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In meiner fast 10-jährigen Tätigkeit als Notarzt habe ich neben zahllosen Routine-Fällen auch Fälle erlebt, die auch einem erfahrenen Notarzt an die Nerven gehen, obwohl man sich als Notarzt emotional nicht in die Fälle einleben, sondern sich auf seine Arbeit konzentrieren soll. Neben den Routine-Fällen gibt es auch schockierende Fälle, die den Notarzt noch lange beschäftigen, aber auch Fälle, über die man z.T. schon während des Einsatzes, manchmal auch erst im Anschluss schmunzeln kann. Um Ihnen als Leser die Arbeit eines Notarztes näher zu bringen, habe ich die Einsätze in diesem Buch so realistisch wie möglich geschildert. Zu Beginn habe ich die medizinischen Grundlagen für die in diesem Buch geschilderten Fälle erläutert, damit sie verstehen, was wir im Einzelfall tun und warum wir es tun. Weiter ist noch ein Ratgeber für Notfälle enthalten, so dass Sie im Falle, dass Sie einmal Hilfe leisten müssen, eine Anleitung sowie ein Schema haben. Ein solcher Notfall kann auch in Ihrer Umgebung eintreten und so ist es notwendig, gerade bei Personen, die ein erhöhtes Risiko tragen, eine solche Anleitung im Haus zu haben. Bei der Lektüre der Fälle wünsche ich Ihnen als Leser Spannung und manchmal auch Vergnügen und den Kollegen vielleicht die eine oder andere Anregung. Dr. med. Ulrich Kreutzer
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Seitenzahl: 128
Veröffentlichungsjahr: 2014
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Bild 1: Blick in den Laderaum des Notarzt-Einsatz-Fahrzeugs (NEF). Das orangefarbene Gerät, EKG und Defibrillator, vorne links ist mit das wichtigste Instrument.
Bild 2: Blick auf die Rückbank des NEF mit Schubladen für die verschiedenen Situationen im Rettungsdienst sowie rechts auch Helme für gefährliche Situationen.
Bild 3: Fahrt im nächtlichen Nebel
Sowie die Fahrt auf dem Foto in den nächtlichen Nebel sind auch die Einsatzfahrten als Notarzt. Auch wenn es per Funk eine Einsatzbeschreibung gibt, weiß man nie, was einen am Einsatzort erwartet. Aber gerade das ist in der Regel das Faszinierende am Rettungseinsatz.
Als Notarzt erlebt man viele schöne, jedoch auch solche Momente, in denen man trotz aller Möglichkeiten der modernen Medizin den Patienten nicht mehr helfen kann. Zum Glück sind diese Einsätze aber in der Minderzahl. Bei den meisten Einsätzen kann man den betroffenen Menschen soweit helfen, dass sie einer gezielten Behandlung im Krankenhaus zugeführt werden können. Durch moderne Strategien und Behandlungsmethoden können heute Erkrankungen wie z.B. der Herzinfarkt in Zusammenarbeit des Notarztes mit der nachbehandelnden Klinik mit einer wesentlich besseren Erfolgsrate als noch vor 40 Jahren behandelt werden. Daher ist eine gezielte Weiterbildung der Notärzte mit Themen aus den verschiedenen Bereichen der Medizin eine wesentliche Voraussetzung, um den späteren Behandlungserfolg zu verbessern.
In der Regel sind die Einsätze, die wir fahren, medizinisch gesehen eher alltäglich, es gibt jedoch gelegentlich auch außergewöhnliche Fälle, die manchmal auch starke Nerven fordern. Man darf sich aber als Notarzt nicht von Gefühlen leiten lassen, sondern muss soweit möglich emotionslos seine Arbeit tun, denn sobald man sich von den Gegebenheiten beeinflussen lässt, verliert man die klare Behandlungsstrategie.
Von solchen außergewöhnlichen Fällen, aber auch von einigen Fällen, bei denen man schmunzeln kann, möchte ich aus meiner aktiven Zeit als Notarzt berichten, wobei ich aus Gründen des Personenschutzes manchmal die Örtlichkeiten und Bedingungen verändert habe, um möglichst keine Rückschlüsse auf die zu behandelnden Personen zuzulassen.
In der Beschreibung mancher Einsätze kommen auch Passagen vor, die die vorgefundene Situation medizinisch exakt beschreiben. Dies könnte manchen Lesern, die „etwas zart besaitet“ sind, Probleme bereiten. Um diese Passagen zu kennzeichnen, sind die entsprechenden Kapitel in Kursivschrift gedruckt. Wenn Sie sich nicht sicher sind, ob sie solche Schilderungen lesen können, ohne dass Ihnen dabei übel wird, sollten Sie bei der Lektüre dieser Passagen sehr vorsichtig sein, da ich die Fälle und die Behandlung so realistisch wie möglich beschrieben habe.
Am Anfang meiner Sammlung möchte ich Sie mit einigen Begriffen und Verfahren aus der Notarzt-Tätigkeit vertraut machen, damit sie bei der Schilderung der Fälle keine Verständnisprobleme bekommen. Nachfolgend habe ich einige Ratschläge angefügt, was man in einem Notfall tun kann und diese in einer Tafel zusammengefasst.
Im Zeitalter von Google & Co. habe ich teilweise auf nähere Erläuterungen verzichtet, da ich nicht zu viel Theorie in mein Buch bringen möchte und viele Sachverhalte im Netz ausführlich erklärt werden.
Vorwort
Medizinische Behandlung im Rettungsdienst
Reanimation
Behandlung eines Asthmaanfalls
Behandlung eines Lungenödems
Behandlung eines Pneumothorax (Eintritt von Luft zwischen Lunge und Rippenfell)
Frakturbehandlung
Was kann ein Laie tun?
Einsatz 1
Einsatz 2
Einsatz 3
Einsatz 4
Einsatz 5
Einsatz 6
Einsatz 7
Einsatz 8
Einsatz 9
Einsatz 10
Einsatz 11
Einsatz 12
Einsatz 13
Einsatz 14
Einsatz 15
Einsatz 16
Einsatz 17
Einsatz 18
Einsatz 19
Einsatz 20
Einsatz 21
Einsatz 22
Einsatz 23
Einsatz 24
Einsatz 25
Einsatz 26
Einsatz 27
Einsatz 28
Einsatz 29
Einsatz 30
Einsatz 31
Einsatz 32
Einsatz 33
Einsatz 34
Einsatz 35
Einsatz 36
Einsatz 37
Einsatz 38
Einsatz 39
Einsatz 40
Schlusswort
Impressum
Wenn bei einem Einsatz ein Mensch bewusstlos vorgefunden wird, dann gilt es, möglichst schnell die vitalen Funktionen zu prüfen. Schon bei der Ankunft kann man weitgehend visuell erkennen, ob der Patient noch eine gesunde Gesichtsfarbe zeigt (d.h. ob er rosige Wangen hat). In dem Fall ist mit großer Sicherheit davon auszugehen, dass Atmung und Kreislauf noch intakt sind (siehe Abb. 1: Normaler Gasaustausch in der Lunge).
Zeigt der Patient hingegen eine bläuliche Gesichtsfarbe, dann liegt offenbar eine Behinderung der Atmung vor. Dies kann mannigfaltige Ursachen haben. Entweder ist der Gasaustausch in der Lunge direkt behindert, etwa durch Austritt von Wasser in die Lungenbläschen (Alveolen) bei schwerer Herzmuskelschwäche oder durch einen extremen Asthmaanfall, bei dem die Ausatmung durch Zusammenfall der kleinen Atemwege soweit eingeschränkt ist, dass nicht genügend sauerstoffreiche Luft in die Alveolen gelangen kann. Durch die mangelnde Ausatmung ist der Druck in den Alveolen bei der nächsten Einatmung nur wenig geringer als der Druck der Außenluft. Daher kann nur wenig Luft in die Lungenbläschen strömen und der Patient erstickt.
Ist die Gesichtsfarbe blass, so muss damit gerechnet werden, dass ein Herz-Kreislaufstillstand vorliegt. Dies kann viele mögliche Ursachen haben. Es kann primär ein Pumpversagen des Herzens vorliegen, etwa durch einen großen Herzinfarkt, bei dem die noch intakte Muskulatur des Herzens nicht ausreicht, den notwendigen Blutdruck aufrecht zu erhalten. Dadurch wird auch die Sauerstoffversorgung der intakten Muskulatur verschlechtert und es kommt zum vollständigen Pumpverlust des Herzens. Auch eine Lungenembolie kann zum plötzlichen Pumpverlust führen, da das rechte Herz, welches normalerweise nur einen geringen Druck aufbauen muss, plötzlich aufgrund der Verlegung der Lungengefäße durch ein Blutgerinnsel eine hohe Druckarbeit leisten muss, die relativ schnell zur Erschöpfung der Muskulatur führt. Häufig kommt es auch durch einen akuten Herzinfarkt oder eine Lungenembolie zu dem sogenannten Kammerflimmern, bei dem kein geordneter elektrischer Erregungsablauf und damit keine koordinierte Muskeltätigkeit der Herzkammer mehr stattfindet, vielmehr findet eine völlig unkoordinierte Erregung der Muskelzellen statt, die letztlich dazu führt, dass keine Pumparbeit des Herzens mehr geleistet wird. Auch starke Blutverluste, sei es innerlich (z.B. bei stark blutenden Magengeschwüren) oder äußerlich (durch Verletzungen) können durch den Mangel an zirkulierendem Blut zur Unterversorgung des Organismus mit Sauerstoff führen, was letztlich auch einen Herzstillstand aufgrund von nicht mehr möglicher Muskelarbeit des Herzens herbeiführt.
Abb. 1: Schema des Gasaustausches in der Lunge
Der Sauerstoff gelangt über die Luftröhre und dann über die Bronchien in die Lungenbläschen, wo die Sauerstoffmoleküle (rote Kügelchen) durch die Gefäßwand wandern und sich an die roten Blutkörperchen anheften. Das sauerstoffarme Blut (blau), welches vom rechten Herzen kommt, nimmt Sauerstoff auf (rot) und wird über die Lungenvenen zum linken Herzen transportiert.
Das erste, was bei Auffinden eines leblosen Patienten deswegen durchgeführt wird, ist die Überprüfung der Herztätigkeit mittels eines tragbaren EKG-Gerätes und die Prüfung der Atmung. Sollte der Patient keine Atemtätigkeit mehr zeigen, so wird die künstliche Beatmung zunächst mittels eines sogenannten Ambu-Beutels durchgeführt, der mittels einer Mund-Nase-Maske auf das Gesicht aufgesetzt wird. Mittels Zusammenpressen des Beutels wird Luft in die Lungen gepumpt. In der Zwischenzeit wird das tragbare EKG mittels dreier Elektroden an den Patienten angeschlossen, um die Herztätigkeit zu überprüfen.
Im Falle eines Kammerflimmerns wird die äußere Herzmassage unverzüglich begonnen. Gleichzeitig wird der Patient intubiert, d.h. ein Plastikschlauch wird unter Sicht in die Luftröhre geschoben und mit einem Ballon, der in der Luftröhre aufgeblasen wird, fixiert und abgedichtet, so dass keine Luft neben dem Schlauch entweichen kann. An den Schlauch wird dann der Beatmungsbeutel angeschlossen und es wird weiter über den Beutel beatmet. Das Verhältnis Herzdruckmassage zu Beatmung beträgt 30 zu 2, wobei etwa 100 Druckaktionen pro Minute durchgeführt werden sollten. Hierbei ist es nützlich, wenn man einen Taktgeber im Kopf aufruft. Äußerst geeignet hierzu ist aufgrund seines passenden Taktes der Song der Bee Gees „Staying alive“, was ja auch schon aufgrund der etwas frei übersetzten Bedeutung („Bleib am Leben“) eine motivierende Wirkung hat.
Anschließend wird mittels des Defibrillators, der in dem tragbaren EKG integriert ist, ein Stromstoß von 200 – 360 Watt entlang der Herzachse von außen durch aufgesetzte Metallelektroden durch das Herz gegeben (Bild 4). Dies dient dazu, alle Muskelzellen im Herzen gleichzeitig zu erregen und damit für einen weiteren Impuls unerregbar zu machen, so dass die vorher unkoordinierte Erregung sich nicht weiter ausbreiten kann, da sie überall auf nicht erregbare Muskelzellen trifft.
Bild 4: Defibrillation bei beatmetem Patienten
Im Erfolgsfall, d.h. wenn sich wieder ein normaler Herzschlag im EKG zeigt, wird geprüft, ob die Pumpleistung des Herzens so effektiv ist, dass auch ein fühlbarer Puls zu tasten ist. Wenn dies nicht der Fall ist, werden weiter die Druckmassage und die Beatmung durchgeführt und es werden Medikamente gegeben, die den Blutdruck und die Pumpleistung erhöhen. Hierzu zählen vorrangig die Katecholamine (bekannt als Stresshormone wie Adrenalin und Noradrenalin). Daneben muss dafür gesorgt werden, dass die Übersäuerung des Blutes, die durch den Sauerstoffmangel in Folge der Schocksituation bzw. des vollständigen Kreislaufstillstandes bedingt ist, beseitigt wird, da bei Übersäuerung des Blutes die Katecholamine nicht wirken. Die Übersäuerung wird durch sogenannte Bikarbonat-Lösung ausgeglichen, die den sogenannten pH-Wert (Maß für den Grad der Ansäuerung) wieder in den neutralen Bereich bringen. Wenn unter dieser Behandlung dann ein fühlbarer Puls tastbar wird, dann kann der Patient unter Überwachung und Beatmung in die nächste Klinik gefahren werden. Es wird dann ein vollständiges EKG geschrieben und geprüft, ob der Patient Zeichen eines Herzinfarktes zeigt. In diesem Fall wird dann der Patient in eine Klinik mit Herzkatheter-Bereitschaft gefahren, wo die weitere Behandlung mittels Herzkatheteruntersuchung und bei Verschluss eines Herzkranzgefäßes durch Wiedereröffnung mittels Aufdehnung und Implantation eines sogenannten Stents durchgeführt wird. Auf den Bildern (Seite 16-18) sehen Sie ein verschlossenes Gefäß (Bild 5), welches durch eine Katheterbehandlung wiedereröffnet wurde (Bild 6). Die Folgen eines Herzinfarktes sehen Sie in den nachfolgenden Bildern (Bild 7 – 10). Die ersten beiden Bilder zeigen eine normal pumpende linke Herzkammer, die sich in der Kontraktionsphase nahezu auf die Hälfte verkleinert. In den beiden letzten Bildern sehen sie ein Herz nach einem Herzinfarkt. Durch die Kontrakti onsphase kommt es fast zu keiner Größenänderung der linken Herzkammer und dies ist mit einer hochgradigen Einschränkung der körperlichen Leistungsfähigkeit behaftet. Die hier gezeigten Bilder stammen aus Untersuchungsfilmen, die auf der Website www.herz-in-not-deutschland.de zu sehen sind.
Je früher nach Eintritt eines Herzinfarktes diese Behandlung erfolgt, desto höher sind die Chancen, dass der oben gezeigte Schaden vermieden werden kann. Wenn jedoch die oben beschriebenen Reanimations-Maßnahmen keine erkennbare Kreislauf-Aktivität in Gang bringen, wird nach entsprechender Zeit die Reanimation aufgrund mangelnden Erfolges abgebrochen und es bleibt dann nur noch die Feststellung des Todes.
Im Falle eines äußerlich sichtbaren Blutverlustes ist die Ursache des Kreislaufeinbruchs am ehesten durch einen Volumenmangelschock bedingt. Hier gilt es, den Volumenverlust durch verlorenes Blut auszugleichen, wobei neben Kochsalzlösung auch Eiweißlösungen gegeben werden, die die Eigenschaft besitzen, Flüssigkeit aus dem Gewebe in die Blutbahn zu ziehen, so dass sich hierdurch das zirkulierende Blutvolumen weiter erhöht. Allerdings sollte man als Notarzt immer auch an das Unwahrscheinliche denken. So kann in seltenen Fällen das Ereignis, was augenscheinlich offensichtlich ist wie z.B. eine Verletzung mit Blutverlust, der jedoch für sich noch keinen Schock auslösen würde, einen Herzinfarkt nach sich ziehen, der dann durch Verlust der Pumpfunktion des Herzens zu einer Schocksymptomatik führt.
Bild 5: Kontrastmittel-Darstellung des verschlossenen Herzkranzgefäßes
Bild 6 : Kontrastmitteldarstellung des wiedereröffneten Gefäßes
Bild 7: Normal pumpende linke Herzkammer nach der Füllungsphase
Bild 8: Normal pumpende linke Herzkammer nach der Pumpphase
Bild 9: Schlecht pumpende linke Herzkammer nach der Füllungsphase
Bild 10: Schlecht pumpende linke Herzkammer nach der Pumpphase
Ein leichter Asthmaanfall ist gekennzeichnet durch eine behinderte Atmung (siehe Abbildung 2). Durch die Behinderung der Atmung kommt es zu einer Stresssituation, die zu einer weiteren Verstärkung der Atmungsbehinderung führt. Der Patient fällt dadurch auf, dass er deutlich länger und mit Krafteinsatz der Atemmuskulatur ausatmen muss. Viele Patienten schließen dazu die Lippen fast vollständig, um den Druck in den Atemwegen durch Erhöhung des Widerstandes beim Ausatmen zu erhöhen und damit den Kollaps der kleinen Bronchien zu verhindern. Bei einem schweren Asthmaanfall reichen jedoch diese durch den Patienten durchführbaren Maßnahmen nicht mehr aus, um eine ausreichende Sauerstoffversorgung des Blutes zu gewährleisten. Der Patient bekommt dann eine bläuliche Gesichtsfarbe, die anzeigt, dass ein ausreichender Gasaustausch in den Lungenbläschen nicht mehr stattfindet. Dadurch kommt es im Blut zu einem Abfall der Sauerstoffkonzentration und zu einem Anstieg des Kohlendioxids, was wiederum zu einer Übersäuerung des Blutes führt. Wenn dieser Zustand nicht behoben wird, kann dieser Asthmaanfall in relativ kurzer Zeit zum Tod durch Ersticken führen. Die Behandlung eines leichten Asthmaanfalls besteht darin, durch Medikamente, die die Atemwege weiten und damit den Widerstand in den kleinen Bronchien senken, das unbehinderte Ausatmen wieder zu ermöglichen. Zu diesen Mitteln zählen Beta-2-Mimetika wie z.B. Fenoterenol, welches als Spray gegeben wird und direkt an die Atemwege gelangt. Zusätzlich wird auch Cortison in Sprayform oder auch intravenös verabreicht, um eine entzündliche Anschwellung der kleinen Atemwege und damit deren Verlegung wieder zu beseitigen. Hilfreich hierbei ist auch eine Sedierung des Patienten (d.h. Ruhigstellung durch Gabe von Beruhigungsmitteln wie z.B. Diazepam, bekannt als Valium, oder stärker wirksamen Stoffen wie Midazolam). Zur Zeit meiner ersten Jahre als Assistenzarzt galt der Spruch: „Die beste Therapiekontrolle der effektiven Behandlung eines Asthmaanfalls ist das laute Schnarchen des Patienten“. Dieses ist nur möglich, wenn der Asthmaanfall durchbrochen ist und die Atmung wieder ungehindert möglich ist.
Abb. 2: Schema eines Asthma-Anfalls
Durch entzündliche Schwellung oder Verkrampfung der Bronchialschleimhaut kommt es zur Verringerung des Querschnitts der Bronchien (rote Engstellen in den Bronchien). Beim Einatmen entsteht ein Unterdruck zwischen Rippenfell und Lunge, so dass die Bronchien durch den Sog offengehalten werden und die Luft in die Lungenbläschen strömen kann. Bei der Ausatmung ist dieser Sog aber nicht mehr vorhanden bzw. es wird durch das aktive Ausatmen ein Druck auf die Lunge ausgeübt. Durch die Verringerung des Querschnitts der Bronchien wird die Ausatmung behindert. Dadurch verbleibt die Luft mehr oder weniger stark in den Alveolen und es kann bei dem nächsten Atemzug nur weniger frische Atemluft in die Lungenbläschen gelangen. Im Extremfall verschließt die Schwellung oder der Krampf den Bronchus komplett und es kann gar kein Gasaustausch mehr stattfinden.
Ist durch diese Maßnahmen der Asthmaanfall nicht zu durchbrechen, so spricht man von einem sogenannten Status asthmaticus, der für den Patienten eine lebensgefährliche Situation darstellt. In diesem Fall kann als Medikament noch Adrenalin intravenös gegeben werden, welches eine noch stärkere bronchienerweiternde Wirkung hat. Dieses Medikament kann aufgrund seiner starken Nebenwirkungen wie z.B. Initiierung von gefährlichen Herzrhythmusstörungen und extremen Blutdruckanstiegen nur unter laufender EKG- und Blutdruck-Überwachung gegeben werden.
Wenn auch dieses Medikament nicht mehr hilft, dann muss der Patient intubiert und beatmet werden, wobei durch Einstellung am Beatmungsgerät der sogenannte Exspirationsdruck (Druck in den Atemwegen beim Ausatmen) soweit erhöht wird, dass die Bronchien während der Ausatmungsphase nicht zusammenfallen können.
