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Liebe Leserin, lieber Leser, echte, wahre Heiterkeit hat ihre Wurzeln tief im Leben, wie alles vom Leben gezeichnete, das sich in unserer Mitte und an unseren Grenzen spiegelt - sie ruft förmlich danach, ernsthaft zu hinterfragen, was das Wort verschweigt und was zwischen den Zeilen geschrieben ist - - ebenso birgt eine depressive Melancholie im Innern eine tief dunkle Farbigkeit und die Programmierung einer Lichtgeburt, die sich von uns erahnen lassen möchte - - im Zeichen dieser Betrachtungen zu meinem Buch wünsche ich der Leserin und dem Leser wache Sinne und einen offenen Geist, denn es erwartet sie die Möglichkeit, das Buch als erweiterter Autor für sich neu zu erschaffen - - freundlichst Ihr Lothar Heinicke -
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Seitenzahl: 169
Veröffentlichungsjahr: 2014
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Dem lachenden- und dem weinenden Auge in uns gewidmet, dass ihr vereinender Blick an Tiefe gewinnen möge.
Der Ernst und das Heitere werden in einem Zwillingswagen ausgefahren – wir müssen uns davor verneigen, wenn wir einen Blick hineinwerfen wollen.
WIDMUNG
PROLOG
ERMUNDERND
WERK-KUNST
FLIEGENTRAUM
KURMÄSTLICH
HERR TUGENDSAM
TEUFELSBRAUT
KUCHENGLÜCK
DIE LETZTE FRAGE
MAL EHRLICH
NACH HÖHEREN GESETZEN
ENTRÜSTET
TRÖSTERLICH
DER NÖRGLER
FÖRMLICH
DIE LETZTE DREHUNG
DIE ROLLE
DER GARTENPFAHL
FAST
ABBILD
DER APFELBAUM
DAS RIFF
POTENTIELL
DER REST IST SCHWEIGEN
STILLBEGLÜCKT
NACHBARLICH
OBJEKTIVIERT
SCHLÜSSELFRAGE
DAS FIEBER
DAS NUDEL-GERICHT
DER WUNSCHTRAUM
DER ZEUGE
,
AUSDRÜCKLICH
DIE PRÄGUNG
DER NUTZEFFEKT
DER CHORLEITER
KINDERGLÜCK
MARKTANTEIL
AUSGEGOREN
IN WOCHEN
DER SCHATTEN
SAMMELBEGRIFFE
DER LERN-PROZESS
UNVERMUTET
SPIEL-TECHNISCH
DETAILGETREU
MORGENLAND
DIE TÄUSCHUNG
ALLGEMEIN
ANALYTISCH
FRESSVERGNÜGEN
ENT-MANNT
DIE SÜSSE
DAS LEIB-GERICHT
HERZENSLIED
GESCHMEICHELT
DRUM & DRAN
IN POLITUR
DAS GEBOT
OPFERGANG
FRAU TRUDE
,
BEIFÄLLIG
ERGRIMMT
ALTBEWÄHRT
EIN SCHWEINELEBEN
DER GRENZSTEIN
DIE BUHLE
SCHAUERLICH
DAS RECHTE LOS
BLICK-VEHIKEL
HORIZONTAL
SICH ZUGESTANDEN
DER SCHMERZENSMANN
FLÜGELKUNDE
STELLENGESUCH
REGIE
SPLITTER:
DER SIEG
,
DER SPASS
SICH SELBST
,
UREIGENS
,
DERSELBE
VERERBUNG
,
GETREU
,
MIT BEDACHT
ZWECK-MÄßIG
,
DER GEWINN
,
MIT VORSICHT
MIT NACHSICHT
,
GLÄSERN
DER GAST
GESETZT DEN FALL
,
HINZUGELADEN
ZUGPUNKT
WEITLÄUFIG
VOR-GABE
VON FALL ZU FALL
AUF DAUER
SICH SELBST ERLEGEN
DIE AUSEINANDER-SETZUNG
ZEITLICH
DER HERING
WACHSTUMSRATE
DIE LAUFBAHN
DER HELFER
AM LETZTEN ORT
WÄSSRIG
VERKITSCHT
EIN AMT IN WUNDERN
VERFRÜHT
LECKEREI
VOLLENDEN
,
VERLIEBTE WORTE
X-BELIEBIG
DIE SCHLANGE
DER IMPULS
PÜNKTLICH
POSTUM
HUNDS-GEMEIN
GEEINT
DER SPRUNG
DIE BEGEGNUNG
DER SCHAUER
DEMASKIERUNG
DAS ALTE GRAB
DER WÄSCHEPFAHL
SYMBIOSE
DER STERN
DIE ÜBUNG
DAS LEID AM LIED
ZUM OSTERFEST
LEIERMANN
RANDERSCHEINUNG
DIE MEISTERSCHAFT
GRÖSSE
VERSTECKSPIEL
DER URLAUBSCHEIN
HÄRTEFALL
ROLLENTAUSCH
CIRCA
STELL-PLATZ
DAS WISSEN-MÜSSEN
EFFEKTIV
,
HÜNDISCH
DAS ÜBERALL
DER GAST VON NEULICH
DAS ABGELEGTE
BERUFUNG
DAS TREFFEN
DIE ANKUNFT
INTERIEUR
DER NICHTSNUTZ
KATALOGISIERT
DER KONTOSTAND
GEHEILT
LEBENSLÄNGLICH
EPILOG
INHALT
Ein Spätchen ging neu eingekleidet
auf einer Straße, die ihm zubereitet –
damit man seiner sich entsann,
fing es auch noch zu singen an,
es warf sich stolz in seine Brust
im Federkleide seiner Sangeslust,
der Schnabel stand weit aufgerissen
in diesem frohen Singenmüssen,
und seinesgleichen, das ihm zugehört,
ward ganz von dem Gesang betört –
Nur eine Nachtigall, die recht verschlafen schaute,
sich nicht so sehr am Lied erbaute,
natürlich war sie tolerant,
wie man es einem Meister zugestand,
war dieses Lied auch recht bescheiden,
man mochte doch den Sänger leiden,
der seinem Trotzdem hier ein Lied geweiht
und sich als Sangesbruder eingereiht
in diese frohe Sängerschar,
wo man sich selbst ein König war.
---
Herr Biedermeier stand vor seinem Herde,
der küchenwärts sich sehr verehrte,
man hat sich in gewissen Schranken
an seinem Platze selbst zu danken –
wohlwollend briet Herr Biedermeier
in einer Pfanne seine Hühnereier,
auch andre Dinge hat er sehr gemocht,
doch diese heute nicht gekocht –
er saß nun, weil schon länger da,
am Tisch und war den Eiern nah,
die er auf einem Teller ausgebreitet,
gebraten und sich zubereitet,
und rings um Eiweiß und um Dotter
floss ausgelassen etwas Botter,
damit man, rein vom Namen her,
als Spiegel-Ei vollkommen wär –
Herr Biedermeier sah nun immer wieder
auf diesen Teller, brav und bieder,
und da er künstlerisch sich lang schon nah,
er dieses Bild mit Freuden sah –
wie hält sich doch die Einfachheit
auf einem Teller und als Bild bereit,
sodass Herr Biedermeier nun beschloss,
dass ihn das Essen sehr verdross,
liebäugelt man auch sehr vom Magen her
mit solchen Dingen als Verkehr,
hier heißt es künstlerisch und zubereitet,
dass man enthaltsam sich erleidet –
er nahm denn dieses Leib-Gericht,
gewachsen an sich selber im Verzicht,
und trug, sich eigens zum Gefallen,
dies Kunstwerk in der Künste Hallen –
hier sieht man es als abgestilltes Leben
sich künstlerisch in manche Blicke heben,
und fachlich, wenn damit vertraut,
hat manches Auge sich daran erbaut –
der Schöpfer stand mit Schöpferkraft
sehr angetan in dieser Nachbarschaft,
und wohlgewollt hat man ihm zugenickt,
weil man dies Teil von ihm erblickt –
bald ward nun von des Künstlers Seite,
damit man sich dazubereite,
ein Antrag auf Papier gestellt
zum Beitritt in die Künstlerwelt –
meist will man, wenn im Kunstverein,
als Mitgliedszahl nicht gern alleine sein,
aus diesem Grunde ward sehr lang beraten
und dieser Mann dann vorgeladen –
durch seine Eier nun schon kunstbenannt,
ward unser Herr vereinsverwandt
und als die Nummer Dreizehnhundertzehn
mit einer Mitgliedschaft versehn –
weltweit ward von ihm ausgestellt,
was sich als Kunst nun noch dazugesellt,
und manches Kennerauge war entzückt von dem,
das diesem Mann geglückt –
und später dann, ein Millionär,
gab viel von seinem Gelde her,
und macht‘ mit diesem Unikat
auf Partys seitdem großen Staat –
Das eben nenn ich großes Leben:
Mit seinen Eiern sich in solche Kreise heben,
manch Schöpfergeist ist weit gereist,
bevor man ihn dort eingekreist,
doch wahre Kunst bringt als Vollendung
sich solcherweise zur Verwendung,
wohl dem, der dort als Ei geschöpft und gegenwärtig sei,
oft spiegelt sich, verständlich und als Konterfei,
der Kunstverstand in einem Spiegelei –
Nur einer, der als solcher sehr vermessen,
hat aus Versehn es aufgegessen,
und dieses dann auf seine Art als Kunstwerk innen aufbewahrt.
---
In einem Kelch saß einstmals eine Fliege,
ein kleines Fliegenmädchen,
und herbestellt aus einem Fliegenstädtchen –
das Glas, obwohl längst leergetrunken,
bewahrte einen Rest, am Boden hingesunken,
und wie es einer Fliege oft ergeht,
ward sie von diesem angefleht –
und unser Fliegenmädchen,
im Uhrwerk klein ein Fliegenrädchen,
nahm allen Mut zusammen
und kroch zu dieser weingetränkten Ammen –
der Glasesboden, rotbefleckt,
von einem Weinrest zugedeckt –
und dieser Duftrest aus dem ausgetrunknen Glase
floh unserm Fliegenmädchen in die Fliegennase,
und seufzend ward davon gesprochen,
dass liebend gerne man daran gerochen,
natürlich unerhört und weiter drinnen,
den Ohren fern und ihren Sinnen –
und unsre kleine Fliegenmaid,
die angetan mit ihrem schönsten Kleid,
trat näher an den Rest heran,
was man beobachtbar auch sehen kann,
und tat ihr Zünglein in das Rot der Lauge,
zu prüfen, ob es noch zum Naschen tauge –
es rann der rote Rebensaft
als letzter Gruß von seiner Weineskraft
auf dieser Zungenstraße
ins Fliegenleben aus des Weines Glase,
und als des Weines Endprodukt
es durch der Fliege Seele zuckt –
und blitzestrunken als des Weines Geistesfunken
erfasst es unser Fliegenmädchen,
das grad herangenaht aus seinem Fliegenstädtchen,
und wie es meist beim Weine geht,
ward ihr dabei der Kopf verdreht,
des Beines Schritt geriet ins Wanken,
auch die Moral verlor die letzten Fliegenschranken,
und etwas schräg sank sie in diesen letzten Rest vom Weine,
der Taumelkelch verschied im Abendscheine,
dann löschte eine letzte Pflicht
im Kelch das kleine Fliegenlicht,
und dunkelnd ward nun eingehüllt,
was kurz vorher ein Herz erfüllt.
---
Ein Herr ward abgelagert,
dieweil beträchtlich abgemagert –
so lag er denn seit längrer Zeit
kurmästlich für sich selbst bereit,
natürlich war’s ihm lieber,
man sprach nicht drüber,
damit er an der Leidensstätte
sich selbst zu danken hätte –
mit Absicht hat sich die Erklärung
als Eignungsprüfung zur Bewährung –
so wird man denn als Eigenart
nur für sich selber aufbewahrt
und hält sich zur gegebnen Zeit
als Kurversuch für sich bereit,
so dargelegt und selbst gepflegt –
Ein Engel, der grad mal vorüberflog,
versah den Herrn mit einem Futtertrog,
trogträglich wird ein Engel pfleglich,
und unser Herr, schon lange weggekauert,
nicht mehr der Lage Ernst bedauert,
er nimmt das holde Flügelwesen,
von dem er einstmals schon gelesen,
und spricht ein ernstes Wort darüber,
ob es ein Dieses oder Jenes sei,
mit dem man sich aus dieser Haft befrei,
so eingehaftet abgekraftet –
gut nachbarlich ist die Beziehung,
wenn engelhaft dabei noch die Bemühung –
Herr Mager, der seit längrer Zeit am eignen Lager,
ward nun als Meinung sehr begehrlich,
weil ritterlich und durchaus ehrlich,
der Zustand, der ihm zugedacht,
ward wörtlich und des öft’ren dargebracht ,
so rein und aus Gefälligkeit
und aus der Not der reifen Zeit,
so reiflich zeitlich – so zeitlich reiflich –
der Kurgast ward mit dieser Gastlichkeit
ein Reifezeugnis seiner eignen Zeit
und ausgestellt, zum großen Glück,
von einer Schau als bestes Stück –
So moderiert wird man als Stück dem Ganzen vorgeführt,
man sieht, man kennt sich zur Genüge,
geht man aufs Ganze auf dem Weg zum Siege.
---
Herr Neuerlich war von Natur aus treu,
damit er sich und seine Welt erfreu,
denn prüfend scheint es wohlgetan,
was man gekonnt betreibt und mehr nach Plan –
als Stützpunkt und ganz allgemein
war man in dieser Art nicht mehr allein,
denn solchermaßen ist man gut versorgt
und zweifelsfrei in diese Welt geborgt –
so ward Herr Neuerlich denn auch bekannt
und achtungsweisend im Gespräch genannt,
vor allem in der Männerwelt, die marktlich dazu aufgestellt –
da man den Dingen wohlgewogen,
hat man vor diesem Mann den Hut gezogen,
und wenn sein Schritt sich marktverbreitet,
was ohnehin man oft bestreitet,
tat man in Ehrfurcht und mit Blicken
dies Tugendwunder neu beglücken –
wie schon erwähnt, war seine äußere Erscheinung,
weil außen dran und auch als Meinung,
doch recht erwähnenswert,
vor allem, wenn im Licht bewährt –
Nun aber stand am Rande da ein Grüppchen
von aufgeputzten jungen Püppchen,
dem man als ein besondres Naturell,
und noch dazu als Junggesell,
nicht ganz geheuerlich, so abenteuerlich –
mit Gestik, Mimik ward hier sehr geflüstert
und enger noch der Damenkreis verschwistert,
welch Ironie betrat da manches Mündchen,
so marktbetagt und auf ein Stündchen –
Ein Markt, der sich betretbar macht,
wird oft mit solcherlei bedacht,
auch sieht er öfter mit Erröten,
was da in dieser Art vonnöten –
Als nun Herr Neuerlich, recht abenteuerlich,
marktbreitlich kommt einhergeschritten,
war zu befürchten, dass sein Anstand und die guten Sitten
zu seinem und der andren Schaden
doch hierbei in Gefahr geraten,
denn mancher wird sehr oft belehrt,
wenn von der Damenwelt mehrfach verehrt –
Herr Neuerlich trat nicht mehr lange in Erscheinung
mit der von ihm verfassten Meinung,
bald fiel er bei den aufgestellten Damen
rein bildlich aus dem Tugendrahmen –
Man sieht, auf Märkten ist mit solchen Sachen
und überhaupt kein Staat zu machen,
man halte sich mit seinem Glück inkognito diskret zurück,
man bleibt nicht lange mehr ein Tugendheld,
wenn das der Nachbarin nicht sehr gefällt.
---
Ein Igel, wie sowohl auch seine Frau,
die tranken heute Himmelblau,
so himmeltrunken, blau gewunken –
die Nasen waren duftgeschwängert
und himmelwärts emporverlängert,
wie es wohl kommt, dass solches einen Igel frommt? –
ein Teufel sah die Igeleien
sich blau vergnügt am Himmel freuen,
der Teufel, weil er sowieso verspätet,
hat bald dem Igelpaar das Wort geredet,
geschickt, wie man als Teufel zwackt,
hat er die Rede später angepackt –
zuvor als junger Held ritt er dem Paar entgegen,
von Stolz geschwellt, wie es die Helden pflegen,
der Eindruck fiel recht günstig aus:
die Igelfrau bemühte den Applaus,
denn meist zu Pferde bereist ein Ritter diese Erde –
kommt erst derselbe angetrabt,
sich Weiblichkeit am Anblick labt,
und wie die Brust metallverbreitert,
belebt die Frau sich blickerheitert,
und weil man drin sich spiegeln kann,
vergisst man schnell den Igelmann –
der nun vergaß bei solchen Spiegelbräuten
die blauen Igelschnupperfreuden,
die Ehe ward etwas zerrüttet,
weil farblich glänzend zugeschüttet –
es trat der Teufel nun, soweit das möglich war,
geübten Schrittes vor das Igelpaar,
des Mundes Winkel leicht emporgezogen,
am Hut die Feder kühn verbogen,
sprach er der Igelfrau von Reverenzen,
um seinen Anblick redend zu ergänzen –
ein Igelherz, noch winterlich vom Schlaf getrübt,
ist schnell in solche Schau verliebt,
der Teufel mit beblechter Brust
hat dieses schon vorher gewusst –
war auch des Igels liebe Frau
ein wenig noch vom Himmel blau,
ein Teufel wird schnell ausgesöhnt,
so teuflisch von Erfolg verwöhnt,
man bot der Igelfrau das Händchen
und bracht ihr blickverwandt ein Ständchen,
jetzt klang ein Lied zur Klampfe,
die Igelfrau erlag dem Kampfe –
dem Igelmann das Herze brach,
so sah er nun dem Paare nach,
und um das Ganze zu vergessen,
hat er dann einen Wurm gefressen,
der Magen, wenn er recht gefüllt,
so manchen Kummer stillt,
das wahre Glück man erst erfährt,
wenn man sich erdlich redlich nährt.
---
Wie köstlich ist uns die Rosine
auf einer gut gebacknen Kuchenbühne,
wie glanzvoll ist doch diese Rolle,
die man dabei dort spielen solle,
wie herrlich ist man eingerahmt,
im Backfleiß schon vorhergeahnt –
damit man sich daran belehre,
erwirbt man so die Kuchenehre,
man ist damit sehr gut beraten,
vollendet man die Backzutaten,
denn Zutun zeigt sich so als schick
durch das geübte Partnerglück,
und wie man doch das Auge schwängert,
wenn man durch sich den Blick verlängert –
inmitten aufgestellter Kaffeetassen
lässt sich das ganze Glück erfassen:
hier ist man wer, hier darf man sein,
ist unter Gleichen nicht mit sich allein,
in einen Kuchen eingedichtet,
sieht man die Augen auf sich selbst gerichtet,
und was schon jede Zunge ahnt,
ist in uns vorher angemahnt –
damit man etwas von uns sehen kann,
hat man umrandet noch ein Außen dran,
so ist man treulich ausgeschildet
als das, was man sich eingebildet,
man steht auf einem Tisch in bessern Kreisen,
um sich als Bild dort zu beweisen,
und wie das Urteil fähig spricht,
erweist man sich als Leibgericht –
der Leib beweist an sich sehr ehrlich,
was ihm von dieser Welt begehrlich,
und jedes Gramm trägt dazu bei,
dass ihm das Pfund gebührlich sei –
auf jeden Fall wird dadurch fällig,
dass man an einem Tisch gesellig,
letztendlich trägt wohl auch die Kaffeerunde
im Herzen eine Götterstunde,
was sich denn auch am Wort beweist,
das diesen Kuchen eingekreist –
fachmännisch wählt die Urteilskraft
ein Stück von dieser Liegenschaft,
die nun bekanntlich diesen Weg beschreitet,
der ihr vom Grund her aufbereitet –
so darf denn das Rosinenklein
rein vom Geschmack her etwas Großes sein,
so wird man wörtlich in den Mund genommen,
ist man auf den Geschmack gekommen,
und legt so seinen Weg zurück
im frisch gebacknen Kuchenglück
zuförderst dieser allgemeinen Meinung:
dass man gelungen als Erscheinung.
---
(Notizen zu einem Vers des Geheimen Rates)
„Ich hab´ mei´ Sach´ auf nichts gestellt“ –
Wie int’ressant, ist man mit einem Nichts verwandt,
welch Standpunkt kündigt sich da an,
der sich aus einem Nichts gewann? –
Gott helfe mir, es ist da einer, der schon nicht mehr hier,
wo ist er jetzt, wo fiel er hin,
welch´ Stützpunkt zeitigt ihm der Sinn? –
Wie groß ist doch gewagt, was man so leicht dahin gesagt –
Jedoch, geflügelt oft, ein Wort, trägt einen Engel fort,
der hat sei´ Sach´ auf einen Wind gelegt,
wenn er sich flügelreich gepflegt –
man sieht, ein Hauch trägt eine Sache auch,
nur eben dieses Nichts, als Rätselwort,
scheint mir ein recht be-denklich Ort –
der Ausspruch spricht es aus:
Solch Gast bringt uns Gefahr ins Haus,
hier liegt, definitiv, ein Urgrund schief,
die Sache, rein auf nichts gestellt? –
welch eine Wunderwelt,
so rein kann keine Sache sein –
des Pudels Kern als Nichts steht einem Pudel fern –
sollt´ dieses Nichts dem Punkte Mittel sein?
wer ist’s, der stimmt in diesen Jubel ein? –
das Nichts, als letzte aller Fragen,
was hätt´ es dazu auszusagen? –
wie eingeengt man doch solch Nichts bedrängt –
wie das wohl wär, pflegt man mit einem Nichts Verkehr? –
verkehrt verkehrt, wer sich mit einem Nichts belehrt,
das Denken wird gekränkt,
wenn es sich an ein Nichts verschenkt –
rein Gar-Nichts als ein Gegensatz zur Welt polartig vorgestellt? –
Pfui Teufel – hier schon regt sich mir der Zweifel,
nicht mal der Teufel stellt sich etwas vor,
wenn er sich an ein Nichts verlor –
so eben lehrt das Nichts den Mann:
Ein Nichts ist etwas, das es gar nicht geben kann,
es widerspräche schon als Wortgewalt
sich selbst und seines Sinn’s Gehalt.
---
Man ist stets der, den man an sich erfährt,
getreu dem Slogan, den man an sich nährt,
und weil es sich mal so gehört,
man gerne auf sich selber schwört –
wer hält sich schon für ungeschickt,
wenn er sich an sich selber glückt,
wer meint nicht, dass er mit Bedacht
sich in der Welt erzählt gemacht,
dass man beglaubigt und getreu
derjenige, weil welcher sei? –
Um alles denn in dieser Welt
ist man stets der, der sich gefällt –
getreu der allgemeinen Meinung
liebt man sich selber als Erscheinung –
so groß und hohl es klingen mag,
man bringt sich gerne an den Tag,
es riecht sehr oft nach Selbstbetrug,
hat man nicht an sich selbst genug –
tut man auch recht bescheiden,
man kann sich nicht vermeiden,
die Glocke, die sich klanglich übt,
ist stets auch in den Ton verliebt,
das eben zeigt das Maß der Welt,
dass man sich selber dargestellt.
---
Damit man sich erklärlich findet,
man sich mit Worten schindet,
man schätzt und wägt, zerlegt und sägt,
um sich letztendlich zu beweisen,
dass man zerteilt auf Reisen –
was denkt, wird richtungstoll nach mancherlei gelenkt,
der Kutscher kennt sein Hü und Hott
aus Anerkennung und aus Spott –
obwohl versammelt unter einem Hut,
weiß nie das eine, was das andre tut,
und was man als Gedanken grad besessen,
lässt uns das andre schnell vergessen –
so dreht der Hund sich um den Schwanz bei diesem Eiertanz,
und meint, dass er von vorne kann,
was bei ihm weiter hinter dran –
der Schwanz entzieht sich seiner Kenntnis
jedoch durch diese kreisende Verwendnis,
hier zeigt sich schon ein Punkt, mit dem man sich nicht eint,
weil er sich stets mit Abstand meint –
so läuft man seinem Ende hinterher,
damit man sich der Welt erklär´,
und dann mit Wehmut endet dieser Tanz
mit einem Biss in unsern eignen Schwanz –
wohl dem, der das erreicht,
weil er sich mit sich selbst vergleicht –
doch siehe da, wie dumm, es hat die Welt ein Außen drum,
und dieses will nicht so, wie wir es wollen,
wenn wir es haben kennen sollen –
man sieht, der Schwanz löst nicht auf Knall und Fall
das Rätsel mit der Drehung Drall,
die Mühsal ist umsonst verschwendet,
wenn man am Ende nur am Schwanze endet –
der Hund, der sich gedanklich so verwandt,
sitzt nun, als Denken anerkannt,
versunken in des Sitzes Pose,
und feiert sich als Ankunft in dem eignen Schoße
und lernt, nach höheren Gesetzen,
die Stille und das Schweigen schätzen –
und plötzlich bringt ihm diese Aufbewahrung
am Ende doch noch die Erfahrung,
dass das, was man als Welt versteht,
sich um sich selbst von ganz alleine dreht.
---
Ein Ritter, noch nicht alt, zog einst durch einen Wald,
man sah’s dem Ritter an, dass er sich solches leisten kann,
denn gut gerüstet, hat er den Wald sich überlistet –
in den Analen war dann nachzulesen,
dass kürzlich er mal da gewesen –
nur eine Lanze, die ihm lang und spitz gehörte,
ihn dabei doch beträchtlich störte,
die Möglichkeit zu einer Wende gebrach ihm just am Ende,
er war dazu verpflichtet, dass er nach vorne ausgerichtet –
so ritt er mit Bravour gradwegs auf seiner Ritterspur,
obwohl nicht jeder, der so fortgeritten,
auch leicht befußt das Ziel erstritten,
es scheint manch Leidensweg getrübt,
wenn man mit einer Lanze übt –
doch äußerlich zeigt man dem Blick, dass eine Lanze schick,
denn vollends in Statur ist man mit einer Lanze nur,
und auch das Konterfei erzählt, dass man ein rechter Krieger sei –
