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Sind Hunde farbenblind? Wie sehe ich, ob ein Geschirr passt, wie kürze ich die Krallen richtig und wie gewöhne ich meinem Welpen ab, in meine Beine zu beißen? Wie mache ich Fiffi klar, dass der Postbote kein Einbrecher ist oder bringe ihm bei, mein Rufen ebenso gut zu hören wie das Öffnen der Kühlschranktür? Gerade Anfänger oder Wiedereinsteiger in Sachen Hundehaltung haben eine Menge Fragen rund um Haltung, Gesundheit und Erziehung, aber nicht immer Zeit und Lust, komplexe und umfangreiche Fachliteratur zu lesen. Hier kommt der niedrigschwellige Einstieg in das Abenteuer Hundehaltung in Form von verständlichen Antworten auf die häufigsten Fragen!
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Seitenzahl: 212
Veröffentlichungsjahr: 2022
Valérie Pöter
FAQHUND
Das Antwortenbuch
Kynos Verlag
© 2022 KYNOS VERLAG Dr. Dieter Fleig GmbH
Konrad-Zuse-Straße 3 • D-54552 Nerdlen/Daun
Telefon: +49 (0) 6592 957389-0
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Bildnachweis:
Titelgrafik: Kynos Verlag mit Grafik von Valérie Pöter
Autorenfoto: Jessica Meier, Oldenburg
Gezeichnete Grafiken: Valérie Pöter
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eBook-Version der Printausgabe
ISBN-eBook: 978-3-95464-286-1
ISBN der gedruckten Ausgabe: 978-3-95464-274-8
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Inhaltsverzeichnis
Wie dieses Buch entstand
DIE AUSWAHL DES PASSENDEN HUNDES
Wie finde ich den passenden Welpen oder den passenden Familienhund?
Wieso finden wir manche Hunde niedlicher als andere?
Warum fällt Hunden mit kurzer Nase das Atmen so schwer?
Was sind Keilwirbel?
Unser Welpe kommt vom Bauernhof – das ist gut, oder?
In welchem Alter sollte ich meinem Welpen vom Züchter übernehmen?
Sollte ich einen Welpenkurs für kleine Rassen besuchen?
Welpe und Katze – wie funktioniert der Erstkontakt?
DIE PASSENDE AUSRÜSTUNG
Geschirr oder Halsband für den Welpen?
Sind Hunde farbenblind?
Brauche ich eine Transportbox für das Auto?
Welche Pfeife ist die passende für mich und meinen Hund?
DIE ERSTEN WOCHEN MIT EINEM WELPEN
Die erste Autofahrt nach Hause
Was tun, wenn mein Welpe in Füße oder Hände beißt?
Woran erkenne ich eine gute Welpenschule?
Wieso sollte der Fokus einer Welpenschule nicht nur auf dem Spiel der Welpen miteinander liegen?
Was versteht man unter einem Deprivationssyndrom beim Hund?
Wie lernt mein Welpe, mit Frust umzugehen?
Wie lernt mein Welpe, an der lockeren Leine zu gehen?
Wie bringe ich meinem Welpen bei, alleine zu bleiben?
Dürfen Welpen Treppen steigen?
Muss ich nicht auch einmal hart sein und durchgreifen?
Wie schaffe ich es, dass sich mein Hund bei mir sicher fühlt?
Was versteht mein Hund besser – Sicht- oder Hörzeichen?
Man darf einen Hund nicht auf den Arm nehmen! Oder?
Mein Hund schnappt nach meinem Sohn, was soll ich jetzt machen?
Immer müssen es die teuren Dinge sein, warum nimmt er nicht einfach meine alten Schuhe?
Wie oft darf man eigentlich „NEIN“ sagen?
Wie bringe ich meinem Hund ein Signal bei?
DER JUNGHUND
Es klingelt, mein Hund bellt und rennt zur Tür – was kann ich tun?
Mein Hund bellt zu viel – was kann ich tun?
Was hat die Aggression von Hunden mit Dominosteinen zu tun?
Kann ich die Grundsignale so gut trainieren, dass mein Hund fast wie ferngesteuert funktioniert?
Wie schaffe ich es, dass mein Hund draußen auf mich hört?
Warum hört mein Junghund plötzlich nicht mehr?
Wie gewöhne ich meinem Hund das Anspringen ab?
Wie bringe ich meinem Hund bei, draußen nicht alles ins Maul zu nehmen?
DAS KLEINE EINMALEINS DER KÖRPERSPRACHE
Woran erkennt man, wie ein Hund sich fühlt?
Wie kann ich eine sichere von einer unsicheren Körperhaltung unterscheiden?
Warum wirkt das Anstarren auf Hunde bedrohlich?
Warum wirken manche Menschen auf Hunde bedrohlicher als andere?
Wie kann ich Hundebegegnungen richtig einschätzen?
Wann entstehen Missverständnisse zwischen verschiedenen Hunderassen?
Wie kann man Spiel von Ernst sicher unterscheiden?
Wie erkenne ich, wann mein Hund gestresst ist?
Warum markiert mein Hund überall?
Woran kann ich erkennen, ob ein Hund droht?
GESUNDHEIT
Woran erkenne ich eine Blasenentzündung?
Woran erkenne ich, ob mein Hund Giardien hat?
Warum sollte man Hundekot draußen immer entfernen?
Das ist doch nur ein Stöckchen, was soll da groß passieren?
Magendrehung – darf mein Hund nach dem Essen spielen?
Mein Hund frisst alles, ist das gefährlich?
Wie lange muss ich meine Hündin in der Läufigkeit an der Leine führen?
Muss ich verhindern, dass mein Hund so hastig frisst?
Soll ich meinen Rüden kastrieren lassen, ja oder nein?
Wie funktioniert die chemische Kastration beim Rüden?
Hündinnen werden nicht sterilisiert, warum eigentlich nicht?
Sind die Krallen bei meinem Hund zu lang?
Was ist beim Zahnwechsel des Welpen zu beachten?
Wieso ist Über- und Untergewicht bei Hunden lebensverkürzend?
Welche Erste-Hilfe-Maßnahmen sollte ich für meinen Hund kennen?
ANHANG
Schlusswort
Über die Autorin
Quellenangaben
FAQ-Hund-Wissensquiz
Wie dieses Buch entstand
„Wenn du es nicht einfach erklären kannst, hast du es noch nicht richtig verstanden.“
Albert Einstein
So hätte ich es mir im Tiermedizinstudium gewünscht. Einfach und auf den Punkt.
Stattdessen wälzte ich gelangweilt dicke Fachbücher und kämpfte mich entmutigt durch den Dschungel von Fachbegriffen.
Inhalte, die ich spannend fand und wirklich verstanden habe, kann ich bis heute jederzeit abrufen. Noch heute schöpfe ich von den Zeichnungen, die ich für die bevorstehenden Prüfungen angefertigt habe. Damals noch analog, heute digital. Die Welt des digitalen Zeichnens entwickelt sich immer weiter und ermöglicht uns eine neue Form des Lernens und Verstehens.
Im Rahmen meiner beruflichen Tätigkeit im Hundetraining stellen mir insbesondere besorgte Halter von Welpen und Junghunden immer wieder dieselben Fragen, was mich dazu bewegt hat, die Antworten und das dazugehörige Wissen in Bilder zu übersetzen.
Hieraus ist ein Blog mit Tipps über die Gesundheit und das Training von Hunden entstanden.
Insbesondere in der Vorbereitung auf den Einzug eines neuen vierbeinigen Familienmitglieds werden viele Fragen aufgeworfen, deren Antworten in diesem Buch zusammengefasst sind.
Hierbei ist mein Anspruch, dass das Lernen Spaß macht, Emotionen transportiert werden und das Lesen zu einem faszinierenden Erlebnis wird. Inhalte lassen sich aus meiner Sicht dann am besten merken, wenn wir ein Bild dazu im Kopf haben und das Wissen mit Emotionen verbinden können.
Wie oft hast du beispielsweise schon gelesen, wie das Farbsehen beim Hund funktioniert? Zahlreiche Fotos und wissenschaftliche Texte klären darüber auf. Doch kannst du dir die wichtigsten Inhalte tatsächlich merken? Welche Farben können Hunde gut sehen, welche nicht und welche Rolle spielt das im Training? Mit diesem Buch verfolge ich den Anspruch, das Wissen so klar verständlich zu vermitteln, dass es im Alltag abrufbar und anwendbar ist.
Bevor du dich nun an das erste Kapitel beziehungsweise die erste Fragestellung begibst, möchte ich dich einmal darum bitten, deinen Wissensstand zu prüfen. Über den Link auf S.160 gelangst du zu einem kurzen Wissensquiz von 14 Fragen und im Ergebnis zu einer Einschätzung, ob du bereits ein Experte oder eine Expertin beim Thema Hund bist.
Am Ende des Buches hast du dann, nachdem du dich mit den Inhalten des Buches vertraut gemacht hast, erneut die Möglichkeit, dich noch einmal dem Quiz zu stellen und zu schauen, ob du etwas in diesem Buch gelernt hast.
In diesem Sinne wünsche ich dir viel Spaß mit diesem Buch und hoffe, dass es dir ein hilfreicher und aufschlussreicher Begleiter im Alltag mit deinem Hund ist.
Deine Valérie
DIE AUSWAHL DES PASSENDEN HUNDES
Wie finde ich den passenden Welpen oder den passenden Familienhund?
So hart es klingen mag: Hunde sind keine Kuscheltiere. Und entgegen der oft anzutreffenden Meinung, der Welpe solle „nur“ ein Familienhund werden, sind die Anforderungen gerade an diesen sehr hoch.
Kann ein Hund tatsächlich der beste Freund des Menschen sein? Von mir ein klares „Ja.“
Hunde erkennen uns Menschen als Sozialpartner an, empfinden Emotionen wie Ärger, Angst und Trauer und geben uns so viel Zuneigung und Vertrauen in uns selbst. Dementsprechend groß ist jedoch die Gefahr, dass wir unsere Hunde zu sehr vermenschlichen und ihnen viel zu viel Verantwortung überlassen, mit der sie häufig überfordert sind.
Hunde haben Bedürfnisse, denen wir gerecht werden müssen, damit sie ein gesundes und von hoher Qualität gekennzeichnetes Leben in unserer Obhut führen können. Abhängig von der Rasse gibt es große Unterschiede in den verschiedensten Eigenschaften, beispielsweise der inneren Ausgeglichenheit und der mitgebrachten Leistungsbereitschaft des Hundes.
Im Alltag konzentrieren wir uns häufig darauf, was ein Hund alles nicht machen soll: nicht jagen, nicht bellen, nicht ziehen, nicht schnüffeln, nicht jammern… Manchmal verlieren wir dabei aus den Augen, dass es für einen Hund nicht normal ist, täglich allein bleiben zu müssen, in einem anderen Raum als der Rest der Familie zu schlafen oder an einer kurzen Leine laufen zu müssen.
Wenn wir uns bewusst machen, wie der Hund eigentlich zum Menschen kam, stellen wir fest, dass wir die Grundbedürfnisse unserer Hunde dabei manchmal völlig außer Acht lassen.
Der Wolf als Vorfahre unserer Haushunde war für den Menschen von Nutzen, denn mit seiner Hilfe erzielte der Mensch einen besseren Jagderfolg, die Herde und der Hof wurden bewacht und der Vorfahre des Hundes durfte mit am Feuer liegen.
Wenn ich im Training Hunde mit Aggressionsverhalten kennenlerne, wird mir oft bewusst, dass wir es mit ursprünglichen Raubtieren zu tun haben. Nun sind die Verhaltensweisen eines Wolfes und eines Hundes heute nicht mehr identisch und die Unterschiede zwischen den einzelnen Hunderassen sind sehr groß. Doch viele Ursachen für „problematisches“ Verhalten von Hunden in unserem
Jagen ist eine der ursprünglichsten Eigenschaften von Hund und Wolf.
Alltag lassen sich aus meiner Sicht darauf zurückführen, dass sich die Ansprüche, die wir an unseren Hund stellen, von den Bedürfnissen, die ein Hund mitbringt, stark unterscheiden.
In meinem Beruf werde ich mit vielen Wünschen meiner Kunden konfrontiert, die sich einen ruhigen Alltagsbegleiter wünschen - ein Familienmitglied, das man überall hin mitnehmen kann und das jederzeit für Streicheleinheiten zu haben ist. Doch damit der Hund ein ausgeglichener und zufriedener Partner sein kann, braucht er genügend Beschäftigung, körperliche und geistige Auslastung und einen Menschen, auf den er sich verlassen kann und der im Alltag die Verantwortung übernimmt.
Viele Probleme, die sich im Alltag mit einem Hund ergeben, ließen sich vermeiden, wenn wir Menschen uns im Vorfeld darüber bewusst würden, welche Rasse mit welcher Veranlagung am besten zu uns und unserem Lebensstil passt. Viele Hundeschulen bieten bereits eine Beratung vor der Auswahl eines Hundes oder Welpen an, um bei den offenen Fragen zu unterstützen und bei der Auswahl eines Familienhundes zu helfen. Denn nicht nur die Optik, das heißt die Farbe, die Größe oder die Felllänge sind entscheidend, sondern Aspekte, die den Charakter des Hundes betreffen und seine Veranlagung, wie beispielsweise die Fähigkeit, Bewegungsreize gut aushalten zu können, aber auch das „Nichtstun“ auszuhalten.
Auch, wenn sie manchmal Mäntelchen tragen: Hunde sind keine Kuscheltiere, sondern haben eigene Bedürfnisse.
Wieso finden wir manche Hunde niedlicher als andere?
Häufig suchen wir uns unsere Hunde nach dem Aussehen aus. Dabei bevorzugen wir die unterschiedlichsten Rassen. Doch was beeinflusst eigentlich unseren Geschmack?
Insbesondere dann, wenn unser Hund uns tief in die Augen blickt, während wir abends gemütlich auf dem Sofa sitzen und dabei den Kopf in unseren Schoß legen, kann jeder Hundebesitzer bestätigen: Das fühlt sich gut an. Zum einen wird hier das Bindungshormon Oxytocin ausgeschüttet, zum anderen entfaltet das Kindchenschema seine volle Wirkung.
Diese Merkmale bewirken bei uns Erwachsenen, dass wir den Welpen als hilfsbedürftig und schutzbedürftig ansehen. Durch die optischen Signale wird bei uns pflegendes Verhalten und emotionale Zuwendung gegenüber einem „Baby“ verstärkt.
Dies beobachtet man insbesondere bei Tierarten, bei denen das Neugeborene lange bei den Eltern bleibt und erst spät von den Eltern unabhängig wird (sogenannte „Nesthocker“).
Ist man nun auf der Suche nach einem neuen Familienmitglied mit Fell, sind weitere Merkmale sehr entscheidend, um den passenden Familienhund zu finden. Hierzu gehören beispielsweise eine gute Frustrationstoleranz und ein ausgeglichenes Gemüt, aber auch eine freundliche Grundstimmung gegenüber Menschen.
Bei der Zucht von Haustieren werden verschiedene Merkmale für die Zuchttauglichkeit herangezogen. Hierzu zählt unter anderem auch das Aussehen. Dabei spielt auch das Kindchenschema eine entscheidende Rolle, denn bestimmte Merkmale bleiben beim erwachsenen Hund erhalten. Diese können aber zum Teil gravierende Folgen für den Gesundheitszustand des erwachsenen Hundes haben.
Große Augen: Beim Hund liegen die Augäpfel in einer von Knochen gebildeten Höhle, der Augenhöhle. Diese schützt den Augapfel vor einer möglichen Beschädigung von außen. Bei Hunden, deren Nase verkürzt ist, ist die knöcherne Augenhöhle nicht richtig ausgebildet. Durch ihre flache Form kann es passieren, dass der Augapfel aus der Höhle heraustritt, zum Beispiel, wenn der Hund in eine Rauferei gerät. Das sieht dann nicht nur sehr erschreckend aus, es ist auch sehr schmerzhaft für den betroffenen Hund und gilt als Notfall.
Das Kindchenschema, was ist denn das?
Zum Kindchenschema gehören typischerweise folgende Merkmale:
▪Großer, runder Kopf / große, runde Augen
▪Kleine Nase
▪Dicke Pausbacken, rundlicher Saugmund
▪Hohe Stimme
▪Dicklicher Körper
▪Kurze, dicke Beinchen
▪Tollpatschige Bewegungen
Kurze Nase: Die Verkürzung der Nase beim Hund ist durch eine Verkürzung des knöchernen Schädels des Hundes entstanden. Durch die Auswahl der Elterntiere bei der Verpaarung wurde dieses Merkmal bewusst ausgewählt, sodass die Nase mancher Hunde fast nicht mehr zu sehen ist. Dies kann beim Hund zu einer lebensgefährlichen Atemnot führen, da er nicht mehr genug Sauerstoff aus der Luft aufnehmen kann.
Dicklicher Körper: Für viele unserer Haustiere ist das Übergewicht ein wirkliches Problem. Übergewicht wirkt sich dramatisch auf die Gesundheit des Hundes aus und kann die Lebenserwartung eines Hundes deutlich senken.
Kurze, dicke Beine: Verkürzte Gliedmaßen und deren Fehlstellungen können zu einer starken Einschränkung in der Bewegung des Hundes und zu orthopädischen, also die Knochen und Gelenke betreffenden Erkrankungen führen.
Welpenschutz?
An dieser Stelle möchte ich über ein weiteres Missverständnis aufklären, nämlich dass Welpen aufgrund des Kindchenschemas einen Vorteil hätten, da sie auch von fremden Hunden als schutzbedürftig angesehen würden. Fälschlicherweise gehen viele Menschen davon aus, dass Hunde, denen man auf dem Spaziergang begegnet, automatisch freundlich gegenüber Welpen gestimmt sind und kein Aggressionsverhalten zeigen. Dem ist nicht so, denn den sogenannten „Welpenschutz“ gibt es ausschließlich innerhalb des Rudels. Wird ein Welpe mit anderen erwachsenen Hunden innerhalb eines Haushalts groß, kann man davon ausgehen, dass die erwachsenen Hunde sich an der Erziehung beteiligen und den Welpen schützen. Trifft ein Welpe auf dem Spaziergang mit seinen Menschen eine fremde Hündin oder einen Rüden, besteht dieser Schutz nicht. Daher sollten Kontakte eines Welpen mit fremden Hunden sorgfältig ausgewählt werden, damit der Welpe gute Erfahrungen sammeln kann.
Welpen haben gegenüber fremden Hunden nicht automatisch „Welpenschutz“!
Warum fällt Hunden mit kurzer Nase das Atmen so schwer?
Hunde mit einer kurzen Nase, so genannte Brachyzephale, bekommen schlechter Luft, aber woran liegt das eigentlich?
Ich mag Bulldoggen. Kleine und große. Ich liebe ihr ruhiges Gemüt, ihre selbstständige Art und den niedlichen Blick und ihre besondere Mimik. In meinem kurzen Artikel über das Kindchenschema beim Hund erkläre ich, warum wir Hunde mit kurzen Nasen besonders niedlich finden. Die hohe Stirn, die großen Augen und die kleine Nase lösen bei uns bestimmte Gefühle aus.
Als Tierärztin habe ich mich im Studium mit den anatomischen Besonderheiten kurznasiger Rassen auseinandergesetzt. Das Hauptproblem: Während der knöcherne Schädel durch züchterischen Einfluss und die Auswahl und Verpaarung immer kürzer wurde, haben sich die inneren Organe dieser Veränderung nicht angepasst. Das heißt: Die inneren Organe wie der harte und der weiche Gaumen, der Kehlkopf und der ganze Atmungsapparat sind nicht geschrumpft und müssen in die verkleinerten Knochenhöhlen, die der Schädel bildet, passen.
Habt ihr schon mal von dem Begriff Gaumensegel gehört? Es gibt eine Operation, bei der dieses Gaumensegel gekürzt wird. Aber warum? Ist das Gaumensegel bei kurznasigen Rassen zu lang gewachsen?
Nein. Wie oben beschrieben hat das Gaumensegel eine normale Größe, aufgrund des kürzeren knöchernen Schädels ist es aber im Verhältnis zu lang.
Beginnen wir anatomisch gesehen von vorne. Welche Funktion hat das Gaumensegel? Wenn du mit deiner Zunge über deinen Gaumen fährst, merkst du, dass es sich um eine harte Struktur im Mund handelt. Fährst du mit der Zunge weiter nach hinten, wird der Gaumen weich. Das Ende des Gaumens kannst du mit der Zunge nicht erreichen. Dieses Ende wird als Gaumensegel bezeichnet. Es trennt die Mundhöhle von der Nasenhöhle. Kurzum: Durch das Gaumensegel gelangt das Essen aus dem Mundraum nicht in deine Nase. Sobald du schluckst, merkst du, dass du während des Schluckaktes keine Luft mehr durch die Nasenlöcher einatmen kannst. Das Gaumensegel erfüllt seinen Zweck.
Sowohl beim Hund als auch beim Menschen kreuzen sich die Wege der Nahrung und der eingeatmeten Luft im Rachen. Du kannst die Luft durch die Nase einatmen und durch den Mund wieder ausatmen. Die Luft gelangt in die Luftröhre, die Nahrung in die Speiseröhre. Während der Atmung ist der Kehlkopf so geöffnet, dass die Luft in die Luftröhre gelangen kann. Während des Schluckens schließt sich der sogenannte Kehldeckel über die Öffnung zur Luftröhre. Nun ist die Luftröhre verschlossen und die Nahrung gelangt in die Speiseröhre. So weit, so gut.
Nun sieht man bei vielen Hunden mit kurzer Nase stark verkleinerte Nasenlöcher. Auch die „Erweiterung des Nasenlochs“ ist eine Operation, die häufig durchgeführt wird, um dem betroffenen Hund mehr Lebensqualität durch eine bessere Atmung zu ermöglichen.
Um das Ganze besser zu verstehen, kannst du dir mal für eine Minute mit zwei Fingern die Nasenlöcher ein wenig zuhalten und dann versuchen, tief Luft zu holen. Stell dir das Ganze bei körperlicher Anstrengung vor. Durch die zu engen Nasenlöcher gelangt weniger Atemvolumen während eines Atemzuges in die Lunge. Bei einem Hund mit einer verkürzten Nase ist der gesamte Luftweg bis in den Eingang in die Luftröhre verengt. Der Hund bekommt schlechter Luft, dadurch entsteht ein Sauerstoffmangel.
Damit Hunde ihre Temperatur regulieren können, hecheln sie (atmen also schneller) und werden so überschüssige Wärme los, denn Hunde können ja nicht so wie wir schwitzen. Bei einem Hund mit einer kurzen Nase funktioniert das Abkühlen über das Hecheln nicht mehr richtig. Um das Ganze auszugleichen, versucht der Hund, insgesamt tiefer einzuatmen. Dies strengt seine Atemmuskulatur sehr an und es wird automatisch ein Unterdruck im Atmungsapparat erzeugt. Dadurch wird unter anderem das Gaumensegel in den Nasenraum gezogen. Der Hund bekommt noch schlechter Luft, denn die Atemwege werden weiter verengt. Hunde mit kurzen Nasen schnarchen häufig im Schlaf. Wenn man versucht, Schnarchgeräusche zu imitieren, merkt man ein Kribbeln im weichen Gaumen. Das Gaumensegel wird dabei in die Nasenhöhle gezogen.
In der Tierarztpraxis versucht man diesen Hunden chirurgisch zu helfen und vergrößert die Nasenlöcher und kürzt das Gaumensegel. Dabei hofft man darauf, dass der betroffene Hund nach der Operation wieder besser atmen kann. Eine Heilung des ursprünglichen Problems, nämlich des zu kleinen Schädels für die Atemorgane, ist nicht möglich.
Es gibt unheimlich viele Artikel über das sogenannte Brachyzephalensyndrom. Leider gibt es auch sehr viele Videos und Fotos auf Social Media, die betroffene Hunde zeigen, bei denen nicht erkannt wird, dass die Hunde eigentlich keine Luft bekommen und unter ihrer Situation leiden.
Wichtig ist, dass wir einander aufklären. Einsicht erfolgt nur, wenn wir verstehen, warum ein Hund mit einer kurzen Nase keine Luft bekommt und welche Hunde wie stark davon betroffen sind.
Schluckvorgang
Das Gaumensegel trennt die Nasenhöhle von der Mundhöhle.
Einatmung
Bei der Einatmung gelangt die Luft durch die Nasenhöhle in die Luftröhre.
Einatmung erschwert
Durch den verkürzten Schädel bekommen Hunde schlechter Luft.
Was sind Keilwirbel?
Das Aussehen eines Hundes spielt eine entscheidende Rolle für seine Kommunikation unter Artgenossen. Es kann bei sehr unterschiedlich aussehenden Hunden oder solchen, die keine große Vielfalt von Körperformen von Schlapp- bis Spitzohr, Kurz- bis Langhaar und so weiter kennengelernt haben, zu regelrechten körpersprachlichen Missverständnissen bis hin zu Aggressionsverhalten führen. Aber auch gesundheitliche Aspekte spielen eine entscheidende Rolle, weil sie zu erheblichen Schmerzen, Leiden und Schäden des betroffenen Hundes führen können.
Daher ist es besonders wichtig, bei der Auswahl eines Welpen erkennen zu können, welche negativen Folgen bestimmte Zuchtziele auf die Lebensqualität eines Hundes haben können und wie man die Gesundheit eines Welpen beurteilen kann. Dabei spielen auch Fehlbildungen von Rückenwirbeln eine wichtige Rolle, die erblich bedingt sein können.
Unter dem Begriff „Hemivertebrae“ versteht man sogenannte Keilwirbel. „Hemi“ bedeutet „Halb / Hälfte“ und „Vertebrae“ ist die Mehrzahl von „Wirbel“.
Es handelt sich also um Wirbel, die im Aussehen verändert sind und ihre ursprüngliche Funktion nicht mehr ausüben können. Hierzu gehört beispielsweise der Schutz des Rückenmarks und der austretenden Nerven. Werden diese gequetscht, führt dies zu Funktionseinschränkungen und Schmerzen. Wird also der knöcherne Schutz in seiner Form und Funktion beeinträchtigt, können Nerven gequetscht werden.
Nervenausfälle führen zu Lähmungen und Bewegungseinschränkungen der Gliedmaßen oder auch zu Lähmungen der Blasenfunktion, sodass Hunde inkontinent werden können, also Urin verlieren, da sie diesen nicht mehr kontrolliert ausscheiden können.
Ob es sich bei einem Hund tatsächlich um Keilwirbel handelt, kann man mithilfe eines Röntgenbildes beurteilen. Ist der Hund stark betroffen und treten Symptome wie Schmerzen oder Lahmheit auf, kann mithilfe einer Operation versucht werden, die entsprechenden Wirbel zu stabilisieren.
Die Missbildung der Wirbel kann bei einem, aber auch gleichzeitig bei mehreren Wirbeln vorkommen. Als Ursache für das fehlerhafte Aussehen eines Keilwirbels wird eine fehlerhafte Verknöcherung beziehungsweise eine fehlerhafte Durchblutung während der Verknöcherung des Wirbels vermutet, die vererbt werden kann.
Mit Hunden, bei denen Keilwirbel auftreten, sollte nicht weiter gezüchtet werden, auch wenn sie selbst keine Symptome oder Schmerzen zeigen. Keilwirbel kommen bei bestimmten Rassen häufiger vor, besonders bei solchen mit sogenannten „Screwtails“, also korkenzieherähnlichen Ruten. Zu den Rassen, die betroffen sein können, gehören unter anderem die Französische und die Englische Bulldogge, der Boston Terrier und der Mops. Die verkürzte Rute dieser Hunde ist durch das Fehlen von Wirbeln der Schwanzwirbelsäule gekennzeichnet. Normalerweise besteht die Schwanzwirbelsäule des Hundes aus 20 bis 23 Wirbeln. Die wenigen übrig gebliebenen Schwanzwirbel sind häufig ebenfalls missgebildet.
Mir gefällt ein Hund, einer betroffenen Rasse, kann ich mich trotzdem für einen Welpen entscheiden?
Die beste Vorsorge liegt ganz besonders bei diesen Rassen darin, Welpen nur von verantwortungsvollen Züchtern zu kaufen, bei denen die Elterntiere auf Keilwirbel untersucht wurden und die dazugehörigen Röntgenaufnahmen zur Einsicht zur Verfügung gestellt werden. Trotz verstärkter Aufklärung und Kampagnen vieler Tierärzte und der Tierärztekammer nimmt der Trend zu diesen Rassen aus meiner Sicht leider nicht ab. Beispielsweise macht die Tierärztekammer Ber lin mithilfe ihrer Qualzuchtkampangen auf weitere Qualzuchtmerkmale aufmerksam und stellt Flyer und Aufklärungsmaterial zur Verfügung. Als Verbraucher, sprich Welpenkäufer, sind wir in der Verantwortung, die Zucht dieser Rassen nicht zu unterstützen, denn Tierschutz bedeutet aus meiner Sicht leider auch, sich bei der Suche nach einem neuen Familienmitglied gegen einen Hund zu entscheiden und die Vermehrung betroffener Hunde finanziell nicht zu unterstützen.
Keilwirbel
Keilwirbel können zu starken Schmerzen führen.
zum Vergleich:
Normale Wirbel
Das Rückenmark liegt geschützt im knöchernen Wirbelkanal.
Unser Welpe kommt vom Bauernhof – das ist gut, oder?
Dieses Thema ist eines der wichtigsten in einer Beratung, bevor ein Welpe einzieht. Warum? Weil eine Vielzahl von problematischen Verhalten wie Angstverhalten, Menschen beißen, soziale Unverträglichkeit oder anderes Aggressionsverhalten ihren Ursprung bereits in den ersten acht Lebenswochen haben – und diese verbringt der Welpe bei der Mutterhündin.
Was sind schon acht Wochen, fragst du dich jetzt? Ich mache doch im Anschluss alles richtig.
Nach dem deutschen Tierschutzgesetz dürfen Welpen nicht vor der achten Lebenswoche von der Mutterhündin getrennt werden. Während der Welpe in den ersten drei Lebenswochen noch nicht viel mehr im Sinn hat als die Ausscheidung und die Nahrungsaufnahme, kann er mithilfe der Mutterhündin in den ersten acht Wochen schon ein großes Spektrum an Umweltreizen kennenlernen.
Hierzu gehört beispielsweise das Absetzen von Urin und Kot außerhalb der Wurfbox, die Grundlagen der Kommunikation unter Hunden, aber auch Regeln und Grenzen kennenzulernen. Die Welpen können Vertrauen und eine Bindung aufbauen und sich das Verhalten der Mutter auf neue Reize abschauen.
Ein häufiger Trugschluss ist, dass der Welpe, wenn er auf einem Bauernhof groß wird, ja schon ganz viele Reize wie Kühe, Schafe und Pferde kennengelernt hätte. Es gibt sicherlich auch viele positive Beispiele mit Menschen, die sich sehr viel Mühe in der Aufzucht der Welpen geben und die Welpen sowohl mit den Umweltreizen auf dem Bauernhof als auch mit dem Wohnumfeld vertraut machen.
In der Praxis zeigt sich aber leider häufig, dass Hunde, die wohlbehütet auf dem Land aufgewachsen sind, auf bestimmte Umweltreize später sehr schreckhaft reagieren – wie beispielsweise auf Staubsauger, LKW, fremde Männer oder auch andere Hunde. Umso wichtiger ist es, dass die Welpen in den ersten acht Lebenswochen bereits ein häusliches Umfeld kennenlernen und eigentlich alles, was sie auch später im neuen Zuhause brauchen. Hierzu gehören auch positive, freundliche und ausgewählte Kontakte zu Kindern und zu fremden Personen oder die gemeinsame Autofahrt mit den Geschwistern und der Mutterhündin zur Tierarztpraxis.
Sollte es ein Züchter oder eine Züchterin sein oder besser eine private Familie, bei der die Welpen groß werden?
Das ist gar nicht so eindeutig zu beantworten, letztendlich stehen sich aus meiner Sicht zwei große Themen gegenüber: das Exterieur und das Interieur. Sowohl ein renommierter Züchter als auch ein privater Haushalt können dem Welpen einen sehr guten Start ins Leben ermöglichen und bei der Auswahl der Elterntiere wichtige Aspekte berücksichtigen.
