Es ist nicht alles Demenz - Eva Helms - E-Book
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Es ist nicht alles Demenz E-Book

Eva Helms

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Beschreibung

Für Menschen, die voll im Leben stehen, ist die Diagnose Demenz ein Schock. Doch niemand verliert von heute auf morgen alle Kompetenzen. Welche Chancen gibt es, Kurzzeitgedächtnis, Konzentration und Orientierung möglichst lange zu erhalten? Dieser Ratgeber nimmt sowohl die krankheitsbedingten Situationen wie Arztbesuche und Therapien in den Blick, als auch den Alltag mit Autofahren, Einkaufen, Haushalt oder Finanzen. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf den Bedürfnissen Alleinlebender sowie auf organisatorischen und technischen Hilfsmitteln zum Erhalt der Alltagskompetenz. Dieses Buch macht Mut, selbstbestimmt mit der Krankheit zu leben!

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Seitenzahl: 147

Veröffentlichungsjahr: 2020

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Eva Helms, Dresden, Fachberaterin für Geriatrie und Gerontopsychiatrie, ist Gründerin des Beratungsunternehmens Convitas und entwickelt nachhaltige Projekte für selbstbestimmtes Leben im Alter – mit und ohne Demenz.

Hinweis: Soweit in diesem Werk eine Dosierung, Applikation oder Behandlungsweise erwähnt wird, darf der Leser zwar darauf vertrauen, dass die Autoren große Sorgfalt darauf verwandt haben, dass diese Angabe dem Wissensstand bei Fertigstellung des Werkes entspricht. Für Angaben über Dosierungsanweisungen und Applikationsformen oder sonstige Behandlungsempfehlungen kann vom Verlag jedoch keine Gewähr übernommen werden. – Die Wiedergabe von Gebrauchsnamen, Handelsnamen, Warenbezeichnungen usw. in diesem Werk berechtigt auch ohne besondere Kennzeichnungen nicht zu der Annahme, dass solche Namen im Sinne der Warenzeichen- und Markenschutz-Gesetzgebung als frei zu betrachten wären und daher von jedermann benutzt werden dürften.

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über <http://dnb.d-nb.de> abruf bar.

ISBN 978-3-497-02800-9 (Print)

ISBN 978-3-497-61405-9 (PDF-E-Book)

ISBN 978-3-497-61406-6 (EPUB)

© 2020 by Ernst Reinhardt, GmbH & Co KG, Verlag, München

Dieses Werk, einschließlich aller seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne schriftliche Zustimmung der Ernst Reinhardt GmbH & Co KG, München, unzulässig und straf bar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen in andere Sprachen, Mikroverfilmungen und für die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.

Printed in EU

Covermotiv: © Alexander Limbach/stock.adobe.com (breiter Klebezettel); istock.com/subjug

(Pinnwand mit Klebezetteln)

Satz: Bernd Burkart; www.form-und-produktion.de

Ernst Reinhardt Verlag, Kemnatenstr. 46, D-80639 München

Net: www.reinhardt-verlag.de E-Mail: [email protected]

Checklisten zum Download finden Sie unter: www.reinhardt-verlag.de

Inhalt

Vorwort

Ein Buch für Menschen nach der Diagnose

Dieses Buch ist für Sie geschrieben

Wie Sie dieses Buch nutzen können

1 Aus den Kraftquellen schöpfen

2 Was man unter „normalem“ Altern versteht

3 Der Weg zur Diagnose Demenz

Warum ist eine gute Diagnostik wichtig?

Wer kann die Diagnose Demenz stellen?

Was gehört zu einer guten Diagnose?

Diagnose: Leichte kognitive Störung (MCI)

Diagnose: Alzheimer-Demenz

Diagnose: Gefäßbedingte oder vaskuläre Demenz

Andere Demenzformen

4 Wie die Erkrankung verläuft

Die Einteilung der Erkrankung in Phasen

Wie die Krankheit beginnt – die frühe Phase

Wenn die Krankheit fortschreitet – die mittlere Phase

Wie es weitergehen kann – die späte Phase

5 Wie die Krankheit behandelt wird

Medikamente

Ergotherapie

Logopädie

Musiktherapie und Reha-Tanz

Alzheimer-Therapiezentrum

6 Warum frühzeitige Beratung so nützlich ist

Die persönliche Beratung in einer Beratungsstelle

Beratung per Telefon

Informationen aus dem Internet

7 Was Sie selbst für Ihre Gesundheit tun können

Bewegung regt Ihr Gehirn an

Ernährung

Für guten Schlaf sorgen

Kontakte pflegen

Das Gedächtnis trainieren

8 Wie Sie gut für sich selbst sorgen können

Den eigenen Weg finden

Nur keinen Stress

9 Wie Sie gute Beziehungen zu anderen Menschen pflegen

Wie die Familie Sie am besten unterstützen kann

Was sollten die Nachbarn wissen?

Freundschaften erhalten

Andere Menschen mit der Diagnose

10 Was für Alleinlebende wichtig ist

Tagesstruktur

Gut vernetzt ist gut versorgt

Grenzen des Alleinlebens

11 Wie Sie Ihren Alltag meistern

Haus- und Facharztbesuche

Persönliche Papiere

Umgang mit Geld

Uhren, Kalender und Notizbuch

Telefon und moderne Medien

Sicher im Internet

Ordnung im Haushalt

Kochen und Essen

Einkaufen

Kleidung

Körperpflege

Gut frisiert

Sicher Auto fahren und mobil bleiben

12 Wie Sie in der Wohnung Ihre Selbständigkeit bewahren

Die altersgerechte Wohnung

Sicher und gut organisiert in der Küche

Sicherheit im Badezimmer

Wenn ein Umbau nötig ist

13 Worauf Berufstätige achten sollten

14 Was Sie tun können, damit Hobby und Urlaub weiterhin gelingen

Lieblingsbeschäftigungen

Urlaub

15 Gut versorgt – auch wenn der Hilfebedarf steigt

Wie man einen Antrag auf Pflegeleistungen stellt

Betreuung und Entlastung von Anfang an

Wenn der Pflegedienst nach Hause kommt

Tagsüber in der Tagespflege

Kurzzeitpflege – Pflegeheim auf Zeit

Verhinderungspflege – zu Hause oder in der Kurzzeitpflege

Der Umzug ins Pflegeheim

Leben in der Demenz-WG

16 Vorsorgevollmacht und gesetzliche Betreuung

Die Vorsorgevollmacht

Die gesetzliche Betreuung

Demenz ist nicht das Ende

Literatur

Sachverzeichnis

Vorwort

Liebe Brüder und Schwestern (so begegnen wir Menschen mit Demenz uns weltweit), liebe Freunde und Weggefährten auf einer Demenzreise!

Alles begann vor zehn Jahren. Meine Diagnose lautete Lewy-Körperchen-Demenz. „Sie sollten Ihre Patientenverfügung und Generalvollmacht machen und denken Sie über eine geeignete Wohnform nach!“ Mit diesen Worten wurde ich in mein neues Leben mit Demenz entlassen.

Ein Ratgeber für mich wäre sehr hilfreich gewesen. Ich war damals gerade mal 50 plus und stand mitten im Berufsleben. Es gab natürlich Beratungen – leider mit Fokus auf die Krankheit. Es war die Zeit, in der eine Demenz-Diagnose vom Ende her gesehen wurde, als Pflegefall. Es fehlte an Wissen und an Menschen mit Demenz, die für sich selbst sprechen. Es war die Zeit des Angehörigen!

Dieser Ratgeber ist ein MUST HAVE und MUST READ für uns Betroffene. Wir Menschen mit Demenz stehen im Fokus, es ist ein Dialog auf Augenhöhe, der sich auch in der Sprachwahl widerspiegelt. Der Aufbau ist systematisch und übersichtlich.

Einfach und feinfühlig werde ich durch verschiedene Bereiche meines neuen Lebens mit Demenz geführt. Von der sehr klaren Erklärung, WAS Demenz eigentlich ist mit den verschiedenen Symptomen und Namen dazu. Da wird sogar der Arzt professionell vertreten. Es gibt immer ein positives Statement.

Ich und wir brauchen von Anfang an MUTmach-Botschaften.

Das Buch motiviert, mich meinen Symptomen zu stellen, an mir zu arbeiten und die Angebote der verschiedenen Träger anzunehmen. Danke für den Mut, mir auch nicht-medikamentöse Wege zu zeigen und den Mut, mich immer noch als Mensch zu sehen mit all meiner Würde! Danke für die sehr realistische Einschätzung meines Endes auf meiner Demenzreise.

Mein Angehöriger, mein Begleiter, wird als essentieller Teil meines Lebens gesehen und die angesprochenen Bereiche, wie Ernährung, Bewegung und Kreativität werden auch sein Leben positiv verändern. Persönlich berührend finde ich die Kapitel der Beziehungen. Was verändert sich in meinem Leben, in dem ich jetzt tagtäglich von einer Demenz (für mich ist es die Dame Demenz) begleitet werde? Was bedeuten Berührungsängste und wie begegnet mir mein Umfeld? Auch wenn ich konkrete Ansprechpartner suche – hier finde ich sie.

Ob es um Sicherheit in meinem Haushalt geht, um Versicherungen, um alles, was auch ein völlig „normales“ Leben benötigt – hier in diesem Ratgeber ist alles! Und wieder weiß ich: Ich bin immer noch ich – trotzDEM! Danke, Eva Helms, für diesen ansprechenden, nützlichen Ratgeber für uns! Danke für die Stimme von uns Menschen mit Demenz, der du zugehört hast und die du zitierst! Und ich sage Danke an meine Freunde, denen dieser Ratgeber auf ihrer Reise Orientierung geben kann.

Juli 2020 Helga Rohra (Autorin & Demenzaktivistin)

Ein Buch für Menschen nach der Diagnose

Dieses Buch ist für Sie geschrieben

Als Beraterin erlebe ich, dass Menschen nach einer Demenz-Diagnose viele Fragen haben. Sie fühlen sich unsicher und befürchten, von anderen Menschen abhängig zu werden. Ein persönliches Gespräch in einer Beratungsstelle macht Mut, sich der neuen Situation zu stellen. Doch so manche Fragen kommen erst dann, wenn der Ratsuchende wieder zu Hause ist.

In der Beratungsstelle empfehle ich eigentlich gern ein passendes Sachbuch. Die meisten Bücher richten sich jedoch an die Angehörigen der Erkrankten. Nach einem Ratgeber für Betroffene musste man lange suchen. Dabei erkranken in Deutschland Jahr für Jahr etwa 300.000 Menschen an Demenz. Gemeinsam mit dem Ernst Reinhardt Verlag entstand die Idee, einen Mut machenden Ratgeber für Menschen am Beginn der Erkrankung zu schreiben.

Wie Sie dieses Buch nutzen können

Beginnen Sie am Anfang. In Kapitel 1 „Aus den Kraftquellen schöpfen“ legen wir einen Grundstein für Ihr Wohlergehen. Sie finden Ihre persönlichen Mut-Sätze, die Ihnen Kraft für den Alltag und schwierige Situationen geben.

Anschließend lesen Sie etwas über die verschiedenen Demenzformen und über die Veränderungen, die im Verlauf der Erkrankung auftreten können. So sind Sie gut informiert und bekommen Hinweise, auf welche Veränderungen Sie sich einstellen sollten und wie Sie diesen Situationen begegnen können.

Danach können Sie dieses Buch ganz normal von vorne bis hinten durchlesen. Jedes Kapitel beschreibt eine typische Alltagssituation. Im Inhaltsverzeichnis finden Sie eine Übersicht über alle angesprochenen Situationen. Sie können auch direkt zu den Abschnitten gehen, die Sie am meisten interessieren.

Längere Kapitel beginnen mit einer kurzen Zusammenfassung. Damit wissen Sie, was Sie im folgenden Text erwartet. Einige Kapitel enthalten Tabellen oder Checklisten. Sie helfen Ihnen, unsere Vorschläge leichter umzusetzen.

Apropos Umsetzung. An manchen Stellen werden Sie denken: Wozu brauche ich das? Warum sollte ich mich da umstellen? In der Tat sind Sie im Moment noch in der Lage Ihren Alltag ohne Veränderungen zu meistern. Leider kann bei einer Demenzerkrankung niemand einschätzen, wie schnell oder wie langsam sich die geistigen Fähigkeiten verändern. Im Buch werden kleine, aber sehr wirksame Änderungen vorgeschlagen. Damit können Sie schon heute dafür sorgen, dass Sie auch in Zukunft noch gut zurechtkommen und sicher im eigenen Zuhause leben können.

Am Ende der Abschnitte finden Sie oft Zitate von Menschen mit Demenz. Diese Sätze sollen Ihnen Mut machen. Sie sind nicht allein. Anderen Menschen geht es ebenso. Die Zitate habe ich entweder in meinen Beratungen gehört oder in den Gesprächskreisen, die ich regelmäßig begleite. Einige Beispiele stammen von der Demenz-Aktivistin Helga Rohra, die Sie bereits im Vorwort des Buches kennengelernt haben.

Wenn Sie die wichtigen Stellen im Buch mit einem Farbstift anstreichen, finden Sie sie schnell wieder. Notieren Sie auch, welche Tipps Sie ausprobieren wollen. Falls Sie nicht ins Buch schreiben möchten, können Sie sich im Internet auf der Seite des Ernst Reinhardt Verlages unter www.reinhardt-verlag.de alle Vorlagen für die Tabellen und Checklisten ausdrucken.

Frauen und Männer sollen sich von diesem Buch gleichermaßen angesprochen fühlen. Deshalb verwende ich die weibliche und die männliche Form abwechselnd oder ich nenne beide Geschlechter. Wichtig ist mir, dass die gute Lesbarkeit erhalten bleibt.

Ich danke Ihnen dafür, dass ich Sie mit diesem Buch ein Stück auf Ihrem Weg begleiten darf. Ich wünsche Ihnen viel Kraft und Mut, vor allem aber Gesundheit.

Dresden, Juli 2020 Eva Helms

1 Aus den Kraftquellen schöpfen

Ich traue Ihnen zu, dass Sie Ihr Leben auch nach der Diagnose Demenz gut bewältigen. Ich kenne Sie nicht. Das stimmt. Aber ich gehe davon aus, dass Sie in Ihrem Leben schon vieles erlebt und gemeistert haben. Sie kennen auch schwere Zeiten und Sie haben aus vielen Situationen das Beste gemacht. Sie haben dabei Stärken entwickelt, die Sie durch das ganze Leben getragen haben. Aus diesen Kraftquellen können Sie auch heute noch schöpfen.

Vermutlich haben Sie als Kind die Nachkriegszeit erlebt, vielleicht sogar die Kriegsjahre. Das waren Jahre mit Angst, Hunger und schlechter Versorgung. Damals haben Sie gelernt, auch mit sehr ungünstigen Bedingungen zurechtzukommen.

Und woran denken Sie, wenn Sie sich an die Zeit des Wiederaufbaus erinnern? Auch das war keine einfache Zeit. Ihnen wurde nichts auf dem Silbertablett präsentiert. Aber Sie lernten, erfinderisch zu sein. Wo gab es das richtige Material? Wer hatte gute Informationen? Wem konnte man vertrauen? Mit wem konnte man gut zusammenarbeiten?

Hatte man endlich den Mann oder die Frau fürs Leben kennengelernt, merkte man bald, warum der Pfarrer von guten und schlechten Zeiten gesprochen hat. Nicht immer waren Sie gleicher Meinung. Doch mit Kompromissen kann man gut leben, wenn die Beziehung zum Partner oder zur Partnerin stabil bleibt.

Kleine Kinder, kleine Sorgen – große Kinder, große Sorgen. Vermutlich kommt Ihnen auch dieser Spruch bekannt vor. Es gab Zeiten, in denen Sie sehr fürsorglich waren. Dann kamen die Zeiten, in denen die Kinder selbständiger wurden. Sie mussten Grenzen setzen. Erinnern Sie sich noch an den Zeitpunkt, als Sie lernten, Ihre Kinder loszulassen? Wenn Kinder eine eigene Familie gründen, beginnt auch für die Eltern ein neuer Lebensabschnitt.

Haben Sie einen Beruf erlernt, der Ihnen Freude bereitet? Dann wissen Sie, wie schön es ist, sich ganz auf eine Tätigkeit einzulassen. Den Moment zu genießen. War Ihr Beruf eher eine Notwendigkeit, um das Familieneinkommen zu sichern, besitzen Sie eine weitere Stärke. Sie können unangenehme Dinge in Kauf nehmen, um Ihre Ziele zu erreichen. Möglicherweise haben Sie beide Phasen in Ihrem Berufsleben kennengelernt.

Und dann kam der Ruhestand – und mit ihm wieder große Veränderungen. Sie mussten jetzt neue Rituale und Routinen finden. Der alte Tagesablauf passte nicht mehr. Jetzt hatten Sie endlich Zeit. Sie konnten sich den Enkelkindern, Ihrem Hobby oder einem Ehrenamt widmen.

Und Sie mussten lernen, dass Ihr Körper sich verändert. Eine Brille haben Sie sicher schon länger. Vielen Menschen fällt auch das Hören schwerer. Ihre Beweglichkeit und die Geschwindigkeit Ihrer Bewegungen haben abgenommen. Kleine Verletzungen heilen nicht mehr so gut. Sie lernen gerade, was Ihrem Körper guttut und was nicht. Und Sie merken, dass Sie Ihre Kräfte einteilen müssen. So können Sie die wirklich wichtigen Dinge schaffen.

Ich bin mir sicher, dass Sie einen großen Schatz an Lebenserfahrungen haben. Lassen Sie uns in Ihre persönliche Schatztruhe sehen. Wir werden viele Eigenschaften finden, die Sie in den kommenden Jahren brauchen werden.

Eine Demenz-Diagnose bedeutet, dass sich noch einmal sehr viel in Ihrem Leben verändert. Aber die Diagnose ist nicht das Ende Ihres Lebens, sondern der Beginn eines neuen Lebensabschnittes. Es ist hilfreich, sich dabei seiner eigenen Kraftquellen bewusst zu sein. Methoden, die früher bei Ihnen gut funktioniert haben, können auch weiterhin hilfreich sein.

Kreuzen Sie in Tabelle 1 alles an, was auf Sie zutrifft. Wenn ein Satz nicht für Sie passt, dann lassen Sie ihn aus. Konzentrieren Sie sich auf das, was Ihnen weiterhilft.

Tabelle 1: Meine Kraftquellen

Meine Kraftquellen

Ja, trifft zu.

Ich weiß, was mir guttut.

Ich sorge für meine Gesundheit.

Ich habe Humor und lache gern.

Ich übernehme Verantwortung für mein Leben.

Ich mache gern anderen Menschen eine Freude.

Ich habe guten Kontakt zu meiner Familie.

Ich habe gute Freunde.

Ich bin geduldig mit anderen Menschen.

Ich bin geduldig mit mir selbst.

Ich habe in meinem Leben vieles erreicht.

Ich habe mich in meinem Leben schon öfter an neue Verhältnisse angepasst.

Wenn mir etwas wichtig ist, möchte ich es auch richtig verstehen.

Ich habe gelernt, aus den Dingen das Beste zu machen.

Ich finde einfache Lösungen, die mir das Leben erleichtern.

Ich genieße ganz bewusst die schönen Dinge in meinem Leben.

Ich bin mit meinem Leben im Großen und Ganzen zufrieden.

Spricht Sie eine der Kraftquellen ganz besonders an, dann markieren Sie diese farbig. Oder schreiben Sie den Satz auf ein Blatt Papier und hängen es da auf, wo Sie es oft sehen können.

2 Was man unter „normalem“ Altern versteht

Jeder Mensch vergisst einmal etwas. Kennen Sie das schon von früher? Nach dem Einkauf stellen Sie fest, dass Sie die Milch vergessen haben. Der Name des Schauspielers Ihrer Lieblingsserie fällt Ihnen nicht ein. Wenn der Schlüssel keinen festen Platz hat, müssen Sie ihn so manches Mal suchen. Und auch den Geburtstag der Cousine kann man einmal vergessen. Oft haben wir einen zu vollen Alltag und zu viel zu tun. Oder wir werden durch viele Reiz-Einflüsse abgelenkt. Und dann vergessen wir Sachen, an die wir eigentlich denken wollten.

Mit den Jahren verändert sich nicht nur Ihr Körper. Auch Ihr Gehirn altert mit Ihnen. Das ist normal. Lange Zeit glaubte man, dass im Alter keine neuen Nervenzellen mehr gebildet werden. Heute spricht man von der Plastizität des Gehirns. Das bedeutet, dass sich lebenslang neue Nervenzellen und Verbindungen bilden können. Selbst bei 90-jährigen Menschen konnten Wissenschaftler das feststellen. Man kann also immer noch etwas Neues lernen und damit im besten Falle so einige altersbedingte Defizite ausgleichen.

Ältere Menschen können auf vielfältige Erfahrungen aufbauen. Sie können alte und neue Informationen miteinander verknüpfen und damit neue Situationen gut erfassen. Die Jungen mögen die Schnelldenker sein – Ältere gehören zu den Menschen mit Lebenserfahrung. Damit kompensiert ihr Gehirn die sinkende Leistungsfähigkeit. Menschen sind im Alter oft gelassener als in der Jugend, auch das haben sie ihrer Hirnstruktur zu verdanken.

Welche Veränderungen gehören also zum normalen Altern?

■Sind Sie bereits älter als 60 Jahre?

■Tritt die Vergesslichkeit nur gelegentlich auf?

■Finden Sie in der Regel Ihre Sachen wieder und sind nur hin und wieder am Suchen?

■Können Sie sich gut an kurz zurückliegende Ereignisse erinnern?

■Können Sie kleinere Probleme im Alltag selbst lösen?

■Können Sie mündlichen oder schriftlichen Anweisungen gut folgen?

Wenn Sie alle Fragen mit „Ja“ beantworten konnten, sich aber dennoch Sorgen machen, dann sprechen Sie mit Ihrem Hausarzt.

Ein kleiner Test, den Sie auch als tägliches Gedächtnistraining nutzen können:

■Nehmen Sie am Morgen Ihre Tageszeitung.

■Streichen Sie drei Wörter im Text an. Zum Beispiel: Ferientipp, Stadtrat und Sicherheit. Merken Sie sich diese Begriffe.

■Können Sie sich vor dem Mittagessen noch an alle drei Wörter erinnern? Und wie sieht es am Abend aus?

■Loben Sie sich selbst für Ihren Erfolg!

3 Der Weg zur Diagnose Demenz

In diesem Kapitel lesen Sie,

■warum die Diagnostik so wichtig ist,

■wer eine Demenz-Diagnose stellen darf,

■was die Diagnose „Leichte kognitive Störung“ bedeutet,

■welche verschiedenen Demenzformen es gibt.

Warum ist eine gute Diagnostik wichtig?

Im Alter verändert sich der Körper. Schwächere Augen, Probleme beim Hören und nachlassende Muskelkraft gehören zu unserem Verständnis vom „normalen Altern“ dazu. Und wie ist es mit dem Gehirn? Wo ist die Grenze zwischen normaler Vergesslichkeit und Demenz? Und warum ist eine gute Diagnostik so wichtig?

Es gibt über 50 verschiedene Demenzformen. Jede hat ihre Besonderheiten. Je nach Demenzform können verschiedene Medikamente verordnet werden. Medikamente, die für eine bestimmte Demenzform hilfreich sind, können bei einer anderen Form sogar gesundheitsschädigend sein.

Manchmal erklären sich durch die Diagnose auch bestimmte Verhaltensweisen des Erkrankten. Für die Angehörigen ist es wichtig, die Ursachen zu kennen und sich richtig zu verhalten.

BEISPIEL

Ein Patient mit einer Alzheimer-Demenz wird bei der täglichen Blutzuckermessung gegenüber der neuen Pflegerin aggressiv. Da er sonst ein friedlicher Zeitgenosse ist, gibt es eine Ursache für sein Verhalten.

■Wurde der Patient über die Veränderung informiert?

■War die Pflegerin im Stress und gar nicht bei der Sache?