3,99 €
Niedrigster Preis in 30 Tagen: 3,99 €
Nick J. Rivendale. Er, der gefeierter Quarterback der L.A. Punisher.
Sara Campell. Sie, die berühmte Bestsellerautorin Sara Quinn.
Beide kennen sich aus ihrer High-School Zeit. Beide treffen sich wieder. Beide können nicht leugnen, dass sich etwas zwischen ihnen entwickelt.
Nur was, wenn es ein Geheimnis gibt. Eines, das so schwerwiegend über ihnen schwebt, dass es kein Entrinnen gibt.
Und was, wenn man das Geheimnis nicht von der Person erfährt, die einem so viel bedeutet?
Eine Geschichte über Liebe, Vertrauen und Enttäuschung.
Dies ist der 1.Teil der Fake Game Dilogie und der Start der Fake Game Reihe.
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Veröffentlichungsjahr: 2025
Das Urheberpersönlichkeitsrecht der Autorin
wurde geltend gemacht.
Ohne die ausschließlichen Urheberrechte der Autorin, Talea Cole, in irgendeiner Weise einzuschränken, ist jegliche Nutzung dieser Veröffentlichung zum „Trainieren“ von Technologien der generativen künstlichen Intelligenz (KI) zur Erstellung von Werken/Bildern/Texten/Videos ausdrücklich untersagt.
Kein Teil dieses Buchs darf in irgendeiner Form
oder mit irgendwelchen elektronischen oder mechanischen Mitteln,
einschließlich Informationsspeicher- und Abrufsystemen, ohne schriftliche Genehmigung der Autorin vervielfältigt werden, mit Ausnahme von kurzen Zitaten in einer Buchbesprechung.
© 2022 Pia Cole, Fake Game: Don’t lose my Love
ISBN: 978-375-92872-7-4
Covermaterial: Bilder unter Lizenzierung von Freepik.com
& Depositphotos genutzt
Erschienen bei:
Cole Indie Ink
c/o 2470, Neubaug 4
Alle Rechte vorbehalten
Dies ist ein Werk der Fiktion. Namen, Charaktere, Orte, Marken, Medien und Ereignisse sind entweder Produkte der Fantasie der Autorin oder werden fiktiv verwendet. Die Autorin erkennt den Markenstatus und die Markeninhaber verschiedener Produkte an, auf die in diesem fiktiven Werk Bezug genommen wird und die ohne Genehmigung verwendet wurden.
Die Veröffentlichung/Verwendung dieser Marken ist nicht von den Markeninhabern autorisiert, mit ihnen verbunden oder von ihnen gesponsert.
Kapitel 1
Sara
Kapitel 2
Nick
Kapitel 3
Sara
Kapitel 4
Nick
Kapitel 5
Sara
Kapitel 6
Nick
Kapitel 7
Sara
Kapitel 8
Nick
Kapitel 9
Sara
Kapitel 10
Nick
Kapitel 11
Nick
Kapitel 12
Sara
Kapitel 13
Nick
Kapitel 14
Sara
Kapitel 15
Nick
Kapitel 16
Sara
Nick
Kapitel 17
Sara
Kapitel 18
Nick
Kapitel 19
Sara
Kapitel 20
Nick
Kapitel 21
Sara
Nick
Kapitel 22
Sara
Kapitel 23
Nick
Sara
Nick
Kapitel 24
Sara
Nick
Kapitel 25
Sara
Kapitel 26
Nick
Sara
Nick
Kapitel 27
Sara
Kapitel 28
Nick
Kapitel 29
Sara
Kapitel 30
Nick
Epilog
Nachwort
Danksagung
Die Autorin:
Prolog
Kapitel 1
Für all jene,
die schon einmal unsterblich verliebt waren.
Für all jene,
die sich in ihren ersten Schwarm verliebt haben.
Für all jene,
die an die einzig wahre Liebe glauben.
Nick.
Dieser eine Name ließ mich schon seit Tagen nicht mehr los. Keine Ahnung, warum ich jetzt gerade wieder an ihn dachte. Er, mein Jugendschwarm.
Natürlich heimlich!
Damals auf der High-School traute ich mich nicht, ihn anzusprechen. Warum? Nun, er war der Captain des Footballteams, Liebling der Cheerleader, mein Favorit und der Freund von Brittany.
Gott, wie ich diese Furie hasste. Sie hatte mir das Leben schon immer schwer gemacht. Zu jener Zeit wünschte ich ihr die Pest an den Hals. Heute … nun ja, eigentlich auch, aber ich empfand Mitleid mit ihr. Es war sicher sehr anstrengend, den Rang einer High-School-Ikone zu halten. Laufend Intrigen zu planen und dagegen selbst zu bestehen. Es wäre mir viel zu mühsam. Abgesehen davon, der ganze Glanz und Glamour. Was für eine schreckliche Vorstellung.
Ich starrte aus dem Fenster, trank meinen Cappuccino und ließ die Gedanken in meinem Lieblingscafé schweifen, während das Skript vor mir auf dem Tisch lag. Unberührt. Das unvollendete Werk musste ich noch überarbeiten, da es gerade von meiner Lektorin zurückgekommen war. Wie so oft machte sie Verbesserungen und mir blieb nichts anderes übrig, als sie auszubessern oder besser gesagt, mir zu überlegen, ob ich sie in den Text mit hineinnahm. Der ganze Text war teils mit roten Markierungen versehen oder kleine Post-it stachen heraus. Ich seufzte, als ich dieses Chaos, das einmal ein Buch werden sollte, betrachtete.
Nun gut. Jetzt musste ich wirklich einmal mit dem Skript beginnen, wenn ich wollte, dass es in ein paar Tagen ins Korrektorat und anschließend an den Start ging. Ich setzte meine Tasse ab und änderte die Vorschläge, die mir schreiend entgegensprangen.
Es war ruhig im Café, denn ich genoss die Stille, dadurch konnte ich um einiges besser arbeiten. Wie das Schicksal so spielte, wurde genau in dem Moment die Tür aufgerissen und eine Schar Typen kam herein. Ich weigerte mich aufzusehen. Ihr Gegröle hörte ich auch so.
»Nein, wenn ich es dir doch sage. Die Kleine wollte mich und natürlich habe ich nicht nein gesagt. Wieso sollte ich auch? Wir haben ja alle unsere Fans und ich habe jede einzelne Sekunde ausgekostet, wenn du verstehst, was ich meine«, gab der Eine zum Besten.
Ich rollte mit den Augen. Das war sicher so ein Angeber-Typ. Solche Arten von Typen kannte ich sehr gut. In der High-School hatte es diese Spezies zur Genüge gegeben und natürlich kamen sie auch meist in meinen Büchern vor.
Ich grinste, als ich daran dachte, durch welche Höllenqualen ich sie in den Geschichten schickte. Obwohl, manchmal entwickelten sie sich zum Guten und manchmal blieben sie die Arschlöcher, die sie nun einmal waren.
Ich hörte, wie einige ihn beglückwünschten. Gott, was für ein männlicher Ego-Trip.
»Mike, dass glaubst du doch wohl selbst nicht? Die Kleine wollte dich? Nie im Leben. Sie hat dir ganz klar eine Ansage gemacht, dass du sie in Ruhe lassen sollst. Also komm wieder von deinem Ego-Trip runter.« Diese eine Stimme, die ich unter hunderten erkennen würde.
Mir entglitten die Gesichtszüge. Das konnte unmöglich wahr sein. War er es? Ich schüttelte den Kopf. Nein, das war er sicher nicht. Das war gewiss meiner Einbildung geschuldet. Ein Trugschluss meiner Sinne.
»Komm schon, Nick. Das kannst du nicht bringen. Nicht vor den Jungs«, beklagte sich dieser maulend.
Nick?
Mein Nick? Na ja, nur in meinen Träumen. Dieser Nick?
O Gott!
Meine Augen hefteten sich felsenfest auf das Skript und ich traute mich nicht aufzusehen. Meine Ohren waren hingegen wie die eines Luchs gespitzt.
»Lass den Scheiß, Mike. Also, bestellt. Wir müssen dann zurück zum Feld. Los! Ich geh mal …«, sagte er zu ihnen.
Mein Herzschlag verdoppelte sich und meine Hände fingen zu schwitzen an. Er wollte doch nicht zu den Toiletten? Da musste er direkt an mir vorbei. O Mann.
Ich hoffte, dass er mich nicht beachtete. Zumindest hatte er dies in der High-School nie getan. Obwohl …
Ich bemerkte im Augenwinkel, wie er gerade an mir vorbeischlenderte. Einen kurzen Blick wagte ich, nicht das ich mich sonderlich auf das Skript konzentrierte. Von hinten sah er noch besser aus als damals. Seine Muskulatur war ausgeprägter und sein Hintern … Verdammt!
Unwillkürlich biss ich mir auf die Lippen und krallte meine Fingernägel in die Hand, sodass ich keinen Seufzer von mir gab. ›Sara denk nach … das kannst du nicht bringen. Konzentrier dich‹, hämmerte ich mir in Gedanken ein.
Eine meiner gelockten Strähnen fiel mir ins Gesicht. Ich streifte diese hinter mein Ohr, nahm den Stift, kaute darauf herum und starrte aus dem Fenster.
Meine Konzentration war futsch. Irgendwo im Nirwana versunken. Ich dachte seit Tagen an ihn und plötzlich stand er mitten im Café, in dem ich mich rein zufällig befand und an meinem Skript arbeitete. In meinem Lieblingscafé. War ich jetzt in einem meiner Romane gefangen? Hatte ich einen Unfall und wusste es nicht? Was ging hier vor?
Stopp!
›Beruhige dich‹, trichterte ich mir ein. Atmen. Das war das Patentrezept für alles.
Ich schaute auf die erste Seite des Skripts und las den ersten Satz.
Und ein weiteres Mal … und noch … verdammt … ich konnte nicht auf die Geschichte eingehen, die vor mir ausgebreitet lag, während seine Freunde weiterhin quatschten.
»Weiße Bohne?«, fragte plötzlich eine Stimme neben mir.
Augenblicklich schnürte es mir die Kehle zu. Was? So hatte er mich genannt, als wir uns das erste Mal begegneten. Ich war zutiefst beleidigt gewesen, nur nach und nach wurde mir klar, dass er mich necken wollte und es komplett nach hinten losgegangen war. Diese eine Situation bereute ich zutiefst. So wie vieles andere in meinem Leben.
Langsam hob ich meinen Blick. Er trug normale Klamotten, die hauteng jede Körperzone betonten, seine Hemdsärmel waren aufgekrempelt und der Bizeps sprang mich direkt an. Meine Kehle war jetzt nicht nur eng, nein, sie war staubtrocken, als ich in sein schmunzelndes Gesicht blickte.
Einzelne verirrte Strähnen hingen ihm ins Gesicht und ich war … verzaubert. Er hatte noch immer dieselbe anziehende Wirkung auf mich.
»Hi«, krächzte ich.
Er stützte sich mit seinen Händen auf den Tisch, sodass dieser ein wenig nachgab. »Dass ich dich wieder einmal sehe. Damit hätte ich nie gerechnet. Sag, wie geht’s dir? Was machst du in L.A? Bist du auf Urlaub? Verheiratet?«
Wow, was?
Ich runzelte die Stirn. Er tat so, als ob wir früher ständig geredet hätten. Ja, klar, wir waren als Kinder zusammen aufgewachsen, aber in der High-School hatte er mich keines Blickes gewürdigt.
»Ähm, Nick. Verzeih, aber wir sind keine Freunde. Dafür hast du damals gesorgt und auf Smalltalk steh ich wirklich nicht. Du solltest wieder zu deiner grölenden Bande zurückkehren«, sagte ich, auch wenn es mir ein wenig leidtat.
Wir lebten in ganz unterschiedlichen Welten und ich lernte früh, dass man Menschen, die ein fantastisches Aussehen gepachtet hatten, nicht vertrauen durfte. Selbst wenn sie Nick J. Rivendale hießen.
Er schmunzelte und etwas sagte mir, dass mir dieses Lächeln nicht behagte. Seinen Blick ließ er zu seinen Freunden gleiten und meinte nur: »Warte.«
Ich sah ihn skeptisch an, während er zu seinen Leuten ging und mit ihnen etwas beredete. Sie nickten, einer klopfte auf seine Schulter, ein anderer sah zu mir, während die anderen ihre Getränke nahmen und gingen.
Ich drehte mich sofort um und war gerade dabei den Laptop in der Tasche zu verstauen, trank den Rest des Kaffees in einem Zug aus, als …
»So, meine ›grölende Bande‹,«, dabei malte er Gänsefüßchen in die Luft, »wie du sie vorher nanntest, ist weg. Können wir uns jetzt unterhalten?«, fragte er. Nick setzte sich unaufgefordert auf die Bank, sodass ich nicht mehr aufstehen konnte.
Misstrauisch sah ich ihn an. »Nick, was soll das? Du hast sicher wichtigeres zu tun, und ich auch. Also … könntest du bitte aufstehen, so dass ich gehen kann«, sagte ich und versuchte ihn mit einer Geste aufzuscheuchen.
Er kniff kurz die Augen zusammen und musterte mich, dabei zuckte seine Lippe amüsiert. »So nervös, kleine Sara.«
»Tschuldige mal, aber checkst du mich gerade ab? Ehrlich, ich habe keine Ahnung, was in deinem Sportlerhirn abgeht, aber gesund kann es nicht sein. Lass mich jetzt raus und meiner Wege gehen«, sagte ich energischer, als ich mich fühlte.
Er gab seinen Ellbogen auf den Tisch und rutschte etwas näher.
Was sollte das denn jetzt?
»Hm, wie kommst du darauf, dass ich ein krankes Sportlerhirn habe? Mal abgesehen davon, dass ich Sportler bin.«
War das gerade sein Ernst?
»Vielleicht, weil du erstens die Statur hast, zweitens schon an unserer Schule der Captain des Footballteams warst und drittens, dein Super-Bowl Ring. Also, reicht dir das?«, fragte ich genervt.
Er betrachtete seinen Ring, spielte daran und setzte hinzu: »Du hast eine gute Auffassungsgabe und bist unglaublich süß, wenn du verlegen wirst. Weißt du das?«
Ich verdrehte die Augen. »Nick, lass dir eins gesagt sein. Ich bin nicht verlegen, nur genervt, und zwar von dir. Also, könntest du mich jetzt endlich gehen lassen?«
»Ganz wie Madame wünscht.« Er stand auf und machte eine galante Bewegung, sodass ich den Vortritt hatte.
»Danke.« Ich rutschte von der Bank und ging zur Kasse, um zu zahlen. Als ich die Geldbörse aus der Tasche heraus kramte, hielt er meine Hand zurück. Diese kurze Berührung, dessen Funke auf mich übersprang, ließ mich erzittern.
»Was macht das?«, fragte er die Kellnerin.
Hatte er gerade vor zu bezahlen? »Das musst du nicht. Ich kann das auch …«
»Ich möchte es aber«, unterbrach mich Nick.
Was passierte hier soeben? Das war nicht der Nick, denn ich von der Schule kannte. Aufgeblasen, arrogant, egoistisch … Gut, es waren auch schon einige Jahre vergangen, aber …
Er verabschiedete sich von der Kellnerin und ich sah ihn dabei mit großen Augen an. Ich machte es ihm gleich, sagte allerdings: »Bye Karen.«
Meine beste Freundin nickte mir zu, grinste und ich ging mit verwirrten Gedanken aus dem Laden. Gefolgt von ihm.
»Darf ich dich wiedersehen?«, fragte er plötzlich.
Was? Ich hatte ihn wie lange nicht gesehen. Jetzt durch Zufall und dann wollte er mich wiedersehen? »Wo ist der Haken?«, fragte ich skeptisch.
Er strich sich seine Haare nach hinten. »Wieso sollte da ein Haken sein? Darf ich dich denn nicht wiedersehen? Ich bin die nächsten sechs Wochen hier, bevor es zu den Auswärtsspielen geht. Also, was sagst du?« Er lehnte sich lässig gegen eine Straßenlaterne.
Ich sah ihn eine ganze Weile an und wägte ab. War ich wirklich dabei, es ihm zu erlauben? Er war mein Schwarm und ich …
Ich nahm meinen ganzen Mut zusammen. »Sorry Nick, aber ich passe! Es war nett dich wiederzusehen, allerdings weißt du nichts über mein Leben und ich nichts über deins. Wie es scheint, bist du bei deinen Träumen angelangt und das ist gut so. Ich werde nicht mit einer Person ausgehen, die in der Öffentlichkeit steht. Das ist mein letztes Wort.«
Ich ließ ihn stehen und ging meines Weges.
Natürlich fiel es mir schwer, aber … Nein, es war das Beste so. Für ihn und für mich.
Schon allein der Gedanke, dass er … ein angesehener Footballspieler und ich eine Autorin.
Den Gedanken belächelte ich. Es war zu lächerlich.
Ich wusste, als ich den Rasen in meiner Montur betrat, dass die blöden Sprüche nicht lange auf sich warten lassen würden. Und ich hatte recht. Ein Gebrüll, ähnlich einem Geheule, ging durch mein Team. Die blöden Pfiffe ignorierte ich. Mike hatte bereits beste Arbeit geleistet. Egal, was er ihnen gesagt hatte, es war übertrieben.
Mit dem Helm in der Hand ging ich zu den Jungs, die sich bereits aufwärmten.
»Und?« Mike kam zu mir und grinste saudämlich.
»Was und?« Ich versuchte ihn geflissentlich zu ignorieren, doch scheiterte kläglich.
»Ach komm schon. Wir wollen alle wissen, ob, wie und … hast du ihre Nummer? Sicher hast du die. Wann startest du den Angriff?«, bohrte er weiter und wackelte mit den Augenbrauen.
Ich sah ihn verständnislos an, legte die Stirn in Falten und schüttelte leicht den Kopf. Die anderen Jungs kamen näher und …
»Ein Gentleman genießt und schweigt. Das solltest du auch einmal versuchen, Mike. Würde dir nicht schaden«, sagte ich und schlug ihm freundschaftlich auf die Schulter. In die Runde rief ich: »Und jetzt los. Trainieren wir … Aufstellung.«
Einige lachten, aber sie alle nahmen ihre Plätze ein, so, wie ich es von ihnen forderte. Auch wenn Noland, unser Head Coach Trainer, noch nicht anwesend war, so hörte das Team stetig auf mich.
Meine Gedanken wanderten zu einem blondgelockten Engel. Es wurmte mich, dass Sara mich einfach so abblitzen ließ. Vielleicht lag es auch daran, dass ich einen plumpen Versuch startete. Ich war begierig, mehr über sie herauszufinden. Sara war zu einer verführerischen Schönheit herangewachsen. Das mir das erst jetzt auffiel. Wieso hatte ich das damals nie wahrgenommen?
Eines war klar: Ich wollte sie wiedersehen. Vielleicht war es ungeschickt, aber ich hatte das Normalste der Welt getan. Als sie wie ein Wirbelwind abrauschte, ging ich nochmals zurück und fragte Karen nach Saras Nummer. Natürlich war mir erst beim zweiten Mal aufgefallen, dass ich Karen kannte. Sie war damals in der High-School im selben Jahrgang wie ich. Welch ein Zufall. Nach einigem hin und her, setzte sie sich doch darüber hinweg und gab mir Saras Nummer. Dass sie drohte mir alles abzuschneiden, falls ich Sara verletzte, ließ mich kurz zusammenzucken. Aber auch nur für einen kleinen Moment, den ich schnell in die hinterste Ecke meines Hirns verbannte. Schließlich wollte ich sie näher kennenlernen, was die Zukunft betraf, … darüber machte ich mir noch keinen Kopf.
Jetzt musste ich erstmal einen Weg finden, um sie wiederzusehen. Ganz sicher würde ich sie nicht anrufen, denn ich war mir zu neunzig Prozent sicher, dass Karen es ihr brühwarm erzählte.
Allerdings würde Sara auch nicht neben dem Telefon sehnsüchtig auf einen Anruf von mir warten, so wie es die meisten Weiber, die auf Ruhm und Glamour aus waren, in meiner Welt taten. Ich brauchte eine Idee. Eine gute.
Ein Schmunzeln huschte über meine Lippen, denn ich hatte schon einen Plan. Ich setzte den Helm auf, positionierte mich hinter dem Center und rief:
»Down. Set. Hut«
***
»Hast du uns heute so hart ran nehmen müssen?« Maulend schritt Mike neben mir, während Jason, unser Runningback, sich ein Lachen verkniff.
»Komm schon. So schlimm war es heute bei weitem nicht, wie du schon wieder tust. Das ist, wenn du nicht munter zum Training kommst. Das sollte sich ändern.« Ich ging an ihm vorbei, hörte hingegen, wie er in sich hinein murrte.
Kopfschüttelnd betrat ich die Umkleide der L.A. Punisher und die Jungs machten sich zum Teil fertig, um nach Hause zu fahren oder sich später in einer Bar zusammenzufinden.
Normal wäre ich auch für Letzteres gewesen, doch heute wollte ich dem Geheimnis Sara Campell auf die Spur gehen.
Ich schmiss die Sachen in den Spind, nahm mir ein Handtuch und ging zu den Duschräumen. Bevor ich zu meiner Schwester fuhr, wollte ich wieder vorzeigbar sein. Jason und Mike standen bereits in den Duschkabinen und unterhielten sich lautstark über irgendwelche Weiber, während das Wasser prasselte. Es war schwer, dem kein Gehör zu schenken.
» … hast du das gestern gesehen? Ihre Freundin hat mich mit ihren Augen verschlungen. Wenn sie heute wieder im Club ist, werde ich sie mir zu Gemüte führen. Du weißt, was ich meine«, gab Mike zum Besten. Dabei wackelte er anzüglich mit den Augenbrauen.
Ich sah ihn skeptisch an. Noch nie hatte er etwas gerissen und wenn, dann waren die Frauen am nächsten Tag stocksauer auf ihn. Weiß der Henker was er mit ihnen aufführte. Im Grunde interessierte es mich auch nicht. Solange er volle Leistung auf dem Spielfeld brachte, war es mir schlichtweg egal.
Als ich fertig geduscht hatte, wickelte ich mir das Handtuch um die Hüften und wollte aus dem Duschbereich hinaustreten, doch Jason hielt mich auf.
»Nick, kommst du mit? Wird sicher wieder lustig. Außerdem musst du dir anschauen, wie Mike auf die Schnauze fällt. Dieses Mal hat er kein Glück.«
Mike sah Jason abfällig an und knurrte: »Pah. Kein Glück? Das wirst du heute noch sehen. Ich werde einen Pitch machen. Ein Hole in One.« Er warf symbolisch einen Ball in den Korb.
»Willst du wetten? Du wirst die Kleine niemals abschleppen.«
Mike war mit Feuereifer dabei und schlug ein, dabei pfiff er eine Melodie und ging zu seinem Spind. Ich sah Jason verständnislos an.
»Was denn? Ich kenn die Kleine und sie will sich an Mike rächen, dabei darf ich doch auch ein wenig daran verdienen. Findest du nicht? Außerdem ist er dann vielleicht nicht mehr so großspurig«, gab er schmunzelnd von sich. »Also, was ist jetzt? Bist dabei?«
»Nein, lass mal. Für heute reicht es mir. Ich muss mich auch wieder bei meiner Schwester blicken lassen. Wenn, dann morgen, aber da sag ich euch noch rechtzeitig Bescheid.« Ich nahm meine Klamotten aus dem Spind und zog mich an.
»Du verpasst auf alle Fälle was. Sicher, dass du nicht dabei sein willst?«
Ich hob einen Mundwinkel an. »Ganz sicher. Du kannst, wenn du willst, das Spektakel auf Video festhalten.«
Verschwörerisch kam er näher und flüsterte: »Was dachtest du denn? Das mache ich ganz bestimmt.«
Ich schüttelte den Kopf, schnappte mir die Tasche und bevor ich ging, rief ich: »Wir sehen uns, Jungs. Bleibt anständig.«
Ein einstimmiges Gemurre war zu vernehmen und ich trat den Weg zu meinem Wagen an. Mein Team war eine Nummer für sich, aber ich konnte mich immer auf sie verlassen. Das war nun einmal in einer Familie so. Ja, wie unser Trainer stets zu sagen pflegte: »Ein Team, eine Familie.« Dass ein paar von ihnen durchgeknallt waren, damit musste ich wohl leben.
Ich stieg in den Rubicon, startete den Motor, drehte AC/DC lautstark auf und fuhr nach Hause. Als ich dort ankam, traute ich meinen Augen kaum. Zum größten Teil war ich geschockt, zum anderen erleichtert. Die Hütte stand zum Glück noch, doch es sah aus, als wäre ein Tornado durch das Anwesen gefegt.
Ich schlug die Tür des Jeeps zu, schulterte die Tasche und ging den steinernen Weg zur Tür. Auf dem gepflegten Rasen lagen alles Mögliche wie leere Becher, Servietten und war das …? Ich trat näher, kniff die Augen zusammen und sah es – ein Kondom.
Angewidert ging ich weiter und hörte, wie meine kleine Schwester fluchte. Langsam trat ich ein und ließ meine Tasche auf den Boden fallen. Mit verschränkten Armen stand ich in dem Haus, das wie ein Schweinestall aussah.
»Ist das dein Ernst, Chloe? Was war hier los?« Obwohl ich es bereits wusste, stellte ich die Frage.
Sie blickte ertappt drein, als sie den Kopf zu mir wandte und Röte ihr ins Gesicht schoss. »Oh, du bist wieder zurück?« Erschrocken wich sie zurück und umklammerte den Müllsack fest in Händen.
Ich schnaubte verächtlich. »Was denkst du dir? Ich bin nicht da und du gibst eine Party? Oder was war das hier?«
Chloe machte gerade den Mund auf, als Eve hereinkam. »Chloe, ich hab nichts anderes gefunden, aber wir sollten schnell sauber machen, bevor …«
Erst jetzt erkannte sie, dass ich anwesend war. Ich stemmte die Hände in die Hüften und starrte meine Schwester sowie unsere Haushälterin erbost an.
»Und? Ich warte«, gab ich säuerlich von mir.
»Mr. Rivendale, Sir. Ihre Schwester hatte nur …«
Ich ignorierte Eve und war nur auf Chloe fixiert. Unsere Haushälterin wollte erneut ansetzen, als ich sie unterbrach.
»Ich denke nicht, dass Sie hier eine Party gegeben haben, oder? Daher bitte ich Sie, dass Sie sich heute freinehmen. Gehen Sie. Sofort!« Das letzte Wort brüllte ich hinaus und ich erkannte zu meiner Freude, dass Chloe zusammenzuckte. Wie auch Eve. Letzteres war bestimmt nicht meine Absicht gewesen, doch es erfüllte seinen Zweck.
Eilig holte sie ihre Tasche, murmelte ein »Bis morgen« und verließ das Schlachtfeld. Denn nichts anderes war dies. Meinen Blick heftete ich weiterhin auf Chloe.
»Nick, es tut mir leid. Ich dachte …«
Ich schnaubte. »Du dachtest, ich komme morgen. Ist es nicht so?« Genervt schüttelte ich den Kopf. »Ich weiß wirklich nicht, was du dir dabei gedacht hast. Du bist eine Einser-Schülerin und fällst nie aus der Reihe. Was sollte das? Du hast eine tolle Zukunft vor dir. Ich ermögliche dir alles und das ist der Dank?«
Ich redete mich so in Rage, dass ich erst zu spät bemerkte, dass Chloe komplett durch den Wind war. Einzelne Tränen kullerten ihr von der Wange hinunter und sie setzte sich auf die Armlehne. Der Müllsack in ihrer Hand fiel zu Boden. Schuldgefühle überkamen mich. War ich zu streng? Ich wollte doch nur das Beste für sie.
Vorsichtig bahnte ich mir einen Weg durch den Müllhaufen, der kreuz und quer lag, um zu Chloe zu gelangen. Als ich bei ihr war, kniete ich mich vor sie. Es tat mir im Herzen weh, sie so traurig zu sehen. »Entschuldige Kleines. Vielleicht war ich zu streng zu dir. Es ist nicht so einfach, Bruder und Vater gleichzeitig zu sein.«
Sie schüttelte energisch den Kopf. »Das ist es nicht. Du bist als Bruder perfekt und eigentlich sollte ich nicht rebellieren, aber seit … Ich will nicht so sein. Nur ist es für mich nicht leicht in der Schule.«
Überrascht sah ich sie an. »Was genau meinst du? War jemand gemein zu dir? Hat dich jemand bedrängt? Wenn …«
Sie riss die Augen auf. »Nein, das ist es nicht. Aber weißt du, wenn man einen Bruder hat, der in der Schule der Größte war, dann ist das nicht so leicht in seine Fußstapfen zu treten. Um genau zu sein, es ist die Hölle.«
Ich versuchte meiner kleinen Schwester gedanklich zu folgen, doch es war mir nicht vergönnt. »Kleines, was willst du mir …«
Sie schniefte und rief aufgebracht: »Ich bin nicht beliebt. Keine Spur. Jeder hat Mitleid mit mir und es ist so schrecklich. Immer als die kleine Schwester von dem großen Football-Star zu gelten, ist furchtbar. Also wollte ich auch einmal zu den coolen Mädchen gehören und hab eine Party veranstaltet. Das Resultat siehst du ja.«
Und wie. Hoffentlich waren die Pubertierenden nicht an meine Trophäen gegangen. Ich knirschte mit den Zähnen. Dann würde es eindeutig nach Krieg riechen. »Wieso hast du nichts gesagt, Chloe? Wenn du Tipps benötigst, hättest du nur etwas sagen müssen. Ich kann mir vorstellen, dass es für dich nicht allzu leicht ist, aber ich bin für dich da.« Ich zog sie in meine Arme und bemerkte anhand meines Shirts, wie sie ihren Tränen freien Lauf ließ.
Natürlich war es mir im Ansatz kaum möglich, mir vorzustellen, was sie wirklich durchmachte. Solche Probleme hatte ich nie. Als Quarterback der Schule war ich der Star gewesen und im Nachhinein bereute ich, wie ich mich aufgeführt hatte. Doch so war es immer. Wie also konnte ich Chloe helfen?
Auf Anhieb fiel mir nur Eine ein und diese bestimmte Person wollte ich nie mehr sprechen. Überhaupt da ihre Schwester in die gleiche Schule ging wie Chloe. Wenn ich mich nicht irrte, sogar in die gleiche Schulstufe.
Soweit ich hörte, war Brittany‘s Schwester die Anführerin von dieser Clique, die vermutlich Chloe das Leben schwer machte. Glatt könnte man meinen, dass das ein Racheakt war. So tief würde sie niemals sinken. Schließlich hatte Brittany das erreicht, was sie schon immer wollte. Reporterin des Lokalsenders von L.A. Obwohl sie eher das Wetter moderierte.
Ich kratzte mich am Kinn und sah meine Schwester an. »Wir werden schon einen Weg finden, wie wir dein Image aufpolieren können. Aber zunächst sollten wir einmal den Sauhaufen hier beseitigen. Okay?«
Sie wischte sich die Tränen ab. »Du hilfst mir, obwohl ich …«
»Natürlich. Jeder macht mal Blödsinn. Los. Machen wir uns an die Arbeit. Danach bestell ich uns Pizza.«
»Bei Vitos?«, rief Chloe euphorisch.
Ich zwinkerte ihr zu. »Natürlich, wo sonst.«
Ich schloss hinter mir die Tür, lehnte mich für einen kurzen Moment dagegen, hielt inne, froh, in meinen eigenen vier Wänden zu sein. Die Tasche stellte ich auf den Boden, streifte mir die Schuhe ab und ging schnurstracks in die Küche, um mir ein Glas Wasser zu holen.
Während ich hantierte, schweiften immer wieder meine Gedanken zu Nick. Wie gut er aussah. Er hatte sich kaum verändert, nur seine Statur. Sie wirkte muskulöser. Als er sich auf die Tischplatte stemmte … Ich musste wirklich aufpassen, dass ich nicht den ganzen Tisch voll sabberte. Wie er sich zu mir hinsetzte, so als ob er mich begehren würde. Das war absoluter Schwachsinn. Ein Kerl wie er … und ich? Niemals!
Ich schrak zusammen, als mein Handy lautstark klingelte. Allem Anschein nach war ich viel zu tief in meinen Grübeleien versunken. Ich ging zur Garderobe und kramte in der Tasche nach diesem unnützen Teil. Dieser penetrante Klingelton machte mich irre, da ich es nicht gleich fand. Als ich das Handy in der Hand hielt, hörte es zum Klingeln auf. War ja klar.
Ich schwor mir, dass ich demnächst diesen Klingelton ändern würde. Nur in was? Ich öffnete die Sperre und sah, dass Karen mich angerufen hatte. Was wollte sie denn jetzt? Ich runzelte die Stirn. Schließlich hatte ich mich vor einer halben Stunde von ihr verabschiedet, auch wenn nur kurz und flüchtig.
Ich drückte die Kurzwahltaste und rief sie zurück.
»Hi. Was gibt’s?«
Sie hyperventilierte fast, als sie ins Handy euphorisch hineinschrie: »Du glaubst nicht, was gerade passiert ist.«
Ich hielt das Handy etwas weiter von meinem Ohr weg und seufzte innerlich. »Was ist denn passiert?« So genau wollte ich es nicht wissen, denn bei Karen passierte immer schnell irgendetwas. Ich kannte sie bereits seit der Schulzeit, auch wenn sie eine Stufe über mir war. Sie war eine quirlige, leicht verrückte Person. Mit ihr war es immer lustig und sie zog mich immer überall mit hin. Sogar in den allergrößten Schlamassel.
»Okay, also, bevor du dich aufregst. Ich habe wirklich gekämpft«, sagte sie und mir schwante böses.
»Was hast du getan?« Dabei presste ich jedes einzelne Wort zwischen den Zähnen heraus.
Lautstark seufzte ich ins Telefon und Karen sagte, was ich wirklich niemals hören wollte. »Also. Nick ist vorher ins Café zurückgekommen und hat mit mir etwas gequatscht. Natürlich war er interessiert … an dir. Ich habe gekämpft, wie eine Löwin, das musst du mir glauben, aber er hatte bessere Argumente und …«
»Und was?« Mir gefiel nicht, in welche Richtung dieses Gespräch ging. Sie hatte doch nicht. Nein …
»Ich habe ihm deine Nummer gegeben.«
Ich schloss die Augen, strich mit dem Finger die Zornesfalten weg, die mich immer in solchen Situationen heimsuchten, und verstand nicht, warum sie das getan hatte. Ja, ich war damals verschossen in ihn. Er war attraktiv, der Quarterback unseres Schulteams und jetzt hatte er den Superbowl vor einiger Zeit gewonnen. Nicht, dass ich ihn gestalkt hätte. Gott behüte. Es stand nur irgendwann riesengroß in der Zeitung, als ich einen flüchtigen Blick hineinwarf. Wenn man auf so etwas stand, dann war Nick gewiss ein Lottogewinn, aber es interessierte mich nicht. Falls man den Gerüchten trauen konnte, war er kaum ein Mann mit dem längerfristig etwas lief. Ein Womanizer, wie es die Klatschspalten anpriesen.
O mein Gott.
Erst jetzt wurde mir das Ausmaß dessen bewusst, was dies bedeutete. »Du hast was?«, schrie ich ins Handy.
Ich fühlte mich, als ob ich in ein tiefes Loch fiel … ohne Boden. Wie stellte Karen sich das vor? Ein gefeierter Quarterback und eine Schriftstellerin? Das ging niemals gut aus. Doch, in Büchern, aber nicht im realen Leben.
»Jetzt beruhige dich, meine Süße«, sagte Karen.
Den Teufel wurde ich. »Hör auf, mich Süße zu nennen.« Wie ich das hasste! Ich war fuchsteufelswild, dass sie meine Nummer ihm …
»Hör zu. Du schwärmst bereits seit der High-School von ihm, bist seit mehreren Tagen völlig abwesend und bevor du etwas sagst, ja, ich habe es mitbekommen. Also sei froh, dass ich ihm deine Nummer gegeben hab.«
Ich schnaubte lauthals in das Telefon.
»Du weißt, dass ich Recht habe. Du sitzt stundenlang an deinen Büchern, während draußen, das wahre Leben auf dich wartet«, führte sie weiter aus.
Ich verdrehte die Augen. Das wahre Leben konnte meinen Romanen nicht einmal ansatzweise das Wasser reichen.
»Pfeif auf das wahre Leben. In meinen Büchern lebe ich alles viel besser aus. Apropos Bücher … Ich muss weiter.«
»Kleines, du weißt, dass ich Recht hab. Viel Spaß im nicht realen Leben.« Sie legte auf.
Pah…
Mein Leben war in einigen Sachen viel realer als bei anderen. Die letzten Jahre lernte ich interessante Menschen kennen und dazu brauchte ich keinen Footballspieler. Die waren doch sowieso alle hohl.
Ich pfefferte das Handy auf die Küchenablage. Die Gedanken wirbelten umher nur um jedes Mal wieder beim gleichen Punkt anzukommen. Unwillkürlich biss ich mir auf die Unterlippe. Das was Karen gesagt hatte … Er würde doch nicht? Oder doch?
Schnell schaltete ich das Handy aus. Nur für den Fall, dass er mich wirklich anrief. Ich wollte nicht mit ihm reden und auf keinen Fall ihn wiedersehen.
Innerlich spürte ich wie nervös ich wurde. Beinahe panisch. Ich nahm eine Tasse aus dem Schrank, nahm einen Melissen-Teebeutel aus der Schachtel und schaltete den Wasserkocher ein. Das würde meine Nerven sicher beruhigen. Während ich darauf wartete, dass das Wasser heiß wurde, nahm ich den Laptop aus der Tasche heraus. Ich musste, nein, ich wollte auf andere Gedanken kommen. Und mit Arbeit würde es viel leichter gehen.
Das schnappende Signal des Wasserkochers erklang, das untrügliche Zeichen, dass das Wasser heiß war, und ich dieses in die Tasse eingoss. Den Laptop fuhr ich hoch und machte mich an die Verbesserungen dran. Ich legte volle Konzentration an den Tag.
Meine Gedanken besaßen hingegen andere Pläne. Immer wieder schweiften diese zu Nick. Zu seinen muskulösen Armen, zu seinem charmanten Lächeln. Ich biss mir auf die Lippe und ein kalter Schauer rann mir den Rücken herunter.
Den Tee trank ich in kleinen Schlucken und hoffte, dass dieser bald seine Wirkung erzielte. Das Gegenteil war der Fall. Ich wurde zusehends nervöser und konnte mir keinen Reim darauf machen. Was hatte Nick für eine Wirkung auf mich? Das ging nicht mit rechten Dingen zu.
Ich ließ den Blick wandern, hin zum Kalender, fixierte diesen an der Wand, auf der ein riesengroßes X gekennzeichnet war. In ein paar Wochen sollte das Skript fertig und der Roman druckbereit sein. Ich seufzte. Nur so, wie es jetzt war, ging es nicht weiter.
Sauer klappte ich den Laptop zu, denn mir wurde schnell klar, dass meine Nerven für die Bearbeitung brach lagen. Ich stand auf und nahm frustriert aus einem der Regale eine Flasche Rotwein heraus. Noch nie oder besser gesagt selten trank ich etwas. Das vernebelte nur die Sinne. Heute jedoch war eine Ausnahmesituation.
Ich nahm aus dem Glasschrank ein Rotweinglas heraus, goss ein und nippte daran. Er schmeckte gar nicht schlecht, süßlich mit einem fruchtigen Abgang. Ich setzte mich auf die Couch mit dem Glas sowie der Flasche, schaltete den Fernseher ein und ließ mich berieseln.
Irgendein Tanzfilm lief gerade; meine Nervosität legte sich umgehend und meine Laune besserte sich. Immer wieder nippte ich an dem Rotwein. Ohne zu überlegen, schenkte ich mir auf ein Neues ein und lachte ab und an einmal, wenn eine witzige Szene vorkam. So saß ich die nächsten Stunden da, die Decke über meine Beine und zog mir einen Tanzfilm nach dem anderen hinein. Es war lustig und irgendwie überkam mich selbst die Lust tanzen zu gehen.
Spät am Abend stand ich auf und kramte in meinem Schrank nach etwas Passendem. Ich besaß viele schöne Kleider, aber für eine Party war nicht wirklich etwas dabei. Hosenanzüge, Cocktailkleider, Sommerkleider … doch für eine Party. Fehlanzeige!
Erneut trank ich einen Schluck von dem leckeren Rotwein, bis mir eine Eingebung kam. Karen hatte mir vor Jahren ein Partykleid geschenkt, da sie meinte, ich hätte zu wenig Spaß. Bei dem Gedanken schnaubte ich laut.
Ich stellte das Glas auf den Tisch ab, streckte mich beim Kleiderschrank, sodass ich die Schachtel erreichte. Mit den Fingerspitzen schob ich sie zu mir und fing sie auf, als diese mir entgegensegelte. Beinahe wäre ich gestürzt, zum Glück blieb ich heil auf den Beinen stehen.
Ich setzte mich auf den Boden und öffnete Karens Geschenk, welches ich noch nie aufgemacht hatte. Mit zittrigen Fingern legte ich das Papier auf die Seite und sah überrascht auf das Kleid. Es war knallrot.
Hatte sie einen Knall? Mit sowas würde ich mich doch nie in die Öffentlichkeit trauen. Was würden die Leute denken?
Ach, was soll‘s. Anscheinend fühlte ich mich wagemutig, um nicht zu sagen, dass ich einen leichten Schwips inne hatte, sodass es mir gleichgültig war. Erneut trank ich einen kräftigen Schluck, zog mich aus und schlüpfte in das hautenge Kleid, das viel zu viel preisgab.
Ich trat vor den Spiegel, betrachtete mich von allen Seiten und ließ meine Locken über den Rücken fallen. Für einige Momente war ich sprachlos. Ich sah so … anders aus. Das Kleid betonte meine schlanke Taille und fast nahm man an, dass ich als Femme Fatale durchgehen könne. Aber nur fast. So wie ich wirkte, war ich ganz und gar nicht.
Entsetzt darüber, dass es schon lange dunkel war, fragte ich mich, wo die Zeit geblieben war. Meine Gedanken schweiften zu: ›Sollte ich mich ins Getümmel stürzen‹ oder ›es lieber verwerfen‹? Ich war im Zweifel. Fest entschlossen scheuchte ich das Gefühl weg. Ich wollte es allen beweisen und ganz vorweg: Karen. Natürlich konnte ich Spaß haben, wenn ich wollte, nur empfand ich meine Geschichten viel realer als das echte Leben. Zumindest gab es dort ein Happy End.
Ich betrachtete das Glas, das auf dem Abstelltisch stand und bereits leer war. Stattdessen ging ich in das Wohnzimmer zurück und nahm die Flasche. Als ich dieses in Händen hielt, erkannte ich, dass nur der Boden bedeckt war. Wo war denn der ganze gute Rotwein hin? Schulterzuckend setzte ich die Flasche an die Lippen und trank den letzten Rest. Ich hickste und grinste dümmlich. Ach ja, da war die Flüssigkeit hin.
Umständlich bückte ich mich, um zu meinen Schuhen zu gelangen, als ich umkippte und zu Boden fiel. Aus heiterem Himmel lachte ich. Und lachte und lachte, bis mir der Schädel schwirrte und mich fragte, warum ich eigentlich lachte. Daran war sicher der Alkohol schuld.
Da ich sowieso am Boden lag, setzte ich mich auf und kramte in dieser Position nach den einzigen Schuhen, die zu einem roten Kleid passten. Meinen heiß geliebten rotschwarzen Louboutins.
Ich zog sie an und hielt mich am Schrank fest, um aufzustehen. Das Kleid strich ich glatt, ehe ich mich im Spiegel erneut betrachtete. Ich sah gut aus. Nein, sensationell, um nicht zu sagen phänomenal. Wenn das nicht ein toller Abend werden würde, dann wusste ich auch nicht weiter.
