ERZIEHUNG KANN DURCHAUS SPASS MACHEN - Herwig Winkel - E-Book

ERZIEHUNG KANN DURCHAUS SPASS MACHEN E-Book

Herwig Winkel

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Beschreibung

Mit viel Humor und spielerischer Leichtigkeit die schwierigsten Erziehungssituationen souverän meistern. Das geht! Dieses Buch ermutigt und stärkt Erziehende in ihrem herausfordernden Erziehungsalltag. Es bietet ganz konkrete - oft überraschende - Lösungsvorschläge für Eltern und Pädagog:innen. Inspirierende Zitate, kurzweilige theoretische Hintergrundinformationen sowie erbauliche Weisheitsgeschichten vermindern den Erziehungsfrust und erhöhen schön die Leselust. Die 44 beigefügten Spielvorschläge – meist ohne Vorbereitungs- und Materialanforderungen - versetzen den/die Leser:in in die Lage, lustvoll pädagogische Impulse zu setzen und von der Rolle des „Leidens“ in jene des „Leitens“ zu kommen. Ergo: Erziehen kann durchaus Spaß machen.

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EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2024

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Impressum

Alle Rechte vorbehalten -

(c) 2024 / Dr. Herwig Winkel

Millöckergasse 28

6850 Dornbirn / Österreich

Illustrationen: Florian Winkel, Sophie Soltani, Katharina Dam, Herwig Winkel

Umschlaggestaltung: www.buchschmiede.at

 

ISBN: 978-3-99165-336-3

 

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt.

Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

 

 

 

 

Für Else, Matthias und Florian -

und für meine Eltern Helmut und Pia

 

 

 

INHALT

 

VORWORT – Mit einem einzigen Satz alle Situationen meistern

01. System overload? – Locker bleiben!

02. Vom Wert des Menschen

03. Kurze Einführung in die Maschinenkunde – speziell für leidgeprüfte Eltern

04. Das Kind verstehen – ODER – Wie Kinder „ticken“!

05. Kleines Baukundeseminar für engagierte Eltern

06. Das wichtigste Element der Erziehung

07. Gleichwertigkeit erleben lassen

08. Kinder in die Mitte! – Kinder in die Mitte?

09. Die Sache mit den Erziehungszielen – Quo vadis?

10. Grenzen erleichtern unseren Kindern die Orientierung

11. Kinder nicht zu sehr behüten – von Helikoptern und Eltern

12. Wie man richtig lobt

13. Auf Kritik verzichten und Fehler verkleinern

14. Den Perfektionismus des Kindes nicht fördern

15. Lernen am Vorbild

16. Der Verstärkerplan

17. Kinderfreundschaften werden im Himmel geschlossen

18. Die Forderung der Situation erkennen

19. Kinder mithelfen lassen – Keine Feier ohne M...

20. Veränderungen geschehen langsam

21. Der Trick mit der Schallplatte –– Die Broken-Record-Technik

22. Wenn Geschwister streiten

23. Die Badezimmer-Methode

24. Logische Konsequenzen – Nehmen Sie Ihr Kind einfach ernst!

25. Paradoxe Intervention - Das Unerwartete tun

26. Das Leben – eine Bühne

27. Wenn es so nicht geht – probiere es doch anders

28. Pubertät – Seien Sie ein Baum

29. Warum Großeltern und andere Verwandte so wichtig sind

30. Es leichter nehmen und sich Gutes tun

31. Das kleine ABC des pädagogischen Alltags

SCHLUSSWORT - Wie die Freude am Erziehen erhalten bleibt

ANHANG

Goldene Regeln für den Umgang mit Kindern

SPIELEVERZEICHNIS

LITERATURLISTE

AUTOR

VORWORT – Mit einem einzigen Satz alle Situationen meistern

 

 

Als mein jüngerer Bruder, der im selben Studentenheim wohnte wie ich, aus einer seiner ersten Vorlesungen in Jus zurückkam, fragte ich ihn, was sie denn so gelernt hätten. Er erwiderte, dass ein Professor ihnen den eindringlichen Rat gegeben habe, auf jedwelche juristische Frage mit - „Es kommt darauf an!“ - zu antworten. Damit sei man auf jeden Fall auf der absolut sicheren Seite. Das stimme immer.

 

Irgendwie scheint sich diese juristische Binsenweisheit schleichend auf die Pädagogik und die Psychologie ausgeweitet zu haben. Auch dort bekommt jemand, der Rat sucht, von Fachleuten nicht selten die Antwort: „Es kommt darauf an!“

 

Nun stimmt dieser Satz zweifelsohne immer und überall. Er ist sozusagen universell einsetzbar. Wenn Sie z.B. bei einer Prüfung die Antwort nicht wissen, reagieren Sie einfach mit: „Es kommt darauf an!“ – Die Nachfrage des Prüfers – „Worauf kommt es denn an?“ – parieren sie gekonnt mit einem – „Auf die Situation!“. Damit bewegen Sie sich auf absolut sicherem Terrain. Und sollte die Frageenergie des Prüfers noch immer nicht erlahmt sein und ein „Was meinen Sie damit?“ nachgelegt werden, lehnen Sie sich entspannt zurück und antworten mit ernster Miene: „Es kommt auf die individuellen und gesellschaftlichen Faktoren an!“ Nun haben Sie die komplette Palette von intellektuellen Argumentationsmustern abgedeckt. Und dabei ist alles sinnvoll und richtig.

 

Mit diesem sprachlichen Universalschlüssel werden Sie in vielen Fachgebieten reüssieren. Schwierige Situationen – auch im erzieherischen Bereich – werden damit elegant kommentiert, ohne dem Gegenüber fachlich und menschlich eine eventuell vorhandene Blöße geben zu müssen. Aber wirklich hilfreich ist der Satz für Rat suchende Eltern nicht. Bei pädagogischen Beratungsgesprächen ist „Es kommt darauf an.“ eine gern gewählte Formulierung und führt zielsicher zur nächsten grundlegenden Frage: „Was wäre jetzt zu tun?“.

 

Hier empfehlen pädagogische Experten und Expertinnen häufig ebenso elegant: „Sie müssen auf das Kind eingehen!“ Ein Satz, der ohne jeden Zweifel richtig und in jeder Hinsicht unterstützenswert ist – und – Sie werden es schon ahnen – natürlich auch auf jede Situation zutrifft. Nur stehen viele Eltern damit vor der Frage: „Wie soll bzw. kann ich auf mein Kind eingehen?“

 

Meint man damit etwa, dass man einem pubertierenden 13-Jährigen, der gerade die vierte Stunde vor einem Ego-Shooter am Computer sitzt, höflich die Frage ins Zimmer flötet: „Wie fühlst du dich, wenn du vier Stunden auf Figuren geschossen hast?“ – „Na wie wohl, super natürlich!?!“ - Um dann als Elternteil gleich eine ethisch, moralisch und kommunikationswissenschaftlich tadellose Ich-Botschaft hinterherzuschicken: „Ich fühle mich nicht ernst genommen, wenn du alle meine Hinweise, mit dem Schießen aufzuhören, ignorierst.“ Hört Ihr Kind auf diese Ich-Botschaft, können Sie jedes Erziehungsbuch zur Seite legen. Sie haben einen guten Draht zu Ihrem Nachwuchs und können die Dinge in bestem Einvernehmen lösen – beneidenswert. Wirklich spannend wird es pädagogisch aber erst, wenn der Jugendliche auf stur schaltet und unbeeindruckt weitermacht.

 

Das vorliegende Buch handelt von solchen „schwierigen“ Fällen und ist im weiter oben genannten pädagogischen Sinne ziemlich inkorrekt und unseriös. Es überspringt ganz bewusst die oft geäußerten und sehr allgemein gehaltenen Universalstehsätze. Ich denke, dass jene Eltern, die Erziehungsbücher lesen und sich intensiv mit Kindererziehung auseinandersetzen, bereits alle möglichen „Auf-das-Kind-eingehen-Versuche“ unternommen haben – mit mehr oder weniger Erfolg. Sie dürften die genannten Allgemeinplätze dementsprechend nicht als besonders hilfreich empfinden. Der Rest der Eltern ist für gute Erziehungstipps sowieso wenig zugänglich, weil meist physisch abwesend und gegen pädagogische Beratung immun.

 

Ich möchte gestressten Eltern in diesem Buch ganz konkrete – zum Teil etwas unorthodoxe – Lösungsvorschläge für die unterschiedlichsten Erziehungssituationen anbieten. Und ich werde Sie nicht mit „Es kommt darauf an!“ und „Sie müssen auf das Kind eingehen!“ abwimmeln. Wir werden lustvoll andere Wege beschreiten.

 

Wenn Sie mich abschließend fragen, ob meine Sichtweisen und Vorschläge immer funktionieren, dann kann ich aus eigener Erfahrung nur antworten:

Es kommt darauf an!

 

 

Kleine Gebrauchsanweisung für das Buch

Die Kapitel sind so aufgebaut, dass nach einem einleitenden Sinnspruch etwas Theorie kommt und zum Schluss ein unterhaltsames, bewährtes Spiel folgt, denn schon Thomas von Aquin wusste: „Das Spiel schenkt uns Freude und Erholung.“

 

Abkürzungserklärung für die Spiele:

 

SL

Spielleiter:in

MS

Mitspieler:in/Mitspieler:innen

TN

Teilnehmer:in/Teilnehmer:innen

 

Bei den Spielen ist für jede Altersgruppe etwas dabei. So sind etwa das „Urwaldspiel“, „Solo“ und „Obstsalat“ für Kinder ab 5 Jahren geeignet und die Übungen „Im Reich der Zwischentöne“ und „Gehsoziogramm“ für Jugendliche ab 13 Jahren. Aber lassen Sie sich von altersmäßigen Zuschreibungen nicht täuschen: Die „engagiertesten“ Teilnehmer:innen beim Spiel „Obstsalat“ habe ich in meinen erwachsenen Studierenden gefunden. Ich habe daher bei den Spielbeschreibungen auf eine Altersempfehlungskategorie verzichtet.

 

Was Sie übrigens freuen dürfte: Ich habe bei der Auswahl der Spiele Wert darauf gelegt, dass größtenteils keinerlei Material oder Vorbereitungszeit für die Durchführung benötigt werden.

 

Zugunsten einer leichteren Lesbarkeit der Spielanleitungen habe ich vereinzelt auf das Gendern verzichtet. Sie mögen mir das bitte nachsehen.

01. System overload? – Locker bleiben!

 

 

Bevor ich heiratete, hatte ich sechs Theorien

über die Erziehung von Kindern.

Jetzt habe ich sechs Kinder und keine Theorie.

John Wilmot Rochester (1647-1680)

 

 

Lassen Sie uns das Buch ganz unromantisch mit einer ernüchternden Tatsache beginnen.

 

 

Erziehung ist nur etwas für Universalgenies

Wer sich mit Kindererziehung befasst, muss sich im Klaren darüber sein, dass dies – folgt man möglichst allen modernen wissenschaftlichen Erkenntnissen und einschlägigen Fachbüchern - ein fast übermenschliches, ja eigentlich unmögliches Unterfangen ist. Irgendwie macht man immer etwas falsch, hat man etwas zu wenig berücksichtigt oder gefördert.

 

Mein Rat: Bleiben Sie locker – und entspannt. Alles richtig zu machen, ist illusorisch und zudem gar nicht notwendig. Wo Menschen zusammenleben, gibt es Reibungsflächen und passieren Fehler. Der Mensch ist ein sehr widerstandsfähiges Wesen und kann kleine bis mittlere Frustrationen meist problemlos überstehen. Das gilt insbesondere auch für unsere Kinder.

 

 

Warum wir in der Erziehung immer an alles denken müssen – und warum das kontraproduktiv ist

Nicht ganz so entspannt sehen viele Psycholog:innen und Pädagog:innen die Erziehungsarbeit. Sie lehren uns, dass die Betrachtung einer Situation ein profundes theoretisches Wissen und ein Denken auf einer hohen abstrakten Reflexionsebene verlangt, das mit einer systemischen Sichtweise, die auf viel Erfahrung und noch mehr Ausbildung beruht, gepaart sein muss.

 

Zu kompliziert? Wenden wir das Geforderte einfach auf eine alltägliche Situation an, wie sie in der Schule schon mal vorkommen kann:

 

Tamara, ein 8-jähriges Mädchen, weigert sich standhaft, ihrer Banknachbarin die geliehenen Farbstifte zurückzugeben.

 

Wenn Sie als Lehrer:in in dieser Situation pädagogisch adäquat tätig werden wollen, müssen Sie sich vorher über ziemlich viele Dinge Gedanken machen und sich u.a. einige grundlegende Fragen stellen:

Ich hoffe, Ihnen wird anhand dieser bei weitem nicht vollständigen „Bedenkgrafik“ klar, dass Erziehung ein multifaktorielles, systemisches, individuelles und politisch bedingtes Faktorenbündel ist.

Aber es kommt noch schlimmer! In einer Erziehungssituation müssen Sie nicht nur das Kind, sondern als Mitbeteiligte/r auch Ihren eigenen Handlungsbackground berücksichtigen, schließlich sind Sie Teil des Kommunikationsgeschehens.

 

Also:

Sind Sie vielleicht schlecht drauf, weil

Sie

nicht gefrühstückt haben?

Geht Ihnen die Situation nahe, weil Sie als

Kind ähnliche Erfahrungen

machen mussten?

Haben

Sie

heute Morgen im Konferenzzimmer schon

Ärger gehabt?

Hat Ihre

eigene Lehrerin in solchen Situationen falsch reagiert?

Sind Sie sauer, weil

Sie

in

Ihrer Ausbildung

auf solche Situationen

nicht vorbereitet

wurden? usw.

 

Die Überforderung als Lehrer:in mit dieser Fülle an Berücksichtigungspunkten ist vorprogrammiert. Zurück bleibt eine frustrierende Ratlosigkeit, was man denn jetzt tun solle.

 

Mein Rat: Locker bleiben!

 

Die wissenschaftliche und systemische Betrachtung von Erziehungssituationen ist wichtig und für die Weiterentwicklung des Erziehungsbewusstseins bedeutsam. Sie macht uns in der konkreten Situation allerdings handlungsunfähig. Also lassen Sie sie vorerst einmal guten Gewissens beiseite.

 

Niemand, selbst ein Verfasser bzw. eine Verfasserin von Erziehungsbüchern, kann allen Facetten einer Situation gerecht werden. Warum sollten Sie sich daher diesen Schuh anziehen?

 

Leute, die alles bedenken, ehe sie einen Schritt tun, werden ihr Leben auf einem Bein verbringen.

Unbekannt

 

 

Von guten und schlechten Entscheidungen – c’est la vie!

In konkreten Alltags-Erziehungssituationen müssen oft blitzschnell Entscheidungen getroffen werden. Da bleibt nicht genug Zeit zum Überdenken aller Faktoren. Unsicher herumzulavieren und vor Unschlüssigkeit zu erstarren, hilft nicht. Folglich sind eben manche unserer „schnellen“ Entscheidungen gut und manche schlecht. Sind sie gut – können wir stolz auf uns sein und Mut für zukünftige Herausforderungen entwickeln. Sind sie schlecht, entschuldigen wir uns und bringen die Sache wieder in Ordnung. So funktioniert das Leben. Es gibt gute Entscheidungen, aber nicht immer, und es gibt schlechte Entscheidungen, aber nicht immer.

Wichtig ist in den meisten Erziehungssituationen nur, dass überhaupt Entscheidungen getroffen werden.

 

Die systemische Sichtweise hat vor allem in schwerwiegenden und sehr belastenden Konflikt- und Lebenssituationen ihre Berechtigung und Bedeutung. Dort ist sie ein Segen und sehr hilfreich. Im banalen Alltag ist sie selten vonnöten.

 

Also:

Merksatz 01:

Bleiben Sie locker! Es geht auch einfach!

 

Merksatz 02:

Jeder Mensch kann Spaß an der Erziehung von Kindern haben.

Jeder – auch Sie!

 

Lassen Sie uns nun frohen Mutes den Spaß mit der Erziehung beginnen – Sie werden sehen, die Sache wird uns überraschend leicht von der Hand gehen.

 

Eine erste Unterstützung erhalten wir von Konfuzius:

 

Das Leben ist wirklich einfach,

aber wir bestehen darauf, es kompliziert zu machen.

Konfuzius (551 - 479 v. Chr.)

 

 

Achtung - Spielfreude ist angesagt!

Nun folgt ein erster Spielvorschlag. Betrachten Sie die Spielesammlung als hilfreiche Werkzeugkiste und bedienen Sie sich nach Lust und Laune an jenen Übungen, die Ihnen gefallen. Wenn ein Spiel einmal nicht gleich beim ersten Mal klappen sollte, bleiben Sie gelassen und entspannt. Mit der Routine kommt die Souveränität. Ich habe alle Spiele oft in meiner pädagogischen Praxis eingesetzt, sie haben sich bewährt. Im Folgenden darf ich Ihnen also mit Freude die Rosinen meiner Spielesammlung überreichen.

 

 

SPIELVORSCHLAG

 

 

Das erste Spiel fördert die Koordinationsfähigkeit und erleichtert uns auf spielerische Weise das Merken von Namen. Einem anfänglichen Systemoverflow folgt die Entspannung. Aus kompliziert wird einfach.

 

 

Klatschspiel

 

Material:

keines

Spieldauer:

10 Minuten

Lernziel:

Kennenlernspiel, Training der Gehirnhälften

 

 

Die MS sitzen im Stuhlkreis.

 

Alle MS klatschen im wiederholenden Rhythmus zwei Mal mit den Händen auf die Oberschenkel und dann zwei Mal in die Hände. Dieses Klatschen zieht sich durch das ganze Spiel durch. Beginnen Sie in einem langsamen Rhythmus, damit Zeit für das Denken und Sprechen bleibt.

 

Beim zwei Mal auf die Oberschenkel-Klatschen aller TN sagt der SL zwei Mal seinen eigenen Namen.

Dann zwei Mal in die Hände klatschen.

Beim nächsten Mal auf die Oberschenkel-Klatschen sagt der SL zwei Mal den Namen eines anderen MS im Kreis.

Dann zwei Mal in die Hände klatschen.

Dieser andere MS sagt jetzt zwei Mal seinen Namen beim Oberschenkel-Klatschen und nach dem Hände-Klatschen - beim folgenden Oberschenkel-Klatschen - zwei Mal den nächsten Namen usw.

 

Anm.: Manche Kinder (und auch Erwachsene) haben bei diesem Spiel große Probleme, weil sie nicht gleichzeitig klatschen und sprechen können. Beides zusammen zu koordinieren, ist auch eine hochkomplizierte Gehirn- und Koordinationsleistung. Es lohnt sich aber, das zu trainieren, weil im vorkommenden Stolperfalle ...

 

o eine Gehirnhälfte sehr dominant ist.

 

o man seine Talente nicht annähernd voll ausschöpft.

 

o man durch zusätzliche einfache Übungen die Verbindungen optimieren kann.

 

 

Zusatzübungen fürs Gehirntraining anhand von Überkreuzspielen

 

o Arme wie gewohnt verschränken, auf ein Signal hin greift man komplett um

 

o Im Kreis sitzen - die Hände rechts und links auf den Knien der Nebenleute – einen leichten Schlag weitergeben, bei zweimaligem Klopfen wird die Laufrichtung geändert.

 

o Mit beiden Händen auf die Schenkel klopfen und dann abwechselnd kreuzweise mit den Händen Nase und Ohrläppchen berühren.

 

 

02. Vom Wert des Menschen

 

 

Der Sinn des Lebens besteht nicht darin,

ein erfolgreicher Mensch zu sein,

sondern ein wertvoller.

Albert Einstein (1879 – 1955)

 

 

Wie könnte das Leben doch so schön und leicht sein?!

Aber wieder einmal ärgern Sie sich ungemein über die skurrilen „Ideen“ und das unangemessene Verhalten ihres Kindes.

 

ODER

Sie leiden an dessen „Unzulänglichkeiten“ bzw. „Marotten“.

ODER

Das Kind ist „leider“ nicht so musikalisch, mathematisch talentiert, gewissenhaft, verlässlich usw. wie Sie.

ODER

Es enttäuscht Sie mit seinen Lebensplänen und Sonderwegen.

ODER

Sie sind zutiefst beunruhigt, ob es sich zum Guten entwickeln wird.

 

Holen Sie zuerst einmal tief Luft und lehnen Sie sich bequem zurück. Ich möchte Ihnen dazu eine kleine Geschichte erzählen:

 

 

Vom Wert des Menschen

 

Ein Mann nahm während eines Vortrags einen 10-Euro-Schein aus seiner Jackentasche und hielt ihn hoch: „Wem darf ich diesen Geldschein schenken? Keine Sorge, es ist kein bloßstellendes Ansinnen damit verbunden!“ –

 

Es meldeten sich mehrere Zuhörer:innen. Der Vortragende zerknüllte den Geldschein in seiner Hand und fragte erneut: „Wer möchte den Geldschein jetzt noch haben?“ – Alle zeigten auf. Der Mann warf den Geldschein auf den Boden und trampelte auf ihm herum: „Wer möchte den Geldschein jetzt noch haben?“ – Wiederum zeigten alle auf. „Wieso wollen Sie den Geldschein noch immer haben, er sieht ja ziemlich ramponiert aus?“ – Ein Zuschauer antwortete: „Das ist mir egal, er ist ja immer noch 10 Euro wert!“

Unbekannt

 

 

Wenn schon dieser 10-Euro-Schein seinen Wert behält, egal wie zerknittert ihn das Leben hat oder wer auf ihm herumgetrampelt ist – um wie viel mehr behält jeder Mensch seinen Wert, egal wie das Leben ihn gebeutelt hat und wie viele Menschen auf ihm herumgetrampelt sind.

 

Jeder Mensch – Sie selbst und natürlich ganz besonders Ihr Kind – hat von Geburt an einen wunderbaren, unschätzbaren Wert mitbekommen. Sie müssen ihn sich weder verdienen, z.B. dadurch, dass Sie besonders „brav“ oder „fleißig“ sind, noch können Sie diesen Wert verlieren. Sie haben ihn für immer. Genauso wie Sie sind, sind Sie unendlich wertvoll. Vielleicht denken Sie in Zukunft daran, wenn Sie einen 10,- Euro-Schein aus der Geldtasche nehmen.

 

Auf die „Unzulänglichkeiten“ Ihres Kindes bezogen, bedeutet dies: Egal, was Ihr Kind kann/tut/getan hat, es ist ein wunderbarer, wertvoller Mensch – und bleibt es. Ihr Kind ist genau so richtig, wie es ist. Der erste Schritt einer guten Erziehung liegt also darin, dass Sie Ihr Kind vollkommen annehmen (mit allen Stärken und Schwächen).

 

Ihr Kind ist ein wertvoller Schatz –

und Sie sind es auch!

 

 

 

 

 

SPIELVORSCHLAG

 

 

Das folgende Spiel regt das Kind zur Reflexion über seine Talente an und stärkt es damit in seinem Selbstwert.

 

 

Mein Name – mein Programm

 

Material:

Zettel, Stifte, Wandtafel, Nadeln oder Klebstreifen

Spieldauer:

30-45 Minuten

Lernziel:

Selbstbewusstsein entwickeln

 

 

Die Anfangsbuchstaben des eigenen Namens können benutzt werden, um „starke“ Eigenschaften oder Fähigkeiten an sich selbst zu entdecken oder zu wünschen.

 

Beispiele

 

M

mutig

 

A

aufmerksam

O

offen

 

N

naturverbunden

N

nett

 

T

tatkräftig

I

intelligent

 

O

originell

K

kraftvoll

 

N

neugierig

A

authentisch

 

 

 

 

 

Ein bisschen mehr Mühe, aber mindestens so viel Spaß macht es, aus dem Namen ein ganzes Programm zu machen, z.B. so:

 

M

Mit

 

A

Aufmerksam

O

optimistischer

 

N

nennt

N

Natürlichkeit

 

T

Toni

I

ist

 

O

originelle

K

kurzweiliges

 

N

Namen.

A

Arbeiten garantiert.

 

 

 

 

 

Die persönlichen Programme können auf eine Wandzeitung oder –tafel geheftet und gegenseitig gelesen werden.

 

Kurze Gruppenreflexion:

Haben die Assoziationen tatsächlich mit der eigenen Person zu tun?

 

Oder ging es nur darum, Wörter zu finden, die mit dem passenden Buchstaben anfingen?

 

03. Kurze Einführung in die Maschinenkunde – speziell für leidgeprüfte Eltern

 

 

Früher war selbst die Zukunft besser.

Karl Valentin (1882 – 1948)

 

 

Wie wohltuend ist doch das Einschalten des Geschirrspülers per Knopfdruck. Wie angenehm ist es, zu laute Musik mit einem Regler einfach leiser zu stellen. Wie schön wäre es, wir könnten unsere Kinder bei Bedarf ...

 

Merksatz 1: Kinder sind („leider“) keine Maschinen

Wer wünschte sich als Eltern nicht manchmal Knöpfe, mit deren Hilfe man die Kinder auf „aufmerksam“, „brav“, „leise“, „zufrieden“ oder „höflich“ schalten könnte?

 

Doch „leider“ sind Kinder keine Maschinen und niemand kann ihnen in einer Werkstatt solche Knöpfe einbauen. So „leid“ es mir tut, aber Sie müssen sich von dieser Idee verabschieden.

 

Weiter unten werden Sie lesen, warum es in Wirklichkeit großartig ist, dass Kinder nicht immer „funktionieren“, wie wir Erwachsenen es wollen.

 

 

Merksatz 2: Man muss nicht immer wissen, warum Menschen etwas tun – sie wissen es oft selbst nicht!

Kinder/Menschen verhalten sich mitunter sehr unberechenbar und eigenartig. Es fällt uns schwer, den Sinn hinter den Handlungen des anderen zu erkennen. Noch schwerer fällt es uns, mit Rücksichtslosigkeiten zurecht zu kommen und uns nicht zu ärgern, gekränkt zu sein oder schlecht zu fühlen.

 

Seien Sie beruhigt, oft wissen die Kinder/Menschen selbst nicht, warum sie etwas tun - selbst, wenn man sie danach fragt.

 

Ein Grund zur Resignation ist das allerdings nicht. Im Abschnitt „Wie Kinder ticken“ bekommen sie hilfreiche Hinweise, wie man Kinder/Menschen besser „durchschauen“/verstehen kann.

 

 

Merksatz 3: Kinder sind (Gott sei Dank) keine Maschinen

So „ärgerlich“ es für gestresste Eltern sein mag, dass es keine Maschinenknöpfe bei Kindern gibt, so erleichtert sollten sie darüber sein. Denn nicht alle Menschen in der Erwachsenenwelt meinen es gut mit Kindern. Das ist die bittere Realität.

 

Die bösen und ernüchternden Fälle von Kindesmissbrauch lehren uns, dass die Welt seit der Vertreibung Adams und Evas aus dem Paradies definitiv kein Ort des unbekümmerten Frohseins ist. Es muss geradezu ein Anliegen von uns Erzieher:innen sein, dass die Kinder gegenüber böse gesinnten „Maschinenknöpfedrückern“ einen gesunden Ungehorsam entwickeln. Dazu müssen wir sie zu selbstbewussten, willensstarken Menschen erziehen.

 

 

Merksatz 4: Noch ist nicht aller Tage Abend

Wer angesichts der ersten drei Merksätze geneigt ist, enttäuscht das Buch zu schließen, weil es augenscheinlich keine Patentrezepte für Erziehungsfragen gibt, gestehe mir noch einen Satz zu:

Es gibt zwar keine Schaltknöpfe, aber es gibt sehr hilfreiche Wegweiser und ein breites pädagogisch-psychologisches Instrumentarium. Und - vertrauen Sie mir – diese Dinge sind auch nicht von schlechten Eltern.

 

Darüber mehr in den nächsten Kapiteln. Lassen Sie uns mit Leonardo da Vinci die Sache optimistisch angehen:

 

Gib niemals auf. Große Dinge brauchen Zeit und Geduld.

Leonardo da Vinci (1452 – 1519)

 

 

 

 

SPIELVORSCHLAG

 

 

Im folgenden Vertrauensspiel fühlt man sich wie von fremden Kräften bewegt und muss eine ordentliche Portion Mut an den Tag legen. Es fördert neben dem Kennenlernen ein gutes Anfangen in einer Gruppe.

 

 

Steifer Mann

 

Material:

keines

Spieldauer:

10 Minuten

Lernziel:

Kennenlernspiel, Vertrauensbildung, Mut

 

 

Die MS bilden in mehreren Kleingruppen (jeweils max. 6 Leute) Kreise.

 

In jedem Kreis geht ein MS in die Mitte, schließt die Augen und macht sich steif. Die anderen MS schieben ihn nun sanft hin und her.

 

Hilfreicher Tipp:

 

Der Kreis muss klein sein, den „blinden“ MS möglichst immer sanft über den Mittelpunkt des Kreises schieben!

 

 

04. Das Kind verstehen – ODER – Wie Kinder „ticken“

 

 

Kinder sind die Brücke zum Himmel

Persisches Sprichwort

 

 

Den Menschen und seine Beweggründe zu verstehen, ist ein Jahrtausende altes Bestreben der Menschheit. Und ebenso Jahrtausende alt ist das Scheitern in diesem Bestreben. Selbst die antiken griechischen Philosophen Sokrates („Ich weiß, dass ich nichts weiß.“), Platon („Höhlengleichnis“) und Aristoteles („Das rechte Maß, die rechte Mitte finden.“) waren sich in diesen Grundmotiv-Fragen uneins. Sokrates musste sich nach dem Vorwurf, er verderbe die Jugend, sogar per Schierlingsbecher selbst das Leben nehmen. Erst mit Siegmund Freud bekam das „Warum“ jemand etwas tut, einen entscheidenden neuen Impuls.

 

In der Folge gab und gibt es zahlreiche psychologische Modelle, die das menschliche Verhalten zu erklären versuchen: S. FREUD, A. ADLER, C.G. JUNG, V. FRANKL, C. ROGERS, B. HELLINGER, um nur einige zu nennen.

 

Die grundlegenden Motive des menschlichen Handelns

Für die Erziehung von Kindern halte ich die Erklärung von Alfred ADLER für die praktikabelste. Er sagt, dass alles menschliche Verhalten ein (oft heimliches) Ziel verfolge. Wenn es uns gelinge, dieses Ziel zu erkennen, könnten wir das Verhalten des anderen verstehen und beeinflussen.

 

Unser Pech:

Wie soll denn unsereins diese heimlichen Ziele erkennen?

 

Wir sind leider keine geborenen Hellseher!

 

Unser Glück:

Alfred ADLER gibt uns ganz konkrete Hinweise über die zwei Hauptziele/Leitmotive, die das Verhalten des Menschen seiner Meinung nach lenken. Diese sind:

 

1. Die Sehnsucht nach Anerkennung / Aufmerksamkeit.

2. Die Sehnsucht nach Zugehörigkeit, nach einem Platz in einem sozialen Gefüge.

 

 

Wenn der Mensch Anerkennung bzw. Aufmerksamkeit findet und sich zu anderen zugehörig fühlen kann, ist er nach Alfred ADLER zufrieden und glücklich.

 

ADLER hat diese Dinge zwar schon vor über 100 Jahren formuliert und sie könnten damit im Verdacht stehen, veraltet zu sein, aber die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse der Motivforschung bestätigen und ergänzen seine Thesen (siehe u.a. Julius KUHL, Steven REISS, Stephan VOSWINKEL).

 

 

Die Sehnsucht nach Anerkennung / Aufmerksamkeit

Was tun Menschen nicht alles, um Aufmerksamkeit zu erlangen? Kinder kasperln herum, schreien wie am Spieß, Erwachsene fahren irre Autos und lassen das per Auspuff hören, kleiden sich auffällig, geben an, werden Influencer:innen usw.

 

Sollte Sie das unangenehm auffallende Verhalten mancher Mitmenschen zu sehr nerven, müssen Sie sich in Zukunft nur zwei erhellende Fragen stellen:

 

1. Holt sich mein Gegenüber Anerkennung / Aufmerksamkeit auf eine positive / konstruktive Art?

2. Bin ich bereit, ihm für das Gezeigte das Wertvollste - nämlich meine Aufmerksamkeit - zu geben?

 

Wenn sich ein Kind die Aufmerksamkeit auf „ungebührliche“ Art holen will, ist die beste Methode, nicht auf diese Verhaltensweisen zu reagieren. Sie einfach nicht zu sehen, zu hören oder mit Reaktionen zu belohnen. Wenn das Kind die gewünschte Befriedigung nicht findet, wird es andere – in der Regel konstruktivere – Wege erkunden.

 

Wichtige Ergänzung:

Bei Nichtbeachtung steigt zuerst die Intensität der Aufmerksamkeitserregung. Das Kind wird die Intensität, Lautstärke und Häufigkeit seines Verhaltens bis zu jenem Punkt erhöhen, von dem es annimmt, dass Sie reagieren müssen. Lassen Sie sich nicht beirren, nach den absoluten – wirkungslosen - Höhen wird das Kind mit dieser Sache aufhören. Bis dahin heißt es, Nerven bewahren. Es klingt paradox, aber, wenn die Intensität der Aufmerksamkeitserregung steigt, wissen Sie, dass Ihre Ignorieren-Strategie wirkt.

 

Findet ein Mensch auf positivem Weg keine Anerkennung / Aufmerksamkeit und kein Gefühl der Zugehörigkeit, dann holt er sie sich auf „unnütze“ (destruktive) Weise, wie das Alfred ADLER mit seiner inzwischen etwas nostalgisch klingenden Formulierung umschreibt. Diese negative Form des Aufmerksamkeit-Holens kann im schlimmsten Fall erschütternd gewalttätige Ausmaße annehmen, wie diverse Gewaltverbrechen (z.B. Schusswaffengebrauch mit vielen Toten an Schulen) bezeugen.

 

Befremdlich, aber wahr: Von jemandem ausgeschimpft zu werden und die Aufmerksamkeit auf destruktive Weise zu gewinnen, ist für einen Menschen immer noch erstrebenswerter als überhaupt nicht beachtet zu werden.

 

Der antike Dichter Äsop führt uns in einer seiner Fabeln ein übertriebenes Anerkennungsstreben humorvoll vor Augen:

 

 

Eine Fliege setzte sich einmal auf eine Radnabe. Da begann der Wagen den Weg hinunterzufahren, und als die Fliege hinter sich blickte, wurde sie ganz stolz und sprach: „Mein Gott, wie viel Staub ich doch aufwirble!“

Äsop (6. Jh. v. Chr.)

 

 

 

Die Sehnsucht nach Zugehörigkeit

Ganz ehrlich: Wie lange würden Sie es auf einer Insel völlig allein aushalten? Zwei Tage, eine Woche, einen Monat, keine 24 Stunden?

 

Die Philosophie und die Weltliteratur setzen sich seit der frühen Antike mit der Frage auseinander, ob der Mensch allein leben könnte. In Homers „Odyssee“, Daniel Defoes „Robinson Crusoe“, Rudyard Kiplings „Dschungelbuch“ und nicht zuletzt in Tom Hanks „Cast Away“ wollen die Protagonisten mit aller Macht wieder zurück zu ihren Lieben. Der Philosoph Aristoteles hat sich in seinen Werken darauf festgelegt, dass der Mensch ein soziales Wesen („zoon politicon“) sei. Mutter Teresa formuliert diese urmenschliche Sehnsucht nach Zugehörigkeit ebenfalls sehr deutlich:

 

Nötiger als Brot braucht der Mensch die Gewissheit, erwünscht zu sein.

Mutter Teresa (1910-1997)

 

Wir dürfen also festhalten: Jeder Mensch – bis auf ganz wenige Ausnahmen - möchte irgendwo dazugehören.

 

Normalerweise findet diese Sehnsucht nach Zugehörigkeit im familiären und freundschaftlichen Kreis ihre Erfüllung. So mag es nicht verwundern, dass in einer breit angelegten Jugend-Studie in Österreich aus dem Jahre 2010 als größte Sorgen und Ängste von Jugendlichen die beiden Antwortmöglichkeiten „...dass ich keine Freunde habe.“ und „... dass sich meine Eltern trennen.“ angekreuzt wurden.

 

Macht ein Kind bezüglich Zugehörigkeit zu einem sozialen Gefüge im frühen Lebensalter und in der Pubertät überwiegend negative Erfahrungen („Verschwinde, du gehörst nicht dazu!“ – „Es wäre besser, wenn es dich nicht gäbe!“), wendet es sich Gruppierungen zu, wo es willkommen ist. Diese neuen Freunde können sich dabei mitunter auch zu recht zweifelhaften politischen und moralischen Werten bekennen. Hier zählt für das Kind/den Jugendlichen nur das Zusammengehörigkeitsgefühl, das es/er woanders nicht finden konnte.

 

Gelingt es uns, diese Sehnsucht nach Anerkennung / Aufmerksamkeit und sozialer Zugehörigkeit in der Kindererziehung konstruktiv zu nutzen, ist vieles gewonnen und Erziehung kann richtig Spaß machen.

 

Die große amerikanische Familientherapeuten Virginia SATIR verleiht den Grundbedürfnissen des Menschen abschließend auf wunderbare Weise Ausdruck:

 

Ich glaube daran, dass das größte Geschenk, das ich von jemandem empfangen kann, ist, gesehen, gehört, verstanden und berührt zu werden. Das größte Geschenk, das ich geben kann, ist, den anderen zu sehen, zu hören, zu verstehen und zu berühren.

Wenn dies geschieht, entsteht Beziehung.

Virginia Satir (1916-1988)

 

 

 

 

SPIELVORSCHLAG

 

 

Die folgende Übung ist eine der ertragreichsten in meinem Pädagogenleben gewesen. Nach anfänglichem Widerstand einzelner Teilnehmer:innen hat sich stets eine wunderbare Atmosphäre entwickelt, die mich in Dankbarkeit und Demut zurückließ. Jeder MS erfährt Aufmerksamkeit und Anerkennung durch die anderen und fühlt sich gleichzeitig noch mehr in die Gruppe eingebunden.

 

 

Komplimentespiel

 

Material:

keines

Spieldauer:

Je nach Gruppengröße 60 Minuten und mehr

Lernziel:

Stärkung des Selbstbewusstseins, Entfaltung von Empathie

 

 

Die MS sitzen in einem Stuhlkreis. In der Mitte des Kreises steht ein leerer Stuhl.

 

Im Verlauf der Übung setzt sich nacheinander ein MS in die Mitte und darf dabei nicht sprechen.

 

Die anderen MS machen der in der Mitte sitzenden Person nun jeweils Komplimente. Zum Beispiel:

 

„Maximilian, ich mag an dir, dass du mir stets geduldig zuhörst.“

 

Jeder MS im Kreis macht mindestens ein Kompliment, mehrere sind natürlich auch erlaubt.

 

Sollte jemand ein Kompliment vortragen wollen, das gerade eine andere Person ausspricht, so kann dieses problemlos ergänzt werden: „Ja Maximilian, da möchte ich zustimmen, du kannst wirklich gut zuhören.“ - Keine Angst, das ist nicht nervig, es macht schließlich einen emotionalen Unterschied, ob man ein Kompliment von einer einzelnen Person oder gleich von mehreren bekommt.

 

Wenn bei einer Person in der Mitte gefühlt alles gesagt ist, dankt der SL allen und bittet den nächsten TN in die Mitte.

 

Sind alle TN in der Mitte gewesen, verweist der SL auf die Tatsache, dass man darauf vertrauen kann, dass die gemachten Komplimente ehrlich gemeint waren. (Anm.: Niemand gibt sich die Blöße, vor versammeltem Publikum eine offensichtliche Unwahrheit zu sagen.)

 

Das Spiel ist für die MS insofern eine Herausforderung, als man manchmal für jemanden, den man vielleicht nicht so mag, etwas suchen muss, das ehrlich positiv ist. Aber das tut der eigenen Entwicklung im humanistischen Sinne gut, denn jeder Mensch hat positive Seiten, die sich loben lassen.

 

 

Hilfreiche Tipps:

 

Achten Sie als SL darauf, dass die Person in der Mitte immer direkt angesprochen wird. Also nicht: „Silke ist immer freundlich zu uns.“, sondern „Silke, ich schätze an dir, dass du immer freundlich zu uns bist.“

 

Traditionell würden Gruppendynamiker vorschlagen, dass man im Anschluss an das Spiel darüber spricht, wie man sich in der Mitte gefühlt hat usw.

 

Ich meine, dass es manchmal gut ist, wenn man eine schöne Erfahrung nicht zerredet. Und so habe ich das Komplimentespiel immer am Schluss eines Seminars durchgeführt und die Teilnehmer:innen dann in einen hoffentlich schönen Tag entlassen.

 

05. Kleines Baukundeseminar für engagierte Eltern

 

 

Lasst jedermann das tun, was er am besten kann.

Marcus Tullius Cicero (106 – 43 v. Chr.)

 

 

Nehmen wir einmal an, Sie wollten für sich und Ihre Familie ein schönes Haus bauen. Das Geld haben Sie von einer reichen Tante geerbt und es wartet nur darauf, ausgegeben zu werden. Ein Grundstück haben Sie auch geerbt – was soll man dazu sagen?

 

Im Folgenden sehen Sie einen Plan des geerbten Grundstücks. An welche Stelle des Grundstücks würden Sie das Fundament setzen? Zeichnen Sie das bitte ein.

 

(Grafik: Florian Winkel)

 

Ich gehe davon aus, dass Sie sich nicht für die instabilen, sandigen und sumpfigen Flächen entschieden haben.

 

Übertragen wir dieses Hausbau-Beispiel gedanklich auf die Erziehung unserer Kinder: Wir haben von einem wohlmeinenden Schicksal unsere Kinder geschenkt bekommen. Und diese Kinder bringen auch eine individuelle „Menschenkarte“ mit. Die könnte vielleicht so aussehen:

 

 

(Grafik Pixabay CC0 / bearbeitet von Herwig Winkel)

 

 

Wo würden Sie hier beginnen, Ihr „Erziehungshaus“ zu bauen?

Na klar, bei den stabilen, sicheren Grundlagen. Und was machen wir tatsächlich im Alltag? Versuchen wir nicht allzu oft, zuerst die Defizite aufzuarbeiten?

Sollten Sie sich in dieser Gewohnheit wiederfinden - kein schlechtes Gewissen, keine quälenden Sorgen gegenüber vergangenen Fehlern. Das bringt nichts. Fangen Sie stattdessen einfach heute an, auf die Stärken Ihres Kindes zu bauen. Holen Sie es bei seinen Begabungen ab und bauen Sie dessen Fundamente von den Stärkeinseln in Richtung Meer der Unzulänglichkeiten aus. Das erfordert mitunter viel Geduld, wie das eben ein Hausbau so verlangt. Aber Rom ist bekanntermaßen auch nicht an einem Tag ...

 

Übrigens: Es tut Ihnen persönlich gleichfalls gut, wenn Sie das Bauprinzip des „stabilen Fundaments“ bei sich selbst anwenden. Seien Sie nicht zu streng mit sich und genießen Sie einen schönen Blick von einer höheren Warte Ihrer „Menschenkarte“ auf Ihr Leben. Da ist doch wirklich viel Stabiles dabei, worauf Sie vertrauensvoll aufbauen können. Nicht wahr?

 

 

Erziehung ist wichtiger als Herkunft.

Aus Japan

 

 

 

 

SPIELVORSCHLAG

 

 

Baupläne können auf die unterschiedlichste Weise entstehen. Das folgende Spiel war eines der meistgeliebten meiner Kinder an der Mittel- und später auch meiner Studierenden an der Hochschule. Dabei kann das Spiel neben einem unbeschwerten Vergnügen ebenso ein guter Gesprächsanlass für Durchsetzungsvermögen und Loslassen sein.

 

 

Haus-Baum-Hund

 

Material:

Je Paar ein DIN-A4-Blatt und einen Bunt- oder Bleistift

Spieldauer:

15 Minuten

Lernziel:

Kooperation, Durchsetzungsfähigkeit, Loslassen, Harmonie

 

 

Jedes Paar hat ein leeres DIN-A4-Blatt vor sich auf dem Tisch und fasst einen Buntstift gemeinsam an. Nun werden die Augen geschlossen und die MS erhalten den Auftrag, gemeinsam ein Haus, einen Baum und einen Hund zu zeichnen. Am Ende signieren sie ihr Werk mit ihren Namen – immer noch mit geschlossenen Augen.

 

Während des Zeichnens darf nicht miteinander gesprochen werden und Blinzeln ist auch nicht erlaubt.

 

Nach Abschluss der Aktion werden alle Bilder aufgehängt.

 

 

Hilfreicher Tipp:

 

Nach der ersten Malaktion kann man eine kurze Reflexionsphase anschließen:

 

1. Wer von beiden hat denn bei der Zeichenaktion hauptsächlich geführt?

 

2. Wer konnte gut loslassen und sich treiben lassen?

 

 

Eine zweite Runde bietet sich an:

 

Wieder ein Blatt, ein Buntstift, geschlossene Augen;

ein neues Thema z.B. „Bauernhof mit Tieren“ oder „Zirkus“

 

ABER dieses Mal wird – ohne zu sprechen – die Führung des Stiftes immer wieder gewechselt.

 

06. Das wichtigste Element der Erziehung

 

 

Sei du selbst. Alle anderen sind bereits vergeben.

Oscar Wilde (1854 – 1900)

 

 

Was ist hochgradig vakant für eine gelingende Erziehung? Der berühmte Pädagoge Rudolf DREIKURS, ein Schüler Alfred Adlers, bringt es kurz und bündig auf den Punkt:

 

Ermutigung ist das wichtigste Element der Erziehung

 

Wie eine Pflanze das Wasser, benötigt ein Kind Ermutigung als Seelennahrung. Ohne Ermutigung kann ein Kind nicht wachsen, sich nicht entwickeln und kein Zusammengehörigkeitsgefühl erlangen. Fast alle Fehlverhalten lassen sich nach DREIKURS auf einen Mangel an Ermutigung zurückführen.

 

Nun stellt sich für uns die Frage, wie Kinder am besten ermutigt werden können. Glücklicherweise ist das recht einfach. Es benötigt nur ein wenig Menschenkenntnis und Einfühlungsvermögen. Lassen Sie uns den Anfang mit einer kleinen Geschichte machen:

 

Worauf es beim Golfen wirklich ankommt

 

Bei einem großen Golfturnier in Argentinien kam ein europäischer Spieler schon am ersten Tag verspätet auf den Platz.

 

Alle guten Caddies waren daher bereits vergeben, nur ein unscheinbarer zehnjähriger Junge war übriggeblieben. Der kleine Bub hatte wenig Ahnung vom Platz und vom Spiel und sprach außerdem nur drei Worte Englisch.

 

Dank dieser drei Worte behielt ihn der Spieler jedoch für den Rest seines Aufenthaltes als Caddie.

 

Nach jedem Schlag, wie immer der auch ausgegangen war, stampfte das Büblein mit dem Fuß auf den Boden und rief voller Begeisterung: „Verdammt guter Schlag!“

Unbekannt

 

 

Mit den folgenden Grundsätzen stellen Sie die Weichen für eine von Ermutigung getragene Erziehung.

 

 

Vertrauen in die Fähigkeiten der Kinder haben

Kinder können viel mehr und vieles früher, als wir es ihnen zutrauen würden. Denken Sie nur an einen unbeobachteten Augenblick auf dem Spielplatz. Nicht selten winkt ein Kind unvermittelt von einem hohen Klettergerüst - „Hallo Mama/Papa!“ - und lässt bei uns den Atem stocken.

 

Dass wir Kindern gegenüber sehr oft eine übermäßig beschützende Haltung einnehmen, hat wahrscheinlich damit zu tun, dass wir selbst im Unbewussten daran zweifeln, unsere eigenen Probleme souverän lösen zu können. Wir haben deshalb noch weniger Vertrauen in die Fähigkeit kleiner Kinder, für sich selbst zu sorgen.

 

Lassen Sie Ihre Kinder mithelfen, Dinge ausprobieren und ihre Fähigkeiten ausreizen. Geben Sie Ihren Kindern einen mutigen Vertrauensvorschuss und riskieren Sie lieber eine zerbrochene Tasse als eine Zurückweisung der Hilfsbereitschaft des Kindes.

 

 

Nichts Größeres kann ein Mensch schenken,

als sein ganzes Vertrauen.

Keine Gabe erhöht so sehr den Geber und Empfänger.

Henry David Thoreau (1817 – 1862)

 

 

Kinder Dinge erproben lassen

Von frühester Kindheit an zeigen unsere Kinder, dass sie vieles selbst tun wollen. Das Baby möchte den Löffel haben, weil es sich selbst füttern will. Nur allzu oft bringen wir die Kinder von diesen frühen Versuchen ab, um ein „Unglück“ zu verhindern.

 

Es liegt in unserer Natur als Erzieher:innen, dass wir unsere Kinder unterstützen und von lästigen Dingen entlasten wollen. Der Übergang von sinnvoller Hilfe zu übermäßiger Verwöhnung ist dabei fließend.

 

Statt unsere Kinder ihre Talente auf hundert verschiedene Arten erproben zu lassen, zeigen wir ihnen viel zu häufig unsere Zweifel an ihren Fähigkeiten. Wir rechtfertigen dies damit, dass wir recht genau wüssten, was ihnen in den verschiedenen Altersstufen zugetraut werden kann.

 

Verwöhnte Kinder werden aber schon allein dadurch entmutigt, dass sie nie das Gefühl haben, selbst etwas geschafft, erreicht zu haben.

 

 

Hindernisse und Schwierigkeiten sind Stufen,auf denen wir in die Höhe steigen.

Friedrich Nietzsche (1844 – 1900)

 

 

Bewusstsein entwickeln, dass ein „Versagen“ in keiner Weise den Wert des Kindes berührt

Macht ein Kind einen Fehler oder kann es ein gewisses Ziel nicht erreichen, trennen wir klar zwischen Handlung und Kind. Das „Scheitern“ ist schließlich nur auf einen Mangel an Fertigkeit zurückzuführen und hat in keinster Weise etwas mit dem Wert des Kindes zu tun. Ein „Schade, dass es nicht geklappt hat!“, „Es tut mir leid, dass es nicht gelungen ist!“ genügt. KEIN: „Du bist nun Mal ein Tollpatsch!“ – „Das kann natürlich wieder einmal nur dir passieren!“

 

Eine Herausforderung nicht zu meistern, gehört zum Leben. Mut hat derjenige Mensch, der einen Fehler machen oder der „versagen“ kann, ohne sich dadurch in seiner Selbstachtung berührt zu fühlen. Dieser „Mut zur Unvollkommenheit“ ist für Kinder und für Erwachsene nötig und wohltuend.

 

Übrigens, in der Weltliteratur gibt es einige Beispiele von „Versagern“ und „Versagerinnen“, die sich durch Rückschläge nicht entmutigen ließen und später zu großem Ruhm gelangten:

 

Enid Blyton, die über 600 Millionen Bücher verkaufte, bekam 500 Absagen von Verlagen, die ihre „Fünf Freunde“ Bücher nicht drucken wollten; Joanne K. Rowling lebte von Sozialhilfe und sandte ihr Harry-Potter-Manuskript vergeblich an mehrere Verlage bis sie schließlich erfolgreich war; Larry Ellison wurde zur Adoption freigegeben und von seinem Adoptivvater ein Versager genannt, brach sein Mathematikstudium ab und vertiefte sich in das Thema Datenbanken, seine mit zwei Partnern gegründete Firma „Oracle“ machte ihn zu einem der reichsten Menschen der Welt.

 

Wer Großes versucht, ist bewundernswert,

auch wenn er fällt.

Lucius Annaeus Seneca (4 v.Chr. – 65 n.Chr.)

 

 

Niemals für ein Kind etwas tun, was es selbst tun kann

Wir meinen es aufrichtig gut und tun doch das Falsche. Immer wenn wir für ein Kind etwas tun, was es selbst tun kann, zeigen wir ihm, dass wir größer, besser, fähiger, gewandter und erfahrener sind als es. Kinder erleben die Erwachsenen dadurch als unerreichbare Alleskönner:innen – und entwickeln das Gefühl, dass sie diese Fertigkeiten sowieso nie erlangen werden.

 

Für ein Kind etwas tun, was es selbst tun könnte, ist außerordentlich entmutigend, da es dadurch der Gelegenheit beraubt wird, seine eigene Stärke zu erleben. Der psychologische Hintergrund für diese ungebührliche Hilfsbereitschaft liegt darin, dass wir für das Kind unentbehrlich bleiben wollen. Wir wollen unsere Vorstellung der eigenen Unentbehrlichkeit aufrechterhalten.

 

Also halten Sie sich lieber zurück und lassen Sie das Kind machen. Vielleicht sitzt das Krönchen etwas schief auf dem Kopf, aber es sitzt. Und Ihr Kind ist stolz auf das selbst Erreichte.

 

Was für Kinder gilt, trifft gleichfalls auf Erwachsene zu. Der Schweizer Kabarettist Franz Hohler hat in einem seiner Lieder den Stolz der Erwachsenen auf das Selbermachen humorvoll auf die Schippe genommen. Er erzählt, wie stolz sie auf ihre selbstgeschaffenen Werke sind, auch wenn diese meist eher als „Murks“ denn als Ergebnis von Könnerschaft durchgehen würden.

 

Maria MONTESSORI hat uns einen sehr guten Maßstab für die richtige Grundhaltung bei Hilfestellungen gegenüber Kindern hinterlassen:

 

„Hilf mir, es selbst zu tun.“

 

 

Bei zu häufigerEntmutigung wendet sich das Kind herausforderndem Benehmen zu

 

Erfährt ein Kind von klein an, dass es „nichts auf die Reihe“ bekommt, dass es eigentlich nur „nervt“, dass es ohne die elterliche Hilfe nie im Leben etwas zustande bringt, dann wird das in seinem Verhalten sichtbar werden. Die Entmutigung äußert sich in folglich in destruktivem und herausforderndem Benehmen. Überzeugt, ungenügend zu sein, will es wenigstens nicht ignoriert werden. Und dieses Bestreben, Aufmerksamkeit zu erhalten, egal wie, führt zu paradoxen Verhaltensweisen. Denn angeschrien zu werden, ist aus der Sicht des Kindes immer noch besser, als wie Luft behandelt zu werden. Als „dieser schreckliche Junge“ bekannt zu sein, ist dann schon fast eine Art Auszeichnung.

 

Ermutigung ist ein unaufhörlicher Vorgang, der darauf zielt, dem Kind ein Gefühl der Selbstachtung und Leistungsfähigkeit zu geben. Von der frühesten Kindheit an braucht es Hilfe, um durch „Erfolge“ seinen Platz zu finden.

 

Das Leben hat seine Höhe- und Tiefpunkte.

Ein verletztes Knie wird wieder gut: Verletzter Mut kann ein Leben lang anhalten.

 

 

Man kann meist viel mehr tun,

als man sich gemeinhin zutraut.

Aenne Burda

 

 

 

 

SPIELVORSCHLAG

 

Stärken Sie das Selbstwertgefühl Ihrer Kinder auch durch das Bewusstmachen jener Eigenschaften, die einen Menschen stark machen können.

 

 

Das ABC der Stärke

 

Material:

Blatt mit den Buchstaben des Alphabets; großes, leeres Plakat

Spieldauer:

60 Minuten

Lernziel:

Bewusstmachen jener Dinge, die uns stark machen

 

 

Jeder MS erhält vom SL ein Blatt mit den vorgedruckten Buchstaben des Alphabets.

 

Nun soll jeder TN zu jedem Buchstaben ein „starkes“ Wort, einen „starken“ Satz oder einen „starken“ Einfall aufzuschreiben.

 

Beispiele

A

aufmerksam

N

naturverbunden

B

begabt

O

originell

C

charakterstark

P

positiv sein

D

dankbar sein

Q

quer denken

E

einzigartig

R

ritterlich sein

F

Freunde haben

S

Selbstvertrauen

G

gut drauf sein

T

treu

H

Hilfe geben können

U

ungemein willensstark

I

intelligent sein

V

virtuos spielen

J

jede Menge Glück haben

W

witzig sein

K

kreativ

X

Xylophon spielen

L

lustig

Y

young forever

M

musikalisch sein

Z

zufrieden

 

 

Auswertung und Gespräch

 

Die Einzelergebnisse für jeden Buchstaben werden auf ein großes Plakat geschrieben.

 

Auf diese Weise sammelt sich eine Fülle von Begriffen und Einfällen, die das „Stark-Sein“ beschreiben und in der Gruppe einen Einstieg in die Diskussion ermöglichen.

 

07. Gleichwertigkeit erleben lassen

 

 

Das Geheimnis der Erziehung

liegt in der Achtung vor dem Schüler.

Ralph Waldo Emerson (1803-1882)

 

 

Manchmal besteht elterlicherseits eine Unsicherheit dahingehend, ob Kinder gleichberechtigt und/oder gleichwertig sind. Dabei ist die Sache ganz einfach: Gleichberechtigt können Kinder nicht sein, weil sie die Tragweite ihrer Entscheidungen noch nicht abschätzen und damit auch nicht in die Verantwortung genommen werden können. „Gleichberechtigt sein“ hieße: Der 4-Jährige fährt das Auto und schließt Mietverträge ab, die Mutter sitzt daneben.

 

Genau so einfach ist es mit der Gleichwertigkeit. Kinder und Erwachsene sind als Menschen gleich viel wert, das ist selbstverständlich, logisch und unverhandelbar. Eine Gleichwertigkeits-Balance im täglichen Umgang zu finden, ist bei den Entscheidungen, die in der Erziehung zu treffen sind, nicht leicht aber von großer Bedeutung. Gerät diese Balance aus dem Gleichgewicht, ist das für die Entwicklung des Kindes schädlich.

 

Sichtbar wird dieser Balance-Akt der Erziehung in der folgenden Grafik:

Wenn Kinder im Wert „unter“ den Erwachsenen angesiedelt sind, also unterdrückt werden, können sie kein optimistisches, gesundes Selbstwertgefühl entwickeln. Die Demütigungen hinterlassen tiefe Wunden in ihrer Seele, die das spätere Leben dieser Menschen stark beeinträchtigen können. Je nach persönlicher Ausprägung antworten die Kinder mit Aggressivität oder mit totalem Rückzug (der stärksten Form der Entmutigung).

 

Wenn Kinder im Wert „über“ den Erwachsenen angesetzt werden, also „Oberwasser“ haben, werden sie übermäßig verwöhnt. Und diese Erziehungshaltung bewirkt beim Kind das Gegenteil dessen, was wir eigentlich möchten:

 

Als Eltern haben wir das Bestreben, unsere Kinder glücklich zu machen. Wir sehen in unserem Erwachsenenleben Glück nicht zuletzt darin, dass uns die unangenehmen Dinge erspart bleiben oder abgenommen werden. Es sollten am besten nur erfreuliche, angenehme, schöne Dinge an uns herankommen. Wir übertragen diese Sehnsüchte auf unsere Kinder und sind persönlich glücklich, wenn wir die Wünsche der Kindern erfüllen können und ihnen Unannehmlichkeiten ersparen. Dagegen ist nichts zu sagen. Problematisch wird es erst, wenn die Wörter „alle“ und „jede“ ins Spiel kommen.

---ENDE DER LESEPROBE---