Esel halten - Marisa Hafner - E-Book

Esel halten E-Book

Marisa Hafner

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Beschreibung

Erfahren Sie in diesem Standardwerk, wie Sie Ihren Eseln von Geburt an bis ins hohe Alter gerecht werden können: das Wichtigste über Anschaffung, Aufzucht, Ernährung, Gesunderhaltung, Pflege sowie Erziehung und Ausbildung für Freizeitaktivitäten. Auch der geschichtliche Hintergrund zu Herkunft und Verwendung unserer Hausesel kommt nicht zu kurz. Anhand von aussagekräftigen Zeichnungen zu Mimik und Körpersignalen lernen Sie, Ihre Esel besser zu verstehen. Porträts von Wild- und Halbeseln sowie gezüchteten Eselrassen komplettieren den informativen Ratgeber. Ein Muss für alle Eselhalter und die, die es werden wollen!

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 475

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Marisa Hafner | Judith Schmidt

Esel halten

5., aktualisierte und erweiterte Auflage

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

ETHISCHE GRUNDSÄTZE

Legendäre Anspruchslosigkeit – eine Fehleinschätzung?

HERKUNFT UND VERWENDUNG

Abstammung

Geschichte

Nutzung

DAS WESEN

Sozialverhalten

Charakter

Sinne

Kommunikation

DER KÖRPER

Standard

Mängel

Fell

Gangarten

DIE SPEZIES ESEL

Rassen

Hausesel

Hybriden

Wildesel

ESELKAUF

Auswahl

Vermittlungsstellen der Vereine

Zeitungsannoncen/Internet

Züchter

Händler

Markt

Ausstellungen

Anschaffungskosten

Unterhaltskosten

Equidenpass

DER GESUNDE ESEL

Temperatur

Puls

Atmung

Beurteilung des Wasserhaushalts

Beurteilung des Kreislaufs

Blutwerte

Lebenserwartung

Ernährungszustand

Gewichtsberechnung

UNTERKUNFT

Haltungssysteme und Gestaltung

Stallgebäude

Einstreu

Böden im Außenbereich

Stallgefährte

Akklimatisation

WEIDE

Nutzungsdauer und Größe

Weidehygiene

Pflanzen auf der Weide

Unterhalt und Pflege

Einzäunung und Ausrüstung

Wasser

Sicherheitsvorkehrungen

ERNÄHRUNG

Grundfutter

Zusatzfutter

Futtermenge

Fütterungsintervalle

Wasser

PFLEGE

Fell

Hufe

Zähne

Entwurmen

Impfungen

DER SENIOR

Haltung

Gebiss und Ernährung

Altersgebrechen

Abschied nehmen

ZUCHT

Hengsthaltung

Rosse

Paarung

Die trächtige Stute

Geburt

Das neugeborene Fohlen

Die Haltung des Fohlens

KRANKHEITEN UND VERLETZUNGEN

Früherkennung von Krankheiten

Die Stallapotheke

Den Tierarzt rufen

Die Untersuchung

Hautverletzungen

Hautkrankheiten

Erkrankungen der Atemwege

Erkrankungen des Verdauungstraktes

Erkrankungen des Bewegungsapparates

Sonstige Erkrankungen

Anzeigepflichtige Krankheiten

Giftpflanzen

ERZIEHUNG

Grundsätze

Der Weg zum kooperativen Esel

Das Kontingenzschema

Stresssignale

Achtsamer Umgang

Richtig Loben

Verhaltensmöglichkeiten

Das Lesen eines Esels

Das Bindungssystem

Ausbildung – was muss, soll, darf sein?

Halfter

Anbinden

Führen

Transportieren

Strafen

Esel und Kinder

REITEN

Voraussetzungen

Ausrüstung

Praktisches Reiten

WANDERN MIT PACKESELN

Packsättel

Bastkörbe

Routenplanung

FAHREN

Grundausbildung von Tier und Fahrer

Geschirr

Kutsche

Anspannen und Fahren

SERVICE

Adressen und Links

Bildquellen

Literaturverzeichnis

Danksagung

Impressum

Vorwort

Der Esel – belächelt, mystisch, berüchtigt. Von den einen heiß geliebt, von den anderen gemieden und in seinem wahren Wesen mehrheitlich verkannt. Mit Sicherheit kann man den Esel nur mit Arroganz und einer überheblichen Einstellung für dumm erklären. Er wird in seinem Verhalten meistens missverstanden und falsch eingeschätzt, weshalb er leider völlig ungerechtfertigt einen schlechten Ruf hat. Mark Twain hat in seinem 1893 verfassten „Pudd’nhead“ sehr treffend zum Ausdruck gebracht: „Es gibt keinen Charakter, mag er noch so gut und edel sein, der nicht durch Spötteleien, mögen sie noch so armselig und geistlos sein, verleumdet werden kann. Man betrachte zum Beispiel den Esel: Sein Charakter ist beinahe tadellos, seine Intelligenz ist der aller geringeren Tiere überlegen, doch seht, was Spötteleien aus ihm gemacht haben. Statt dass wir uns geschmeichelt fühlen, wenn man uns einen Esel nennt, fühlen wir uns beunruhigt.“

Der Esel kann auf eine lange, bewegte Vergangenheit zurückblicken. Er erlebte Epochen der Verehrung und Zeiten, die ihm viel Leid und Schmerz bescherten. Seit rund 6000 Jahren schleppt er überall auf diesem Globus die Lasten des Menschen – mit einer stoischen Ruhe und oft unter schlechtesten Bedingungen. Häufig hat er als Lohn für seine Arbeit nur Prügel bezogen.

Heute wird der Esel in unseren Breiten vorwiegend als Haustier und Freizeitpartner gehalten und vermehrt bei tiergestützten Interventionen eingesetzt. Er hat einen neuen Platz in der Gesellschaft eingenommen – einer Gesellschaft, die es sich leisten kann, für ihre Tiere zu sorgen. Und trotzdem hat sich die Lebensqualität für die meisten Esel kaum wesentlich verbessert. Zivilisationskrankheiten wie Übergewicht, Verdauungsstörungen, Parasiten, Hufprobleme, Allergien und Verhaltensstörungen sind neue, moderne Leiden, die dem Esel sein Dasein erschweren. Meistens sind die Ursachen Haltungsfehler, die aus Unwissenheit begangen werden. Das vorliegende Buch soll helfen, die Lebensgewohnheiten, die Bedürfnisse und das Verhalten des Esels zu verstehen. Es soll in leicht verständlicher und übersichtlicher Weise über Haltung, Pflege und Erziehung des Esels informieren. Die Grenzen zwischen Empfehlungen und Anleitungen sind dabei oft fließend.

Ein Grundgedanke darf nie vergessen werden: Wer ein Tier hält, bestimmt dessen Schicksal. Tiere sind auf den Menschen angewiesen und ihre Lebensqualität hängt ausschließlich von der Gunst ihres Halters ab. Dieser Umstand bedeutet für uns Menschen eine große Verantwortung, der man sich stets bewusst sein sollte. Und was bei der Erziehung eines Tieres sehr wichtig ist: Bei Problemen sollte der Mensch nicht sein Tier kritisieren, sondern er sollte eher seine eigene Vorgehensweise überdenken und sich stets die Frage stellen „Warum reagiert das Tier so?“.

Marisa Hafner

ETHISCHE GRUNDSÄTZE

WER SICH EINEN ESEL ANSCHAFFT …

muss sich die notwendigen Fähigkeiten und Kenntnisse über dessen Ansprüche und Bedürfnisse aneignen;

muss bereit sein, sich über Jahre täglich Zeit zu nehmen, um ihn richtig zu pflegen;

muss ihn so halten, dass er seinen arteigenen Bedürfnissen entsprechend leben kann;

muss akzeptieren, dass seine körperliche und seelische Gesundheit eine höhere Bedeutung hat als der erwartete Nutzen;

muss ihn achten, unabhängig von Größe, Alter, Geschlecht, Gesundheitszustand oder Ausbildungsstand;

muss ihm eine angemessene Ausbildung gewähren, wenn er von ihm eine Leistung erwartet;

muss der Verantwortung für sein anvertrautes Tier, die sich bis ans Lebensende erstreckt, stets im Sinne des Esels gerecht werden.

Nicht jeder Pferdefreund ist auch ein geeigneter Eselhalter. Es ist daher wichtig, dass man sich bereits vor dem Kauf im Klaren darüber ist, was man mit dem Esel unternehmen möchte und was man von ihm erwartet. Esel sind nicht für die gleichen sportlichen Betätigungen geeignet wie Ponys und Pferde. Sie sind zwar zu sehr großen und ausdauernden Leistungen fähig, doch die Fortbewegung findet eher in gemächlichem Tempo statt. Wer seine Freizeit geruhsam und besinnlich gestalten möchte, wird mit einem Esel glücklich sein. Wer aber versucht zu beweisen, dass mit einem Esel gleiche Leistungen wie mit einem Pferd erbracht werden können, der tut seinem Tier Unrecht. Es stellt sich unweigerlich die Frage nach seinen Beweggründen. Meistens muss der Esel um der Publicity Willen herhalten. Zitat: „Ein gut ausgebildetes Pferd, an dessen Training der Reiter jahrelang gearbeitet hat, wird nicht so beachtet wie ein mittelmäßig gerittener Esel mit möglicherweise Gebäudefehlern und Senkrücken. Das Pferd hat einfach zu kurze Ohren …!“

Legendäre Anspruchslosigkeit – eine Fehleinschätzung?

Der Esel stellt mit Sicherheit andere, aber keineswegs geringere Ansprüche an seinen Halter als das Pferd! Ein Kind kann, entgegen der weit verbreiteten Meinung, einen Esel nur unter Anleitung eines Erwachsenen betreuen. Diese Person muss über fundierte Fachkenntnisse im Umgang mit Eseln verfügen. Es ist ein Trugschluss anzunehmen, es sei einfacher mit Eseln umzugehen als mit Ponys oder Pferden. Sein Ruf als anspruchsloser Zeitgenosse rührt möglicherweise daher, dass der Esel in der Tat ein sehr guter Futterverwerter ist und deshalb, was die Futtermenge betrifft, im Vergleich zum Pferd oder Pony Einsparungen gemacht werden können. Vielleicht liegt die Anspruchslosigkeit auch darin, dass der Esel äußerst gutmütig ist und sich gegen Quälereien fast nie zur Wehr setzt oder dass er eine still leidende Kreatur ist, die sich immer noch aufrecht hält, wenn sie schon längst Grund genug hätte, zu Boden zu gehen. Es ist fraglich, ob der Mensch von dieser Art Anspruchslosigkeit wirklich profitieren will. Impfungen, Wurmkuren, Fell-, Huf- und Zahnpflege benötigt der Esel wie das Pferd und Unterkunft und Sozialkontakt müssen ebenfalls gewährleistet sein.

Esel leben von Natur aus in Gruppen. Sie dürfen deshalb auf keinen Fall einzeln gehalten werden.

HERKUNFT UND VERWENDUNG

Abstammung

Unser Hausesel stammt vom afrikanischen Wildesel ab, der zur Gattung der Pferde (Equus) gehört. Die Gattung umfasst sechs Arten:

Esel (Equus asinus)

Pferd (Equus caballus)

Halbesel (Equus hemionus)

Steppenzebra (Equus quagga)

Bergzebra (Equus zebra)

Grevy-Zebra (Equus grevyi)

Von den afrikanischen Wildeseln existierten wiederum drei Unterarten: Atlas-Wildesel, Nubischer Wildesel und Somali-Wildesel. Die exakte Herkunft des Hausesels ist bis heute noch nicht eindeutig geklärt. Vieles weist darauf hin, dass der Nubische Wildesel, der heute als ausgestorben gilt, aber noch 1900 verhältnismäßig häufig östlich des Nils und im südlichen Nubien vorkam, der Stammvater unseres heutigen Hausesels ist. Wahrscheinlich hat aber auch der Somali-Wildesel vom Osthorn Afrikas (Somaliland und die Salzebenen des Danakil- und Adel-Landes) mit seinem Ursprung zu tun und sogar der Atlas-Wildesel aus dem Siwa-Gebiet in Libyen könnte noch eine Rolle gespielt haben. Diese Erklärungen stammen aus A. Brehm „Die Säugetiere III“ und W. Herre und M. Röhrs „Wissenschaftliche Veröffentlichungen der Deutschen Orientgesellschaft“ (1958). Ebenfalls diese drei Wildesel-Unterarten als Ursprung unseres Hausesels nennt Norbert Benecke in „Der Mensch und seine Haustiere“ (1994).

Die Gegenden, aus denen die Vorfahren unserer Hausesel stammen, gehören auf jeden Fall zu den unwirtlichsten Gebieten dieser Welt. Die Wildesel haben sich in Jahrtausenden den kargen Bedingungen angepasst. Sie durchstreiften riesige Landstriche auf der Suche nach Nahrung und holten sich aus dem spärlichen Pflanzenwuchs die nötigen Nährstoffe, die sie zum Überleben brauchten. Von jeher lebte der Esel in Gebieten, wo sich andere Großsäuger nur schwer halten konnten.

Im nordeuropäischen feuchtkalten Klima ist das Wüstentier Esel ein Exot und stellt daher besondere Anforderungen an die Haltung.

Die Arbeit am Wasserrad oder in der Getreidemühle wurde stets von Eseln verrichtet.Mit den Eseln vor dem Pflug wird auch die harte Erde bearbeitet.

GUT ZU WISSEN

Ein kleiner Denkanstoß zur Eselhaltung: Esel und Zebras gehören derselben Familie und Gattung (Equidae, Equus) an und stammen aus den gleichen Ursprungsgebieten. Zebras dürfen allerdings nur von qualifizierten Personen unter strengen Auflagen gehalten werden, einen Esel kann sich jedermann anschaffen.

Geschichte

Die Domestikation des Esels wird den alten Ägyptern zugeschrieben, also wurde er im nahen und mittleren Osten, wo auch die erwähnten drei Wildesel-Unterarten lebten, erstmals gezähmt. Die Dienste des Esels werden demzufolge vom Menschen seit etwa 6000 Jahren in Anspruch genommen. Die Ägypter setzten die Tiere bereits 2500 v. Chr. beim Bau ihrer Pyramiden ein. Fast jedermann besaß im alten Ägypten einen Esel und reiche Leute hielten deren Hunderte. Auch viel später, im römischen Reich, wurden die Esel als Arbeitstiere eingesetzt. Es gab Wagenesel, Mühlenesel, Lastesel und Saumtiere (Tragesel) – der Esel war einfach gut für alle Arbeiten, die er trotz schlechter Fütterung und primitiver Haltungsbedingungen verrichtete. Es gab auch sehr teure Esel. So soll der römische Senator Q. Axius für einen Esel aus der berühmten Zucht von Reate (Mittelitalien) die Summe von 400 000 Sesterzen, die um 1900 einem Betrag von 60 000 Goldmark entsprach, gezahlt haben.

Des Esels Dasein war immer begleitet von Legenden und Aberglauben. Es gab sogar eine Zeit, da galt der Esel als Fruchtbarkeitssymbol. Das Fleisch des Esels wurde praktisch in der ganzen Vorzeit nie verzehrt. In manchen Kulturen nicht, weil der Esel dem Menschen fast heilig war, und in manchen Kulturen nicht, weil es schlichtweg verpönt war. Der Esel lieferte Milch, die als Heilmittel und wegen ihrer kosmetischen Wirkung sehr geschätzt wurde. In der Bibel kommt der Esel an über hundert Stellen vor und im islamischen Kulturkreis gehört er zu den Tieren, denen das Paradies sicher ist (Koran). Es gab in der ganzen Vergangenheit nie ein Haustier, das bei so großer Bescheidenheit so viel leistete wie der Esel und sowohl im positiven als auch im negativen Sinne Geschichte schrieb.

INFO

Nach der germanischen Fabeltradition trägt der Esel den Namen „Boldewyn“.

GUT ZU WISSEN

Ursprünglich brachten die Römer den Esel nach Großbritannien, wo er jedoch unbeachtet blieb, bis der Krieg die Nachfrage an Pferden so stark in die Höhe trieb, dass sich der

einfache Bauer keines mehr leisten konnte. Nun mangelte es ihnen an Arbeitstieren und der bisher vernachlässigte Esel nahm den Platz der Pferde in der Landwirtschaft ein.

GUT ZU WISSEN

Weil der Esel ein natürliches Abwehrverhalten gegen Wölfe und Hunde zeigt, denken Schäfer, er sei ein guter Schafwächter, aber gegen ein Wolfsrudel kann auch ein Esel nichts ausrichten.

Nutzung

Noch heute ist der Esel mit seinen Fähigkeiten ein sehr wichtiger Bestandteil zur Sicherung des Überlebens in vielen Ländern der Welt. Er hat seinen festen Platz als Nutztier in der Landwirtschaft und für den Transport. Für Holz, Wasser, Baumaterial und Lebensmittel ist der Esel häufig das einzige Beförderungsmittel. Trotz der zunehmenden Motorisierung werden vor allem in Asien und Afrika Esel noch zu Hunderttausenden als Arbeitstiere verwendet. Angesichts der Armut ihrer Eigentümer sind eine tierärztliche Versorgung und angemessenes Futter eher die Ausnahme als die Regel. Die Esel führen meist ein erbärmliches Leben und leiden an Unterernährung sowie dauernder Überbelastung – und dennoch kann vom Besitz eines Esels durchaus das Überleben einer ganzen Familie abhängen.

Die „Brooke Hospitals“

Tief beeindruckt vom Elend der arbeitenden Esel und Pferde in Ägypten gründete Dorothy Brooke 1934 in Kairo eine Klinik, in der die Tiere kostenlos behandelt werden konnten. Heute gibt es „Brooke Hospitals for Animals“ in Kairo, Assuan, Edfu, Luxor, Alexandrien, Pakistan, Indien und Jordanien. Das im Jahr 1966 eröffnete Hospital von Luxor führt beispielsweise pro Jahr etwa 20 000 Behandlungen durch. Jede Brooke-Klinik verfügt zusätzlich über mindestens ein mobiles Team, das in entlegenen Gebieten patrouilliert, um sich der Tiere anzunehmen, deren Weg ins Hospital zu lang oder zu anstrengend wäre. Neben der medizinischen Betreuung informiert das Personal des Brooke-Hospitals die Esel- und Pferdebesitzer über tiergerechte Haltungsmöglichkeiten, denn auch die ärmsten Besitzer könnten sich besser um ihre Tiere kümmern. Der größte Teil von Verletzungen bei Eseln und Pferden ist auf Verkehrsunfälle zurückzuführen, an zweiter Stelle stehen Sattel- und Geschirrdrücke sowie Lahmheiten und Infektionen. Sämtliche Esel und Pferde werden – ebenfalls unentgeltlich – gegen Tetanus geimpft. Die gesamten Kosten der Brooke-Hospitals werden ausschließlich durch Spendengelder gedeckt.

Hier wird in einem Brooke-Hospital eine offene Druckstelle behandelt.

Projekt Wassertransport

Bedeutend bessere Arbeitsbedingungen haben die Arbeitsesel im afrikanischen Eritrea, die im Rahmen eines Projektes „Esel-Initiative“ für den Wassertransport eingesetzt werden. Sie sind das Kapital allein erziehender Frauen, die mit Hilfe der Esel ihre Familie ernähren können und deshalb die Tiere auch dementsprechend schätzen und pflegen. Im Sommer 1995 wurde dieses deutsche Projekt ins Leben gerufen. Ebenfalls mit Hilfe von Spendengeldern werden Not leidenden und allein erziehenden Kriegswitwen im afrikanischen Eritrea Esel geschenkt, um sie von der Schwerstarbeit des Wasserschleppens zu entlasten. Die Esel tragen spezielle Kautschukbehälter, damit sie keine Druckstellen bekommen. Für einen Esel plus Wassercontainer müssen umgerechnet etwa 2 90,– ausgelegt werden. Bis Ende 1999 wurden insgesamt 750 Esel verteilt. Mit ihrer Hilfe können die Frauen genügend Wasser für sich selbst und zum Verkauf ins Dorf bringen, was ihnen wiederum Geld für die Beschaffung von anderen Nahrungsmitteln einbringt. So erhalten sie eine Starthilfe, um sich ein besseres Leben aufzubauen.

Die Touristen sind meistens viel zu schwer für die Esel.

In Europa

Hier hat der Esel an Bedeutung verloren. In den Mittelmeerländern, wo traditionell viele Esel gehalten wurden, ist ihr Bestand stark zurückgegangen. Dies ist auf die zunehmende Intensivierung der Landwirtschaft und auf den Einsatz motorbetriebener Fahrzeuge zurückzuführen. Heute werden Esel meist nur noch von Individualisten als Freizeitpartner gehalten. Tiere, die in den täglichen Arbeitsablauf integriert werden, sind selten geworden. Nur in den ärmsten Ländern Europas werden Esel noch umfangreich genutzt. Bulgarien zum Beispiel weist vor Portugal und Griechenland die größte Eselpopulation Europas auf (FAO production yearbook, 1984). Als „modernste“ Aufgabe für die Esel kann heute das Tragen von Touristen genannt werden.

GUT ZU WISSEN

Eine zunehmend wichtige Rolle spielt der Esel in der tiergestützten Therapie und in der tiergestützten Pädagogik.

GUT ZU WISSEN

Die permanente Ausbeutung des Esels hat zahlreiche Tierschutzorganisationen auf den Plan gerufen. Heute existieren bereits diverse, meist von Spendengeldern getragene Hilfsorganisationen für Esel in Not.

In England

In Großbritannien haben die Strandesel eine große Tradition. Das Reiten entlang der Küste ist in vielen Badeorten ausgesprochen populär und gehört zum klassischen Bild der Touristendomizile. Leider müssen auch diese Esel ständig von Tierschutzorganisationen kontrolliert werden, damit ihre Besitzer sie nicht verkommen lassen. An dieser Stelle ist Dr. Elisabeth D. Svendsen MBE (23. 01. 1930 – 11. 05. 2011) zu erwähnen. Sie ist die Gründerin des weltweit größten Eselasyls, „The Donkey Sanctuary“, in England. Ihre gesamten Bestrebungen galten dem Schutz des Esels, in England wie auch in Afrika. Mittels Ausbildung der Eingeborenen förderte sie dort deren Verständnis für die Tiere. Vor allem eine regelmäßige Durchführung von Wurmkuren und eine generelle Bekämpfung von Parasiten sowie ein vernünftiger Arbeitseinsatz tragen viel zu einem besseren Gesundheitszustand der Esel bei. Seit der Gründung des Donkey Sanctuary im Jahr 1973 wurden über 8000 Esel dort aufgenommen, gepflegt und, wenn nötig, medizinisch versorgt. Die gesunden Esel werden mit einem Schutzvertrag an geprüfte Plätze vermittelt, ältere oder schwierig gewordene Tiere dürfen bis an ihr Lebensende im Asyl verbleiben. Personen, die selber keinen Esel halten können, haben die Möglichkeit Patenschaften zu übernehmen. Das Donkey Sanctuary wird mit Hilfe der Patenschaften und mit Spendengeldern finanziert.

DAS WESEN

Sozialverhalten

Der Esel ist, obwohl man ihn in freier Wildbahn zum besseren Schutz vor Feinden jeweils in locker strukturierten Gruppen antrifft, eigentlich kein ausgesprochenes Herdentier. Das bedeutet aber keinesfalls, dass er ein Einzelgänger ist. In der Regel leben Wildesel und verwilderte Hausesel in Verbänden, deren Größe und Zusammensetzung stark von Ausmaß und Art des Lebensraumes sowie vom jeweiligen Nahrungsangebot abhängen. Eine Eselgruppe besteht aus verschiedenen Mutterfamilien, jeweils Stuten mit ihren meist weiblichen Nachkommen. Junge Hengste bilden eigene Hengstgruppen. Ausschließlich die erwachsenen Hengste halten sich auf Distanz – sie sind die einzigen Esel, die ein Einzelgängerleben führen. Die meisten Aktivitäten wie Körperpflege, Wälzen, Ruhen, Harnen und Kotabsatz wirken unter den Gruppenmitgliedern „ansteckend“ und fördern so den Zusammenhalt in der Gemeinschaft.

GUT ZU WISSEN

Der Esel gehört zwar zu den sogenannten „Herdentieren“, aber er bewahrt stets Individualität und Selbständigkeit gegenüber der Herde im Gegensatz zum Pferd, welches sich weitgehend in die Gruppe ein- und unterordnet.

Eine Rangordnung unter den Tieren ist meistens nicht zu erkennen. Nur die Hengste führen Rangkämpfe durch. Erwachsene Wildeselhengste verhalten sich territorial, das heißt, sie nehmen ein bis zu 15 km2 großes Gebiet in Besitz, in dem sie allen anderen Eseln gegenüber dominant sind. Ein territorialer Hengst behält sich auch das alleinige Paarungsrecht mit den Stuten vor. Da sich jedoch das Eindringen „fremder“ Hengste in ein so großes Gebiet nicht verhindern lässt, werden diese toleriert, solange sie sich von den paarungsbereiten Stuten fernhalten. Wird ein fremder Hengst jedoch zu aufdringlich, versucht ihn der territoriale Hengst mit heftigen Attacken zu vertreiben. Da die Kämpfe der Hengste unerbittlich gegeneinander ausgetragen werden, ist es auch nur in Ausnahmefällen möglich, reine Hengstgruppen in Gefangenschaft zu halten, ohne blutige Auseinandersetzungen in Kauf nehmen zu müssen. Nur wenn weit und breit keine Stuten zu riechen sind, bestehen Chancen, dass mehrere Hengste gemeinsam gehalten werden können.

Bei den Eseln trifft die Stute die Partnerwahl. Sie sucht den Hengst auf. In der Paarungszeit ist der Hengst gegenüber der Stute äußerst aggressiv. Er beißt nach ihr, stößt sie und jagt sie umher. Die Stute selbst setzt sich gegen den „Verehrer“ zur Wehr, indem sie mit den Hinterhufen auskeilt. Erst nach diesem Vorspiel ist sie paarungsbereit.

WICHTIG

Der Esel ist kein Mensch. Er kann von Natur aus nicht wissen, wie er sich im Umgang mit uns verhalten soll. Ein umgänglicher Esel ist eine Frage der Erziehung, nicht seines Charakters.

Charakter

Verhaltensweise und Charakter des Esels sind vom Überlebenskampf in schwierigem Gelände, den die wilden Vorfahren unserer Hausesel führten, geprägt. Da steiniges Ödland und schroffes Gebirge gefährliche Lebensräume sind, kann ein Tier nur existieren, wenn es mit seinen Sinnen die Umwelt ständig überprüft. Eine „kopflose“ Flucht in diesem Lebensraum würde für einen Esel den sicheren Tod bedeuten. Was die Wildesel vor Jahrtausenden durch eine geradezu lebensfeindliche Umwelt zu einem ganz bestimmten Verhalten gezwungen hat, lebt in unserem Hausesel weiter. Wenn also der Esel „störrisch“ reagiert, verhält er sich nur eigenverantwortlich und prüft etwas, das eine mögliche Gefahr darstellen könnte. Im Gegensatz zu den Eseln können die in der Ebene grasenden Pferde ohne jede Verantwortung zu tragen, überleben, denn in den großen Herden sind stets eine Menge von Sinnesorganen aktiv. Irgendein Tier erkennt immer eine mögliche Gefahr und warnt die Herde, damit sie über die weite Steppe flüchten kann.

Der Esel ist ruhig, besonnen, tolerant und loyal. Er ist ausgesprochen beharrlich und wehrt sich gegen alle Maßnahmen des Menschen, die sein arttypisches Verhaltensmuster nicht berücksichtigen. Er ist zäh und ausdauernd bis zur Erschöpfung und sehr duldsam – Eigenschaften, die ihm bis zum heutigen Tage mehr Leid als Freude eingetragen haben. Wenn der Mensch das Vertrauen eines Esels gewonnen hat, findet er in diesem Tier ein zutrauliches, feinfühliges und liebenswürdiges Geschöpf. Der Esel ist sehr vernünftig. Er neigt nicht dazu, mit Panik oder Unvorsicht zu reagieren, was ihn zu einem sicheren und zuverlässigen Begleiter macht. Mit seiner Intelligenz und Neugierde sowie seinem ausgesprochenen Sinn für Humor hält er sein gesamtes Umfeld stets auf Trab. Vor Hengsten aber muss gewarnt werden. Sie sind manchmal recht wehrhaft und können Mensch und Tier in ernsthafte Gefahr bringen. Als Freizeitpartner eignen sich Wallache und Stuten gleichermaßen, wobei Wallache lebhafter, verspielter und ausgeglichener sind als Stuten.

Sinne

Esel orientieren sich vor allem durch Hören, Riechen, Sehen und Fühlen. Die Sinne stehen in ständiger Wechselbeziehung zueinander und werden meistens parallel eingesetzt.

GUT ZU WISSEN

Die große Sensibilität des Esels schlägt sich in der Leistungsfähigkeit seiner Sinnesorgane nieder.

Hören

Der Hörsinn ist für den Esel von besonderer Bedeutung. Die Ohrmuscheln sind wie beim Bergzebra speziell dazu entwickelt, um Naturereignisse (z. B. Steinschlag) und Feinde frühzeitig zu registrieren. Esel können ihre Ohren sozusagen um 180° drehen, von gerade vorwärts bis gerade rückwärts. Meistens richtet der Esel jedes seiner beiden Ohren ganz individuell aus, sodass er akustisch die gesamte Umgebung unter Kontrolle hat. Wenn ein Geräusch besonders beachtenswert erscheint, wendet er sich in dessen Richtung und stellt beide Ohren starr nach vorne. Wer seine Esel beobachtet, wird sie öfter dabei ertappen, wie sie angespannt in eine Richtung lauschen. Ihrem Blick folgend ist vielleicht im ersten Moment noch nichts festzustellen, aber kurze Zeit später wird der Grund ihrer Aufmerksamkeit bestimmt ersichtlich. Die Esel nehmen die meisten Reize zuerst akustisch und dann visuell wahr. Bei günstigen Windverhältnissen sind sie in der Lage über eine Distanz von mehreren Kilometern durch Laute zu kommunizieren.

GUT ZU WISSEN

Esel vermögen Hoch- und Niederfrequenzen zu hören, die für uns Menschen nicht mehr wahrnehmbar sind.

Der Esel setzt meistens mehrere Sinnesorgane gleichzeitig ein.Nase an Nase: „Mit wem hab ich’s zu tun?“

Riechen

Der Geruchssinn ist beim Esel außerordentlich stark ausgeprägt. Artgenossen erkennen sich untereinander hauptsächlich am Geruch. Auch Menschen und Gegenstände werden immer zuerst gründlich mit der Nase berochen. Jede Begrüßung zweier Esel beginnt mit intensivem Schnuppern, woraus dann durchaus auch ein schroffes „Ich-kanndich-nicht-riechen“-Verhalten resultieren kann. Will der Esel einen besonders interessanten Geruch überprüfen, atmet er tief ein, streckt Hals und Kopf vor, verschließt die Nüstern, indem er die Oberlippe hochstülpt, und beurteilt den Geruch mit einem ganz speziellen Geruchsorgan – dem sogenannten „Jacobson’schen Organ“. Dieses Verhalten wird Flehmen genannt. Alle Esel können flehmen, am häufigsten aber beobachtet man es bei Hengsten in Gegenwart rossiger Stuten oder generell im Zusammenhang mit dem Absetzen von Exkrementen.

GUT ZU WISSEN

Esel sehen in der Dämmerung besser als wir Menschen. Die Anpassungszeit von hell zu dunkel und umgekehrt dauert beim Esel jedoch länger.

Sehen

Die Augen des Esels befinden sich, wie bei allen Weide- oder Beutetieren, seitlich am Kopf. Im Gegensatz dazu liegen die Augen von Raubtieren in geringem Abstand zueinander vorne. So überschneiden sich die beiden von den Augen gelieferten Bilder und ermöglichen eine dreidimensionale Wahrnehmung, die auf der Jagd wichtig für die Einschätzung von Distanzen ist. Bei den seitlich am Kopf befindlichen Augen hingegen können keine dreidimensionalen Bilder entstehen, dafür aber ist ein großer Rundumblick gewährleistet, was für Beutetiere lebenswichtig ist. Nur in einem kleinen Bereich, der mit beiden Augen gleichzeitig erfasst wird, erhalten diese Tiere ein scharfes, räumliches Bild. Die restliche Umgebung, die das Tier nur mit einem Auge sieht, wird als unscharfes Bild wahrgenommen, wobei trotzdem jede kleinste Bewegung registriert wird.

Das Blickfeld des Esels hat bei normal erhobenem Kopf einen sogenannten toten Winkel, ein Bereich, in dem der Esel überhaupt nichts sehen kann. Der tote Winkel befindet sich unmittelbar unter ihm, hinter ihm und über ihm. Will der Esel einen Gegenstand, der im toten Winkel liegt, betrachten, muss er seinen Kopf heben, senken oder drehen. Dessen muss sich der Mensch immer bewusst sein, wenn er sich einem Esel nähert.

Wir Menschen gehören übrigens ebenfalls zu den „Raubtieren“ und ein strenger Blick, gepaart mit einer angespannten Körperhaltung, kann einem Esel durchaus Angst einflößen.

GUT ZU WISSEN

Durch ihre Körpersprache beherrschen die Esel zahlreiche Möglichkeiten, um entweder aktiv zu kommunizieren oder passiv einen Zustand auszudrücken.

Tasten

Esel setzen ihren Tastsinn aktiv ein, indem sie mit Maul und Lippen etwas befühlen. Diesem Erforschen mit den Lippen ist schon manch ein Gegenstand zum Opfer gefallen. Manchmal senken die Esel bei einem Spaziergang auch den Kopf und reiben ihre Oberlippe auf dem Straßenbelag.

Esel besitzen Tasthaare um die Augenlider und um die Maulspalte. Ihre Haut kann am ganzen Körper Berührungen, Schmerz und Temperaturreize empfangen. Feinste Berührungen werden wahrgenommen und manchmal mit einem lokalen Zittern der Hautpartie, wo der Reiz ausgelöst wurde, quittiert (Fliegen). Sogar auf dem dicken, langen Winterhaar funktioniert die Übertragung der Reize. Angesichts dieser Sensibilität ist es erstaunlich, wie sich die Esel bei der gegenseitigen Fellpflege ziemlich grob, aber genüsslich mit ihren Zähnen rupfen und schaben.

WICHTIG

Erst das gegenseitige Verstehen ermöglicht einen vertrauensvollen und entspannten Umgang mit den Tieren.

Kommunikation

Die Esel kommunizieren mittels Stimme, Körpersprache, Mimik und durch das Absetzen und Erkennen von Gerüchen. Sie sind in der Lage feinste Veränderungen in der Körperhaltung oder im Gesichtsausdruck eines Artgenossen (oder eines Menschen) wahrzunehmen. Mit ihrer Körpersprache signalisieren sie die gesamte Palette der Gefühle wie Angst, Alarm, Unterwerfung, Sympathie, Paarungsbereitschaft, Misstrauen, Abwehr, Überlegenheit.

Beim Flehmen analysiert der Esel besonders interessante Düfte.

Stimme

Des Esels „I-AH“-Ruf ist berühmt und gibt leider nicht nur Anlass zur Bewunderung, sondern vereinzelt auch zu Beschwerden von ruhegestörten Nachbarn. Dieser Ruf kann in der Tat so ohrenbetäubend laut sein, dass in seiner Nähe jegliche Konversation unmöglich wird. Kein Wunder, denn die Wildesel müssen sich ja über sehr große Distanzen verständigen können, wobei aber fast ausschließlich die Hengste rufen. Es kursiert die Meinung, dass von Hauseseln ebenfalls nur die männlichen Tiere rufen oder diese zumindest häufiger als Stuten von ihrer Stimme Gebrauch machen. Dies trifft jedoch nicht zu.

GUT ZU WISSEN

Der „I-AH“-Ruf wirkt ansteckend und das nicht nur unter Artgenossen. Manche Esel lassen sich vom Menschen zum Rufen anregen, indem sie auf dessen kurz aufeinander folgende „I-I-I-I“-Laute einstimmen und den Ruf weiterführen.

Der Esel ist im Gegensatz zum Pferd in der Lage, während des Ein- und Ausatmens einen Laut zu erzeugen. Das „I-AH“ wird mit dem „I“ beim Einatmen begonnen und mit dem kräftigen „AH“ beim Ausatmen beendet und kann beliebig oft wiederholt werden. Zum Abschluss erfolgt meistens ein Grunzen und Schnauben. Jeder Esel besitzt eine andere Stimme und somit einen unterschiedlichen „I-AH“-Ruf. Aber auch der Anlass für den Ruf bestimmt den Akzent und die Tonlage. So kann das „I-AH“ klagend, bettelnd, protestierend oder begrüßend ertönen.

Das Lautrepertoire der Esel umfasst bei weitem nicht nur die sehr verschiedenen „I-AH“-Rufe. Esel können zum Beispiel auch singende und jammernde Laute von sich geben, die mit einem leisen Wimmern beginnen und sich zu einem lang gezogenen Singsang steigern, was meistens erwartungsvolles Betteln signalisiert. Eselstuten hört man auch quietschen, vor allem wenn sie einem männlichen Artgenossen eine „Rühr-mich-nicht-an“-Erklärung abgeben oder wenn sie mit freudigen Bocksprüngen über die Wiese toben. Bei großer Furcht vor einem Gegenstand starren die Esel diesen an und fauchen dabei. Nach einem flotten Trab am Wagen oder einer anstrengenden Steigung schnauben sie oft zur Entspannung. Vereinzelt hört man verärgerte Esel mit den Zähnen knirschen oder eine Art Brummen von sich geben.

INFO

Nicht aller Esel Mitteilungsbedürfnis ist gleich stark. Während die einen kaum je einen Laut von sich geben, verschaffen sich andere beim kleinsten Anlass Gehör.

Der Wildesel braucht seine Stimme, um über große Distanzen zu kommunizieren. Sein gewaltiger Ruf bringt den Eselhalter in unserer zivilisierten Welt manchmal in Schwierigkeiten, wie hier bei diesem Hausesel zu sehen ist.

Körpersprache

Während wir Menschen Mimik und Gestik höchstens zur Begleitung oder Unterstützung der Lautsprache einsetzen, gehören diese zwei Kommunikationsformen zu den wichtigsten der Esel. Esel sind deshalb hervorragende Interpreten nonverbaler Signale – auch menschlicher.

Mimik

Esel besitzen eine starke Ausstrahlung, die wir Menschen eher intuitiv spüren als optisch wahrnehmen. Durch ihr Mienenspiel aber übermitteln sie aussagekräftige Signale, die mit ein bisschen Aufmerksamkeit und Routine erkannt, und deren Bedeutung interpretiert werden kann. Im Vergleich dazu sind die Ohren der Esel klar ersichtliche Signalgeber.

Begrüßen/Erkunden

Bei einer Begrüßung sind die Ohren der Esel interessiert und aufmerksam auf ihr Gegenüber gerichtet. Mit vorgestrecktem Hals und Kopf nähern sie sich dem fremden Individuum. Ihr Maul ist leicht angespannt, wobei sie die Oberlippe erkundend vorschieben. Auch Neugierde erweckenden Gegenständen nähern sich die Esel auf diese Weise.

Begrüßen/Erkunden

Interesse

Beobachtet der Esel ein Geschehnis aus Distanz, so richtet er mit erhobenem Kopf und nach vorne gerichteten Ohren seinen Blick konzentriert auf das Objekt.

Interesse

Dösen

Wenn Esel dösen, ruhen ihre Ohren locker zur Seite geneigt oder nach hinten gerichtet. Ihre Augen sind halb geschlossen. Das Maul ist weich, die Maulspalte lang und manchmal hängt die Unterlippe entspannt und schlapp hinunter.

Dösen

Angst/Misstrauen

Fürchten sich die Esel, nehmen sie eine Alarmstellung ein. Sie erstarren mit erhobenem Hals und Kopf. Die Ohren werden entweder nach hinten gerichtet oder abwechslungsweise nervös nach vorn und wieder nach hinten bewegt. Das Maul ist steif, die Maulspalte kurz und ihre Augen wirken unsicher und sind weit geöffnet.

Angst/Misstrauen

Unterlegenheitshaltung

Die Unterlegenheitshaltung kann auch als Beschwichtigungsverhalten betrachtet werden. Dabei ist der Kopf des Esels gesenkt und die Ohren sind leicht angelegt. Der Esel macht kauende Bewegungen, welches auch als Fohlenkauen bezeichnet wird und signalisiert, dass er sich unterwirft.

Rossigkeitsgesicht

Das Maul ist weit geöffnet und die Maulwinkel sind stark gerundet und hochgezogen. Mit leicht herausgestreckter Zunge und sabbern deutet er eine Art Kaubewegung an. Stuten zeigen auf diese Weise ihre Paarungsbereitschaft. Oft behalten sie dann das Maul auch starr aufgerissen. Dieser Gesichtsausdruck wird Rossigkeitsgesicht genannt.

Rossigkeitsgesicht

Hengstgesicht

Einen besonderen Gesichtsausdruck zeigen erregte Hengste, wenn sie eine Stute treiben oder sich ihr von hinten nähern und sie bespringen. Dabei schieben sie bei geschlossenem Maul und festem Kinn ihre Oberlippe weit nach vorn und ziehen sie über die Unterlippe hinab. Ihre Ohren sind angespannt auf die Stute gerichtet oder flach angelegt, falls sie die Stute treiben.

Hengstgesicht

Rufen

Während des „IAH-Schreis“ hält der Esel sein Maul weit geöffnet. Seine Zähne sieht man dabei nicht, die Zunge ist aber gut erkennbar, da sie ein wenig vorgeschoben und leicht gewölbt wird. Die Ohren richtet der Esel, je nach Anlass des Rufens, unterschiedlich aus. Zu einem Begrüßungsruf werden sie leicht nach hinten gestellt, für einen Drohruf flach angelegt, und zwecks Stutenwerbung sind sie aufrecht auf das Objekt der Begierde gerichtet.

Rufen

Gähnen

Gähnen ist auch unter den Eseln keine Seltenheit, und wie bei uns Menschen kann es unterschiedlich in der Intensität ausfallen. Ein herzhaftes Gähnen lässt den Esel sein Maul weit öffnen. Er rümpft dazu die Nüstern und die Oberlippe, die den Blick auf die oberen Frontzähne freigibt. Den Hals und den Kopf streckt er vor, und seine Augen kneift er zu. Zum Schluss schüttelt er meistens den Kopf.

Gähnen

Flehmen

Beim Flehmen reckt der Esel seinen Kopf in die Höhe und schürzt die Oberlippe. Die Zähne bleiben geschlossen, sodass sie deutlich sichtbar werden. Daher wird wahrscheinlich das Flehmen von Laien meistens als Lachen interpretiert. Esel flehmen ein- oder mehrere Male in Folge. Man beobachtet es vor allem bei Hengsten, meistens im Zusammenhang mit Stutengerüchen.

Esel flehmen manchmal auch bei Schmerzen, dann allerdings nicht so ausdrucksstark.

Flehmen

Beißen

Beißen kommt in vielen Variationen vor. Abhängig vom Aggressionsgrad werden die Zähne mehr oder weniger gebleckt, und das Maul unterschiedlich weit aufgerissen. Die Ohren legt der Esel dabei aber immer flach an den Kopf und er rollt bedrohlich mit den Augen, sodass „das Weiße“ darin sichtbar wird.

Beißen

Putzgesicht

Diese Mimik zeigen die Esel häufig, wenn sie an Körperstellen gekratzt werden, wo sie es besonders gerne mögen. Dabei richten sie ihre Ohren entspannt seitwärts und spitzen die Oberlippe genüsslich zu, und manchmal durchfährt sie ein wohliges Zucken oder Vibrieren. Sie rekeln sich förmlich vor Behagen und verdrehen den Hals und den Kopf in Richtung „Kratzquelle“.

Betteln

Alle Sinne sind inständig auf das begehrenswerte Objekt fixiert, und Hals und Oberlippe werden vorgestreckt, um es möglicherweise zu erreichen. Manch ein Esel legt dabei seinen Kopf noch schief. In ungeduldiger Erwartung einer bevorstehenden Belohnung „spitzen“ die Esel ihr Maul, und meistens untermalen sie ihr Betteln akustisch mit rhythmischen Atemstößen oder mit einem jammernden Singsang.

Gestik

Die Ausdrucksbewegungen der Esel sprechen Bände. Für den Menschen spielen sie im Zusammenhang mit Umgang und Erziehung eine wichtige Rolle. Nur wer die Gesten der Esel richtig zu interpretieren vermag, kann in schwierigen Situationen korrekt handeln oder allgemein erfolgreich mit dem Esel kommunizieren.

Ruhen

Esel ruhen tagsüber und nachts in unterschiedlich langen Zeitabschnitten. Sie ruhen sowohl im Stehen als auch im Liegen. In der typischen Ruhehaltung stehen sie mit fast waagerechtem Hals und hängendem Kopf. Ein Hinterbein wird oft eingeknickt und entlastet und dabei mit der Hufspitze abgestützt. Männliche Esel schachten im Zustand der Entspannung häufig aus (Penis ausfahren).

Legt sich ein Esel hin, so nimmt er meistens die Kauerlage ein, manchmal mit aufgestütztem Kinn. Ein Esel legt sich nur dann flach auf die Seite, wenn er sich vollkommen sicher fühlt.

Ruhen

Unbehagen

Bei Angst, Stress oder Verunsicherung verkrampfen sich die Esel. Manchmal machen sie einen Buckel und stellen ihre Vorder- und Hinterbeine unter dem Körper nahe zusammen. Meistens wird auch der Schwanz eng an den Körper gepresst, die Kruppe gesenkt oder der Bauch hochgezogen. Der Hals ist meistens angespannt und aufgerichtet. Die Ohren sind steif nach hinten gerichtet, die Maulspalte ist kurz und das Kinn hart.

Ein Esel kann auch Teile dieses Erscheinungsbildes bei Frieren oder Schmerzen zeigen.

Unbehagen

Sympathie

Sympathie drücken die Esel aus, indem sie soziale Körperpflege betreiben, den Kopf auflegen, den Kopf oder den Körper aneinander reiben oder unter dem Hals durchlaufen. Bei der gegenseitigen Körperpflege stellen sich die Tiere umgekehrt parallel zueinander und beknabbern oder kratzen sich im Hals- und Schulterbereich, am Widerrist und am Rücken mit ihren Frontzähnen. Sie tun dies immer gleichzeitig. Hört eines damit auf, stellt auch das andere seine Aktivität ein.

Drohen/Streiten

Leichten Unmut bekunden Esel meistens mit Schwanzschlagen und steigern dieses mit zunehmender Missstimmung bis zum heftigen Schwanzpeitschen. Dabei sind ihre Ohren flach an den Kopf angelegt. In Konkurrenzsituationen drohen die Esel mit Ausschlagen, indem sie ein Hinterbein heben und unter den Bauch ziehen. Beißdrohungen sind ebenfalls ein untrügliches Warnsignal. Wollen die Esel einen Rivalen vertreiben, fixieren sie ihn und werfen ihren Kopf mit angelegten Ohren ruckartig hoch. Führt dies nicht zum gewünschten Erfolg, bewegen sie sich auf ihn zu.

Angriffslustige Esel fordern ihre Gegner mit Kneifen oder gegen sein Maul schnappen heraus. Manchmal schwingen sie ihren Kopf rhythmisch im Takt des Schrittes hin und her, indem sie offensiv auf ihr „Opfer“ zugehen.

Drohen/Streiten

Verjagen/Verteidigen

Stuten schüchtern ihre Gegner oft ein, indem sie ihnen das Hinterteil zuwenden. Um die Drohung zu verstärken, wird mit angelegten Ohren rückwärts auf das andere Tier zugegangen, um schließlich, wenn nötig, mit einem oder beiden Beinen gleichzeitig auszukeilen. Dieses Verhalten beobachtet man auch, wenn ein Esel einen Futterplatz erobert und verteidigt, oder wenn eine Stute ihr Fohlen vor Artgenossen abschirmen will.

Verjagen/Verteidigen

Kämpfen

Kämpfe finden fast nur unter männlichen Eseln statt. Sie versuchen sich gegenseitig in den Hals und in die Ohren zu beißen. Um auszuweichen, richten sie sich auf die Hinterbeine auf. Hat ein Esel seinen Rivalen mit den Zähnen am Hals zu fassen gekriegt, lässt er ihn so schnell nicht mehr los. Manchmal gehen kämpfende Esel in dieser Haltung längere Zeit im Kreise.

Mit Beißen in Hinter- und Vorderbeine wird ebenfalls gekämpft. Angriffe auf die Vorderbeine zwingen den Gegner „auf die Knie“, während Bisse in die Hinterbeine den Gegner mit der Hinterhand einknicken lassen.

Kämpfende Esel betreiben auch wilde Verfolgungsjagden. Mitten im Rennen dreht sich der Gejagte plötzlich um, und greift seinerseits wieder den Verfolger an. Meistens wird das Gerangel auch akustisch mit Brummen, Grunzen und Quietschen begleitet.

Beißen in Hals und OhrenBeißen in HinterbeineDominanz demonstrierenwilde VerfolgungsjagdAuskeilen mit Hinterbeinen

Im Verlauf eines Kampfes versuchen die Esel immer wieder, sich gegenseitig den Kopf aufzulegen und aufzureiten, um so ihre Dominanz zu demonstrieren.

Eine der heftigsten Kampfsituationen ist das kraftvolle Auskeilen mit beiden Hinterbeinen. Der schlagende Esel trifft meist die Brust des Gegners und kann sich so effektiv verteidigen.

Treiben

Stuten dirigieren ihre Fohlen, indem sie sie mit leicht angelegten Ohren und gestrecktem Hals vor sich her treiben. Falls der Zögling nicht spurt, verstärken sie ihre Gestik durch Schwanzschlagen und schubsen mit der Nase. Auch erwachsene Esel können einander auf diese Weise treiben.

Treiben

Ungeduld/Protest

Ungeduldige Esel machen durch Scharren mit einem Vorderhuf auf sich aufmerksam. Gelangweilte oder schlecht gelaunte Esel rempeln ihre Artgenossen an, vertreiben sie grundlos oder schubsen sie mit dem Kopf. Das Benagen der Stalleinrichtung ist ebenfalls ein beliebtes Protestverhalten.

Ein ruckartiges Hochwerfen des Kopfes drückt Ungeduld aus, damit will der Esel auf sich aufmerksam machen. Wenn sich Esel zwischen Partner und Fremde stellen oder durchdrängen, signalisieren sie ihren Anspruch auf den Partner. Auch das Kopfauflegen kann unter anderem auf Besitzanspruch hindeuten.

Spiel

Spielende Esel zeigen das gesamte Kampf-Repertoire. Manchmal verschwimmen die Grenzen zwischen Spiel und Ernsthaftigkeit, da die Esel eigentlich immer ziemlich hart miteinander umgehen. Wo Wallache gemeinsam leben, wird fast täglich gespielt. Ist ein geeigneter Gegenstand greifbar, wird er als Spielzeug verwendet. Meistens fasst ihn ein Esel mit den Zähnen und hält ihn seinem Spielkameraden auffordernd vor das Gesicht, bis dieser ebenfalls zupackt um anschließend ein Kräftemessen im Ziehen zu veranstalten.

Im Solospiel rennt ein Esel allein, während er immer wieder Bocksprünge einlegt oder in die Luft auskeilt. Als Ausdruck purer Lebensfreude galoppieren mehrere Esel gemeinsam über die Weide. Mit hoch erhobenem Hals, den Kopf abwechslungsweise nach links und rechts richtend und weit geblähten Nüstern toben sie sich aus und stimmen dazwischen einen gemeinsamen Chor aus IAH-Rufen an.

Aufreiten ist nicht ausschließlich der Paarung zugedacht. Hier dominiert eine Stute einen Wallach und macht ihm damit ihre Dominanz klar.Im Kampf versuchen sich die Esel den Bissen des Gegners zu entziehen, in dem sie sich auf die Hinterbeine stellen.Die Esel fordern sich gegenseitig zum Spiel auf. Vor allem die männlichen Tiere sind sehr aktiv.Wenn Esel sich gut leiden mögen, betreiben sie gegenseitige Fellpflege oder legen den Kopf auf den Partner. Hier könnte allerdings das Kopfauflegen dem anderen Esel gegenüber auch einen gewissen Besitzanspruch signalisieren.Esel legen sich nur dann flach auf die Seite, wenn sie sich vollkommen sicher fühlen.

GUT ZU WISSEN

Ein verändertes Verhalten des Menschen und dessen Körpersprache kann bei Eseln Furcht auslösen, vor allem wenn das Vertrauen noch nicht sehr gefestigt ist.

TIPP

Bei allen ernsthaften Verhaltensstörungen sollte man zunächst den Tierarzt aufsuchen, um klinische Ursachen auszuschließen.

Verhaltensstörungen

Wie groß die Lücken in der Verständigung zwischen Esel und Mensch tatsächlich sind, zeigen die zahlreichen Esel, die unerklärliche Verhaltensweisen entwickeln und damit bei ihren Betreuern oft Kopfzerbrechen auslösen. Aktionen wie Scheuen, Ausschlagen, Beißen, Bocken, Drängen, Rempeln oder permanentes Rufen sind meistens auf Haltungsfehler oder falsche Erziehung zurückzuführen. Gesundheitliche Störungen und Schmerzen können allerdings ebenfalls Grund für ein abnormales Benehmen sein.

Falls die Korrektur einer schlechten Angewohnheit ansteht, muss der Mensch damit beginnen, seinen eigenen Umgang mit dem Esel zu verändern. Wenn der Esel nun merkt, dass sein unerwünschtes Verhalten plötzlich nicht mehr funktioniert, wird er sich vorübergehend noch mehr anstrengen, um sein gewohntes Ziel zu erreichen. Deshalb ist es wichtig, ein angefangenes Programm konsequent durchzuziehen, sonst lernt der Esel mit der Unart noch intensiver weiter zu machen.

Zur Korrektur von unerwünschtem Verhalten ist es manchmal von Vorteil, wenn man sich nicht ausschließlich auf das Thema, welches Schwierigkeiten macht, konzentriert. Vielmehr sollte der Bereich Vertrauen, Selbstbewusstsein, Grenzen setzen und Rangordnungsprobleme klären zuerst behandelt werden. Anschließend funktioniert die Zusammenarbeit mit dem Esel auch im Detail besser.

Wenn der eigentlich geliebte Esel Probleme macht, ist es dem betroffenen Besitzer oftmals aus emotionalen Gründen nicht möglich, eine distanzierte und klare Sichtweise der Situation zu erhalten. Darum kann es von Vorteil sein, sich an kompetente Fachleute zu wenden.

GUT ZU WISSEN

Stuten werden, hormonell bedingt, während der Rosse gerne aggressiv oder zickig, aber auch übermäßige Anhänglichkeit kann auftreten.

DER KÖRPER

Wie perfekt muss ein Esel gebaut sein? Nach welchen Kriterien wird der Körper beurteilt? Was geschieht, wenn ein Esel Mängel aufweist?

Unter den Wildtieren herrscht eine natürliche Selektion. Nur zähe, starke und gesunde Tiere sind den Anforderungen der Wildnis gewachsen. Tiere mit mangelnder Widerstandskraft erkranken und gehen ein. Solche mit schlechtem Bewegungsapparat fallen Raubtieren zum Opfer. Nur die Besten unter ihnen überleben und pflanzen sich fort. Die Bedingungen, die an ein Haustier gestellt werden, sind dagegen nicht sehr hart. Es wird von den Menschen gepflegt, versorgt und eventuelle Schwächen kommen meistens kaum zum Vorschein, vor allem dann nicht, wenn das Tier ein Leben im Müßiggang führt und sich lediglich auf der Weide tummelt. Mängel und Schwächen zeigen sich in der Regel erst dann, wenn ein Tier seinen Körper gebraucht – also eine Leistung erbringen sollte. Ohne je einen Gedanken über die Qualität zu „verschwenden“, werden oft Esel willkürlich miteinander gepaart, ganz gleich ob sie zusammen passen oder Mängel in ihrem Erbgut tragen. Deren Nachwuchs ist in der Folge – hart ausgedrückt – ein Jahr niedlich und 30 Jahre unbrauchbar.

In anderen Bereichen der Tierzucht hat der züchterische Ehrgeiz die sehr umstrittenen sogenannten „Qualzuchten“ hervorgebracht. In der Eselzucht ist es glücklicherweise nur in seltenen Fällen so weit gekommen. Stattdessen sind aber aus unpassenden Anpaarungen Tiere hervorgegangen, die mindestens so stark an ihren körperlichen Mängeln leiden, wie die viel diskutierten Qualzüchtungen!

Natürlich werden die meisten Esel geliebt, so wie sie sind, und das ist auch in Ordnung, denn ein Esel für die Seele braucht keinen korrekten Körper. Kritisch wird die Situation erst, wenn ein Esel älter wird oder wenn er beschäftigt werden soll, also gesteigerte Anforderungen an den Körper auftreten.

GUT ZU WISSEN

In freier Wildbahn werden Tiere mit Schwächen schonungslos ausgerottet. Glücklicherweise können diese Tiere hierzulande dank menschlicher Fürsorge trotzdem gut überleben. Zur Zucht aber dürfen sie nicht eingesetzt werden, da sie ihre Mängel an die Nachkommen vererben.

INFO

Als Standard bezeichnet man in der Zucht von Tieren die von den Verbänden definierten und festgeschriebenen Merkmale, die als Zuchtziel angestrebt werden.

Standard

Der korrekte Körperbau eines Esels ist im sogenannten Standard festgelegt. Es gibt Rassestandards, die eine spezifische reinblütige Eselrasse beschreiben und bis ins letzte Detail charakterisieren. Für alle Esel, die keiner Rasse angehören, gelten die von Interessengemeinschaften und Zuchtverbänden geschaffenen Standards. In diesen allgemeinen Standards sind die Merkmale eines gesunden, kräftigen und harmonisch gebauten Esels festgehalten. Sie sind auf sämtliche Eseltypen und Eselgrößen anwendbar. Widerristhöhe, Fellfarbe und Abzeichen sind nur in Standards für reinblütige Eselrassen von Bedeutung.

Körperteile des Esels.1 Huf, 2 Krone, 3 Kastanie, 4 Röhrbein (Vordermittelfuß), 5 Karpalgelenk (Vorderfußwurzelgelenk), 6 Unterarm, 7 Oberarm, 8 Ellbogen, 9 Schulter, 10 Vorderbrust, 11 Unterbrust, 12 Bauch, 13 Genick, 14 Kehle, 15 Mähne, 16 Hals, 17 Widerrist, 18 Rücken, 19 Flanke, 20 Lende, 21 Hüfte, 22 Kruppe, 23 Knie, 24 Schwanz, 25 Oberschenkel, 26 Kniekehle, 27 Unterschenkel, 28 Sprunggelenk (Hinterfußwurzelgelenk), 29 Röhrbein, 30 Fesselgelenk, 31 Fessel, 32 Köte, 33 Ballen, 34 Stirn, 35 Auge, 36 Ganasche, 37 Nasenrücken, 38 Nüstern, 39 Maul, 40 Kinn, 41 Ohren

Gesamterscheinung

Der Esel soll eine harmonische Gesamterscheinung haben. Die einzelnen Körperteile müssen gut entwickelt sein und proportional zueinander passen. Er soll über anmutige, raumgreifende Gänge verfügen. Der Körper von Stuten ist länger gebaut als der von Hengsten. Hengste haben dafür einen kräftigeren Hals als Stuten. Dies sind sogenannte geschlechtsspezifische Merkmale.

Es gibt grundsätzlich zwei Eseltypen: den schweren, kaltblutartigen Schlag und den leichten, vollblutähnlichen Schlag. So oder so sollte der Esel freundlich, aufmerksam und interessiert sein und vor allem die spezielle Ausstrahlung besitzen, die eben nur den Eseln eigen ist!

GUT ZU WISSEN

Das Geschlechtsteil des Eselhengstes wird „Schlauch“ genannt. Im Gegensatz zum Pferd weist der männliche Esel am Schlauch rudimentäre Zitzen auf.

Die meisten Esel besitzen 18 Brustwirbel, es existieren aber auch Eselrassen, die 19 Brustwirbel haben. Im Unterschied zum Pferdeskelett weist das Eselskelett einen Lendenwirbel weniger auf. Die Anzahl der Schwanzwirbel schwankt je nach Rasse zwischen 16 und 18.

Skelett des Esels.1 Oberkiefer, 2 Unterkiefer, 3 Atlas (1.Halswirbel), 4 Halswirbel (7), 5 Brustwirbel (18), 6 Lendenwirbel (5), 7 Kreuzbein (5 Kreuzwirbel), 8 Schwanzwirbel (16 bis 18), 9 Rippen, 10 Dornfortsätze, 11 Brustbein, 12 Schulterblatt, 13 Oberarm, 14 Ellbogenhöcker, 15 Unterarm, 16 Erbsenbein (Hakenbein), 17 Griffelbein, 18 Röhrbein, 19 Gleichbeine, 20 Fesselbein, 21 Krongelenk, 22 Gleichbeine, 23 Hufbein, 24 Darmbeinhöcker, 25 Darmbein, 26 Sitzbeinhöcker, 27 Sitzbein, 28 Oberschenkelbein, 29 Kniescheibe, 30 Unterschenkelbein, 31 Fersenbein, A Schultergelenk, B Ellbogengelenk, C Karpalgelenk (Vorderfußwurzelgelenk), D Fesselgelenk, E Kronbein, F Hufbein, G Hüftgelenk, H Kniegelenk, I Sprunggelenk (Hinterfußwurzelgelenk)

INFO

Die langen Ohren des Esels unterstützen die Kühlung des Körpers – eine Anpassung des Tieres an seine Wüstenumgebung.

Kopf und Hals

Der Kopf des Esels darf nicht zu schwer und zu groß wirken. Die Augen sollen weit auseinander stehen, groß und ausdrucksstark sein. Die Ohren dürfen nicht schlapp hinunterhängen und müssen von der Größe her zum Esel passen. Jegliche Gebissanomalien sind als erhebliche Mängel zu betrachten und schließen einen Esel immer von der Zucht aus. Die Ganaschen (Backen) müssen kräftig und weit sein, damit der Esel in der Kehle nicht eingeengt wird (Ganaschenfreiheit). Der Hals muss durch eine gerade Ober- und Unterlinie begrenzt werden und zum Kopf hin verjüngt sein. Er sollte so lang wie möglich sein und sich harmonisch an Kopf und Schulter anfügen.

Obere Linie

Die meisten Esel besitzen keinen ausgeprägten Widerrist. Falls dieser erkennbar ist, sollte er kräftig und nicht einem schmalen Grat ähnlich sein. Die Schulter muss schräg und gut abgesetzt sein. Weite Rippen und eine weite, tiefe Brust sind erwünscht, damit viel Platz für die inneren Organe vorhanden ist. Eine gute, kräftige Oberlinie zeichnet sich durch einen möglichst geraden Rücken, der sich in fließendem Übergang an die Kruppe anfügt, aus. Vor allem bei Großeseln tritt fast immer eine schlechte Verbundenheit in der Lendenpartie auf. Da aber gerade diese Tiere gerne als Reittiere verwendet werden, eine schwache Lendenpartie jedoch solch eine Nutzung nur sehr eingeschränkt zulässt, muss dieses Merkmal besonders kritisch beurteilt werden. Die Kruppe selbst darf nicht zu kurz sein. Ebenfalls unerwünscht ist, wenn der höchste Punkt der Kruppe höher liegt als der höchste Punkt des Widerristes. Trifft dies zu, spricht man von „überbaut“. Von hinten betrachtet soll die Kruppe ein Oval bilden. Der Esel sollte eine schöne, kräftige und gut bemuskelte Hinterhand besitzen. Sein Schwanz – der Esel hat einen Schwanz mit Quaste, keinen Schweif – sollte weder zu tief noch sehr hoch angesetzt sein.

Fundament

Beine und Hufe müssen zum Tier passen. Die Hufe dürfen nicht zu klein oder unregelmäßig geformt sein. Sie müssen eine glatte Oberfläche aufweisen. Kurze Fesseln bieten im Vergleich zu langen eine höhere Stabilität. Ebenso verhält es sich mit dem Röhrbein. Ein kurzes Röhrbein ist kräftiger als ein langes. Die Beine müssen, von vorne betrachtet, gerade verlaufen. Hinten ist eine leicht „kuhhessige“ Stellung kein Nachteil, denn sie verleiht den Tieren eine hohe Trittsicherheit. Auch von der Seite gesehen müssen die Gliedmaßen gerade unter dem Körper stehen.

Die obere LinieVordergliedmaßenStellungen der Gliedmaßen

GUT ZU WISSEN

Das Streben nach einem korrekt gebauten Esel ohne körperliche Mängel hat nichts mit Eitelkeit zu tun. Es ist vielmehr der Wunsch nach einer gewissen Garantie, dass das Tier bis ins hohe Alter aktiv und ohne Gebrechen leben kann.

Mängel

Werden die vorgängig aufgeführten Kriterien nicht erfüllt, spricht man von Mängeln. Exterieurmängel sind nicht „bloß“ Schönheitsfehler – sie bereiten dem Esel Schwierigkeiten.

Jeder Mangel wirkt sich auf das Leistungsvermögen, die Gesundheit und das Wohlbefinden des Esels negativ aus (siehe Tabelle).

Fell

Der Esel präsentiert sich in jeder Jahreszeit in einem eigenen „Kleid“. Er beginnt im frühen Herbst, wenn die Tage kürzer werden, mit der Bildung des Winterfells. Dieses besteht aus bis zu 10 cm langem, dichtem Haar. Schlecht genährte und kranke Tiere entwickeln naturgemäß ein zu langes und grobes Winterhaarkleid. Sie schützen ihren schwachen Körper damit vor den Unbilden des Wetters. In ihrem Winterfell sehen die Esel richtig kuschelig aus. Auf der Stirn und über den Augen wachsen dichte Schutzhaare, die ihnen ein ganz anderes Aussehen verleihen als im Sommer.

EXTERIEURMÄNGEL

Mangel

Folgen

Senkrücken

Schwäche, keine Nutzung durch Reiten, problematisch für tragende Stuten

Langer, weicher Rücken

Wird mit zunehmendem Alter zu einem Senkrücken, keine Nutzung durch Reiten

Karpfenrücken

Schließt eine Nutzung durch Ziehen und Tragen aus

Großer Kopf

Stört den Esel in seinem Gleichgewicht, wird oft hängen gelassen

Kurzer Hals

Schlechtes Gleichgewicht

Gebissanomalien

Schwierigkeiten beim Zerkleinern des Futters, schlechte Verwertung, Koliken, häufige und kostspielige Zahnpflege notwendig, mit fortschreitendem Alter Verstärkung der Probleme

Fehlstellungen der Gliedmaßen

Stark eingeschränkte Leistungsfähigkeit, ungleichmäßige Abnutzung der Hufe, intensive Hufpflege notwendig, mit fortschreitendem Alter möglicherweise Arthrose in den fehlerhaft belasteten Gelenken

Schmale Brust

Kleines Lungenvolumen, enge Beinstellung

Enge Beinstellung

Schlechtes Gleichgewicht, Aneinanderstreifen der Gliedmaßen bei der Fortbewegung

Kurze Kruppe

Keine Schubkraft in der Hinterhand, bei Stuten wenig Platz für den Fötus

Steile Schulter

Kein Raumgriff in den Gängen

Eng angelegte Ellbogen

Keine Bewegungsfreiheit für die Beine

Schmal angelegte Rippen

Kleines Lungenvolumen

Weiche Fesseln, lange Fesseln

Überdehnung der Sehnen, Durchtrittigkeit möglich

Steile Fesseln

Stolpern, harter Gang

Im Verlaufe des Frühjahrs verlieren die Esel ihre langen Haare nach und nach. Der Frühjahrswechsel geht außerordentlich langsam von statten, sodass die Esel bis in den Hochsommer hinein noch vereinzelte Stellen mit Winterpelz tragen. Im Hochsommer erscheinen die Esel, wenn auch nur für kurze Zeit, in ihrem wunderbar feinen seidigen Sommerfell.

Das Fell des Esels ist nicht für regnerische Gegenden geschaffen. Es verhindert durch seine Dichte wohl ein Durchdringen des Wassers bei einem leichten Regenschauer, jedoch ein heftiger Guss oder lang anhaltende Niederschläge vermögen es zu durchnässen. Ein Esel mit vollgesogenem Fell wird von allein kaum mehr trocken und kann sich leicht eine Lungenentzündung holen.

Das dichte Winterfell schützt die Esel gut gegen Kälte, aber nur bedingt gegen Nässe.

Farbe und Zeichnung

Mit den Fellfarben der Esel verhält es sich ähnlich wie mit der Kleidung der Menschen – alles ist eine Frage des Geschmacks. „Erhältlich“ sind die Esel in fast allen Fellfarben, rein schwarze und vollkommen weiße sind aber etwas rar, goldfuchsfarbene sogar sehr selten. Die bei Pferden häufig vorhandenen weißen Abzeichen am Kopf (Blesse, Schnippe, Stern) oder an den Beinen (gefesselt, gestiefelt) sind bei Eseln nicht sehr deutlich vorhanden. Stattdessen besitzen sie ihre eigenen, eseltypischen Abzeichen. Die Mehrheit der Langohren zeichnet sich durch ein mehlfarbenes Maul und weiße Augenringe aus. An der Bauchunterseite und auf der Innenseite der Schenkel sind ebenfalls die meisten Esel weiß. Die auffälligste und zugleich auch berühmteste Fellzeichnung sind jedoch der dunkle Aalstrich und das Schulterkreuz.

Graue und braune Esel sind zahlenmäßig am häufigsten vertreten, wobei diese zwei Fellfarben selbst wieder zahlreiche Nuancen aufweisen. Das Farbspektrum reicht von kräftigen, dunklen Farben bis hin zu Pastelltönen. Auf hellerem Fell zeichnen sich Aalstrich und Schulterkreuz sehr deutlich ab. Das Schulterkreuz selbst ist bei jedem Esel, der eines trägt, anders geformt und von unterschiedlicher Farbintensität.

WICHTIG

Die Esel weisen weniger Hautfett auf als die Pferde. Ihr Fell ist nicht für Dauerregen eingerichtet und muss vor Durchnässung geschützt werden.

So unterschiedlich die Schulterkreuze auch ausfallen – ein gegabeltes ist eine besondere Rarität.Der weiße Strich am Rippenbogen dieses Esels ist ein erworbenes Abzeichen. Er zeugt von einer vergangenen Verletzung, als dieser von einem Wolf attackiert worden ist.

INFO

Obwohl „Grautier“ ein Synonym für Esel ist, ist noch lange nicht jeder Esel grau.

Mitunter weisen die Beine der Esel noch eine Querstreifung auf – ein Überbleibsel der Wildfärbung. Weiße oder sehr helle Esel mit grauen Flecken sowie gesprenkelte Esel haben meistens weder Schulterkreuz noch Aalstrich oder Beinstreifung.

In der Eselzucht sorgen die Fellfarben der Fohlen immer wieder für Überraschungen. Kein Züchter, ausgenommen derjenige, der reinblütige Eselrassen züchtet, kann mit Bestimmtheit die Farbe des Fohlens, das seine Stute erwartet, voraussagen. Graue Fohlen von braunen Eltern und schwarze Fohlen von weißen Eltern sind keine Ausnahme.

Immer populärer unter den Eseln und Pferden scheinen die Schecken zu werden. Scheckige Pferde wurden wegen ihrer übermäßigen Auffälligkeit von Pferdeexperten nie gerne gesehen. Auch schon in früheren Zeiten mochte man die Färbung nicht. So gab man scheckige Ponys billiger an die Zigeuner ab, die sie als einzige aufkauften. Heute jedoch liegen Schecken wieder im Trend.

Ein Albinoesel hat einen angeborenen, erblich bedingten Pigmentmangel. Bei totalem Albinismus hat das Tier weiße Haare und rötliche Augen. Teilalbinismus kann sich zum Beispiel nur durch blaue Augen äußern. Ein normal weißer Esel kann aufgrund seiner Haut von einem Albinoesel unterschieden werden: Die Haut eines normalen Esels ist schwarz, diejenige des Albinos ist unpigmentiert hell. Die Zucht mit Albinoeseln ist aus tierschützerischer Sicht abzulehnen, in vereinzelten Ländern ist sie sogar gesetzlich verboten, denn Albinismus führt bei Equiden zu vermehrten Totgeburten, Kolikanfälligkeit und Sehschwäche.

Albinoesel sind meistens kränklich. Auf das Züchten mit Albinos muss verzichtet werden.Vollkommen schwarze Esel werden „Schmuggleresel“ genannt.Auch scheckige Esel kommen häufig vor. Es gibt Zweifarbenschecken und Dreifarbenschecken.

Esel besitzen manchmal auch „erworbene“ Abzeichen. So nennt man weiße Fellfärbungen, die nicht angeboren sind, sondern durch eine Hautverletzung entstanden sind. Die Haut ist nach einer schweren Verwundung nicht mehr in der Lage, Farbpigmente zu bilden und dadurch sprießen dort raue, weiße Haare. Oft sieht man diese weißen Flecken in der Sattellage und kann daraus schließen, dass das Tier von schlecht sitzenden Sätteln oder Geschirrteilen Drücke und Wunden erlitten hat. Aber auch am Hals von Hengsten und Wallachen finden sich ab und zu ein paar weiße Haare, die von kräftigen Bissen ihrer Rivalen zeugen. Importesel haben häufig weiße Ringe um die Fesseln oder einen weißen Strich um den Hals. Man kann sich unschwer vorstellen, wie diese Tiere behandelt worden sind!

GUT ZU WISSEN

Unnatürlich geformte weiße Fellpartien sind meistens das Resultat von schweren Verwundungen, verursacht durch Anbindestricke oder unzureichende Ausrüstung.

Mähne und Schwanz

Die Mehrheit der Esel besitzt eine Stehmähne, die ab und zu von ihren Besitzern adrett zurechtgestutzt wird. Aber auch die Hängemähnen, wie Pferde sie tragen, kommen bei Eseln vor, oft fällt sie jedoch nicht sehr üppig aus. Der Schwanz weist lediglich am unteren Teil, an der Quaste Langhaar auf. Meistens sehen Eselschwänze eher kümmerlich aus, denn die Haare wachsen sehr langsam und nicht sehr dicht. Wehe dem, der einen „Schwanzfresser“ im Stall hält! Hat nämlich ein Esel am Langhaarknabbern erst einmal Gefallen gefunden, ist er mit allen bitter schmeckenden Antikaumitteln nicht mehr davon abzuhalten, diesem „Hobby“ zu frönen. Schon manch wunderbarer Pferdeschweif fiel, zum Leidwesen aller Beteiligten (außer dem Esel natürlich) der lästigen Knabberei zum Opfer …!

GUT ZU WISSEN

Die Grundgangarten der Esel sind Schritt, Trab und Galopp. Manchmal bewegen sich Esel auch in dem „schaukelnden“ Passgang fort, so wie es die Kamele tun.

Gangarten

Der Esel wird als Kreuzgänger bezeichnet, das heißt, die diagonalen Beinpaare sind jeweils in Aktion. Die Fortbewegung erfolgt im Schritt, Trab und Galopp. Ab und zu kann auch der Passgang beobachtet werden.

Esel legen kein atemberaubendes Tempo an den Tag, obwohl sie – wenn nötig – durchaus in der Lage dazu sind. Beobachtungen von Wildeseln ergaben, dass diese im Galopp auf der Flucht eine Geschwindigkeit von bis zu 70 km/h erreichen. Aber bei einem schönen Ausflug befindet man sich ja nicht auf der Flucht! Wenn dieselben Wildesel auf dem Weg zu einer Wasserstelle sind, gehen auch sie langsamer, nämlich im steten Schritt mit 3,2 km/h.

Ein Eselgespann mit Eseln mittlerer Größe legt in einer Stunde, abwechselnd im Schritt und im Trab gefahren, 5 bis 6 km zurück. Die ungefähren Durchschnittsgeschwindigkeiten betragen:

im Schritt 4 bis 5 km/h

im Trab 7 bis 12 km/h

im Galopp 13 bis 20 km/h

Der Schritt ist eine schreitende Bewegung im Viertakt, bei der immer entweder zwei oder drei Hufe am Boden sind.Der Trab ist eine Bewegung im Zweitakt, bei der zwei diagonale Beine gleichzeitig vorwärts bewegt werden. Es befinden sich – mit einer Sprungphase dazwischen – immer die diagonalen Hufe am Boden.Der Pass ist eine Bewegung im Zweitakt, bei der die gleichseitigen (lateralen) Beine miteinander vorwärts bewegt werden, so dass immer zwei Hufe gleichzeitig am Boden sind. Der Pass kann in Schritt- und in Trabgeschwindigkeit vorkommen.Der Galopp ist eine Bewegung im Dreitakt, die aus der Folge von aneinander gereihten Sprüngen besteht. Der Galopp ist eine asymmetrische Gangart. Je nachdem, welches Vorderbein führt, unterscheidet man zwischen Rechts- und Linksgalopp (im Bild Rechtsgalopp).

DIE SPEZIES ESEL

GUT ZU WISSEN

Aus den Statistiken der FAO (Stand 2010) geht hervor, dass Asien mit über 18 Mio. Eseln oder 43,75 % die stärkste Eselpopulation der Welt aufweist. Afrika folgt mit 36,84 %, Amerika mit 17,54 % und Europa mit nur 1,87 %, was einer Anzahl von etwas weniger als 800 000 000 entspricht. Insgesamt leben auf unserer Erde 42 Mio. Esel.

Rassen

Die meisten Eseltypen sind aus territorial bedingter Isolation mit unterschiedlichen Haltungs- und Ernährungsverhältnissen entstanden. Systematisch entwickelte Eselrassen gibt es nur wenige. In früheren Zeiten, als die Esel wertvolle Arbeitstiere in der Landwirtschaft und wichtige Vererber in der Maultierproduktion waren, wurde der Zucht reinblütiger Rassen noch viel Bedeutung beigemessen. Mit zunehmender Mechanisierung aber verloren Esel und Maultiere ihren Stellenwert. Die Menschen hatten kein Bestreben mehr rassenreine Tiere weiterhin zu züchten und zu erhalten. Durch das Desinteresse der Eselzüchter dezimierten sich die Bestände reinrassiger Esel mit den Jahren so stark, dass sie nahezu ausstarben. Sozusagen in letzter Minute haben engagierte Leute Alarm geschlagen und auch die Ministerien der Länder darauf aufmerksam gemacht, dass mit den reinblütigen Eseln ein lebendes Kulturgut verloren zu gehen droht. Verschiedene Interessengemeinschaften und Zuchtverbände haben daraufhin die Initiative ergriffen und versucht wieder Ordnung in die Zucht zu bringen und das Fortbestehen der gefährdeten Rassen mittels sorgfältiger Auswahl der Zuchtesel nach altem Standard zu sichern. Aufgrund der Seltenheit der Esel und der damit verbundenen schmalen Zuchtbasis kommt es leider bei vielen Tieren solcher „geretteten“ Rassen zu Erbkrankheiten.