Fettnäpfchenführer Südafrika - Marc Herbrechter - E-Book

Fettnäpfchenführer Südafrika E-Book

Marc Herbrechter

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Beschreibung

In Südafrika erwarten einen viele Überraschungen und Missverständnisse. Von der Frage nach der Sprache bis zu unerklärlichen Blicken der Polizisten – jedes Fettnäpfchen birgt eine neue Entdeckung. Der abenteuerliche Trip führt durch Kapstadt, die Karoo und Johannesburg und lässt einen die vielfältigen Kulturen und Eigenheiten des Landes auf humorvolle Weise erleben.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 307

Veröffentlichungsjahr: 2025

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FettNäpfchenFührerSüdafrika

Marc Herbrechter

Der unterhaltsame Reiseknigge

Impressum

© 2026 Bruckmann Verlag GmbH

Infanteriestraße 11a

80797 München

Alle Rechte vorbehalten.

ISBN: 978–3-7343–3274–6

eISBN: 978–3-7343–3510–5

Autor: Marc Herbrechter

Verantwortlich: Susanne Kaufmann

Lektorat: Charlotte von Schelling

Korrektorat: Viola Siegemund

Umschlaggestaltung: derUHLIG Büro für Gestaltung unter Verwendung von Motiven von adobestock (Freisteller und Illustration), Vyacheslav Kolb/creativemarket (Hintergrundmotiv)

Satz: Röser MEDIA, Karlsruhe

Druck und Verarbeitung: Printed in Slovenia by Florjancic

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Kein Teil dieses Buches darf in irgendeiner Weise zum Zweck des Trainings künstlicher Intelligenztechnologien oder -systeme verwendet oder reproduziert werden.

Inhalt

Vorwort

Die Protagonisten

1

Die Anreise

Max fliegt nach Südafrika

2

Gewaltige Eindrücke

Max taucht in Kapstadt ein

3

Telefonstreich

Wenn das Telefon die Urlaubskasse leer frisst

4

Eiswasser

Max geht baden

5

Zeitformen

Max lernt, im Moment zu leben

6

Roboter

Auf der Suche nach R2-D2

7

Schande

Ausdrucksweisen zum Schämen

8

Kinders

Writings on the ground

9

Barbecue

Max wird peinlich angegrillt

10

Road To The Wild

Max auf Irrwegen

11

Wilde Tiere

Nicht erschrecken …

12

Hoch Zu Ross

Wer hoch steigt, kann tief fallen

13

Self-Service

Max macht es sich (nicht) selbst

14

Apartheid

Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft?

15

Pünktlichkeit

Kulturell korrekt warten

16

Regenbögen

Südafrika ist bunt

17

Eis Im Rotwein

Wenn Italiener und Südafrikaner sich einig sind

18

Kapitalanlage

Max bei den Immobilienmogulen

19

Trip Zum Kap

Paviane sind keine netten Kumpel

20

Kuchen

Wenn die Torte anders schmeckt als erwartet

21

Politik

Upside Down

Sensible Themen im globalen Süden

22

Insiderkenntnisse

Breathe in, check out

23

Bleifuss

Rasen wie daheim

24

Naturnah

Schlaflose Nächte wegen der Dschungel-Disco

25

Sternenhimmel

Ein Nachthimmel wie im Bilderbuch

26

Gifttiere

Von Schlangen und Spinnen

27

Pferdegespann

Alternative Fortbewegungsmittel

28

Parkwächter

Unsung heroes

29

Eiskalte Nacht

Wenn nicht nur warme Gedanken fehlen

30

Stromausfall

Mit Ansage ohne Saft

31

Mellow Yellow

Angewohnheiten zum Abgewöhnen

32

Das

Date

Sechstausend gute Gründe, zu tindern

33

Schaufenster

Ungewollte Werbung für ungebetene Selbstbedienung

34

Smileys

Und

Walkie Talkies

Lokale Köstlichkeiten für Hartgesottene

35

Gogo-Girls

Wenn die Großmutter tanzt

36

Abreise

Unangenehm (un)pünktlich

10 Dinge, Mit Denen Man Sich In Südafrika Auf Jeden Fall Blamiert

Vorwort

Südafrika ist ein beliebtes und immer beliebter werdendes Reiseziel für Urlauber aus dem deutschsprachigen Raum. Das liegt sicher nicht zuletzt daran, dass sich das Land in der gleichen Zeitzone befindet, man also auf Jetlag verzichten kann. Außerdem bietet es eine tolle Kombination aus Gewohntem, Neuen, Anderem und Fremdem.

Die Geschichte des Landes war lange geprägt von Ungleichheit und Armut, drehte sich aber in den vergangenen Jahrzehnten um 180 Grad und führte zu relativem Wohlstand (teils Reichtum) und multikultureller Vielfalt. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde Südafrika Teil des British Empire, Ende der 1940er-Jahre begann die Apartheid, die sich bis in die 1970er-Jahre fest etablierte. Erst in den 1980ern formte sich Widerstand. Mitte der 1990er-Jahre gab es die ersten freien Wahlen, Nelson Mandela wurde Präsident und die Apartheid endete (zumindest auf dem Papier). Als erstes afrikanisches Land richtete Südafrika 2010 die Fußball-Weltmeisterschaft aus und das Land erschien für viele Europäer das erste Mal auf der mentalen Landkarte. Seitdem setzt es seinen touristischen Höhenflug ungebremst fort.

Was macht Südafrika aus, was fasziniert an diesem Fleckchen Erde und welche kulturellen Unterschiede ergeben sich auf etwas über 12 000 Kilometer Distanz? Damit könnte man ein Buch füllen, und das ist meine Intention an dieser Stelle. Außerdem sollen die Leserinnen und Leser gut unterhalten werden. Das merke ich an dieser Stelle an, weil ich Sie vor allem zum Schmunzeln bringen möchte.

Ich möchte kurz auf die Struktur des Buches eingehen: Jedes Kapitel besitzt einen Story-Teil, einen Erklärungsteil und am Ende einen Ratgeberteil. In manchen Kapiteln läuft alles glatt und gar nichts schief, und ich will Sie nur mit einem lustigen Sachverhalt oder Fakt vertraut machen. In anderen tritt Max, der Protagonist, jemandem auf den Schlips, und in diesem Fall gebe ich im folgenden Absatz eine Empfehlung, wie Sie dies vermeiden können.

Ich hoffe, ich bin Ihnen bisher noch nicht auf den Schlips getreten und muss Ihnen hier deshalb noch keine Empfehlung geben, wie Sie sich besser anstellen können als ich!

In manchen der folgenden Kapitel werde ich das jedoch tun, und zwar, wie eigentlich das gesamte Buch über, immer mit einem Augenzwinkern. Denn die Südafrikaner sind an Touristen gewöhnt und sehr tolerant. Bis auf wenige Ausnahmen erwarten Sie keine Strafen, wenn Sie in ein Fettnäpfchen treten. Machen Sie sich also nicht zu viele Gedanken. Auch nach der Lektüre dieses Buches sollten Sie sich vor Ort lieber auf die wunderschöne Natur und die Menschen konzentrieren anstatt darauf, was alles schieflaufen könnte.

Weil ich nicht weiß, wie viel von diesem Buch Sie lesen werden und ob Sie es vielleicht schon nach diesem Vorwort in den Schrank stellen, möchte ich gerne eines loswerden. Wenn Sie nur einen Tipp aus diesem Buch mitnehmen, dann bitte den folgenden: Südafrika ist eines der schönsten und unberührtesten Länder auf diesem Planeten, und viele von diesen kleinen Naturwundern haben wir leider nicht mehr. Auch wenn es einem nicht so vorkommen mag, wenn man touristische Orte anschaut: Große Teile Südafrikas sind wild und ursprünglich, naturbelassen und unerschlossen.

Seien Sie also bitte ein verantwortungsvoller Besucher und machen Sie sich insbesondere mit der fragilen Natur Südafrikas vertraut. Halten Sie sich an Absperrungen, fahren Sie nicht abseits markierter Wege, benutzen Sie Toiletten statt Vorgärten (das ist leider kein Witz) und versuchen Sie die Orte, die Sie besuchen, genauso oder besser zu hinterlassen, wie Sie sie vorgefunden haben.

Wenn Sie das alles berücksichtigen, wird Ihnen das Land am Südzipfel des afrikanischen Kontinents definitiv das ins Gesicht zaubern, was ich hoffentlich mit diesem Buch zu Ihnen bringen kann: ein Lächeln!

An dieser Stelle möge noch ein Hinweis zum Thema Gendern erlaubt sein: Zur besseren Lesbarkeit verzichten wir auf formelle Arten zu gendern, es sind aber immer und ausnahmslos alle Geschlechter gemeint und angesprochen. Wir stolpern gemeinsam von Fettnäpfchen zu Fettnäpfchen!

Die Protagonisten

Max, unser Haupt-Protagonist, lebt in Berlin, ist Ende dreißig, und nachdem er bereits in Island in jedes zur Verfügung stehende Fettnäpfchen getreten ist, begibt er sich nun auf die Reise ans andere Ende der Welt und verbringt einige Monate in Südafrika. Max’ Alltag besteht zumeist aus seiner Arbeit als IT-Berater, aus dem er manchmal für einige Monate ausbricht, um seinen beiden größten Hobbys Reisen und Tauchen nachzugehen. Nachdem er in Island bereits eine Ausbildung zum Tauchlehrer absolviert hat, möchte er seine Fähigkeiten nun im südlichen Afrika erweitern.

Er hat bereits Kontakt zu Theo und Rudi aufgenommen, zwei Besitzer von Tauchläden in Kapstadt, und ein Zimmer für die ersten Nächte im beliebten Stadtteil Sea Point gebucht. Theo ist Südafrikaner, betreibt einen Tauchladen mitten in der Stadt und Rudi ist aus Zimbabwe nach Südafrika gekommen, um sich hier eine neue Existenz aufzubauen.

Die ersten Tage wird Max in einer WG mit Rachael verbringen, einer Britin, die es durch ihre Arbeit als Model nach Kapstadt verschlug. Eine feste Wohnung möchte er vor Ort suchen, dazu hat er bereits ein paar Anbieter kontaktiert, unter anderem Elize.

Elize ist Südafrikanerin und lebt mit ihrem Mann Ivan sowie einigen Vierbeinern etwas nördlich von Kapstadt. Während Ivan sich als Tierarzt um seine und andere Tiere kümmert, sorgt sich Elize als Architektin bei der Gemeinde um Gebäude, Straßen, Parks und alles rund um die Stadtplanung.

Aus dem beruflichen Kontext kennt er außerdem Nils, einen Deutschen, der schon vor Jahren nach Kapstadt auswanderte und dort ein eigenes Unternehmen leitet.

Während er in Südafrika Urlaub macht, kommt Andrea ihn besuchen. Die beiden kennen sich seit einiger Zeit und sind gute Freunde. Zusammen bereisen sie das Land von Johannesburg aus in Richtung Küste und folgen der berühmten Garden Route zurück nach Kapstadt.

Im Laufe der Zeit baut sich Max einen kleinen lokalen Bekannten- und Freundeskreis auf, trifft allerlei interessante Menschen und lernt die südafrikanische Kultur auf seine Art kennen: Indem er mit Anlauf in Fettnäpfchen tritt!

1Die Anreise

Max fliegt nach Südafrika

Frankfurt am Main, der erste herbstliche Tag des Jahres

Max sitzt am Gate und wartet auf den Abflug. Er ist ein bisschen außer Atem, denn die Anreise zum Flughafen hatte es in sich:

Vor der großen Reise wollte Max noch ein paar Tage in seiner Heimat im Westerwald verbringen, auch um von Frankfurt aus direkt nach Kapstadt fliegen zu können. Sein guter Freund Peter sollte ihn zum Bahnhof in Montabaur bringen, von wo aus es nur wenige Stopps bis zum Frankfurter Flughafen sind. Doch in dem Moment, als Max die Treppe zum Gleis hinaufging, vibrierte sein Handy und zeitgleich ertönte eine Durchsage: »Der nächste Zug nach Frankfurt sowie alle folgenden fallen heute aus.« Keine Erklärung, keine Alternative. Max rief Peter an, erklärte seine Situation und wenige Minuten später waren beide auf dem Weg zum Flughafen.

Als Max am Schalter sein Gepäck aufgeben wollte, sagte die Airline-Mitarbeiterin nach einiger Tipperei freundlich: »Das macht dann 479 Euro, bitte!« Max schaute sie verdutzt an und erwiderte, er habe den Flug bereits online bezahlt. »Das sehe ich, aber für das Extragepäck müssen Sie hier zahlen!« Nach einigem Hin und Her stellte sich heraus, dass die Tauchgepäcktasche von Max gemeint war, für die er ebenfalls bereits bei der Buchung bezahlt hatte. Diese hätte er aber beim Sperrgepäck abgeben müssen. Nachdem er nun den zweiten Schreckmoment der Reise innerhalb weniger Stunden einstecken musste, fragte er sich, was wohl noch alles auf ihn zukommen würde. Immerhin konnten die Übergepäckbuchung korrigiert und die Bordkarte ausgedruckt werden. »Bon voyage, der Herr!«

Endlich startet das Boarding. Auf dem Weg in den Flieger sieht Max den beginnenden Sonnenuntergang und freut sich auf die vor ihm liegende Zeit in Kapstadt, auf die Tauchgänge im Atlantik, Wanderungen rund um den Tafelberg, neue Leute und vielleicht sogar eine kleine Reise durch Südafrika. Er hat einen guten Sitzplatz bekommen, einen Fensterplatz an der rechten Seite des Fliegers. Neben ihm sitzt ein etwa gleich altes Ehepaar, das seine Flitterwochen in Südafrika verbringen wird. Etwa zwölf Stunden wird der Flug dauern, ein perfekter Übernachtflug mit Ankunft am Morgen. Kaum hebt der Flieger ab, startet Max einen Film und stellt eine seiner Superkräfte zur Schau: immer und überall schlafen zu können.

Als er die Augen öffnet, ist ein Flugbegleiter über ihn gebeugt und öffnet das Fenster neben ihm. Max blinzelt durch seine verschlafenen Augen und sieht Wolken sowie erste zarte Sonnenstrahlen. Neben ihm türmen sich Kissen, Decken, volle Papiertüten, der Sitz zwischen ihm und der Frau, die gestern noch direkt bei ihm saß und jetzt weiß wie Schnee ist, ist leer. »Was ist denn hier passiert!?«, fragt Max und richtet sich etwas auf. Ein Blick entlang des Gangs und durch den Flieger offenbart ein Schlachtfeld. Der Mann, der gestern noch am Gang saß, kehrt auf seinen Platz zurück und erzählt von Turbulenzen und dass er nie wieder in ein Flugzeug steigen werde. In seinem Gesicht ist eine interessante Form von Ernsthaftigkeit zu erkennen, in dem seiner Ehefrau Ratlosigkeit. »Mmmhm, na, das ist ja was!«, entgegnet Max. »… und haben die Flugbegleiter was bezüglich Frühstück gesagt?«

Gerade als Max, als einziger, sein Rührei verschlingt, nimmt das Flugzeug eine letzte Rechtskurve, von seinem Sitz aus kann Max jetzt sowohl die Küste als auch die Stadt und den angrenzenden Tafelberg sehen. Alles ist in ein wunderbares Rot-Orange getaucht, dazu ein wolkenfreier Himmel – wunderschön.

Am Flughafen in Kapstadt geht alles erstaunlich schnell, sein Gepäck hat Max in wenigen Minuten abgeholt, die Einreise ist ohne Visum möglich und entsprechend zügig sind die Formalitäten erledigt. Als Erstes kauft Max sich eine lokale SIM-Karte, damit kostet mobiles Internet etwa so viel wie zu Hause und er spart sich teure Roaming-Gebühren. Danach bestellt er ein Uber und macht sich auf den Weg zum pick-up point in der Tiefgarage neben dem Flughafen.

Das Erste, was Max beim Verlassen des Terminals sieht: Die Haltebucht an der Straße ist gefüllt mit teuren Autos. Nicht teuer im Sinne von »Mittelklasse«, sondern teuer wie Ferrari, Porsche und Lamborghini. Max bleibt kurz stehen und wundert sich. Auf dem Weg zur Tiefgarage ändert sich an diesem Bild nicht viel, die meisten Autos hier würde man in Deutschland in dieser Anzahl nur am Nürburgring sehen. Sein Uber ist ein Toyota, hat kaum genug Platz für seine zwei großen Koffer, aber einen freundlichen Fahrer: Tato.

Auf dem Weg in die Stadt fragt Max Tato zu allem möglichen aus: Wetter, Sehenswürdigkeiten, Tipps zum Einkaufen. Nach ein paar Minuten Fahrt verändert sich die Umgebung. »Oh, wir müssen einen kleinen Umweg fahren, die Hauptstraße wird hier repariert«, sagt Tato, und Max beginnt sich unwohl zu fühlen. Sie fahren an Wellblechhütten vorbei, überall liegt Müll herum, Hunde streunen durch die unbefestigten Straßen und hie und da liegen Menschen schlafend am Wegesrand. Max lässt sich nichts anmerken, fragt sich aber, worauf er sich da eingelassen hat.

Wenige Minuten später sind sie wieder auf der Hauptstraße, die Szenerie ändert sich kurz zu einem Industriegebiet und dann kommen sie im Stadtteil Sea Point an, wo Max für die ersten paar Nächte unterkommen wird. Die Autos werden wieder teurer, die Gebäude sehen besser aus und hie und da wirkt die Gegend wie ein Luxusviertel. Tato hält an einem großen Haus, vor dem mehrere Luxuskarossen parken. »Da sind wir!«, ruft er und steigt aus, um Max mit seinem Gepäck zu helfen. Ob das mal kein Missverständnis ist, fragt sich Max …

Was ist hier schiefgelaufen?

Als Kind der 1980er- und 1990er-Jahre ist Max mit einem bestimmten Bild von Afrika aufgewachsen: Armut, Hunger und Krieg. Wer an Afrika denkt, denkt an Kinder mit Hungerbäuchen, an Lehmhütten und Buschleute. Auch wenn man natürlich weiß, dass es in den zahlreichen Ländern des afrikanischen Kontinents selbstverständlich auch moderne Städte mit moderner Infrastruktur gibt, kann insbesondere Kapstadt ein kleiner Schock für diejenigen sein, die sich vorher nicht informiert haben. Denn Kapstadt ist quasi das Monaco von Afrika: Wer es auf dem Kontinent zu Wohlstand und Reichtum bringt, zieht üblicherweise hierher. Doch nicht nur Afrikaner werden von diesem wunderschönen Fleckchen Erde angezogen: Wohlhabende aus aller Welt haben hier Ferienhäuser, Zweitwohnsitze, kommen mit ihrem Boot her oder sind regelmäßig einfach zu Besuch. Das merkt man nicht nur an teuren Autos oder luxuriösen Wohnungen in den beliebten Stadtgebieten wie Sea Point oder Camps Bay, sondern auch an den Preisen in Cafés und Restaurants. Was dem Europäer günstig vorkommt, ist für einen normalen Südafrikaner exorbitant teuer.

Auf dem Weg vom Flughafen in die Stadt hat Max einen kleinen Abstecher auf die andere Seite gemacht: Die Fahrt durch eines der townships zwischen dem Flughafen und der Innenstadt zeigt die Verhältnisse, die für weite Teile der Bevölkerung Alltag sind und im schönen Kapstadt schnell vergessen werden: Armut, Bildungsferne und Gewalt sind hier an der Tagesordnung. Cafés findet man in townships nicht, dafür Drogen und Waffen.

In Kapstadt sind Reichtum und Armut so nah beieinander wie an nur sehr wenigen Orten auf der Welt. In einigen der folgenden Kapitel werden wir auf dieses Thema immer wieder stoßen, denn es ist vielschichtig und kompliziert, hat mit der Geschichte des Landes und aktuellen Entwicklungen zu tun.

Was können Sie besser machen?

Bitte genießen Sie Ihre Zeit in Kapstadt und lassen Sie sich auf gar keinen Fall Ihren Urlaub vermiesen! Es hilft aber, sich ab und zu bewusst zu machen, wie privilegiert man ist und das korrekt in jeweilige Kontexte einfließen zu lassen.

Beschäftigen Sie sich gerne ein wenig mit der Geschichte des Landes sowie der Stadt und auch mit den aktuellen politischen Entwicklungen. Wer das nicht will, kann um diese Themen auch einen Bogen machen, niemand wird Sie zwingen. Andererseits ist es schwierig, die Stadt, das Land und die Menschen wirklich zu verstehen, ohne sich damit zu beschäftigen, was historisch dorthin führte, wo wir heute in Südafrika sind.

Neben der berühmten Gefängnisinsel Robben Island bieten sich hierfür auch das District Six Museum und viele weitere ähnliche Orte an.

Bus, Taxi, Uber Oder Mietwagen

Für die Anreise bleibt eigentlich nur das Flugzeug und für den road trip entlang der Küste mehr oder weniger nur Mietwagen oder Campervan. Doch einmal in den Ballungsgebieten angekommen, hat man die Qual der Wahl: vom Bus über Minitaxis, normale Taxis oder Uber bis hin zum Mietwagen – man kann in Städten wie Johannesburg und Kapstadt verschiedene Verkehrsmittel nutzen.

Ein Mietwagen lohnt sich immer dann, wenn Sie möglichst flexibel sein wollen und auch größere Strecken fahren. In Kapstadt zum Beispiel bietet sich dies an, um einen Ausflug zum Kap der Guten Hoffnung zu machen, den Chapman’s Peak Drive zu befahren oder auch einfach innerhalb der Stadt mobil zu sein. Das ist oft die günstigste Option, da Mietwagen relativ preiswert sind.

Wer nicht selbst fahren möchte, kann auf Taxis oder Uber zurückgreifen. Vor allem bei Uber hat man ein komfortables Nutzungserlebnis und relativ hohe Sicherheit. Bei Taxis sollten Sie ein wenig vorsichtig sein: Informieren Sie sich vorher über den Preis und achten Sie auf ein laufendes Taxameter. Wenn Sie mehr als drei Fahrten pro Tag machen, lohnt sich in der Regel bereits ein Mietwagen.

Wer noch günstig und umweltbewusst reisen möchte, kann vor allem in Kapstadt den MyCiti-Bus nutzen (siehe Kapitel 3). Die Strecken und Haltestationen sind gut für Touristen geeignet und die Busse sind sauber und sicher. Sie benötigen eine Karte für den Bus, die Sie mit Guthaben aufladen müssen.

Für Profi-Vagabunden und Abenteuerlustige gibt es dann noch die Minitaxis. Das sind meist weiße Kleinbusse, in denen Platz für vier bis acht Menschen ist. Die Routen sind zwar festgelegt, aber nicht in Stein gemeißelt: Mal kommt man genau da an wo man hinwill, manchmal muss man noch ein paar Meter laufen. Manchmal hat man seine Ruhe, manchmal ist der Bus eine rollende Disco.

2Gewaltige Eindrücke

Max taucht in Kapstadt ein

Kapstadt am Morgen eines Frühsommertages

Max zieht seine zwei großen Reisekoffer auf dem Weg zum Eisentor der Wohnanlage hinter sich her, nachdem er seinem Fahrer Tato einen schönen Tag gewünscht hat. Das Gebäude liegt direkt an der Hauptstraße, beherbergt schätzungsweise sieben bis acht Wohnungen und ist von einem hohen weißen Eisenzaun umgeben. An verschiedenen Ecken gibt es Sicherheitskameras und in der Lobby sitzt ein Sicherheitsdienst-Mitarbeiter. Max klingelt und wird sofort hereingelassen.

»Ich möchte gerne zu Rachael«, sagt er dem Mann hinter dem Tresen. So hatte Rachael es ihm gesagt, als er das Zimmer in ihrer WG gebucht hatte. »Ah yes, you know where she lives?«, fragt der Mann freundlich und öffnet mit einer Fernbedienung den Aufzug. »I do!«, bestätigt Max und macht sich auf den Weg in die dritte Etage. Der Aufzug öffnet sich und Max blickt direkt auf eine geöffnete Wohnungstür, in der eine große Frau in Trainingsklamotten steht und ihn anlächelt: »Max! So nice to see you, how was your flight?«

Max freut sich, Rachael zu sehen, und dass alles so gut geklappt hat. Nach einer festen Umarmung zeigt sie ihm die Wohnung. Diese ist richtig groß, mit einem riesigen Wohnzimmer, Balkon, drei geräumigen Schlafzimmern sowie einem Bad. Die Küche ist recht klein, aber gut ausgestattet. Rachael wohnt hier mit Hermán, einem Spanier, der aber derzeit nicht in Kapstadt ist, und vermietet das dritte Zimmer an Urlauber. Sie arbeitet als Model und kommt ursprünglich aus England, wohnt aber seit ein paar Jahren in Südafrika. Die Model- und Werbebranche in Kapstadt ist groß. Wer einmal hier war, wird die Kulisse danach regelmäßig in Werbefotos wiedererkennen!

Rachael und Max setzen sich in die Küche, wo sie sich gerade ihr Frühstück angerichtet hat. Sie bietet ihm etwas an, aber Max lehnt dankend ab, er hat ja schon im Flieger gegessen. Einen Kaffee lässt er sich aber gerne einschenken. Auf den Sicherheitsdienst und die Kameras angesprochen, erklärt Rachael, dass so was hier ganz normal sei. »Ist die Gegend denn gefährlich? Sieht überhaupt nicht so aus«, fragt Max überrascht. »In Kapstadt bist du nirgends sicher!«, sagt Rachael, gefolgt von einem lauten Lachen. Die Unterhaltung verläuft sich etwas, sie sprechen über Themen wie Sehenswürdigkeiten, gute Cafés und Restaurants sowie den Weg von der Wohnung zum Tauchladen.

Während Rachael die Küche aufräumt und ihre Wäsche macht, packt Max seinen Koffer aus und macht es sich in seinem Zimmer gemütlich. Ein großes Bett steht schräg gegenüber einem Fenster, von dem aus man einen guten Blick aufs Meer hat. Max hatte sich die Wohnung aus genau diesem Grund ausgesucht und eine WG gewählt, um direkt mit Leuten vor Ort in Kontakt zu kommen. Nachdem er sich mit dem WLAN verbunden hat, schreibt er ein paar Leuten, dass er gut angekommen ist und schickt erste Fotos. Alles ist etwas langsamer, als er es von zu Hause gewohnt ist.

Nach einer Weile begibt er sich ins Wohnzimmer zu Rachael, wo die beiden etwas fernsehen, wobei Max die meiste Zeit aus dem Fenster in Richtung Meer blickt. Die Sonne scheint, das Wasser ist still und nur wenige kleine Wellen brechen beim Heranrollen.

Irgendwann kommt das Gespräch zurück auf das Thema Sicherheit, was in Deutschland ein riesiges Reizthema war. Kapstadt sei eine sehr gefährliche Stadt, haben alle gesagt. Rachael stimmt zu: »Mother City hat eine der höchsten Mordraten der Welt!«, sagt sie. Eine Information, die neu für Max ist. Mit weit aufgerissenen Augen schaut er auf den Fernseher, in dem irgendeine Verkaufsshow für Küchenutensilien läuft. Rachael ist mehr mit ihrem Handy als mit dem Fernseher beschäftigt.

»Mother City?«, fragt Max. »Andere Bezeichnung für Kapstadt«, entgegnet Rachael kurz. »Aber hier in Sea Point ist es doch safe, oder?«, fragt Max vorsichtig. Rachael schmunzelt: »Ja ja, schon! Hermán wurde dieses Jahr nur dreimal ausgeraubt!« Max erinnert sich an die Konversation während der Buchung, in der Rachael erwähnte, Hermán sei nur drei bis vier Monate im Jahr hier. »Also in Long Street. Ich glaube aber, sonst tatsächlich gar nicht!«, beendet Rachael ihren Gedankengang. Eigentlich wollte Max heute ein bisschen in der Gegend spazieren gehen und sich umschauen, doch nun hat er ein mulmiges Gefühl. »Ich lege mich mal ein bisschen hin, bin doch etwas müde vom Flug!«, flunkert er und verzieht sich in sein Zimmer.

Am Abend klopft es an seiner Zimmertür: »Wir ziehen ein wenig um die Häuser, Richtung Long Street. Magst du mit?« Max öffnet die Tür und sieht seine neue Mitbewohnerin panisch an: »Bist du wahnsinnig? Hast du nicht eben noch erzählt, dass man da regelmäßig ausgeraubt wird!?« Rachael erwidert ein fragendes »Hä?«.

Was ist hier schiefgelaufen?

Zum einen hat Rachael nur die halbe Wahrheit erzählt und zum anderen hat Max noch nicht aus der ersten Lektion gelernt: Kapstadt ist nicht so einfach zu verstehen!

Rachael hatte nicht erwähnt, dass ihr partywütiger Mitbewohner nicht nur unregelmäßig in Kapstadt ist, sondern auch meist völlig planlos. Hermán ist ein echter Lebemann und lässt es sich in Kapstadt richtig gut gehen. Die Partymeile Long Street ist sein zweites Zuhause und er genießt wilde Nächte mit den vorwiegend touristischen Partyleuten dort. Das endet nicht selten in einem »Nach-Hause-Torkeln«, wobei er eine leichte Beute für Taschendiebe wird.

Nun gibt es zwar deutlich mehr solcher Taschendiebe in Downtown Kapstadt als in einer deutschen Großstadt, aber die Gefahr, ausgeraubt zu werden, lässt sich sehr einfach deutlich minimieren. Wer zu später Stunde nach Hause möchte, vielleicht etwas getrunken hat oder müde ist, ist gut beraten, ein Taxi oder Uber zu nutzen. Taschendiebe erkennen leichte Beute sofort und haben dann nicht nur leichtes Spiel, sondern sind auch extrem geschickt.

Was können Sie besser machen?

Auch wenn die Statistiken zeigen, dass in Kapstadt viel Kriminalität herrscht, sollten Sie sich davon nicht den Urlaub vermiesen lassen, denn es ist relativ einfach, das Risiko deutlich zu senken.

Fahren Sie nach Sonnenuntergang Taxi oder Uber. Zwar sind viele Teile der Stadt auch nicht gefährlich, wenn es dunkel wird, doch sicher ist sicher.

Verstauen Sie Wertgegenstände im Rucksack. Gelegenheit macht Diebe, und wer eine teure Kamera, eine wertvolle Uhr oder ein schickes Smartphone in der Öffentlichkeit »präsentiert«, zieht auf jeden Fall Blicke auf sich. Das kann man einfach vermeiden.

Seien Sie wachsam: Seien Sie sich nicht zu schade, auch mal einen Schritt weg zu gehen, wenn Sie denken, dass jemand in Ihrer Nähe nicht das Beste im Sinn hat. Wenn Sie ein ungutes Gefühl haben, entziehen Sie sich der Situation. Achten Sie einfach immer ein bisschen auf Ihre Umgebung.

Schaffen Sie Redundanz. Stellen Sie sich den Fall vor, beklaut zu werden: Ihr Portemonnaie ist weg und damit auch Ihr Personalausweis, Führerschein, Kreditkarten und Bargeld. Wenn Sie noch eine weitere Kreditkarte im Hotelsafe aufbewahren und die Hälfte Ihres Bargeldes daneben liegt, ist das Problem schon mal etwas kleiner. Wenn Sie Fotos von Ihrem Personalausweis und Führerschein gemacht haben, hilft das eventuell auch, und wenn Sie nicht mit dem Auto unterwegs sind, sollten Sie den Führerschein am besten im Koffer lassen.

Meiden Sie bestimmte Gegenden: In Kapstadt sind das die äußeren Stadtteile, und auch Stadtviertel wie Woodstock und Observatory gelten als nicht besonders sicher. Erkundigen Sie sich einfach vor Ort, die locals wissen sehr gut, welche Ecken der Stadt Sie meiden sollten.

Models & Influencer

Durch die Medien lernt man Südafrika üblicherweise aus zwei Perspektiven kennen: Vom Sitz eines Safari-Trucks aus, dann sind im Bild Löwen, Giraffen oder andere wilde Tiere zu sehen. Oder aus der Sichtweise hinter einem Smartphone, dann kann man meistens schöne Menschen an noch schöneren Stränden oder Landschaften bestaunen.

Das eine hatte Südafrika schon immer zu bieten, das andere kam über die Zeit dazu: Models, Fotografen, Agenturen und Influencer zieht es schon lange nach Südafrika, vor allem nach Kapstadt. Wer hier im Urlaub war und die Orte selbst gesehen hat, wird sie in den Monaten danach immer öfter in der Werbung wiederfinden.

Kapstadt ist wahrlich ein Mekka für die Werbebranche, vor allem in Bezug auf die Produktion von Werbefilmen und -fotos. Die tollen Landschaften, gepaart mit dem einzigartigen Licht und den geringen Kosten für Produktion und Lebenshaltung machen die Stadt zu einem perfekten Drehort. Es hilft natürlich auch, dass hier fast immer gutes Wetter ist, besonders wenn im globalen Norden gerade Winter herrscht.

So haben sich in den vergangenen Jahren viele große und auch internationale Agenturen in Kapstadt niedergelassen, zusammen mit Fotografen, Visagisten und allem, was man sonst noch so benötigt. Die Szene ist groß und man kennt sich, beliebte Spots, um sich zu treffen, sind Camps Bay und beispielsweise die Partymeile Long Street.

Zu den vielen Models gesellen sich in jüngster Zeit selbstverständlich auch die Influencer dieser Welt. Wer im Januar/Februar an den Stränden unterwegs ist, könnte schnell den Eindruck bekommen, in der Stadt finde eine Messe für Selfie-Sticks statt. An bekannten Spots wie dem »Lion’s Head« bilden sich manchmal sogar Schlangen von Hobbymodels, die im perfekten Winkel ihr einzigartiges Erinnerungsfoto für ihre Follower schießen wollen. Selbstverständlich in Kombination mit einem zusammenhanglosen Hinweis auf eine bestimmte Hautcreme, extragesunde Protein-Haferflocken oder ihr E-Book zum Thema »Warum E-Books von Influencern doof sind«!

Seien Sie aber vielleicht nicht zu kritisch, denn manchmal muss man erkennen, dass die Influencer die Spots nicht ganz umsonst aussuchen. Sie eignen sich dann doch ganz gut für die eigenen Erinnerungsfotos!

3Telefonstreich

Wenn das Telefon die Urlaubskasse leer frisst

Kapstadt, der erste Tag in Südafrika

Max blinzelt unter der Bettdecke hervor. Es ist früh am Morgen, aber schon hell draußen. Das Meer ist deutlich zu hören, Möwen kreischen und hie und da hört Max ein Auto vorbeifahren. »Das ist jetzt ›Daheim‹ für die nächsten Monate …«, denkt er sich und verkriecht sich noch einmal unter der Decke.

Eine knappe Stunde später ist Max bereit, in den Tag zu starten. Der beginnt mit einer ausgiebigen heißen Dusche. Über Nacht hat es deutlich abgekühlt, da kommt diese gerade recht. Das Frühstück lässt Max heute aus, er will sich die neue Gegend ein wenig anschauen und wird das auf dem Weg nachholen.

Seine ersten Schritte in Kapstadt führen Max zum Meer. Zwischen Rachaels Wohnung und der Promenade von Sea Point liegt nur die Beach Road – Max hat sich eine der besten Locations der Stadt sichern können. Nicht nur liegt die Wohnung nah am Meer, auch sein zukünftiger Arbeitsplatz ist nur wenige Gehminuten von hier entfernt. Weil er sich aber trotzdem nicht ausschließlich zu Fuß in der Stadt bewegen will, ist seine erste Mission heute, eine Zugangskarte für den MyCiti-Bus zu besorgen.

Max zückt also sein Handy, tippt »MyCiti Bus Karte wo kaufen« in das Suchfeld und findet heraus, dass diese Karten unter anderem bei der Supermarktgruppe Checkers verkauft werden. So ein Laden befindet sich auf der anderen Seite der Straße in Richtung Berg. Die grobe Orientierung in Kapstadt erfolgt meist anhand des Meeres oder des Berges, womit der Tafelberg gemeint ist. Dazu kommen Stadtgebiete wie das Atlantic Seaboard, wo Max sich gerade befindet, und die City Bowl, die etwas nördlich von ihm liegt und mehr oder weniger die Innenstadt ist.

Mit seinem relativ guten Englisch kommt Max in Kapstadt hervorragend zurecht – die Buskarte ist schnell gekauft sowie ein Guthaben auf diese aufgeladen. Die Karte, die wie eine Kreditkarte aussieht, kann er nun in den Bussen zum Bezahlen nutzen. Eine App gehört selbstverständlich auch dazu, außerdem sind die Stationen in der normalen Karten-App hinterlegt.

Da Max aber erst mal die direkte Umgebung erkunden will, lässt er den nächsten Bus an sich vorbeifahren und wechselt die Straßenseite. Hier reihen sich Geschäfte, Restaurants und Supermärkte aneinander. Die gesamte Straße verläuft von Norden nach Süden parallel zur Beach Road, es fühlt sich aber an, als wäre Max in einer anderen Stadt. Während auf der Beach Road viele schicke Autos unterwegs sind, Menschen in teuren Sportklamotten die Promenade rauf- und runterjoggen und man eher ein Gefühl von »Sommer, Sonne, Urlaub« spürt, fühlt es sich eine Straße weiter oben nach Alltag und Tristesse an.

Nach ein paar hundert Metern entschließt sich Max, doch in einen der Busse zu steigen und einfach mal ein bisschen herumzufahren. Die ganze Zeit überprüft er auf seiner Karten-App, wo er sich gerade befindet, dann in der MyCiti-App, wohin ihn die Linie als Nächstes bringen wird. Irgendwann kommt der Bus an der Hauptstation »Adderley« an. Von hier starten quasi alle Linien – Max entscheidet sich, mit der 109 bis nach Hout Bay zu fahren. Die Strecke sieht interessant aus und führt durch Camps Bay immer weiter nach Süden.

Im ersten Teil der Strecke geht es zurück durch Sea Point, dann heraus aus Kapstadt in Richtung Camps Bay. Der lang gezogene Strand und die gegenüberliegende Promenade mit Cafés und Shoppingmöglichkeiten machen Eindruck: Hier kann man sicher den ein oder anderen freien Tag mit Sonnenbaden verbringen. Danach geht es durch Bakoven, ein kleines Wohngebiet südlich von Camps Bay, dann am Meer entlang und einen kleinen Hügel hinauf weiter nach Süden. Die gesamte Strecke wirkt wie aus einem Werbevideo. Max macht ein Foto und Video nach dem anderen und lädt alles bei Instagram hoch.

In Hout Bay angekommen, tingelt Max ein wenig an dem kleinen Strand entlang und setzt sich in eines der Restaurants, um zu frühstücken: Die »Fruit Bowl«, die er sich bestellt hat, wirkt genauso wie aus einem Werbekatalog wie die Sicht auf den Strand, alles scheint hier social-media-optimiert zu sein. Mehr Fotos und Videos finden ihren Weg auf Max’ Account. Die bowl sah nicht nur gut aus, Max ist auch satt geworden und geschmeckt hat es auch. Nach diesem vollen Erfolg geht es also wieder zur Bushaltestelle am Parkplatz des Strandes und zurück nach Kapstadt.

Auf dem Rückweg geht Max seine mentale Einkaufsliste durch: Müsli, Haferflocken, Cola, Milch, Avocados, Toastbrot, Gummibären, Chips, Schokolade. Das Wichtigste eben.

Gerade als er an der Endhaltestelle aussteigt, vibriert sein Handy. »Sie haben Ihr persönliches Limit (100 Euro) für diesen Monat erreicht!« Max blickt schockiert auf das Gerät und wird von einer älteren Dame unsanft aus dem Weg geschoben, da er den Ausgang des Busses blockiert.

Was ist hier schiefgelaufen?

Max hätte die Nachricht ein paar Schritte weiter lesen sollen, dann hätte die alte Dame ihn nicht aus dem Weg knuffen müssen.

Abgesehen davon hat Max vergessen, dass im Ausland teilweise horrende Extragebühren für Telefonie und Datenübertragung anfallen. In Europa sind wir es mittlerweile gewohnt, dass Roaming innerhalb der EU (und vielen Ländern wie der Schweiz und Island) kostenfrei ist. Zwar muss man die Funktion einschalten, es entstehen aber meist keine Kosten.

Von Max’ letztem Urlaub war diese Funktion noch eingeschaltet, doch hier in Südafrika geht die Nutzung in dieser Form mit saftigen Gebühren einher.

Was können Sie besser machen?

Prüfen Sie bereits vorab, ob und welche Extrakosten bei der Nutzung Ihres Tarifes in Südafrika auf Sie zukommen. Schalten Sie die Roaming-Funktion dann gegebenenfalls besser ab und tun Sie, was Max direkt nach dem Landen am Flughafen hätte tun sollen: Betreten Sie einen der Mobilfunkläden und kaufen Sie eine lokale SIM-Karte.

Hier gibt es technisch ein paar Dinge zu beachten. Wenn Sie sich nicht auskennen, helfen die Mitarbeiter vor Ort gerne weiter. Manche Geräte erlauben die Nutzung von zwei Karten parallel, für manche müssen Sie Ihre Karte wechseln (Sie sind dann nicht mehr auf Ihrer üblichen Nummer erreichbar). Viele neue Geräte nutzen die eSim-Technologie, bei der gar keine Karte mehr eingelegt werden muss.

In Südafrika sind WLAN-Hotspots in Cafés, Restaurants und Unterkünften Standard, und wer im Alltag auf mobiles Internet verzichten kann und will, kann dies sicher gut bewerkstelligen.

Mobilfunk In Südafrika

Das Mobilfunknetz in Südafrika ist sehr gut ausgebaut und funktioniert mindestens genauso gut, teilweise sogar besser als in vielen Ländern Europas. Den Markt teilen sich vor allem vier Anbieter: Vodacom, MTN, Cell C und Telkom. Vodacom ist mit Abstand der größte Anbieter und tritt im Markenbild von Vodafone auf. Schon am Flughafen werden Sie an den Anbietern kaum vorbeikommen. Es empfiehlt sich auch, bereits hier Nägel mit Köpfen zu machen und eine lokale SIM-Karte zu erwerben. Die Mitarbeiter in den Shops kennen sich bestens aus, sowohl mit ihren Produkten als auch mit allen möglichen Smartphones, und helfen gerne bei der Einrichtung.

Wenn Sie in einer Gruppe reisen, bieten sich übrigens mobile WiFi-Hotspots an: Diese stellen über eine lokale SIM-Karte und WLAN allen Reisenden kostengünstiges Internet zur Verfügung. Oft kann man sie beim Mietwagen dazubuchen oder alternativ selbst erwerben.

Genau wie in Deutschland ist die Netzabdeckung außerhalb urbaner Regionen wiederum häufig Glückssache. Vor allem in Gebieten wie der Karoo und in vielen Nationalparks findet sich das ein oder andere Funkloch. Besonders beim Wandern in unbekannten Gebieten sollten Sie das berücksichtigen.

4Eiswasser

Max geht baden

Camps Bay, am Strand bei 40 Grad

Max’ erster Sonntag in Kapstadt startet langsam: Nachdem er bereits um fünf Uhr früh wach geworden ist, hat er sich trotzdem dafür entschieden, sich noch einmal unter der Bettdecke zu verkriechen. Als es dann kurz vor neun an seiner Tür klopft, erinnert er sich an die Einladung zu Frühstück und Stadtbummel mit Rachael. »Fünf Minuten«, grummelt er in Richtung Tür und wälzt sich langsam aus dem Bett. Rachael steht in dem Moment schon im Zimmer, in Laufklamotten und komplett verschwitzt, und gibt Max eine kräftige und ehrlicherweise etwas eklige Umarmung. »Iiih!«, platzt es aus Max heraus. Rachael lacht laut: »Jetzt hast du einen Grund, flott zu duschen, du faules Stück!« – »Mhmm, danke«, grummelt Max auf dem Weg zum Badezimmer.

Als er frisch geduscht mit einem Handtuch um die Hüften aus dem Bad kommt, täuscht Rachael eine weitere Umarmung an und Max rutscht fast auf dem glatten Boden aus, als er reflexartig zurückweicht. »Ih, lass das jetzt!«, ruft er und läuft wie ein Fußballspieler an ihr vorbei in sein Zimmer. Während seine Mitbewohnerin duscht, zieht Max sich an und packt ein paar Sachen in seinen Rucksack, vor allem Badehose und Handtuch, weil es später an den Strand geht. Vorher soll es zum Frühstück an die Waterfront und dann zu Bekannten in Bo Kaap gehen, und letztlich an den Strand in Camps Bay.

Als Rachael fertig geduscht aus dem Bad kommt, sitzt Max mit einer Schüssel Müsli vorm Fernseher: »Ich dachte, wir fahren frühstücken!?«, fragt Rachael überrascht, und Max antwortet mit vollem Mund nonchalant: »Ich kann locker zweimal frühstücken!« – »Beeindruckend«, raunt Rachael, verdreht die Augen und schaltet sofort zurück in den Duracell-Hase-Modus: »Los, auf geht’s! Chop chop!« Bevor Max aufstehen kann, hat sie schon ihren Autoschlüssel in der Hand und ist aus der Tür hinaus.