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Gott ist Liebe – aber warum eigentlich? Weil Gott ein dreieiniger Gott ist. Warum können wir gerettet werden? Wegen des dreieinigen Gottes. Wie werden wir zu einem christlichen Leben befähigt? Durch den dreieinigen Gott. Michael Reeves eröffnet eine überraschende Perspektive auf eine zentrale Wahrheit des christlichen Glaubens. Er geht über die gewohnten Erklärungen hinaus und zeigt auf, wie der dreieinige Gott unser ganzes Leben prägt. Ein Blick auf die Dreieinigkeit vertieft unser Verständnis von Jesus, vom Gebet und von der Gemeinde. Er stärkt unseren Glauben und ermutigt uns zu einem Leben als Christen. Lass dich von Michael Reeves dazu einladen, neu über den dreieinigen Gott zu staunen. • Über 100.000 verkaufte Exemplare weltweit • Erfrischende Perspektive auf die Trinität • Praktische Impulse für dein Leben als Christ
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Seitenzahl: 207
Veröffentlichungsjahr: 2026
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Staunen über den dreieinigen Gott
Michael Reeves
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliographie; detaillierte bibliographische Daten sind im Internet über dnb.de abrufbar.
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Titel des englischen Originals
The Good God
Copyright © 2012by Michael Reeves Published by Authentic Media Limited, PO Box 6326, Bletchley, Milton Keynes, United Kingdom, MK1 9GG.
All rights reserved.
Übersetzung
Friedemann Lux
Lektorat
Katharina Töws
Umschlag
Christian Schumacher,
Karin Rekowski
Satz
Wenn nicht anders angegeben, wurde folgende Bibelübersetzung verwendet
Lutherbibel, revidiert 2017, © 2016 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart
Christian Schumacher
Druck und Bindung
Finidr, Tschechien
© 2026 Verbum Medien gGmbH
Kleines Lohfeld 6
D-32549 Bad Oeynhausen
verbum-medien.de
1. Auflage 2026
Best.-Nr. 8652 207
ISBN 978-3-98665-207-4
E-Book 978-3-98665-208-1
Hörbuch 978-3-98665-209-8
DOI 10.54291/z856538279
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Einleitung: Die Trinität – Terra incognita?
1. Was tat Gott, bevor er die Welt erschuf?
2. Die Schöpfung: Die Liebe des Vaters fließt über
3. Die Erlösung: Der Sohn schenkt uns, was sein ist
4. Das christliche Leben: Der Geist, der Schönheit schafft
5. »Wer ist dir gleich unter den Göttern, o Herr?«
Fazit: Keine andere Wahl
Bildnachweise
Endnoten
1. Was tat Gott, bevor er die Welt erschuf?
2. Die Schöpfung: Die Liebe des Vaters fließt über
3. Die Erlösung: Der Sohn schenkt uns, was sein ist
4. Das christliche Leben: Der Geist, der Schönheit schafft
5. »Wer ist dir gleich unter den Göttern, o Herr?«
Fazit: Keine andere Wahl
Meine liebe Mia, meine große Liebe zu dir ist nur ein kleiner Funke der mächtigen Flamme der Liebe, von der du in diesem Buch liest.
Möge dieses Buch dir helfen, dich über die Liebe eines Vaters zu freuen.
»Gott ist Liebe« – diese drei Wörter könnten kaum wohltuender sein. Sie kommen uns lebendig und schön vor. Sie wärmen das Herz wie ein prasselndes Kaminfeuer. Wie sieht es aber mit dem Satz aus: »Gott ist eine Dreieinigkeit«? Das klingt nicht herzerwärmend. Es klingt kalt und unpersönlich. Obwohl das nur zu verständlich ist, hat dieses Buch das Ziel, mit dieser Vorstellung aufzuräumen. Es ist zwar möglich, die Dreieinigkeit (auch Dreifaltigkeit oder Trinität genannt) als ein verstaubtes Dogma darzustellen, das keiner braucht, doch Tatsache ist: Gott ist Liebe, weil er dreieinig ist.
In diesem Buch geht es darum, wie wir in unserer Freude an Gott wachsen können, indem wir erkennen, wie sein dreieiniges Wesen alles in Schönheit und Vollkommenheit verwandelt. Dieses Buch möchte dich schmecken und sehen lassen, dass der Herr gut ist. Es will dein Herz gewinnen und deine Seele erquicken. Denn nur dann, wenn wir die Bedeutung von Gottes Dreieinigkeit begreifen, können wir seine Schönheit, seine überfließende Güte und seine das Herz rührende Freundlichkeit wirklich spüren. Wäre die Trinität etwas, das wir von Gott ablösen könnten, würden wir ihn mit diesem Ablösen nicht von einem lästigen Anhängsel befreien, sondern ihm genau das wegnehmen, was so wunderbar an ihm ist. Denn Gott ist dreieinig, und es ist diese Dreieinigkeit, die seine Schönheit ausmacht.
Du hast bis hierher gelesen und das Buch noch nicht zugeklappt? Dann darf ich dir gratulieren, denn die beliebtesten christlichen Bücher sind normalerweise Ratgeber – Bücher, die einem sagen, was man tun soll. Für den durchschnittlichen Ratgeber-Fan dürfte der Gedanke, ein Buch über die Dreieinigkeit zu lesen, ähnlich attraktiv erscheinen wie die Aufgabe, zehnmal hintereinander »Fischers Fritz fischt frische Fische, frische Fische fischt Fischers Fritz« zu sagen – Stress pur, der nichts bringt. Beim Christsein geht es jedoch nicht in erster Linie darum, seinen Lebensstil zu ändern, sondern darum, Gott zu kennen. Gott immer besser kennenzulernen und uns immer mehr an ihm zu freuen – dazu hat er uns erlöst, und das soll das Thema dieses Buches sein.
Wenn wir Gott immer besser kennenlernen, verändert das jedoch auch unser Leben, und zwar gründlich. Es ist das Wissen um die Liebe Gottes, das uns selbst befähigt zu lieben. Wenn wir merken, wie kostbar und anziehend Gott ist, verändert das unsere Präferenzen, Neigungen und Motive. Wir fangen an, Gott mehr zu wollen als alles andere in der Welt. Wenn du dieses Buch liest, ist das also nicht nur ein Training für die grauen Zellen. Wie wir noch sehen werden, verändert das dreieinige Wesen dieses Gottes alles, was wir tun – von der Art, wie wir Musik hören, bis zu der Art, wie wir beten. Es macht uns zu glücklicheren Ehepartnern, freundlicheren Nachbarn und besseren Gemeindegliedern. Es gibt uns Heilsgewissheit, fördert unsere Heiligung und verwandelt die Brille, durch die wir die Welt um uns herum betrachten. Nein, ich übertreibe nicht: Diesen Gott zu kennen, verändert unser ganzes Leben.
Wer soll das verstehen?
Dafür gibt es allerdings ein großes Hindernis: Die Dreieinigkeit wird allgemein nicht als eine Lösung und etwas Schönes angesehen, sondern als etwas Seltsames, ja ein Problem. Und die Art, wie manche Leute über sie reden, scheint das zu bestätigen. Denken wir nur an all die verzweifelten Versuche, sie mit Bildern zu erklären, bei denen man sich fragt, ob den Erfindern nichts Besseres eingefallen ist. Da erklärt uns jemand: »Die Dreieinigkeit lässt sich mit einem Ei vergleichen: Das Ei hat eine Schale, den Dotter und das Eiweiß, ist aber trotzdem ein Ei!« »Nein«, kontert darauf ein anderer, »die Dreieinigkeit ist eher wie ein Kleeblatt: ein Blatt, aber mit drei Teilen, gerade wie bei dem Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist!« Und dann wundern wir uns, wenn die Welt uns auslacht. Ganz gleich, womit wir die Trinität vergleichen – mit einer Pflanze, den Schichten im Speck, den drei Aggregatzuständen von Wasser oder einem Riesen mit drei Köpfen –, irgendwann fängt es an, albern zu klingen. Die Lehre der Dreieinigkeit erinnert an eine unansehnliche Wucherung in unserem Verständnis von Gott, die man ohne weitere Folgen entfernen kann, woraufhin alle nur erleichtert aufatmen.
Wenn die Trinität als abartige und phantastische Absonderlichkeit betrachtet wird, darf man sich natürlich nicht wundern, dass die Leute sie für irrelevant halten. Wie könnte ein als Ei vorgestellter Gott je etwas anderes sein als ein Exponat aus einem Kuriositätenkabinett? Vor so einem lächerlichen Gott werden wir nie anbetend niederfallen. Zu so einem Gott wird es uns nie hinziehen. Aber genau das ist in vielerlei Hinsicht unsere heutige Lage. Wir nicken rechtgläubig mit dem Kopf, wenn wir das Wort »Dreieinigkeit« hören, aber das Thema ist einfach zu abgehoben, als dass es etwas für unseren Alltag bedeuten könnte. Mit anderen Worten: Das Ei und all die anderen Bilder und Vergleiche sind vielleicht nicht ganz das Richtige.
Eine andere Herangehensweise lässt die Sache mit der Trinität ebenfalls als Problem erscheinen: Man beschränkt sich darauf, zu sagen, was sie nicht ist. Es heißt dann, dass der Vater nicht der Sohn ist und der Geist nicht der Vater, und dass es sich mitnichten um drei Götter handelt usw. Das ist alles wahr und richtig, aber es lässt so manchen mit dem dumpfen Gefühl zurück, zwar gerade etlichen schlimmen Irrlehren entronnen zu sein, jedoch immer noch keine Antwort darauf gefunden zu haben, wen oder was man denn nun wirklich anbeten soll.
An dieser Stelle betritt ein Wort die Bühne, das unsere Nerven beruhigt, das Wort »Geheimnis«. Es vermittelt uns das Gefühl, es sei völlig in Ordnung, wenn wir keine Ahnung davon haben, wie Gott gleichzeitig einer und drei sein kann. »Gott ist ein Mysterium«, flüstern wir im Ton frömmster Ergriffenheit, »wir können das gar nicht verstehen.« Das klingt zwar sehr ehrfürchtig, bringt uns aber auch nicht weiter. Wenn Paulus in Epheser 3 von dem »Geheimnis Christi« schreibt, dass die Heiden in die Erlösung eingeschlossen sind, ist dieses Geheimnis nichts Mysteriöses. Paulus eröffnet uns schlicht etwas, was wir bisher nicht wussten, nun aber verstehen können: Auch die Heiden gehören dazu – fertig, jetzt wissen wir es.
So ist es auch mit Gott. Gott ist geheimnisvoll, aber nicht in dem Sinne von kleinen grünen Männchen, die mitten in der Nacht nichtsahnende Bürger in ihrer fliegenden Untertasse entführen. Und erst recht nicht in dem Sinne von: »Wer kann das schon begreifen – warum sich also den Kopf zerbrechen?« Gott ist vielmehr ein Mysterium in dem Sinne, dass sein Wesen ein Geheimnis ist, auf das wir von uns aus nie gekommen wären. Dieser dreieinige Gott hat sich uns aber geoffenbart, und damit ist die Dreieinigkeit kein absurder Widerspruch, den niemand erklären kann, wie ein quadratischer Kreis (oder ein interessanter Theologe). Der dreieinige Gott hat sich geoffenbart, sodass wir die Trinität verstehen können. Das bedeutet nicht, dass wir ein vollständiges Wissen über Gott haben und ihn mit unserem kleinen Gehirn komplett erfassen könnten. Es bedeutet auch nicht, dass wir nur ein paar neue Informationen über ihn zur Kenntnis nehmen, bevor wir uns dem nächsten Thema zuwenden. Die Dreieinigkeit zu erkennen, heißt Gott zu erkennen – einen ewigen und persönlichen Gott, der unendlich schön und faszinierend ist. Die Trinität ist ein Gott, den wir erkennen und immer besser kennenlernen können.
Ich will damit sagen, dass die Trinität keine Angelegenheit für Tüftler ist. Wer sich mit ihr befasst, begibt sich nicht in unbekanntes, vermintes Gelände, auf dem sinnlose Spekulationen lauern. Wenn wir uns in die Dreieinigkeit vertiefen, tun wir vielmehr das, was David laut Psalm 27 am liebsten jeden Tag seines Lebens getan hätte: Wir schauen die Schönheit des Herrn.
Mönche, die gerade nichts anderes zu tun hatten
Es gibt jedoch ein weiteres mögliches Problem mit der Dreieinigkeit: Das Wort »Trinität« oder »Dreieinigkeit« erscheint nirgends in der Bibel. Das klingt gar nicht gut und hat zu der Legende geführt, dass die Trinität die Erfindung von ein paar Mönchen war, die hinter ihren dicken Klostermauern nichts Besseres zu tun hatten. Die Bibel kennt angeblich nur einen einfachen, kurzen und bündigen Monotheismus, aber mit einer Mischung aus Phantasie, wilder Spekulation und einer gewaltigen Prise philosophischem Hokuspokus gelang es der Kirche, dieses lehrmäßige Monsterkind namens Trinität aus der Taufe zu heben.
So verlief die Geschichte aber nicht. Der Apostel Paulus zum Beispiel hatte ganz offenbar keine Mühe mit der Aussage, dass »Jesus Christus der Herr ist, zur Ehre Gottes, des Vaters« (Phil 2,11). Es stimmt einfach nicht, dass um das Jahr 50 n. Chr. ein Nebel der Unkenntnis über dem Wesen von Vater, Sohn und Heiligem Geist hing und erst um das Jahr 500 die Sonne der Erkenntnis aufging. Und wenn spätere Theologen philosophische Begriffe benutzten (wie eben »Trinität«), die es in der Bibel nicht gibt, dann versuchten sie nicht, Gottes Selbstoffenbarung zu ergänzen, als würde die Bibel nicht ausreichen. Stattdessen versuchten sie, die Wahrheit Gottes, wie sie in der Bibel geoffenbart ist, in Worte zu fassen. Ihr Anliegen bestand hauptsächlich darin, die Botschaft der Bibel in jenen Kreisen zu vermitteln, in denen sie auf die eine oder andere Weise verzerrt wurde. Jede dieser Verzerrungen machte es erforderlich, eine neue Sprache zu finden, um sie wirksam zu widerlegen.
Ich möchte in diesem Buch aufzeigen, dass die Dreieinigkeit durch und durch eine biblische Realität ist, und ich möchte, dass dies bereits in der Anlage und Struktur dieses Buches deutlich wird. Wir werden auf den folgenden Seiten vielen klugen Köpfen begegnen, die sich Gedanken über die Trinität gemacht haben, doch nichts liegt mir ferner, als den Eindruck zu erwecken, dass sie in der religiösen Entwicklung »weiter« waren als die Bibel. Sie waren nichts als Verkündiger des in der Bibel geoffenbarten dreieinigen Gottes.
Biblisch – wirklich?
Nach diesen Worten kann ich förmlich hören, wie meine muslimischen Leser ausrufen: »Was steht denn in 5. Mose 6,4?« »Höre, Israel, der Herr ist unser Gott, der Herr ist einer.« Also doch einer, und nicht drei! Diese Stelle will jedoch nicht sagen, dass der Herr, unser Gott, eine mathematische Singularität ist. Es geht in diesem Kapitel der Bibel vielmehr darum, dass Gott die eine Liebe des Volkes Gottes sein soll. Er ist der Einzige, der diese Liebe wert ist. Die Israeliten sollen ihn von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all ihrer Kraft lieben (vgl. 5 Mose 6,5). Das hebräische Wort für »einer« in 5. Mose 6,4 will ohnehin nicht recht zur Idee der mathematischen Singularität passen. Es wird zum Beispiel auch in 1. Mose 2,24 verwendet, wo es heißt, dass Adam und Eva – also zwei Personen – »ein Fleisch« sind.
Wir werden uns viele ähnliche Bibelverse anschauen, und ich glaube, sie werden uns zeigen: Je mehr wir uns in die Schriften der Bibel vertiefen, desto mehr erkennen wir, dass der Gott, von dem sie reden, wirklich ein dreieiniger Gott ist.
Was das Christentum christlich macht
Wie wichtig ist denn nun die Dreieinigkeit? Ist sie der Karamellpudding des Glaubens (ein leckerer Nachtisch, aber eigentlich entbehrlich), oder ist sie das Hauptgericht? Schnall dich an und höre die Donnerworte des Athanasischen Glaubensbekenntnisses aus dem 5. oder 6. Jahrhundert, das folgendermaßen beginnt:
»Wer auch immer gerettet sein will, der muß vor allem den rechten christlichen Glauben festhalten: Wer diesen nicht unversehrt und unverletzt bewahrt, der wird zweifellos auf ewig zugrunde gehen. Der rechte christliche Glaube aber besteht darin, daß wir den einen Gott in der Dreifaltigkeit und die Dreifaltigkeit in der Einheit verehren.«1
Für uns heute klingen diese Worte überspannt, ja fast schon hysterisch. An die Trinität glauben oder »auf ewig zugrunde gehen«? Das geht doch ein bisschen zu weit! Wir sind ja gern bereit, die Dreieinigkeit in unsere Liste der Dinge aufzunehmen, die man als Christ zu glauben hat, aber dass unsere Erlösung von der Lehre der Trinität abhängen soll, das ist doch wohl etwas überspannt, oder? Wie kann etwas so Abgehobenes nötig für unsere Rettung sein, und das auch noch »vor allem«?
Die kompromisslosen Worte des Athanasischen Bekenntnisses zwingen uns jedoch, uns zu fragen, was denn das Wesentliche am christlichen Glauben ist. Was ist denn für uns der Glaubensinhalt, der vor allen anderen kommt? Die Erlösung aus Gnade? Christi Versöhnungswerk am Kreuz? Seine leibliche Auferstehung? Dies sind zweifellos alles Dinge, die in die Kategorie dessen gehören,»was am wichtigsten ist« (1 Kor 15,3 NLB) – so wichtig, dass man sie nicht aufgeben kann, ohne das Wesen und das Frohmachende der Frohen Botschaft zu verlieren. Aber sie kommen nicht »vor allem anderen«. Allein für sich genommen, sind sie nicht das, was das christliche Evangelium christlich macht. Ein Zeuge Jehovas kann durchaus an den Opfertod Jesu glauben, ein Mormone an seine Auferstehung und wieder andere an die Erlösung allein aus Gnade. Gut, die Parallelen sind manchmal nur oberflächlich, aber die bloße Tatsache, dass bestimmte christliche Glaubensinhalte auch in anderen Religionen vorkommen, zeigt doch: Diese Glaubensinhalte können nicht das Fundament sein, auf dem das christliche Evangelium ruht, nicht die Wahrheit, die »vor allem anderen« kommt.
Protestantische Buddhisten
Abb. 1: Franz Xavier
(1506–1552)
Franz Xavier (eigentlich: Francisco de Jassu y Javier) war ein katholischer Asien-Missionar. Als er im Jahr 1549 nach Japan kam, lernte er dort eine Richtung des Buddhismus kennen (den Jodo-Shinshu), die für ihn nach »der lutherischen Häresie« stank. Wie Martin Luther glaubten diese Buddhisten an die Erlösung allein durchGnade und ohne menschliche Werke. Der schlichte Glaube an Amida (den japanischen Buddha), und nicht an sich selbst, genügte, um die Wiedergeburt und den Einzug in das Land der Reinheit zu erlangen. Wenn wir Amida anrufen, werden seine Werke zu unseren Werken – trotz all unserer Fehler und Schwächen.
Die »Erlösung« im Amida-Buddhismus war natürlich nicht dasselbe wie die christliche Erlösung. Es ging nicht darum, Amida immer besser kennenzulernen oder von ihm erkannt zu werden, sondern um innere Erleuchtung und die Erlangung des Nirwana. Und dennoch war es eine Erlösung, die auf den Tugenden und Leistungen eines anderen beruhte und die man sich allein durch Glauben zu eigen machte.
Wir brauchen uns von solchen Parallelen allerdings nicht verunsichern zu lassen. Hier hat niemand das spezifisch Christliche am Christentum »gestohlen«. Denn das, was den christlichen Glauben von allen anderen Religionen unterscheidet, ist die Identität unseres Gottes. Was für einen Gott wir anbeten – das ist der Glaubensinhalt, der vor allen anderen Glaubensinhalten kommt. Das Fundament unseres Glaubens ist nicht weniger als Gott selbst, und jeder Aspekt des Evangeliums (Schöpfung, Offenbarung, Erlösung) ist nur »christlich«, wenn er die Schöpfung, die Offenbarung und das Erlösungswerk dieses Gottes ist – des dreieinigen Gottes. Ich kann an den Tod eines Mannes namens Jesus glauben, an seine leibhaftige Auferstehung, ja sogar an die Erlösung allein aus Gnade – doch wenn ich nicht an diesen Gott glaube, bin ich schlicht und ergreifend kein Christ. Der christliche Gott ist dreieinig, und daher ist die Dreieinigkeit das Herz all dessen, was Christen glauben, die Wahrheit, von der alle anderen Wahrheiten ihre Gestalt und Schönheit erhalten. Die Trinität steuert unser gesamtes christliches Denken.
Reicht es nicht auch, wenn man einfach »Gott« sagt?
Merkwürdig, aber wahr: Wer oder was Gott ist, setzen wir meist als bekannt voraus und denken nicht weiter darüber nach. Vor allem im nachchristlichen Westen scheint man sich seit Jahrhunderten über die Identität Gottes einig zu sein. Da fragt ein Christ einen Nichtchristen, ob er »an Gott glaubt« – gerade so, als sei der Begriff »Gott« selbsterklärend und als würden wir alle an dasselbe Wesen denken, wenn wir ihn verwenden.
Die Versuchung, sich Gott nach unseren eigenen Erwartungen und Annahmen zurechtzubiegen, ist jedoch nicht totzukriegen und in der gesamten abendländischen Geschichte sichtbar: Im Mittelalter war es selbstverständlich, sich Gott als eine Art Feudalherrn vorzustellen. Die ersten Missionare, die zu den Wikingern gingen, stellten Christus als eine Art himmlischen Krieger dar, der seine Axt schwingt wie Odin, nur besser. Und so ging das weiter. Das Problem ist nur, dass der dreieinige Gott nicht in das Prokrustesbett2 eines anderen Gottes hineinpasst. Wer versucht, einfach »Gott« zu sagen, ohne zu definieren, wer oder was »Gott« ist, landet schnell bei einem anderen Gott.
Ironischerweise ist das oft der Grund, warum wir uns mit der Trinität schwertun. Anstatt ganz vorn anzufangen und zu sehen, dass der dreieinige Gott etwas radikal anderes ist als alle anderen »Gott«-Kandidaten, versuchen wir es umgekehrt: Wir passen den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist irgendwie an das an, was wir immer schon über Gott gedacht haben. Heutzutage ist es – jedenfalls im ehemaligen christlichen Abendland – eine ausgemachte Sache, dass der Begriff »Gott« sich auf eine Person bezieht und nicht auf drei. Wenn wir also mit der Dreieinigkeit konfrontiert werden, kommen wir uns wie jemand vor, der in sein Verständnis von Gott auf einmal zwei zusätzliche Personen hineinzwängen muss, was gelinde gesagt ziemlich schwierig ist. Schwierige Dinge lassen wir aber gern außen vor und so wird die Trinität zum lästigen Anhang.
Wir sind so daran gewöhnt, uns Gott nach unseren eigenen Vorstellungen zurechtzubiegen, dass uns der bloße Gedanke, Gott könnte nicht so sein, wie wir das erwarten, zuwider ist. Gott hat gefälligst einfacher zu sein – ein Ein-Personen-Gott eben. Könnte es sein, dass die Trinität uns nicht aus mathematischen Gründen so suspekt ist, sondern vielmehr, weil sie uns einen Gott zumutet, den wir nicht erwartet hatten?
Wir sind nicht nur schnell dabei, den lebendigen Gott durch »Götter« zu ersetzen, die wir uns selbst ausgedacht haben. Die Welt ist bereits vollgestopft mit allen möglichen, oft sehr unterschiedlichen Kandidaten für »Gott«. Manche sind gut, manche nicht. Die einen sind persönlich, die anderen nicht. Einige sind allmächtig, andere nicht. Wir sehen dies in der Bibel, in der sich der Herr (der Gott Israels) und Baal, Dagon, Moloch oder Artemis grundsätzlich voneinander unterscheiden. Oder schauen wir uns nur an, wie explizit und scharf der Koran Allah von dem Gott trennt, den Jesus uns beschrieben hat:
»Saget nicht: ›Drei.‹ Lasset ab – ist besser für Euch. Allah ist nur ein Einiger Gott. Fern ist es von Seiner Heiligkeit, dass Er einen Sohn haben sollte.«3
»Sprich: ›Er ist Allah, der Einzige; Allah, der Unabhängige und von allen Angeflehte. Er zeugt nicht und ward nicht gezeugt; und keiner ist Ihm gleich.‹«4
Allah ist also ein Ein-Person-Gott. In keiner Weise ist er ein Vater (»Er zeugt nicht«), und in keinem Sinne hat er einen Sohn (»und ward nicht gezeugt«). Er ist eine Person, nicht drei. Das aber bedeutet, dass Allah ein völlig anderes Wesen ist als der Gott der Vater, Sohn und Heiliger Geist ist. Und dabei geht es nicht bloß um einen zahlenmäßigen Unterschied. Vielmehr existiert und handelt Allah auf eine fundamental andere Art als der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.
Angesichts dieser Situation wäre es der pure Wahnsinn, davon auszugehen, dass allgemein bekannt ist, wer oder was Gott ist. Wenn nicht klar definiert ist, welcher Gott Gott ist, welchen Gott wollen wir dann anbeten oder anderen Menschen zur Anbetung empfehlen? Im Hinblick auf all die unterschiedlichen Vorstellungen, die Menschen von »Gott« haben, funktioniert es schlicht nicht, allgemein und undefiniert von »Gott« zu reden. Wo landen wir, wenn wir es trotzdem tun? Wir müssen uns dann mit einem allgemeinen Monotheismus begnügen und über Gott mit Worten reden, die so vage sind, dass sie genauso gut auf Allah wie auf die Trinität passen. Dadurch werden wir uns an fundamentalen und befreiend anderen Aspekten des christlichen Glaubens nicht freuen können, geschweige denn, dass wir anderen davon erzählen könnten.
Überrascht von Freude
Die Sache könnte nicht ironischer sein: Was wir für eine verstaubte Nebensache hielten, entpuppt sich als die Quelle von allem, was am Christentum gut ist. Der dreieinige Gott ist weder ein Problem noch ein technisches Detail. Er ist die Atemluft des Lebens und der Freude des Christen. Und so hoffe und bete ich, dass dir die Erkenntnis des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes neues Leben geben wird.
Der dunkle und der helle Weg
Wenn wir über Gott nachdenken, können wir das auf zwei unterschiedliche Arten tun. Die erste ähnelt einer Wanderung auf dem rutschigen Fußpfad entlang einer Steilküste (in einer stürmischen und mondlosen Nacht – während eines Erdbebens!). Es ist der Versuch, Gott mit unseren eigenen grauen Zellen zu erfassen. Wir schauen uns die Welt an und spüren, dass alles einen Ursprung haben muss. Irgendjemand oder irgendetwas muss dahinterstecken, und diesen Jemand nennen wir »Gott«. Folglich ist Gott der, der alles andere ins Sein gerufen hat, aber selbst durch nichts verursacht ist. Er ist der unbewegte Beweger. Das ist sein Wesen. Gott ist im Wesentlichen der Schöpfer und große Bestimmer.
Das klingt zwar alles vernünftig und richtig, doch wenn dies unser grundlegendes Gottesbild ist, dann ist der Boden, auf dem unser christlicher Glaube ruht, vermintes Gelände. Denn wenn Gott in erster Linie der Schöpfer und der Herrscher ist,»braucht« er eine Schöpfung, um der sein zu können, der er ist. All seiner kosmischen Macht zum Trotz entpuppt sich dieser Gott als jämmerlich schwach: Er braucht uns – obwohl wir angesichts all dessen, was er ist, wahrscheinlich kein Mitleid mit ihm haben sollten. Der Schweizer Theologe Karl Barth hat es nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs auf den Punkt gebracht:
»Sie erinnern sich wohl, wie Hitler, wenn er von Gott zu sprechen pflegte, ihn den ›Allmächtigen‹ nannte. Aber nicht der ›Allmächtige‹ ist Gott, nicht von einem höchsten Inbegriff von Macht aus ist zu verstehen, wer Gott ist. Und wer den ›Allmächtigen‹ Gott nennt, der redet in der furchtbarsten Weise an Gott vorbei. Denn der ›Allmächtige‹ ist böse, wie ›Macht an sich‹ böse ist. Der ›Allmächtige‹, das ist das Chaos, das Übel, das ist der Teufel. Man könnte gerade den Teufel nicht besser bezeichnen und definieren, als indem man diese Vorstellung eines in sich begründeten, freien, souveränen Könnens zu denken versucht.«5
Karl Barth wollte Gottes Allmacht absolut nicht leugnen, doch er wollte ebenso sehr deutlich machen, dass das Wesen Gottes nicht aus bloßer Macht besteht.
Das Problem geht jedoch noch weiter. Wenn Gottes Identität darin besteht, dass er der große Boss ist – was für eine Erlösung kann er uns dann anbieten (falls er überhaupt bereit ist, uns zu erlösen)? Welche Erlösung kann Gott uns schenken, wenn er derjenige ist, der die Regeln macht, und wir die Regeln brechen? Die einzige Erlösung, die er uns gewähren kann, besteht darin, »Schwamm drüber« zu sagen und uns so zu behandeln, als hätten wir die Regeln eingehalten.
