Error: Beziehungsfehler - Markus Liebich - E-Book

Error: Beziehungsfehler E-Book

Markus Liebich

0,0
5,99 €

-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

"Bist du denn Single?", fragte Theresa plötzlich und blickte auf. "N...Natürlich...", stotterte Thomas verdutzt. Für ihn war es klar, da sie sich doch per Tinder verabredet und schon über alles Mögliche gechattet hatten. "Du?", fragte er schließlich. "Es ist...kompliziert". Theresa verzog den Mund. Kompliziert? Tatsächlich? Nicht wirklich, meint der Autor - sofern man in der Lage ist, die eigenen fragwürdigen Verhaltensmuster zu durchschauen und damit zu durchbrechen. Dabei hilft "Error: Beziehungsfehler", eine unorthodoxe Mischung aus Komödie und Beziehungsratgeber. Markus Liebich bringt Licht ins Dunkel und zeigt auf, warum Beziehungen nicht funktionieren oder gar nicht erst entstehen können. Anhand von witzigen und skurrilen, aber wahren Kurzgeschichten werden typische Beziehungsprobleme der heutigen Zeit aufgegriffen und anschließend analysiert. Die direkte, unverblümte Sprache mag vielleicht so manchen dazu verleiten, das Buch in die Ecke zu schmettern. Doch werden hier Denkimpulse gesetzt, die nachdenklich machen sollen und vielen gefrusteten Dauersingles die Augen öffnen können. Und das auf höchst amüsante Art und Weise - Unterhaltung garantiert!

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 230

Veröffentlichungsjahr: 2020

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Error 1: Es ist kompliziert

Error 2: Verwechslung von Liebe und Abhängigkeit

Error 3: Offene Beziehung: Ich muss mich selbst finden

Error 4: Zu geringes Selbstwertgefühl: Ich finde nichts Besseres

Error 5: Zu hohes Selbstwertgefühl: Ich finde was Besseres

Error 6: Der Macho vs. der Nice-Guy

Error 7: Spielchen und Bestrafung

Error 8: Untreue: Es ist einfach so passiert

Error 9: Ex-Partner: Ich muss den Kopf freikriegen

Error 10: Gleichgültigkeit vs. Kontrollzwang

Error 11: Wechselnde Gesinnungen: Ich bin jetzt Bi

Error 12: Ich brauche mehr Zeit für mich

Error 14: Unzureichende Kommunikation

Error 13: Unfähigkeit zur Selbstreflexion

Fazit

Spruchregister

Vorwort

Haben Sie sich schon mal gefragt, ob es die perfekte Beziehung gibt? Ich bin mir sicher, denn das hat vermutlich jeder.

Die entscheidende Frage ist jedoch, wie perfekt definiert wird. Bedeutet perfekt für Sie, dass Sie überhaupt nichts machen müssen und Ihr Partner Ihnen jeden Wunsch von den Lippen liest? Oder bedeutet perfekt, dass Sie und Ihr Partner sich gegenseitig ergänzen?

Bedeutet perfekt, dass Sie alle Freiheiten haben, die Sie brauchen, und dennoch eine erfüllende Partnerschaft führen können, oder sind Sie der Meinung, dass so etwas nicht möglich ist und Streitereien zu einer normalen Beziehung gehören?

Lieber Leser, dieses kleine Buch ist kein weiterer von tausenden Ratgebern, wie Sie Ihren perfekten Partner finden. Es ist keine weitere Anleitung, wie Sie Frauen oder Männer erobern, wie Sie Schritt für Schritt bei einem Date vorgehen oder worauf es allgemein bei Beziehungen ankommt!

Dieses Buch soll vielmehr Denkimpulse auslösen.

Es soll Sie sensibilisieren für potentielle Partner, von denen Sie besser die Finger lassen. Es soll Ihnen klar vor Augen führen, wann die Investition von Zeit und Geld (letztendlich geht es nunmal auch darum) Sinn macht und wann nicht. Und vor allen Dingen: Es soll Sie unterhalten!

In diesem Buch möchte ich auf möglichst unterhaltsame und kurzweilige Weise in Form von Kurzgeschichten auf die typischen Probleme eingehen, die Partnersuchende aus meiner Sicht haben. Ich will klassische Klischeesprüche und Verhaltensmuster ansprechen - und für Sie entlarven - denen ich selbst in meinem Leben und generell beim Thema Partnersuche oft begegnet bin. Dabei geht es nicht nur um meine Suche, sondern insbesondere auch um jene von Freunden oder Bekannten.

In diesem Buch wurden die Namen geändert. Bei den Geschichten handelt es sich jedoch fast ausschließlich um Dinge, die echt passiert sind. Zudem sind die Verteilungen der Rollen und Geschlechter willkürlich.

In mehreren der Geschichten mag es Ihnen so vorkommen, als hätten sie die Frau in ihren Handlungen im Fokus. Dies liegt ausschließlich daran, dass ich als Mann mehr Kontakte zu anderen Männern hatte, die mir ihre Geschichten erzählt haben.

Die verteilten Rollen sind aber von den Geschlechtern unabhängig und übertragbar auf das andere Geschlecht. Sie sagen weder Geschlechtsspezifisches noch über meine persönliche Meinung zu Mann und Frau im Allgemeinen etwas aus.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen gute Unterhaltung und viel Spaß!

Error 1: Es ist kompliziert

Donnerstag Abend, 18:00 Uhr. Thomas machte sich im Bad fertig. Endlich, dachte er sich. Endlich mal wieder ein Tinder-Date. Die letzten 4 Frauen, denen er einen Superlike gegeben hatte, hatten nicht einmal geantwortet.

Ja, ich weiß schon, es ist Tinder, dachte Thomas. Es hatte eben den Ruf, dass es sich dabei nur um schnelle Sex-Dates drehte. Aber Thomas hatte auch schon von vielen Geschichten gehört, bei denen sich über eine Dating-App Paare fürs Leben gefunden hatten, also wollte er selbst das auch nicht ausschließen.

Thomas rasierte sich vor dem Spiegel und achtete dabei sorgfältig darauf, dass keine einzelnen Barthaare übersehen wurden. Er wollte gut aussehen, gepflegt. Ein wenig Parfüm konnte auch nicht schaden, dezent aufgetragen. Und da wären noch die Fingernägel. Frauen achten auf sowas. Da durfte nichts dreckig sein oder so. Ob er sich auch schon im Intimbereich rasieren sollte?

Thomas hielt kurz inne. Eigentlich hielt er ja nichts vom Sex beim ersten Date. Aber vielleicht zur Sicherheit, falls doch irgendetwas passierte? Er verwarf den Gedanken und ließ es bei den Stoppeln, die sich dort seit einer Woche gebildet hatten.

Thomas fühlte sich alles in allem selbstsicher. Er hatte ja schon einige dieser Dates gehabt, und das auch nicht selten mit Erfolg. Wobei mit “Erfolg” in diesem Fall natürlich das “ins Bett kriegen” gemeint war. Denn eine richtige Beziehung, die mal etwas länger dauerte, hatte Thomas noch nicht gefunden. Dabei war genau das eigentlich sein Wunsch.

Er wollte eine Frau, mit der er auch mal ein Fußballspiel anschauen oder einfach über irgendwelchen Unsinn reden konnte. Auf einem Feld herumliegen und die Wolken am Himmel zählen oder so.

Thomas betrachtete sich nochmal im Spiegel. Da passt alles, dachte er. Jetzt noch in die Klamotten, dann musste er auch schon langsam los. Sie trafen sich in der Barracuda-Bar um 19:00 Uhr. Es war ihr Vorschlag gewesen. Sie kenne die Bar schon seit langem und die hätten ja so gute Cocktails.

Thomas hatte ohne zu widersprechen zugesagt. Eigentlich war es ihm auch völlig egal, Hauptsache er konnte diese Theresa treffen. Sie sah schon sehr scharf auf dem Tinder-Profilbild aus.

Thomas holte sein Handy raus, um auf die Uhr zu schauen. Noch genug Zeit. Er öffnete Instagram und ging noch einmal auf Theresas Profil. Das hatte sie ihm beim ersten Chat in Tinder schon gezeigt. Sie sieht wirklich gut aus, dachte er sich. Sie hatte schon auch einige dieser Bilder, bei denen Frauen sich von ihrer Schokoladenseite zeigen. Man könnte auch “Tittenbild” sagen, dachte Thomas, wenn er so länger überlegte. Auf einem Bild war Theresa nur im BH zu sehen und lächelt von schräg unten in ihr Handy, das sie zum Selfie-machen mit ihrer linken Hand in die Luft hielt.

Mega heiß, dachte Thomas. Aber gleichzeitig hatte es einen merkwürdigen Beigeschmack für ihn, den er nicht so recht deuten konnte.

4 Kommentare.

Thomas klickte auf die Kommentare und las neben “Wow siehst du hot aus!” von “Rene Tierchen” und “Total sexy! Ich hab dich so lieb süße!” von “Martina Lullaby” einen weiteren Kommentar, der ihm ins Auge stach: “Du Schlampe, zieh dich doch gleich ganz nackt aus!”.

Thomas hielt kurz inne, um dann die Antwort auf den Kommentar zu öffnen.

Eine gewisse “Luzie Fer” hatte geantwortet: “Spar dir deine negativen Kommentare! Lass Theresa in Ruhe. Sie zeigt sich eben gerne und ihren tollen Körper. Du bist eben nur neidisch!”.

Thomas starrte noch einen kurzen Moment auf das Handy und betätigte dann den Standby-Knopf.

“Sie zeigt sich eben gerne…”, murmelte er und begab sich in den Flur seiner kleinen 2-Zimmer-Wohnung, um sich die Schuhe anzuziehen.

Thomas saß an einem kleinen Holztisch für vier Personen in einer gemütlichen Ecke. Die Bar sah eigentlich ganz gemütlich aus. Viele Bilder an den Wänden und Gegenstände, die das Ganze etwas weniger klinisch wirken ließen. Soll ich einfach schon etwas bestellen, oder kommt das blöd? Bevor er sich die Frage beantworten konnte, sah er Theresa zur Tür hereinspazieren.

“Hi!”, stieß sie langgezogen aus. Allerdings war es an den Barkeeper gerichtet. Thomas selbst schien sie noch gar nicht gesehen zu haben.

Der Barkeeper lächelte zurück und warf ihr einen langen Blick zu.

Vielleicht kennt sie den schon, dachte Thomas schnell, aber sein Fokus war sowieso voll und ganz auf Theresa gerichtet. Sie sah noch besser aus als auf den Bildern. Und sie wirkte sehr selbstbewusst. Fast ein wenig zu selbstbewusst. Fast schon egozentrisch.

Sie weiß, dass sie gut aussieht. Sie weiß, dass sie gesehen wird. Und sie braucht es.

Thomas wischte den plötzlich aufkommenden negativen Eindruck rasch beiseite - sie hatte ihn gesehen.

“Hey!”, rief sie noch einmal langgezogen und lächelte ihn an. Sie rannte zu ihm herüber. “Du bist Thomas, oder?”

“Hallo! Ich…”

“Ich bin die Theresa, freut mich!”

Bevor Thomas richtig antworten konnte, umarmte Theresa ihn. Dabei spürte Thomas ihre Brüste. Er musste an das Bild im BH denken und den Kommentar “Du Schlampe, zieh dich doch gleich ganz nackt aus!”

Nur nicht unsicher werden. Nichts anmerken lassen, dachte Thomas und zeigte sich selbstbewusst.

“Da bist du ja endlich. Ich warte ja schon ewig. Also... so 4 Minuten.” Er grinste.

Theresa ging auf den flachen Witz ein.

“Hey, nun übertreib nicht.” Sie lachte kurz, wurde aber dann ernst. “Du - lass uns mal den Tisch wechseln ja? Das hier ist ja ein Tisch für vier Personen. Lass uns den Zweiertisch vorne nehmen.”

Thomas öffnete den Mund, aber bevor er antworten konnte, nahm Theresa ihre Handtasche, die sie kurz auf einem Stuhl abgestellt hatte und bewegte sich an Thomas vorbei zu einem der Tische zentral in der Bar.

Thomas folgte ihr, auch wenn er den anderen Tisch besser fand.

“Na, dann sag mal, wie lange wohnst du schon hier?” Theresa lächelte und nahm einen Schluck aus dem Strohhalm ihres Cocktails, der mit elf Euro in Thomas’ Augen völlig überteuert war.

Abgesehen davon hatte Thomas doch mittlerweile einen ganz guten Eindruck bekommen. Das Eis war durchbrochen und die ersten Worte waren gewechselt worden. Theresa schien ihm nicht abgeneigt zu sein, denn sie mustert ihn ständig und lächelt ununterbrochen, während sie so an ihrem Strohhalm lutschte.

“Vier Jahre”, antwortet Thomas und nahm sich eine Erdnuss aus der Schale. “Naja, viereinhalb um genau zu sein. Wobei ich die Stadt ein wenig überfüllt finde.”

Theresas Lächeln verschwand. “Wieso überfüllt?”

Thomas lächelte verlegen. “Ich meine, es sind einfach sehr viele Menschen. Verkehrslärm, Hektik,... manchmal wünschte ich mir halt einfach mehr Ruhe.”

“Pah, du Langweiler!”, stieß Theresa überspitzt aus und lachte. “Menschen sind doch toll. Da hat man Action, da ist was los, man fühlt sich nicht allein. Ich sag nur: Die City - The place to be!”

Wieder lächelte Thomas verlegen. “Ja, ich weiß was du meinst, aber…”

“Na, dann erzähl mal!”, überfuhr ihn Theresa. “Wieviele hattest du schon?”

Thomas’ verlegenes Lächeln gefror. Er machte eine längere Pause, bevor er antworten wollte.

Theresa kam ihm zuvor.

“Nun schau nicht gleich so verdutzt.” Sie verdrehte die Augen nach oben, blickte ihn wieder an und lächelte. “Das hier ist ein Tinder-Date, lass uns mal Klartext reden”. Sie wird plötzlich ernster und Thomas merkte, dass sie genau auf die eine Sache hinaus wollte, die Thomas gerade dachte.

“Wenn ich mal so zähle…”, fing er schließlich an und blickt nachdenklich zur Seite. Einfach locker bleiben, dachte er.

Bevor er antworten konnte, wurde Thomas schon wieder unterbrochen.

“Was suchst du denn genau. Ich meine, willst du das, was die meisten bei einem Tinder-Date erwarten, oder suchst du mehr?”

Vorsicht, dachte Thomas. Die Antwort konnte entscheidend sein, abhängig davon, ob Theresa wirklich nur eine “Schnelle Nummer” suchte oder etwas Ernsteres. Wenn Thomas nun antwortete, dass er sich nichts erwartete außer ein wenig Spaß, konnte es - sofern Theresa eine ernste Beziehung suchen würde - ein Fettnäpfchen sein. Andererseits dachte Thomas, dass sie vielleicht genau das Gegenteil suchte, so wie sie sich gerade gab. Die Antwort, dass er etwas Ernstes suchen würde, konnte sie abschrecken.

Doch wozu eigentlich kalkulieren? Wozu dieses mentale Schachspiel? Thomas wollte doch etwas Ernsteres. Er atmete tief durch und nahm einen ernsten Gesichtsausdruck an. “Ehrlich gesagt suche ich schon was Ernstes.” Er lächelte kurz. “Aber auf langfristige Sicht halt”, fügte er schnell hinzu. “Erst einmal muss man ja sowieso schauen, wie man sich so versteht, und sich nicht gleich festlegen. Die Zeit zeigt es!”

Redete er da selbst eigentlich, dachte Thomas, oder waren es Phrasen, die er aufgrund seiner bisherigen Erfahrungen, aufgrund von Kumpels, aufgrund von Verhalten seiner Bekannten und aufgrund von Erzählungen automatisiert hatte? Eigentlich stimmte das doch alles überhaupt nicht. Eigentlich wollte Thomas eine feste Beziehung. Eigentlich wollte er sich festlegen. Wenn alles passte und man sich gut verstand, wieso denn eigentlich nicht?

Thomas blickte auf den Tisch, als hätte er etwas Schlimmes gesagt. Schließlich blickte er wieder auf, um Theresas Reaktion zu sehen.

Sie sah nach unten und schlürfte am Strohhalm ihres Cocktails. Sie wirkte relativ gleichgültig.

“Klar”, sagte sie. “Genau so ist es, die Zeit zeigt es ja dann.”

Thomas konnte damit nichts anfangen. War sie enttäuscht, da sie eine schnelle Tinder-Nummer erwartet hatte? Hatte er seine Chance, sie ins Bett zu kriegen - was er ja irgendwie auch wollte - verspielt?

Aber was wollte er jetzt eigentlich genau, fragte sich Thomas in diesem Moment. Sie ins Bett kriegen oder eine langfristige Beziehung? Ich kapiere selbst nichts mehr, dachte er.

“Bist du denn Single?”, fragte Theresa plötzlich und blickte auf.

“N...Natürlich…”, stotterte Thomas verdutzt.

Für ihn war es klar, da sie sich doch per Tinder verabredet und schon über alles mögliche gechattet hatten.

“Du?”, fragte er schließlich.

“Es ist...kompliziert”. Theresa verzog den Mund und spielte an ihrem Strohhalm herum. Ihr Blick wanderte auf dem Tisch herum, in der Nähe der Erdnussschale.

Thomas wurde zum ersten Mal am Abend ein wenig ungeduldiger. “Was denn jetzt, bist du nicht Single?”

“Doch schon, aber...Mein Ex-Freund... “ Theresa machte eine kurze Pause und blickte hinter Thomas, als würde sie jemanden suchen. Dann blickte sie Thomas wieder an.

“Also, es ist so.” Sie schob ihren Cocktail ein Stück von sich fort.

“Mein Exfreund und ich… also, wir haben uns vor kurzem getrennt. Und dann ist da noch Patrick.”

“Patrick?” Thomas zog die Augenbrauen nach oben. Er kratzte sich kurz am Kopf. Es war eher eine Geste.

“Ja.” Theresa klang geschlagen. “Also. Patrick habe ich vor zwei Monaten kennengelernt. Er hat mich an der Bartheke angesprochen.”

Thomas verlor die Geduld. “Bist du fremdgegangen?”, gab er von sich.

“Nein! Wofür hältst du mich…” Theresa wirkte zum ersten Mal ein wenig entrüstet, wurde aber schnell wieder freundlicher. “Nein, das nicht, aber...Es lief eben schon sehr schlecht in meiner Beziehung. Schon seit längerem. Und dann war da halt plötzlich Patrick. Und er war so freundlich und wir haben uns näher kennengelernt. Ich habe nichts gemacht, wirklich! Aber irgendwann hat mein Ex das dann halt doch mitbekommen und war stinksauer. Also, dass ich mit dem schreibe und so. Das Ganze ist dann eskaliert und er hat mit mir Schluss gemacht.”

Einen kurzen Moment wirkte Theresa sehr traurig und starrte auf den Boden. Schnell fasste sie sich jedoch wieder und redete weiter.

“Naja, dann bin ich halt mit Patrick ins Bett. Aber mein Ex schreibt jetzt wieder mit mir und…” Theresa blickte auf und sah Thomas an, der ihr bisher stumm zugehört hatte. Ohne dass von ihm eine bedeutende Reaktion kam, verzog sie das Gesicht.

“Hey! Ich weiß, wie sich das anhört. Und tut mir voll leid, dass ich dich da jetzt auch noch mit reinziehe aber...Ich bin einfach komplett durcheinander.”

Sie machte eine kurze Pause und seufzte.

“Ich weiß schon, ich bin scheiße. Und das beim ersten Date mit dir. Super! Das habe ich wieder toll hinbekommen.” Sie verdrehte die Augen.

Thomas versuchte, seine Gedanken zu ordnen. Er war einerseits ein wenig verwirrt, andererseits auch ein wenig genervt, was er mit der ganzen Sache zu tun hatte.

“Naja, ich frage mich schon, was ich hier dann soll”, grummelte er schließlich. “Da ist Patrick, dann ist da dein Ex-Freund. Und wieso triffst du dann mich auch noch?”

Theresa versuchte mitleiderregend zu wirken, das konnte man ihr ansehen. “Tut mir leid”, sagte sie nochmal. “Du warst mir eben sofort sympathisch. Schon auf deinem süßen Bild.” Sie versuchte sich in einem Lächeln.

Dann wurde sie wieder ernster. “Vielleicht wollte ich einfach ausbrechen aus diesem Mist.” Sie schüttelte den Kopf. “Ich hatte vielleicht gehofft, jemanden zu treffen, der komplett anders ist. Eigentlich will ich das alles nicht. Und Patrick ist eigentlich auch ein Idiot, weil er jetzt voll ausgetickt ist, weil ich wieder mit meinem Ex geschrieben habe. Ich meine - hallo - wir waren fast ein Jahr zusammen und haben uns gerade getrennt. Natürlich schreib ich jetzt noch mit dem.”

Theresa blickte auf und nahm sanft Thomas’ Hand. “Sorry, wenn ich dich damit schon belaste!” Sie lächelte. “Du bist mir wirklich sympathisch. Ich würde mich schon sehr freuen, wenn wir uns näher kennenlernen. Und dass du nicht nur ‘ne schnelle Bettnummer willst, spricht auch für dich.”

Thomas fühlte sich ein wenig geschmeichelt. Theresas Hand fühlte sich so weich an. Und sie roch gut, wie er gerade so feststellte. Irgendwie hätte er schon auch Lust, sie noch öfter zu sehen. Aber was war mit dem Müll von ihrem Ex-Freund und Patrick? Thomas schob es erstmal beiseite.

“Ok, lass uns das Thema wechseln. Diese Erdnüsse schmecken echt scheiße.” Er lachte.

Theresa fiel mit ein. “Kennst du diese Erdnüsse mit dem Überzug, die so lecker schmecken?”

“Ja genau, Click-Clacks, oder wie die heißen.” Thomas schmunzelte.

“Genau die!” Theresa strahlte wieder.

Und so nahm der Abend seinen weiteren Lauf. Thomas und Theresa blieben insgesamt drei Stunden in der Barracuda-Bar und verbrachten noch einen angenehmen Abend.

Schließlich verabschiedete sich Theresa vor der Bar. Sie gab Thomas einen flüchtigen Kuss, aber immerhin schon auf den Mund.

Thomas grinste siegessicher. Das war doch nicht so schlecht, dachte er. Dann fiel ihm die “Es ist kompliziert”-Geschichte ein. Kurz gefror sein Lächeln. Doch er war zu gut gelaunt, um weiter darüber nachzudenken. Angetrunken und mit einem Hauch Verliebtheit begab sich Thomas in die U-Bahn und auf den Weg nach Hause.

Die Tage verstrichen und Thomas schrieb regelmäßig mit Theresa. Er fand sie zunehmend sympathischer und die Geschichte in der Bar geriet in Vergessenheit.

Nach eineinhalb Wochen und zwei weiteren Treffen in einem Pub begleitete Theresa Thomas in seine Wohnung und sie schliefen miteinander.

Thomas war sehr zufrieden. Nicht nur, dass er endlich mal wieder eine Frau bei sich zuhause hatte. Er war auch sehr zuversichtlich. Auch wenn Theresa eine etwas egozentrisch wirkende Art hatte, so war sie doch interessiert, teilte Gewohnheiten mit Thomas und war ein guter Gesprächspartner. Thomas glaubte, dass es vielleicht etwas werden könnte.

Drei Wochen und acht mal Sex später rief Thomas Theresa an. Sie ging nicht ans Handy. Der Anrufbeantworter schaltete sich ein.

“Hey, was ist denn los? Alles gut bei dir? Wollte nur fragen, ob du heute abend nochmal Zeit hast. Das am Wochenende war super. Ich brauche mehr!” Thomas lachte bedeutend. “Wir könnten davor ins Kino gehen oder so. Oder was essen. Worauf du Lust hast. Bis dann!”

Thomas legte auf und starrte das Handy an.

Komisch, was war denn mit ihr, dachte er. Hab ich irgendwas falsch gemacht?

Er öffnet Whatsapp und schaute den Chatverlauf mit Theresa an.

“Schlaf gut, meine Sexbombe!” war die letzte Nachricht, die er nachts um 23:34 noch verschickt hatte. Zwei grüne Haken, keine Antwort mehr.

Eigentlich passte doch alles.

Ach egal, dachte Thomas. Erstmal ruhig bleiben. Nur weil sie gerade nicht nach 10 Minuten antwortete wie sonst immer musste das ja nichts heißen.

Der Tag verging. Thomas lernte für die Uni. Zwischendurch konnte er nicht anders und schaute ständig auf sein Handy in den Chatverlauf.

Zuletzt online: 11:21.

Mittlerweile war es 16:48, nachmittags.

Thomas fing an, doch ein wenig unruhig zu werden, weil es einfach untypisch für Theresa war.

Während sich Thomas noch eine weitere Stunde den Kopf zerbrach und sich nicht auf das Lernen konzentrieren konnte, klingelte plötzlich das Handy.

Theresa war dran.

Thomas hob schnell ab.

“Hey du! Dickes fettes Sorry, dass ich mich jetzt erst melde, aber ich war den ganzen Tag unterwegs.”

“Hey, da bist du ja endlich”, sagte Thomas erleichtert. “Kein Problem.”, fügte er hinzu, obwohl er sich sehr wohl Gedanken gemacht hatte und sich fragte, wieso man, selbst wenn man den ganzen Tag unterwegs war, nicht mal Zeit für eine kurze Whatsapp-Nachricht hatte, die in 4 Sekunden getippt war.

“Was hast du denn gemacht? Ich lerne grad für die Uni, das nervt.”

“Oh ok, ich wollte dich nicht stören, wir können auch wann anders reden!”, kam es aus dem Telefon.

Thomas war irritiert “Nein, nein! Ist schon ok. Tut gut deine Stimme zu hören. Ein paar Tage ohne dich und schon habe ich dich ein wenig vermisst!” Thomas versuchte locker zu klingen und lachte.

Theresa lachte gezwungen am anderen Ende.

“Ja… du ich hab jetzt auch nur kurz Zeit, ich treffe danach noch eine Freundin.”

Thomas fiel auf, dass sie seine Frage, wo sie denn überhaupt gewesen sei, gar nicht beantwortet hatte, und überlegte, ob es komisch wirkte, wenn er nochmal fragte. Er wollte ja schließlich auch nicht so wirken, als würde er sie kontrollieren wollen.

“Ok, ja, kein Problem”, antwortete er stattdessen. “Was macht ihr denn Schönes?”

“Ach,...einfach Mädelsabend.” Theresa lachte künstlich. “Also machs gut, ja? Bis dann!”

Bevor Thomas antworten konnte, hatte sie aufgelegt.

Irritiert starrte er auf seine Uni-Unterlagen. Er verstand nicht, was mit ihr los war. Lernen konnte er jedenfalls nicht mehr, dachte Thomas und machte sich den Fernseher an, um sich mit Netflix abzulenken.

Vier Wochen und null mal Sex später kam Thomas aus einer Uni-Prüfung.

Lief scheiße, dachte er enttäuscht. Aber er hatte einfach zu viel Zeug im Kopf gehabt.

Theresa hatte seit dem letzten Gespräch eine Woche lang nicht mehr geantwortet. Weder am Telefon noch per Messenger.

Schließlich, als Thomas nach einer Woche eine letzte Nachricht in Whatsapp verfasst hatte, in der er geschrieben hatte, dass er nicht verstehe, wieso man nicht einfach schreiben könne, wenn kein Bedarf mehr auf ein Treffen bestehe, war ein Anruf gekommen.

“Es tut mir so leid”, hatte sie gesagt. “Ich kann das einfach nicht, Thomas. Es liegt nicht an dir, es liegt an mir. Es herrscht zu großes Chaos in meinem Leben. Es ist einfach...alles zu kompliziert. Ich wünsche dir alles Gute, wir können uns nicht mehr treffen.”

Thomas’ Freunde forderten ihn auf, aufgrund der vollbrachten Prüfung erstmal in die Barracuda-Bar zu gehen.

“Bloß nicht da hin”, antwortete Thomas. “Das erinnert mich nur an Theresa.”

“Ach, vergiss die Alte”, antwortete Mathias, ein Kumpel von Thomas. “Trink erstmal einen mit uns, dann kriegst du den Kopf frei. Und hey - egal wie das Ergebnis der Prüfung ist - erstmal haben wir die hinter uns!”

Nach entnervtem Murmeln und Grummeln ließ sich Thomas breitschlagen und ging mit seinen Kumpels in die Barracuda-Bar.

Zwei Stunden später hatte Thomas gut einen sitzen. Und das, obwohl es erst vier Uhr war. Egal, dachte Thomas, ich brauch das jetzt.

“Sag mal, ist das nicht deine Alte?” Mathias zeigte hinter Thomas in Richtung Bartheke.

Thomas wusste, was kam, bevor er sich überhaupt erst umdrehte. Er stöhnte auf, als hätte er es innerlich sowieso erahnt.

Theresa stand hinter der Bartheke und knutschte ausgiebig mit dem Barkeeper.

“Es ist kompliziert”, murmelt Thomas und nahm einen Schluck aus seinem Bier.

Meine lieben Leser, es sei dahingestellt, ob der Barkeeper nun für einen ersetzbaren Mann-Platzhalter stand oder ob er ein kleines Namensschildchen mit der Aufschrift “Patrick” trug.

Das Fazit ist in beiden Fällen das gleiche: Es gibt kein “Es ist kompliziert”. Und hier sind wir auch schon beim Thema, denn die Gesellschaft hat sich angeeignet, gerne mit einer Reihe von Standardphrasen zu hantieren, die nichts weiteres als stumpfe Ausreden für diverse Schwächen wie Unfähigkeit zur Selbstreflektion, Verwaschen von Wahrheiten oder mangelnde Entscheidungsfähigkeit sind.

Bestimmt haben auch Sie schon einen Großteil der gängigen Phrasen gehört, die teilweise in der vorherigen Geschichte bereits genannt wurden. Entweder haben Sie es selbst gehört oder bei Erzählungen von Freunden und Bekannten. Auch wenn Sie einen Netflix-Account haben und diverse Serien gesehen haben, werden sie auch über eine Menge dieser Phrasen gestolpert sein.

Dazu gehören die Klassiker “Es ist kompliziert”, “Es ist einfach so passiert” und “Ich muss mich selbst finden”, genauso wie die typischen Ausweichmanöver “Ich brauche Zeit zum Nachdenken” oder “Es liegt nicht an dir, es liegt an mir” und die Beschöniger wie “Ich hasse mich selbst dafür” oder einer meiner Favoriten: “Ich wollte dich nur schützen”.

Lieber Leser, seien Sie sich gewiss, dass ich genauer auf sämtliche dieser Mittel, die Sie in die Irre führen oder vom Wesentlichen ablenken sollen (denn nichts anderes tun diese Aussagen), im weiteren Verlauf dieses Buches eingehen werde.

Doch zunächst einmal zu unserer Geschichte mit Thomas. Sensible Leser werden bereits beim Auftreten der Dame in Form ihres Instagram-Accounts, ihres allgemeinen Auftretens in der Bar und spätestens bei der “Es ist kompliziert”-Geschichte hellhörig geworden sein.

Meine klare Antwort auf Phrase Nummer 1 “Es ist kompliziert” lautet:

Es ist kompliziert ist nicht kompliziert.

Im Gegenteil. Genau genommen ist es immer ganz einfach. Es gibt nämlich kein Kompliziert in Angelegenheiten Beziehung, Partnerschaft, Affäre oder Ehe. Es gibt nur ja oder nein!

Entweder jemand ist Single, oder er ist es nicht. Entweder jemand ist verheiratet, oder nicht. Entweder jemand hat eine “offene Beziehung” und schläft mit 5 Geschlechtspartnern parallel und gleichzeitig, oder jemand tut es nicht.

Sie merken vielleicht schon, worauf ich hinaus will. Nämlich, dass es diesen Unsinn von “Es ist kompliziert” einfach nicht gibt. “Es ist kompliziert” ist ein Konstrukt von Menschen, die zum einen unfähig sind, ihren Status im Liebesleben klar zu definieren. Zum anderen sind sie unter Umständen auch nicht fähig, die notwendigen Handlungen zu vollbringen, um diesen Status festzulegen (Beispielsweise durch Schlussmachen oder Kontakt abbrechen).

Wenn Ihnen jemand also sagt, dass sein Status im Liebesleben kompliziert sei - und dies ist natürlich nicht an genau diese Wortwahl gekoppelt, sondern kann auch anders auftreten, beispielsweise als “Schwer zu sagen”, oder “Ich bin Single, aber irgendwie auch nicht”, oder “Ich bin nicht in Beziehung, aber habe da halt etwas” und so weiter - dann sagt Ihnen diese Person nichts anderes als:

Ich bin unfähig, mich von alten Beziehungen zu lösen.

Ich bin unfähig, mich auf neue Beziehungen einzulassen.

Ich bin nicht vertrauenswürdig, da ich noch in alten Beziehungszuständen hänge.

Lassen Sie mich klarstellen, dass mit Beziehungstyp nicht zwangsläufig eine klassische Beziehung gemeint ist. Damit kann auch eine Affäre, Ehe oder andere Formen von Beziehungen, sogar Freundschaften, gemeint sein.

Daher gilt schlichtweg: Finger weg!

Das “Finger weg” ist auch hier natürlich darauf bezogen, Versuche zu unternehmen, Liebesbeziehungen mit dieser Person aufzubauen. Selbstverständlich soll es Sie nicht davon abhalten, mit derartigen Personen befreundet zu sein. Wenn sie nur einen One-Night-Stand ohne Ansprüche suchen (wobei ich mich dann frage, wieso Sie dieses Buch überhaupt lesen), wäre Theresa vermutlich auch eine Gelegenheit. Wenn Sie aber ernste Absichten haben, kann ich im Allgemeinen nur davon abraten, da sich aus eigener Erfahrung derartige Denkweisen auf die generelle Instabilität der Menschen ausdehnen lassen.

Und Freunde oder Bekannte, die innerlich instabil und somit destruktiv sind, tun uns schlichtweg nicht gut.

Bitte verwechseln Sie hier “instabil” nicht mit beispielsweise einem Kranken oder psychisch belasteten hilfsbedürftigen Menschen, der unsere Hilfe und Zuneigung verdient hat. Ich rede hier von Destruktivität und Instabilität in generellen Lebensweisen und Verhaltensmustern.

Auf unser Beispiel bezogen ist es ganz einfach herunterzubrechen: Theresa hatte vor kurzem einen Exfreund, an dem sie offensichtlich noch hängt und er an ihr, da sie wieder mit ihm schreibt. Gleichzeitig hat sie eine Affäre mit Patrick angefangen.

Daran ist überhaupt nichts kompliziert.

Die Beziehung ging dem Ende zu und Theresa war ihrem Partner in der Form untreu, dass sie heimlich mit Patrick geschrieben hat. Als das Ganze eskalierte und die Beziehung endete, wurde kein klarer Beziehungsstatus hergestellt.

Dieser könnte sein: Beziehung beendet, neue Beziehung mit Patrick.

Oder: Beziehung beendet, Patrick nur eine kurze Affäre, wurde aber auch beendet.

Beide Fälle treffen aber nicht ein, stattdessen wird die dritte Person (Thomas) mit ins Boot geholt. Es handelt sich dabei ganz offensichtlich um eine Frau, die unfähig ist, einen klaren Status in ihrem Liebesleben festzulegen, von dem aus beispielsweise eine neue Bekanntschaft, Beziehung, oder mehr mit einem neuen Partner entstehen kann. Mit anderen Worten ist Theresa eine Frau, die unfähig ist, für sich selbst und andere Klarheit zu schaffen und schlichtweg untauglich für jegliche Form der ernsteren Partnerschaft ist.

Und wenn Sie, lieber Leser, sich an dieser Stelle jetzt denken: “Wie kann er sowas behaupten. Nicht alle Menschen sind gleich. Menschen können sich auch ändern. Es kann sein, dass sie sich gut verstehen und eine tolle Beziehung draus wird.”