Ernteglück im Bauerngarten - Walburga Schillinger - E-Book

Ernteglück im Bauerngarten E-Book

Walburga Schillinger

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Beschreibung

Was muss diesen Monat in den Boden? Wie lange sind Samen keimfähig? Wie lege ich eine Mischkultur an? Auf all diese Fragen hat Walburga Schillinger aus ihrer langjährigen Erfahrung als Selbstversorgerin und Bäuerin eine Antwort. In diesem Buch teilt sie ihr Wissen um den Bauerngarten und zeigt Ihnen, wie Sie Ihren Gemüsegarten erfolgreich bewirtschaften. Die junge Gärtnerin Charlotte Pohse steuert kreative Ideen aus ihrem neu angelegten Nutzgarten bei: Zum Beispiel, wie man mit Orangen Schnecken fängt oder ein Insektenhotel selbst baut. Fundierter Gartenrat, leckere Rezepte und traditionelles Wissen machen dieses Buch zu einem einzigartigen Ratgeber für alle Gemüsegärtner und Selbstversorger.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 268

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Walburga Schillinger Charlotte Pohse

ERNTEGLÜCK IMBAUERNGARTEN

SELBSTVERSORGUNG RUND UMS JAHR

INHALTSVERZEICHNIS

EINFÜHRUNG

SCHRITT FÜR SCHRITT ZUM EIGENEN GARTEN

Januar & Februar

Träumen, Planen, Vorbereiten

GARTENPRAXIS

Vorbereitungen zum Gartenstart

DIE EIGENE KINDERSTUBE

Sameninventur

Wie lange sind Samen keimfähig?

Samen aufbewahren

Samen bestellen

Anzucht im Haus: die ersten Vorkulturen

Natürliche Samenbeize

AB IN DEN BODEN!

Beerensträucher schneiden

Beerenobst mulchen

Dicke Bohnen vorkeimen

Charlottes Mischkulturbeet

DO IT YOURSELF!

Wie man mit Orangenschalen Schnecken fängt

Charlottes DIY-Pflanzschilder

Kleingewächshäuser mit Walburga

Charlottes Secondhand-Pflanzschalen

DIE GUTEN INS TÖPFCHEN

Das wird jetzt geerntet

Rezeptideen aus Keller & Vorrat

WAS DIE OMA SCHON WUSSTE

Zwiebellagerung

Obstbäume weißeln

Ruß für Schnittlauch

Wilde Brombeeren entfernen

März & April

Raus an die Frühlingsluft!

GARTENPRAXIS

Der phänologische Kalender

DIE EIGENE KINDERSTUBE

Das kleine Anzucht-Einmaleins

Anzuchterde selber mischen

Richtig säen

Richtig pikieren

AB IN DEN BODEN!

Bodenbearbeitung zum Gartenstart

Startschuss im Gemüsebeet − Direktsaat

Wie sät man welches Gemüse?

Guter Start für Zierpflanzen

Charlottes Mischkulturbeet

DO IT YOURSELF!

Mit Walburga Weiden verarbeiten

Upcycling: Walburgas Gartenmobil

Charlottes Jeans-Gartenschürze

DIE GUTEN INS TÖPFCHEN

Das wird jetzt geerntet

Rezeptideen aus Garten & Natur

WAS DIE OMA SCHON WUSSTE

Knoblauch – Ein guter Freund des Gärtners

Mondkalender

Mai & Juni

Wachsen und Werden

GARTENPRAXIS

Charlottes Ideen für Platznot im Garten

DIE EIGENE KINDERSTUBE

Aussaaten im Mai

Aussaaten im Juni

Zweijährige Blumen aussäen

Nachwuchs bei verholzenden, mehrjährigen Kräutern

AB IN DEN BODEN!

Direktsaaten im Garten

Jungpflanzen setzen

Wichtige Gartenarbeiten im Mai & Juni

Charlottes Mischkulturbeet

DO IT YOURSELF!

Walburgas Staudenhalterungen

Charlottes Namensschilder für Gemüse

Mit Tassen gegen Ameisen

DIE GUTEN INS TÖPFCHEN

Das wird jetzt geerntet

Rezeptideen aus Garten & Natur

WAS DIE OMA SCHON WUSSTE

Tipps bei Spätfrösten im Mai

Pflanzenjauche

Juli & August

Asu dem Vollen schöpfen

GARTENPRAXIS

Nützlichen Helfern helfen

DIE EIGENE KINDERSTUBE

Letzte Voranzuchten im Hochsommer

Saatgut aus dem eigenen Garten

AB IN DEN BODEN!

Das wird in der zweiten Jahreshälfte gesetzt

Das wird in der zweiten Jahreshälfte gesät

Das ist in der zweiten Jahreshälfte noch zu tun

Charlottes Mischkulturbeet

DO IT YOURSELF!

Charlottes Tipps gegen Hitze

Achtung Unwetter!

Walburgas Tipps zum richtigen Gießen

DIE GUTEN INS TÖPFCHEN

Das wird jetzt geerntet

Tipps zum Haltbarmachen

Rezeptideen aus Garten & Natur

WAS DIE OMA SCHON WUSSTE

Gründüngung

Stecklingsarbeit

September & Oktober

Wunderbare Erntezeit

GARTENPRAXIS

Was braucht ein Gärtner wirklich?

DIE EIGENE KINDERSTUBE

Samen und Samenernte im Herbst

AB IN DEN BODEN!

Topfblumen einwintern

Dahlien überwintern

Bodenbearbeitung nach der Saison

Zwiebelblumen setzen

Charlottes Mischkulturbeet

DO IT YOURSELF!

Wintergemüse und Kartoffeln lagern

Unsere Vorräte im Erdkeller

In der Erdmiete

DIE GUTEN INS TÖPFCHEN

Das wird jetzt geerntet

Tipps zum Haltbarmachen für Gartenkräuter

Rezeptideen aus Garten & Natur

WAS DIE OMA SCHON WUSSTE

Unkraut oder Beikraut?

Was tun gegen Wurzelunkräuter

Unkrautfrei in den Winter

November & Dezember

Jetzt kehrt Ruhe ein

GARTENPRAXIS

Nach der Gartensaison ist vor der Gartensaison

AB IN DEN BODEN!

Wintergemüse im Garten

Im Staudengarten

Strauch- und Heckenschnitt

Im Heilpflanzengarten

Charlottes Mischkulturbeet

DO IT YOURSELF!

Walburgas Ideen zur Laubverwertung

Charlottes Insektenhotel

Walburgas Vogelfutter in Tassen

DIE GUTEN INS TÖPFCHEN

Ernte für den Vorrat

Einfach haltbar machen

Rezeptideen aus Vorrat & Winterbeet

WAS DIE OMA SCHON WUSSTE

Arbeitsgeräte pflegen

Düngen mit Asche

SERVICE

Sortenliste

Adressen und Bezugsquellen

Zum Weiterlesen, Informieren, Inspirieren

Bildquellen, Impressum

EINFÜHRUNG

Erfahren Sie, wie wir zum Bauerngarten kamen, warum das Prinzip Bauerngarten auch heute noch zeitgemäß ist und wie Sie dieses Buch in Ihrem Garten unterstützen kann.

WALBURGA SCHILLINGER – Wie alles anfing

Einen Garten anzusäen, Gemüse anzupflanzen und das Geerntete auch zu verarbeiten, davon träumen heute viele und suchen auch Wege, diesen Traum zu verwirklichen. Dabei sind die Überlegungen mit Sicherheit genauso vielschichtig wie die Menschen selbst. Es geht um Selbstversorgung, um den „Luxus“, frische Lebensmittel vor Ort zu haben, und die damit verbundene Unabhängigkeit. Je länger und bewusster man sich mit dieser Materie beschäftigt, desto intensiver gehen die Intentionen auch in andere Richtungen. Man setzt dem allgegenwärtigen Kommerz, den wachsenden Müllhalden und der Verarmung der Landschaft ganz praktisch und selbstbestimmt etwas entgegen. Gärten sind schön, bunt, nützlich und bereichern unsere Lebenswelt in Stadt und Land. Es sind Paradiese und Rückzugsorte, die einen wieder auf das wirklich Wichtige im täglichen Leben hinführen, eine gesunde Ernährung für die Familie.

Ich selbst bin in die Gartenarbeit eigentlich eher „reingeschlittert“. Als junge Frau, eingeheiratet auf einen Vollerwerbsbetrieb im Mittleren Schwarzwald, war ich zunächst mit den kleinen Kindern beschäftigt. Die Zubereitung des Mittagessens für sechs, später acht Personen wurde mir gerne von Anfang an überlassen. Der Garten konnte noch von meiner Schwiegermutter Maria und deren Mutter bestellt und gepflegt werden. Mit dem Nachlassen ihrer Kräfte fiel mir in diesem Bereich immer mehr zu. Das praktische Wissen dazu habe ich von ihnen gelernt. In der Ländlichen Hauswirtschaft wird zwar auch Gartenbau unterrichtet − etwas erzählt zu bekommen oder es selbst zu tun, sind aber eben doch zwei völlig verschiedene Stiefel. Diese Erkenntnis hat nun mein Leben bestimmt. Ich hatte Spaß an dieser neuen Tätigkeit, habe nebenbei viel zum Thema gelesen und noch mehr ausprobiert. Maria ließ mich gewähren, als ich den Garten auf Mischkultur umstellte. Fortan sollte auch kein Kunstdünger mehr verstreut werden, was sich allerdings zunächst als schwierig in der Durchsetzung erwies. Von Anfang an habe ich ein „Garten-tagebuch“ geführt und alles hineingeschrieben, was mich interessierte, und natürlich auch die Ergebnisse meiner Probierfelder festgehalten.

Walburga im Garten.

Walburgas Gärten rund um den Höfenhof. Die alte Hofstelle liegt auf einem ganztägig besonnten Höhensattel im Schwarzwald.

Hier oben auf 550 m gedeiht „fast“ alles, womit die Familie zu einem Großteil selbstversorgt werden kann. Kühe und Schweine liefern Fleisch und ihr Mist ergibt wertvollen Humus. Enten kümmern sich um die Schnecken, Bienen sorgen für die Bestäubung und den Honig. Wir leben mit der Natur, den Jahreszeiten und den damit verbundenen Gesetzmäßigkeiten. Ich liebe meine Arbeit und bin gerne Bäuerin, ich kann mir nichts anderes vorstellen. Diese Begeisterung hat mich dazu bewogen, meinen Garten stetig zu erweitern. Inzwischen befinden sich innerhalb der großen Hofstelle von 10 000 qm neben dem Hofgebäude noch traditionelle landwirtschaftliche Nebengebäude wie Speicher oder Backhaus. Dazwischen liegen Streuobstwiesen, ein vielfältiger Beerengarten, der große historische Gemüsegarten, ein separater Kräutergarten, ein Krautland, ein Samengarten und einige Staudenbeete. Es ist ein tolles Gefühl, beim Mittagessen zu sagen: das kommt alles aus unserem Garten.

Seit der ersten Auflage sind nun sechs Jahre vergangen. Corona hat uns gezeigt, wie fragil unsere Lebenserhaltung ist und nichts als selbstverständlich und immer verfügbar angesehen werden kann. Wir müssen uns damit abfinden, dass der Klimawandel keine zeitlich begrenzte Krise ist, sondern einen Wandel darstellt, der uns vor große Herausforderungen stellt. Ich experimentiere verstärkt mit trockenheitstoleranten Gemüsearten und lege einen noch größeren Augenmerk auf Bodenbedeckungen, das ganze Jahr über. Den Hof haben wir an unsern Sohn übergeben. Als dreifache Großmutter bin ich dabei, Gartenbereiche altersgerecht umzugestalten. Alles wandelt sich, dafür ist ein Garten das beste Beispiel.

CHARLOTTE POHSE – Vom Wachsen und Werden

In meiner Kindheit gab es an wechselnden Wohnorten immer große Gärten mit viel Platz zum Toben, Beerennaschen und Gemüsebeeten, die wir mitpflegen durften. Während meines Studiums in Freiburg hatte ich ein kleines „Fernbeziehungs-Gemüsebeet“ in einem Garten an den Ausläufern des Spessarts. Das 3 × 7 m große, eher chaotische Experimentierbeet deckte erstaunlicherweise trotz fröhlicher Unübersichtlichkeit und gelegentlicher Ausfälle einiges an Gemüse- und Salatbedarf ab. Und es bot sogar noch Platz für erste Experimente mit der Saatgutgewinnung von diversen Blumen und Gemüsepflanzen. Vor allem aber war es mit das Schönste, in den Semesterferien Stadt und Studentenwohnheim zu entkommen und buchstäblich im Dreck zu buddeln.

Charlotte im Garten.

Diese allerersten Gartenerfahrungen wurden ergänzt von meinem Nebenjob im Garten- und Landschaftsbau, der mich in zahlreiche Gärten in und um Freiburg brachte, und von meiner Arbeit in der Gärtnerei und Sämerei einer Dorfgemeinschaft für Menschen mit geistiger Behinderung. Zusätzlich durfte ich an einer intensiven und inspirierenden Fortbildung zur biologisch-dynamischen Gemüsezüchtung teilnehmen.

Parallel zur Entstehung dieses Buches bekamen mein Mann und ich nicht nur zweifachen Familienzuwachs, sondern auch die Möglichkeit, als Mieter in einer kleinen Wohngemeinschaft ein altes Häuschen in Ortslage mit ca. 1 000 qm Garten und betagtem Obst- und Nussbaumbestand zu renovieren. So floss das praktische Tun, die Neugestaltung und Nutzungsplanung eines bereits bestehenden Gartens unmittelbar in die theoretische Beschäftigung des Schreibens ein.

Für das erste Gemüsebeet stach ich einfach dort die Wiese um, wo es am ebensten war. Was mit etwa 32 qm begann, erweiterte sich nach und nach auf immer mehr Anbaufläche. In sehr steilen Gartenbereichen, behalfen wir uns mit einer Terrassierung aus Sandsteinen. Außerdem kamen Hochbeete, Beerensträucher und Erdbeerbeete dazu.

Heute, ein paar Jahre nach der ersten Auflage dieses Buches, haben wir noch einmal begonnen, ein Haus zu renovieren. Unser neues Heim ist umgeben von rund 1500 qm Hanggrundstück. Und auch hier lege ich nun wieder einen Nutzgarten an. Grabe um, schichte Ast- und Lesesteinhaufen auf, pflanze Obstbäume, ziehe Wildsträucher und Stauden aus Stecklingen und versuche, soviel eigene Lebensmittel zu ernten wie möglich.

Neben Spaten, Krail und Hacke sind mir dabei meine drei Kinder treue und mal mehr mal weniger hilfreiche Begleiter. In jedem Fall ist es eine Freude, sie hier zwischen neu gepflanzten Bäumchen und Gemüsebeeten groß werden zu sehen: Draußen, mit schmutzigen Händen und löchrigen Hosen, beim Entdecken von Blindschleichen, Erdhummeln und brütenden Blaukehlchen, beim Naschen von Gemüse direkt aus dem Beet und beim verschwenderischen Zupfen von Blüten.

Was wollen wir Gärtnerinnen und Gartenbegeisterten denn mehr?

Charlottes Garten rund um ein kleines Haus in Ortslage − mit vielen alten Bäumen und immer mehr Gemüsebeeten.

VORWORTvon Charlotte Pohse

Ein Begriff wie der „Bauerngarten“ mutet heutzutage fast schon archaisch an. Es klingt nach leicht musealer Atmosphäre mit zentralem Wegkreuz und hinter Buchshecken Unkraut zupfenden Großmüttern. Aber auch, wenn sich heutige Gärten und Gartenbewegungen mit anderen, zeitgemäßen Namen schmücken, geht es im Kern doch oft um dasselbe: eigenes Gemüse anbauen, sich spritzmittelfrei, saisonal, unabhängig und vielfältig ernähren – und nicht zuletzt um den Spaß am Tun.

Bauerngärten waren und sind auf eine langfristige Nutzung, über Generationen hinaus, angelegt. Kreislaufwirtschaft und kleinbäuerliche Selbstversorgungswirtschaft ergaben sich oft schlicht schon durch die (begrenzten) Gegebenheiten. So fand sich dementsprechend viel praktisches Wissen zur Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit und Pflanzengesundheit. Mit dem Wandel in der Landwirtschaft und der allgegenwärtigen Dauerverfügbarkeit von Saatgut und Lebensmitteln gingen nicht nur zahlreiche Bauerngärten, sondern auch das vorhandene Wissen verloren. Ein Nutzgarten schien überwiegend nur noch mit Arbeit verbunden zu sein. Dennoch gibt es sie noch, die Bauerngärtnerinnen im klassischen Sinne, die neben ihrer Tätigkeit im bäuerlichen Betrieb einen Gemüsegarten bestellen, den sie von der Mutter oder Schwiegermutter übernommen haben − zusammen mit uraltem, bewährten Gartenwissen.

Eine solche überzeugte Bauerngärtnerin ist Walburga Schillinger, die sich und ihre Familie seit Jahrzehnten selbst versorgt und rund um den alten Schwarzwaldhof ein stetig wachsendes (Nutz-)Gartenparadies und Refugium für zahlreiche Pflanzen und Tiere geschaffen hat. Seit vielen Jahren gibt sie ihre Erfahrungen an Interessierte weiter − sei es am Tag des offenen Bauerngartens, bei Hofführungen, Gartenfahrten oder in Fachartikeln. Ich durfte Walburga und den Höfenhof während der Recherchearbeiten zu meiner Masterarbeit über die Bauerngartenkultur in Südbaden kennenlernen. Als weit vernetzte Gärtnerin und engagierte Ehrenamtliche vermittelte sie mir zahlreiche Kontakte zu anderen Bauerngärtnerinnen und war in vielen Fragen stets hilfreiche Ansprechpartnerin. Aus dieser Bekanntschaft und gegenseitiger Sympathie hat sich die Zusammenarbeit für dieses Buch ergeben. So ist es gleichzeitig ein Gemeinschaftsprojekt geworden, das zwei Generationen und Erfahrungswelten von Gärtnerinnen zusammenbringt – ergänzt und wunderbar vervollständigt durch die Fotos und Anregungen von Christiane Bach. Gärtnern lebt vom Austausch über dem Gartenzaun, vom gemeinsamen Fachsimpeln, dem Austausch an Erfahrungen, Saatgut und Pflanzen. Im besten Falle finden auch Sie als Leser in diesem Buch durchs ganze Jahr hindurch zu allen Gartenthemen Antwort auf brennende Fragen, Anleitung für verschiedene Tätigkeiten und Anregung für eigene Gartenexperimente.

Aus eigener Erfahrung und Gartenpraxis heraus: Man kann vom Bauerngarten viel lernen. Fern vom Bildbandklischee geht es darum, mit einfachen, vorhandenen Mitteln und Materialien, orientiert an den örtlichen Gegebenheiten und bei möglichst geringem zeitlichem Input eigene Nahrungsmittel anzubauen. Frei von Chemikalien und langen Transportwegen und ohne dabei den Spaß am Gärtnern und den Sinn fürs Schöne aus den Augen zu verlieren!

Diese Freude am Gärtnern und eben auch das nötige Wissen dazu zu vermitteln, ist die Absicht des vorliegenden Buches. Alles, was in diesem Buch beschrieben wird, ist selbst erprobt und hat sich oft schon über Jahre bewährt. Wenn es Sie beim Lesen beständig in den Fingern juckt und sie eigentlich nur noch mit dem Buch in der Hand raus in den Garten und loslegen wollen, dann wären wir schon hochzufrieden.

SO LESEN SIE DIESES BUCH

Bevor das Buch ein ganzes Gartenjahr durchwandert, führt der erste Teil zunächst Schritt für Schritt zum eigenen Garten. Von der Planung bis zur Umsetzung wollen wir Ihnen darin das nötige Wissen für die Verwirklichung Ihrer Gartenträume und -ideen an die Hand geben und dazu noch einige grundsätzliche, allgemeine Hinweise zur Gartenbewirtschaftung vermitteln. Wie der Garten selbst orientiert sich der Hauptteil des Buches am Jahreslauf mit seinen unterschiedlichen und wiederkehrenden Tätigkeiten und Anforderungen. Die Kalendermonate sind paarweise in sechs Monatsteilen zusammengefasst. In jedem Monatsteil erfahren Sie, was aktuell an Arbeiten im Garten ansteht und wie sie durchgeführt werden. Die Gartenarbeit ist geprägt vom Jahreskreis und seinen wiederkehrenden und neuen Impulsen. So finden sich auch in den Monatsteilen wiederkehrende Überschriften mit jeweils monatsspezifischen Inhalten:

GARTENPRAXIS

im Bauerngarten

Hier finden Sie alles, was Sie zur Beetplanung, Vorbereitung und Orientierung für kommende Arbeiten brauchen.

DIE EIGENE KINDERSTUBE

Alles über Samen, Säen & Anzucht

Dreht sich um die richtige Aussaat, Zeitpunkte, Samenernte und Sortenfragen.

AB IN DEN BODEN!

Arbeiten im Garten rund ums Jahr

Jetzt gehts raus in die Beete! Alle wichtigen Tätigkeiten im Gemüsebeet – aber auch im Kräuter-, Blumen- und Beerenobstgarten – finden Sie hier.

ZUM LESEVERSTÄNDNIS

In diesem Buch berichtet Walburga Schillinger aus ihrer Perspektive. Beiträge von Charlotte Pohse sind entsprechend gekennzeichnet.

CHARLOTTES MISCHKULTURBEET

Monat für Monat

Durchs ganze Jahr begleitet Sie Charlottes kleines Mischkulturbeet, zum einfachen Nachmachen und individuellen Abwandeln.

DO IT YOURSELF!

Charlottes und Walburgas Gartenideen

Hier gibt es Tipps und Anleitungen zum Selbermachen von Nützlichem und Schönem im und für den Garten.

DIE GUTEN INS TÖPFCHEN

Ernten & Rezeptideen

Weil zum Gärtnern untrennbar auch das Ernten und Verarbeiten der eigenen Gartenfrüchte gehört, beschäftigt sich dieser Teil mit dem richtigem Erntezeitpunkt, verschiedenen Konservierungsmöglichkeiten und einfachen, bewährten und saisonalen Rezepten.

WAS DIE OMA SCHON WUSSTE

Wertvolles Wissen wiederentdeckt

Hier erwartet Sie altes Gärtnerwissen, das schon der Oma im Garten zu reicher Ernte und gesunden Pflanzen verholfen hat.

Schritt für Schritt zum eigenen Garten

Gemüse, Kräuter und Obst aus dem eigenen Garten ernten ist kein Hexenwerk! Wir zeigen Ihnen Schritt für Schritt, worauf es bei der Anlage und Gestaltung eines Nutzgartens ankommt und geben Ihnen das notwendige Wissen für eine möglichst reiche Ernte mit.

BESTANDSAUFNAHME

Grundsätzlich kann man auch als Laie oder Gartenneuling einen Garten neu planen beziehungsweise einen vorhandenen umgestalten. Worauf es ankommt, sind einige Überlegungen vorab und etwas Zeit und Geduld. Wenn es Sie bereits in den Fingern juckt und Sie am liebsten sofort loslegen und alles umgraben wollen, halten Sie noch einen Moment inne, denn der erste Schritt bei der Gartengestaltung sollte immer eine Bestandsaufnahme sein.

Das Grundstück

Das Grundstück bildet den Rahmen des Gartens und gibt bestimmte Bedingungen vor, die unmittelbaren Einfluss auf die Anlage und Pflege eines Gartens haben. Folgende Punkte spielen eine wichtige Rolle für die Gartengestaltung:

In welcher Höhenlage befindet sich das Grundstück?

Je höher das Grundstück, umso wichtiger ist die Einbeziehung von Windschutz und Wärmefallen. Höhe und Region erlauben oft auch eine Aussage zu den Gesteinsarten (Urgestein), auf denen der Gartenboden gegründet ist. Wer es ganz genau wissen will, kann sich bei den regionalen Landwirtschaftsämtern informieren.

Wie ist die Geländeoberfläche (Topografie) des Grundstücks?

Ebenes Gelände ist ideal zum Bearbeiten, man kommt mit der Schubkarre überall hin und Unwetter schwemmen den kostbaren Gartenboden nicht weg. Dafür muss man sich aber tiefer bücken und in Senken kann teilweise nach starkem Regen das Wasser stehen bleiben. In ebenen und sehr windreichen Regionen sind außerdem Hecken und Schutzpflanzungen essenziell. Hanglagen trocknen nach Regen besser ab, sind aber schwieriger zugänglich und Unwetter schwemmt am Hang gerne den Boden weg. Extrem steiles Gelände ist nur durch eine Terrassierung nutzbar.

In Gärten mit Hanglage erleichtert eine zunächst aufwendige Terrassierung (wie hier in Charlottes Garten) die Bewirtschaftung langfristig ungemein.

Wie sehen Bebauung und Bewuchs des Grundstücks aus?

Es kann die Gartenplanung erleichtern, wenn man sich einen einfachen Plan zeichnet. Am besten fertigt man eine Skizze des Grundrisses an und zeichnet bereits vorhandene Bäume, Sträucher, Wege oder ähnliches ein. Hilfreich ist es auch, die Größe des geplanten Beetes an der vorgesehenen Stelle mit Schnur und Stöcken abzustecken oder einfach mit Sand aufzuzeichnen.

Wenn bereits ein Beet vorhanden ist, wie ist sein Zustand?

Verunkrautet ist ein ungenutztes Beet schon nach einem Jahr. Brennnessel, Vogelmiere oder Melde bekommt man in den Griff, den ausbreitungsfreudigen Giersch wird man nur schwer wieder los (siehe Seite

166

).

Der Bodenmit Charlotte

Der Boden ist die Grund- und Ausgangslage allen gärtnerischen Schaffens. Nur ein gesunder Boden kann auch dauerhaft gesunde (Nutz-)Pflanzen hervorbringen. Es lohnt sich also, den eigenen Gartenboden genauer unter die Lupe zu nehmen und sich mit seinen Eigenschaften vertraut zu machen, um Fruchtbarkeit und Ertrag gezielt fördern zu können. Mit seiner Vielzahl an Mikroorganismen (Kleinstlebewesen) ist der Boden ein äußerst lebendiges Gefüge, das den Pflanzen nicht nur Halt gibt und sie mit Wasser und Nährstoffen versorgt, sondern darüber hinaus mit ihnen im ständigen Austausch steht.

Ein gesunder, humoser Gartenboden ist die Grundlage für nachhaltiges Gärtnern und dauerhafte Ernteerfolge.

Grundsätzlich ist das, was wir gärtnerisch tatsächlich als „Boden“ nutzen und verstehen, eigentlich nur die oberste Schicht eines tiefreichenden Gebildes, das sich in fortwährenden Auf- und Abbauprozessen befindet. Zwischen dem Grundgestein, auf dem sich Ihr Gartenboden gründet und den obersten 30 bis 40 cm, die Sie mit ihrem Spaten oder der Grabegabel durchdringen, verlaufen horizontal noch einige weitere sogenannte Bodenhorizonte. In der Regel werden Böden von oben nach unten in ihren Bildungsprozessen beeinflusst, sei es durch Niederschläge, den Eintrag von Stoffen oder die mehr oder weniger intensive Bodenbearbeitung. Dies führt dazu, dass sich oft über Jahrtausende verschiedene Schichten oder Bereiche übereinander abgelagert haben. Wichtig für die Gartenpraxis ist das Grundsatzverständnis davon, dass der Gartenboden mehr ist als seine sichtbare Oberfläche. Unabhängig von wissenschaftlichen Analysen, kann man mit ein paar einfachen Untersuchungen ein gutes Bild davon bekommen, mit was für einem Boden man es im eigenen Garten zu tun hat.

Die Bodenart feststellen

Vielleicht sind Ihnen die Begriffe „schwere“ und „leichte Böden“ auch schon einmal begegnet? Schwer oder leicht bezieht sich vor allem auf die Bearbeitungsfreundlichkeit. Der Feinboden ohne Grobanteile wie Steinchen baut sich aus (der Korngröße nach ansteigend) Ton, Schluff und Sand auf. Lehm bezeichnet das Gemisch aus allen drei sogenannten Bodenarten. Der Traum jedes Gärtners wäre ein mittelschwerer Lehmboden, locker, humos, mit gutem Wasserspeichervermögen und leicht zu bearbeiten.

Um herauszufinden, wie es um ihren Gartenboden bestellt ist, machen Sie die Fingerprobe: Nehmen Sie dazu eine Handvoll Gartenerde, zerreiben Sie sie zwischen den Händen und sammeln Sie verbleibende Grobanteile heraus. Rollen Sie eine walnussgroße Menge des gewonnenen Feinbodens im „Normfeuchtezustand“ in den Händen etwa bleistiftdick aus und zerreiben Sie sie zwischen den Fingern. Mithilfe der Tabelle können Sie Ihren Gartenboden einschätzen. Die Bodenart lässt Rückschlüsse auf verschiedene ökologische Eigenschaften des Bodens zu. So nehmen mit der Korngröße auch die Wasserdurchlässigkeit, Durchwurzelung, Durchlüftung und die Bearbeitungsfreundlichkeit ab. Gleichzeitig steigern sich Porenvolumen, Nährstoffgehalt und Wasseraufnahmevermögen.

Sandböden („leichte Böden“) lassen sich grob als lockere, luftige, leicht zu bearbeitende Böden mit geringem Wasserspeichervermögen und eher niedrigem Nährstoffgehalt charakterisieren. Tonböden („schwere Böden“) sind schwer und zeichnen sich durch ein größeres Wasserspeichervermögen und einen höheren Nährstoffgehalt aus. Dafür verfügen sie über wenig Sauerstoff und sind mühselig zu bearbeiten. Wenn es nass ist, kleben tonige Böden an den Arbeitsgeräten und verschlemmen, bei Trockenheit werden sie schnell steinhart und rissig.

Zwischen diesen beiden Extremen liegen Lehmböden („mittelschwere Böden“), sie vereinen jeweils die Vorteile von Ton- und Sandböden und sind deshalb das erstrebte Ziel eines jeden Gärtners. Wie kommen Sie nun zu so einem idealen, gut zu bearbeitenden, luftigen und nährstoffreichen Gartenboden? Hier gilt die alte Gärtnerweisheit: „Humus bindet lockere Böden und lockert bindige Böden.“

BODENARTBESTIMMUNG MITTELS FINGERPROBE

Fingerprobe Bodenart zwischen den Fingern zerreiben formen und rollen in der Hand verschmieren Sand Einzelkörner fühlbar (rau, Schmirgelpapier), sichtbar (Körnergröße) und hörbar (Knirschen) nicht formbar, zerrieselnd nicht beschmutzend Schluff mehlig, Sichtbarkeit von Staub beim Händeklatschen nach Zerreiben nicht oder kaum form- und ausrollbar haftet in Fingerrillen und Handflächen Ton Reibe-/Gleitflächen glänzend und glatt gut formbar, zu dünnen Würstchen ausrollbar schmierig, stark beschmutzend Lehm Einzelkörner sicht- und fühlbar, viel Feinsubstrat form- und etwa bleistiftdick ausrollbar, danach zerbröckelnd beschmutzend

Die Lösung ist in beiden Fällen vor allem Humusaufbau durch regelmäßige Kompostgaben, Gründüngungspflanzen und eine gute Fruchtfolge. Sandige Böden, die ein sehr geringes Wasserspeichervermögen aufweisen und im Sommer extrem schnell austrocknen, profitieren von einer den Boden bedeckenden Mulchschicht, die vor zusätzlicher Verdunstung nach oben schützt und die Feuchtigkeit möglichst lange im Boden hält. Schwere Tonböden sollten im Herbst einmal gut umgegraben beziehungsweise zumindest intensiv gelockert werden, um über den Winter nicht zu stark zu „verpappen“. Auf besonders tonigen Böden kann es außerdem helfen, Sand in den Boden einzuarbeiten, um ihn lockerer und bearbeitungsfreundlicher zu machen.

Den pH-Wert ermitteln

Die Bodenfruchtbarkeit ist neben dem Humusgehalt und der Wasser- und Nährstoffversorgung auch von der Kalkversorgung abhängig. Sie lässt sich indirekt über die Messung des pH-Wertes ermitteln. Dieser gibt an, wie sauer oder basisch ein Boden chemisch gesehen ist. Liegt der pH-Wert über 7 spricht man von basischen oder alkalischen Böden, darunter von sauren Böden. Ein pH-Wert von 7 ist neutral. Die meisten Pflanzen fühlen sich auf neutralen bis schwach sauren Böden am wohlsten. Es gibt aber auch Arten wie etwa Kulturheidelbeeren, die saure Böden zum optimalen Wachstum benötigen. Der pH-Wert lässt sich sehr einfach mittels eines pH-Bodentests aus dem Gartenfachhandel bestimmen und lässt einen Rückschluss auf die Kalkversorgung zu. Diese beeinflusst die Verfügbarkeit von Nährstoffen für die Pflanzen, das heißt ein zu hoher oder zu niedriger Wert kann dazu führen, dass eigentlich vorhandene Nährstoffe im Boden nicht oder nur schlecht verfügbar sind.

Das A und O für einen gesunden, langfristig ertragreichen Gartenboden ist neben dem Humusaufbau eine abwechslungsreiche Fruchtfolge und Mischkultur. Wer vielfältig gärtnert und seinen Boden mit gezielten Düngegaben, Gründüngungspflanzen oder Anbaupausen die entzogenen Nährstoffe zurückgibt, beugt von Anfang an einer einseitigen Bodenauslaugung und damit einhergehenden Problemen mit Fruchtbarkeit und Pflanzengesundheit vor.

Jahreszeitliche Beobachtung

Der Gartenbau in unseren Breiten wird maßgeblich vom Wechsel der Jahreszeiten und ihren spezifischen Wetterphänomenen und Eigenheiten beeinflusst. Im Garten anstehende Arbeiten und Wachstumsbedingungen für Gemüse, Kräuter und andere Pflanzen orientieren sich an den naturgegebenen jahreszeitlichen Schwankungen. Niederschlag, Temperatur, Frostgefahr, Trockenheit und Stürme sind keine ganzjährlich konstanten Ereignisse, sondern variieren je nach Jahreszeit. Was bedeutet das konkret für Ihre Gartenanlage? Im besten Falle nehmen Sie sich, nach der Absteckung des Beetes an der augenscheinlich sonnigsten Stelle, ein Jahr lang Zeit, ihr Grundstück zu beobachten.

Auf Folgendes sollten Sie dabei achten:

Verlauf der Sonne:

Die meisten Gemüse brauchen volle Sonne, außer ein paar heimischen Arten wie Mangold oder Kohl, die gerne etwas schattiger stehen. Grundsätzlich: der sonnigste Platz im Garten gehört dem Gemüse! In niederen Regionen ist ein Beet mit Morgen- und Abendsonne perfekt.

Niederschlag und extreme Wetterereignisse:

Mit der Klimaveränderung verändern sich langjährig relativ konstante Parameter wie jährliche Niederschlagsmenge und Durchschnittstemperatur. Extreme Wetterereignisse wie Stürme, Starkregen, lange Trockenperioden und abrupte Temperatureinbrüche nehmen zu. Ein Problem im Sommer sind starke Unwetter oder über einen längeren Zeitraum anhaltende Regenperioden. Gleichzeitig stellen wir in manchen Gegenden einen Anstieg an extrem heißen Tagen ohne Niederschläge fest. Bewässerungsmöglichkeiten sollten gegeben sein, außerdem ist eine spezielle Pflanzenauswahl und Standortwahl wichtig.

Schneeschmelze:

Wie lange bleibt Schnee auf meinem ausgesteckten Stück liegen, war er an anderer Stelle früher weg? An diesen Stellen ist die Sonneneinstrahlung am intensivsten, gerade im Winter oder Vorfrühling. Das ist der beste Platz für ein Gemüsebeet, eventuell auch eine ideale Stelle für einen geplanten Frühbeetkasten.

Frostereignisse:

Wann gibt es zum ersten Mal Frost im Herbst und wann das letzte Mal im Frühjahr? Es macht Sinn, solche Daten zu dokumentieren. Daraus lässt sich ableiten, wann normalerweise die Zeit gekommen ist, mit dem Gärtnern draußen anzufangen.

Wind:

Die Intensität und Kühle der Winde ist von Höhe, Region und Jahreszeit abhängig. In höheren Lagen ist es wichtig, die Hauptwindrichtung auszubremsen. Eventuell muss der Standort des Beetes nochmal verlegt werden, Häuser und Hecken können als Windfänger genutzt werden. Je höher, desto kälter sind die Winde und desto schlechter ist es für wärmebedürftiges Sommergemüse.

Zeigerpflanzen:

Ab dem Frühling einfach mal schauen, was auf dem unbestellten, abgesteckten Gartenstück von selbst wächst. Zeigerpflanzen geben schon einen ersten Eindruck, wie die Zusammensetzung und die Versorgung des Grundstücks sind, um was für einen Bodentyp es sich handelt und wie der Zustand der oberen Schichten zu beurteilen ist.

Wanderung von Licht- und Schattenbereichen über ein abgestecktes Wiesenstück in Charlottes Garten. Gemüse benötigt den sonnigsten Platz im Garten.

DEN GARTEN PLANENmit Charlotte

Im zweiten Schritt geht es darum, sich selbst zu fragen, was man sich eigentlich vom eigenen Garten erhofft und welche Zwecke und Aufgaben der Garten letztlich erfüllen soll.

Wie viel Platz ist überhaupt da?

Falls Sie das nicht im ersten Schritt schon ausführlich gemacht haben, ist es jetzt wichtig, das Grundstück anzuschauen und sich mit Zollstock und Schnur klar zu machen, wie viel Raum wirklich für Beet(e), Beerensträucher oder Obstbäume vorhanden ist.

Selbst versorgen ja, aber wie umfangreich?

Soll der Garten in der Sommersaison die Küche mit frischem Grün bereichern oder rund ums Jahr Gemüse, Salat und Kräuter und am besten auch Obst abwerfen? Wie viele Personen ernähren sich von den Gartenerzeugnissen? Man rechnet pro Person bei teilweiser Selbstversorgung vor allem für den Frischverzehr mit etwa 25 qm. Dabei gehe ich neben Salaten, Gemüse, Kräutern und Blumen auch von ein bis zwei Beerenhochstämmchen aus. Für die weitgehende Selbstversorgung sollten etwa 150 bis 200 qm pro Person veranschlagt werden, die Frischgemüse, Lagergemüse, Kartoffeln, Beeren und Obstbäume umfassen. Dazu kommen noch Kompostmiete, Wasserstelle und Wege, je nach Gestaltung. Aber auch wenn der eigene Garten für die Selbstversorgung zu klein ist: Platz für das Lieblingsgemüse oder Beerenobst zum Naschen findet sich immer!

Ein Garten ist selten nur zum Ernten da. Neben dem Gärtner haben meist auch noch andere Vorstellungen von der Gartengestaltung und -nutzung.

Was außer ernten will ich noch von meinem Garten?

Stichwort konkurrierende Nutzungen – neben Gemüsebeeten sollen vielleicht auch noch alle möglichen Zierpflanzen Platz im Garten finden. Außerdem brauchen die Kinder Raum zum Toben. Irgendwo muss auch noch eine Sitzecke hin, ein Liegestuhl oder die Gartenbank. Nutzungsmöglichkeiten gibt es viele und es macht durchaus Sinn, sich vor dem ersten Spatenstich zu überlegen, was alles an Pflanzen und Aktivitäten im Garten Platz finden soll und wo eventuell Abstriche oder Kompromisse gemacht werden müssen.

Wie viel Zeit kann und will ich für den Garten investieren?

Eigentlich möchte sich wahrscheinlich jeder möglichst gesund ernähren, am besten gleich aus dem eigenen Garten. Aber selbst, wenn Fläche vorhanden ist, fehlt den meisten von uns einfach die Zeit, neben Beruf, Familie und sonstigen Verpflichtungen auch noch jeden Tag im Garten zu arbeiten. Aber wer mit einer gewissen Unordnung und Naturdynamik leben kann, sollte sich durch begrenzte Zeit alleine nicht gänzlich vom Gärtnern abhalten lassen. Wichtig ist, sich realistisch klar zu machen, wofür Zeit und Energie reichen.

In diesem Zusammenhang der grundsätzliche Rat, lieber klein anzufangen. Das heißt, mit einem kleinen Beet oder Gartengrundstück und im ersten Jahr vielleicht mit drei bis fünf verschiedenen Gemüsearten Erfahrungen zu sammeln. Planen Sie das Beet am besten so, dass es bei späterem Bedarf leicht vergrößert oder ergänzt werden kann.

Auch in einem kleinen Gemüsegarten kann man allerhand ernten und anbauen.

VON DER IDEE ZUR ERNTE

Einen Garten neu anzulegen ist machbar, aber eine Herausforderung. Wenn Sie noch keine Gartenerfahrung haben, muten Sie sich zu Beginn nicht zu viel auf einmal zu. Machen Sie kleine Schritte und fangen Sie erst mal mit einem kleinen Stück an. Mit den Jahren kommen Erfahrung und Begeisterung, dann sind Erweiterungen automatisch vorprogrammiert.

Kleinklima im Garten

Bevor Sie jetzt direkt zum Spaten greifen, möchte ich Ihnen noch ein paar Tipps mit auf den Weg geben, die Sie vor unliebsamen Überraschungen oder Frustrationen bewahren können. Ein Beet ist immer eingebettet in einen größeren Zusammenhang. Ob es sich mitten auf einer ebenen, grünen Wiese befindet, in Hanglage oder umgeben von Sträuchern, Bäumen oder Gebäuden: Stets beeinflusst die Umgebung des Beetes seine kleinklimatischen Bedingungen – und damit auch das Pflanzenwachstum. Die meisten unserer empfindlichen Kulturpflanzen brauchen für optimales Wachstum sonnige, vor starken Winden und Temperaturschwankungen geschützte Standorte. Im Gegensatz zu den robusten Wildpflanzen, die mit Wind und Wetter schon immer auch ohne Gärtnerhilfe klarkommen mussten. Beachten Sie deshalb bei der Gartengestaltung die Stichpunkte Windbremsen und Kleinklimaförderung.

Bewährt als Windbremse haben sich Pflanzungen zu einer gemischten, zweireihigen Hecke in unterschiedlichen Höhenabstufungen. Wir haben Blüten- und Wildbeerensträucher gepflanzt, zum Beispiel Felsenbirnen, Wolliger Schneeball oder Kartoffelrosen. Um eine lückenlose Luftbremse zu haben, stehen um die Gemüsebeete noch hohe Stauden wie Phlox, Sonnenhut oder Herbstastern, an den Beeträndern dann teilweise zusätzlich Kräuterreihen aus Salbei, Lavendel, Oregano oder Schnittlauch.

Blick über den Zaun − nicht perfekt, aber zu jeder Jahreszeit schön: ein Gemüsegarten, angepasst an die Bedürfnisse der Gärtnerin und die vorhandenen Gegebenheiten.

Bei uns sind die austrocknenden Winde im Sommer ein zusätzliches Problem, denn die Pflanzen verdunsten deutlich mehr Wasser. Um nicht zu vertrocknen, werden viele Poren geschlossen, was schlussendlich auch weniger Wachstum bedeutet. Der Wind trocknet nicht nur die Böden aus, sondern fördert auch einige Schädlinge, wie Erdflöhe.

So können Sie sich ganz praktisch helfen:

Bei genügend Platz: eine Windschutzhecke pflanzen und/oder einen hohen Staudengürtel um die Beete anlegen

Stangenbohnen oder eine Erbsenhecke am Beetrand bremsen die Hauptwindrichtung aus

Hohe und niedere Kulturen abwechseln – Mischkulturplanung

Offene Böden mit einer dünnen Mulchschicht schützen

Die Sprache der Pflanzen

Um den Boden Ihres Grundstückes besser einschätzen zu können, lohnt es sich, die Sprache der Pflanzen zu lernen. Die ursprüngliche, heimische Pflanzengemeinschaft Ihres Grundstückes kann Ihnen verraten, um welche Art Boden es sich handelt, wie sein Zustand ist und welche Nährstoffe er enthält. Um dies zu beurteilen, sind Kenntnisse über Standortbedingungen der Pflanzen unabdingbar. Ein guter Bestimmungsratgeber ist dabei sehr hilfreich (siehe Seite 188).

Allgemein schauen wir uns zunächst immer die am konkreten Standort vorkommenden Pflanzen genauer an. Anhand von vier bis sechs Charakterpflanzen − häufig vorkommende, für einen bestimmten Standort charakteristische Arten − versuchen wir dann, eine Einschätzung vorzunehmen. Um eine gültige Aussage zu treffen, sollten mindestens zwei der für den jeweiligen Standorttyp beschriebenen Pflanzen am betrachteten Ort vorkommen. Zur Beurteilung wird der Standort in ein System von sechs möglichen Bereichen eingeordnet: nährstoffreich, mager, sauer, kalkhaltig, feucht oder trocken. Nicht immer ist die Zuordnung eindeutig: So kann ein trockener Standort auch gleichzeitig mager sein. Umgekehrt gibt es auch Pflanzen, die mit mehr als einem Standorttyp zurechtkommen.

Kleinklima in Walburgas Gemüsegarten: Hecken als schützende Windbremse sind ideal für anspruchsvolle und windempfindliche Beetpflanzen.

GUT ZU WISSEN

Hecken bremsen die Luft, Mauern verwirbeln sie nur, um dann verstärkt auf der anderen Seite den Boden zu treffen.

EINTEILUNG DER ZEIGERPFLANZEN

Standorttyp Zeigerpflanzen Nährstoffreich Wiesenkerbel (Anthriscus sylvestris), Löwenzahn (Taraxacum officinalis), Stumpfblättriger Ampfer (Rumex obtusifolius), Giersch (Agopodium podagraria), Gewöhnliche Kratzdistel (Cirsium vulgare), Vogelmiere (Stellaria media), Brennnessel (Urtica dioica) Mager Echtes Labkraut (Gallium verum), Kleines Habichtskraut (Hieracium pilosella), Rundblättrige Glockenblume (Campanula rundifolia), Margarite (Chrysanthemum leucanthemum), Karthäuser Nelke (Dianthus carthusiaorum) Sauer Sauerampfer (Rumex acetosa), Heidelbeere (Vaccinium myrtillus), Heidekraut (Calluna vulgaris), Bärwurz (Meum arthamanticum), Ackerhundskamille (Anthemis arvensis) Kalkhaltig Wiesensalbei (Salvia pratensis), Männliches Knabenkraut (Orchis mascuula), Kleiner Wiesenknopf (Sanguisorba minor), Echte Schlüsselblume (Primula veris) Feucht Ackerschachtelhalm (Equisetum arvense), Kriechender Hahnenfuß (Ranunculus repens), Wiesenschaumkraut (Cardamine pratensis), Schlangenknöterich (Polygonum bistorta), Scharbockskraut (Ranunculus ficaria), Huflattich (Tussilago farfara) Trocken Echtes Johanniskraut (Hypericum perforatum), Vogelknöterich (Polygonum aviculare), Frauenmantel (Alchemilla xanthochlora), Schafgarbe (Achillea millefolium)

Das Beet anlegen