Ernstfall für Deutschland - Erich Vad - E-Book

Ernstfall für Deutschland E-Book

Erich Vad

0,0
11,99 €

-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

Ein Funke - oder auch: ein Taurus-Marschflugkörper - genügt und in Deutschland herrscht Krieg. Grausamer und schlimmer als wir es uns vorstellen können. Ein Krieg, der unser aller Ende werden kann. Weshalb also haben deutsche Politiker noch immer keine Strategie entworfen, um den Krieg in der Ukraine politisch zu beenden? Diese Frage stellt Ex-General Erich Vad und entwirft ein furchterregendes Szenario, sollte der Ukraine-Krieg aus dem Ruder laufen und nach Deutschland übergreifen. Er erklärt, warum die geplante Stationierung von amerikanischen Mittelstreckenwaffen diskutiert werden muss und inwiefern sich gerade Deutschland für Frieden einsetzen kann und muss. Auf seiner To-do-Liste für unser Land stehen eine überzeugende Abschreckung, eine enge europäische Zusammenarbeit und die Abnabelung von den USA als Win-win-Situation für beide.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 95

Veröffentlichungsjahr: 2024

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Ebook Edition

Ernstfall für Deutschland

Ein Handbuch gegen den Krieg

Erich Vad

Mehr über unsere Autoren und Bücher:

www.westendverlag.de

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlags unzulässig. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.

ISBN: 978-3-98791-092-0

1. Auflage 2024

© Westend Verlag GmbH, Waldstr. 12 a, 63263 Neu-Isenburg

Umschlaggestaltung: Buchgut Berlin

Satz: Publikations Atelier, Weiterstadt

externes Lektorat: Andrea Schlitzer

»Ich dachte immer, jeder Mensch sei gegen den Krieg, bis ich herausfand, dass es welche gibt, die dafür sind. Besonders die, die nicht hingehen müssen.«

Erich Maria Remarque

Für die junge Frau, die ihr Fahrrad auf der Maximilianstraße in München stoppte, um mir zu sagen, dass sie dankbar ist für kritische Stimmen. Für ihre Eltern, die ebenso wie ihre Tochter Angst vor einem Krieg haben. Für die Flugbegleiterin, die mir einen Kaffee ausgab, damit ich angesichts einer digitalen Entrüstungswelle bloß den Kopf über Wasser hielte. Für den Security-Mitarbeiter am Flughafen, der sich dafür bedankte, dass ich gegen den Strom schwimme. Für den jungen Ukrainer in der Tram, der nicht verheizt werden wollte. Für die Friedensaktivistin, die sich freute, dass ein Ex-General an der ersten Demonstration seines Lebens teilnahm, um sich für den Frieden stark zu machen. Für die vielen Menschen – Bekannte und Unbekannte –, die mich auf den Straßen in ganz Deutschland, im Ausland, auf Dorffesten, in der Wüste und beim Klettern mit Josef auf dem Weg zum Zugspitzgipfel oft unerwartet ansprechen und wissen lassen, dass sie zuhören.

Für Frieden in Deutschland und Europa.

Das geopolitische Geschehen ist selten klar und eindeutig, sondern vielschichtig und komplex und befindet sich im ständigen Wandel. Bei manchen Themen konzentriere ich mich bewusst auf das Wesentliche und stelle die Zusammenhänge so übersichtlich und eindringlich wie möglich dar, damit aus einem schlanken, leicht nachvollziehbaren Handbuch kein schwerfälliges Lexikon wird.

Wenn ich mich auf aktuelle Ereignisse beziehe, dann mit Stand vom 23. Oktober 2024. Einzelne Details können sich verändert haben, bis Sie das Buch in den Händen halten. Vielleicht haben wir sogar das große Glück und die politische Weitsicht, den Ukraine-Krieg baldmöglichst beendet zu wissen. An der geschilderten Bedrohungslage und den Aufgaben, vor denen wir in Deutschland und Europa stehen, ändert sich jedoch wenig, solange es uns nicht gelingt, die aktuelle Sicherheitslage grundlegend zu verändern.

Und nicht zuletzt: Wenn ich im Text nicht konsequent gendere, so weiß ich doch: Frieden ist das Ziel aller Geschlechter, ob weiblich, männlich oder divers. Sie alle möchte ich einbezogen wissen und ansprechen.

Inhalt

Cover

Ach, Deutschland

Sommer, Sonne, Schlachtfeld

Game over

Wochenende mit Folgen

Wie du mir, so ich dir, so du mir, so ich dir ...

Anfang vom Untergang

Deutschland auf der Flucht

Zwangspause für die Demokratie

Pass auf dich auf, Deutschland

Bist du noch zu retten, Deutschland?

Erste Maßnahme

Zweite Maßnahme

Dritte Maßnahme

Vierte Maßnahme

Fünfte Maßnahme

Sechste Maßnahme

Siebte Maßnahme

Achte Maßnahme

Du kannst das, Deutschland

Deutschlands Bindungsproblem

Trennung nach fünfundsiebzig Jahren?

Sei mutig, Deutschland!

Manageraufgaben in einer multipolaren Welt

Deutschland ist erstens Deutschland, zweitens Europa und drittens nicht die USA

Das Grundgesetz mahnt uns

Anmerkungen

Ach, Deutschland Was passieren könnte: Krieg in unserem Land

Bist du noch zu retten, Deutschland? Wie es so weit kommen konnte und was jetzt zu tun ist: Eine To-do-Liste für unser Land

Du kannst das, Deutschland Wie wir stark werden: Eine Lösung für unser Land

Orientierungspunkte

Cover

Inhaltsverzeichnis

Ach, Deutschland

Was passieren könnte: Krieg in unserem Land

»Im Kriege mehr als irgendwo sonst in der Welt kommen die Dinge anders,als man sich es gedacht hat, und sehen in der Nähe anders aus als in der Entfernung.«

Carl von Clausewitz

Deutschland, August 2025: Die Sonne scheint, es ist noch heiß, obwohl sich die warme Jahreszeit bald dem Ende zuneigen wird. Eigentlich sollten sich die Menschen im Freibad oder im nahen See tummeln, sie sollten in ihren Gärten grillen, in Biergärten oder in Restaurants mit Terrasse und Aussicht die lauen Abende genießen. Sie sollten in der Nachtwärme nach Hause schlendern, neue Eissorten probieren, laut über die Hitze klagen und sie doch dem kühlen Winter vorziehen. Sie sollten diese besondere Leichtigkeit auskosten, die sich nur bei Sonnenschein einstellt. Die Menschen sollten das Leben genießen.

Stattdessen bangen sie darum.

Sommer, Sonne, Schlachtfeld

Der »Worst Case« ist eingetreten. Russlands Krieg gegen die Ukraine hat sich nicht um Grenzübergänge geschert. Er ist über die Linien geschwappt, die im Grunde nur auf dem Papier und in der ­Politik ein ernstzunehmendes Hindernis sind. In der Realität sind sie meist nicht mehr als ein Schild, das Autofahrer auf dem Staatsgebiet eines anderen Landes willkommen heißt – oft gefolgt von einem zweiten Schild, das darüber informiert, wie schnell man innerhalb und außerhalb von Ortschaften sowie auf der Autobahn fahren darf und ob das Tagfahrlicht eingeschaltet werden muss.

Was diese Linien nicht sind, ist Sicherheit.

Aus dem Krieg in der Ukraine ist ein europäischer Krieg geworden. Man kann nicht behaupten, das sei von heute auf morgen geschehen, denn diese Gefahr war seit dem russischen Überfall im Februar 2022 bekannt.

Wie gefährlich können uns unsere Waffenlieferungen an die Ukraine werden? (Um vorzugreifen: sehr.) Wie weit kann sich die NATO aus dem Fenster lehnen, bevor sie Kriegspartei wird? (Einmal aus dem Fenster gefallen, wäre es zu spät.) Liegt nicht ausreichend geografischer Puffer zwischen Deutschland und der russischen Grenze? (Nicht für moderne Waffensysteme. Abgesehen davon: Polen dankt.) Ist Kremlchef Putin ein Realist, der sich nicht ernsthaft mit der geballten Schlagkraft des Westens anlegen würde? (Die wenigsten Kriege entstehen aufgrund von realistischen Situationsbeurteilungen.) Oder ist er ein größenwahnsinniger Diktator, bei dem man mit allem rechnen muss? (»Make Russia Great Again.«) Natürlich haben wir – der Westen – uns mit diesen und anderen Fragen auseinandergesetzt, wir waren auf der Hut, die einen mehr, die anderen weniger. Trotzdem wurden wir überrascht.

Von heute auf morgen, quasi über Nacht, herrschte Krieg. In Deutschland. In Europa.

Wir haben doch schon Krieg seit dem Überfall der Russen Anfang 2022, behaupteten manche deutsche Politiker. In der Ukraine, ja. Aber doch nicht in Deutschland! In Deutschland bekamen wir Angst, hohe Stromrechnungen und teurere Lebensmittel, nachdem Putin in die Ukraine einmarschiert war. Wir standen mitunter vor einem leeren Regal im Supermarkt, beherbergten Flüchtende aus dem Kriegsgebiet und verspürten den Drang zu helfen. Aber es wurde kein Blut in Deutschland vergossen, es gab keine Einberufungsbescheide, kein Training an der Waffe für alle, die eine Waffe halten können, keinen Luftalarm, keine Raketen, keine zerstörten Wohnstätten, Krankenhäuser und Schulen, keine Folterungen, Vergewaltigungen, Erschießungen.

In Deutschland war der Krieg in erster Linie ein TV-Ereignis. Er war weit weg, war wahrnehmbar, als Sonnenblumenöl und Weizen knapp wurden, die Benzinpreise stiegen und Flüchtende zu uns kamen. Er sprach durch die Politiker, die ihm das Wort redeten als wären sie nicht einem friedlichen Ortsverband entsprungen, sondern der Serie Game of Thrones. Er war die politische Mitte, die verlässlich pazifistisch gewesen war und sich mit einem Mal radikalisierte. Man spürte den Krieg an den vielen Desinformationen, die die russische Seite verbreitete. Man bemerkte ihn auf den Kirchentagen, die die Unterstützung der Ukraine propagierten. Und man erkannte ihn an der entmenschlichenden Sprache, wenn es um Russen im Allgemeinen und um russische Verluste im Besonderen ging. Jeder Russe ist ein böser Russe, nur ein toter Russe ist ein guter Russe ...

Vor ein paar Wochen ist der Krieg tatsächlich über uns hereingebrochen. Nun lehrt er uns tatsächlich das Fürchten.

Game over

Rückblickend lässt sich leicht rekonstruieren, wie es dazu kommen konnte. Man kannte es von den Leopard-Panzern, obwohl der Bundeskanzler dieses Mal lange standhaft geblieben war: Nach erheblichem Druck durch etliche Medien und massivem Drängen von NATO-Bündnispartnern, insbesondere den USA und Großbritannien, lieferte die Bundesregierung 2025 schließlich doch das viel beschworene und heftig diskutierte Taurus-Waffensystem an die Ukraine. Der »Stier« (lateinisch: »taurus«) sollte zum Gamechanger des Krieges werden. Gleiches hatte man von den deutschen Leopard-Panzern und den amerikanischen F-16 Kampfflugzeugen erwartet. Doch erst der Taurus hielt, was man sich von ihm versprach: Er hat die Situation grundlegend verändert – nur nicht so, wie gedacht.

Die Ukraine setzte Taurus ein, um die Kertsch-Brücke zu zerstören, die die Krim-Halbinsel bis dahin mit russischem Festland verbunden hatte. Die Brücke wurde mittig bis in die Fundamente zertrümmert und unbrauchbar gemacht. Der Verlust machte es für die Russen, die zu diesem Zeitpunkt die Krim besetzt hielten, schwieriger, aber nicht unmöglich, für Nachschub zu sorgen – man war längst vorbereitet. Die russischen Truppen wurden nicht lahmgelegt, die Ukraine konnte den Krieg weder beenden noch gewinnen. Er nahm aber nun eine neue Wendung: Die Kertsch-Brücke war strategisch wichtig gewesen, vor allem war sie jedoch ein nationales Prestigeprojekt der Russen. Man hätte also mit einem russischen Vergeltungsschlag rechnen müssen; zu lange hatten westliche Politiker öffentlich gefordert, die Brücke zu zerstören.

Auf der Wunschliste vieler deutscher Politiker, Medien und hauptsächlich ziviler Militärexperten stand außerdem ein Beschuss russischen Hinterlandes. Das mag nach einem Waldgebiet im Nirgendwo klingen, meint aber alles, was hinter der Front liegt und mit Waffen erreichbar ist. Gefordert, getan: Die Ukrainer feuerten deutsche Taurus-Marschflugkörper ins russische Hinterland hinein, zerlegten das russische Verteidigungsministerium in Moskau und zerstörten den Kreml.

Der Vergeltungsschlag kam schnell, wirkte von langer Hand vorbereitet und richtete sich unmittelbar gegen Deutschland. Die russische Propaganda hatte Deutschland längst ins Zentrum gerückt: Taurus ist ein deutsches Waffensystem, es wurde aus Deutschland geliefert und, das ließen die entsprechenden deutschen und NATO-Veröffentlichungen offen, womöglich mit deutscher Unterstützung bedient. Also ließ Putin zunächst die ähnlich symbolträchtige Fehmarnsundbrücke per Raketenbeschuss zertrümmern. Dann machte er die Produktionsstätte von Taurus im einst malerischen bayerischen Schrobenhausen dem Erdboden gleich. Zu guter Letzt zerstörte er das Bundeskanzleramt in Berlin – alles an einem Wochenende. Zumindest im Kanzleramt waren dadurch weniger Tote und Verletzte zu beklagen als an einem Wochentag, viele Mitarbeitende hatten frei oder befanden sich nicht in ihren Büros. Zufall? Rücksichtname? Auf jeden Fall war es ein wohl kalkulierter, symbolträchtiger Vergeltungsschlag mit gravierenden Folgen.

Wochenende mit Folgen

Deutschland reagierte umgehend: Die Bundesregierung bat die NATO, den Bündnisfall auszurufen, und verlegte – um politisch funktionsfähig zu bleiben – ihren Hauptsitz zunächst in eine Kaserne außerhalb Berlins, kurz darauf an die Ostküste der USA.

Die NATO begann, rund eine Million französische, niederländische, belgische, spanische, italienische und portugiesische Soldaten an die Ostgrenze des Bündnisses zu verlegen. Die US-Regierung hielt sich zurück und erklärte, ihre Truppen in Europa nur geringfügig zu verstärken, aber vorerst keine neuen, zusätzlichen Truppen zu entsenden. Man habe wegen der sich zuspitzenden Lage im Indopazifik und im Nahen Osten anderweitig alle Hände voll zu tun.

Der Aufmarsch der NATO-Truppen führte quer durch Deutschland, so war und ist es in den Plänen der NATO vorgesehen. Die Bundesrepublik liegt im Zentrum Europas. Aus Sicht des Bündnisses ist diese Lage geografisch und logistisch ideal, um als Drehscheibe zu fungieren. Jeder, der sich in Europa von Westen nach Osten oder von Norden nach Süden bewegen will, muss durch Deutschland hindurch – egal ob Ferienverkehr oder NATO-Aufmarsch. Aus deutscher Sicht ist das Ganze weniger optimal: Wir befinden uns immer mittendrin, egal was passiert.1 Die letzten fünfhundert Jahre unserer Geschichte wären ansonsten vielleicht weniger bewegt gewesen.2