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Europa ist reich an Welterbestätten – bisher erklärte die UNESCO allein in Europa über 500 Kultur- und Naturdenkmale zum Erbe der Menschheit. Einen perfekten Überblick über die europäischen Highlights liefert dieser Reisebildband. Die Auswahl ist individuell, abwechslungsreich und zur perfekten Reiseinspiration in passende Kategorien aufgeteilt. Für jeden das richtige: vom Technikfan über den Geschichtsinteressierten bis hin zum Natururlauber.
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Seitenzahl: 391
Veröffentlichungsjahr: 2022
Einleitung
DEUTSCHLAND
1DOM ZU AACHEN – DER HIMMEL AUF ERDEN
Die Pfalzkirche Karls des Großen
2FAGUS-WERK ALFELD – IKONE DER INDUSTRIEARCHITEKTUR
Nachhaltiger Impuls für das Neue Bauen
3BAMBERG – GESAMTKUNSTWERK VOLLER TRADITION
Das »Fränkische Rom« lebt mit seiner Geschichte
4BERLIN – ZWISCHEN ANTIKE UND MODERNE
Kunstzentrum und Wohnsiedlungen liegen eng beieinander
5MATHILDENHÖHE DARMSTADT – IKONE DES JUGENDSTILS
Künstlerkolonie markiert Wendepunkt in Architektur und Kunst
6MONTANREGION ERZGEBIRGE/KRUŠNOHOŘÍ – ENTLANG DER ALTEN SILBERSTRASSE
Städte und Stätten zeigen 800 Jahre Bergbaugeschichte
7HAITHABU UND DANEWERK – WIKINGER AN DER SCHLEI
Legendäres Handelszentrum zwischen Meeren und Welten
8SPEICHERSTADT UND CHILEHAUS HAMBURG – NEUES LEBEN IM ALTEN FREIHAFEN
Die Speicherstadt Hamburg erzählt Wirtschaftsgeschichte
9KÖLNER DOM – GOTIK AUS SECHS JAHRHUNDERTEN
Bauwerk am Rheinufer ist Höhepunkt der Kathedralarchitektur
10LÜBECK – METROPOLE MIT HANSEATISCHER NOBLESSE
In der Silhouette der Stadt spiegeln sich Jahrhunderte
11DAS MITTELRHEINTAL – BURGENROMANTIK TRIFFT FLUSSLANDSCHAFT
Einzigartige Erlebnispfade säumen das Mittelrheintal
12DER MUSKAUER PARK – SPIELWIESE EINES EXZENTRIKERS
Entlang der Neiße wird Natur zur Gemäldegalerie
13STIFTSKIRCHE QUEDLINBURG – DIE KATHEDRALE DER FRAUEN
Adlige Damen bestimmten einst die Geschicke des Ortes
14SCHUM-STÄDTE SPEYER, WORMS UND MAINZ – JERUSALEM AM RHEIN
Lebendige Traditionen in den »Heiligen Gemeinden«
15VÖLKLINGER HÜTTE – INDUSTRIE ZUM ANFASSEN
Einziges erhaltenes Werk der Blütezeit im 19. Jahrhundert
16DIE WARTBURG – DIE DEUTSCHESTE ALLER BURGEN
Thüringer Landeskrone ist Symbol von nationaler Bedeutung
17KLASSISCHES WEIMAR UND BAUHAUS – KLASSIK TRIFFT MODERNE
Eine kleine Residenz wird zur kulturellen Großmacht
18STRALSUND UND WISMAR – IM HERZEN DER HANSE
Backsteingotik zeugt von einstiger Blütezeit an der Ostsee
19RESIDENZ WÜRZBURG – GESAMTKUNSTWERK DES BAROCK
Ehrgeiziges Bauprogramm mit internationaler Handschrift
20DAS WATTENMEER – VIEL WASSER UND VIEL WIND
Kulturlandschaft am Meer in ständigem Wandel
21GRENZEN DES RÖMISCHEN REICHES – VON DER DONAU BIS ZUM RHEIN
Der Limes des Imperium Romanum verlief quer durch Europa
NIEDERLANDE
22POLDERLANDSCHAFT SCHOKLAND – AUF DEM TROCKENEN
Frühere Insel ist Beispiel für Landgewinnung an der Nordsee
23WINDMÜHLEN KINDERDIJK-ELSHOUT – LEBENDIGES HOLLAND-IDYLL
Landschaft ist Symbol für jahrhundertelangen Kampf mit dem Wasser
BELGIEN
24PALAIS STOCLET – WIENER MODERNE IN BRÜSSEL
Faszinierende Symbiose aus Architektur, Design und Kunst
25CANAL DU CENTRE – AUSFLUG PER SCHIFFSLIFT
Historische Hebewerke sind technische Meisterleistungen
ÖSTERREICH
26SALZBURG – ZWISCHEN MOZART UND MÖNCHSBERG
Tradition und Moderne liegen an der Salzach nahe beieinander
27SCHLOSS SCHÖNBRUNN – DAS IMPERIALE ERBE WIENS
Lebendiges Sinnbild der ausklingenden Habsburgermonarchie
28SEMMERINGBAHN – HÖCHSTE EISENBAHN
Die erste Strecke über einen Gebirgspass ist ein Meisterstück
29WIEN – ZU FÜSSEN DES STEPHANSDOMS
Das Herz der modernen Donaumetropole schlägt im Ersten Bezirk
SCHWEIZ
30SCHWEIZER ALPEN JUNGFRAU-ALETSCH – EIN MAJESTÄTISCHES PANORAMA
Alpine Gletscherlandschaft als Seismograf des Klimawandels
31ALBULA- UND BERNINA-BAHN – EIN HAUCH VON NOSTALGIE
Umweltfreundlich über die Alpen zu den Palmen des Südens
32PFAHLBAUTEN DER ALPENREGION – VERSUNKENE WELTEN
Funde geben Aufschluss über Lebensweise vor Tausenden Jahren
FRANKREICH
33ARCHITEKTUR VON LE CORBUSIER – INNOVATIV UND UMSTRITTEN
Formensprache der Moderne prägt Bauen auf drei Kontinenten
34CANAL DU MIDI – HIGHLIGHT FÜR HAUSBOOTE
Entschleunigung pur auf der romantischen Route zum Mittelmeer
35CHAUVET-GROTTE – WUNDERWELT AUS GRAUER VORZEIT
Versiegelte Höhle bewahrte einzigartige Tierdarstellungen
36SCHLÖSSER AN DER LOIRE – IM GARTEN FRANKREICHS
Herrschaftliche Bauten in einer romantischen Landschaft
37MONT SAINT MICHEL – PYRAMIDE DER MEERE
Renaturierung bewahrt die maritime Aura des Klosterberges
38SEINE-UFER VON PARIS – EINLADUNG ZUM FLANIEREN
Urbane Lebensweise trifft auf historisches Ambiente
39PONT DU GARD – MEISTERWERK RÖMISCHER BAUKUNST
Erhabenes Monument trifft auf südfranzösische Landschaft
40STRASSBURG – STADT DER REFORMATION
Die Elsass-Metropole lebt von deutschem und französischem Erbe
41VERSAILLES – DAS SCHLOSS DER SCHLÖSSER
Mikrokosmos der Macht ist stolzes Sinnbild des Absolutismus
SPANIEN
42BARCELONA – TORSO EINES KÜHNEN TRAUMS
Die Hauptstadt des Jugendstils in Spanien
43NATIONALPARK TEIDE – TANZ AUF DEM VULKAN
Ungastliches Gestein mit überraschend blühender Farbenpracht
44AUF DEM JAKOBSWEG – LANGE WEGE ZU SICH SELBST
Auch ohne religiösen Impuls ist Pilgern nach wie vor populär
PORTUGAL
45LORBEERWALD »LAURISILVA« – WANDERN IM WELTERBE
Mystische Atmosphäre in einer urwaldähnlichen Vegetation
ITALIEN
46KÜSTE VON AMALFI – SOMMERSITZ DER GÖTTER
Höhenwanderung erschließt kontrastreiche Landschaft am Meer
47ASSISI – SPUREN EINES HEILIGEN
Monumentales Denkmal ehrt einen Prediger der Bescheidenheit
48CASTEL DEL MONTE – DIE KRONE APULIENS
Ein einzigartiges Bauwerk aus dem Mittelalter gibt Rätsel auf
49DOLOMITEN – DAS SCHÖNSTE GEBIRGE DER WELT
Faszinierende Impressionen auf dem Boden eines Korallenmeeres
50POMPEJI – UNTERM ASCHEREGEN
Naturkatastrophe traf Tausende Menschen völlig unvermittelt
51RAVENNA – HAUPTSTADT DER MOSAIKE
Kirchen bewahren leuchtende Beispiele frühchristlicher Kunst
52ROM – ZWISCHEN ANTIKE UND VATIKAN
Einzigartiges Freiluftmuseum als Spiegelbild der Geschichte
53HÖHLENBAUTEN VON MATERA – DIE MUTTER ALLER STÄDTE
Wohnungen und Kirchen aus allen Epochen der Geschichte
54ETRUSKISCHE TOTENSTÄDTE – HOCHKULTUR IN GRÄBERN
Nekropolen erinnern an das vergessene Volk der Etrusker
55TOSKANA – ITALIENS TRAUMLANDSCHAFT
Zwischen Apennin und Meer liegt das Kernland der Renaissance
56VENEDIG – DIE UNWAHRSCHEINLICHSTE STADT
Der ewige Mythos vom Untergang lockt jedes Jahr Millionen
57VICENZA – GEBAUTE HARMONIE IN STEIN
Palladio wirkte weit über Venetien hinaus
58VERONA – VON VERDI BIS SHAKESPEARE
Zur Oper in der Arena kommen jedes Jahr Zehntausende Besucher
KROATIEN
59DUBROVNIK – WIE PHÖNIX AUS DER ASCHE
Die Perle der Adria erinnert an die stolze Republik Ragusa
60NATIONALPARK PLITVICER SEEN – WILDWEST IN KROATIEN
Karstlandschaft war kurzzeitig das Revier von Winnetou & Co.
BOSNIEN & HERZEGOWINA
61BRÜCKE UND ALTSTADT VON MOSTAR – ZEICHEN DER VERSÖHNUNG
Wiederaufbau nach dem Bosnienkrieg in alter Schönheit
GRIECHENLAND
62AKROPOLIS VON ATHEN – EIN FUNDAMENT EUROPAS
Markantes Zeugnis aus der Blütezeit der griechischen Antike
63BERG ATHOS – IM TAKT DER STUNDENTROMMEL
Autonome Mönchsrepublik mit alten religiösen Traditionen
64OLYMPIA – SPIELE UM DEN LORBEERKRANZ
Orakel-Heiligtum ist Geburtsort der modernen Sportwettkämpfe
VEREINIGTES KÖNIGREICH
65CANTERBURY – GRAUSAMER MORD AM ALTAR
Kathedrale in der Grafschaft Kent ist historische Pilgerstätte
66FORTH BRIDGE – MEISTERWERK IN ROT
Eisenbahnbrücke ist Wunder der Technik und Architektur
67GIANT’S CAUSEWAY – BESUCH BEI EINEM RIESEN
Mythische Gedankenspiele an der Küste Nordirlands
68IRONBRIDGE – GEBURTSORT DER INDUSTRIE
Eisenbrücke machte Fabriklandschaft in England weltberühmt
69TOWER OF LONDON – KRONJUWELEN UND KERKERMAUERN
Festung an der Themse war zugleich Königspalast und Gefängnis
70LAKE DISTRICT – SPEKTAKULÄRE SEENLANDSCHAFT
Nationalpark ist beliebteste Ferienregion Großbritanniens
71ORKNEY – DAS ÄGYPTEN DES NORDENS
Auf den Orkney-Inseln wird die Jungsteinzeit lebendig
72ST. KILDA – INSELN DER EINSAMKEIT
Entlegenes Eiland im Nordatlantik war 2000 Jahre besiedelt
73STONEHENGE – DIE SPUR DER STEINE
Stonehenge gibt seit Menschengedenken Rätsel auf
IRLAND
74SKELLIG MICHAEL – HIMMELSLEITER IM FELS
Spuren einer Mönchssiedlung auf ungastlicher Atlantikinsel
ISLAND
75VATNAJÖKULL – FEUER UND EIS
Faszinierende Landschaften in einer lebensfeindlichen Welt
76THINGVELLIR – ZWISCHEN DEN KONTINENTEN
Einzigartige Natur umgibt die nordische Wiege der Demokratie
DÄNEMARK
77EISFJORD ILULISSAT – SYMBOL DES KLIMAWANDELS
Veränderungen zeigen sich als faszinierendes Naturschauspiel
78RUNENSTEINE JELLING – DÄNEMARKS GEBURTSURKUNDE
Denkwürdiges Geschehen in einer unscheinbaren Umgebung
79SCHLOSS KRONBORG – DAS HAMLET-SCHLOSS
Nationalsymbol der Dänen als Bühne für großes Beziehungsdrama
80STEVNS KLINT – JAWORT ÜBERM ABGRUND
Dänische Kreidefelsen spiegeln Millionen Jahre Erdgeschichte
NORWEGEN
81FJORDE WESTNORWEGENS – WASSER, EIS UND HOHE BERGE
Einzigartige Küstenlandschaft mit atemberaubenden Perspektiven
SCHWEDEN
82BIRKA UND HOVGÅRDEN – EINE VERSUNKENE WELT
Romantische Bootsfahrt führt zu legendärem Handelsplatz
83SOMMERSCHLOSS DROTTNINGHOLM – IM EINKLANG MIT DER NATUR
Willkommene Alternative zur Geschäftigkeit in der Hauptstadt
84LAPPLAND – WILDE SCHÖNHEIT HOCH IM NORDEN
Unendliche Weiten am Polarkreis mit unberührter Natur
85HANSESTADT VISBY – DIE KÖNIGIN DES MEERES
Malerische Altstadt auf Gotland inmitten dicker Mauern
BALTIKUM
86KURISCHE NEHRUNG – SAHARA AN DER OSTSEE
Verwunschener Sehnsuchtsort an Europas längstem Sandstrand
87RIGA, TALLINN, VILNIUS – PERLEN DES BALTIKUMS
Hauptstädte sind Zeugen einer wechselvollen Geschichte
POLEN
88AUSCHWITZ-BIRKENAU – MAHNMAL DER UNMENSCHLICHKEIT
Vernichtungslager steht für ungeheuerlichen Zivilisationsbruch
89JAHRHUNDERTHALLE BRESLAU – STATEMENT DER MODERNE
Kühne Architektur bekräftigt Vision vom Neuen Bauen
90KRAKAU – POLENS HEIMLICHE HAUPTSTADT
Pulsierende Metropole zwischen Tuchhallen und Königsschloss
91MARIENBURG – HAUPTQUARTIER DER ORDENSRITTER
Mittelalterliches Machtzentrum hinter mächtigen Mauern
TSCHECHIEN
92DIE KURSTÄDTE EUROPAS – ZUM BEISPIEL KARLSBAD
Der Erbe-Titel vereint elf berühmte Kurstädte in sieben Ländern
93VILLA TUGENDHAT – KEIN HAUS FÜR ALLE TAGE
Ein Schlüsselwerk von Mies van der Rohe im mährischen Brünn
94ČESKÝ KRUMLOV – PERLE DES BÖHMERWALDES
Die Altstadt an der Moldau ist eine der schönsten Europas
95PRAG – SCHMELZTIEGEL DER KULTUREN
Die »Goldene Stadt« an der Moldau lebt vom Miteinander
UNGARN
96NEUSIEDLER SEE – KANUS GEGEN DIE KLIMAKRISE
Für das Naturjuwel ist das Austrocknen eine reale Gefahr
RUMÄNIEN
97SIEBENBÜRGEN – EIN FESTE BURG
Deutsche Siedlungsgeschichte in Transsylvaniens Dörfern
TÜRKEI
98HISTORISCHES ISTANBUL – VON KIRCHEN UND MOSCHEEN
Auf das Byzantinische Reich folgte die Herrschaft der Osmanen
UKRAINE
99KIEW – NATIONALE HEILIGTÜMER
Höhlenkloster und Sophienkathedrale – Orte der Identität
RUSSLAND
100MOSKAUER KREML UND ROTER PLATZ – SYMBOL RUSSISCHER MACHTPOLITIK
Einstige Stadtbefestigung ist Spiegelbild der Jahrhunderte
Register
Impressum
DIE TOP TEN
1DOM ZU AACHEN – DER HIMMEL AUF ERDEN
4BERLIN – ZWISCHEN ANTIKE UND MODERNE
29WIEN – ZU FÜSSEN DES STEPHANSDOMS
38SEINE-UFER VON PARIS – EINLADUNG ZUM FLANIEREN
49DOLOMITEN – DAS SCHÖNSTE GEBIRGE DER WELT
52ROM – ZWISCHEN ANTIKE UND VATIKAN
56VENEDIG – DIE UNWAHRSCHEINLICHSTE STADT
67GIANT’S CAUSEWAY – BESUCH BEI EINEM RIESEN
88AUSCHWITZ-BIRKENAU – MAHNMAL DER UNMENSCHLICHKEIT
95PRAG – SCHMELZTIEGEL DER KULTUREN
HISTORISCH – DIE TOP TEN DER STÄDTE
3BAMBERG – GESAMTKUNSTWERK VOLLER TRADITION
8SPEICHERSTADT UND CHILEHAUS HAMBURG – NEUES LEBEN IM ALTEN FREIHAFEN
10LÜBECK – METROPOLE MIT HANSEATISCHER NOBLESSE
17KLASSISCHES WEIMAR UND BAUHAUS – KLASSIK TRIFFT MODERNE
26SALZBURG – ZWISCHEN MOZART UND MÖNCHSBERG
42BARCELONA – TORSO EINES KÜHNEN TRAUMS
59DUBROVNIK – WIE PHÖNIX AUS DER ASCHE
85HANSESTADT VISBY – DIE KÖNIGIN DES MEERES
90KRAKAU – POLENS HEIMLICHE HAUPTSTADT
100MOSKAUER KREML UND ROTER PLATZ – SYMBOL RUSSISCHER MACHTPOLITIK
MAJESTÄTISCH – DIE TOP TEN DER SCHLÖSSER UND BURGEN
16DIE WARTBURG – DIE DEUTSCHESTE ALLER BURGEN
19RESIDENZ WÜRZBURG – GESAMTKUNSTWERK DES BAROCK
27SCHLOSS SCHÖNBRUNN – DAS IMPERIALE ERBE WIENS
36SCHLÖSSER AN DER LOIRE – IM GARTEN FRANKREICHS
41VERSAILLES – DAS SCHLOSS DER SCHLÖSSER
48CASTEL DEL MONTE – DIE KRONE APULIENS
69TOWER OF LONDON – KRONJUWELEN UND KERKERMAUERN
79SCHLOSS KRONBORG – DAS HAMLET-SCHLOSS
83SOMMERSCHLOSS DROTTNINGHOLM – IM EINKLANG MIT DER NATUR
91MARIENBURG – HAUPTQUARTIER DER ORDENSRITTER
ABENTEUERLICH – DIE TOP TEN DER NATUR, BERGE UND WILDNIS
11DAS MITTELRHEINTAL – BURGENROMANTIK TRIFFT FLUSSLANDSCHAFT
12DER MUSKAUER PARK – SPIELWIESE EINES EXZENTRIKERS
30SCHWEIZER ALPEN JUNGFRAU-ALETSCH – EIN MAJESTÄTISCHES PANORAMA
43NATIONALPARK TEIDE – TANZ AUF DEM VULKAN
45LORBEERWALD »LAURISILVA« – WANDERN IM WELTERBE
46KÜSTE VON AMALFI – SOMMERSITZ DER GÖTTER
55TOSKANA – ITALIENS TRAUMLANDSCHAFT
75VATNAJÖKULL – FEUER UND EIS
81FJORDE WESTNORWEGENS – WASSER, EIS UND HOHE BERGE
84LAPPLAND – WILDE SCHÖNHEIT HOCH IM NORDEN
ALTERTÜMLICH – DIE TOP TEN DER RUINEN UND AUSGRABUNGSTÄTTEN
21GRENZEN DES RÖMISCHEN REICHES – VON DER DONAU BIS ZUM RHEIN
32PFAHLBAUTEN DER ALPENREGION – VERSUNKENE WELTEN
39PONT DU GARD – MEISTERWERK RÖMISCHER BAUKUNST
50POMPEJI – UNTERM ASCHEREGEN
51RAVENNA – HAUPTSTADT DER MOSAIKE
54ETRUSKISCHE TOTENSTÄDTE – HOCHKULTUR IN GRÄBERN
58VERONA – VON VERDI BIS SHAKESPEARE
62AKROPOLIS VON ATHEN – EIN FUNDAMENT EUROPAS
64OLYMPIA – SPIELE UM DEN LORBEERKRANZ
98HISTORISCHES ISTANBUL – VON KIRCHEN UND MOSCHEEN
MAGISCH – DIE TOP TEN DER MYSTISCHEN STÄTTEN
7HAITHABU UND DANEWERK – WIKINGER AN DER SCHLEI
35CHAUVET-GROTTE – WUNDERWELT AUS GRAUER VORZEIT
53HÖHLENBAUTEN VON MATERA – DIE MUTTER ALLER STÄDTE
63BERG ATHOS – IM TAKT DER STUNDENTROMMEL
71ORKNEY – DAS ÄGYPTEN DES NORDENS
73STONEHENGE – DIE SPUR DER STEINE
74SKELLIG MICHAEL – HIMMELSLEITER IM FELS
76THINGVELLIR – ZWISCHEN DEN KONTINENTEN
78RUNENSTEINE JELLING – DÄNEMARKS GEBURTSURKUNDE
82BIRKA UND HOVGÅRDEN – EINE VERSUNKENE WELT
BESINNLICH – DIE TOP TEN DER KIRCHEN UND KLÖSTER
9KÖLNER DOM – GOTIK AUS SECHS JAHRHUNDERTEN
13STIFTSKIRCHE QUEDLINBURG – DIE KATHEDRALE DER FRAUEN
14SCHUM-STÄDTE SPEYER, WORMS UND MAINZ – JERUSALEM AM RHEIN
37MONT SAINT MICHEL – PYRAMIDE DER MEERE
40STRASSBURG – STADT DER REFORMATION
44AUF DEM JAKOBSWEG – LANGE WEGE ZU SICH SELBST
47ASSISI – SPUREN EINES HEILIGEN
65CANTERBURY – GRAUSAMER MORD AM ALTAR
97SIEBENBÜRGEN – EIN FESTE BURG
99KIEW – NATIONALE HEILIGTÜMER
TECHNISCH – DIE TOP TEN DER INDUSTRIEGESCHICHTE
2FAGUS-WERK ALFELD – IKONE DER INDUSTRIEARCHITEKTUR
6MONTANREGION ERZGEBIRGE/KRUŠNOHOŘÍ – ENTLANG DER ALTEN SILBERSTRASSE
15VÖLKLINGER HÜTTE – INDUSTRIE ZUM ANFASSEN
23WINDMÜHLEN KINDERDIJK-ELSHOUT – LEBENDIGES HOLLAND-IDYLL
25CANAL DU CENTRE – AUSFLUG PER SCHIFFSLIFT
28SEMMERINGBAHN – HÖCHSTE EISENBAHN
31ALBULA- UND BERNINA-BAHN – EIN HAUCH VON NOSTALGIE
34CANAL DU MIDI – HIGHLIGHT FÜR HAUSBOOTE
66FORTH BRIDGE – MEISTERWERK IN ROT
68IRONBRIDGE – GEBURTSORT DER INDUSTRIE
UNENDLICH – DIE TOP TEN AM WASSER
20DAS WATTENMEER – VIEL WASSER UND VIEL WIND
22POLDERLANDSCHAFT SCHOKLAND – AUF DEM TROCKENEN
60NATIONALPARK PLITVICER SEEN – WILDWEST IN KROATIEN
70LAKE DISTRICT – SPEKTAKULÄRE SEENLANDSCHAFT
72ST. KILDA – INSELN DER EINSAMKEIT
77EISFJORD ILULISSAT – SYMBOL DES KLIMAWANDELS
80STEVNS KLINT – JAWORT ÜBERM ABGRUND
86KURISCHE NEHRUNG – SAHARA AN DER OSTSEE
92DIE KURSTÄDTE EUROPAS – ZUM BEISPIEL KARLSBAD
96NEUSIEDLER SEE – KANUS GEGEN DIE KLIMAKRISE
ERSTAUNLICH – DIE TOP TEN ABSEITS DES TRUBELS
5MATHILDENHÖHE DARMSTADT – IKONE DES JUGENDSTILS
18STRALSUND UND WISMAR – IM HERZEN DER HANSE
24PALAIS STOCLET – WIENER MODERNE IN BRÜSSEL
33ARCHITEKTUR VON LE CORBUSIER – INNOVATIV UND UMSTRITTEN
57VICENZA – GEBAUTE HARMONIE IN STEIN
61BRÜCKE UND ALTSTADT VON MOSTAR – ZEICHEN DER VERSÖHNUNG
87RIGA, TALLINN, VILNIUS – PERLEN DES BALTIKUMS
89JAHRHUNDERTHALLE BRESLAU – STATEMENT DER MODERNE
93VILLA TUGENDHAT – KEIN HAUS FÜR ALLE TAGE
94ČESKÝ KRUMLOV – PERLE DES BÖHMERWALDES
Burg Stahleck hoch über dem Oberrheintal.
Luxus aus der Antike: die römische Therme im englischen Bath.
Nichts ist so subjektiv wie das Objektiv. Subjektivität beginnt schon mit der Auswahl des Motivs, das fotografiert werden soll. Sie setzt sich fort mit der Entscheidung für das Format des erwünschten Bildes, von der naturalistischen Traumlandschaft über Spielereien mit Lichteffekten bis zu nüchternen Dokumentaraufnahmen. Aus solchen Überlegungen resultieren schließlich die immer neuen – und subjektiven – Festlegungen zu Entfernung, Perspektive und Bildausschnitt.
Die Binsenweisheit der Fotografie gilt im übertragenen Sinne auch für diesen Band. Weltweit zählt die Welterbeliste der UNESCO gegenwärtig 1154 Denkmäler in 167 Ländern. Auf Europa entfallen über 500. Ganz vorn ist Italien mit 58 Denkmälern, Deutschland mit 51 liegt hinter China (56) auf Platz drei, gefolgt von Spanien und Frankreich mit jeweils 49. Allein die Großen zeigen, wie notwendig eine Auswahl ist. Und wie schwer.
Das geht nicht ohne den subjektiven Faktor. Anders als bei der offiziellen Liste gibt es für die ausgewählten 100 Beispiele keine strengen Kriterien. Vielmehr folgen sie in zehn Schwerpunkten individuellen Entscheidungen. Die einzelnen Texte beschreiben Orte und Landschaften nicht nur mit ihrer jeweiligen Geschichte. Mitunter wird auch auf weitere Welterbestätten verwiesen – so kommen am Ende deutlich mehr als einhundert in den Blick.
Die »Top Ten« beginnen mit dem Aachener Dom, einem europäischen Denkmal par excellence. Die ehemalige Pfalzkapelle von Karl dem Großen war 1978 auf der erstmals vorgelegten UNESCO-Liste der erste Eintrag Deutschlands. Wien, Paris und Rom dürfen unter den »Großen Zehn« ebenso wenig fehlen wie Venedig oder Prag. Die Aufnahme von Auschwitz in diese Reihe verweist darauf, dass neben Kunst und Kultur zum Erbe der Menschheit auch der große Zivilisationsbruch des 20. Jahrhunderts gehört.
»Welterbe historisch« vereint zehn Städte zwischen Visby und Dubrovnik, während die »majestätische« Auswahl mit Schlössern und Burgen von der deutschesten aller Burgen bis zum Castel del Monte tief im Süden reicht. Das Stichwort »abenteuerlich« gibt Anregungen für die Erkundung von Urwäldern, Gletschern und Fjorden. Dagegen führen »altertümliche« Orte zu frühen Zeugnissen der europäischen Siedlungs- und Kulturgeschichte, von denen weitere als »magische« Stätten vorgestellt werden.
Direkt neben dem Glacier-Express: St. Cassian im Schweizer Kanton Graubünden.
Rätselhaft: die Steinkreise von Stonehenge.
Kirchen und Klöstern als »besinnliches« Welterbe stehen als »technische« Beispiele besondere Orte der Industriegeschichte gegenüber, »unendlich« ist natürliches Welterbe an Wasser und Meer. Schließlich machen »erstaunliche« Ziele neugierig auf weniger Bekanntes abseits großer Touristenrouten.
Selbstredend sind die Abgrenzungen zwischen den einzelnen Aspekten fließend. Doch in der Zusammenschau ergeben sie ein facettenreiches Bild von Reichtum und Diversität, das grundlegend ist für die Kulturgeschichte Europas. Der Umschlagtitel mit historischer Kirchenfassade und moderner Brückenkonstruktion steht für diesen weitreichenden Spannungsbogen.
Doch die Bilder und Geschichten zur Geschichte können und wollen Reiseführer nicht ersetzen – wohl aber neugierig machen und anregen zum Entdecken von Stätten und Landschaften, die des Sehens würdig sind. Zum Kennenlernen der Menschen, die dort wohnen. Mithin zu einer Tour, die keine weite Weltreise sein muss. Vielleicht aber auch einfach nur zum entspannten armchair travelling, bequem zurückgelehnt in einen Sessel, bei dezenter Musik und einem guten Schoppen. Dafür ohne Flugscham und Bedenken wegen des ökologischen Fußabdrucks.
Bei alledem ist durchaus so etwas wie Demut angebracht. Nach 1989 brachen zahllose gestandene Männer und Frauen überwältigt und hemmungslos in Tränen aus, als sie zum ersten Mal die Nordsee oder den Kölner Dom, den Eiffelturm oder den Canal Grande mit eigenen Augen sahen. Tränen der Wut darüber, dass ihnen das Recht des freien Reisens über Jahrzehnte verwehrt geblieben war. Aber auch Tränen der Freude über das Glück der gewonnenen Freiheit. Die Geschichte dieser Tränen ist noch nicht geschrieben.
Umso wichtiger ist angesichts neuerlicher Gefährdungen die Bewahrung von kulturellem Erbe und Schätzen der Natur für künftige Generationen. Dazu führt die Welterbe-Idee die Impulse fort, die schon 1954 von der Haager Konvention zum Schutz von Kulturgut ausgingen und in den 1960er-Jahren mit der Rettung altägyptischer Tempel zu einem großen Erfolg führten. Die Übereinkunft zum Schutz des Kultur- und Naturerbes stammt von 1972. Inzwischen beteiligen sich 194 Länder.
Dennoch kann die Spezialorganisation der UNO allein das Welterbe nicht schützen, zumal der nach strengen Kriterien vergebene Titel lediglich ein ideeller ist. Materiell ist er bestenfalls eine Ermutigung für Investoren und Politiker, Welterbestätten durch angemessene Zuwendungen dauerhaft zu sichern. Stattdessen aber gelangen immer wieder einzelne Stätten auf die Rote Liste. Mancherorts haben städtebauliche Entscheidungen die Auszeichnung sogar rückgängig gemacht. Zusätzliche Gefährdungen bringt der globale overtourism.
Doch besonders dringlich ist der Appell zum Schutz des Welterbes seit dem Ukraine-Krieg. Die russische Aggression vom 24. Februar 2022 brachte in brutalstmöglicher Weise Krieg zurück nach Europa. Menschen in aller Welt sind erschüttert von den Bildern grausamer Verbrechen an der Zivilbevölkerung, die durch nichts zu rechtfertigen sind. Auch großflächige Verwüstungen und Zerstörungen von geradezu apokalyptischen Ausmaßen galten im modernen Europa bisher als überwunden.
So ist denn das Erbe der Menschheit so stark gefährdet wie lange nicht mehr. Schon 2017 hatte der Hallenser Ethnologe Christoph Brumann vor dem »etwas naiven Wunsch« gewarnt, »dass das großartige Erbe die Menschen verbinden wird«: So einfach sei es nicht, konstatierte der Wissenschaftler der Max-Planck-Gesellschaft. Nur wenn Konflikte vor Ort in jedem Einzelfall ernst genommen werden, könne die Bewahrung des Menschheitserbes zum Anliegen aller werden. Dem ist nichts hinzuzufügen.
Wem die Stunde schlägt: astronomische Uhr am Rathaus in Prag.
Im Wattenmeer an der Nordsee.
In Deutschland beginnt die Geschichte der Welterbestätten 1978 mit dem Aachener Dom. Er kam auf die weltweit erste Liste der UNESCO nicht nur als ein Beispiel früher Sakralarchitektur nördlich der Alpen. Die einstige Pfalzkapelle erinnert an Kaiser Karl den Großen, den streitbaren Vordenker eines modernen Europas. Das macht den heutigen Dom zu einem europäischen Denkmal par excellence.
Vom Rathaus zeigt sich die Silhouette des Doms mit dem »Glashaus von Aachen«, dem Oktogon und dem neugotischen Turm.
Der Nachruhm war überaus positiv. Karl der Große (um 747–814) habe »ganz Europa erfüllt mit allem Guten« hinterlassen, und »allen Bewohnern der Erde« sei er »furchtbar, liebenswürdig und bewundernswert zugleich« erschienen. So jedenfalls beschrieb der fränkische Chronist Nithard (800–844) die Zeit nach dem Tod des Kaisers. Selbst Karls grausame Kriege erscheinen in günstigem Licht: Die »wilden und eisernen Herzen der Franken und Barbaren« habe er »durch gemäßigten Schrecken« so gebändigt, »dass sie in seinem Reiche nichts zu unternehmen wagten, als was mit dem allgemeinen Wohl und Besten sich vertrug«.
Karl der Große vereinte in sich wohl gleichermaßen Milde und Härte. Das war in den täglichen Überlebenskämpfen seiner Zeit durchaus nichts Außergewöhnliches. Gewalt blieb dabei für ihn nie das letzte Wort. Vielmehr setzte er auf Verständigung, Versöhnung und Integration zwischen den einzelnen Regionen. So wurden seine Eroberungsfeldzüge im frühen Mittelalter zu einem ersten Fundament für ein übergreifendes Europa der Völker.
Auf dem Höhepunkt seiner Macht herrschte er von der Nordsee bis zum Mittelmeer, von der Normandie bis nach Süditalien. Nach Zerstörungen folgten Phasen des Wiederaufbaus – etwa mit Pfalzen und Domen nach großen byzantinischen Vorbildern wie Jerusalem oder Ravenna, aber auch mit spektakulären Infrastrukturprojekten. So beginnt etwa die lange Geschichte einer künstlichen Wasserstraße zwischen Nordsee und Schwarzem Meer mit der als »Karlsgraben« bekannten Fossa Carolina im heutigen Mittelfranken.
Bei alledem sah sich Karl nicht nur als »König und Lenker des Frankenreiches«, sondern stets auch als Schirmherr und »demütiger Helfer der heiligen Christenheit«. Die Pfalzkapelle in seiner neuen Residenz Aachen, die er nach eigenen Vorstellungen errichten ließ, sollte diese Haltung bekräftigen. Der Kaiser sah seine Kirche als Abbild des himmlischen Jerusalems, das nach der biblischen Überlieferung die Berührung von Irdischem und Himmlischen symbolisiert.
Heutige Besucher erleben das hoch aufragende Achteck der um das Jahr 785 begonnenen Kapelle als den Zentralbau des Doms. Umschlossen ist das Oktogon von zweigeschossigen Umgängen sowie mehreren Kapellen, die zwischen dem 15. und 18. Jahrhundert angebaut wurden. Größter Anbau ist der 1414 vollendete Gotische Chor, wegen seiner schlanken, hohen Fenster bald auch »das Glashaus von Aachen« genannt.
Einmalig: Den Blick vom Turm auf den Aachener Münsterplatz können Dombesucher immer nur Anfang September genießen.
Dort glänzt von der Höhe eine kostbare Strahlenkranzmadonna mit Maria, die eine Schlange zertritt. Die geschnitzte Doppelfigur in Gold und Blau ist eine der vielen Darstellungen, die den Dom als Marienkirche ausweisen. Dazu gehört auch das hölzerne Gnadenbild »Unserer Lieben Frau von Aachen« aus dem 14. Jahrhundert in einer Nische vor dem Hauptaltar. Weil über die Jahrhunderte zahllose Wallfahrer das Gnadenbild mit unterschiedlichsten Geschenken bedachten, prägte der Volksmund das Wort von der »reichsten Frau Aachens«.
Der Königsthron erhielt seinen Platz auf der Empore wahrscheinlich zur ersten Krönung eines deutschen Königs im Jahr 936.
Seit dem Mittelalter ist der Dom eine Reliquienstätte. Unter den vier der textilen Heiligtümer, die alle sieben Jahre den Pilgern gezeigt werden, ist das sogenannte Lendentuch des gekreuzigten Christus. Ihren Platz haben die Reliquien im vergoldeten Marienschrein in der Chorhalle. Die sterblichen Reste von Karl dem Großen ruhen im Karlsschrein, einem Meisterwerk maasländischer Goldschmiedekunst. Beeindruckend in seiner Schlichtheit ist dagegen im Obergeschoss der marmorne Kaiserthron.
Merkwürdige Einritzungen auf den Marmorplatten wie ein Mühlespiel gelten als Hinweise darauf, dass die antiken Platten möglicherweise einst als Bodenbelag dienten. Wie auch immer: Zwischen den Jahren 936 und 1531 sonnten sich über 30 Könige und zwölf Königinnen im Nachruhm des Kaisers, indem sie am historischen Ort ihre königlichen Würden empfingen. Kaiser Friedrich Barbarossa (um 1122–1190) ließ seinen berühmten Vorgänger 1165 heiligsprechen und stiftete dazu den monumentalen Radleuchter, der mit seinem goldenen Glanz die Symbolik des himmlischen Jerusalems sinnfällig unterstreicht.
Weitere Kostbarkeiten im Dom sind ferner eine goldene Altartafel vom Beginn des 11. Jahrhunderts und der Ambo, eine überaus reich geschmückte Kanzel aus der Zeit um das Jahr 1000. Seine vergoldeten Kassettenwände bewahren eine Sammlung wertvoller Preziosen wie Schalen aus Achat und römischem Bergkristall, byzantinische Schachfiguren, Goldreliefs der Evangelisten und Elfenbeinreliefs. Am Bronzeportal der Vorhalle schließlich beeindrucken der große Pinienzapfen und eine furchterregende Wolfsfigur aus dem 2. Jahrhundert, als Aachen noch römisch war.
Für Kaiser Karl war die Pfalzkapelle geistiger Mittelpunkt der neuen Residenz Aachen, die einst gern auch als »zweites Rom« bezeichnet wurde. Hier tagten Reichstage, wurden Reformen auf den Weg gebracht, entwickelten Gelehrte der »Hofakademie« ihre Europa-Ideen. Doch nur wenige Jahrzehnte nach Karls Tod war sein Riesenreich Geschichte. Geblieben ist ein einzigartiger Erinnerungsort mit reichen Kunstschätzen aus längst vergangenen Zeiten im Dom und seiner berühmten Schatzkammer.
INFO
PRINZEN UND PRINTEN
Seit dem 19. Jahrhundert ist Aachen eine der markanten Hochburgen des rheinischen Karnevals. Seine Geschichte beginnt mit der französischen Besetzung des Rheinlandes von 1794 bis 1814. Die Aachener waren empört über das militärische Gehabe der Franzosen, was sie deutlich zeigten, indem sie in Fantasiekostümen aus Lumpen vor den Kasernen auf und ab marschierten. Dabei sangen sie immer wieder Schmählieder und führten den militärischen Gruß absichtlich falsch aus: mit der rechten flachen Hand an der linken Seite der Stirn. Daraus wurde dann der Narrengruß der Karnevalisten mit Prinzen und Hofstaat. Sie gehören zu Aachen wie die Printen, die anfangs mancher gern auch als Symbol für die ungeliebten Franzosen nahm: Man konnte ihnen den Kopf abbeißen.
WEITERE INFORMATIONEN
UNESCO-Welterbe Aachener Dom|
unesco.de/kultur-und-natur/welterbe/welterbe-deutschland/aachener-dom
aachenerdom.de
Karneval in Aachen|
akv.de
Am Übergang vom Oktogon mit dem monumentalen Radleuchter zum »Glashaus von Aachen« fällt der Blick auf die goldene Altartafel aus dem frühen 11. Jahrhundert.
In dem Fabrikgebäude wird nach über hundert Jahren noch immer produziert. Damit ist es eines der wenigen Industriedenkmäler in Deutschland, die bis heute entsprechend ihrer ursprünglichen Bestimmung genutzt werden. Für die Arbeitswelt des 20. Jahrhunderts markiert das Ursprungswerk moderner Industriearchitektur den Beginn einer neuen Ästhetik, die weit über den Gebäudestandort hinausreicht.
Zeitlose Moderne in Alfeld an der Leine bei Hannover.
Er war zweifellos einer der großen Architekten. Mit seinen Werken hat Walter Gropius (1883–1969) die Welt des Bauens nachhaltig revolutioniert. Dabei konnte der spätere Gründer des Bauhauses in Weimar nicht einmal ordentlich zeichnen. Für Pläne auf dem Reißbrett war er deshalb stets auf Mitarbeiter angewiesen. Wichtigster Partner für sein erstes Großprojekt in Alfeld an der Leine war Adolf Meyer (1881 bis 1929), der ohnehin als das »Alter Ego« aus Gropius’ Büro galt. Ohne Meyer sind Arbeiten wie das Fagus-Werk kaum vorstellbar, denn Gropius gab im Diskurs mit seinem engsten Mitarbeiter eher den Mann der Ideen und des Wortes. Dazu gehörte auch seine Forderung nach »neuen Bauorganismen«: »Paläste für Arbeiter« sollten den Beschäftigten nicht nur »Licht, Luft und Reinlichkeit« geben, sondern sie zugleich »etwas spüren lassen von der Würde der gemeinsamen großen Idee«.
Bei alledem war Gropius überzeugt, dass sich eine solche Gemeinsamkeit auch für den »subtil rechnenden« Unternehmer auszahlt: Er würde Rücksicht auf das »ursprüngliche Schönheitsideal« nehmen und erkennen, dass »mit der Zufriedenheit des einzelnen Arbeiters auch der Arbeitsgeist wächst und folglich die Leistungsfähigkeit des Betriebes«.
Der Alfelder Unternehmer Carl Benscheidt (1858–1947) fand an solchen Worten offenbar Gefallen. Jedenfalls erhielt Gropius 1911 den Zuschlag für den Neubau der Fagus GmbH. Mit dem Firmennamen, abgeleitet vom lateinischen Wort für Buche, verwies Benscheidt auf die hölzernen Schuhleisten aus seiner Fabrik. In dem lebendigen Industriedenkmal gehören Leisten für die Schuhherstellung bis heute zur Produktpalette.
Die schwerelose Eleganz des Fagus-Werks wirkt auf den Betrachter modern wie am ersten Tag. Besonders deutlich wird dieser Eindruck am dreistöckigen Bürogebäude, dessen große Glasflächen jeweils ohne Stützen um die Ecken geführt sind. Möglich wurde der optische Effekt von schwebender Leichtigkeit durch ein Skelett aus Stahlbeton, dessen Stützen im Inneren die Außenwände von ihrer tragenden Funktion befreien. Transparente Glasecken wie in Alfeld sollten denn auch bald in der Architektur der Moderne weltweit zu einem augenfälligen Merkmal werden.
Besucher können die Ikone der Industriearchitektur auf unterschiedlichen Wegen erkunden. Regelmäßige Führungen bieten Einblicke in die moderne Schuhleistenproduktion, aber auch in hundert Jahre lebendiger Industriegeschichte. Dabei kommt die Architektur von Walter Gropius ebenso in den Blick wie die innovativen Ideen des Firmengründers Carl Benscheidt für fußgerechte Schuhe nach individuellen Bedürfnissen.
Im früheren Lagerhaus für Schuhleisten können Besucher in der »Fagus-Gropius-Ausstellung« an einem Leisten aus Buchenholz ihren Wunschschuh feilen, hundert Jahre Schuhmode erkunden, Promi-Schuhe von Claudia Schiffer bis Til Schweiger oder Bauhaus-Möbel entdecken. Dagegen bietet die »Waldetage« vielfältige Einblicke in den Lebensraum Wald. Zudem gibt es bei der »ArchitekTour« durch verschiedene Gebäudeteile und über das Außengelände zahlreiche Details hinter den Kulissen. Ein besonderer Aspekt dabei ist die Bedeutung des Fagus-Werks für Ausbildung und Lehre am Staatlichen Bauhaus, das Gropius 1919 in Weimar gründete. Die Impulse der wichtigsten Hochschule des 20. Jahrhunderts für Kunst, Design und Architektur wirken weltweit bis in die Gegenwart.
… bleib bei deinen Leisten.
INFO
PROTHESEN GEGEN SCHNARCHEN
Ein kurioses Kontrastprogramm bietet das weltweit einzige Schnarchmuseum im Alfelder Ortsteil Langenholzen. Bei einem Streifzug durch die Privatsammlung eines Mediziners lernt der Besucher allerlei Apparaturen vom 18. Jahrhundert bis in die Neuzeit kennen, die das Schnarchen verhindern sollen – von durchaus seriösen Hilfsmitteln bis hin zu Scharlatanerie. Mundprothesen gehören dazu ebenso wie Kinnbinden, Nasenklemmen und -pflaster, diverse Weckmittel und Lagerungskissen. Darüber hinaus ist zu erfahren, dass das lästige Schlafgeräusch schon antike Gemüter erhitzte. Der griechische Fruchtbarkeitsgott Dionysos etwa wurde beim Schnarchen und bei Atemaussetzern im Schlaf mit einem Pinienzapfen geweckt. Eine erste Dissertation über das »Schnarchen der Schlafenden« erschien übrigens schon 1745.
WEITERE INFORMATIONEN
UNESCO-Welterbe Fagus-Werk in Alfeld
unesco.de/kultur-und-natur/welterbe/welterbe-deutschland/fagus-werk-alfeld
Schnarchmuseum Langenholzen
schnarchmuseum.de
Ihre Herkunft als Bischofssitz kann die Stadt nicht verleugnen – viele Sachzeugen einer mehr als tausendjährigen Geschichte haben dank glücklicher Umstände die Jahrhunderte überdauert. Dazu gehören nicht nur Kirchtürme, bischöfliche Bauten und stattliche Bürgerhäuser. Weitgehend erhalten blieb auch die historische Altstadtstruktur. In ihrer Kleinteiligkeit pulsiert heute der moderne Alltag.
Bambergs Altstadt zu Füßen des Kaiserdoms (links) mit dem Rathaus im Fluss (rechts).
Schon immer hat Bamberg seine Besucher fasziniert – und dies bis heute unabhängig davon, ob gerade die Bischofsstadt gefragt ist oder aber die Bierstadt. In ihrer Mitte werden sie empfangen von kleinen Straßen und engen Gassen, durch die sie der Weg früher oder später hinaufführt zum Kaiserdom aus dem 11. Jahrhundert und zur fürstbischöflichen Residenz. Ihr zu Füßen liegt die Altstadt mit mehr als tausend denkmalgeschützten Gebäuden. Damit hat Bamberg das hierzulande größte erhaltene Altstadtensemble.
Seine Mitte ist zweifellos der Dom St. Peter. Zusammen mit der Abtei St. Michael, der Stephanskirche und der Oberen Pfarre am Kaulberg ist er eine der vier repräsentativen Kirchen Bambergs. Den Dom stiftete Kaiser Heinrich II. (um 978 bis 1024), der auf seiner fränkischen Pfalz zu residieren liebte und dessen kostbarer blauer Damast-Sternenmantel im Diözesanmuseum zu sehen ist. Den Bischöfen gab Heinrich mehr Rechte. Sie sollten als Territorialfürsten vor allem auch seine Reichspolitik unterstützen.
Südliches Flair in »Klein Venedig«.
Mit der Gründung des Bistums Bamberg im Jahr 1007 führte Heinrich die Stadt zu Größe und Glanz. Seine Frau, Kunigunde von Luxemburg (um 980–1033), unterstützte ihn und wurde nach dem Tod des Kaisers Regentin. Beide fanden ihre Grabstätte im Dom. Dessen bekanntestes Kunstwerk, der »Bamberger Reiter« aus dem 13. Jahrhundert, stammt wohl aus einer Werkstatt im Umfeld der Kathedrale in Reims, die für Bamberg auch die Statuen Marias und Elisabeths schuf. Die Identität des gekrönten Reiters indes ist unklar. Vermutlich ist es der Ungarnkönig Stephan (969–1038), der mit einer Schwester Heinrichs verheiratet war.
Ein Blick vom Domberg ins weite fränkische Land und über die abwechslungsreiche Dachlandschaft ruft unvermittelt Worte des weithin vergessenen Dichters Ferdinand Avenarius (1856–1923) ins Gedächtnis. Für ihn war schon vor über hundert Jahren »Bamberg an Stadtbaukunst eine der allerschönsten Städte Deutschlands«. Ihren architektonischen Reichtum verdankt sie nicht zuletzt vielen stattlichen Bürgerhäusern aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Geradezu bescheiden ist dagegen das schmale Haus, in dem der Kapellmeister E. T. A. Hoffmann (1776–1822) eine Reihe von Jahren und eine unglückliche Liebe erlebte.
Den Namen des künstlerischen Multitalents trägt das Theater ganz in der Nähe. Dort wie andernorts in der Stadt laden vielerlei Weinstuben, Bierkeller und Cafés zum Verweilen ein, wobei vor allem Studenten der 1979 wieder begründeten Universität für lebendiges Treiben sorgen. Sie wurden nicht auf einen Campus außerhalb geschickt, sondern nutzen dasselbe Areal und teils dieselben barocken Gebäude wie im 17. Jahrhundert die »Academia Ottoniana«.
Ein Hauch von südländischem Flair liegt über der einstigen Fischersiedlung »Klein Venedig«. Winzige Gärten vor dicht gedrängten Fachwerkhäusern reichen direkt bis ans Ufer der Regnitz. Zugleich ist Bamberg der Moderne gegenüber aufgeschlossen und hat bedeutende museale Sammlungen vorzuweisen, zum Beispiel sakrale Goldschmiedekunst und kostbarste Gewänder im Diözesanmuseum. Das Naturkundemuseum bewahrt ein Naturalienkabinett von 1791. Das Stadtbild beleben zeitgenössische Großskulpturen von Botero, Luginbühl und anderen.
1995 zog die Porzellansammlung des Mäzens Peter Ludwig ins Alte Rathaus auf der Regnitzinsel ein – ein stimmig gewählter Platz: Der Bau aus dem Mittelalter auf der Grenze von Dombezirk und Bürgerstadt wirkt in seinem barockisierten Ambiente selbst so fragil wie aus Porzellan.
INFO
SCHLENKERLA
Bei alledem war und ist Bamberg immer auch eine Stadt des Bieres. Allein in der Stadt gibt es 13 einschlägige Familienunternehmen, im Umland kommen 60 weitere hinzu. Alle zusammen brauen sie immerhin 400 verschiedene Sorten, darunter auch international preisgekrönte. Bamberger Spezialität ist das »Schlenkerla«, der Urstoff eines süffigen Rauchbiers schlechthin. Der ausgefallene Name geht zurück auf einen Wirt des Blauen Löwen, dem beim Abladen der Bierfässer sein Gespann durchging, das ihn überrollte. Die Folge war eine Hüftverletzung und danach ein schlenkernder Gang … Gasthaus und Bier hatten ihren Namen weg. Die Bamberger gehen übrigens zum Feierabendbier oder auch sonst nicht in den Biergarten, sondern »auf’n Keller« – zum Freisitz über den Bierkellern in der durchlöcherten Unterwelt.
WEITERE INFORMATIONEN
UNESCO-Welterbe Altstadt von Bamberg
unesco.de/kultur-und-natur/welterbe/welterbe-deutschland/altstadt-von-bamberg
Welterbe in der Hauptstadt ist ein weites Feld. Schon die fünf großen Museen auf der Spreeinsel mit ihren unterschiedlichen Schwerpunkten sind für Besucher eine Herausforderung. Hinzu kommen in mehreren Außenbezirken die Wohnsiedlungen der Moderne. Ganz im Westen schließlich gehören die Berliner Ausläufer der berühmten Parklandschaft von Potsdam und Sanssouci dazu.
Tempel der Kunst mitten in der Spree: das Bode-Museum.
Eine preußische Kabinettsorder forderte am 29. März 1810 für Berlin »eine öffentliche, gut gewählte Kunstsammlung«, die vis-à-vis dem königlichen Schloss angelegt werden sollte. Doch bei der einen blieb es nicht: Im Laufe der Zeit entstanden fünf große Museen. Nach dem Zweiten Weltkrieg lag jedoch vieles in Trümmern. Erst 2009 war mit der »ergänzenden Wiederherstellung« des Neuen Museums von Friedrich August Stüler (1800–1865) der Wiederaufbau abgeschlossen.
Nach Abschluss des aufsehenerregenden Projekts von David Copperfield war gelegentlich von einem »Höhepunkt der Berliner Auferstehungsgeschichte« die Rede. Die behutsame Kombination von alter Substanz und moderner Ergänzung machte die Museumsinsel zu einem Kunstzentrum ohnegleichen. Die Bestände in den einzelnen Häusern reichen von Kunst aus babylonischer Zeit bis zum 20. Jahrhundert. Der Weg dorthin beginnt seit 2019 in der modernen James-Simon-Galerie, eine Hommage an den 1932 verstorbenen Berliner Mäzen.
Der erste Museumsbau, das 1830 eröffnete Museum am Lustgarten von Karl Friedrich Schinkel (1781–1841), wird längst nur noch »Altes Museum« genannt. Es ist eines der besten Beispiele des europäischen Klassizismus und gilt unter Fachleuten als Gründungsbau der modernen Museumskultur. 1841 bestimmte dann König Friedrich Wilhelm IV. (1795 bis 1861) das gesamte Areal des Lustgartens zwischen Spree und Kupfergraben zu einer »Freistätte für Kunst und Wissenschaft«: Die Museumsinsel war geboren.
Das Gesamtkonzept des enorm produktiven Schinkel-Schülers Stüler sah für das Areal nicht nur das Neue Museum als Erweiterungsbau für ägyptische Kunst vor. Ferner sollte nach antikem Vorbild ein Forum mit einem tempelartigen Bau für Aula und Hörsäle der 1809 gegründeten Universität entstehen. Daraus wurde jedoch später die Nationalgalerie. Ihre korinthischen Säulen verhalfen der Stadt zu dem gern strapazierten Beinamen »Spree-Athen«.
Ein Hauch von Venedig liegt über der Inselspitze im Norden: Unmittelbar aus dem Wasser erhebt sich das mächtige neubarocke Kaiser-Friedrich-Museum, das später den Namen seines berühmten Gründungsdirektors Wilhelm von Bode (1845–1929) erhielt. Der 1897 begonnene Bau, der auch religiöse Kunst zeigen sollte, konnte wegen Verzögerungen durch Bismarcks Kulturkampf gegen die katholische Kirche erst 1904 abgeschlossen werden. Als fünfter und größter Bau auf der Spreeinsel wurde schließlich 1930 das Pergamonmuseum mit dem rekonstruierten Altar aus der antiken türkischen Stadt Bergama eröffnet.
Modernes Bauen vor hundert Jahren: die »Siedlung Schillerpark«.
Für das 21. Jahrhundert sucht die Museumsinsel nach neuen Wegen. Das Ziel ist eine neue Gemeinsamkeit aller Häuser, indem große und zeitlos bewegende Themen übergreifend dargestellt werden – etwa zum Selbstverständnis des Menschen zwischen Geburt und Tod oder zu den Vorstellungen von Chaos und Kosmos in unterschiedlichen Kulturen. Der Ort dafür ist eine unterirdische »Archäologische Promenade« zwischen dem Neuen Museum und dem Bode-Museum. Sie soll zugleich einladen zum bequemen Schlendern zwischen den Häusern ohne lange Umwege im Freien.
Welterbe finden Berlin-Besucher jedoch nicht nur in Mitte. Ein Muss für Architekturfans sind die sechs »Siedlungen der Berliner Moderne«, mit denen prominente Architekten zwischen 1913 und 1934 Maßstäbe setzten für bezahlbare Wohnungen. Das älteste dieser Wohngebiete ist die »Gartenstadt Falkenberg« von Bruno Taut (1880–1938) im heutigen Stadtbezirk Treptow-Köpenick. Die 80 Einfamilien- und sechs Mietshäuser sind wegen der auffallend bunten Farbigkeit von Fassaden, Fenstern, Brüstungen und anderen Details besser bekannt als »Tuschkasten-Siedlung«.
Die bunte »Tuschkastensiedlung« von Bruno Taut.
Ausgesprochen großstädtisch baute Taut ab 1924 im Arbeiterbezirk Wedding. Die »Siedlung Schillerpark« nimmt Bezug auf moderne holländische Architektur jener Zeit, die roten Fassaden zitieren die Backsteinfassaden Amsterdams. Bekannter jedoch ist zweifellos Tauts »Hufeisensiedlung«. In der zwischen 1925 und 1930 errichteten Großsiedlung auf dem einstigen Rittergut Britz in Neukölln leben bis heute 5000 Menschen. Die zentrale umlaufende Häuserzeile bildet um einen eiszeitlichen Pfuhl ein riesiges Hufeisen, das von weiteren Wohnbauten umgeben ist.
Die »Wohnstadt Carl Legien« in Prenzlauer Berg ist benannt nach dem ersten Vorsitzenden des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes von 1919. Für die unmittelbare Nachbarschaft zu dicht bebauten Quartieren der Gründerzeit entwarf Taut zusammen mit Franz Hillinger (1895–1973) eine Großstadtsiedlung mit hellen Vier- und Fünfgeschossern und dazwischenliegendem Grün.
Die »Weiße Stadt« in Reinickendorf und die »Siemensstadt« in Charlottenburg schließlich gelten im Wohnungsbau als Schlüsselprojekte für Neues Bauen am Ende der 1920er-Jahre. In Reinickendorf entstanden nach Entwürfen mehrerer Architekten unter der Gesamtleitung des Stadtplaners Martin Wagner (1885–1957) zwischen 1929 und 1931 über 1200 Wohnungen. Die direkt integrierten Versorgungseinrichtungen – Läden, Kinderheim, Arztpraxis, Café – waren damals ein Novum.
Den städtebaulichen Entwurf für die Großsiedlung »Siemensstadt« lieferte Hans Scharoun (1893–1972), der später mit seiner Philharmonie im damaligen Westberlin weithin für Aufsehen sorgte. An der 1929 begonnenen Großsiedlung waren prominente Vertreter des Neuen Bauens beteiligt, darunter der Bauhaus-Gründer Walter Gropius (1883–1969) und sein Weimarer Nachfolger Otto Bartning (1883–1959). Unverkennbar hinterließen sie ihre Handschriften, von Gropius’ nüchternem Funktionalismus bis zu Scharouns differenziertem Spiel mit unterschiedlichen Formen.
Als aufgelockerte Stadt mit viel Grün dazwischen wurde »Siemensstadt« nach dem Zweiten Weltkrieg vielerorts zum Synonym für den Wiederaufbau der zerstörten Städte. In Berlin sind die Siedlungen der Moderne nach wie vor begehrte Wohngegenden. Für »ArchitekTouren« ist das ein Problem: Das Innere der städtebaulichen Ensembles, deren Wohnungen mit Toiletten, Bädern, Zentralheizung, Balkon oder Loggia für ihre Zeit durchaus revolutionär waren, bleibt heutzutage interessierten Besuchern zumeist verschlossen.
Ein begehrtes Wohnquartier: die »Hufeisensiedlung«.
Neuer Blickfang am Pergamonmuseum: die James-Simon-Galerie.
INFO
PFAUENINSEL UND CO.
An der Glienicker Brücke, die im Kalten Krieg nach 1945 für den Agentenaustausch zwischen Ost und West stand, zeugen Parks und Schlösser von der feudalen Vergangenheit der lauschigen Landschaft zwischen Berlin und Potsdam mit ihren Wäldern und Seen. Auf der Pfaueninsel in der Havel nördlich von Glienicke legte 1821 Peter Joseph Lenné (1789–1866) den ersten Rosengarten Preußens an. Der Park am Schloss Klein-Glienicke ist ebenso ein Werk des berühmten Gartenkünstlers wie der Böttcherberg und der heutige Waldpark Nikolskoe am Havelufer. Dort erinnert das Blockhaus im russischen Stil an die dynastischen Beziehungen zwischen dem preußischen und dem Zarenhof im 19. Jahrhundert. Heute lädt dort eine Gaststätte zum Besuch ein.
WEITERE INFORMATIONEN
UNESCO-Welterbe Museumsinsel Berlin
unesco.de/kultur-und-natur/welterbe/welterbe-deutschland/museumsinsel-berlin
UNESCO-Welterbe Siedlungen der Berliner Moderne
unesco.de/kultur-und-natur/welterbe/welterbe-deutschland/siedlungen-der-berliner-moderne
UNESCO-Welterbe Schlösser und Parks von Potsdam und Berlin
unesco.de/kultur-und-natur/welterbe/welterbe-deutschland/schloesser-und-parks-von-potsdam-und-berlin
Ursprünglich gab es dort nur eine Gartenanlage nach dem Vorbild englischer Landschaftsparks und eine russische Kapelle. Doch an der Wende zum 20. Jahrhundert wurde die Mathildenhöhe zur Künstlerkolonie mit weitreichenden Impulsen für die Moderne. Die für ihre Zeit experimentelle Architektur geht einher mit künstlerischem Anspruch und illustriert damit die Vision einer dauerhaften Verbindung von Kunst und Handwerk.
Aufgang zum Museum der Künstlerkolonie.
Die ursprüngliche Parkgestaltung auf dem höchsten Punkt der Darmstädter Innenstadt war eine Idee von Großherzog Ludwig III. von Hessen und bei Rhein (1806–1877). Er gab der Anlage den Namen seiner Gattin Mathilde – und machte sie damit gleichsam unsterblich. Denn als »Mathildenhöhe« sollte der Ort im Europa um 1900 bald zu einem Synonym für den künstlerischen Aufbruch in die Moderne werden. Großherzog Ernst Ludwig (1868–1937) versprach sich vom Projekt Künstlerkolonie vor allem mehr Aufmerksamkeit für den Jugendstil. Zugleich aber hoffte er auf wirtschaftliche Impulse durch die Verbindung von Kunst und Handwerk: »Mein Hessenland blühe und in ihm die Kunst.« Dazu engagierte der kunstsinnige Mäzen den österreichischen Architekten Joseph Maria Olbrich (1867–1908), der gerade erst mit der »Wiener Secession« weithin für Furore gesorgt hatte. Sein Wiener Kollege Josef Hoffmann (1870–1956) kannte ihn als einen Mann »voll von sprühenden Ideen und vielleicht zu großer Romantik«, der ein »kolossaler Arbeiter und unermüdlicher Schaffer« sei und »am liebsten Walhalla gebaut« hätte.
Auch Großherzog Ernst Ludwig war begeistert von Olbrichs kühnem Bau in Wien mit der berühmten Kuppel aus goldglänzendem Lorbeerlaub. Aus diesem Grund holte er den Österreicher auch nach Darmstadt, wo in der neuen Künstlerkolonie Architektur, Kunsthandwerk und Malerei zusammengeführt und gleichzeitig zukunftsweisende Wohn- und Bauformen erarbeitet werden sollten. Eine Forderung übrigens, die an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert als Alternative zur industriellen Massenproduktion immer häufiger erhoben und zwischen Berlin, München und Wien in ganz unterschiedlichen Werkstattmodellen umgesetzt wurde.
Einer der Mitstreiter Olbrichs in Darmstadt war der Architekt und Designer Peter Behrens (1868–1940), Mitbegründer der »Vereinigten Werkstätten« in München. So entstand in enger Teamarbeit in der hessischen Stadt ein zweites Jugendstil-Zentrum. Olbrich schuf die meisten Gebäude, die er nicht nur entwarf, sondern zu denen er meist auch noch die Inneneinrichtung, die Gärten und einige Gebrauchsgegenstände konzipierte. Sein »Haus der Arbeit« mit Ateliers, Meisterstuben, Theater sowie Turn- und Festsälen verglich er mit »einem Tempel«, in dem Arbeit gleichsam »als heiliger Gottesdienst« gelte.
Diesem Haus »am höchsten Streif« stellte er die Wohnhäuser der Künstler gegenüber, »gleich einem friedlichen Ort, zu dem nach des Tages emsiger Arbeit von dem Tempel des Fleißes herabgestiegen wird, um den Künstler mit dem Menschen einzutauschen«. Olbrich sei auch in Darmstadt »ein echter Wiener Künstler« geblieben, befand der Schriftsteller Ludwig Hevesi (1843–1910) beim Tod des Architekten im Alter von nur 40 Jahren.
Später wurde das »Haus der Arbeit« in Würdigung von Olbrichs Mäzen zum »Ernst-Ludwig-Haus«. Heute befindet sich dort das Museum der Künstlerkolonie. Das ebenfalls von Olbrich gebaute »Große Glückerthaus« beherbergt die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung, die mit dem Georg-Büchner-Preis den wichtigsten deutschen Literaturpreis vergibt.
Überragt wird das Areal vom 48,5 Meter hohen »Hochzeitsturm«, den Olbrich zwischen 1905 und 1908 zur Erinnerung an die Hochzeit Ernst Ludwigs mit Prinzessin Eleonore Solms-Hohensolms-Lich errichten ließ. Das Wahrzeichen Darmstadts, wegen der auffälligen Giebelfront gern auch »Fünf-Finger-Turm« genannt, hat längst seine neue Aufgabe gefunden – als eigenwillige und unverwechselbare Nebenstelle des Darmstädter Standesamts. Die Russische Kapelle entstand jedoch schon 1899 und unabhängig von der Künstlerkolonie.
INFO
48 JAHRMILLIONEN
Welterbe der ganz anderen Art bewahrt die Grube Messel nordöstlich von Darmstadt. Die Fossillagerstätte war 1995 das erste deutsche Naturdenkmal auf der UNESCO-Liste. Mehrere Zehntausend Fossilien aus dem Maarvulkan-See dokumentieren die Entwicklungsgeschichte der Erde vor 48 Millionen Jahren, als die Dinosaurier verschwanden und sich Tier- und Pflanzenwelt explosionsartig veränderten. Eine Besonderheit ist neben den vielen Tier- und Pflanzenfossilien eine große Zahl von sehr gut erhaltenen Vollkörperskeletten. Dies alles lässt sich bequem erkunden mit dem Welterbe-Express, der per E-Mobil durch den früheren Tagebau für Ölschiefer fährt und auf seiner Tour auch direkt zu den Grabungsstätten der Fossilien in eine Tiefe von bis zu 60 Metern vordringt.
WEITERE INFORMATIONEN
Mathildenhöhe Darmstadt
unesco.de/kultur-und-natur/welterbe/mathildenhoehe-darmstadt-von-unesco-ausgezeichnet
UNESCO-Welterbe Fossillagerstätte Grube Messel
unesco.de/kultur-und-natur/welterbe/welterbe-deutschland/fossillagerstaette-grube-messel
grube-messel.de
Das Welterbe im Erzgebirge ist nichts für Eilige. Immerhin vereint es in der deutschtschechischen Bergbauregion 22 Stätten mit markanten Zeugnissen der Industriegeschichte, darunter allein 17 in Deutschland. Mehr oder weniger eng verbunden sind sie durch die sächsisch-böhmische Silberstraße, die auf 140 Kilometern den alten Handelswegen der Bergleute folgt.
Freigelegte Geschichte: Grundmauern der Saigerhütte Grünthal.
Wenn die Bergparade durch die Stadt zieht, sind die Menschen im Erzgebirge ganz bei sich. Was zugereiste Schaulustige am Straßenrand mitunter eher als folkloristisches Schauspiel mitverfolgen, ist für die Mitwirkenden in ihren historischen Bergmannsuniformen lebendige Tradition. Sie resultiert aus einer achthundertjährigen Geschichte des Bergbaus, von dem die Region und die Lebensweise ihrer Bewohner bis heute bestimmt sind.
Begonnen hat alles 1168 mit einem Zufallsfund. Nachdem Fachleute das rätselhafte Objekt als Silbererz erkannten, machte die Kunde schnell die Runde. Dieses »Berggeschrey« löste weit über den Fundort bei Christiansdorf hinaus einen wahren Ansturm aus. »Wo eyn man ercz suchen will, das meg her thun mit rechte«, versprach denn auch der zuständige Markgraf Otto von Meißen (1125–1190). Es kamen nicht nur Bergleute und Händler, sondern auch Abenteurer und Vagabunden – sozusagen Klondike-Fieber auf Sächsisch.
Das kleine Christiansdorf wurde zu Freiberg, der ältesten Bergstadt im heutigen Erzgebirge. Der 1765 gegründeten Bergakademie verdankt sie den Ruf als weltweit führender Standort der Montanwissenschaften. Einer der ersten Studenten war Georg Philipp von Hardenberg (1772–1801), besser bekannt als Novalis. Sein unvollendeter Roman »Heinrich von Ofterdingen« lebt von einzigartigen und unübertroffenen Bildern eines romantischen Mythos vom Bergbau.
In der Altstadt von Freiberg spiegeln repräsentative Bauten den Aufschwung als wirtschaftliches und politisches Zentrum. Auf dem Obermarkt mit dem Rathaus aus dem 15. Jahrhundert dreht sich alljährlich zum Christmarkt eine große Pyramide. Der 1512 geweihte Dom am Untermarkt mit der »Goldenen Pforte« und einer Silbermannorgel gilt als eine der bedeutendsten Kirchen in Sachsen. Auf den Bergbau verweist die filigrane steinerne Tulpenkanzel: Die Last der Wendeltreppe trägt ein Knappe.
Auch im Umland gibt es viele Sachzeugen der Bergbaugeschichte. Von der Grube Segen Gottes Erbstolln beispielsweise, bis zum 19. Jahrhundert wichtigstes Bergwerk bei Gersdorf, sind ein steinernes Grubenwehr in der Freiberger Mulde und Reste eines Kanals erhalten, auf dem einst das Erz transportiert wurde. Dagegen verarbeitet der Hüttenkomplex Muldenhütten nördlich der Altstadt von Freiberg noch immer Buntmetalle, wie seit mindestens 600 Jahren.
Altenbergs Wahrzeichen: der Förderturm des Arno-Lippmann-Schachts.
Einen neuerlichen Silberrausch brachte das »Große Berggeschrey« gegen Ende des 15. Jahrhunderts. 1496 wurde Annaberg die erste Planstadt der Region, wo es neben Silber, Kupfer und Zinn auch Wismut und Kobalt sowie verschiedene Steine und Erden gab. Schon auf dem Grundriss der Stadt war neben Marktplatz, Rathaus und Bürgerhäusern auch der exponierte Standort für die monumentale Annenkirche festgelegt.
