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Den ersten eigenen Honig herstellen und vermarkten mit dem Gütesiegel „Echter Deutscher Honig“. Werner Gekeler, staatlicher Fachberater für Imkerei, führt Sie in diesem Leitfaden durch die Kurs- und Prüfungsvorbereitung der Honigschulung und dem Fachkundenachweis Honig. Dabei werden kompakt und anschaulich alle Zwischenschritte von der Honigrohstoffgewinnung über den Verarbeitungsprozess bis zur Vermarktung dargestellt. Selbst Einzelheiten wie Lagerung, Kristallisation, Bearbeitung sowie Abfüllung werden im Kontext der Lebensmittel- und Honigverordnung verständlich und übersichtlich erklärt. Der ideale Begleiter auf dem Weg zu Ihrem ersten eigenen Honig.
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Seitenzahl: 167
Veröffentlichungsjahr: 2023
Werner Gekeler
FACHKUNDE NACHWEIS
HONIG
Gewinnung
Verarbeitung
Vermarktung
Vorwort
Vom Nektar zum Honig
Wie Honig entsteht
Nektar und Honigtau als Rohstoffe
Wissensfragen
Honigbereitung und -gewinnung
Von der Bereitung des Honigs bis zur Schleuderreife
Gewinnung des Honigs
Ausrüstung zur Honiggewinnung
Abläufe bei der Gewinnung des Honigs
Wissensfragen
Weiterverarbeitung des Honigs
Lebensmittelhygiene in der Imkerei
Klären und Abschäumen des Honigs
Kristallisation
Rühren des Honigs
Wissensfragen
Abfüllen des Honigs
Vorbereitung der Honigabfüllung
Vorgehensweise bei der Honigabfüllung
Honigabfüllung größerer Chargen
Gestaltung von Etiketten
Bestellung von Gewährverschluss-Etiketten
Anbringen der Gewährstreifen
Wissensfragen
Honiglagerung
Lagerbedingungen
Einfrieren des Honigs bei –18 °C
Verflüssigen des kristallisierten Honigs
Impfen
Wissensfragen
Beurteilung des Honigs
Inhaltsstoffe des Honigs
Sortenbestimmung
Umgang mit der Sortenbezeichnung
Manukahonig
Melezitosehonig
Besonderheiten bei Honig
Honig im Deutschen Lebensmittelbuch
Eigenarten des Honigs
Rückstände im Honig
Biohonig
Wissensfragen
Vermarktung des Honigs
Die Imkerei und der Honigmarkt in Deutschland
Marketing
Warum heimischer Honig beim Kauf und beim Verbrauch bevorzugt werden soll
Wissensfragen
Gesetze und Verordnungen
Deutsches Lebensmittelbuch
Das Verpackungsgesetz betrifft auch die Imkerei
Honigverordnung
Wissensfragen
Service
Über den Autor
Dank
Literatur
Bildquellen
Impressum
In Honigschulungen werden die Grundlagen für den gesamten Gewinnungs-, Bearbeitungs-und Vermarktungsprozess des Honigs vermittelt. Der Besuch einer Schulung mit einem erfolgreichen Abschluss ist auch Voraussetzung, um die Gewährstreifen des Deutschen Imkerbundes (D.I.B.) beziehen und nutzen zu können. Diese Regelung gilt für alle Neuimker (siehe Hinweis auf S. 128) und Neubezieher des D.I.B.-Etiketts. Zudem regeln verschiedene Gesetze das In-Verkehr-Bringen des Honigs. Nach Abschluss der Schulung erhalten die Teilnehmer ein werbewirksam gestaltetes Zertifikat.
Honigbienen sind unverzichtbare Bindeglieder im Naturhaushalt. Dazu liefern sie uns sechs spezielle Kostbarkeiten. Neben Bienenwachs, Propolis, Pollen, Gelée Royale und Bienengift ist Honig zweifellos das bedeutendste Produkt.
Die Gewinnung des eigenen Honigs ist bei den meisten Neuimkern ein Nebenaspekt. Der Grund für den Beginn mit der Bienenhaltung ist die ökologische Seite. Vielen liegt am Herzen, dass sie einen Beitrag zum Naturerhalt leisten.
Der Wunsch und die Absicht, von dem eigenen Honig auch zu verkaufen, steht oft an zweiter Stelle. Trotzdem ist die Beherrschung des Fachwissens zur Gewinnung und Weiterverarbeitung des Honigs von Bedeutung. Denn der gewonnene Honig soll ja nicht verderben und beim Verkauf soll er den gesetzlichen Vorschriften und Qualitätsanforderungen entsprechen.
Wie Honig bereitet wird, wie er gewonnen, bearbeitet und vermarktet werden soll und kann, habe ich in diesem Buch zusammengefasst.
Bau einer Zwitterblüte mit Staubbeutel und Fruchtknoten. Eine Biene saugt Nektar aus der sehr tief liegenden Nektarie im Bereich des Fruchtknotens.
Quelle: F. G. Barth, grafisch bearbeitet vom Autor.
Honig ist ein Naturprodukt: Wie er entsteht, sich zusammensetzt, wie er beschaffen sein muss und welche Angaben bei der Vermarktung gemacht werden müssen, regelt die Honigverordnung. Sie ist bindend für jeglichen Umgang mit Honig. Sie gilt Deutschland- und EU-weit, sowohl für inländischen als auch für importierten Honig. Nach der deutschen Honigverordnung (HonigV) gibt es für Honig folgende Begriffsbestimmung:
„Honig ist der natursüße Stoff, der von Honigbienen erzeugt wird, indem die Bienen Nektar von Pflanzen oder Sekrete lebender Pflanzenteile oder sich auf den lebenden Pflanzenteilen befindliche Exkrete von an Pflanzen saugenden Insekten aufnehmen, durch Kombination mit eigenen spezifischen Stoffen umwandeln, einlagern, dehydratisieren und in den Waben des Bienenstocks speichern und reifen lassen.
Honig besteht im Wesentlichen aus verschiedenen Zuckerarten, insbesondere aus Fructose und Glucose, sowie aus organischen Säuren, Enzymen und beim Nektarsammeln aufgenommenen festen Partikeln. Die Farbe des Honigs reicht von nahezu farblos bis dunkelbraun. Er kann von flüssiger, dickflüssiger oder teilweise bis durchgehend kristalliner Beschaffenheit sein. Die Unterschiede in Geschmack und Aroma werden von der jeweiligen botanischen Herkunft bestimmt.“
Für uns als Betrachter ist der emsige Blütenbesuch von Bienen, Hummeln und Co. ein wundervolles Schauspiel. Bei genauer Betrachtung entpuppt sich dies für beide Partner als eine über Jahrmillionen hindurch erprobte Überlebensstrategie.
Für die Insekten ist es die dringend notwendige Nahrungsbeschaffung, um existieren zu können, und bei den Pflanzen ist es die Bemühung zur zuverlässigen Bestäubung mit der damit verbundenen Befruchtung zur Sicherung des Fortbestandes bzw. der Vermehrung der jeweiligen Art. Dafür geben sie alles, es ist ein Regenbogen voller Farben mit einem Bouquet von Düften. Bei den Insekten sind der Körperbau und die Funktionen all ihrer Organe eindeutig dafür geschaffen, ihre Nährstoffe auf den Blütenpflanzen zu sammeln. Auch ihre Fähigkeiten, sich der jeweiligen Situation anzupassen und sich die unterschiedlich zustande kommenden Nahrungsangebote zu merken, sind eine Folge oder Begabung des langen Zusammenlebens.
Blütenbesuch auf einem Wiesensalbei, ein faszinierendes Schauspiel, wenn sich die beiden Stempel auf die Biene senken.
Bienen bei der Futteraufnahme. Die Mundwerkzeuge sind gut erkennbar.
Das Pflanzenreich ist sehr vielfältig. Ein bedeutendes Unterscheidungsmerkmal bei den Pflanzen ist die Bestäubungsart. Wir unterscheiden Windbestäubung (Anemophilie) und Insektenbestäubung (Entomophilie).
Bei Windbestäubern erfolgt die Blütenstaubübertragung durch Luftbewegung (Wind). Diese Pflanzen erzeugen ein Millionenfaches an Blütenstaub gegenüber Insektenbestäubern. Während der Haselnuss- oder Fichtenblüte können wir manchmal die vom Wind getragenen Pollenstaubwolken beobachten. Auf Pfützen oder Gewässern niedergegangener Pollenstaub bildet einen regelrechten Überzug und verdeutlicht das Ausmaß der Pollenmasse. Trotz des Überflusses an Pollen müssen sich die Pflanzen bemühen, diesen mit der weiblichen Blüte einzufangen. Zu beobachten ist dabei, wie sich die Narbe der weiblichen Blüte vergrößert und diese eine klebrige Oberfläche absondert, um den vorbeifliegenden Pollen aus der Luft einzufangen.
Insektenblütigen Pflanzen reicht ein Bruchteil an Blütenstaub zur sicheren Bestäubung. Sie nutzen die geflügelten Boten zur gezielten Pollenübertragung. Trotz der relativ großen Menge an Blütenstaub, die von den Insekten als Eiweißnahrung verbraucht wird, sparen insektenblütige Pflanzen große Mengen an Energie.
Die sehr unterschiedlichen Formen und Farben der Blumen sind Eigenarten, um sich voneinander zu unterscheiden. Dies geschieht, um den Insekten bei der Nahrungssuche gewissermaßen Wegweiser aufzustellen. So ist weitestgehend auch gesichert, dass von den Insekten der jeweils passende Blütenstaub übertragen wird. Mitverantwortlich für dieses pflanzenbiologische Verhaltensmuster ist ihre egoistische Einstellung. Jede Art muss sich von den anderen Arten hervorheben, um „gesehen“ zu werden. Die Erzeugung von Blütenstaub oder Nektar kann ganztägig oder auf bestimmte Tagesabschnitte begrenzt erfolgen. Der Sammelflug der Insekten wird effektiver, wenn sich die Bienen den zu der jeweiligen Tageszeit ergiebigen Trachtort mit den jeweils ergiebigen Pflanzen merken und gezielt anfliegen können. Die Nektar- oder Pollenproduktion ist temperatur- und witterungsbedingt sehr unterschiedlich. Manche Pflanzen locken die Blütenbesucher mit Nektargaben eher vormittags, andere spätnachmittags oder zu anderen Zeiten an. In diesem Zusammenhang wird ein weiteres Mal deutlich, wie sehr sich Pflanzen und Bestäuber aufeinander eingestellt haben.
Die Merkfähigkeit der Bienen und Co. über das Wann und Wo bei der Nahrungssuche ist einerseits Bestandteil einer sicheren Bestäubung. Andererseits verbessert es die Leistungsfähigkeit eines Bienen- oder Hummelvolkes. Der Trachtplatz muss nicht erst gesucht werden, sondern die Lage, der Duft und die Ergiebigkeit sind dann bereits bekannt.
Im Laufe der Entwicklungsgeschichte hat es sich aus Sicht der Pflanzen bewährt, jeweils kleine Mengen Nektar anzubieten, oft nur ca. 1 mm3je Blüte. Die Honigblase der Bienen fasst üblicherweise bis zu 60 mm3. Damit sich der Sammelflug lohnt und das Transportgefäß voll wird, müssen mehrere Blüten angeflogen werden. Würde die Nektarmenge einer Blüte die ganze Honigblase füllen, würde der Übertragungseffekt sehr eingeschränkt sein.
Auch der Blütenduft ist Bestandteil der sicheren Unterscheidung der Trachtpflanzen und dient auch dem Auffinden der Trachtpflanzen und des Trachtplatzes.
Eine weitere zu bewundernde Eigenschaft der Pflanzen liegt im Bau der Blüten und dient den Insekten zum sicheren und schnellen Finden der Nektarien. Ein sogenanntes Saftmal an den Blütenblättern im Bereich des Eingangs zu den Nektarien zeigt den Weg.
Unser köstliches Naturprodukt Honig haben wir dem wunderbaren Zusammenspiel der Pflanzen und Bienen verdanken.
Rosskastanienblüte: Bei genauerem Hinsehen entdecken wir farbliche Unterschiede inmitten der Einzelblüten. Rot heißt: Ich bin schon befruchtet. Lindgrün heißt: Hier gibt es noch was.
Als Nahrungsmittel und Honigrohstoff sammeln die Bienen Nektar und/oder Honigtau. In trachtarmer Zeit, wenn keine Blumen blühen und es im Wald keinen Honigtau gibt, versuchen die Bienen, auf überreifen oder fauligen Früchten süße Säfte zu sammeln. Die Säfte sind meist so spärlich, dass es hieraus keine Tracht in unserem Sinne gibt und meistens auch kein Honig gewonnen werden kann.
Das Sammelgut von überreifen Früchten ist spärlich. Bei einem KEF-Befall wird es schwierig.
Die Einschleppung der Kirschessigfliege (KEF) und ihre Folgen sind neu. Werden reife Früchte (Kirschen, Trauben, etc.) von der KEF befallen, kann dabei Fruchtsaft austreten. In trachtloser Zeit kann dieser von den Bienen gesammelt und es können davon Vorräte angelegt werden. Ein evtl. daraus gewonnenes Schleudergut ist nicht als Honig Vermarktungsfähig, denn nach der Honigverordnung sind die Rohstoffe für Honig Nektar oder Honigtau.
Die Zuckergehalte des Nektars liegen bei nur 20 bis über 60 %. Nektar ist Pflanzensaft, der den Blütenbesuchern in den Nektarien angeboten wird. Bei manchen Pflanzen liegen die Nektarien im leicht zugänglichen Blütenboden wie z. B. bei Weißdorn, bei anderen liegen sie recht tief im Blütenkelch wie etwa bei der Kirschblüte oder ganz extrem tief bei Rotklee. Einzelne Pflanzen bieten Nektar auch außerhalb der Blüten an den Blatt- oder Blütenstielen an. Hierbei handelt es sich um sogenannte extraflorale Nektarien. Aber offensichtlich reicht diesen Pflanzen der damit bezweckte Insektenbesuch aus, um auf diese Art und Weise die Fortpflanzung zu sichern. Diese Nektarmenge trägt auch zur Honiggewinnung bei, ist aber eher als unbedeutend zu beurteilen.
ZUSAMMENSETZUNG DES NEKTARS
Der Nektar entstammt dem Siebröhrensaft der Pflanzen und wird in den Nektarien angeboten. Zahlreiche Insekten kommen zum Naschen. Der Hauptbestandteil des Nektars ist Rohrzucker (Saccharose), dazu kommen als Monosaccharide Frucht- und Traubenzucker (Fructose und Glucose) in unterschiedlich großen Anteilen. Die meisten Nektare beinhalten weitere, weniger bedeutende Zuckerarten wie z. B. Erlose, Maltose oder Raffinose, um nur einzelne zu nennen. Im Nektar ist ein Bouquet von Duftstoffen, Aroma- und Mineralstoffen, Aminosäuren und auch Vitaminen enthalten.
Eine Besonderheit ist zweifellos der Nektar des Heidekrauts (Calluna vulgaris). Bemerkenswert dabei ist sein hoher Fruchtzuckeranteil. Außerdem beinhaltet er auch einen größeren Anteil an Eiweiß. Heidehonig geliert deshalb schon in den Wabenzellen und auch später im Glas, anstelle der Kristallisation bei den sonstigen Honigen. Heidehonig „verträgt“ dadurch einen höheren Wassergehalt, ohne zu verderben bzw. in Gärung zu gehen. Diese Eigenschaft verleiht ihm eine Sonderstellung bei der gesetzlichen Regelung des höchstzulässigen Wassergehaltes.
Auch der Nektar der Robinie unterscheidet sich stärker von fast allen sonstigen süßen Säften der Pflanzen. Zu mehr als 50 % besteht dieser aus Rohrzucker. Dazu kommt, dass in diesem Nektar sehr wenig Glucose, dafür aber sehr viel Fructose enthalten ist. Bei der Honigbereitung durch die Bienen bleibt diese Besonderheit gewissermaßen erhalten. Der reife Akazienhonig hat einen sehr hohen Fruchtzuckergehalt. Reiner Akazienhonig bleibt, im Gegensatz zu den meisten anderen Blütenhonigen, immer flüssig.
Biene saugt Nektar aus Kirschblüte.
Um den Bienenvölkern eine gute Tracht zu bieten, ist es wichtig zu wissen, welche Pflanzen den Bienen wann und wo Nektar, Pollen oder Honigtau liefern. Die Pflanzenarten, ihre Blühzeiten und ihren Trachtwert kennenzulernen, das begleitet die Honigbienenhaltung. In unserem mitteleuropäischen Bereich gibt es eine reiche Vegetation und damit auch viele Plätze, die den Bienen Nahrung liefern.
Insgesamt sind es ungefähr 3 000 Blütenpflanzen, die als Trachtpflanzen infrage kommen. Wenige davon sind die sogenannten Haupttrachtpflanzen, sie leisten einen wesentlichen Beitrag zu einer Honigernte und versorgen die Völker maßgeblich mit Nektar und Pollen. Bei einer Aufzählung der bedeutendsten Trachtpflanzen kommt man meist nicht weit über 100 oder 200 Arten hinaus. Aber auch die weniger bedeutenden Trachtpflanzen dürfen nicht geschmäht werden, denn auch sie tragen zur Versorgung der Bienenvölker bei.
Das Trachtangebot ist ausschlaggebend für die Honigerträge und hat damit auch einen entscheidenden Einfluss auf die Wirtschaftlichkeit der Bienenhaltung. Ein gutes Trachtangebot ist zudem Garant für gesunde Bienenvölker. Der Trachtreigen sollte möglichst früh im Jahr beginnen und sich bis in den Sommer oder Spätsommer hin ausdehnen. Dabei sollte es möglichst keine Trachtpausen geben. Am besten ist es, wenn sich an eine zu Ende gehende Tracht jeweils eine neue anschließt.
Standorte mit einer Ganzjahrestracht sind selten, sie stehen keinesfalls allen Imkern mit ihren Bienenvölkern zur Verfügung. Die eine oder andere Tracht kann man deshalb durch Wanderung mit den Bienenvölkern erschließen.
Die Trachtabschnitte werden in die Früh-, Sommer- und Spättracht gegliedert. Frühesttrachten sind üblicherweise Entwicklungstrachten für die Bienenvölker. Erlen, Haseln, Weiden, Kornelkirsche, Winterling, alle Zwiebelblüher, Schneeheide, Schlehen, Wildkirschen, Zuckerahorn, Anemone, Traubenhyazinthe und Huflattich sind die wichtigsten Pflanzen, die auch ein großes Verbreitungsgebiet haben.
TRACHTABSCHNITTE UND TRACHTPFLANZEN
Als Frühtracht wird die Zeit von April bis Ende Mai bezeichnet. Bedeutende Frühtrachtpflanzen sind Steinobst, Kernobst, Beeren, Wiesenblüte mit Löwenzahn, Salbei, Storchschnabel, Raps, Wildkirsche, Ahornarten, Rosskastanie und Himbeere. Als Sommertracht bezeichnet man den Zeitabschnitt von Ende Mai bis Anfang Juli. Bedeutende Sommertrachtpflanzen sind Kleearten, Ackerkulturen, Senf, Saubohne, Brombeere, Himbeere, Weidenröschen, Goldrute, Pfefferholz und Linde.
Spättracht vom 15. Juli bis September. Bedeutende Spättrachtpflanzen sind z. B. Honigtau liefernde verschiedene Bäume, Durchwachsene Silphie, Ölrettich, Weißklee, Riesenhonigklee und Rotklee.
Honigtau, nicht nur von Fichte, Tanne, Kiefer, Lärche, auch von Ahorn, Linde, Eiche, Birke und weiteren Laubbäumen, gibt es in der Regel sowohl in der Sommerals auch in der Spättrachtzeit.
TRACHTBEDINGUNGEN
Das Vorkommen der jeweiligen Pflanzenarten ist verständlicherweise kein Garant für eine Tracht. Sie wird von vielen Faktoren beeinflusst und kann auch nur dann entstehen, wenn die jeweiligen Pflanzen in Massen vorkommen. Mitentscheidend für eine gute Tracht ist ein pflanzengemäßer Standort mit einer guten Nährstoffversorgung. Selbstverständlich beeinflussen auch die Witterung und die vorherrschende Temperatur die Pollen- und Nektarerzeugung.
Die Waldtracht hat wegen der besseren Honigerträge und einer längeren Trachtzeit eine besondere Bedeutung für die Bienenhaltung. Der höhere Waldhonigpreis verbessert zudem die Wirtschaftlichkeit.
Frühtracht: Löwenzahn bietet Bienen reichlich Nektar und Pollen. Trotzdem ist im Honig wenig Pollen enthalten. Er ist unterrepräsentiert.
Sommertracht: Esparsetten sind mit der Erbse verwandt.
Spättracht: Lindenblüte.
Honigtautröpfchen auf einem Fichtenzweig.
Honigtau ist der Rohstoff für Waldhonig. Er wird von spezialisierten Rindensaugern, die auf den Trachtpflanzen vorkommen, durch Anzapfen der pflanzlichen Siebröhren erzeugt.
Die Bienen sammeln den süßen Baumsaft auf den Nadeln oder Blättern der Bäume oder Pflanzen und bereiten daraus den Waldhonig. Dieser ist reich an Mineralstoffen und Inhibinen. Waldhonig hat einen höheren Anteil an Fruchtzucker und bleibt deshalb auch längere Zeit flüssig.
Wegen ihrer speziellen Mundwerkzeuge gehören alle Honigtauerzeuger der Ordnung der Schnabelkerfen an. Die Mundwerkzeuge sind rüsselartig, sie bestehen aus vier Stechborsten, den innen liegenden Maxillen mit dem Nahrungs- und Speichelkanal und den außen liegenden Mandibeln, die zum Eindringen gegeneinander arbeiten, ähnlich dem Bienenstachel. Mit ihren Stechborsten durchdringen sie die äußere Pflanzenschicht, bis sie die nährstoffführenden Siebröhren erreichen.
Es handelt sich hauptsächlich um Schild-, Rinden- oder Blattläuse, die bei guten Ernährungs- und Vermehrungsbedingungen Honigtau erzeugen. Nur selten kommen auch Blattflöhe als Honigtauerzeuger infrage. In der Fachsprache werden Schildläuse Lecanien und Blatt- oder Rindenläuse Lachniden genannt. Lecanien und Lachniden haben unterschiedliche Lebens- und Vermehrungsgewohnheiten. Die Honigtauerzeuger sind auf ihre Wirtspflanzen spezialisiert (Artstetigkeit). Sie können sich auf keiner anderen Pflanzenart ernähren oder gar fortpflanzen.
Honigtauerzeuger der Waldbäume und Sträucher werden nicht als Schädlinge der Pflanzen angesehen, weil die Pflanzen über entsprechende Steuerungsinstrumente durch Saftveränderung verfügen und weil vom Produkt Honigtau der Wald lebt. Zu den Honigtaukonsumenten zählen beispielsweise auch Waldameisen- und Wespenarten, die eine große Bedeutung für die Waldhygiene haben.
ERNÄHRUNGSBAUSTEINE
Zur Entwicklung und zu ihrer Vermehrung benötigen die Pflanzensaft saugenden Tiere neben den Zuckerstoffen auch Vitamine, Mineralstoffe und Eiweiß. In der Austriebsphase der Bäume und Pflanzen befinden sich im Phloemsaft (Siebröhrensaft) alle die von ihnen benötigten Nährstoffe. Der Anteil an Eiweißbausteinen im Siebröhrensaft ist verhältnismäßig gering. Die Honigtauerzeuger müssen deshalb große Mengen des Saftes entnehmen, um ihren Eiweißbedarf zu decken. Den begehrten Eiweißbaustoff gewinnen sie durch Herausfiltern aus dem Phloemsaft. Er durchläuft dazu eine Filterkammer. Jeder Mehrbedarf an Eiweißbausteinen erhöht die Erzeugung von Honigtau. Die Bienen sammeln diesen auf den Nadeln und Blättern der Waldbäume oder des Unterwuchses und bereiten daraus den Waldhonig.
Neigt sich die Austriebszeit dem Ende zu, nimmt der Stickstoffgehalt des Saftes ab, was die Pflanzensauger veranlasst, den Saftumsatz zu erhöhen, um ihren Eiweißbedarf zu decken. Speziell in diesem Zeitabschnitt kommt es häufig zu einer Massentracht. Ein weiterer Rückgang des Stickstoffanteiles im Baumsaft beeinträchtigt die Ernährungsbedingungen der Rindensauger stark. Oftmals bricht in dieser Phase die Honigtauerzeugerpopulation zusammen, wodurch logischerweise auch die Tracht abrupt beendet wird.
Honigtau auf Blättern des Unterwuchses.
Fichten (Rottanne), Kiefern (Forchen, Föhre) und Tannen (Weißtanne) sind die bedeutendsten Waldtrachtbäume, daneben kommen auch Lärchen und Latschen infrage. Nicht unterschätzen darf man die von Laubbäumen ausgehende Tracht. Auf Ahorn, Birke, Eiche, Edelkastanie, Linde, aber auch Pflaume, Zwetschge und Birne kommt öfter eine Honigtauerzeugerpopulation zustande. Auf Buche und Erle sind Honigtauerzeuger selten. Bei dieser Aufzählung wurden nur die bedeutendsten Waldtrachtbäume berücksichtigt. In manchen Jahren kommen Honigtauerzeuger auch auf anderen Bäumen, Sträuchern, Büschen und krautigen Pflanzen vor. Manchmal kommt es auch auf Getreide zu einer Honigtauproduktion. Dieser Situation wird in der Bienenschutzverordnung Rechnung getragen. Dort heißt es, dass Bestände (Kulturen, auch nicht blühende), die von Bienen beflogen werden, nicht mit bienengefährlichen Mitteln behandelt werden dürfen.
TRACHTNUTZUNG
Eine gute Nutzung der Waldtracht durch die Honigbienen ist, wie jede andere Tracht auch, nur bei günstiger Witterung möglich, wobei auch die Temperatur und die Luftfeuchtigkeit Auswirkungen auf die Nektar- und Honigtauerzeugung haben. Eine gute Waldtracht ergibt sich üblicherweise bei Temperaturen über 20 °C. Anhaltende Regenfälle waschen den Honigtau und damit auch das Trachtangebot ab. Leichter Regen beeinflusst die Honigtauerzeuger kaum und dringt auch nicht in alle Laub- und Nadelbereiche der Bäume ein, oftmals verbessert er sogar die Tracht. Die beste Trachtnutzung erzielt man mit leistungsfähigen Völkern. Die Leistung ist dann aber auch von der Entfernung der Völker zur Trachtquelle abhängig, Entfernungen von mehr als 500 bis 600 Metern schränken die Leistungsfähigkeit der Völker bereits etwas ein.
Die Beobachtung der Honigtauerzeuger ist ein weiteres Betätigungsfeld der Bienenhaltung. Dazu muss man die auf den jeweiligen Bäumen vorkommenden Arten, ihr Aussehen, ihren Sitz und ihre Entwicklungszeit kennen. Die Vorgehensweise ist in der Beschreibung der Arten enthalten.
HONIGTAUERZEUGER DER FICHTE (ROTTANNE)
• Die Rotbraune Bepuderte Fichtenrindenlaus (Cinara pilicornis)
• Die Schwarze Fichtenrindenlaus (Cinara piceae)
• Die Stark Bemehlte Fichtenrindenlaus (Cinara costata)
• Große und Kleine Lecanie (Fichtenquirlschildläuse, Physokermes piceae und Physokermes hemicryphus)
LECANIEN (FICHTENQUIRLSCHILDLÄUSE)
Aus den reifen Bruthüllen der Lecanien schlüpfen im August/September bei guter Witterung je Tier ca. 200 Erstlarven L1, die sich in den Quirlen der Fichtenzweige Schutz und einen Nistplatz suchen. Sie sind nur knapp 1 mm lang. An ihrem neuen Nistplatz häuten sie sich in den nächsten Monaten zur Zweitlarve L2 und bleiben dort gewissermaßen in Ruhelage bis April/Mai des Folgejahres. In dieser Ruhelage werden sie auch als Ruhelarven bezeichnet. Im Frühjahr, etwa im April/Mai, beginnen sie mit der Nahrungsaufnahme, wodurch sie schnell wachsen. Ihr Aussehen verändert sich stark und gleicht in dieser Entwicklungsphase mehr und mehr einer Baumknospe, die 3 bis 4,5 mm groß wird. Wegen ihrer Form und ihrer rotbraunen Farbe werden sie nur von geübten Beobachtern und meist erst dann, wenn sie mit der Honigtauerzeugung beginnen, erkannt. Am Ende dieser Entwicklungsphase, etwa Mitte Juni, entstehen im Innern der Hülle ca. 200 Eier. Aus den Eiern entwickeln sich wiederum die Erstlarven, die je nach Höhenlage und Witterungsverlauf etwa im August die Bruthülle verlassen. Der Analspalt der Bruthülle öffnet sich nur bei geringer Luftfeuchtigkeit und einer Temperatur von über 20 °C. Trotz dieser Fürsorge durch das Muttertier sind die L1 bei ihrem Ausschwärmen großen Gefahren ausgesetzt. Je schneller sie Unterschlupf finden, desto größer ist die Überlebensrate; sie besiedeln deshalb auch meist die jüngeren Quirle der Fichtenzweige. Eine weitere Vermehrung außerhalb der Bruthüllen findet nicht statt. Die leeren Hüllen bleiben an den Quirlen ein bis zwei Jahre oder auch länger bestehen. Der Lachnidenbestand wird unter Umständen bei starken Regenfällen reduziert, Lecanien sind hingegen fest mit den Zweigen verbunden und können kaum abgewaschen werden. Neben der nun beschriebenen Kleinen Lecanie kommen auf Fichten auch Große Lecanien, sie werden 6 bis 7 mm groß, vor. Ihr Lebensrhythmus läuft in etwa gleich ab, ihre Entwicklungszeit beginnt ca. vier Wochen früher. Wegen ihrer geringeren Population kommt aus ihrer Honigtauproduktion kaum eine Tracht zustande.
Große Lecanie auf einem Fichtenzweig mit Honigtautropfen.
Lecanien kommen auch auf anderen Wirtsbäumen vor, eine Bedeutung für die Waldtracht hat lediglich die Kleine Lecanie der Fichte. Trachtbeobachter können den Besatz mit L2 bereits im Winter und Frühjahr untersuchen, indem eine gewisse Anzahl Fichtenquirle unter einer Lupe
