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Wenn nichts mehr geht - Fasten als Therapie
Schon lange plagen Sie Erkrankungen oder Schmerzen, bei denen Ihnen der Arzt nicht mehr weiterhelfen kann? Wenn „Damit müssen Sie leben“ keine Option für Sie ist, kann Ihnen medizinisches Fasten oft weiterhelfen. Denn Fasten packt tatsächlich viele Erkrankungen und Beschwerden an der Wurzel und aktiviert durch komplexe physiologische Abläufe die Selbstheilungs-Prozesse unseres Körpers.
- Vielfältige Wirkungen: Die heilende Kraft des Fastens ist bei vielen Krankheiten wissenschaftlich erwiesen – z.B. bei Rheuma, Arthrose, Diabetes Typ 2, entzündlichen Darmerkrankungen oder Bluthochdruck. Unterstützen kann Fasten auch bei Autoimmun- und Hauterkrankungen bis hin zu neurologischen Krankheiten wie Parkinson, MS und leichten Depressionen.
- Sofort loslegen: Praktische Programme fürs Heilfasten, Intervallfasten und Basenfasten ermöglichen Ihnen den direkten Einstieg in die Anwendung. Extra: Mit Rezepten für die Fastenphase und für danach.
- Fastenerfahrung pur: Nutzen Sie die langjährige Erfahrung von Dr. Rainer Matejka, Ärztlicher Leiter einer renommierten Fastenklink, der Sie kompetent durch das Buch begleitet.
Fasten ist der Schlüssel zur Selbstheilung - Nutzen Sie diese Chance für sich!
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 330
Veröffentlichungsjahr: 2021
Rainer Matejka
1. Auflage 2021
43 Abbildungen
am Beginn des 21. Jahrhunderts wurde in Fachkreisen die Einführung einer »Polypille« diskutiert. Sie sollte etliche Wirkstoffe in sich vereinen, u. a. Blutfettsenker, Blutverdünner und Betablocker, und flächendeckend zur Vermeidung von Herzinfarkten und Schlaganfällen eingesetzt werden. Das Projekt wurde offenbar irgendwann »beerdigt«.
Dabei gibt es solche Polypillen schon lange, mindestens seit Hippokratesʼ Zeiten vor rund 2400 Jahren. Sie sind allerdings nicht in der Apotheke erhältlich. Wie sie heißen?
Bewegung und Fasten!
Beides wirkt fachübergreifend u. a. auf Stoffwechsel, Durchblutung, Immunsystem und die Psyche ein. Und genau so etwas braucht es heute in Zeiten der sogenannten Zivilisationskrankheiten, in der viele Menschen parallel beispielsweise an Herz-Kreislauf-Erkrankungen, orthopädischen Problemen und diversen Befindlichkeitsstörungen leiden. Bei allen Fortschritten der modernen Medizin v. a. im technischen Bereich: Genau mit diesen fachübergreifenden Erkrankungsbildern tut sie sich schwer, nicht zuletzt durch die immer weitergehende Spezialisierung und einen Mangel an wirklich ursächlich ansetzenden Behandlungskonzepten.
Gerade im Zusammenhang mit Ernährung ist heute nicht der Mangel, sondern der Überfluss das Problem, das ständige Zuviel an Süßigkeiten, schlechten Fetten, Eiweißen und Fertignahrungsmitteln.
Abhilfe schafft die Rückbesinnung auf ein Grundprinzip der hippokratischen Medizin: »Elimination«, also das Weglassen des nicht unbedingt Erforderlichen, beugt vor und heilt. Mit dem Fasten besinnen wir uns somit auf ein Urprinzip der Medizin. Es wird auch als »Chirurgie ohne Messer« bezeichnet, welches »somatopsychisch« wirkt, also vor allem »über den Körper« daherkommt, aber Geist und Seele gleichermaßen erreicht.
Was einst Fastenpioniere wie Dr. med. Otto Buchinger, später Dr. med. Hellmut Lützner, erfahrungsmedizinisch schon sehr früh erkannten und zunehmend auch in der Bevölkerung populär machten, erlangte in den letzten Jahren richtig Schub und zunehmende Anerkennung auch in Wissenschaftlerkreisen. Moderne Grundlagenforschung bestätigte das in der Praxis immer wieder Beobachtete:
Fasten wirkt u. a. antientzündlich, stoffwechselentlastend und psychovegetativ stabilisierend.
Genau diese Effekte sind heute wichtig. Während Namen wie Prof. Valter Longo und Prof. Mark Mattson beispielhaft für die Grundlagenforschung stehen mögen, können wir in Dr. med. Françoise Wilhelmi de Toledo und Prof. Dr. med. Andreas Michalsen entscheidende Antreiber für die Umsetzung aktueller Erkenntnisse in Klinik und Praxis sehen.
Von einem bin ich überzeugt: Der seit geraumer Zeit anhaltende Hype um das Thema Fasten in den Medien und der Bevölkerung wird keine Eintagsfliege bleiben, sondern anhaltend sein. Denn immer mehr Menschen erkennen: Die Leiden der Überflussgesellschaft lassen sich nicht mit Tabletten und Rückenoperationen dauerhaft beheben. Neue Konzepte sind nötig, um auch in Zukunft ein bezahlbares Gesundheitssystem für alle zu erhalten. Fasten – sich immer weiterentwickelnd – wird auch in 1000 Jahren noch aktuell sein!
Besonders danken möchte ich der Medizinredakteurin Anne Bleick, die an der Buchentstehung maßgeblich beteiligt war.
Dieses Buch möge Ihnen wichtige Grundlagen und verschiedene Möglichkeiten rund um das Fasten näherbringen.
Dr. med. Rainer Matejka
Juli 2020
Titelei
Liebe Leserin, lieber Leser,
Was Fasten alles kann!
Warum ist Fasten heute (wieder) aktuell?
Fasten galt lange – auch unter Ärzten – als gefährlich
Ausscheidung ist ein lebenswichtiger Prozess
Ein Blick zurück
Industrienahrung führt zu Zivilisationskrankheiten
Auf der Suche nach ursächlicher Therapie
Fasten – das Wundermittel für alle Fälle?
Und noch ein Argument für das Fasten
Was bedeutet »Fasten«?
Was ist modifiziertes Fasten?
Führt Fasten zum Jo-Jo-Effekt?
Wie Fasten früher und heute gesehen wird
Die Sicht des Fastenarztes Dr. Erich von Weckbecker
Den Ofen – unseren Körper – entrußen
Dort wo es klingelt, muss nicht der Klingelknopf sitzen
Auf die richtige Oktanzahl kommt es an
»Fastenpapst« Dr. Otto Buchinger
Buchingers achtstufiger Weg der Krankheit
Die Änderung des Lebensstils muss an erster Stelle stehen
Moderne Forschung bestätigt die Fasteneffekte
Wie kann man sich heutiges Fasten vorstellen?
In den 1990er Jahren musste ich zum Fasten motivieren
Heute wollen viele von sich aus fasten
Doch kann und soll wirklich jeder fasten?
Für Pykniker ist Fasten ideal
Auch der Athletiker darf und soll fasten
Für Astheniker ist Fasten mitunter ungeeignet
Wann Astheniker dennoch (modifiziert) fasten sollten
Auf die Konstitution und Verträglichkeit achten
Und wann soll man das Fasten beenden?
Aktuelle Grundlagen des Fastens
Glukose unser »normaler Brennstoff«
Ketonkörper sind der »Fasten-Brennstoff«
Gesundheitsförderliche Zusatzeffekte
Metabolic Switch: Umstellung auf den Fastenstoffwechsel
Autophagie: die Selbstreparatur unseres Körpers
Schon Intervallfasten hat positive Auswirkungen
Ketogene Ernährung und Kurzzeitfasten bei Krebs
Fasten ist keine Erfindung der Neuzeit
Fasten hat in der Medizin eine lange Tradition
Fasten für die Gesundheit
Therapeutisches Fasten – wie Fasten wirkt
Stoffwechsel: Die Ausscheidung wird angekurbelt
Fasten wirkt antientzündlich
Fasten stärkt das Immunsystem
Positive Wirkungen bei Autoimmunerkrankungen
Wie wirkt Fasten auf das Körpergewicht?
Abnehmbremsen, die Sie kennen sollten
Medikamente, die zur Zunahme führen
Das Bauchfett macht, was es will
Das Lymphsystem ist überfordert
Warum Fasten bei Arthrose helfen kann
Der Gelenkstoffwechsel ist gestört
Kann Fasten Schmerzen lindern?
Wieso hilft Fasten bei Migräne so gut?
Die psychischen Fasteneffekte
Fasten als Auszeit bei Erschöpfung
In Bewegung kommen
Was Sie beim Fasten beachten sollten...
... und bei der Ernährung danach
Wie Fasten auf Herz und Kreislauf wirkt
Die Fasteneffekte
Fasten bei koronarer Herzkrankheit und Herzschwäche
Fasten bei kardiopulmonaler Erkrankung
Sonderfall Vorhofflimmern
Darf bei Vorhofflimmern gefastet werden?
Was man bei der Therapie mit Blutverdünnern beachten muss
Wie geht es eigentlich der Darmflora beim Fasten?
Reizdarm
Stuhluntersuchungen: Was ist wichtig?
Der pH-Wert sollte bei 5,5–6,5 liegen
Calprotectin: Entzündungswert der Darmschleimhaut
Alpha-1-Antitrypsin und Zonulin zeigen einen Leaky Gut an
Sekretorisches Immunglobulin A (sIgA)
Pankreaselastase-1
Gallensäureverlustsyndrom
Wann Sie nicht fasten sollten
Kein Fasten bei psychiatrischen Erkrankungen
Kein längeres Fasten bei manifester Krebserkrankung
Nicht fasten bei Unterernährung und Untergewicht
In hohem Alter oder bei schlechtem Allgemeinzustand nicht fasten
Fasten bei metabolischen Erkrankungen
Adipositas (BMI größer 30)
Schulmedizinische Behandlung
Wie Ernährung und Übergewicht zusammenhängen
Warum zu viel Fruchtzucker so schädlich ist
Wie eine Ernährungsumstellung gelingen kann
Fasten als Einstieg in den Umstieg
Volkskrankheit Bluthochdruck
Bluthochdruck wird oft nicht ernst genommen
Ursachen für Bluthochdruck
Das Arsenal der medikamentösen Blutdrucksenker
Sie können sehr viel selbst gegen Hochdruck tun!
Ernährung
Wie Fasten bei Bluthochdruck wirkt
Hilfreiche alternative Hochdruckmittel
Lymphdrainage und Massagen
Aderlass
Auf dem Vormarsch: Diabetes Typ 2
Wie behandelt die Schulmedizin Diabetes Typ 2?
Antidiabetika
Bei Diabetes Typ 2 muss die Ernährung umgestellt werden!
Fasten ist bei Diabetes Typ 2 sehr zu empfehlen
Gicht: ebenfalls eine typische Wohlstandskrankheit
Die schulmedizinische Gichtbehandlung
Purinarm ernähren
Fasten? Auf jeden Fall, aber mit Vorsicht
Orthopädisch-neurologische Erkrankungen
Chronische Schmerzen
Die schulmedizinische Schmerzbehandlung
Ernährung: Schmerztreiber reduzieren!
Schmerzlinderung durch Fasten
Volksleiden Rückenschmerz: Umdenken ist angesagt!
Ernährung bei Rückenschmerzen
Wie kann Fasten helfen?
Fibromyalgie
Schulmedizinische Fibromyalgie-Therapie
Ernährung bei Fibromyalgie
Wie kann Fasten bei Fibromyalgie helfen?
Was tun bei Arthrose?
Schulmedizinische Behandlung von Arthrose
Physiotherapie und Bewegung
Schmerzmittel wirklich nur kurz nehmen
Es wird zu viel und zu früh operiert!
Arthrose: Die Ernährung anpassen
Fasten ist bei Arthrose sehr wirksam
Unter Migräne leiden vor allem Frauen
Schulmedizinische Migränebehandlung
Eine vegetarisch (basisch) betonte Kost anstreben
Wie kann Fasten bei Migräne helfen?
Parkinson-Krankheit
Schulmedizinische Parkinson-Behandlung
Bei Parkinson auch auf die Ernährung achten
Fasten ist auch bei Parkinson möglich und sinnvoll!
Erkrankungen des Verdauungstraktes
Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED)
Schulmedizinische CED-Behandlung
Ernährung bei CED
Fasten ist bei CED sehr hilfreich
Reizdarm – RDS-Syndrom
Reizdarm-Ernährung: typische Auslöser meiden
Fasten ist ein guter Behandlungseinstieg
Haut-, Lungenkrankheiten und Allergie
Neurodermitis und Allergie(-neigung)
Vorsicht vor übertriebenen Allergietestungen
Was tun bei Hauterkrankungen und Allergie?
So behandelt die Schulmedizin bei Neurodermitis
Die Ernährung individuell anpassen
Fasten ist sehr zu empfehlen
COPD – chronisch obstruktive Lungenerkrankung
So behandelt die Schulmedizin bei COPD
Ernährung bei COPD
Auch COPD ist eine gute Fastenindikation
Fasten, die Praxis
So nutzen Sie das Fasten für Ihre Gesundheit
Gesundheitsförderliche Fastenarten
Heilfasten ist am effektivsten
Ja, auch Sie können fasten!
Die Fastenmahlzeiten
Ihre Heilfastenwoche
Entlastungstage (Umschalttage)
Wie Sie Ihre Entlastungstage gestalten können
Der erste Fastentag
Die weiteren Fastentage
Zum Fasten gehören Darmreinigungen
Salinische Abführmittel
Einläufe und Darmspülungen
Wie geht es Ihrer Darmflora?
Das Entsäuern mit Basenmittel fördern
Eine Fastenkrise muss nicht sein
Was tun bei Kreislaufproblemen?
Schleime und Buttermilch
Was Sie über Salz wissen sollten
Das Fastenbrechen
Aufbautage – die Tage nach dem Fasten
Tipps für Ihre Aufbautage
Rezeptideen für Ihre Aufbautage
Unterstützende Maßnahmen beim Fasten
Bewegen Sie sich täglich!
Lymphe, Leber und Niere unterstützen
Lymphe, was ist das eigentlich?
Die Lymphe in Fluss bringen
Lymphdrainage bei Übergewicht
Homöopathische Mittel
Die Lymphe ist an allen entzündlichen Erkrankungen beteiligt
Weitere physiotherapeutische Methoden
Wasseranwendungen (Hydrotherapie)
Unsere Leber ist unsere Entgiftungszentrale
So helfen Sie Ihrer Leber
Die »emotionalen Belastungen« der Leber senken
Unsere Nieren sind für die Entsäuerung zuständig
So unterstützen Sie Ihre Nieren
Ihre Nieren freuen sich über Basenmittel
Intervallfasten – das Fasten für jeden Tag
So starten Sie
Was und wann essen Sie bisher?
Die Zwischensnacks weglassen
Was bedeutet 16:8 oder 5:2?
Fastenintervall: 16 Stunden
Achten Sie auf hochwertige Nahrung
Sie müssen nicht weniger essen
Und wenn es nicht klappt?
Ihre Mahlzeiten beim Intervallfasten
Ihre Intervallfastenwoche
Rezeptvorschläge zum Intervallfasten
Basenfasten: Schluss mit Übersäuerung!
Wir brauchen mehr Basenbildner
Wem hilft Basenfasten?
Wie geht Basenfasten?
Setzen Sie auf gesunde Pflanzenkost
Worum Sie bitte einen Bogen machen
Eine Woche Basenfasten: So geht’s
Basenfastenrezepte
Häufige Fragen
Ist Fasten gefährlich?
Wie lange sollte ich fasten?
Wann ist ärztliche Begleitung notwendig?
Wann sollte das Fasten in einer Klinik stattfinden?
Nehme ich nach dem Fasten sofort wieder zu?
Dürfen auch schlanke Menschen fasten?
Muss man beim Fasten auf Salz verzichten?
Ist vegane Ernährung am gesündesten?
Wer war F. X. Mayr?
Was ist mit Verschlackung gemeint?
Wie funktioniert eine Mayr-Kur?
Was ist Keto-Fasten bzw. ketogene Diät?
Früchtefasten: Kann man mit Früchten fasten?
Was ist unter Leberfasten zu verstehen?
Service
Weitere Infos und Adressen
Weitere Rezepte
Bücher zum Weiterlesen
Autorenvorstellung
Sachverzeichnis
Impressum
Es ist spannend, wie sich das Fasten als natürliche Heilmethode, die jedem von uns frei zur Verfügung steht, nun auch in der modernen Medizin ihren Platz erobert.
Fasten gleich Hungern – so ein gängiges (Vor-)Urteil. »Nichts essen – wie soll das gehen?« Selbst die meisten Ernährungswissenschaftler und Ärzte sahen es lange ähnlich.
»Hungerkuren« begünstigen Mangelernährung durch Vorenthaltung wichtiger Nährstoffe wie z. B. von lebensnotwendigem Eiweiß, hieß es jahrzehntelang. Dadurch werde nicht nur die Muskulatur abgebaut, auch der Herzmuskel könne Schaden nehmen. Als Beweis wurde meist eine methodisch schlecht gemachte Studie aus den 1950er Jahren herangezogen, bei der eine 400-kcal-Diät verabreicht wurde. In der Folge soll es in Einzelfällen zu Schädigungen am Herzmuskel gekommen sein.
Auch die Versorgung mit wichtigen Mineralstoffen sei im Fasten nicht gewährleistet, außerdem werde der Grundumsatz heruntergefahren. In der Folge setzten Menschen danach »stärker an« und nähmen an Gewicht zu. Ähnlich nachteilig sei beim Fasten der Jo-Jo-Effekt zu bewerten, der zu einer stetig weiteren Gewichtszunahme führe und damit den verbreiteten Risikofaktor Übergewicht mit einem Body-Mass-Index (BMI) > 30 (Adipositas) nur noch begünstige. Deshalb sei eine »Crashdiät« wie das Fasten zum Abspecken völlig ungeeignet oder sogar gefährlich. Dringend zu warnen sei vor derartigen »Nulldiäten« auch bei Krebspatienten, da sich bei diesen die abbauende (katabolische) Stoffwechselsituation nur noch verschärfe. Deshalb gelte: Finger weg vom Fasten.
Auf Nachfrage stellte sich oft heraus: Kritiker des Fastens – gerade auch vermeintliche Experten aus dem Bereich Ernährungswissenschaft und Medizin – waren über die Fastenprinzipien nicht wirklich informiert. Einer der Wegbereiter des modernen Heilfastens, der Arzt und bekannte Buchautor Dr. med. Hellmut Lützner, konstatierte dazu, dass die Kritik am Heilfasten durchweg von den ärztlichen Kollegen komme, die selbst nie gefastet oder Fastende betreut hätten. Die kategorische Ablehnung beruht also eher auf Unwissenheit und Angst als auf der eigenen praktischen Erfahrung.
Begriffe wie »Nulldiät«, »totales Fasten«, »Crashdiät« floateten wild durcheinander. Schon aus diesem Grund war eine sachliche Auseinandersetzung zwischen Befürwortern und Gegnern des Fastens kaum möglich. Es haperte schon an einer gemeinsamen Sprache, wie so oft, wenn sich Vertreter der wissenschaftlichen (Schul-)medizin und der Naturheilkunde gegenüberstehen.
Dementsprechend war das Fasten jahrzehntelang eine typische Außenseitermedizin. Fastenkliniken hatten wenig fachlichen Austausch oder Kontakt mit akutklinischen Einrichtungen. Im Gegenteil: Musste ein Patient einer Fastenklinik in ein Akutkrankenhaus eingewiesen werden, wurde meist die Nase gerümpft und der Grund der Einweisung stets als Folge der gefährlichen und eigentlich zu verbietenden »Nulldiät« gewertet. Selbst wenn der Patient an einer Bettkante hängengeblieben und gestürzt war – und es jetzt lediglich um den Ausschluss eines Knochenbruchs ging …
Experten rügten zudem stets die ihrer Meinung nach kruden, »mittelalterlichen« oder »anachronistischen« Denkmodelle, die dem Fasten angeblich zugrunde liegen und die immer wieder von den Befürwortern des Fastens ins Feld geführt wurden. Vor allem die Begriffe »Entgiftung« und »Entschlackung« wurden auf diese Weise zu wahren Reizbegriffen, die mit den Erkenntnissen einer modernen wissenschaftsbasierten Medizin im Widerspruch stünden. Im menschlichen Organismus gebe es weder etwas zu entgiften noch zu entschlacken – so die übliche Lehrmeinung.
Außer Acht gelassen wurde dabei: »Entgiftung« und »Entschlackung« sind natürlich keine wissenschaftlichen Begriffe, sondern eher umgangssprachliche Beschreibungen, um auch dem Laien zu verdeutlichen, worum es beim Fasten geht: um die Aktivierung komplizierter biochemischer Vorgänge und natürlicher Ausleitprozesse. Dass der Organismus genau darauf angewiesen ist, um überleben zu können, ist eine Binsenweisheit. Ein dementsprechend funktionierender Stoffwechsel ist eines der Kriterien des Lebendigen, ja, eine Voraussetzung für Leben. Beispiele für entsprechende Vorgänge sind der Eiweißstoffwechsel mit dem Abbau von Ammoniak, die Bildung und Ausscheidung von Harnsäure, die Verstoffwechselung von Medikamenten in Leber oder Niere und die Ausscheidung von Arzneimittelendprodukten über die Galle oder den Urin. Sind diese lebensnotwendigen Vorgänge nachhaltig gestört, kann Lebensgefahr bestehen. Der schwer lebergeschädigte Mensch – z. B. durch eine alkoholbedingte Zirrhose, bei dem dieses wichtige Organ seine natürliche Aufgabe als größte Drüse des Körpers nicht mehr ausreichend wahrnehmen kann – fällt in die Bewusstlosigkeit (Leberkoma). Der Körper wird dann mit ausscheidungspflichtigen Stoffen überschwemmt – es droht der Tod. Ganz ähnlich bei Nierenversagen: Dringend ausscheidungspflichtige Substanzen verbleiben im Körper, es entsteht eine Blutharnvergiftung, die Urämie. Ohne künstliche Niere (Dialyse) würde der Patient in kurzer Zeit versterben. Angesichts dessen erscheinen sind Begriffe wie »Verschlackung« und »Entschlackung« also keineswegs so abwegig, wie sie die moderne Medizin heute sieht.
Von einer regelrechten Angst vor dem Fasten und verbreiteter Unwissenheit in der medizinischen Welt und der Allgemeinbevölkerung fand in den vergangenen Jahren eine Kehrtwende hin zu einer man kann fast schon sagen Fasteneuphorie statt. Wie und warum es dazu kam, möchte ich im Folgenden nachzeichnen.
Mir ist nicht bekannt, ob es zu dieser Frage bereits wissenschaftliche Untersuchungen gibt. Nach meiner Einschätzung scheinen in diesem Zusammenhang zwei Tatsachen wichtig zu sein. Zum einen ist es die Zunahme der Zivilisationskrankheiten wie Übergewicht, Diabetes, Gelenkerkrankungen und komplexer Befindlichkeitsstörungen ohne Organbefund, zum anderen eine zunehmende Mündigkeit der Bürger auf der Suche nach ursächlichen statt symptomatischen Therapien. Übergewicht ist eben nicht ausreichend mit »Friss die Hälfte (FDH)«, Diabetes nicht mit Tabletten und Insulin und Befindlichkeitsstörungen nicht mit dem Satz, »damit müssen Sie leben« oder »machen Sie mal eine psychosomatische Gesprächstherapie« behandelt. Auch Bluthochdruckpatienten fragen immer mehr nach den eigentlichen Ursachen des Bluthochdrucks. Sie wollen nicht einfach immer nur Blutdrucksenker einnehmen und auf die Frage, wie lange sie diese nun nehmen müssten, zur Antwort erhalten: »Für immer.«
1946, in der Zeit unmittelbar nach dem zweiten Weltkrieg, hatten die Menschen überall mit Mangel zu kämpfen: Mangel an Nahrung, Mangel an Geld, Arbeitslosigkeit, Mangel an Behausungen. Kurzum, der Sinn stand ihnen verständlicherweise nicht nach Entschlackung, Maßhalten, Entsagung u. Ä., sondern es ging vielmehr ums Überleben, um den Aufbau, um Zuleiten statt Ausleiten. So entbehrungsreich die damalige Zeit sicher war, in gesundheitlicher Hinsicht unterschied sie sich merklich von der heutigen: Trotz Typhus, Gelbsucht (Hepatitis A) und Tuberkulose gab es kaum Diabetiker, kaum Menschen mit Bluthochdruck, die Herzinfarktzahlen infolge von »Herzkranzgefäßverkalkung« (koronare Herzkrankheit, KHK) waren extrem niedrig. Auch Gicht, Arthrose, Rückenschmerzen, diverse Allergien und Unverträglichkeiten kamen viel seltener vor, von den komplexen Befindlichkeitsstörungen der heutigen Zeit mit Erschöpfungssyndromen bis hin zum »Burnout« ganz zu schweigen.
Die Diagnose »Depression« hatte ebenfalls nicht die heutige Verbreitung. Ein älterer Herr aus Hamburg, selbst Eigner eines mittelständischen Unternehmens, erzählte mir in einem Zugabteil auf dem Weg nach Baden-Baden: »Wir hatten damals keine Zeit für Depressionen. Wir mussten nach dem Kriege aufbauen. Es galt die Devise ›Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott‹« – und genauso habe er es erlebt …
Spätestens ab der zweiten Hälfte der 1960er Jahre änderte sich die Situation. Das Wirtschaftswunder der Nachkriegsjahre hatte einen noch Ende der 1940er Jahre kaum für möglich gehaltenen Wohlstand geschaffen. Die Zeiten der Mangelernährung waren passé. Schlachtplatten, Räucherwaren, reichlich ungünstiges Fett, viel Süßes und möglichst noch Rauchen ohne Filter (mit »legendären Marken« wie Reval, Roth-Händle, Eckstein etc.) kamen in Mode. In alten Krimis (»Der Kommissar« mit Erik Ode) wurde ständig Schnaps und Cognac getrunken und natürlich geraucht.
Mit zunehmender Rationalisierung und Automatisierung in der Industrie nahm die Zahl der mit körperlicher Arbeit einhergehenden Berufe ab, die Zahl der typischen Sitzberufe am Schreibtisch dagegen zu. Verbreiteter Bewegungsmangel war die Folge. Zunehmende Bildschirmarbeit ab den 1990er Jahren mit Fehlhaltungen und Nackenverspannungen verschärfte diese Probleme, bis hin zu Fragen von Elektrosmog durch pulsierende elektromagnetische Felder, wie sie vor allem durch Schnurlostelefone älteren Typs vom Typ DECT (digital european cordless telephone) verursacht wurden.
Dementsprechend dominieren heute Depressionen, Bluthochdruck, Rückenschmerzen (»Rückenrepublik Deutschland«), Gelenkschmerzen/Arthrose, Allergien und Nahrungsmittelintoleranzen die Liste der Diagnosen im Praxisalltag. In der Sterbestatistik führt nach wie vor der Tod durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen vor Krebs und Lungenerkrankungen, wobei vor allem die kombinierte Herz-Lungen-Erkrankung ein unterschätztes Risiko darstellt. Auch in zunehmend entwickelten Weltregionen wie Mittel- und Südamerika, der Arabischen Halbinsel und großen Teilen Asiens sehen wir eine erhebliche Zunahme derartiger Zivilisationserkrankungen.
Man kann sagen: Viele Probleme begannen mit der Entwicklung von verarbeiteten Lebensmitteln. Deren Entwicklung begann in den 1930er Jahren in den USA, gelangte ab den 1950er Jahren nach Europa und betrifft heute die ganze Welt. Der Konsum von Zucker und Weißmehl stieg an, der Verzehr ballaststoffreicher Lebensmittel wie Hülsenfrüchte ging immer mehr zurück. Der Konsum von Fruktose stieg allein in den letzten 30 Jahren um das Hundertfache, weil Fruktose in vielen Lebensmitteln zum Süßen verwendet wird, aber nicht als »Zucker« deklariert werden muss. Auch die Lebensmittelindustrie kennt natürlich die ungünstige Marketingwirkung eines hohen Zuckergehaltes. Nicht nur die Zahl der Fruchtzuckerintoleranzen stieg auf diese Weise, sondern Fruktose in den heute üblichen Dosierungen entfaltet eine fatale Wirkung auf das Körpergewicht. Sie hemmt Leptine – das sind natürliche Appetitzügler, die der Körper produziert – und so merkt man nicht mehr, wann man eigentlich satt ist, und konsumiert entsprechend mehr. Ein hoher Fruchtzuckerkonsum gilt zudem als wesentliche Mitursache für Übergewicht, Fettleber und seit ein paar Jahren auch für die Gicht. Das gilt für mit hohen Fruchtzuckeranteilen versetzte Industrienahrung. Moderater Obstverzehr ist damit nicht gemeint.
Wir sehen immer wieder: Überall dort, wo traditionelle Ernährungsgewohnheiten verlassen werden, kommt es zu einer rasanten Zunahme von Zivilisationserkrankungen. Eine gewisse Ausnahme mag Japan darstellen.
Mit zunehmendem Wohlstand steigt erfahrungsgemäß auch der Fleischkonsum massiv an – mit gesundheitlichen und Umweltfolgen. Geht es mit einem Land wirtschaftlich aufwärts, steigt – leider! – auch der Fleischkonsum. Das gilt selbst für Indien, wo man sich bisher überwiegend vegetarisch ernährte.
Wurden Krankheiten lange Zeit als eine Art schicksalhaftes Ereignis gesehen, zeigten die Erkenntnisse der letzten Jahrzehnte etwas anderes: Vieles ist »selbst gemacht« – durch falschen Lebensstil. Vor allem Genussmittelkonsum, Fehl- und Überernährung sowie Bewegungsmangel sind die Hauptsünden der Gegenwart. Fehlendes oder mangelhaftes »Stressmanagement« kommt hinzu. Deshalb hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sinnvolle Lebenstilmodifikationen formuliert, um der weltweiten Ausbreitung typischer Zivilisationskrankheiten Einhalt zu gebieten. Neben Nikotinverzicht gehört dazu die Vermeidung von Übergewicht, eine deutliche Einschränkung des Konsums von rotem Fleisch (Schwein, Rind, Hammel, Wurstwaren aller Art) und regelmäßige Bewegung, z. B. täglich ein dreißigminütiger zügiger Spaziergang. Sportmediziner der Universität Köln sprechen heute vom Sitzen als Risikofaktor und davon, kein Sport sei »das zweite Rauchen«.
Schaut man in die Medizinhistorie, gab es vor rund 2400 Jahren schon einmal vergleichbare Empfehlungen durch den Begründer der modernen westlichen Medizin Hippokrates von Kos. Er empfahl tägliches »Arbeiten im Freien bis zum Schwitzen«, tägliche Ganzkörpermassagen, bei Bedarf Aderlässe, eine Ernährung, die sich bevorzugt auf pflanzliche Frischkost stützt und tierische Nahrungsmittel einschränkt und – zweimal jährliches Fasten.
Nun zeigt die Entwicklung der letzten 20 Jahre: Die Menschen sind zunehmend besser informiert über medizinische Zusammenhänge und fragen, was sie selbst tun können, um ursächlich gegen ihr Beschwerdebild vorzugehen. Dies vor allem dann, wenn bereits mehrfach Fachärzte konsultiert und lediglich eine symptomatisch wirkende Medikation mit womöglich erheblichem Nebenwirkungspotenzial verordnet wurde oder die Aussage, »Denken Sie an Ihr Alter« einen enttäuschten Patienten zurücklässt.
Erstaunlich für mich: Während schmerz- und entzündungshemmende Mittel aus der Gruppe der nicht steroidalen Antirheumatika (NSAR wie ASS, Ibuprofen, Diclofenac) oft unbedarft – zu oft und zu lange – eingenommen werden, besteht zunehmende Unwilligkeit zur ausreichenden Behandlung eines Bluthochdrucks. »Ich will die Medikamente nicht mehr einnehmen«, eine Aussage, die ich auch in Bezug auf Bluthochdruckmittel schon öfter gehört habe. Zudem sind fachübergreifende Diagnosen heute eher die Regel als die Ausnahme. Das mit Übergewicht einhergehende »Herzrisikopaket« metabolisches Syndrom ist z. B. oft mit Beschwerden aus dem orthopädischen Formenkreis assoziiert, vor allem mit Gelenkbeschwerden und Rückenproblemen. Häufige Konsultationen verschiedener Fachärzte sind die Folge und die zunehmende – auch von Pharmakologen kritisierte – »Polypharmazie«: Patienten erhalten von verschiedenen Ärzten unterschiedliche Arzneien, die mitunter nicht gut miteinander harmonieren. Die heute 75-jährigen Deutschen sollen einer Untersuchung zu Folge durchschnittlich mehr als sieben chemische Arzneimittel einnehmen. Mit evidenzbasierter wissenschaftlicher Medizin hat dieses medikamentöse Durcheinander nichts mehr zu tun. Es ist eher eine Art »experimentelle Medizin«. Oft wissen wegen Mehrfachkonsultationen verschiedener Ärzte, womöglich noch der gleichen Fachrichtung, die einzelnen Ärzte nicht einmal Bescheid, was der Patient so alles einnimmt in der Hoffnung auf Wohlbefinden.
Aus Enttäuschung und dem Wunsch nach wirklich ursächlicher und verträglicher Behandlung wenden sich immer mehr Menschen anderen Therapieverfahren zu. Sicher sind diese Menschen im Vergleich zur Gesamtbevölkerung immer noch deutlich in der Minderheit. Erfreulicherweise scheint diese Gruppe aber zu wachsen. Trotzdem muss man auch hier kritisch differenzieren: Nicht jeder, der eine mehr naturheilkundlich-ganzheitliche Medizin zunächst enthusiastisch bejaht, ist auch zu einer Lebensstiländerung bereit. Viele haften noch der Vorstellung an, medizinische Leistungen mehr passiv über sich ergehen zu lassen, z. B. Massagen zu erhalten oder Medikamente einzunehmen, oder wenden sich enttäuscht ab, wenn sie erfahren, dass der Weg zur Gesundheit oft ein erhebliches Stück Eigenleistung darstellt. Der streitbare Mediziner Julius Hackethal, der vor allem in den 1980er und 90er Jahren in den Medien für Furore sorgte, formulierte nicht zu Unrecht: »Gesundheit ist Fleiß.«
Fast möchte man meinen, genauso ist es! Auch wenn ein solches Universalmittel bei Wissenschaftlern stets auf große Skepsis stößt, man »belastbare« Studien einfordert und man flugs vor möglichen unkalkulierbaren Nebenwirkungen warnt. Fasten wirkt – genau das zeigt die jüngere Forschung – nachgewiesenermaßen
antientzündlich,
schmerzlindernd,
stimmungsaufhellend,
vegetativ ausgleichend und entstressend sowie
nachhaltig stoffwechselentlastend und ausleitend.
Daher eignet es sich für eine ganze Palette von Herzrisikofaktoren (Übergewicht, Diabetes Typ 2, Fettstoffwechselstörungen, Bluthochdruck, koronare Herzkrankheit) ebenso wie für orthopädische Beschwerden und stressbedingte Störungen mit dem Wunsch Betroffener nach »Reset«. Empirisch (aus der Erfahrung heraus) sind zudem gute Wirkungen bei Lungenerkrankungen wie COPD, aber auch Hauterkranken (Voraussetzung: das Fasten muss lange genug durchgeführt werden, mindesten 14 Tage), der Parkinson-Erkrankung und Multipler Sklerose (MS) zu sehen. Und Fasten entfaltet auch nachhaltige Wirkungen auf die Psyche. Ein Kollege bezeichnete Fasten als »somatopsychische Heilmethode«.
Der Gynäkologe und Entwickler einer psychosomatischen Methode (Psychopädie), der Arzt Jakob Derbolowsky, charakterisierte die immer wieder beschriebenen Effekte des Fastens auf Körper, Geist und Seele sinngemäß folgendermaßen: Jede Krankheit sei mit einem aus drei Teigsträngen zusammengesetzten Hefezopf zu vergleichen. Diese drei Stränge stehen für Körper, Geist und Seele. Es sei egal, an welcher Stelle man ein Stück aus dem Hefezopf herausschneide, stets seien alle drei Komponenten betroffen. Genauso geschehe es beim Fasten.
Genau dieser fachübergreifende Effekt und der ursächlich an die Wurzel der Beschwerden gehende Ansatz hat das Interesse am Fasten verstärkt – in den vergangenen Jahren auch bei immer mehr Medizinern. Als echte Schubkraft für die Beliebtheit des Fastens erwiesen sich die jüngst gewonnenen Erkenntnisse über die Fastenwirkungen durch die moderne Grundlagenforschung. Demnach geht es beim Fasten um weit mehr als nur Entgiftung und Entschlackung. Fasten ermöglicht offenbar sehr komplexe Umstellungen und Aktivierungen, die im Organismus Selbstreparaturprozesse anregen. Das Stichwort »Autophagie« als eine Art Oberbegriff für die im Fasten angeregte Selbstreparatur erlangte durch die Verleihung des Medizinnobelpreises 2016 an einen japanischen Forscher besondere Aufmerksamkeit. Erfreulicherweise gab es nicht nur Resonanz in den Medien, sondern auch die klinische Medizin zeigt sich seitdem deutlich offener für das Fasten. Die Zeiten, in denen Fasten von vornherein kritisch gesehen und mit Warnhinweisen versehen wurde, scheinen allmählich zu Ende zu gehen.
Von einem bin ich überzeugt: Angesichts der mit weltweit zunehmendem Wohlstand einhergehenden Zunahme überwiegend lebensstilbedingter Krankheiten wird Fasten keine Modeerscheinung für kurze Zeit sein. Allein die immensen Kostensteigerungen in der Medizin der letzten Jahre rufen nach breit einsetzbaren Behandlungskonzepten. Fasten bietet zudem den Vorteil, arznei- und apparatefrei zu sein. Fasten hilft, den zuvor womöglich unkritischen »Konsumenten von Gesundheitsleistungen« in einen wirklich mündigen und aktiv mittuenden Bürger zu verändern. Vermutlich dürfte die langfristige Finanzierung des Gesundheitswesens nur auf dieser Basis überhaupt möglich sein.
Und ich gehe noch weiter: Genau solche Menschen, die aktiv für Ihre Gesundheit eintreten, sollten eine Entlastung bei den Krankenversicherungsbeiträgen erhalten. Das Subsidiaritätsprinzip, von dem in der Politik ab und an gesprochen wird, findet in den Strukturen des Gesundheitswesens faktisch kaum statt. Alles versinkt im Sumpf der oft beschworenen »Solidargemeinschaft«, denn, so heißt es dann, der Einzelne könne schließlich nichts für seine Erkrankung. Der typische Satz deutscher Gesundheitsfunktionäre lautet: »Keiner geht ohne Grund zum Arzt.« Dass das deutsche Gesundheitswesen auch deshalb im weltweiten Maßstab eines der teuersten überhaupt ist, in puncto Lebenserwartung und Krankheitshäufigkeit aber oft nur untere Mittelplätze erreicht, hängt sicher auch mit einer teilweise unkritischen und passiven Inanspruchnahme von »Gesundheitsleistungen« zusammen, die die Strukturen des Gesundheitswesens quasi konditionieren.
Aber ich will mich nun nicht weiter über die Fehlanreize unseres Gesundheitswesens aufregen, sondern zum eigentlichen Thema, dem Fasten zurückkehren, und zunächst die Frage erörtern, was genau eigentlich mit »Fasten« gemeint ist.
Wie definieren wir eigentlich heute den Begriff »Fasten«? Die radikale Nulldiät beziehungsweise das reine Wasserfasten, bei dem keinerlei Kalorien aufgenommen werden? Das im deutschsprachigen Raum verbreitete Fasten mit Säften und Gemüsebrühen? Was hat es mit »Basenfasten« oder »Suppenfasten« auf sich und was ist eine F.X. Mayr Kur? Was ist mit dem heute so in Mode gekommenen Intervallfasten? Mitunter wird der Begriff »Fasten« heute auch noch viel weiter interpretiert. Man spricht z. B. vom »Autofasten« oder »Medienfasten«.
Ich schlage in dieser Diskussion einen pragmatischen Weg vor: Die moderne Grundlagenforschung zeigt uns, der Metabolic Switch, also die Umstellung der Energiegewinnung von der Glukose- auf die Ketonkörperverwertung durch das Fasten, scheint entscheidend zu sein. Auf diese Zusammenhänge gehe ich im Kapitel ▶ »Metabolic Switch: Umstellung auf den Fastenstoffwechsel« ausführlich ein. Also keine Sorge, wenn Sie gerade denken: Was um alles in der Welt sind Ketonkörper? Genau durch diesen Vorgang, der Körper wechselt von einem »Brennstoff« zu einem anderen, wird die erwähnte Selbstreparatur des Körpers gefördert. In den Zellen wird die Autophagie (unsere zelluläre »Müllentsorgung«) angeregt, es wird also effektiver recycelt, es bilden sich mehr für die Zellenergie wichtige Mitochondrien (Zellkraftwerke) und diverse »Signalmoleküle« erhöhen die Organleistung. Gängig ist heute die Formulierung, auch die »Gehirnplastizität« werde verbessert. All diese Zusammenhänge werden später genau beleuchtet. Doch jetzt möchte ich gerade noch bei der Definition des Fastenbegriffs bleiben.
Diese genannten Kriterien erfüllen im deutschsprachigen Raum vor allem das Heilfasten nach Buchinger und auch das Intervallfasten (16:8-Prinzip). Basenfasten erfüllt diese Kriterien im engeren Sinne nicht, weil es hier nicht zur typischen Ketose, also zur Ketonkörperproduktion, kommt. Es sei denn, man führte es in Form von Intervallfasten durch. Trotzdem wirkt auch diese streng vegetarisch/vegan ausgerichtete Kostform stoffwechselentlastend, »ausleitend« und, wie der Name schon nahelegt, »entsäuernd«. Ähnlich sind Entlastungstage zu werten, an denen z. B. nur Gemüse, Obst oder Reis verzehrt wird. Vor allem bei gestauten Herzkranken mit Kurzatmigkeit infolge der Flüssigkeitsansammlungen im Körper können bereits ein- bis zweimal pro Woche eingelegte Entlastungstage (5:2-Prinzip) sehr hilfreich sein. Sie sehen also schon, es gibt vielfältige Möglichkeiten und Fastenformen, um die körperlichen Reparatur- und Selbstheilungskräfte anzuregen.
Entsprechende Abgrenzungen und Differenzierungen, aber auch Klarstellungen erscheinen mir wichtig, weil es mit den Begrifflichkeiten in Zusammenhang mit Fasten oft kreuz und quer durcheinandergeht, selbst im ärztlichen Bereich.
Neuerdings taucht immer öfter auch in Fachkreisen der Begriff »modifiziertes Fasten« auf. Genau definiert ist der Begriff bislang nicht wirklich. In der Praxis ist damit gemeint: Dem üblichen Heilfasten (mit Gemüsebrühe, Gemüsesaft, ggf. verdünntem Obstsaft und Kräutertee) werden zusätzliche Kalorien hinzugefügt, um es weniger »streng« durchzuführen. Dies können Getreideschleime, z. B. Haferschleim oder Leinsamenschleim, sein. Dadurch steigt die Kalorienzahl von ca. 250 kcal/Tag beim Heilfasten auf rund 500–600 kcal. Geeignet ist diese Strategie vor allem bei älteren Patienten ab 70 oder Menschen mit einem eher niedrigen Body-Mass-Index (BMI), bei denen dennoch eine Fastenindikation besteht, z. B. bei entzündlich rheumatischen Erkrankungen. Bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen kommt dem Leinsamenschleim ein eigener entzündungswidriger und schleimhautberuhigender Effekt bezüglich der Darmschleimhaut zu.
Derartig modifiziertes Fasten kann auch ein sinnvoller Weg zur Stärkung des Immunsystems sein. Bekannt ist, dass regelmäßiges Fasten offenbar die Neigung für bakterielle Infekte reduziert. Ob es solchen positiven Effekt auch bei viralen Infekten gibt, was derzeit im Zusammenhang mit der Covid-19-Erkrankung interessant sein könnte, ist noch nicht geklärt. Einerseits stimuliert Fasten die gewünschte Autophagie, zudem wichtige Signalmoleküle wie Sirtuine, andererseits werden »natürliche Killerzellen« aus dem System der weißen Blutkörperchen gehemmt. Ihre Verminderung im Zusammenhang mit Virusinfekten wird als weniger wünschenswert angesehen. Gehemmt werden auch Leptine, das sind natürliche Appetitzügler. Deshalb hat die Ärztegesellschaft für Heilfasten und Ernährung (ÄGHE) Mitte 2020 nur eine zurückhaltende Empfehlung im Zusammenhang mit viralen Infekten ausgesprochen. Intervallfasten: ja! Kürzeres modifiziertes Heilfasten ebenfalls. Längeres Fasten, zumal bei gerade stattfindender Covid-19-Erkrankung: nein!
Eine wichtige Frage, wenn es ums Fasten geht, ist natürlich die nach dem Körpergewicht bzw. ob Fasten beim Abnehmen hilft oder ob es, im Gegenteil, nur zum Jo-Jo-Effekt führt. Dass es beim Abnehmen hilft, ist unbestritten. Und was danach passiert, hängt natürlich ganz stark davon ab, wie man sich dann ernährt.
Auf die Frage »Nehme ich nach dem Fasten umso mehr zu?« lautet meine Antwort daher: »Das kommt darauf an!« Wer nach dem Fasten weiterlebt wie bisher, seine Ernährung nicht umstellt, kurzum: den Lebensstil nicht optimiert, wird nach einiger Zeit wieder in die alten Probleme zurückfallen. In diesem Fall kann es tatsächlich zu dem von Fastenkritikern immer wieder erwähnten Jo-Jo-Effekt kommen. Ein Beispiel, wie man es nicht machen soll, gab eine schwerreiche Tochter eines um das Jahr 1970 herum in der Klatschpresse omnipräsenten griechischen Reeders. Die zu Übergewicht neigende Tochter fastete regelmäßig unter klinischen Bedingungen, fiel jedoch offenbar immer wieder in einen undisziplinierten Ernährungsstil zurück. Sie verstarb schließlich mit 38 Jahren – soviel man weiß, an Herzversagen, Arzneimittelmissbrauch und wohl auch an privatem Kummer.
Wer jedoch das Fasten als Einstieg in den Umstieg sieht, als Startpunkt für eine Neuorientierung, wird nachhaltig profitieren. Das Besondere dabei: Fasten wirkt – wie erwähnt – fachübergreifend. Genau das fehlt im modernen Gesundheitswesen, wo wir eine immer stärkere Verfächerung in Spezialdisziplinen sehen. So wünschenswert dies vor allem bei komplizierten und lebensbedrohlichen Krankheiten ist, so problematisch ist dies bei typischen Zivilisationserscheinungen, etwa der Kombination aus Übergewicht und weiteren Herzrisikofaktoren mit orthopädischen Erkrankungen und Erschöpfungssyndromen und anderen Befindlichkeitsstörungen. Durch die oft parzellierte Herangehensweise der modernen Medizin an solche Beschwerden entstehen hohe Kosten durch oft unnötige Diagnostik und mitunter vermeidbare Therapien. Fasten und Ernährungsumstellung kann dieses Manko durch seinen fachübergreifenden Ansatz in vielen Fällen ausgleichen.
Die Aussagen des Fastenpioniers Dr. Erich von Weckbecker, Gründer der gleichnamigen Klinik in Bad Brückenau, empfinde ich auch heute noch als sehr anschaulich und gut laienverständlich.
Der Fastenarzt Dr. med. Erich von Weckbecker (1920–2005) verglich die Prozesse des Fastens mit der Reinigung und Entrußung eines Ofens. Werde dieser längerfristig nicht gereinigt, verruße er immer mehr, bis die (Lebens-)Flamme schließlich ausgehe. So ähnlich sei es auch im menschlichen Organismus: Jahrelange Fehlernährung, Genussmittelkonsum und Bewegungsmangel verschlechterten den Stoffwechsel immer mehr, der Organismus »übersäuere«. Dies könne sich zunächst durch unspezifische Beschwerden wie Schwitzneigung und Schlafstörungen äußern, im Laufe der Zeit entwickelten sich aber immer mehr typische Zivilisationserkrankungen wie Herzrisikofaktoren, Arthrose und andere rheumatische Probleme, Allergien aller Art, entzündliche Erkrankungen und mehr.
Deswegen müsse man den Ofen von Zeit zu Zeit entrußen. Das Fasten sei der ideale Weg dazu. Am Beginn des Entrußens staube es erst einmal ordentlich. Diese Anfangsphase entspreche der vielzitierten Fastenkrise, während derer sich der Patient (meist nach zwei bis drei Tagen) nicht so wohl fühle, häufig mit Kopfschmerzen zu tun habe, die Gelenke spüre, eventuell verstärkte Hautreaktionen wahrnehme, aber auch eine gewisse Müdigkeit und Schwäche empfinden könne.
Wenn die Entrußung des Ofens erfolgreich abgelaufen sei, »ziehe« dieser wieder richtig und die »Lebensflamme« beginne wieder zu lodern. Mit diesen Worten beeindruckte und überzeugte Erich von Weckbecker seine Patienten über Jahrzehnte. Auch wenn diese Vergleiche aus heutiger wissenschaftlicher Sicht belächelt würden – treffend und vor allem laienverständlich sind sie allemal.
Das Klingel-Modell ist eine weitere Analogie, die von Weckbecker prägte: »Dort wo es klingelt, muss nicht der Klingelknopf sitzen.« Wie wahr. Beispiel Kopfschmerzen. Viele Betroffene sagen, dass es eine Verbindung zur Verdauung gebe. Immer dann, wenn beispielsweise Verstopfung bestehe, träten die Kopfschmerzen verstärkt auf. Die Neurologie verneint diesen Zusammenhang und teilt den Betroffenen meist mit, dass das nicht sein könne. Tatsächlich gibt es aber sowohl über den Vagusnerv eine Verbindung zwischen Verdauungstrakt und Kopf als auch über verschiedene Akupunkturmeridiane der traditionellen chinesischen Medizin (TCM). Es ist ja kein Zufall, dass sich im Kopfbereich unter anderem Dickdarm- und Dünndarm-Meridian, Magen-Meridian, Gallen-Meridian sowie als innerer Meridian der Leber-Meridian befinden. Gerade bei der Migräne lassen sich dadurch oft gute Therapieansätze finden.
Lediglich Triptane – die heute meist eingesetzten Migräne-Medikamente – einzunehmen oder Betablocker, die bei asthenischen Frauen, die oft zu niedrigem Blutdruck neigen, von vornherein ungünstig sind, ist aus ganzheitlicher Sicht wenig zielführend. Da offeriert ein fachübergreifendes Behandlungsmodell wie das Fasten ganz andere Therapieoptionen: Denn Migräne hat meistens auch einen hormonellen Background. Dafür spricht allein schon die Häufigkeit des Auftretens im Vier-Wochen-Takt bei Frauen. Projiziert sich die Migräne besonders in den Augenbereich oder hinter das Auge, ist nach traditioneller chinesischer Medizin von einer Gallenblasen-Migräne auszugehen. Kommt der Schmerz helmartig aus dem Nacken in Richtung Nasenwurzel, spricht man von einer ▶ Blasen-Migräne.
Ein anderes Beispiel: Der »Großtrommelträger« nach ▶ F.X. Mayr mit seinem »dicken Bauch«, welcher zu ausgeprägter Hohlkreuzbildung führt. Dies ist nicht primär ein Kandidat für eine orthopädische Behandlung, auch wenn er Rückenschmerzen hat. Notwendig sind Ernährungsumstellung, Fasten, Lymphbehandlung, kurzum, es geht darum, die Ursachen zu beseitigen. Der »dicke Bauch« ist meist eine Fett-Lymph-Ansammlung als Zeichen eines insgesamt überlasteten Stoffwechsels. Dazu gehört dann unter anderem eine ▶ Mitbehandlung des Lymphsystems. Daher reicht das Schlagwort »Abspecken« allein nicht aus, zumal wir Fastenärzte stets sagen: »Abspecken« ist meist nicht das Hauptziel, aber in sehr vielen Fällen ein willkommener Nebeneffekt. Wird dies berücksichtigt, hilft eine entsprechende Fastentherapie beim Großtrommelträger auch gegen die Rückenschmerzen. Die starke Krümmung im Bereich der Lendenwirbelsäule reduziert sich, Rückenmuskeln entspannen, Rückenschmerzen lassen nach, der Patient richtet sich gleichsam auf, wird größer. Dieses Beispiel zeigt einen typischen gewünschten orthopädischen Nebeneffekt bei einem Patienten, der zum Fasten in erster Linie wegen seiner Herzrisikofaktoren inkl. seines Diabetes kommen dürfte.
Hartnäckige Schulterbeschwerden oder auch Ellenbogenprobleme, z. B. Tennisellenbogen oder Golferellenbogen, werden nicht unbedingt am Ort des Geschehens ausgelöst. Gleiches gilt für das oft operierte Karpaltunnelsyndrom. Häufig spielen Veränderungen der Halswirbelsäule eine Rolle mit ausgeprägten Blockaden und muskulären Verhärtungen in der Schulter-Nacken-Zone. Intensive Physiotherapie macht in vielen Fällen Operationen überflüssig. Hartnäckige Schulterschmerzen rechts sind manchmal durch Ausstrahlungen von der Gallenblase her bedingt. Alte Ärzte wussten das. Alte Anatomie-Bücher zeigen ein sogenanntes Zange'sches Dreieck im Bereich der rechten Schulter als Schmerzprojektionsebene der Galle. Die moderne Medizin hat dies vergessen. Stützung der Gallenblase, z. B. mit pflanzlichen Mitteln wie Kurkuma, kann dann bei hartnäckigen rechtsseitigen Schulterschmerzen, die der herkömmlichen Therapie trotzen, mitunter weiterhelfen.
»Beim Auto weiß jeder Besitzer: Wenn er Benzin mit falscher Oktanzahl tankt, geht das Auto kaputt. Der Mensch glaubt jedoch, er könne alles Mögliche essen …« Auch dies eine anschauliche und erstaunliche Weckbecker'sche Analogie zur Technik. Welcher Leser hat sich das zuvor schon einmal bewusst gemacht? Tatsächlich wissen wir heute, eine Zurückhaltung bei beziehungsweise Meidung von Süßigkeiten, Süßgetränken, Fertignahrungsmitteln und rotem Fleisch bremst oder verhindert Risikofaktoren und Krankheiten, ist zudem der ursächliche Schlüssel zur Behandlung vieler Zivilisationsbeschwerden bis hinein in psychische Befindlichkeitsstörungen. Gleichzeitig sollten Gemüse aller Art, Hülsenfrüchte (in individuell bekömmlichen Maßen) und hochwertige Fette, insbesondere ein- und mehrfach ungesättigte Fettsäuren, vermehrt konsumiert werden. Im Weckbecker'schen Sinne hätten solche Speisen die richtige Oktanzahl. Allerdings ist stets auch auf Bekömmlichkeit zu achten. Vor allem bei Reizdarm-Patienten relativiert dies die Einsatzmöglichkeiten bei Rohkost. Auf die richtige Oktanzahl der Nahrung kommt es in der Tat an, ob der menschliche Organismus optimal auf Touren kommt. Eine laienverständliche Darstellung, gegen die auch ein Wissenschaftler keine fundamentalen Einwände haben dürfte, auch wenn er wieder lächeln mag …
Ein echtes »Urgestein« der Fastenwelt ist Dr. med. Otto Buchinger (1878–1966), der Begründer des Buchinger-Heilfastens. Die von ihm entwickelte Fastenmethode hat nicht nur eine körperlich-medizinische Basis, sondern auch eine spirituelle und eine mitmenschliche Dimension.
Wie Dr. Otto Buchinger zum Fasten kam
Dr. med. Françoise Wilhelmi de Toledo beschreibt in ihrem Buch »Buchinger Heilfasten: die Original-Methode« den Begründer des Buchinger Heilfastens folgendermaßen:
»Dr. Otto Buchinger, der Großvater meines Mannes, hat mich an die spirituelle Dimension des Fastens herangeführt. Seine Bücher habe ich geradezu verschlungen. Auch bei ihm, genau wie bei mir, waren es zunächst körperliche Probleme, die ihn zum Fasten brachten. Er erkrankte 1917, damals Sanitätsoffizier der Kaiserlichen Marine, an schwerem Gelenkrheuma und musste als Vollinvalide im März 1918 im Alter von 40 Jahren aus dem Dienst entlassen werden. Schwer leidend und bewegungsbehindert folgte er dem Rat eines Bekannten, eine Fastenkur bei Dr. Riedlin in Freiburg durchzuführen.
