Essen gegen Herzinfarkt - Caldwell B. Esselstyn - E-Book

Essen gegen Herzinfarkt E-Book

Caldwell B. Esselstyn

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Beschreibung

Herzgesund mit pflanzenbasierter Ernährung

Koronare Herzkrankheiten sind vermeidbar oder umkehrbar, der Schlüssel zum Erfolg liegt in der Ernährung. So haben auch hohe Werte an Cholesterin und Bluthochdruck keine Chance. Dr. Esselstyn, international anerkannter Arzt, stellt sein revolutionäres Herz-Ernährungsprogramm vor: rein pflanzlich, ohne Fette und äußerst nährstoffreich. Die Wirksamkeit wurde in über drei Jahrzehnten und vielen Studien bewiesen.

  • Wissenschaftliche Hintergründe: Wie hängen Herz und Ernährung zusammen?
  • Einfache Strategien: So gelingt die Ernährungsumstellung
  • Über 160 schmackhafte Rezepte: schnelle Snacks bis nahrhafte Hauptgerichte

Esselstyns Botschaft ist so einfach wie radikal: Wer anders isst, erkrankt erst gar nicht am Herzen! Und wer seine Ernährung nach einem Herzinfarkt umstellt, hat beste Chancen, ohne Medikamente und Operation ein gutes Leben zu führen.

 

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Seitenzahl: 346

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Essen gegen Herzinfarkt

Das revolutionäre ErnährungskonzeptAus dem Amerikanischen übersetzt von Ulla Schuler

Caldwell B. Esselstyn

3. Auflage 2022

25 Abbildungen

Widmung

Ich widme dieses Buch meiner Frau Ann Crile Esselstyn, die allem einen Sinn gibt.

Und meinen ersten Studienpatienten, die mir ihr Vertrauen schenkten.

Vorwort von T. Colin Campbell

Eines Morgens im Sommer 1991 rief mich ein Chirurg der renommierten Cleveland Klinik im Bundesstaat Ohio an. Er hatte gerade in der New York Times einen Bericht über unsere Studie zu Ernährung, Lebensstil und Gesundheit in China gelesen und interessierte sich für die vorläufigen Ergebnisse. Er lud mich ein, im Herbst bei einer Tagung in Tucson, Arizona, darüber zu referieren. Die Veranstaltung trug den ehrgeizigen Titel »Die erste nationale Konferenz über die Eliminierung der koronaren Herzkrankheit«.

Ich fand das Thema so interessant, dass ich zusagte. Mich beeindruckte aber auch, dass dieser Dr. Esselstyn, der Anrufer, es geschafft hatte, namhafte Herzspezialisten zur Teilnahme zu bewegen, unter ihnen der Leiter der Framingham-Herzstudie, William Castelli, und Dr. Dean Ornish, der neuerdings mit seiner Arbeit über die Heilungsmöglichkeiten bei Herzkrankheiten durch Umstellung der Ernährung und des Lebensstils bekannt geworden war. Die Tagung würde eine Provokation sein, so viel war sicher. In meinem akademischen Umfeld war es damals riskant, auch nur einen schwachen Zusammenhang zwischen Ernährung und Herzkrankheit anzudeuten. Aber Eliminierung der koronaren Herzkrankheit? Das bedeutete einen Paradigmenwechsel.

Die Tagung war höchst erfolgreich – und provozierte natürlich. Ein ebensolches Echo hatte eine weitere Tagung, die Dr. Esselstyn mit Michael Eisner, dem Präsidenten der Walt Disney Company in Orlando, Florida, organisierte.

Seit damals haben meine Frau Karen und ich Dr. Esselstyn – »Essy«, wie ihn seine Freunde nennen – und seine energische Frau und Kollegin Ann gut kennengelernt. Oft hielten wir Vorträge bei denselben Veranstaltungen. Und ich wurde mit seiner beachtlichen Forschung samt den Ergebnissen und den wesentlichen Schlussfolgerungen daraus sehr vertraut.

Dr. Esselstyns Arbeit zählt zu den sorgfältigsten und bedeutendsten medizinischen Untersuchungen des vergangenen Jahrhunderts. Sein Ziel – die Ausrottung der koronaren Herzkrankheit – mag zu unseren Lebzeiten noch nicht erreicht werden, aber er hat dargelegt, dass und wie es gelingen kann. Seine Entschlossenheit, weiter zu forschen und uns Übrigen seine Erkenntnisse zu vermitteln, und zwar gegen den heftigen Widerstand der etablierten Medizin, ist ein Zeugnis seines persönlichen und beruflichen Mutes und seiner Integrität.

Dieses Buch sollte für gesundheitsbewusste Leser ebenso wie für die Hochschullehrer in Klinik und Forschung Pflichtlektüre sein. Wer diese Botschaft ignoriert, tut es auf eigene Gefahr. Weder jetzt noch in Zukunft wird es pharmazeutische Wunder noch medizinische Tricks geben, die Esselstyns Erkenntnisse überbieten könnten.

T. Colin Campbell

Emeritierter Ordinarius für Biochemie der Ernährung an der Cornell University und Mitautor der China Study (2005)

Einleitung

Dieses Buch entstand aus den dramatischen Erfahrungen von 23 Männern und einer Frau, die mich vor über 20 Jahren verzweifelt und hoffnungslos konsultierten. Damals arbeitete ich als Chirurg an der renommierten Cleveland Klinik. Seit vielen Jahren hat sie den Ruf, die beste Herzklinik der Welt zu sein. Und in der Tat können die beachtlichen Innovationen und hervorragenden chirurgischen Techniken, die meine Kollegen in ihrem Fach eingeführt haben, gar nicht genug gerühmt werden.

Allerdings verfügt ein Chirurg nur begrenzt über Möglichkeiten, bei einer tödlichen Erkrankung therapeutisch einzugreifen, und den Patienten, denen ich dieses Buch widme, mussten die Ärzte an unserer Klinik verkünden, dass sie ihnen leider nicht mehr helfen konnten. Für den Patienten und den Arzt ist das immer die schlimmste Situation – wenn letzten Endes ein Todesurteil verkündet werden muss. Und in dieser Situation befanden sich damals im Jahr 1985 die meisten dieser Patienten. Es waren schlicht Menschen in körperlich und seelisch elender Verfassung, die damals in mein Sprechzimmer kamen.

Besonders bedrückend für die Patienten, die zuvor erfolgreich in der chirurgischen Abteilung unserer Klinik behandelt worden waren, war die Erkenntnis, dass all die Eingriffe, die man zu ihrer Rettung vorgenommen hatte – mehrfache Operationen am offenen Herzen, zahlreiche Gefäßplastiken, Stents und jede Menge Medikamente –, offenbar nichts mehr brachten. Von den Männern waren fast alle impotent geworden. Die meisten hatten furchtbare Schmerzen in der Brust, Angina pectoris. Diese war bei einigen Patienten so massiv, dass sie sich nicht hinlegen konnten und im Sitzen schlafen mussten. Nur wenige der Patienten waren zu längeren Spaziergängen imstande, manche konnten nicht einmal ohne Schmerzen durch ein Zimmer gehen. Einige von ihnen waren also dem Tod näher als dem Leben.

Auf die harten Bedingungen, die ich für die Teilnahme an meinem Therapieversuch – von dessen Wirkung ich überzeugt war – stellte, ließen sie sich zweifellos nur ein, weil sie keine Wahl mehr hatten.

Was sie für die Therapie aufgeben müssten, so erklärte ich ihnen, würde jedem Amerikaner schwerfallen, der sich überwiegend von Fast Food, dicken Steaks und fettreichen Milchprodukten ernähre. Wenn sie jedoch bereit wären, eine Ernährungsweise zu befolgen, wie sie für zwei Drittel der Weltbevölkerung üblich ist, dann würden sie mit hoher Wahrscheinlichkeit dem Todesurteil, das ihre Ärzte ihnen verkündet hatten, entgehen. Im weiteren Verlauf konnten wir beweisen, dass die häufigste Todesursache der Amerikaner – Herzkrankheiten – ein Papiertiger war, der besiegt werden konnte, und zwar ohne das Skalpell des Chirurgen.

Praktisch jeder weiß heutzutage, dass die Ernährungsweise eine Rolle dabei spielt, ob wir irgendwann herzkrank werden oder nicht. Als ich zu studieren begann, war das keineswegs allgemein anerkannt. Doch auch aus einem Gefühl persönlicher Bedrohung – in meiner Familie starben alle früh – hatte ich angefangen, über Alternativen zu diesem Schicksal nachzudenken, und kam auf die Idee mit der fettarmen, pflanzenbasierten (vegetabilen) Ernährung. Zufällig schlug mein Freund Dr. Dean Ornish an der Westküste damals den gleichen Weg ein. Zu der Zeit hatten wir, an den entgegengesetzten Orten des Kontinents angesiedelt, noch nie voneinander gehört.

Nahezu alle Patienten, die zu mir kamen und denen man damals – vor 20 Jahren – wenig Hoffnung gemacht hatte, sind noch am Leben und ihre arteriellen Erkrankungen haben sich zurückgebildet. Sie sind der lebende Beweis für Ihre Chancen und die eines jeden, der sich dafür entscheidet, das Nötige zu tun, um keinen Herzinfarkt zu bekommen. Und sie machten mir ein kostbares Geschenk: ihr Vertrauen, während ich Hunderte weiterer Patienten zu behandeln begann.

Diesen allerersten Patienten widme ich mein Buch im Gedenken an unser gemeinsames Abenteuer – die neuartige Behandlung der koronaren Herzkrankheit – und daran, wie sie erneut ihr Leben in die Hand nahmen, ihre Ernährung und ihre Lebensweise umstellten und neue Lebensfreude gewannen.

Es geht um einen einfachen, von Grund auf hoffnungsvollen Weg, auf dem Sie zu einem langen und lohnenden Leben finden werden.

Ich werde Ihnen jetzt die Geschichte meiner Patienten und unserer Forschungsarbeit erzählen und was wir daraus gelernt haben.

Inhaltsverzeichnis

Titelei

Widmung

Vorwort von T. Colin Campbell

Einleitung

Was mir am Herzen liegt

Essen, um zu leben

Der Herzinfarkt: Todesursache Nr. 1

Viele Ärzte behandeln lieber, als vorzubeugen

Essen Sie rein pflanzlich!

Immun gegen Herzinfarkt und andere Erkrankungen

Kathedralen der Krankheit

Sogar Kardiologen zweifeln am eigenen Vorgehen

Herz-OPs sind sehr lukrativ

Pflanzenkost ist nicht radikal, sondern normal!

Mit reiner Pflanzenkost bleibt Ihr Herz fit

Wir müssen dazulernen!

Ich wollte nicht operieren, sondern gesund erhalten

Fett verstopft die Herzkranzgefäße

Was passiert bei einem Herzinfarkt?

Langsam begriffen wir die Zusammenhänge

Hohe Blutfette begünstigen Herzkrankheiten

Ich wurde mein eigenes Versuchskaninchen

Der Weg zur Heilung

Erste Studie mit 24 Patienten

Ich unterstützte und betreute jeden Einzelnen

Intensive Aufklärung zu Beginn

Regelmäßige Kontrollen

Sport oder Meditation waren keine Bedingungen

Fast alle blieben dabei!

Herzkrankheiten: die Basics

Die Framingham-Herzsstudie

Warum ist der Cholesterinwert so wichtig?

Fette verkleben die Blutgefäße

Wie Plaques entstehen

Warum sind Plaques so gefährlich?

Bypässe und Stents helfen oft nur vorübergehend

Das Leiden an der Wurzel packen

Maßhalten allein kann tödlich sein

Es reicht nicht, etwas weniger Fett zu essen

Unsere Ernährungsrichtlinien sind falsch!

Kein Cholesterin, keine Fette

Der Cholesterinwert muss immer unter 150 mg/dl bleiben

Hohe Blutfettwerte schaden dem Endothel

Eine fettreiche Mahlzeit schädigt die Gefäße über Stunden

Warum Cholesterinsenker allein der falsche Weg sind

Auch der Entzündungsmarker hsCRP war erhöht

Stickoxid ist wichtig für die Blutgefäße

Vegane Ernährung fördert die NO-Bildung

Die Durchblutung läuft wieder!

Die lebenden Beweise

Der Cholesterinwert sank um mehr als 100 mg/dl

Das Herz wurde wieder versorgt

Leistungsfähiger und aktiver

Wie erging es den frühen Studienabbrechern?

Warum hat mir das keiner gesagt?

Cholesterinwerte bis zu 300 mg/dl galten als normal

Was geht hier vor?

Das Landwirtschaftsministerium entscheidet, was wir essen sollen

Ungesunde Empfehlungen

Getreide

Milchprodukte

Gesättigte Fette

Gesamtfett

Fettarme Produkte

Keine Organisation redet Klartext

Wir müssen die Menschen aufklären!

Was empfehlen die Experten?

Fettarm bedeutet nicht geschmacksarm

»Wenn ich das nur vorher gewusst hätte!«

Einfache Schritte

Was sollte ich meiden?

Empfohlene Lebensmittel

Gemüse in allen Farben

Jede Menge Hülsenfrüchte

Die Vielfalt der Vollkornprodukte nutzen

Alle Obstsorten sind erlaubt

Getränke

Vorsicht bei vermeintlich fettfreien Produkten

Empfehlenswerte Nahrungsergänzungsmittel

Warum sind Cholesterinsenker so wichtig?

Häufige Fragen

Schaffe ich die Umstellung?

Bekomme ich genug Fett und Eiweiß?

Ist ein niedriger Cholesterinspiegel schädlich?

Werde ich genug Kraft und Energie haben?

Und wenn mein Cholesterin nicht unter 150 mg/dl sinkt?

Bestimmen meine Gene, ob ich herzkrank werde?

Was ist mit »herzgesundem Öl«?

Die legendäre Mittelmeerdiät

»Verblüffende« Ergebnisse der Herzdiät-Studie von Lyon

Olivenöl ist nicht »herzgesund«!

Auch einfach ungesättigte Fette sind schädlich

Das Olivenöl war schuld

Pioniere der pflanzlichen Ernährung

Campbell: Autor der China Study

Pritikin lernte von den Tarahumara-Indianern

Dr. McDougall praktizierte auf Hawaii

Dr. Ornish vertritt ein ähnliches Programm wie ich

Ornishs Patienten mussten meditieren und Sport treiben

Bei 99 % war die Erkrankung zum Stillstand gekommen

Mit 12 Jahren hat meine Studie das längste Follow-up

Dr. Attwood forderte auch für Kinder fettarme Pflanzenkost

Mögen Kinder gesundes Essen?

Schöne neue Welt

Die Kosten im Gesundheitswesen explodieren

Am teuersten sind die Folgen der Zivilisationskrankheiten

Schlaganfall: dritthäufigste Todesursache in den USA

Ein Schlaganfall durch Einblutung ist selten

Meist ist eine hirnversorgende Arterie verstopft

Je dicker die Plaque, desto häufiger kommt es zu Schlaganfällen

Gefahr für das Gehirn

Die Gesundheit der Arterien ist entscheidend

Das Sexualleben blüht auf

Sie haben es in der Hand

Die meisten Herz-OPs ließen sich vermeiden

Die invasive Behandlung ist oft nicht gerechtfertigt

Pflanzenkost statt Skalpell

Die Zahlen sprechen für sich

Erst zu mir, dann in den OP

Ich setze auf die Aufklärung der Menschen

Die Freude am Essen

Einfache Strategien

Wir sind süchtig nach Fett

Welche Hürden können auftauchen?

Sie haben große Gelüste auf fettreiche Speisen

Sie sind zum Essen eingeladen

Sie essen auswärts im Restaurant

Sie sind auf Reisen

Tipps von Ann Crile Esselstyn

Cocktailtomaten statt Kekse

Regeln für eine herzgesunde Ernährung

Verzichten Sie auf Salz

Gut frühstücken

Salat, Salat, Salat

Wie wäre es mit einem Wrap zum Mittag?

Gemüsiges Abendessen

Achten Sie auf versteckte Fette

Essen Sie nur Vollkornprodukte

Backen ohne Eier

Hören Sie auf Ihren Appetit

Die erste Mahlzeit am Tag

Schlemmen mit Salat

Soßen, Dips und Dressings

Gemüse – einfach und lecker

Suppen: sämig und lecker

Sandwiches für jede Gelegenheit

Hauptgerichte

Desserts und Kuchen

Danksagung

Service

Glossar

Publikationen des Autors zu Herzerkrankungen

Quellenangaben

Autorenvorstellung

Sachverzeichnis

Impressum/Access Code

Was mir am Herzen liegt

Wie ich zum »Pionier der veganen Ernährung« wurde und wie unsere Ernährungsweise mit Herzinfarkten und anderen Zivilisationskrankheiten zusammenhängt.

Essen, um zu leben

Es ist der westliche fett- und fleischreiche Ernährungsstil, der die Blutgefäße verstopft und zu der hohen Zahl von Herzinfarkten in den Industrieländern führt – davon bin ich überzeugt!

»Es passierte an einen Freitag im November 1996. Ich hatte den ganzen Tag operiert. Ich beendete meine Arbeit, verabschiedete mich von meiner letzten Patientin. Und dann bekam ich blitzartig fürchterliche Kopfschmerzen. Ich musste mich hinsetzen. Eine oder zwei Minuten später bekam ich Schmerzen im Brustkorb. Sie strahlten in den linken Arm, die Schulter und in den Kiefer aus.«

Dies sind Worte meines Kollegen Joe Crowe, meines Nachfolgers als Leiter der Arbeitsgruppe Brustkrebs an der Cleveland Klinik. Er erlitt einen Herzinfarkt. Er war erst 44 Jahre alt. Weder gab es Herzkrankheiten in seiner Familie, noch war er übergewichtig oder zuckerkrank; er hatte keinen Bluthochdruck und keinen erhöhten Cholesterinspiegel. Er war also keineswegs der übliche Kandidat für einen Herzinfarkt. Dennoch hatte es ihn erwischt – und zwar heftig.

Ich erzähle hier die Krankengeschichte von Joe Crowe und die vieler anderer Patienten, die ich in den vergangenen 20 Jahren behandelt habe. Mein Thema ist die koronare Herzkrankheit, ihre Ursache und die revolutionäre Behandlung, die jeder sich leisten kann, die das Leiden heilen kann und die Joe Crowe sowie vielen anderen das Leben gerettet hat. Meine Botschaft ist unmissverständlich und grundsätzlich: Die koronare Herzkrankheit muss nicht sein, und wenn sie auftritt, lässt sich ihr Fortschreiten verhindern. Mein Traum ist, dass wir Herzkrankheiten, diese Geißel der wohlhabenden, modernen westlichen Welt, und eine beachtliche Zahl weiterer chronischer Krankheiten eines Tages besiegt haben werden.

Der Herzinfarkt: Todesursache Nr. 1

Hier die Fakten: Die koronare Herzkrankheit steht bei Männern und Frauen der westlichen Zivilisation an der Spitze der Todesursachen. Allein in den Vereinigten Staaten sterben alljährlich mehr als eine halbe Million Menschen daran. Drei Mal so viele erleiden einen Herzinfarkt, sagt die Statistik. Und etwa weitere 3 Millionen haben einen »stummen Herzinfarkt« mit minimaler Symptomatik und erfahren erst später davon, dass sie in Lebensgefahr schweben. Im Laufe ihres Lebens wird einer von 2 Amerikanern und eine von 3 Amerikanerinnen herzkrank.

Die Kosten für Herzkrankheiten sind enorm – deutlich höher als für jede andere Krankheit. Sie kosten die Vereinigten Staaten jährlich mehr als 250 Milliarden Dollar. Das ist ungefähr so viel, wie die ersten zweieinhalb Jahre des Militäreinsatzes im Irak den Staat kosteten, und gut doppelt so viel, wie die US-Bundesregierung alljährlich insgesamt für Forschung und Entwicklung ausgibt – und zwar einschließlich der Gelder für Forschung und Entwicklung der Verteidigung und nationalen Sicherheit. ▶ [1]

Die schockierendste Tatsache ist jedoch, dass fast das gesamte Geld aufgewendet wird, um Symptome zu behandeln. Das sind also Ausgaben für Herzmedikamente; für Präparate, die Blutgerinnsel auflösen; für teure Medizintechnik wie Bypässe oder Aufdehnung mit Ballons bei verstopften Arterien; für rotierende Mikroskalpelle; für Laser und für Stents. Die Anwendung all dieser therapeutischen Technik ist mit einem hohen Risiko schwerer Komplikationen bis hin zum Tod verbunden. Und selbst wenn Eingriffe erfolgreich sind, bringen sie nur vorübergehend Symptomfreiheit. Sie tragen nichts dazu bei, die Grundkrankheit zu heilen oder deren Entstehung bei anderen potenziellen Opfern zu verhüten.

Die Zahlen aus Deutschland sind genauso alarmierend

Auch in Deutschland sind Herzerkrankungen die häufigsten Erkrankungen und Todesursachen:

Rund 1,5 Millionen Menschen haben eine koronare Herzkrankheit (KHK), und 300 000 Menschen erleiden jedes Jahr einen Herzinfarkt (Quelle: Deutsche Herzstiftung).

Im Jahr 2012 sind in Deutschland rund 55 000 Menschen an einem Herzinfarkt gestorben (Quelle: Statistisches Bundesamt).

Herz-Kreislauf-Leiden verursachen die höchsten Kosten im Gesundheitssystem. Im Jahr 2008 waren es 37 Milliarden Euro (Quelle: Statistisches Bundesamt).

Viele Ärzte behandeln lieber, als vorzubeugen

Ich glaube, dass wir Ärzte auf dem falschen Weg sind. Es kommt mir vor, als würden wir einfach dastehen und zusehen, wie Millionen Menschen auf eine Klippe zusteuern und wir in einer letzten Anstrengung verzweifelt versuchen, sie zu retten, wenn sie bereits in den Abgrund gestürzt sind. Stattdessen sollten wir sie lehren, dem Abgrund überhaupt fernzubleiben und sich in gebührendem Abstand von ihm zu bewegen, sodass sie gar nicht abstürzen können.

Ich glaube, dass die koronare Herzkrankheit verhindert werden kann, dass sogar die beginnende Erkrankung sich aufhalten lässt und ihre heimtückischen Folgen sich zurückbilden können. Ich glaube, und meine Arbeit in den vergangenen 20 Jahren hat es bewiesen, dass dies ohne großen technischen Aufwand und mit minimalem Einsatz von Medikamenten geleistet werden kann. Der Schlüssel dazu ist die Ernährung – speziell die Absage an den ungesunden amerikanischen Ess-Stil und das Einhalten von deutlich niedrigeren Cholesterinwerten, als sie traditionell von Gesundheitsexperten empfohlen werden.

Bei dem Ernährungsprogramm, das ich empfehle, ist entscheidend, dass es kein einziges Lebensmittel zulässt, von dem bekanntermaßen die Entstehung von Gefäßkrankheiten verursacht oder gefördert wird. Oft fordere ich Patienten auf, ihre koronare Herzkrankheit mit einem Hausbrand zu vergleichen. Dieses Haus gerät in Brand, weil die Ernährung mit den falschen Lebensmitteln das Herz krank gemacht hat. Das Feuer wird genährt, indem die Patienten weiterhin genau die Lebensmittel essen, die hauptsächlich die Krankheit verursacht haben. Meine Patienten dürfen nicht einen Tropfen Benzin ins Feuer gießen. Wird die Benzinzufuhr abgebrochen, dann erlischt das Feuer. Die neue Art der Ernährung bedeutet das Ende der Herzkrankheit.

Essen Sie rein pflanzlich!

Die Regeln meines Ernährungskonzepts:

Essen Sie keine Tiere (also kein Fleisch, kein Geflügel, keinen Fisch) und

keine tierischen Produkte wie Ei, Milch, Butter, Käse und andere Milchprodukte.

Kein Öl – nicht einen Tropfen! (Ja, auch kein Olivenöl, wie ich im Kapitel ▶ »Was ist mit ›herzgesundem Öl‹?«, erklären werde.)

keine Nüsse oder Avocados.

Dafür dürfen Sie aber eine Fülle köstlicher, nährstoffreicher Lebensmittel essen:

Alle Gemüse außer Avocado. Grünes Blattgemüse, Wurzelgemüse sowie Gemüse in den Farben Rot, Grün, Lila, Orange, Gelb und allen Zwischentönen;

sämtliche Hülsenfrüchte – alle Sorten Bohnen, Erbsen und Linsen;

alles Vollkorngetreide und Vollkornprodukte wie Vollkornbrot und -nudeln, solange sie keinen Zusatz von Fett (und Ei) enthalten;

jegliches Obst.

Es funktioniert. In der ersten Langzeituntersuchung (12 Jahre) über die Wirkungen der Ernährung bei hochgradig Gefäßkranken kam es bei den Patienten, die mein Programm befolgten, zum völligen Stillstand der klinischen Progredienz und zu einer deutlichen selektiven Rückbildung der koronaren Herzkrankheit. Bei Patienten, die dem Programm sehr streng folgten, verschwand die Angina innerhalb weniger Wochen, und die krankhaften Werte im Belastungstest normalisierten sich.

Joe Crowe

»Sie haben mir das Leben gerettet!«

Kommen wir auf den erkrankten Joe Crowe zurück. Nach seinem Herzinfarkt 1996 ergaben die Untersuchungen, dass das gesamte untere Drittel der Arteria coronaria sinistra – das Herzkranzgefäß, das an der Vorderseite des Herzens abwärts verläuft und ganz treffend als »Witwenmacher« bezeichnet wird – schwer angeschlagen war. Die Anatomie des Koronargefäßes erlaubte weder eine Bypass-Operation noch eine Gefäßplastik oder Stents, und angesichts seines jugendlichen Alters mit einer Frau und drei kleinen Kindern ist verständlich, dass Dr. Crowe verzweifelt war. Da er bereits sportlich aktiv war, nicht rauchte und einen niedrigen Cholesterinwert von 156 mg/dl hatte, schien es nichts mehr zu geben, was er hätte ändern können, um die Krankheit zum Stillstand zu bringen.

Seine Cholesterinwerte sanken enorm ab

Joe kannte mein Interesse für die koronare Herzkrankheit. Etwa zwei Wochen nach dem Infarkt kam er mit seiner Frau Mary Lind zu uns zum Abendessen, und ich hatte die Gelegenheit, ihm meine Forschungen ausführlich zu schildern. Joe und Mary Lind begriffen sogleich, was eine rein pflanzliche Ernährung für Joe bedeuten könnte. Statt Ausweglosigkeit war da auf einmal ein Lichtblick. Wie Mary Lind es ausdrückte: »Wir saßen wirklich mitten im Schlamassel, und plötzlich sahen wir eine winzige Chance, etwas zu unternehmen.« Joe schrieb sich sofort in mein Ernährungsprogramm ein, dabei lehnte er es ab, Lipidsenker (Medikamente, die Cholesterin und andere Fette senken) zu nehmen, und gab dem Begriff Engagement einen tieferen Sinn. Er hielt sich knallhart an den Plan, sodass sein Gesamt-Cholesterin schließlich knappe 89 mg/dl betrug und das LDL, das »schlechte Cholesterin«, von 98 mg/dl auf 38 mg/dl sank.

Nachdem Joe etwa zweieinhalb Jahre die streng pflanzenbasierte Diät befolgt hatte, kam eine Phase, in der er beruflich enorm gefordert wurde, unter erheblichen Stress geriet und eine Wiederkehr der früheren Brustbeschwerden bemerkte. Seine Kardiologen befürchteten, dass die Angina erneut auftreten könnte, und ordneten vorsorglich weitere Untersuchungen an, um zu klären, was los war. Am Tag seiner Kontroll-Angiografie ging ich nach der Arbeit zu Dr. Crowe in sein Büro. Nachdem wir uns begrüßt hatten, glaubte ich, Tränen in seinen Augen zu sehen. »Alles in Ordnung?«, erkundigte ich mich.

»Alles ist in Ordnung! Kein krankhafter Befund«

»Sie haben mir das Leben gerettet!«, rief er aus. »Alles ist in Ordnung! Kein krankhafter Befund. Ich bin dem Tod entronnen! Mein Kontroll-Angiogramm war normal.«

Etwa 10 Jahre später erinnerte sich Mary Lind, dass sie sich an jenem ersten Abend bei uns daheim gewundert hatten, »wie die Esselstyns das geschafft haben« – wie es uns gelungen war, unsere Ernährung vollständig umzustellen. »Inzwischen ist unsere Familie daran gewöhnt«, findet sie. »Wir essen jetzt schon lange so, und ich organisiere das ganz automatisch.«

Als ich Joe irgendwann fragte, was ihn veranlasst hatte, seine Ernährung umzustellen, antwortete er ganz einfach: »Wir glaubten Ihnen«, und ergänzte: »Da ich keine Alternative hatte, kam nur die Ernährung infrage. Wäre eine Bypass-Operation infrage gekommen, dann wäre die Diät nicht vorrangig gewesen. Die Diät führte uns in eine andere Richtung, sie gab uns die Kraft, etwas zu tun, was wir bestimmt schaffen konnten.«

Joe Crowes Angiogramme zeigen die vollständigste Wiederherstellung einer Koronararterie, die mir jemals vor Augen kam, und sind der sichtbare Beweis dafür, dass die rein pflanzliche Ernährung den Körper befähigt, sich selbst zu heilen.

Angiogramm der Herzkranzgefäße von Joe Crowe kurz nach seinem Herzinfarkt (links) und zweieinhalb Jahre später (rechts): Die verengten Bereiche (siehe Klammer) haben sich dank der rein veganen Ernährung vollkommen regeneriert.

Abbildung: aus der amerikanischen Originalausgabe übernommen |

Immun gegen Herzinfarkt und andere Erkrankungen

Diese Ernährungsumstellung, die meinen Patienten während der vergangenen 20 Jahre geholfen hat, kann auch Ihnen helfen. Sie kann Sie tatsächlich gegen Herzinfarkt immun machen. Und es gibt klare Hinweise, dass der Nutzen weit über den bei koronarer Herzkrankheit hinausgeht. Wenn Sie so essen, dass Sie herzgesund bleiben, schützt Sie das auch gegen andere ernährungsbedingte Erkrankungen wie Schlaganfall, Bluthochdruck, Fettsucht, Osteoporose, Typ-II-Diabetes und womöglich sogar vor Demenz im Alter. Auch einer ganzen Reihe von Leiden, bei denen Ernährung eine Rolle spielt, beugen Sie vor, unteren anderen Impotenz und Brustkrebs sowie Prostata-, Kolon-, Rektum-, Uterus- und Ovarialkarzinomen. Und wenn Sie sich auf die vorgegebene gesunde Art ernähren, kommen Sie in den unerwarteten Genuss einer weiteren Wirkung: Sie müssen nie mehr Kalorien zählen oder auf Ihr Gewicht achten.

Immer mehr Ärzte erkennen, dass die Ernährung eine entscheidende Rolle bei der Gesundheit spielt und dass die Umstellung auf eine Kost, wie ich sie empfehle, dramatische Wirkungen auf das Entstehen und Fortschreiten von Erkrankungen haben kann. Doch aus einer Vielzahl von Gründen wird in der medizinischen Praxis derzeit wenig Wert auf primäre und sekundäre Prävention gelegt. Bei den meisten Ärzten genießt die Ernährungstherapie kein hohes Ansehen. Sie ist auch kein bedeutender Pfeiler des Medizinstudiums. Jede neue Generation von Medizinstudenten lernt eine Menge über die verschiedensten Medikamente und über diagnostische und therapeutische Verfahren, wird aber praktisch nicht in der Prävention von Krankheiten ausgebildet. Und in der ärztlichen Praxis wird die Aufklärung von Patienten über den Nutzen einer gesunden Lebensweise nicht honoriert.

Kathedralen der Krankheit

In den USA hat sich während der vergangenen hundert Jahre die technisierte Behandlung von Krankheiten immer mehr in der Ärzteschaft verbreitet. Die Chirurgie war der Vorreiter und ihre dramatische Entwicklung – Lichtjahre entfernt von Purgativa, Aderlass und Amputationen, die in vergangenen Jahrhunderten die Medizin dominierten – ist atemberaubend. Doch chirurgische Eingriffe sind mit schweren Nachteilen verbunden. Sie sind teuer, schmerzhaft und können einem Angst einflößen, führen nicht selten zu Behinderung und Entstellung und bedeuten oft bloß einen zeitlichen Aufschub der Erkrankung, die geheilt werden soll. Sie sind Versuche, biologische Probleme technisch zu lösen.

Kein Bereich der Medizin verdeutlicht die technischen Problemlösungsversuche wohl besser als die Kardiologie und die Herzchirurgie. Überlegen Sie mal: In den Vereinigten Staaten leben nur 5 der Weltbevölkerung, aber alljährlich führen Ärzte in amerikanischen Krankenhäusern mehr als 50 % aller Angioplastien und Bypass-Operationen weltweit durch. Zu einem Teil liegt das daran, dass die technische Medizin die Fantasie beschäftigt und dramatisch ist und natürlich große Medienbeachtung genießt. Denken Sie an das Drama um die Implantation von Kunstherzen vor einigen Jahren. Die meisten Empfänger starben wenige Wochen nach der Operation, und alle wurden in der letzten Phase ihres Daseins maschinell am Leben gehalten, was ihre Lebensqualität keineswegs steigerte, sondern drastisch verringerte. Doch die dramatischen Eingriffe beschäftigten monatelang die Fantasie der Amerikaner.

Alles in allem gab es wenig Anreize für Ärzte, andere therapeutische Wege zu beschreiten, und darum dominieren in diesem Beruf nach wie vor mechanische und technische Therapieverfahren, obwohl das wenig dazu beiträgt, die ahnungslosen Millionen davor zu schützen, die nächsten Opfer der Krankheit zu werden. Moderne Krankenhäuser bieten praktisch nichts, was die Volksgesundheit fördern würde. Sie sind die Kathedralen der Krankheiten.

Sogar Kardiologen zweifeln am eigenen Vorgehen

Ein paar Anzeichen für einen Wandel gibt es wohl. Immer mehr Ärzte und Forscher stimmen zunehmend darin überein, dass Änderungen der Lebensweise – Blutdruck normalisieren, auf das Rauchen verzichten, Cholesterinspiegel senken, Sport treiben, Ernährung umstellen – die Voraussetzung für gute Gesundheit sind. Es ist nicht zu leugnen: Mit jedem Jahr häufen sich die Hinweise, dass Menschen, die sich ein Leben lang typisch amerikanisch ernährt haben, große gesundheitliche Probleme bekommen. Dr. Lewis Kuller von der Universität Pittsburgh berichtete kürzlich über die 10-Jahres-Bilanz der Studie zur Herzgesundheit, ein Projekt des Heart, Lung, and Blood Institutes. Sein Fazit ist erschreckend: »Sämtliche Männer über 65, die den üblichen westlichen Lebensstil pflegen, leiden an behandlungsbedürftigen Herz-Kreislauf-Krankheiten.« ▶ [2]

Sogar interventionelle Kardiologen beginnen, sich nach dem Sinn ihrer Eingriffe zu fragen. Der Kardiologe David Waters von der Universität von Kalifornien verglich in einer Studie die Ergebnisse der Angioplastie – bei der ein Ballon in eine Koronararterie eingeführt wird, um diese zu weiten und ihre Durchblutung zu verbessern – mit denen von Medikamenten, die das Serumcholesterin senken. Das Ergebnis war eindeutig. Die Patienten, deren Cholesterinwerte medikamentös gesenkt worden waren, mussten seltener wegen Brustschmerzen ins Krankenhaus und erlitten seltener einen Herzinfarkt als jene, bei denen eine Angioplastie mit der üblichen postoperativen Nachsorge durchgeführt wurde. ▶ [3]

Die eigentliche Lehre aus dieser Studie ist, dass die systemische Behandlung der Krankheit durch gezielte Senkung des Cholesterinspiegels dem selektiven Eingriff an einer verstopften oder verengten Arterie klar überlegen ist. Und das verursachte beträchtlichen Aufruhr unter den Kardiologen. »Davon wollen die Kardiologen aber traditionell nichts wissen«, urteilt Dr. Waters.

Herz-OPs sind sehr lukrativ

Warum ist das so? Das liebe Geld ist schuld! Jahrelang habe ich das bestritten, aber die Beweislast ist erdrückend. Herzchirurgen verdienen Hundertausende Dollar im Jahr, und besonders tüchtige scheffeln Millionen. Außerdem bringen kardiologische Eingriffe riesige Summen in die Kasse der Kliniken. Und die Versicherungsindustrie fördert die technischen/operativen Therapieverfahren bei Gefäßkrankheiten. Für die Kostenerstattung sind solche Maßnahmen wesentlich leichter zu dokumentieren und zu quantifizieren als Umstellungen der Lebensweise, die derartige Eingriffe zudem noch entbehrlich machen würde.

Als Arzt ist mir das Desinteresse meiner Berufskollegen an einer gesünderen Lebensweise ein Gräuel. Unser Umgang mit chronischen Krankheiten ist dringend korrekturbedürftig.

Pflanzenkost ist nicht radikal, sondern normal!

Das Vorgehen, das ich in den folgenden Kapiteln beschreiben werde, zeigt, dass eine nachhaltige Ernährungsumstellung, wenn nötig unterstützt durch niedrig dosierte Lipidsenker (cholesterinsenkende Medikamente), in höchstem Maße vor Gefäßkrankheiten zu schützen vermag. Wer immer das Programm konsequent umsetzt, wird nahezu sicher erleben, dass seine Erkrankung nicht fortschreitet, sondern sehr wahrscheinlich, dass sie sich selektiv bessert. Und durch umfassende Populationsstudien ganz eindeutig gestützt, können wir daraus ableiten, dass gefäßgesunde Menschen, die sich zu dieser Ernährungsumstellung entschließen, niemals herzkrank werden.

Kardiologen, die meine wissenschaftlich begutachteten Ergebnisse kennen, räumen oft ein, dass sich die koronare Herzkrankheit durch Umstellung der Ernährung und der Lebensweise anhalten und zurückfahren lässt, aber dann fügen sie hinzu, sie glaubten nicht, dass ihre Patienten eine so »radikale Ernährungsumstellung« mitmachen würden.

Die Wahrheit ist jedoch, dass mein Ernährungsplan keineswegs radikal ist. Er ist denkbar alltäglich. Von den 5,5 Milliarden Menschen, die unsere Erde bevölkern, ernähren sich 4 Milliarden traditionell so, wie es mein Programm vorsieht, und bei diesen Menschen sind Erkrankungen des Herzens und viele andere chronische Krankheiten nahezu unbekannt. Das Wort radikal passt eher auf die typische amerikanische Ernährung, die garantiert, dass Millionen an einem verkümmerten Gefäßsystem zugrunde gehen werden.

Nach meiner Erfahrung sind Patienten, wenn sie eine klare Wahl haben (zwischen invasiver Chirurgie, die ihre Grundkrankheit nicht heilen wird, und einer Ernährungsumstellung, die ihre Krankheit rückgängig machen und ihre Lebensqualität steigern wird), sehr wohl bereit, sich für eine Umstellung der Ernährung zu entscheiden.

Einer meiner Patienten, Jerry Murphy, war 67 Jahre alt, als er mich aufsuchte, nachdem sein Kardiologe ihm zu einer Operation am offenen Herzen geraten hatte, was er unbedingt vermeiden wollte. »Von uns Murphys ist keiner der Männer älter als 67 geworden«, erklärte er. »Was kann man schon dagegen machen?« Ich antwortete ihm, die eigentliche Frage sei, was er dagegen tun wolle, wenn auch mit meiner Hilfe. Inzwischen ist mein Patient Mitte achtzig – hat also die geringe Lebenserwartung der männlichen Murphys weit übertroffen – und er ist überzeugt, dass mein Ernährungsprogramm eine natürlichere Art des Essens darstellt, eine Rückkehr zur gesünderen kargen Kost unserer Vorfahren. »Es leuchtet mir ein«, sagt er und zitiert seine irischen Vorfahren, die vielleicht einmal im Jahr ein fettes Kalb schlachteten, aber sich überwiegend von fettarmer Pflanzenkost ernährten.

Mit reiner Pflanzenkost bleibt Ihr Herz fit

Jeder von uns hat Freunde, Verwandte und Bekannte, die an koronarer Herzkrankheit leiden. Oft sind es kräftige Menschen in der Blüte ihres Lebens, die ein Herzinfarkt niederwirft. Falls sie überleben, sind sie selten dieselben wie zuvor, vielmehr fürchten sie sich vor einem weiteren Infarkt oder irgendwelchen Komplikationen. Die Menschen, die ihnen nahestehen, hegen ähnliche Befürchtungen. Die Wahrheit ist jedoch, dass diese Krankheit gar nicht hätte auftreten müssen. Die überwiegende Mehrzahl der Erdbewohner – die gut 4 Milliarden, die nicht am westlichen Lebensstil teilhaben – kennen sie überhaupt nicht.

Ich habe ein ehrgeiziges Ziel: Herzkrankheiten auszurotten – und zwar ein für alle Mal. Wenn Sie 90 Jahre alt sind, sollten Ihre Arterien so gut funktionieren, als wären Sie 9. Mein Ernährungsprogramm ist streng und erlaubt keine Ausrutscher. Ich bin kompromisslos und autoritär. Doch ich sage meinen Patienten immer, dass ich ständig für sie da bin. Ich will den Erfolg meiner Patienten erleben, und das klappt, wenn sie meine Vision teilen.

Wenn Sie sich nach meinen Vorgaben verhalten, können Sie Ihre Krankheit vergessen. Statt Umwege zu machen, statt Blutgefäße mit einem Ballon zu dehnen oder sie mittels Drahtgeflecht zu weiten – beides vermag die Angina pectoris nur vorübergehend zu lindern –, kann mein Programm die Krankheit als solche verhindern oder zum Stillstand bringen. Bei sämtlichen therapeutischen Eingriffen besteht ein erhebliches Risiko von Folgeerkrankungen, wie erneute Herzinfarkte, Schlaganfall, Infektionen und mitunter gar eine Hirnschädigung. Bei meiner Therapie riskieren Sie nichts. Dagegen lassen die Wirkungen der invasiven Maßnahmen mit der Zeit nach, und Sie brauchen schließlich eine weitere Angioplastie, einen neuen Bypass, einen neuen Stent. Die Vorzüge meines Programms nehmen dagegen mit der Zeit zu. Je länger Sie danach leben, desto gesünder werden Sie sein.

Vor ein paar Jahren sollte ich auf einem Kreuzfahrtschiff mein Ernährungsprogramm und seine dramatischen Ergebnisse bei Patienten mit schwerer koronarer Herzkrankheit vorstellen. Gegen Ende meines Vortrags trat ein Mann mit Strohhut auf mich zu. Er war den Tränen nahe und sagte mit hörbarem Ärger in der Stimme: »Ich habe alles getan, was mein Doktor mir geraten hat, und jetzt brauche ich einen zweiten Bypass. Ich fasse es nicht, dass keiner mich darauf hingewiesen hat, dass es eine andere Möglichkeit gibt.«

Das aber ist das Anliegen meines Buchs: Die Menschen aufzuklären über das, was ich herausgefunden habe.

Wir müssen dazulernen!

Die Ärzte hatten kein Interesse, Krebs und Herzkrankheiten vorzubeugen. Sie operierten lieber, wenn das Unheil zugeschlagen hatte. Das brachte mich zur Verzweiflung.

Als ich 1968 von meinem Wehrdienst als Sanitätsoffizier aus Vietnam zurückkehrte, bot man mir eine Stelle in der Abteilung für allgemeine Chirurgie an der Cleveland Klinik in Cleveland, Ohio an. Meine Hauptaufgaben waren Operationen der Schilddrüse, der Nebenschilddrüsen, Magen-Darm- und Brustoperationen, aber mich interessierte immer auch die Gefäßchirurgie, in der ich eine Zusatzausbildung absolvierte.

Die Medizin liegt bei uns in der Familie. Mein Vater, Caldwell B. Esselstyn, war ein ausgezeichneter Arzt und großer Erneuerer in einer Gemeinschaftspraxis im ländlichen Teil des Staates New York. Er hatte die Idee, ein ländliches Gebiet medizinisch optimal zu versorgen – von der Zahnheilkunde und Psychiatrie über Frauenheilkunde und Geburtshilfe sowie Kinderheilkunde –, und zwar durch ein rotierendes System von Fachärzten. Mein Schwiegervater, der verstorbene Dr. George Crile Jr., war ein Pionier der Brustkrebsbehandlung an der Cleveland Klinik, die sein Vater gegründet hatte. Als Dr. Crile Jr. sein Studium beendet hatte, waren radikale Mastektomien noch an der Tagesordnung. Er war überzeugt, dass derart umfassende Operationen nicht immer erforderlich seien, und investierte einen großen Teil seines Berufslebens in die Entwicklung schonenderer Operationstechniken.

Außer der Medizin lag noch etwas in der Familie. Sowohl mein Vater als auch mein Schwiegervater waren lebende Beispiele für die Folgen der ungesunden amerikanischen Ernährung. Sie erkrankten an Diabetes, Schlaganfall, Prostata-, Darm- und Lungenkrebs, außerdem an koronarer Herzkrankheit. Etwa 3 Jahre, bevor mein Vater 1975 seinem Herzleiden erlag, sagte er etwas, das ich nie vergessen werde: »Eines Tages müssen wir lernen, den Menschen beizubringen, wie sie gesünder leben können.«

Ich wollte nicht operieren, sondern gesund erhalten

In meiner Berufserfahrung unterstrich alles die Wichtigkeit dieser Äußerung. Trotz der Pionierarbeit meines Schwiegervaters wurden zu der Zeit, als ich in der Cleveland Klinik anfing, vielen Frauen wegen Brustkrebs die Brüste amputiert oder sie wurden verstümmelt. Und obwohl ich gern als Chirurg arbeitete – gute Chirurgie, die ästhetisch gelungen ist und Leiden lindert, macht mich stolz –, raubte mir das, was ich nicht tat, zunehmend meine Illusionen: Denn nie heilte ich die zugrunde liegende Krankheit und nie tat ich etwas, um sie dem nächsten potenziellen Opfer möglichst zu ersparen. Das allgemeine Desinteresse der Ärzte, Krebs und Herzkrankheiten vorzubeugen, statt mechanisch einzugreifen, wenn das Unheil erst einmal zugeschlagen hatte, brachte mich zur Verzweiflung.

Ich begann, jede Menge Fachliteratur zu lesen, vor allem Epidemiologie. Es war ganz offensichtlich: Auf den Weltkarten häuften sich fast alle chronischen Krankheiten, wie etwa die koronare Herzkrankheit, in den westlichen Ländern. Dagegen fanden sich diese Krankheiten fast nie in all den anderen Gebieten, vor allem nicht in Asien und in Afrika.

Speisefette führen zu Krebs

Für Frauen in den Vereinigten Staaten etwa war es 20-mal wahrscheinlicher, an Brustkrebs zu erkranken, als für Frauen in Kenia. ▶ [4] Und in den frühen 1950er Jahren war Brustkrebs in Japan praktisch unbekannt. (Später stiegen die Zahlen allmählich an, als die Japanerinnen die Lebensweise – und die Ernährungsgewohnheiten – wohlhabender Menschen aus westlichen Ländern mehr und mehr übernahmen.) Schaut man sich die Kulturen mit den seltenen Brustkrebserkrankungen genauer an, dann fällt ein gemeinsamer Nenner auf: ein geringer Verbrauch an Speisefetten und dementsprechend niedrige Cholesterinspiegel. Dies galt auch für Darmkrebs, Prostatakrebs, Eierstockkrebs sowie für Diabetes und Fettleibigkeit. ▶ [5]

Je mehr ich las, desto mehr wuchs meine Überzeugung, dass es einen Zusammenhang zwischen Ernährung und Erkrankungen geben musste. Am auffälligsten schien der Zusammenhang bei der koronaren Herzkrankheit, der Todesursache Nummer eins bei Männern und Frauen in den Vereinigten Staaten, zu sein. In den letzten 10 Jahren zeichnete sich das noch viel deutlicher ab, aber auch vor 20 Jahren war der Zusammenhang zwischen Cholesterin und Herzleiden durchaus bereits klar. Der epidemiologische Beweis schien unwiderlegbar. In den Ländern, in denen die koronare Herzkrankheit selten auftritt, ist die Ernährung fettarm und das Serumcholesterin regelmäßig unter 150 mg/dl. In den USA, wo Gefäßkrankheiten die häufigste Todesursache sind, isst der Normalbürger alljährlich etwa 30 Kilogramm Fett – wenn er sechzig wird, hat er sich bis dahin an die 2 Tonnen tierisches Fett einverleibt – und der Cholesterinspiegel bewegt sich um 200 mg/dl. ▶ [6]

Die Autopsien von Soldaten, die Opfer der Kriege in Korea und Vietnam wurden, zeigten die Folgen der gefäßverstopfenden amerikanischen Ernährung bereits bei sehr jungen Menschen. Die Arterien asiatischer Soldaten waren überwiegend glatt und frei von Fettablagerungen. Dagegen wiesen fast 80 % der amerikanischen Gefallenen deutliche Zeichen der koronaren Herzkrankheit auf – Gefäßverstopfung und Schäden der Gefäßwand, die sich, hätten die Soldaten überlebt, im Lauf der Jahre verschlimmert hätten. ▶ [7] Übrigens haben Forscher in den letzten Jahren herausgefunden, dass bei Bewohnern von Regionen, in denen Herz- und Gefäßkrankheiten selten sind, die Häufigkeit von Erkrankungen – speziell von solchen der Herzkranzgefäße – drastisch zunimmt, sobald sie sich die westliche Lebensweise und Ernährung angewöhnen.

Fett verstopft die Herzkranzgefäße

Es kann noch Jahre dauern, bis wir jede Phase und jede Nuance der Vorgänge verstehen, wie Nahrungsfette und Cholesterin die Herzkranzgefäße zerstören. Den allgemeinen Ablauf kennen wir jedoch. Und zwar funktioniert er vergleichsweise so: Wie Sie Steine brauchen, um eine Mauer zu errichten, so brauchen Sie eine bestimmte Menge Fett und Cholesterin im Blutstrom, um Ihre Arterien arteriosklerotisch zu verengen und zu verstopfen.

Wenn das Cholesterin im Blut riskante Werte erreicht, lagern sich Fett und Cholesterin an der Auskleidung der Blutgefäße ab. Eine solche Ablagerung nennen wir Plaque. Ältere Plaques können Narbengewebe und Kalzium enthalten, langsam größer werden, den Durchmesser der Arterien stark verringern und mitunter die Gefäße unpassierbar machen. Eine stark verengte Arterie kann den Herzmuskel nicht hinreichend mit Blut versorgen. Die mangelhafte Blutzufuhr zum Herzen verursacht Brustschmerzen, die sogenannte Angina pectoris.

Abb. a–c zeigen die allmähliche Verengung der Koronararterien, die für 12,5 % der Herzinfarkte verantwortlich ist.

Abbildung: aus der amerikanischen Originalausgabe übernommen |

Was passiert bei einem Herzinfarkt?

Die meisten Menschen glauben, dass schließlich der Gefäßverschluss, bei dem eine große alte Plaque vollständig blockiert, einen Herzinfarkt oder Myokardinfarkt auslöst. Falsch. Nur etwa 12 % der Herzinfarkte sind durch einen kompletten Gefäßverschluss verursacht. Die neuesten Forschungen ergaben, dass die meisten Infarkte durch jüngere Plaques ausgelöst werden – diese Plaques sind zu klein, um die offenkundigen Symptome zu verursachen, die gewöhnlich zu mechanischen Eingriffen wie Angioplastie führen.

Tatsächlich geschieht Folgendes: Die Schicht über solchen Plaques reißt und die Fettansammlung darunter sickert in den Blutstrom. Der Körper reagiert nun, indem er seine Gerinnungsfaktoren aktiviert, um die Verletzung zu reparieren. Wenn der Gerinnungsprozess fortschreitet, kann die gesamte Arterienstrecke verstopft und verschlossen werden, sodass ein Teil des Herzmuskels komplett von der Blutzufuhr abgeschnitten ist und abstirbt.

Der Großteil der Herzinfarkte, nämlich 87,5 %, wird durch einen plötzlichen Plaque-Einriss (a) mit Gerinnselbildung (b) und vollständigem Gefäßverschluss (c) verursacht.

Abbildung: aus der amerikanischen Originalausgabe übernommen |

Wenn ein Mensch einen solchen Infarkt überlebt, dann vernarbt der abgestorbene Teil des Herzmuskels. Mehrfache Infarkte und ausgedehnte Narben schwächen das Herz, sie können zu Herzversagen führen, einer sogenannten dekompensierten Herzinsuffizienz. Falls der Infarkt ausgedehnt ist, falls die rhythmische (Pump-)Tätigkeit abbricht oder wenn die dekompensierte Herzinsuffizienz länger anhält, kann das Opfer sterben.

Langsam begriffen wir die Zusammenhänge

Meine Forschung zeigt, dass dieser ganze Prozess verhindert werden kann und dass durch Ernährung (plus niedrige Dosen von Lipidsenkern bei manchen Patienten) das Risiko eines Herzinfarkts und Herzversagens beseitigt werden kann. Langsam begreifen Wissenschaftler und praktizierende Ärzte den Zusammenhang zwischen der Ernährung und der koronaren Herzkrankheit. Das liegt zum Teil daran, dass diese Krankheit nicht etwa wie ein Bienenstich funktioniert, bei dem der Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung klar ist. Vielmehr kann es Jahrzehnte der Selbstbeschädigung durch fettreiche Ernährung dauern, bis die ersten klinischen Symptome erkennbar werden.

Wahr ist aber auch, dass Wissenschaftlern, wenn sie sich zu sehr in die winzigsten Details eines Problems vertiefen, manchmal die offenkundigste Lösung entgeht. Mitunter weisen Intuition und Logik geradezu auf eine Lösung hin, die durch wissenschaftliche Methoden noch nicht bewiesen wurde. Hierfür stehen einige klassische Beispiele in der Geschichte der Medizin. Mitte des 19. Jahrhunderts etwa entfernte der englische Medicus John Snow den Pumpenschwengel von der Pumpe in der Broad Street in London, weil er überzeugt war, dass das Wasser aus dem Gemeinschaftsbrunnen eine verheerende Cholera-Epidemie verursachte. Er hatte Recht. Erst Jahrzehnte später wurde der durch Trinkwasser übertragene Erreger der Cholera (Vibrio cholerae) wissenschaftlich nachgewiesen, aber Dr. Snow hatte den Zusammenhang schon damals intuitiv erkannt und die Stadt gerettet.

Ganz ähnlich haben wir bis heute noch nicht genau durchschaut, wie Insulin den Zucker aus dem Blut in die Zellen unseres Körpers eskortiert, wo er in Energie umgewandelt wird. Dennoch verschreiben Ärzte seit mehr als achtzig Jahren Insulin, um das Leben von Diabetikern zu retten. Der Zusammenhang ist entscheidend, auch wenn wir ihn noch nicht ganz durchschauen.

Hohe Blutfette begünstigen Herzkrankheiten

In den späten 1970er Jahren war ich überzeugt, dass es einen engen Zusammenhang zwischen Ernährung und vielen Krankheiten gibt. Am augenfälligsten schien mir der Zusammenhang bei Erkrankungen des Herzens zu sein. Zunächst war unbestreitbar, dass bei Bevölkerungsgruppen, deren Cholesterinspiegel unter 150 mg/dl lag, die koronare Herzkrankheit selten auftrat, während bei Bevölkerungsgruppen mit höheren Blutfetten auch die Herzkrankheit häufiger vorkam. Überdies zeigten die frühesten wissenschaftlichen Untersuchungen – die übrigens von den meisten neueren Arbeiten bestätigt wurden –, dass eine fett- und cholesterinreiche Kost bei Menschen und Tieren zu Erkrankungen der Herzkranzgefäße führen kann.

Meine Logik und Intuition sagten mir, dass auch der Umkehrschluss zulässig sei. Wenn man die Nahrungsfette herunterfährt, müsste das auch das Fortschreiten der Koronarerkrankungen aufhalten – und sie sogar teilweise rückgängig machen. Tatsächlich wurde dies bei Affen nachgewiesen. Sie waren nach gezielter Fütterung mit reichlich Fett erkrankt und ihre Werte hatten sich wieder normalisiert, als die fettreiche Nahrung entzogen wurde. ▶ [8] Ich war überzeugt, dass weitere Untersuchungen des Zusammenhangs zwischen Ernährung und Krankheit die Mühe wert seien.

Die Ernährungsberater vor Ort bezweifelten meine Theorie, und mehrere Kardiologen an der Cleveland Klinik glaubten nicht an einen Zusammenhang zwischen Ernährung und koronarer Herzkrankheit. Dennoch führte ich meine Untersuchungen fort.

Ich wurde mein eigenes Versuchskaninchen