Feenwinter - Tanja Bern - E-Book

Feenwinter E-Book

Tanja Bern

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Beschreibung

Tanja Bern unterhält die Freunde des kleinen, fantastischen Lesegenusses in "Feenwinter und andere fantastische Geschichten" mit folgenden Kurzgeschichten: Des Teufels Haus Kupferhaars Drache Portal der Hoffnung Der See der Nymphen Feenwinter Der graue Drache

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Veröffentlichungsjahr: 2022

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Table of Contents

Title Page

Impressum

KUPFERHAARS DRACHE

DES TEUFELS HAUS

PORTAL DER HOFFNUNG

DER SEE DER NYMPHEN

FEENWINTER

DER GRAUE DRACHE

Die Autorin

 

Tanja Bern

 

 

 

FEENWINTER

 

und andere fantastische Geschichten

 

 

 

 

 

 

 

 

Ashera Verlag

Die Handlung und alle handelnden Personen sind frei erfunden. Jegliche Ähnlichkeit mit lebenden oder realen Personen wären rein zufällig.

 

 

 

 

 

 

Copyright © 2022 dieser Ausgabe by Ashera Verlag

Ashera Verlag GbR

Hauptstr. 9

55592 Desloch

[email protected]

www.ashera-verlag.de

Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck oder andere Verwertungen – auch auszugsweise – nur mit Genehmigung des Verlags.

Covergrafik: Pixabay

Szenentrenner: Pixabay

Redaktion: Alisha Bionda

Lektorat & Satz: TTT

Vermittelt über die Agentur Ashera

(www.agentur-ashera.net)

 

 

Kupferhaars Drache

Das Brüllen hallte durch das Tal. Verzweiflung überspülte die Wälder und Hügel von Drahgor. Claire blickte erschrocken auf. Für einen Augenblick war sie wie gelähmt. Der Wind trug Wortfetzen zu ihr hinüber und sie konnte kaum glauben, was die Luft ihr zuflüsterte.

Claire ließ den Korb mit den gesammelten Beeren fallen, lief den Hang hinauf. Sie verbarg sich hinter einigen Sträuchern und schaute bestürzt auf das Geschehen.

Sechs Männer umringten einen Drachen. Sein schlanker Körper überragte die Menschen bei Weitem, trotzdem hatten sie das Tier in ihren Fängen. Netze waren über ihn geworfen, Speere steckten in seinem Leib und sie prügelten auf ihn ein. Claire schlug vor Schreck die Hand vor das Gesicht. Wie konnten sie diesem wertvollen Tier das antun? Drachen waren heilig! Sie erkannte mit Bitterkeit, dass sie ihre Ansichten nur mit wenigen Menschen teilte.

Der Drache gab auf. Der Glanz seiner bernsteinfarbenen Schuppen erstarb und er ließ erschöpft den Kopf sinken.

Hass loderte in Claire auf, denn die Männer lachten und piesackten das Tier, das sich ihnen längst ergeben hatte. Sie jagten den Drachen vor sich her. Dieser konnte sich durch die engmaschigen Netze kaum bewegen und stolperte die Wiese entlang. Ein leiser Laut des Schmerzes drang aus seinem Maul, dann ergab er sich endgültig in sein Schicksal. Hilflos musste Claire mit ansehen, wie die Männer den Drachen fortbrachten. Wo würden sie das Tier hinbringen? Claire ahnte es. Nur einer konnte so grausam sein: Lord Fahlorn. Aber was wollte er mit einem Drachen?

Das Mädchen musste sichergehen und lief zum Kampfplatz hinunter. Schimmerndes Blut war in dem Gras zu sehen. Die Männer trieben den Drachen wirklich Richtung Burg Fahlorn.

Ein leiser Laut erklang aus einem Gestrüpp – wie das ängstliche Miauen einer Katze. Claire hielt inne.

Was war das?

Wieder drang der gedämpfte Ton aus den Gebüschen. Vorsichtig näherte sich Claire und traute ihren Augen kaum. Zwei leuchtende Augen blickten sie voller Angst an. Der Körper schien wie getarnt in dem Grün der Sträucher.

»Oh nein!«, hauchte sie, fiel auf die Knie und streckte die Hand aus. »Komm her, Kleines.«

Das Tier wich zurück, doch Claire war geduldig. Fast eine halbe Stunde verharrte sie still und sprach mit ihm. Endlich kam es aus seinem Versteck. Es war ein Drachenjunges.

Die Schuppen des Kleinen waren braunschwarz gefleckt und matt, damit es in seinen Schlupfwinkeln wie unsichtbar blieb. Claire sah, dass es noch sehr jung sein musste, auch wenn es schon die Größe eines Schäferhundes besaß.

»Oh gütige Mutter, was mache ich nur mit dir?«, flüsterte sie.

Wieder gab es diesen kläglichen Laut von sich, der Claire zu Tränen rührte. Kurzerhand nahm sie das Jungtier auf den Arm und ächzte aufgrund des Gewichtes. Der kleine Drache schmiegte sich an sie, als würde er genau spüren, dass Claire ihm helfen wollte. Seinen Korb ließ das Mädchen zurück, es würde sich später darum kümmern.

So schnell sie konnte, lief Claire zurück nach Hause. Das kleine Gehöft war bald in Sicht, weil sie sich nicht weit entfernt hatte. Sie wunderte sich, dass ein Drache so nah ans Dorf gekommen war. Denn auch wenn sie abseits wohnten, so konnte man von hier die ersten Giebeldächer von Asliaf sehen. Claire näherte sich dem Haus und durchquerte den Garten, der überwuchert mit Kräutern und blühenden Wildblumen war. Der Geruch nach frischem Holz überlagerte den Duft des Grüns. Ihre Mutter schien Holz gehackt zu haben.

Claire stieß mit dem Fuß die Tür auf. »Mutter?«

Lucille kam aus der Küche in die Wohnstube. Ihr Haar war ein wenig aus dem Knoten gerutscht und ringelte sich wie zierliche schwarze Schlangen um ihr Gesicht. Sie trocknete sich die Hände an der Schürze ab und wollte etwas erwidern, als sie ihre Tochter genauer ansah. Für einen Augenblick wirkte sie völlig verblüfft.

»Gütige Mutter!«, entfuhr es ihr dann. Claire schmerzte mittlerweile der Arm und sie setzte das Drachenjunge auf den Boden. Sorgfältig schloss sie die Tür. Das Kleine schmiegte sich Schutz suchend an ihr Bein. »Man hat seine Mutter eingefangen!«

»Woher weißt du das, Claire?!«

»Weil ich’s gesehen habe!«

»Was ist passiert, Mädchen?« Lucille beugte sich herunter und streckte dem Drachen die Hand hin. Zaghaft schnupperte er daran.

Claire erzählte ausführlich von dem, was sie gesehen hatte. Sie konnte ihren Zorn darüber kaum zügeln. Ihre Mutter hörte es sich schweigend an und schüttelte den Kopf. »Dann beginnt es wieder«, sagte sie. Kummer zeichnete sich auf ihren schönen Gesichtszügen ab.

Claire verstand nicht. »Es … beginnt wieder? Mutter, was meinst du damit?«

Lucille schüttelte den Kopf. »Es ist vielleicht besser, wenn du es nicht weißt.«

Claire presste die Lippen aufeinander. Sie kannte ihre Mutter. Das war ihr letztes Wort.

»Hol Milch von den Ziegen. Es ist schwach, aber vielleicht können wir das Kleine am Leben erhalten.«

Claire gehorchte, war froh, dass ihre Mutter bereit war, zu helfen und lief um den Hof herum, stieß das Gatter der Ziegen auf. Sie gurrte ihnen beruhigende Worte zu und die Tiere begrüßten Claire freudig. Rasch kniete sie sich hin, stellte einen Eimer unter eines der Muttertiere und molk etwas Milch ab. Danach erhob sich Claire wieder und fuhr der Ziege durch das Fell. »Danke, Irra. Die gütige Mutter wird es dir vergelten.«

Lucille hatte bereits die alte Behelfsflasche hervorgeholt, die sie für die kleine Marri gebraucht hatten. Die Mutterziege war bei der Geburt gestorben und sie hatten das Kleine mühsam von Hand aufgezogen. Jetzt kam ihnen die Milchflasche zugute, obwohl sie ein wenig zu klein war. Claire schüttete die Milch vorsichtig um. Das Drachenjunge quäkte kläglich.

»Ist ja gut«, sagte Lucille mit gedämpfter Stimme. »Wir helfen dir ja.«

Claire sah zu, wie ihre Mutter das Tier gekonnt dazu brachte, aus der Flasche zu trinken. Sie senkte den Kopf und dachte an das Drachenweibchen. Es war so unglaublich schön und edel, aber auch wild gewesen! Was wollte Fahlorn nur mit ihr?

»Mama?«

»Hm?«

»Ich gehe auf die Burg.«

Lucille blickte auf. »Was glaubst du, dort erreichen zu können?«

Claire schöpfte nach Atem. »Ich schleuse mich ein und vielleicht … vielleicht kann ich den Drachen befreien!«

»Das sind Mädchenträume! Halte dich fern von Fahlorn!«

Claire nickte betrübt. Sie wusste, dass sie sich ihrer Mutter widersetzen würde.

 

Spät in der Nacht, als Lucille fest in ihren Träumen versunken war, schlich sich Claire aus dem Haus. Der Jungdrache lag einsam und zusammengerollt in der Nähe des Feuers und gab leise Klagelaute von sich. »Ich bringe dir deine Mutter zurück!«, wisperte Claire und huschte aus dem Haus.

Es war kalt draußen. Die Dunkelheit griff mit klammen Fingern nach ihr und schien sie verschlingen zu wollen. Claire ließ sich trotzdem nicht abhalten, ging durch den Garten und schaute auf das Sternenmeer, das sich wie ein funkelnder Teppich über ihr ausbreitete. In der Ferne sah sie vereinzelte Lichter aufleuchten. Nicht alle in Asliaf schliefen. Sie wusste, dass das Leben in den Wirts- und Hurenhäusern erst in der Nacht erwachte und ihr den Weg zeigen würde. Claire ging auf die Schutzpalisade zu und der Wächter blickte sie verwundert an.

»Was läufst’n mitten in der Nacht hier herum?«, fragte er sie. »Ich bin auf der Suche nach Arbeit. Darf ich passieren?«

Der Mann näherte sich und Claire sah ängstlich in seine scharfen Vogelaugen. »Bist ein bisschen jung, oder?«

»Ich bin fast zwanzig Sommer.«

Der Wächter brummte einige Worte und winkte sie durch. Die Häuserreihen ragten wie Riesen vor ihr auf. Sie nannten es Dorf, doch für Claire war Asliaf schon fast eine kleine Stadt. Die Häuser hier waren zweistöckig und schmiegten sich eng zusammen. Eine breite Straße, die tagsüber hauptsächlich von Fuhrwerken benutzt wurde, verlief quer hindurch, direkt zur Burg. Überall zweigten enge Gassen ab, in die Claire kaum hineinsehen konnte. Sie hüllte sich in ihren Mantel, zog die Kapuze über und machte sich rasch auf zur Burg.

---ENDE DER LESEPROBE---