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Schnittverletzungen, Knochenbrüche oder Vergiftungen – bei Notfällen ist schnelles Handeln gefragt. Gut, wenn man sich auskennt und sofort die richtigen Schritte einleiten kann. "Erste Hilfe für Hunde" zeigt, wie Unfälle vermieden werden können, wie man bei einem Schock richtig reagiert und was in eine Notfallapotheke gehört. Wichtige Themen wie Anlegen eines Verbandes, Reanimation oder Transport eines verletzten Hundes werden auf Extra-Seiten anschaulich dargestellt. Die beste Hilfe bis man einen Tierarzt erreicht.
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Seitenzahl: 178
Veröffentlichungsjahr: 2013
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Erste Hilfe für Hund und Halter
Selbstschutz in Notfallsituationen
Anzeichen für Leben oder Tod
Der Weg zum Tierarzt
Beurteilung des Allgemeinbefindens
Verhalten gegenüber verletzten und kranken Hunden
Transport von verletzten Hunden
Helfen ohne Risiko
Wundbehandlung
Verbände anlegen
Blutungen stillen
Nach Narkose und Operation
Notfälle und Verletzungen
Polytrauma
Hirntrauma und Rückenmarkverletzung
Knochenbrüche und Gelenkverletzungen
Verletzungen des Auges
Verletzungen der Ohren
Maulverletzungen und Zahnfrakturen
Brusthöhlenorgane
Zwerchfellriss
Bauchhöhlenorgane
Offene Brust-, Bauch- oder Beckenhöhle
Pfoten und Krallen
Muskeln, Sehnen und Bänder
Nerven
Schock
Verbrennungen
Erfrierungen
Ertrinken
Stromschlag
Vergiftungen
Blutvergiftung
Zecken
Notfallsituationen einzelner Organsysteme
Nesselfieber
Bisse und Stiche
Augen
Ohren
Nasenbluten
Fremdkörper in den Atemwegen
Kollaps der Luftröhre
Akutes Lungenödem
Akutes Herzversagen
Gefäßverschlüsse
Hitzschlag
Magendrehung
Fremdkörper im Magen-Darm-Trakt und Darmverschluss
Akute Magen-Darm-Entzündung
Akute Bauchfellentzündung
Akutes Leberversagen/Leberkoma
Enddarmvorfall
Stauungen in den Harnwegen
Akutes Nierenversagen
Penisvorfall
Epilepsie und Krampfanfälle
Akuter Bandscheibenvorfall
Gebärmutterentzündung
Notfälle und Probleme während der Trächtigkeit
Mutterlose Aufzucht
ABC der Reanimation
Service
Nützliche Adressen
Zum Weiterlesen
Was ist ein Notfall?
Als Notfall werden in der „Ersten Hilfe“ Fälle benannt, bei denen es zu einer lebensbedrohlichen Störung der Vitalparameter Bewusstsein, Atmung und Kreislauf oder der Funktionskreisläufe Wasser-Elektrolythaushalt, Säure-Basen-Haushalt, Temperaturhaushalt und Stoffwechsel kommt
Einfacher:
Akute, schwerwiegende Erkrankung, die den Tod eines Lebewesen oder eine irreversible Schädigung eines seiner Organsysteme zur Folge haben kann.
Noch einfacher:
Notfälle sind alle Situationen, in denen Gefahr für Leib und Leben des Betroffenen besteht.
Nun, liegt ein Notfall vor?
Schwere Entscheidung? Richten Sie sich nach den Leitsymptomen!
Die häufigsten Verletzungen, die man sich durch Hunde zuziehen kann, sind Biss-Verletzungen, aber auch die Krallen eines strampelnden Hundes (Abwehrreaktion) sind nicht ungefährlich. Besonders gefährdet sind hierbei die Augen! Auch kann es zu einem heftigen Kinnhaken kommen, bis hin zum Nasenbeinbruch, wenn der Hund plötzlich den Kopf nach oben reißt. Speziell fremde Hunde, aber auch die eigenen können in Notsituationen aus Gründen der Angst oder des Schmerzes aggressiver sein und beißen.
Nicht jeder Hund ist verletzt so gelassen wie dieser.
Übertragung von Infektionen
Das Tragen von Einmalhandschuhen (Latex/Vinyl) zum Schutz vor HIV/Hepatitis-Infektionen ist heute bei der Ersten Hilfe für Menschen selbstverständlich. Die Übertragung von Infektionskrankheiten über Blutkontakt von Hund zu Mensch ist dagegen sehr unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich (z.B. Leishmaniose)! Besonders bei der Versorgung von blutenden Verletzungen rate ich das Tragen von Einmalhandschuhen daher an.
Hundesprache verstehen
Der aggressive Hund
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hat Ohren und/oder Schwanz hochgestellt,
›
knurrt, fletscht die Zähne,
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fixiert Sie mit seinem Blick,
›
hat enge Pupillen,
›
hat evtl. die Nackenhaare gesträubt,
›
macht sich insgesamt groß.
Dieser Hund droht recht selbstbewusst.
Der Angstbeißer
›
legt die Ohren an und hat den Schwanz eingezogen,
›
schaut meist zur Seite und hat weite Pupillen,
›
fletscht evtl. die Zähne,
›
knurrt nicht immer, kann plötzlich zuschnappen,
›
duckt sich, macht sich klein.
Es gibt ebenfalls Kombinationen aus beiden Typen, außerdem kann auch ein gelassener, sehr freundlicher Hund bei plötzlichem Schmerz (zum Beispiel Manipulation an der Wunde) plötzlich beißen!
Info Vorsichtig annähern
Fremde Hunde vorsichtig und ruhig behandeln: beriechen lassen (Handrücken), man muss sich zunächst kennenlernen! Hunde nie (auch nicht für kurze Zeit) Menschen überlassen, die ihnen von ihrer Körperkraft her nicht gewachsen sind (Kinder, alte Menschen).
Behandeln von Bisswunden
Bisswunden sind grundsätzlich infiziert. Durch die Fangzähne der Hunde entstehen Stich- und Quetschwunden und durch Zug Risswunden, die oft stark bluten, vor allem an Händen, Armen und Beinen.
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Wunde so lange wie möglich unter (fließendes) kaltes Wasser halten,
›
Wunde mit Wundantiseptikum behandeln,
›
Wunde mit sterilen Gaze-Tupfern ganz bedecken,
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mit sterilen Mullbinden Verband anlegen (eventuell einen Druckverband anlegen),
›
zum Hausarzt oder ins Krankenhaus zur weiteren Wundversorgung gehen,
›
auf Tetanus-Impfschutz achten, falls notwendig impfen lassen,
›
bestehen Sie auf eine Antibiotika-Behandlung.
Warum ist das überhaupt ein Thema, wo es doch darum geht, Leben zu retten? Aus vor allem zwei wichtigen Gründen ist es für einen Nothelfer zunächst wichtig zu wissen, ob der Hund noch lebt oder bereits tot ist.
1. Oft findet man fremde Hunde (oder andere Tiere) vor allem am Straßenrand vor, bei denen man sich zunächst fragt: Wie lange schon? Macht die Erste Hilfe oder der Transport zum Tierarzt noch Sinn, oder ist das Tier vielleicht schon seit längerem tot?
2. Es gilt auch Panik zu verhindern und die Situation zu kontrollieren, z.B. dadurch, dass Sie feststellen können, der Hund lebt noch (obwohl vielleicht die Atmung ausgefallen ist).
Aus diesen Gründen möchte ich Anzeichen für Leben und Tod gegenüberstellen, die sich von Ihnen leicht überprüfen lassen.
Info Lebenszeichen
Ein einziges Anzeichen zur Feststellung von Leben genügt!
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Herzschlag
›
Atmung
›
Reflexe (u.a. Hornhautreflex)
Reflexe
Folgende Reflexe sind leicht hervorzurufen und fallen in der folgenden Reihenfolge proportional zur Bewusstlosigkeit/Koma-Tiefe nacheinander aus:
Zwischenzehenreflex
Sie kneifen in die Haut zwischen zwei Zehen des Hundes (siehe Foto oben).
Reflex: das Bein wird angezogen (oder zuckt). Besser: der Hund zeigt eine Schmerzreaktion, indem er sich umschaut, winselt oder knurrt, denn dann ist eine Übertragung des Reizes über das Rückenmark zum Gehirn erfolgt.
Kneifen in die Zwischenzehenhaut (Zwischenzehenreflex).
Lidreflex
Sie berühren ein Augenlid des Hundes.
Reflex: das Auge wird geschlossen, oder das Augenlid zuckt.
Auslösen des Lidreflexes.
Hornhautreflex
Sie drücken leicht mit dem Finger auf das geöffnete Auge des Hundes (eben auf die Hornhaut).
Reflex: das Auge wird geschlossen.
Niesreflex
Dünner, flexibler Gegenstand (zum Beispiel Wattestäbchen, Mascara, Kiefernnadel) wird vorsichtig in die Nasenhöhle geschoben.
Reflex: Niesen, Ausschnaufen, Zucken von Nase/Lefze.
Auch wenn alle drei Todesanzeichen vorhanden sind, ist evtl. noch eine Reanimation möglich, denn das bedeutet nichts anderes als den „Animus“ (lat.: Geist) „re“ (lat.: zurück-)holen, obwohl bereits der klinische Tod eingetreten ist:
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kein Herzschlag
›
keine Atmung
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keine Reflexe
Auslösen des Niesreflexes, hier mittels eines Mandrin (Verschluss eines Venenkatheters).
Anzeichen für den Eintritt des Todes
(in der Reihenfolge ihres zeitlichen Auftretens). Durch den Ausfall des Kreislaufs „versackt“ das Blut im Körperinneren und nimmt so die Wärme mit sich, denn das Blut ist im Körper das, was das Wasser in einer Zentralheizung ist. Außerdem wird sämtliches Gewebe, das nicht mehr durchblutet wird, blass und trocken. So kommt es sehr schnell zu folgenden Anzeichen:
Totenblässe – bei Tieren weniger an der Haut, aber gut an den Schleimhäuten zu erkennen: sie werden weiß.
Totenkälte – beginnt immer an den „Körperenden“: Beine, Schwanz, Ohren; Vorsicht: Totenblässe und -kälte. Verwechslung mit Schockanzeichen möglich!
Totenauge – das Auge trocknet aus, es wird auf der Oberfläche faltig und sinkt in die Augenhöhle zurück.
Anschließend kommt es in zeitlicher Abhängigkeit von vielen Faktoren (Stress vor dem Tod, Außentemperatur und vieles mehr) zur allseits bekannten Totenstarre, die sich zwei oder auch erst zwölf Stunden nach dem Tod einstellen kann. Diese löst sich allerdings wieder, so dass alle Gelenke wieder so beweglich werden, wie kurz nach dem Tod, auch durch Fäulnisprozesse, die sich (mit Austrocknungsprozessen) anschließen, da sich der Organismus nicht mehr gegen vordringende Bakterien wehren kann.
Tipp 10 Goldene Regeln zur Unfallverhütung
Ein Hund muss jederzeit unter Kontrolle sein (Körperkraft, Gehorsam, Blickfeld),
an verkehrsreicher Straße immer an der Leine,
besondere Vorsicht bei Hund und Fahrrad/Hund und Pferd,
im Sommer Hund nie allein im Auto lassen,
keine Knochen füttern,
draußen nichts fressen und trinken lassen,
nach dem Fressen nicht herumtollen,
Gifte (z.B. Schnecken-, Ratten-, Insektengifte) immer außerhalb der Hundereichweite aufbewahren,
Vorsicht bei Welpen/jungen Hunden: Fernhalten von Elektrokabeln, schluckbarem „Spielzeug“, etc.,
immer aktueller, vollständiger Impfschutz und Zeckenprophylaxe. Fragen Sie Ihren Tierarzt.
Ist ein Telefon/Handy verfügbar, sollte auf jeden Fall der nächste diensthabende Tierarzt ermittelt und angerufen werden. Um diesen zu erreichen, gibt es folgende Möglichkeiten:
Sie rufen irgendeinen Tierarzt im näheren Umkreis an (diesen finden Sie unter „Tierärzte“ im Telefonbuch oder in den Gelben Seiten), falls Sie sich außerhalb Ihres Heimatkreises befinden oder Ihren Haustierarzt, wenn Sie sich an Ihrem Wohnort aufhalten. Außerhalb der Sprechstunde wird, wenn er nicht selbst ans Telefon geht, ein Band abgespielt, das Ihnen den zuständigen Notfalldienst nennt oder wie er zu erreichen ist.
In den meisten Tageszeitungen ist der tierärztliche Notfalldienst der betreffenden Nacht bzw. des Wochenendes aufgeführt, in der Regel unter dem humanmedizinischen oder dem Apotheken-Notdienst.
Für Großstädte gibt es häufig feste Telefonnummern für den tierärztlichen Notfalldienst (zum Beispiel für Köln 02203962339, Berlin über die Tierärztekammer Berlin oder 11880; Hamburg 040434379; München 089294528; Frankfurt 06911500).
Schauen Sie in den Gelben Seiten des betreffenden Kreises unter der Rubrik „Tierärztliche Kliniken“. Für tierärztliche Kliniken gelten besondere Rechtsvorschriften, unter anderem, dass sie 24 Stunden Notdienstbereitschaft haben müssen. Wichtig ist hier der vollständige Begriff „Tierärztliche Klinik für Kleintiere“, da nur dieser für den Anspruch bürgt („Tierklinik“ nicht).
Falls weder die Telefonnummer des Haustierarztes noch Telefonbuch oder Tageszeitung vorhanden sind, können Sie auch die Feuerwehr (112) bzw. die Polizei (110) anrufen, welche Sie dann weitervermitteln.
Es ist sicher günstig, eine der oben genannten Telefonnummern (zum Beispiel Haustierarzt oder tierärztliche Klinik) ständig bei sich zu haben, da nicht immer ein Telefonbuch oder eine Tageszeitung verfügbar ist. Schreiben Sie sich die Nummer in Ihren Taschenkalender, auf ein Blatt in Ihrem Geldbeutel, oder speichern Sie sie in Ihrem Handy. Auch auf dem Hundehalsband oder auf einem Hundeanhänger ist eine entsprechende Telefonnummer Gold wert, z.B. für den Fall, dass eine fremde Person Ihren Hund auffindet.
Tipp Hilfe von ...
Andere Tierhalter, Hundebesitzer, Förster und Landwirte wissen auch meist einen Tierarzt in der Nähe! Ferner gibt es in den veterinärmedizinischen Universitätsstädten Unikliniken, welche stets erreichbar sind (München, Berlin, Gießen, Hannover, Leipzig).
Telefonat mit dem Tierarzt
Sie werden sich nun vielleicht fragen, ob in einem Notfall ein Telefonat nicht nur eine reine Zeitvergeudung bedeutet, aber dem ist mit Sicherheit nicht so. Es gibt eine Menge guter Argumente für ein solches Telefonat, von denen ich die wichtigsten einmal nennen möchte:
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Sie können durch den Anruf sicherstellen, dass jemand anwesend ist. Kaum etwas wäre ungünstiger, als vor verschlossener Tür zu stehen. Die tierärztliche Praxis oder Klinik kann sich individuell auf den kommenden Fall vorbereiten (z.B. Infusionen anwärmen oder Blutkonserven bzw. Blutspender/OP-Vorbereitung/Hilfspersonal anfordern, bei Vergiftungen Gegengift besorgen und vieles mehr).
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Der Tierarzt kann sich durch gezielte Fragen ein Bild vom Zustand des Hundes machen und Ihnen vielleicht weitere wichtige Maßnahmen nennen, die sofort zu treffen sind. Oft müssen Sie zu einer Praxis oder Klinik, in der Sie noch nie waren, so dass Sie eine Wegbeschreibung benötigen.
Wenn Ihnen dennoch die Zeit zu knapp erscheint, kann vielleicht jemand anderes, dem die Situation bekannt ist, die tierärztliche Praxis informieren, während Sie sich bereits auf den Weg machen. Meist wird der Tierarzt, mit dem Sie telefonieren, Ihnen die Fragen der Checkliste ohnehin stellen, und weitere kurze Fragen werden evtl. hinzukommen. Versuchen Sie, soweit es Ihnen möglich ist, diese ruhig und präzise zu beantworten. Die Informationen zu den obigen Fragen sollten auf jeden Fall weitergegeben werden. Sie werden feststellen, dass Sie den Informationen ähneln, die auch im Notfall beim Menschen der Feuerwehr/Polizei weitergegeben werden.
Check Telefongespräch
Was ist passiert?
Wann ist es passiert?
Welche äußerlich sichtbaren Verletzungen liegen vor (vor allem starke Blutungen)?
Ist der Hund bei Bewusstsein (reagiert er z.B. auf seinen Namen)?
Was fällt Ihnen noch auf (z.B. ungewöhnliche Körperhaltung, Krämpfe, aufgeblähtes Aussehen, „dicker Bauch“, Schwellungen)?
Möglicherweise können Sie außerdem einige physiologische Parameter des Hundes weitergeben (Puls, Atmung, Temperatur, Schleimhäute), die für den Tierarzt sehr hilfreich sind.
Beim Tierarzt angekommen! Eine erste Kommunikation erfolgt jedoch bereits am Telefon.
Das Allgemeinbefinden eines Lebewesens sagt uns nicht, ob ein Tier krank oder gesund ist, aber ob es ihm schlecht geht oder nicht. Anders gesagt: Ist das Allgemeinbefinden gestört, dann ist das Tier krank, ist es aber nicht gestört, bedeutet dies nur, dass es ihm wahrscheinlich nicht sehr schlecht geht – es könnte aber durchaus krank sein. Durch die Bewertung verschiedener Faktoren wird das Allgemeinbefinden beurteilt:
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Verhält sich der Hund anders?
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Frisst er? Setzt er normalen Kot ab?
›
Trinkt er mehr oder weniger als sonst?
›
Zeigt er Krankheitsanzeichen, wie
›
Erbrechen,
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Husten/Niesen,
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Atembeschwerden,
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Schwäche/Zittern,
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gekrümmter Rücken/Krämpfe,
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Schmerzäußerungen bei Berührung bestimmter Körperteile,
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Teilnahmslosigkeit/ Antriebslosigkeit/Leistungsverminderung,
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mattes, struppiges Haarkleid,
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Ausfluss aus der Scheide, dem Penis, der Nase, den Augen?
Physiologische Parameter
Aber auch einige Parameter aus der Physiologie (= die Lehre aller gesunden Vorgänge im Organismus) können leicht bestimmt werden und sind wichtige Faktoren zur Beurteilung des Allgemeinbefindens. Es handelt sich hierbei um folgende Messgrößen, die allesamt leicht von Ihnen bestimmt werden können:
Puls- bzw. Herzfrequenz/Minute
Atemfrequenz/Minute
Körpertemperatur
chleimhautqualität
Die Normalbereiche für Puls-, Herz- und Atemfrequenz entnehmen Sie bitte der Tabelle, denn sie sind abhängig von Größe und Gewicht des Hundes.
Messung der Pulsfrequenz
Der Pulsschlag ist die Weiterleitung der Druckwelle der Herzkontraktion durch die Blutgefäße. Diese Welle kann man fühlen und zwar am besten an der Oberschenkelarterie des Hundes.
Möglichkeit 1: Sie schieben eine Hand mit der Handfläche zum Innenschenkel vom Schwanz aus zwischen die Oberschenkel und zwar so weit oben wie möglich. Jetzt beugen Sie Ihre Fingerspitzen um den Vorderrand des Oberschenkels, und ziehen dann Ihre Hand langsam entlang des Innenschenkels zurück, wobei Ihre Fingerspitzen (mit etwas Druck) über die Haut des Innenschenkels gleiten. Dabei ertasten Sie verschiedene Strukturen, die an Ihren Fingerspitzen vorbeigleiten (vor allem Muskelstränge). Schließlich kommt ein – je nach Hundegröße – bleistiftminen- bis bleistiftdickes Blutgefäß an Ihre Fingerkuppen, und Sie können bei leichtem Druck auf dieses Gefäß eine an- und abschwellende Pulswelle fühlen (wie auch beim Menschen).
Möglichkeit 2: Von vorne die Hand am Innenschenkel vorschieben bis zum tastbaren Oberschenkelknochen. Dann mit den Fingerkuppen kopfwärts vortasten. Die Arterie verläuft etwa parallel des Knochens.
Das Auffinden der Oberschenkelarterie scheint beim ersten Mal schwierig! Man braucht Übung, um den Puls fühlen zu können, aber nach ein wenig Training an Ihrem Hund wird es mit der Zeit ganz einfach.
Falls Sie keinen Puls ertasten, kann dies mehrere Ursachen haben:
›
Arterie nicht gefunden,
›
Puls zu schwach (bei Blutdruckabfall, z.B. bei Schock),
›
Verschluss einer vorgeschalteten Arterie (Thromboembolie).
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Pulsarterie zu ertasten:
am liegenden Hund,
am stehenden Hund,
von hinten.
Info Normalwerte
Körpertemperatur
38 – 39° C
Atemfrequenz/Minute
20 – 30 Atemzüge bei großen Hunden
30 – 50 Atemzüge bei kleinen Hunden
Pulsfrequenz/Minute
70 – 100 Schläge bei großen Hunden
90 – 120 Schläge bei kleinen Hunden
Schleimhaut rosa
Bei Stress und/oder körperlicher Belastung steigen diese Werte an (Schleimhaut rosa → rot). Bei gut trainierten großen Hunden können die Normwerte tiefer liegen.
Messung der Herzfrequenz
Das Herz beim Hund befindet sich wie beim Menschen mehr in der linken Körperhälfte (zu ca. 2/3), so dass man es auch besser von links aus abhört. Falls kein Puls zu fühlen ist: immer das Herz abhören!
Das Feld auf der Körperoberfläche, von dem aus das Herz am besten zu hören ist, lässt sich wie folgt eingrenzen: Den Raum zwischen zwei Rippen (der Hund hat in der Regel auf jeder Seite 12 Rippen und eine sogenannte Fleischrippe) nennt man Zwischenrippenraum. Man kann diese Räume von kopfwärts in Richtung schwanzwärts abzählen. Zwischen dem 3. und dem 6. Zwischenrippenraum über einer gedachten waagerechten Linie, direkt oberhalb des Ellbogenhöckers, befindet sich das ca. handflächengroße Feld zum Abhören des Herzens.
Wie beim Menschen hört man hauptsächlich zwei schnell aufeinanderfolgende Herztöne, die zusammen als ein Herzschlag gezählt werden. Diese Töne werden erzeugt, wenn die Herzklappen – sozusagen als Verschlussventil – zuklappen. Alles, was den Raum zwischen Herz und Körperoberfläche verdichtet, also auch Fett, lässt das Herz scheinbar leiser schlagen.
Zum Abhören des Herzens benötigt man nicht unbedingt ein Stethoskop. Dieses ist nur ein etwas verstärktes, verlängertes Ohr. Fast genau so gut eignen sich die beiderseits am Kopf angewachsenen „Stethoskope“, nämlich die eigenen Ohren, zum Abhören der Herztöne und somit zum Ermitteln der Herzfrequenz. Hierfür muss man das Ohr nur dicht genug an das beschriebene Feld der Körperoberfläche anlegen. Möchten Sie sich allerdings lieber eines Stethoskops bedienen, können Sie dies in einem Sanitätshaus erwerben oder es sich über Ihren Tier- oder Hausarzt besorgen lassen.
Die Herzfrequenz entspricht der normalen Pulsfrequenz. Achtung: Beim Hund schlägt das Herz im Ruherhythmus beim Einatmen schneller als beim Ausatmen. Das ist völlig normal und keine Herzrhythmusstörung (respiratorische Arrhythmie). Die Atmung beobachtet man über das Heben und Senken des Brustkorbs.
Hecheln ist jedoch keine Atmung und die „Frequenz“ des Hechelns ergibt keine Aussage über die Atemfrequenz!
Feld zum Abhören des Herzens – hier dunkelblau markiert.
Tipp Herzspitzenstoß
Falls das Abhören des Hundeherzens durch sehr laute Atemgeräusche nicht gelingt, kann v.a. bei dünnen/kleinen Hunden auch versucht werden, den Herzspitzenstoß zu fühlen und so die Herzaktionen zu zählen. Hierzu legt man die Fingerspitzen direkt auf die Brustwand über dem letzten Drittel des Brustbeins.
Messung der Körpertemperatur
Die Temperatur oder richtig ausgedrückt „Körperinnentemperatur“ wird im Organismus v. a. durch Abwärme der Verbrennungsvorgänge bei der Muskelarbeit und ein kompliziertes Steuerungssystem in einem Rahmen gehalten. Dieser beträgt beim Hund unabhängig von der Rasse oder Größe (im Gegensatz zu Herz- und Atemfrequenz) 38 – 39° C, beim Welpen bis zu 39,3° C.
Nehmen Muskelarbeit und/oder Verbrennungsvorgänge sehr stark ab, oder schafft es der Körper nicht mehr, einer extrem niedrigen Außentemperatur entgegenzuwirken, dann sinkt die Körpertemperatur unter den Normalbereich. Bei Fieber, Aufregung, vermehrter Muskelarbeit (erhöhter körperlicher Leistung) und extremer Außentemperatur, die nicht kompensiert werden kann, steigt sie.
Zu messen ist die Körperinnentemperatur mit einem handelsüblichen Fieberthermometer für Menschen, wie auch beim Menschen, im After. Hierfür wird das Thermometer vorsichtig ca. 1,5 bis 2cm in den After eingeführt, wobei der Schwanz hochgehalten wird und, falls notwendig, der Hund unter dem Bauch angehoben wird, damit er sich nicht setzt. Nicht aber am Schwanz hochhalten/ziehen. Das Thermometer nicht loslassen, solange es im After steckt. Falls sich der Hund stark zur Wehr setzt, lieber bleiben lassen – Sie riskieren sonst Enddarmverletzungen.
Es empfiehlt sich, die Spitze des Thermometers vor dem Einführen mit einem Gleitmittel zu versehen, z.B. Paraffin-Öl oder Baby-Creme. Es gibt ferner (z.B. über den Tierarzt) Thermometer, die in wenigen Sekunden die Temperatur ermitteln.
