarbeit mit seinen Nachhilfeschülern

Als Kernelement der Zusammenarbeit kann man den Aufbau einer funktionierenden Beziehung zu seinen Schülern betrachten.

Merke: Funktionierende Beziehung zum Schüler aufbauen

Ist dieser erst vollbracht läuft meist alles wie am Schnürchen und die ersten Erfolge in Form von positiven Noten stellen sich ein. Die Atmosphäre soll frei von Angst gehalten werden ebenso ist ein ständiges Motivieren der Schüler Voraussetzung. Motivation bedeutet hier in erster Linie Lob und Anerkennung für den Schüler durch die NH - Lehrer bei positiven Leistungen. Viele NH - Institute haben dafür ein internes Anerkennungssystem aus „Naturalien“ wie bspw. Broschüren, Süßigkeiten,... Der Fantasie sind hier keine Grenzen gesetzt! Auch das „öffentlich machen“ der positiven Leistungen mittels Anschlagtafeln hat sichbewährt. Unbedingt notwendig sind die Erwähnung eines Erfolges des Schülers beim schriftlichen Elternkontakt und dessen genaue Beschreibung, so dass sich auch die Eltern ein genaues Bild machen können. Der Schüler mit den meisten positiven Noten innerhalb eines Monats wird „Der Aufsteiger des Monats“ - Negative Leistungen werden nicht publik gemacht! Natürlich muss dafür ein gewisser Zeitraum zur Verfügung stehen. Drei bis vier Wochen in denen man seine Schüler einmal pro Woche für jeweils zwei Stunden sieht reichen dafür sicherlich nicht. Hier bedarf es schon einer längerfristigen Zusammenarbeit. Ein weiteres wichtiges Element ist das Vermitteln von „Sicherheit“. Dies ist so zu verstehen, dass man die neu eintretenden Schüler nicht noch mehr verunsichern soll als sie es ohnehin schon sind.Unsicherheit muss durch Sicherheit in jeglicher Hinsicht ersetzt werden. Und zwar nicht durch das Dreschen von Phrasen, sondern durch ehrliches Bemühen.

Was man nicht tun sollte:

den Schüler anschreien (wird oft vom Elternhaus, der Schule oder beiden besorgt)

tadeln im Sinne von Erniedrigen

Was man tun sollte:

zuhören

motivieren

Sachverhalte verständlich erklären – Raus aus dem Elfenbeinturm, liebe Kollegen!

den Schüler zum Nachfragen ermuntern