Fake Game: Lifeguard - Pia Cole - E-Book

Fake Game: Lifeguard E-Book

Pia Cole

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Beschreibung

Sonne, Strand & mehr.

J.R. ist zurück aus dem Outback. Er will von vorne beginnen und das klappt nur, wenn er erneut in die Lifeguardstaffel aufgenommen wird.

Wäre da nicht seine Nachbarin, die sein Blut in Wallung bringt. Sie ist attraktiv, eigensinnig und schwimmt mit ihm auf einer Wellenlänge.

Aber alles Glück der Welt, kann trügerisch sein.

J.R.s Vergangenheit holt ihn ein und verdunkelt sein Leben.

Solche, die er vielleicht nicht aufhalten kann und es knapp in einem Desaster endet. Oder?

Welcome back in Malibu.

***

Achtung! Es kann Spoiler von den anderen Bänden der Fake Game Reihe enthalten.

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EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Das Urheberpersönlichkeitsrecht der Autorin

wurde geltend gemacht.

Ohne die ausschließlichen Urheberrechte der Autorin, Talea Cole, in irgendeiner Weise einzuschränken, ist jegliche Nutzung dieser Veröffentlichung zum „Trainieren“ von Technologien der generativen künstlichen Intelligenz (KI) zur Erstellung von Werken/Bildern/Texten/Videos ausdrücklich untersagt.

Kein Teil dieses Buchs darf in irgendeiner Form

oder mit irgendwelchen elektronischen oder mechanischen Mitteln,

einschließlich Informationsspeicher- und Abrufsystemen, ohne schriftliche Genehmigung der Autorin vervielfältigt werden, mit Ausnahme von kurzen Zitaten in einer Buchbesprechung.

© 2023 Pia Cole, Fake Game: Lifeguard

ISBN: 978-375-92901-3-7

Covermaterial: Bilder unter Lizenzierung von Freepik.com genutzt

Erschienen bei:

Cole Indie Ink

c/o 2470, Neubaug 4

Alle Rechte vorbehalten

Dies ist ein Werk der Fiktion. Namen, Charaktere, Orte, Marken, Medien und Ereignisse sind entweder Produkte der Fantasie der Autorin oder werden fiktiv verwendet. Die Autorin erkennt den Markenstatus und die Markeninhaber verschiedener Produkte an, auf die in diesem fiktiven Werk Bezug genommen wird und die ohne Genehmigung verwendet wurden.

Die Veröffentlichung/Verwendung dieser Marken ist nicht von den Markeninhabern autorisiert, mit ihnen verbunden oder von ihnen gesponsert.

Kapitel 1

Jordan

Kapitel 2

Caroline

Kapitel 3

Jordan

Kapitel 4

Caroline

Kapitel 5

Jordan

Caroline

Kapitel 6

Jordan

Kapitel 7

Caroline

Kapitel 8

Jordan

Kapitel 9

Caroline

Kapitel 10

Jordan

Kapitel 11

Caroline

Kapitel 12

Jordan

Kapitel 13

Caroline

Kapitel 14

Jordan

Kapitel 15

Caroline

Kapitel 16

Jordan

Kapitel 17

Caroline

Kapitel 18

Jordan

Caroline

Kapitel 19

Jordan

Kapitel 20

Caroline

Kapitel 21

Jordan

Caroline

Kapitel 22

Jordan

Caroline

Kapitel 23

Jordan

Kapitel 24

Caroline

Jordan

Kapitel 25

Jordan

Kapitel 26

Caroline

Kapitel 27

Jordan

Kapitel 28

Caroline

Kapitel 29

Jordan

Kapitel 30

Caroline

Jordan

Kapitel 31

Caroline

Jordan

Caroline

Epilog

Nachwort

Zur Autorin

Kapitel 1

Jordan

Das Meer rauschte, die Wellen liebkosten sanft meine Füße und mein Blick richtete sich auf die Unendlichkeit des Ozeans. Ich schloss die Augen, atmete den salzigen Geruch nach Freiheit ein und genoss den Frieden, der damit einherging. Endlich war ich wieder in L.A. In meiner Stadt. Meinem Zuhause.

Nach all der Scheiße der letzten Monate, die in Australien geschehen war, war ich erleichtert wieder in Malibu zu sein. Dort wo täglich die Sonne schien, knapp bekleidete Mädchen herumliefen und mein Job, für den ich aufging, wartete hoffentlich auch auf mich.

Was gab es Schöneres? Nichts. Ein Neuanfang war genau das, den ich wagen würde. Weg von alldem was mich belastete.

»Ich fass es nicht. Dass du dich hier wieder blicken lässt.« Die Stimme war mir allzu vertraut, als ich mich vom Meer abwandte und hinter mich sah. Der Mistkerl, den ich viel zu gut kannte, stemmte die Hände in die Hüften und schmunzelte. Unser allseits gut gelaunter Sunnyboy. »Hat dir die australische Sonne nicht gutgetan? Oder bist du aus dem Outback rausgeflogen? Was war es?« Fehlte noch, dass er das kleine Wort diesmal erwähnte. Ich schnaubte. Er stapfte die Stufen lässig vom Hauptquartier herunter, als ob er alle Zeit der Welt hätte. Was auch vermutlich auf ihn zutraf.

Ich ging mit einem Grinsen auf ihn zu und schlug in seine dargebotene Hand ein. »Wie ich sehe, haben sie dich noch immer nicht rausgeschmissen. Wie geht’s dir, Cody?«

Mein Kumpel schnaubte und ignorierte den Diss. »Wie soll‘s einem schon gehen? An diesem Strand gibt es jede Menge zu tun und außerdem sind hier die schönsten Frauen aus ganz Kalifornien. Was will Mann mehr?« Er musterte mich einen Augenblick. »Was führt dich wieder … Nein, sag’s mir nicht.« Er wiegelte ab.

Mit einem feixenden Seitenblick bedachte ich Cody. »Du wirst doch nichts gegen ein wenig Konkurrenz einzuwenden haben?«

Er prustete. »Pah. Du wirst meinen Staub schlucken, J.R.«

»Das werden wir noch sehen.« Das Geplänkel mit meinem Kumpel hatte ich schmerzlich vermisst. Nicht, dass ich Probleme hatte, Anschluss zu finden. Das Gegenteil war der Fall. Und das zog leider auch unerwünschte Leute an.

Gedanklich schüttelte ich den Kopf und vertrieb die dunklen Wolken. Sie führten nur in eine Richtung, an die ich nie wieder erinnert werden wollte.

Stattdessen sah ich an dem graugefärbten Gebäude hinauf und Wehmut ergriff mich. Hier verbrachte ich die schönste Zeit meines Lebens und hoffte, dass es wieder so werden würde, wenn …

»Sag mal, wer hat denn jetzt das Sagen?« Ich hob das Kinn und deutete mit einem kurzen Nicken in Richtung Hauptquartier. »Hat sich viel getan, während ich weg war?«

Codys Miene veränderte sich, wurde eine Spur härter, und mir wurde schnell klar, dass egal was mein Freund sagte, es würde mir vermutlich nicht gefallen.

»Was ist? Wer …? Sag nicht.«

Er zuckte mit einer Schulter, als würde das alles erklären. »Du warst weg und hast die Stelle abgelehnt. Da war klar, dass Garcia das Angebot annimmt. Sorry.«

Mit zusammengepressten Zähnen überlegte ich, wie mein weiteres Vorgehen aussehen könnte. Garcia. Wieso musste es ausgerechnet dieser Kerl sein? Er würde mir gewiss das Leben zur Hölle machen. Wie schon damals. Und ich konnte es ihm kaum verübeln. Zumal bei der letzten Begegnung meine Faust mit Garcias Kiefer Bekanntschaft gemacht hatte. Ich konnte mich schon einmal darauf einstellen, dass ich zu Kreuze kriechen müsste.

»Schon klar. Wen hätte man sonst zum Captain machen sollen?« Es lag auf der Hand, auch wenn es mir keine Sekunde lang schmeckte. Es würde mir wohl keine andere Wahl bleiben, als gute Miene zum bösen Spiel zu machen.

»Ich muss auf meinen Turm, aber wir sehen uns. Wenn du willst, komm heut mit. Die Jungs geben eine Party bei Jason. Jede Menge Mädls, Alkohol, gute Laune.« Er klopfte mir auf die Schulter. »Lass dich dort blicken, wenn du willst.« Cody ging ein paar Schritte, schnippte dann mit dem Finger und drehte sich grinsend noch einmal um. »Ach, und nimm deine Badehose mit. Es wird nass.«

Ich schüttelte lachend den Kopf, denn Cody hatte echt nur das eine im Kopf. Da kannte ich noch jemanden, der genauso drauf war. Einen Fullback mit einer großen Klappe. »Lass gut sein. Das nächste Mal bin ich gerne wieder mit von der Partie.« Es waren Jahre vergangen, als ich zuletzt auf einer von Jason Partys war, die einen legendären Ruf hatte. Und nicht nur, da man gute Laune bekam, sondern es ging etwas freizügig zu. Ganz besonders in seinem Pool. Und ja, ich kannte Jason und die Jungs verdammt gut, da ich mit ihnen seit der Highschool befreundet war. Außer vielleicht mit Mike, der erst später dazugestoßen war. Aber das zählte nicht, denn wir waren eine Clique und gingen durch dick und dünn.

Zuerst wollte ich in Malibu wieder richtig ankommen und als erstes schauen, ob ein Job auf mich wartete. Eine Sache nach der anderen. Vielleicht endete die Angelegenheit doch nicht in einem Desaster. Garcia! Es musste ausgerechnet dieser Flachwichser sein.

Cody nickte und eilte zu seinem Turm, als er sich noch einmal umdrehte. »Sei nett zu unserem Captain, nicht das wieder sowas passiert.« Er deutete mit seiner Faust gegen sein Kiefer.

Ich schnaubte. Der Sonnyboy kannte mich leider viel zu gut. Kein Versprechen der Welt würde mich davon abhalten Garcia eine reinzuhauen, wenn er es wieder darauf anlegte. Ich war kein Mann, der leichtfertig sein Wort brach, da würde vorher die Welt untergehen. Aber Garcia besaß eine Art … Ich spannte mein Kiefer an. Er forderte sein Glück immer wieder heraus.

Zuallererst würde ich dieses elendige Thema hinter mich bringen. Daran führte kein Weg vorbei.

Mit einem ganz miserablen Gefühl in der Magengrube lief ich die Stufen alle zwei auf einmal nehmend zum Hauptquartier hoch. Es gab zwei Möglichkeiten, die passieren würden. Die Eine wäre, er würde mich zum Teufel jagen. Was ich ihm kaum verübeln konnte. Unsere Geschichte war letztens nicht gut ausgegangen, auch wenn die meisten meiner ehemaligen Kollegen kaum wussten, was geschehen war. Ich war mir sicher, dass Garcia damit nicht hausieren ging. Die andere, das ich unverschämtes Glück besaß und ich meinen Job als Rettungsschwimmer wieder bekam. Ich hoffte, dass letzteres der Fall war.

Kaum stieß ich die Tür auf und setzte einen Schritt ins Hauptquartier, erstarrte die ganze Szenerie. Stimmen verstummten, als hätte jemand den Ton abgedreht. Dutzende Augenpaare klebten an mir, als wäre ich ein seltenes Tier im Zoo. Einige flüsterten hinter vorgehaltener Hand, andere starrten plötzlich auf ihre Schreibtische, als könnten sie sich dort unsichtbar machen. Für einen Moment fühlte ich mich wie ein Alien, frisch gelandet am Strand von Malibu oder schlimmer noch, als hätte ich mir über Nacht Hörner wachsen lassen und würde jetzt als wandelnde Warnung durch die Reihen marschieren. Die Luft war elektrisch aufgeladen, voller unausgesprochener Fragen und alter Geschichten. Mir war klar, dass mein Comeback alles andere als ein Spaziergang werden würde. Aber das hier? Damit hatte ich nicht gerechnet.

Ich bahnte mir den Weg durch die Kollegen, als die Bürotür vom Captain aufgerissen wurde. »He, was ist hier los? Habt ihr nicht zu arbeiten? Los, an die Arbeit!« Er sah sich nach allen Seiten um, starrte einen jeden an der Innendienst verrichtete und seine Miene sprach Bände. Garcia! Er hatte sich keinen Deut verändert und genau der Mann, den ich gesucht hatte, stand etwas abseits von mir.

Es dauerte nicht lange, bis er mich entdeckte. Ich hätte nicht gedacht, dass sich sein Gesicht so stark verändern konnte, als er meiner ansichtig wurde. Soviel dazu, dass ich meinen Job zurück bekam. Anhand seiner ablehnenden Körperhaltung war mir klar, dass er es mir nicht leicht machen würde. Hieß: Ich war am Arsch. Wortwörtlich.

»Was suchst du denn hier?« Seine Worte schleuderte er mir verachtend entgegen. Vermutlich, wenn keine Zeugen anwesend wären, hätte er mir vor die Füße gespukt. Ich hatte nichts anderes erwartet. Vielleicht ein wenig Freundlichkeit mir gegenüber, aber bei diesem Kerl war ich auf alles gefasst. Selbst seine Emotionen hatte er nicht im Griff, denn seine Gesichtsfarbe wechselte von blass zu knallrot. Es war interessant zu beobachten, dass er die Fähigkeit eines Chamäleons besaß. Innerlich grinste ich, leider war mir allzu bewusst, dass die Lage viel zu ernst war. Ich räusperte mich.

»Ich bin zurück.« Ich sagte das Offensichtlichste, falls er es noch nicht kapiert hatte. Bei Garcia konnte man es ja nie wissen.

»Ja, das sehe ich«, presste er zwischen den Zähnen hervor. »Was willst du hier? Nein, sag’s mir nicht. Du willst einen Job, stimmt‘s?« Garcia musterte mich abschätzig und ich wusste, dass er jeden anderen vorziehen würde als mich. Was hatte ich mich nur gedacht, wenn ich hier auftauchte? Dass es leicht werden würde? Ganz bestimmt nicht.

»Das war der Plan. Hast du einen?« Ich ersparte mir das für mich. Was hätte es gebracht, außer dass es nur alte Wunden aufriss.

Das Team sah erwartungsvoll zu Garcia, der sich überheblich vor mir positionierte. Wie es schien, genoss er jede einzelne Sekunde, da er endlich über mein Schicksal entscheiden konnte. Ich brauchte mich nicht umzuschauen, dass alle Augen auf mir lasteten. Vermutlich warteten sie ungeduldig auf seine Antwort. Auch das nahm ich niemandem übel, obwohl die meisten ihn damals nicht ausstehen konnten. Ob es heute auch noch so war, konnte ich beim besten Willen nicht sagen. Es war eine durch und durch vertrackte Situation.

»Wir sollten das drinnen besprechen.«

Er deutete mir, dass ich ihm folge sollte, als ich ein paar Schulterklopfer spürte sowie einige Sprüche wie Schön, dass du wieder da bist, Willkommen zu Hause und andere Aussagen. Anscheinend war ich noch immer ein gern gesehener Gast, auch wenn ich mir die Begrüßung anders vorgestellt hatte. Bei dem Gedanken schmunzelte ich. Was hätten sie denn veranstalten sollen? Eine Überraschungsparty? Wie lächerlich. Es hatte schließlich keiner gewusst, dass ich meine Zelte in Australien abgebrochen hatte. Auch wenn es eher unfreiwillig geschehen war.

Und wieder wollte ich nicht daran denken. Was hätte es gebracht?

Garcia hielt die Tür offen und ich trat ein, als er sie hinter mir schloss. Obwohl zuknallen das bessere Wort gewesen wäre.

»Was willst du wirklich, Warren? Willst du mir das Leben zur Hölle machen?«, zischte er.

Ich setzte mich auf den Sessel, ließ die Tasche neben mich fallen und betrachtete die spärliche Einrichtung. Ich konnte nicht sagen, ob er gerade erst in das Büro des Captains eingezogen war oder aber, ob er es gerne so spartanisch hatte. Sonderlich gemütlich war es nicht. Man fühlte sich eher so, als ob man sofort die Flucht ergreifen wollte. Oder … konnte es möglich sein? War sein Job doch nicht so sicher, wie es den Anschein hatte?

Was auch immer der Grund dafür war, es ging mich nichts an.

»Hör zu, Garcia. Ich will dir keine Schwierigkeiten machen. Ich will nur einen Job, werde ihn zu deiner Zufriedenheit erfüllen und das war‘s. Ich schwöre es dir. Du hast mein Wort.«

Er nahm mir gegenüber Platz, rieb sich über sein Gesicht und seufzte laut. Dabei musterte er mich argwöhnisch. »Was soll ich mit dir machen, Warren? Du hattest mit deinem Abgang viel Aufsehen erregt, bist Jahre in Australien gewesen und jetzt willst du wieder hier anfangen?« Sein Blick glitt prüfend über mich, wachsam und angespannt, als ob er jeden Moment damit rechnete, dass ich zum Schlag ausholen würde. Nichts davon würde geschehen. Ich hatte mich verändert, aber wie sollte ich es ihm beweisen? »Verzeih, aber das ist für mich nicht sonderlich schlüssig. Wieso jetzt? Ich kann nicht noch mehr Schwierigkeiten gebrauchen, wenn du wieder daran denkst abzuhauen. Mir sitzt der Chief schon mächtig im Nacken. Vielleicht bist du auch nur hier, um meinen Job zu bekommen. Ich weiß es nicht, aber …«

»Garcia, Stopp. Ich bin nicht hier, damit ich deinen Job will. Du kannst ihn behalten. Es hat mich nie interessiert Captain zu werden. Behalte ihn. Ich will nur einen Job als Lifeguard. Einen Turm, den du mir zuteilst und das war‘s. Keine Schwierigkeiten oder dergleichen. Du hast mein Wort.« Ich wäre nicht ganz bei Trost, wenn ich Captain werden wollte. Zumindest nicht jetzt. Vermutlich auch nie. Wer wusste, was die Zukunft für mich bereit hielt?

Für einige Augenblicke sah er mich schweigend an, verzog den Mund, ehe er kurz die Augen schloss und sie genauso schnell wieder öffnete. »Dein Vater wird mir auch keine machen?«

Ah, jetzt verstand ich, worauf das Ganze hinauslief. »Mach dir keine Gedanken. Ich will nur einen Job, das war‘s«, versicherte ich ihm zum tausendsten Mal. Keine Ahnung wie viele Versprechen er wollte, schließlich war es mir ernst.

»Also gut. Du musst wie alle anderen die Prüfung absolvieren und dich vorab vom Arzt durchchecken lassen. Wenn du es unter die ersten Zehn schaffst, kannst du hier wieder arbeiten.«

War das ein Witz? »Ach komm schon. Du weißt, dass ich hier jeden in den Schatten stelle. Das kann unmöglich dein Ernst sein.« Wenn er wollte, dass ich sauer wurde … Herzlichen Glückwunsch, es war ihm gelungen.

»Dann hast du bestimmt kein Problem damit.« Garcias Mundwinkel zuckte, formte sich zu einem halben Lächeln und lehnte sich zufrieden gegen die Stuhllehne. »Du hast die Wahl. Entweder die Prüfung oder du weißt, wo die Tür ist. Deine Entscheidung. Du kannst froh sein, dass ich dir diese Chance gebe.«

Na klar, als ob. Ich starrte durch das Fenster, eine Möwe flog vorbei, aber ansonsten war es ein strahlend blauer Tag. Es wäre so einfach, ihm das Angebot in seinen überheblichen Arsch zu schieben. Und für einen Moment wägte ich es auch ab, aber im selben Atemzug war mir klar, dass ich dann nie wieder meiner Leidenschaft nachgehen könnte. Ich liebte es am Stand zu arbeiten, Menschen zu retten und mein Leben so zu gestalten, wie ich es wollte. Fernab von Konventionen. Es gab jetzt nur zwei Möglichkeiten. Entweder aufstehen, ihm die Meinung sagen und gehen. Oder aber ich schluckte meinen Stolz herunter und machte die Prüfung. So ein kleiner Scheißer. Er hatte mich eindeutig an den Eiern, aber diesen Sieg ließ ich ihm nicht durchgehen. Vielleicht hätte ich nicht wieder herkommen sollen, aber jetzt war es zu spät. Ich würde mir im Anschluss darüber Gedanken machen. »Okay, wann ist die Prüfung?«

»In fünf Tagen. Denkst du, du bist bis dahin fit?« Er musterte mich, ich runzelte verwirrt die Stirn. »Ein wenig hast du schon zugelegt, oder?«

Meine Miene fiel komplett zusammen. Wo zur Hölle besaß ich ein Gramm Fett? Das war wohl ein Scherz. Wenn ich mir andere Rettungsschwimmer anschaute, dann waren diese nicht in Top-Form. Nicht, so wie ich. Sein ernster Gesichtsausdruck ließ nicht daraus schließen, dass er einen Jux gemacht hatte. Ich ballte meine Hand zur Faust und schluckte meine Wut herunter. Es würde absolut nichts bringen, wenn ich jetzt so kurz vor dem Ziel ausrastete.

»Alles klar, Garcia. Wir sehen uns und du wirst sehen, dass ich unter den Top fünf bin. Der Ablauf ist der Gleiche?«

»Natürlich. Oder willst du es etwas schwerer haben?«

Ich schnaubte. Dieser Mistkerl versuchte mich zu provozieren, so, wie er es vor all den Jahren immer gemacht hatte. Als wir beide noch auf den Türmen unsere Arbeit verrichteten; und jedes Mal machte er aus allem einen Konkurrenzkampf. Sei es bei den Frauen, die Hilfe brauchten oder bei den verschiedensten Rettungen. Er wollte mich immer übertrumpfen. Während ich einfach meiner Arbeit nachgegangen war, war er auf Trophäenjagd gewesen. So war er schon immer. Und jetzt … er hatte den Captain-Posten und ich bettelte um einen Job. Weit hatte ich es gebracht. Und zu allem Überdruss kribbelte meine Faust, aber ich war nicht mehr der Jungspund, der schnell die Kontrolle verlor. Ich nahm meine Tasche, schulterte sie und ging aus dem Büro. Wenn ich nicht sofort verschwand, dann konnte ich für nichts mehr garantieren. Dann parkte gewiss etwas in seinem Gesicht. Wieder einmal.

Ich nahm den direkten Weg raus, sah niemanden an, aber ich spürte sein zufriedenes Grinsen in meinem Rücken. Ich brauchte mich nicht einmal umzudrehen, denn ich wusste, dass es so war. Er war noch immer derselbe Scheißkerl wie eh und je. Etwas Mitleid empfand ich mit ihm, denn anscheinend war es nicht leicht die Lifeguard-Staffel zu befehligen, wenn der Chief ihm im Genick saß. Beweisen konnte ich es zwar nicht, musste ich auch nicht, aber mein Gefühl trug mich selten fehl. Glücklicherweise ging der Kelch an mir sang- und klanglos vorbei. Auch wenn andere mich auf dem Chefsessel sehen wollten. Ich wollte es nicht. Mein Leben war der Strand und das unbeschreibliche Gefühl Menschen zu retten. Es gab kaum etwas Besseres.

Ich verließ das Hauptquartier und eilte zum Mietauto, ohne einen weiteren Blick zurückzuwerfen. Es würde nichts an Garcias Entscheidung ändern, ganz gleich, was ich ihm noch vorschlug. Er würde dabei bleiben und deswegen musste ich mich für den Wettkampf rüsten. Und wie ich Garcia einschätzte, würde es kein Zuckerschlecken werden. Ich war mir sicher, dass er noch ein Ass im Ärmel hatte.

Wie dem auch sei, es war nicht von Belangen. Jetzt wollte ich einfach nur nach Hause und mich entspannen. Der Tag hatte es schließlich in sich. Ich stieg in das Auto, obwohl es keine Schönheit war, aber wenigstens brachte es mich von A nach B. In meinen ganz persönlichen Luxus.

Ich startete den Motor und fuhr zu meinem Apartment, das selbstredend am Dach einen Pool besaß. Nur sollte ich in erster Linie daran denken, vorher einkaufen zu gehen. Mein Kühlschrank war bestimmt leer. Wie lange ich wohl nicht mehr hier war? Ein paar Jahre waren es bestimmt und es wären noch mehr gewesen, wenn … Nein, ich wollte keinen weiteren Gedanken daran verschwenden. Jetzt galt es nach vorne zu schauen, positiv und entschlossen. Genau das tat ich, als ich losfuhr.

***

Ich betrat mein Apartment und bemerkte, dass es etwas muffig roch. Die Luft war abgestanden, all meine Möbel waren mit Laken zugedeckt und der helle Lichtschein fiel wie ein leiser Triumph in den Raum, der die Staubpartikel zum Leben erweckte. Ich stellte den Einkauf auf den Küchentresen, die Tasche auf den Boden und ging mit großen Schritten auf die Terrasse zu. Dann öffnete ich diese und atmete tief ein und aus. Der salzige Geruch erfüllte meine Nase, erwärmte mein Herz und die Aussicht … sie war bombastisch wie eh und je. Genau deswegen hatte ich mich vor Jahren für diese Liegenschaft entschieden. Ben, mein guter Freund, dessen Familie das Immobiliengeschäft Hall Luxury Real Estate gehörte, hatte mir diese Wohnung empfohlen. Obwohl, als ich das Apartment zum ersten Mal gesehen hatte, mich sofort verliebte. Ich war ihm dankbar und es war ein Schnäppchen gewesen. Zumindest für mich.

Ich stützte mich mit den Händen an der Brüstung ab und ließ meinen Blick über den Ozean schweifen. Es gab kaum eine andere Aussicht als diese, die mich innerlich beruhigte. Ich könnte ewig aufs Meer blicken und mir würde nie langweilig werden. Es hatte etwas Friedliches an sich, so viel war klar. Ich starrte eine Weile hinaus, genoss das Rauschen der Wellen, ihre unbezwingbare Macht, bis ich im Augenwinkel etwas bemerkte. Mein Blick wanderte nach rechts, leicht schräg gegenüber zur anderen Terrasse hin und … sah sie.

Eine Grazie.

Lange dunkle Haare umschmeichelten ihr Gesicht, ihr Blick war unruhig und sie wirkte angespannt. Ich fragte mich, wer diese Schönheit war. Gesehen hatte ich sie noch nie.

Natürlich nicht. Wie auch? Ich war die letzten Jahre nicht hier gewesen, sondern auf einem anderen Kontinent, und dass sich neue Mieter einfanden, dagegen konnte ich wohl kaum etwas ändern. Wollte ich auch nicht. Sie hingegen sah so aus, als ob sie erst kürzlich in Malibu eingetroffen war. Und ich lag richtig, als mein Blick nach unten wanderte. Ein großer Lieferwagen stand vor dem Haus und zwei Männer trugen einige Kisten hinauf. Natürlich konnte ich mich auch irren, aber das war selten der Fall. Zumal ich wieder zu ihr sah und durch das Terrassenfenster einige Umzugskartons wahrnahm.

Wenn das kein Zufall war. Mein Tag begann soeben interessant zu werden.

Die dunkelhaarige Elfe stand auf der Terrasse und trank etwas aus der Flasche. Was es war, blieb vorerst ein Geheimnis, aber das war nicht relevant. Stattdessen faszinierte mich ihre schlanke Gestalt, die durchtrainiert schien.

Ich konnte meine Augen nicht von ihr nehmen. Es hatte viele Frauen in meinem Leben gegeben, aber sie … sie besaß etwas, was mich in den Bann zog. Zumal sie auch die Art Frau war, die mir gefiel. Sogar mehr als das.

Erst jetzt bemerkte sie mich, als sie in meine Richtung sah und verwirrt die Stirn runzelte. Okay, das war nicht die Reaktion, die ich erwartet hatte. Vielleicht eher eine Begrüßung, aber kein Misstrauen. Ich lächelte und winkte ihr zu, aber sie rümpfte die Nase, drehte sich am Absatz um und ging zurück ins Innere.

Was zur Hölle war denn das?

Sowas hochnäsiges war mir noch nie begegnet.

Ich schüttelte den Kopf, riss mich von der Terrasse weg und tat genau das gleiche wie sie. Ich ging rein. Schließlich musste der Einkauf verstaut und die Möbel wieder abgedeckt werden. Und danach musste ich trainieren. Mein Training hatte Vorrang, anstelle von einer so eingebildeten Tussi, die jetzt anscheinend meine neue Nachbarin war. Was die wohl für ein Problem hatte?

Ich sollte mich nicht damit beschäftigen Sie war es nicht wert, auch wenn sie genau meinen Geschmack traf. Charakter war nun einmal wichtiger als Aussehen. Und im Grunde war ich von Weibern kuriert. Sie machten nur Schwierigkeiten und schafften es, dass mein Leben zur Hölle wurde.

Manches Mal beschlich mich das Gefühl, dass sie die Brut des Teufels waren. Nichts anderes. Und trotz allem, tat ich mir schwer ihnen zu entsagen, wenn nicht ab und an eine Schönheit neben mir lag. Fuck, ich war auch nur ein Mann, der seinen Gelüsten frönte.

Das konnte mir kaum einer zum Vorwurf machen.

Ich verwarf den Gedanken und verbannte alles Weitere aus meinem Hirn. Ich wollte den Wettkampf gewinnen. Zumindest, dass ich mich unter den Top Ten befand. Nein, Top Five. Garcia würde ich es zeigen und dann würde er zu Kreuze kriechen.

Das war mein Ziel.

Zuerst machte ich alles soweit fertig, dass die Wohnung wieder passabel war. Danach schlüpfte ich in eine bequeme Jogginghose, stellte ein Getränk auf den Tisch und begann mit dem Training. Natürlich oberkörperfrei. Es hatte schließlich über dreißig Grad.

Am liebsten hätte ich es nackt getan, aber ich wollte meine prüde Nachbarin nicht schockieren. Noch nicht.

Kapitel 2

Caroline

Endlich zuhause. Auch wenn ich nur am Flughafen war, aber es fühlte sich toll an, wieder in Los Angeles zu sein. Ich liebte die Forschungsarbeit, spannende Monate voller Erlebnisse und neuer Eindrücke, aber ich bemerkte auch, dass ich unendlich erschöpft war. Trotz allem war es eine schöne Zeit, die ich in Neuseeland verbracht hatte. Aber, und das war mein eigentliches Problem, ich wusste, dass mich hier einiges erwarten würde. Und das war keineswegs positiv.

Und zu meinem größten Schreck, kam mein Bruder gerade auf mich zu. Mit dem ich auf keinen Fall gerechnet hatte. Als ich landete, dachte ich ernsthaft, dass ich für einige Zeit bei einer Freundin unterkommen würde, aber … Falsch gedacht. Stattdessen gab es von ihm keine Umarmung, denn wieso hätte ich je darauf kommen sollen? Nein, es gab das:

»Na Schwesterherz? Wie war es in Neuseeland? Hast du was gelernt? Hat es sich ausgezahlt, dass du unsere Eltern vor den Kopf gestoßen hast?«, kam es prompt aus Ben‘s Mund.

Vorwürfe. Toll. Ich sah ihn genervt an. »Was machst du denn hier?« Ich stemmte eine Hand in die Hüfte. »Wer hat es dir gesteckt, dass ich heute ankomme?«

Er schnaubte. »Denkst du etwa, ich habe keine Kontakte? Du bist einfach sang- und klanglos abgehauen. Ohne eine Nachricht. Ohne ein Sterbenswörtchen. Hast du nur eine Sekunde lang an Mom gedacht? Wie sie sich dabei gefühlt hat? Oder an Dad? Mir kann‘s egal sein, denn du hattest schon immer deinen eigenen Kopf, aber gegenüber unseren Eltern hättest du etwas mehr Verantwortung walten lassen können.«

Ich verdrehte die Augen und verschränkte die Arme vor der Brust. »Bist du jetzt fertig? Es schauen bereits alle zu uns her, falls es dir nicht aufgefallen ist«, zischte ich. »Und wenn wir schon dabei sind. Mom und Dad wollten sich mir in den Weg stellen, was ich beruflich einmal werden soll. Denen war es von vornherein scheißegal, was ich will. Aber soweit kannst du ja nicht denken mit deinem Sportlerhirn. Hast sicher schon zu viele Bälle an den Kopf bekommen.« Die letzten Worte hatte ich beinahe geschrien.

Ben besaß so eine Gabe, mich in kürzester Zeit auf die Palme zu bringen. Ich liebte meinen älteren Bruder, aber ab und an hätte ich ihn am liebsten im Meer versenkt. Mit einem verdammt schweren Felsbrocken an den Beinen. Schließlich wusste ich, wo es die tiefsten Stellen gab.

»Okay, okay. Beruhig dich, Schwesterherz. Es freut mich, dass du wohlbehalten wieder da bist. Ich habe dir ein Apartment besorgt. Dort kannst du, natürlich kostenfrei, unterkommen. Danach sehen wir weiter«, gab er versöhnlicher von sich.

Ich kniff die Augenbrauen zusammen. »Wie jetzt? Ich brauche sicher keine Almosen von dir. Ich kann selbst für meinen Unterhalt aufkommen. Wieso bist du eigentlich hier und nicht auf … Reisen?« Soweit ich wusste, war gerade die Football-Season in vollem Gange und …

Er fuhr sich durch seine goldblonden Haare und wirkte bedrückt. »Das mit der Footballkarriere hat nicht so hingehauen. Ich habe mich verletzt, deswegen bin ich in das Familienunternehmen eingestiegen.«

Ich starrte ihn fassungslos an. Ben, mein Bruder, der Football über alles liebte, war in das Familienbusiness eingestiegen? Ich konnte es kaum glauben. Zumal er es immer gehasst hatte. »Bitte? Wann ist das denn passiert?«

»Schon vor Jahren.« Er zuckte mit den Schultern, als wäre es ihm gleich.

»Wie bitte? Wieso hast du nie etwas gesagt? Ich war doch hier und …«

»Komm schon, Carry. Du weißt genauso gut wie ich, dass du den Kontakt auf ein Minimum reduziert hast. Da dachte ich, dass …«

Er hatte schon recht damit, dass ich mich zurückzogen hatte. »Du hättest es mir sagen sollen. Ich wäre für dich da gewesen.«

»Weiß ich, aber ich habe auch meinen Stolz.« Er zwinkerte mir zu. »Aber jetzt zu dem, was ich dir sagen wollte: Ich habe durch Zufall eine Wohnung für dich gefunden. Kostenfrei. Natürlich ist eine Bedingung daran geknüpft.«

Das war so klar. Ich legte den Kopf in den Nacken. »Welche Bedingung?« Mir schwante Böses. Und die Ahnung, die ich hatte, bewies es auch gleich.

»Du besuchst unsere Eltern in den nächsten Tagen.«

»Was?« Ich schlug meine Hände vor den Mund, dass nicht gleich alle Leute auf uns aufmerksam wurden. Obwohl es nicht sonderlich viel brachte. »Das ist nicht dein Ernst. Vergiss es. Da such ich mir lieber ein Hotel.« Ich nahm den Trolley und zog ihn hinter mir her.

Die Rechnung machte ich ohne meinen dämlichen Bruder. »Carry, sei nicht lächerlich. Sie reißen dir schon nicht den Schädel ab. Ich werde auch dabei sein. Du hast zumindest die Chance wieder etwas gut zu machen und du musst keine Miete zahlen. L.A ist teuer.«

Ich blieb stehen und ließ den Kopf in den Nacken fallen, erneut, dabei verdrehte ich die Augen und stieß einen Seufzer aus. Lang und genervt. Als ob ich es nicht selbst wüsste, dass L.A teuer war. Hallo? Ich war hier aufgewachsen? Dass meine Eltern meinen Treuhandfond eingefroren hatten, tja … Mit anderen Worten ich war nicht reich. Darauf pfiff ich, denn ich verdiente mein eigenes Geld und es machte Spaß.

»Wo?«

»Was meinst du mit Wo?« Ben sah mich verwirrt an.

Verarschte er mich? »Wo ist die Wohnung?« Was dachte er denn, was ich meinte?

Mit einem Grinsen trat er zu mir und nahm meinen Koffer in die Hand. »In der Nähe von Santa Monica. Mit Blick aufs Meer. Du wirst es lieben«, flötete er.

Ich verzog die Lippen zu einem gequälten Lächeln. Innerlich wusste ich, dass ich es hassen würde. Sowie die Aussicht darauf, dass ich unsere Eltern besuchen musste. Hervorragend.

Ben war bereits beim Ausgang, als er rief: »Kommst du nun, oder was?«

Verstimmt trottete ich hinter ihm her und hinaus in die Hitze. Ich war wieder zuhause. Yeah. Meine Laune lag am Tiefpunkt.

Es dauerte nicht lange, bis wir vor einem blütenweißen Komplex standen, das ich in Augenschein nahm. Es war nicht sonderlich hoch, aber es strahlte … Mir fiel kein passendes Wort dafür ein. Vielleicht reich? Prestigeträchtig. Persönlich hätte mir auch eine einfache Strandhütte gereicht. Mein Bruder hievte den Trolley aus dem Kofferraum und gesellte sich zu mir.

»Ich weiß, es sieht von außen nicht sonderlich schick aus, aber du wirst Augen machen, wenn du das Apartment von innen betrachtest. Es ist ein Traum.«

Gedanklich schüttelte ich den Kopf. Ben würde sich nie ändern, er war genau der Typ Mann, den die High Society hervorbrachte. Ich dagegen … nun, ich war das schwarze Schaf der Familie und war damit glücklich. Misstrauisch betrachtete ich den blonden Surfertyp neben mir, der rein zufällig mein Bruder war. Was er wohl mit Traum meinte. Wenn es genauso protzig aussah wie unser Elternhaus, dann herzlichen Glückwunsch. Ich würde kehrt machen, fliehen und einen Unterschlupf in einem Hotel suchen. Eines, das kein Fünf-Sterne Hotel war.

»Jetzt komm. Ich habe heute noch andere Sachen zu erledigen, die meiner Aufmerksamkeit fordern.«

Er schritt zu den Glastüren, als ich einen Transporter bemerkte, der sich vor Bens Auto einparkte. Ein bulliger Kerl riss die Autotür auf und stapfte an mir vorbei.

Als er meinem Bruder hinein folgte, vernahm ich etwas lauter die Stimme von Ben, der dem Mann eine Nummer zurief. Er drehte sich abrupt um und eilte zum Lieferwagen, um einem schlaksigeren Typen zuzurufen, dass sie hier richtig wären.

Ich verfolgte das Schauspiel einige Zeit, bis sie die Ladefläche öffneten und meine Sachen zum Vorschein kamen. Was zum … ?

So lief das also. Ich seufzte und ging meinem Bruder, der zu einhundert Prozent den Anweisungen unserer Eltern Folge leistete, hinterher. Es war so klar, dass meine Sachen nicht bei meinen Eltern bleiben würden. Vermutlich hatten sie diese schon vor Jahren aus der Villa entfernen lassen, als ich nicht ihren Wünschen nachkam. Es wunderte mich nicht im Geringsten. Das war so A-typisch für diese Gesellschaft, in die ich zu meinem Leidwesen hineingeboren wurde.

Langsam und zum Tode verurteilt trottete ich zu Ben und wir fuhren mit dem Aufzug in den vierten Stock. Es besaß schließlich nur vier Stockwerke.

Oben angekommen, öffnete er das Apartment und ließ mir den Vortritt. Als ich durch den langen Flur ging, fiel mir sofort auf, dass sich bereits einige Möbel darin befanden. Anscheinend wusste mein Bruder bereits länger, dass ich nach Hause zurückkehren würde. Nur woher? Keiner meiner Freunde hatte eine Ahnung, und ich hatte es keinem gesagt. Von woher wusste er es dann? Natürlich könnte ich ihn fragen, nur wie wahrscheinlich war das, dass er mir darauf eine Antwort gab. Da kam eine Eiszeit früher, als dass ich die Frage beantwortet bekam.

»Wie findest du es? Habe ich dir zu viel versprochen?« Er stellte den Trolley im Flur ab und schloss zu mir auf.

Für mich wirkte es wie ein Gefängnis. Eins, das von unseren Eltern in Auftrag gegeben wurde. Nur das beste für die Tochter der Halls. Dass das eine Sekunde lang auf den Mist meines Bruders gewachsen war, glaubte ich nicht. Das war das Werk unserer Eltern. Ich hasste es jetzt schon.

»Es ist nett.« Was sollte ich dazu schon sagen?

»Nett? Das ist alles? Manche Menschen würden für so einen Ausblick töten. Du hast dich wirklich nicht verändert, Carry.«

Manche Menschen … Wieso übergab Ben denen dann nicht das Apartment? Ich war schließlich nicht manche. Und wie sehr ich es hasste von ihm Carry genannt zu werden. Es erinnerte mich ständig an Sex and the City und mir gefiel dieser Vergleich überhaupt nicht.

»Was erwartest du? Du hast mich überrumpelt, als du am Flughafen aufgetaucht bist und jetzt das. Schon einmal daran gedacht, dass ich über zwölf Stunden geflogen bin? Ich bin müde, erschöpft, erledigt … Kannst du ein kleinwenig nachsichtig sein?«

Ben schnaubte. »Du hast recht, ich habe es nicht bedacht. Dafür will ich dir gerne etwas zeigen.« Ohne ein weiteres Wort nahm er meine Hand und zog mich mit sich, dann öffnete er die Terrasse und schob mich auf die geflieste Fläche. »Sieh dir diesen traumhaften Ausblick an.« Ben strahlte euphorisch und breitete die Hände aus.

Es war nett, das gab ich bedingt zu. Das eigentliche was mich hierbei störte, war nicht, dass man zu einem großen Teil den Ozean sah, sondern dass das Nebengebäude ein klein wenig zu nah neben meinem Wohnhaus aufragte. In Neuseeland war das gänzlich anders. Nun, nicht wenn man in der Stadt wohnte, aber das Gegenteil war der Fall. Die Arbeit war am Meer und da gab es keine Beengung außer vielleicht in der Koje. Überall sonst war Freiheit und Weite. Aber nun war ich wieder in L.A. Ich seufzte. Wie schön es wäre, wenn ich mich wieder in den Flieger setzen und irgendwohin fliegen könnte. Weit weg von meiner Familie.

Ben schwafelte irgendwelche Informationen über die Wohnung, den Standort und so vieles mehr. Ich ignorierte ihn. Mein Blick glitt allerdings zu der Wohnung gegenüber, die soeben jemand betrat.

---ENDE DER LESEPROBE---