MANGA-ART
DIEZEICHENSCHULEFÜRMANGA-GENRES
FANTASY
Manga zeichnen
Über die
Autorin
Hey, ich bin Lilly ♥, die kreative Seele hinter diesem Buch.Seit 2003 begleitet mich die Leidenschaftdes Zeichnens. Angefangen habe ich traditio-nell mit Papier, Bleistift und Buntstiften. Bereitswährend meiner Schulzeit habe ich kleine Dojinshis (selbst veröffentlichteMan-gas) für die Schülerzeitung erstellt. Der wahre Wendepunktkam, alsich meinen ersten Computer mit Photoshop und mein erstes Grafiktablet, das Wacom Bamboo, in den Händen hielt. In dieser Welt der unendlichen Möglich keiten entdeckte ich eine völlig neue Dimension meiner künstlerischen Ausdrucksweise.Meine Zeichnungen teile ich seit jeher auf Plattformen wie Animexx und DeviantArt – in den letzten Jahren jedoch eher auf Instagram. Ursprünglich habe ich im Bereich Informatik studiert, entschied ich mich letztendlich für einen Weg im kreativen Bereich. Während meines neuen Studiums wagte ich den Schritt in die Selbststän-digkeit und nahm Auftragsarbeiten sowie Designprojekte an.Meine Liebe für Fantasy spiegelt sich nicht nur in meinen Zeichnungen wider, son-dern durchzieht auch meine Freizeitaktivitäten. Lesen und Zocken, vor allem im Fantasy-Genre, sind meine liebsten Entspannungsmethoden. Durch meine vielseiti-ge Erfahrung und meine Leidenschaft für das Zeichnen möchte ich mit diesem Buch meine Kenntnisse teilen und dich in die faszinierende Welt des Manga-Fantasy-Zeichnens entführen. Ich hoffe, dass dieses Buch dich inspiriert und deine eigenen kreativen Reisen bereichern wird.
5Über das Genre6Material81. Figuren zeichnen 11. Kleidung & Accessoires 45. Magie und Fantasiewesen 64. Kolorierung 755. Fantastische Welten8. Schritt für Schritt zum eigenen Konzept 99★ Konzeptentwicklung und Ideenfindung 1★ Ausarbeitung der Figur 1★ Entwurf von Kleidung und Accessoires 14★ Waffendesign und weitere Hilfsmittel 16★ Gestaltung eines magischen Begleiters 17★Ausarbeitung des Worldbuilding 18★ Lineart und Fertigstellung der Skizze 11★Ausarbeitung Kolorierung 11Nachwort 118Artwork Gallery1
Inhaltsverzeichnis
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Über das Genre
WAS IST FANTASY?Fantasy als Genre bietet dir die Möglichkeit, dem Alltag zu entfliehen und in faszinierende Welten einzutauchen, die von der Kraft der Vorstellung geformt werden. Es ist ein Ort, an dem Drachen am Himmel kreisen, Elfen durch verzauberte Wälder wandeln und Magie in der Luft liegt. Durch Fantasy werden nicht nur Geschichten erzählt, sondern ganze Universen geschaffen, in denen die Regeln der Logik und Physik außer Kraft gesetzt werden.In dieser einzigartigen Welt kannst du deine Kreativität entfesseln, neue Realitäten erschaffen und den Betrachter deiner Kunstwerke auf eine Reise mitnehmen, die jenseits unserer Vorstellungskraft liegt. Die Vielfalt des Fantasy-Genres erstreckt sich von epischen High-Fantasy-Welten bis hin zu urbanen Fantasy-Szenarien, die in unserer eigenen Welt verankert sind, jedoch von übernatürlichen Elementen durchzogen werden.Besonders in der Literatur gibt viele verschiedene Fantasy-Subgenres:High Fantasy Diese Art von Fantasy spielt oft in einer vollständig erfundenen Welt mit eigenen Gesetzen. Epische Abenteuer, mächtige Magie und heroische Quests stehen im Mittelpunkt. Beispiele: „Der Herr der Ringe" von J.R.R. Tolkien und „Elfenkrone“-Trilogie von Holly Black.Urban Fantasy Hier treffen fantastische Elemente auf moderne städtische Umgebungen. Magie existiert im Verborgenen neben dem alltäglichen Stadtleben.Beispiel: „Die Chroniken der Unterwelt" von Cassandra Clare.Low Fantasy Im Gegensatz zu High Fantasy spielt Low Fantasy oft in einer überwiegend real anmutenden Welt, die jedoch von magischen oder fantastischen Elementen durchzogen ist.Beispiele: „Game of Thrones” von George R.R. Martin und die „The Witcher”-Buchreihe von Andrzej Sapkowski.Science Fantasy Diese Untergattung verbindet Fantasy- Elemente mit wissenschaftlicher Fiktion. Technologie und Magie koexistieren in einer einzigen Welt. Beispiele: „Star Wars" und „Die Dune-Saga" von Frank Herbert.
7ÜBER DAS GENREHistorical Fantasy Hier wird Fantasy in historischen Settings integriert. Geschichtliche Ereignisse werden mit magischen Elementen verknüpft. Beispiele: „Jonathan Strange & Mr Norrell“ von Susanna Clarke und die „Outlander”-Reihe von Diana Gabaldon.Steampunk Diese Untergattung kombiniert fantastische Elemente mit Dampf-maschinen-Technologie, oft in viktorianischen oder edwardianischen Ären.Beispiele: „Die Stadt der besonderen Kinder" von Ransom Riggs und „Clock-work Angel“ von Cassandra Clare.Dark Fantasy Charakterisiert durch düstere, grimmige Atmosphäre und moralische Ambiguität. Das Subgenre erkundet oft tiefere, psychologische Aspekte des Menschseins. Beispiel: Die „Nevernight“-Reihe von Jay KristoffRomantasy ist eine Kombination aus Romance (Liebe) und Fantasy. Der Begriff bezieht sich auf Bücher, Kunstwerke, Filme und Serien, die Elemente der Fantasy in eine romantische Handlung integrieren und sind daher nicht direkt ein Subgenre, aber dennoch sehr beliebt im Bereich Fantasy. Beispiele: Die „Das Reich der sieben Höfe“-Reihe von Sarah J. Maas und die „Biss zum Morgengrauen“-Reihe von Stephenie Meyer.In all diesen Subgenres wird es dir ermöglicht, dich mit grundlegenden menschlichen Themen auf magische Weise auseinanderzusetzen, sei es Liebe, Freundschaft, Macht oder der Kampf gegen das Böse.FANTASY IM MANGAIn Mangas funktioniert das Genre Fantasy ganz ähnlich wie in der Literatur, auch hier gibt es die oben auf-gezählte Subgenres. Es finden sich jedoch ebenfalls ein paar Manga-spezifische Besonderheiten wie zum Bei-spiel das Subgenre Isekai, das zahlreiche Mangas und Animes umfasst. Das japanische Wort Isekai bedeutet so viel wie „andere Welt“ und beschreibt ein Setting, bei dem sich Protagonisten aus der normalen Alltagswelt in einer Fantasy-Welt wiederfinden. Oft ähneln diese anderen Welten einem Computerspiel oder einem Roman und die Protagonisten können ihr Wissen darüber einsetzen, um in der neuen Umgebung zu überleben. Beispiele: „No Game No Life“ und „Rising of the Shield Hero“
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Material
DIGITAL ODER ANALOG?Lass uns über Materialien sprechen – die Werkzeuge, die unsere kreativen Gedanken auf das Papier bringen. Vielleicht fragst du dich, ob es einen Unterschied macht, ob du mit traditionellen Stiften auf Papier arbeitest oder digital über ein Grafiktablet zeichnest. Die Wahrheit ist, beide Arten zu zeichnen haben ihren eigenen Zau-ber. Als ich meine künstlerische Reise begann, war die digitale Kunst für mich noch in weiter Ferne. Also begann ich mit dem guten alten Bleistift und Radiergummi auf Papier.Mit der Zeit entdeckte ich jedoch die grenzenlose Freiheit des digitalen Zeichnens, was mich zu meinem ersten Wacom Bamboo führte. Trotzdem habe ich nie den Charme eines Bleistifts auf Papier vergessen. Heute zeichne ich auch noch traditionell, aber eher selten und wenn, dann eher mit Polychromos oder Bleistift.Es gibt kein "richtiges" Material – der kreative Funke zündet genauso gut auf einem einfachen Blatt Papier mit einem Bleistift. Große Künstler begannen oft mit genau diesen grundlegenden Werkzeugen, und viele von ihnen schwören auch heute noch darauf. Deine Reise ist einzigartig und du solltest dich von deiner Kreativität leiten lassen, nicht von deiner Ausrüstung. Also, sei unbeschwert, experimentiere und finde heraus, womit du dich am wohlsten fühlst. In der Welt der Kunst gibt es keine festen Regeln, nur endlose Möglichkeiten.MEINE ZEICHENMATERIALIENIm Folgenden zeige ich dir mein persönliches Setup auf, vielleicht kannst du dich davon inspirieren lassen.iPad und Apple PencilMein iPad und der Apple Pencil sind seit vielen Jahren meine treusten Begleiter. Mit ihnen entstehen % meiner Zeichnungen.iPad StänderMit der Zeit habe ich erkannt, wie entscheidend es ist, das iPad in einem verstellbaren Winkel und auf der richtigen Höhe zu positionieren, um Rücken und Handgelenk zu schonen. Hierbei greife ich auf eine spezielle Halterung für das iPad zurück, die mir genau diese Flexibilität bietet. So kann ich stundenlang zeichnen, ohne körperliche Beschwerden zu haben.ZeichenhandschuhDer Einsatz eines Zeichenhandschuhs, auch als Glove bekannt, verbessert die Zeichenpräzision, da er ein sanftes Gleiten über die Oberfläche ermöglicht. Das macht das Zeichnen auf dem iPad angenehmer.WacomTabletFür den Fall, dass ich doch einmal einen größeren Bildschirm benötige, greife ich auf mein Wacom Tablet zu-rück. Dieses kann ganz einfach mit meinem Stand-PC verbunden werden. Auch für das Wacom Tablet habe ich ei-nen speziellen Ständer, der es mir ermöglicht, den Bildschirm in eine ergonomischer Position zu bringen.
9MATERIALTRADITIONELLES ZEICHNENIn meiner traditionellen Arbeit greife ich gerne auf bewährte Utensilien zurück, wie die Pilot Color Eno Pens, Faber Castell Polychromos Buntstifte, Druckbleistifte und Radiergummis. Zusätzlich finde ich Fine-liner in verschiedenen Farben besonders nützlich, um später die Outlines heraus-zuarbeiten. Ein weiteres nützliches Werk-zeug in meiner Sammlung ist ein weißer Gelroller. Dieser hilft mir dabei, Highlights hervorzuheben.DIGITALES ZEICHNENMein bevorzugtes Zeichenprogramm ist Procreate. Es ist benutzerfreundlich und bietet dennoch eine Fülle an leistungs-starken und hilfreichen Funktionen beim Zeichnen. Wenn ich mein Wacom Tablet verwende, greife ich meistens auf Adobe Photoshop oder Clip Studio Paint zurück. Falls du nach kostenlosen Alternativen suchst, kann ich dir Programme wie MediBang Paint Pro oder Krita empfehlen.Die Zeichnungen in diesem Buch sind ausschließlich mithilfe von Procreate entstanden. Ich habe speziell für dieses Buch ein Brush-Pack erstellt, das verschie-dene Pinsel enthält. Du kannst es kostenlos über den QR-Code oder unter https://liliyth.gumroad.com/l/mangazeichnen herunterladen. Außerdem werde ich stets den verwendeten Pinsel für jede Seite angeben, damit du meinen Schritten leicht folgen kannst. Falls du mit einer anderen Software arbeitest oder dich für traditionelle Medien entscheidest, ist das überhaupt kein Problem. Viele Program-me bieten ähnliche Pinsel und letztendlich können alle Techniken auch traditionell umgesetzt werden!
1. Figuren zeichnenIn diesem Kapitel werden wir gemeinsam von Grund auf lernen, wie man faszinierende Manga-Figuren, die in fantastischen Welten leben, von Kopf bis Fuß erschafft. Dazu werden wir uns in die Welt der Ana-tomie und dynamischen Posen vertiefen. DieseGrundlagen bilden das Fundament für all deine zukünftigen Zeichnungen und alle weiteren Kapitel.
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Grundform des Kopfes
Los geht‘s in die faszinierende Welt des Manga-Zeichnens – beginnend mit einem Kapitel, das den Grundstein für deine Charaktere legt. Lass uns gemeinsam den Stiftschwingen und Schritt für Schritt den Weg von einer leeren Leinwand zu einem lebendigen Manga-Kopf erkunden. Für diese Zwecke greife ich oft auf die bewährte und weitbekannte Loomis-Methode zurück.In diesem Tutorial nutze ich folgenden Brush im Zeichenprogramm Procreate:GRUNDFORM DES KOPFES –VORDER-ANSICHT Zeichne einen Kreis, der ver-tikal und horizontal geteilt wird. Füge oben die Haarlinie und un-ten im gleichen Abstand die Na-senlinie hinzu. Direkt unter-halb des Kreises zeichnest du eine Linie für den Mund.Die Haarlinie sollte den-selben Abstand zur Kreismit-te haben wie von dort zur Na-senlinie und weiter von derNasenlinie zum Kinn. Zeichne die Form von Kiefer und Kinn. 3Teile den Kopf in der Mit-te vom oberen Rand des Krei-ses bis zum Kinn. Das ergibt die Hilfslinie für die Augen.4Die Breite der Augen entspricht etwa dem Abstand zwischen ih-nen. Zeichne die Ohren, die etwa auf Augenhöhe beginnen und bis zur Nasenspitze reichen.Zeichne die Augenbrauen ent-lang der Linie, die den Kreis ge-nau in der Hälfte trennt, darunterzwei Kreise für die Augen. Zeich-ne Schläfen und Wangenknochen für spätere Schattierungen. Die-se verlaufen von der Haarlinie, vor-bei an den Augenbrauen, bis hin zu den Augen, von dort vorbei an den Mundwinkeln bis zum Kinn. Skizziere einen Zylinder für die Nase, wobei die Ellipse den unte-ren Nasenbereich darstellt. Die Mundöffnung befindet sich am unteren Rand des großen Krei-ses. Die Augen liegen auf der Mit-te der Hilfslinie für die Augen.
GRUNDFORM DES KOPFES An der Haarlinie können nun Haare gezeichnet werden. Den-ke dran, dass Haare nicht di-rekt auf dem Kopf aufliegen, daher zeichne die Haare ober-halb des Kreises. Füge Wim-pern und Nasenlöcher hinzu.Füge Haarsträhnen hinzu und entferne die Hilfslinien. Verwende Schraffur, um Tiefe und Schatten zu erzeugen. Tipp: Zeichne die Kopfsilhouette mit ei-nem dicken Brush nach, um die Person hervorzuheben und ei-nen schönen Effekt zu erzielen.TIPPS FÜR MASKULINE KOPFFORMENTIPPS FÜR KINDLICHE KOPFFORMENMaskuline Kopfformen haben eine stärkere und markan-tere Kieferlinie und generell weniger abgerundete Kontu-ren. Die Augenbrauen sind oft kräftiger und geradliniger.Die Augen tendieren dazu, schmaler zu sein, mit weniger Wimpern, die Nase dagegen kann etwas größer und pro-minenter sein. Der Mund neigt zu schmaleren Lippen. Kinder besitzen große und runde Augen, die oft tie-fer im Gesicht liegen. Die Augenbrauen sind zar-ter und weniger markant. Die kurze, kleine Nase be-sitzt eine niedrigere Platzierung auf dem Gesicht. Der Mund kann kleiner sein, mit runderen und weniger de-finierten Lippen. Besonders bei sehr kleinen Kindern können weiche, rundeWangen gezeichnet werden.
DER KOPF IN DER DREIVIERTEL-ANSICHT
Der Kopf in der
Dreiviertel-Ansicht
Diesmal wagen wir uns mutig an die Darstellung des menschlichen Kopfes in der Dreiviertel-Ansicht sowie der seitlichen Ansicht. Die Grundsätze, die wir zuvor gelernt haben, werden uns dabei begleiten.Beginnen wir erneut mit einem Kreis als Grundlage für den Kopf. Diesmal fügen wir nur eine ho-rizontale Linie ein. Zeichne pa-rallel dazu einen leicht ellipsen-förmigen Kreis, der die seitliche Ansicht des Kopfes widerspie-gelt. Denke daran, dass Köpfeseitlich betrachtet flacher sind.Zeichne eine weitere horizonta-le Linie unterhalb der Ellipse und darunter eine Linie für das Kinn. Verbinde die Mittelpunkte des Kreises und der Kinnlinie, um die Kontur der Wange zu gestalten.3Teile die ellipsenförmi-ge Kopfseite vertikal in der Mit-te und setze diese Linie in leich-ter Biegung bis zum Kinn fort. Dies formt die Kieferpartie. 4Zeichne zwei Linien, um das Ge-sicht einzuzeichnen – eine um-schließt es, während die ande-re genau die Mitte markiert. Zeichne den Hals unter dem Kiefer beginnend. Auf der anderen Seite endet er am Hinterkopf.Erinnere dich an das bewähr-te Prinzip: Die Haarlinie hat den-selben Abstand zu den Augen wie die Augen zur Nasenspit-ze und die Nasenspitze zum Kinn. So formen wir eine aus-gewogene Gesichtsstruktur.
5DER KOPF IN DER SEITLICHEN ANSICHT
Der Kopf in der
seitlichen Ansicht
Fangen wir wieder mit einem Kreis an. Unterteile ihn sowohl ho-rizontal als auch vertikal in der Mitte. Teile dann den oberen Teil der vertikalen Mitte in drei gleich große Abschnitte. Die obere Li-nie wird unser Haaransatz sein. Zeichne einen kleineren Kreis innerhalb des großen Krei-ses. Das hilft dir,