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Wissen ist Geld Florian Hörning ist seit sechs Jahren Finfluencer und hat über eine Million Follower. In Finance Made Simple bringt er nun die Methoden aus seinen sehr erfolgreichen Erklärvideos auf eine neue, tiefere Ebene. Schritt für Schritt geht er durch die wichtigsten Bereiche der persönlichen Finanzen, von den Grundlagen des Sparens und Budgetierens bis hin zu Themen wie Geldanlage, Vermögensaufbau und Altersvorsorge. Er zeigt, wie jeder von uns ein eigenes Finanzsystem entwickeln kann, um die Kontrolle über seine Ausgaben zu behalten und langfristig für die Zukunft vorzusorgen. Mit vielen Anekdoten, eigenen Erfahrungen und Beispielen aus dem Alltag zeigt Florian, dass Finanzen keineswegs ein trockenes oder unzugängliches Thema sein müssen. Im Gegenteil – er macht Finanzen zu einem spannenden Abenteuer, das jeder für sich selbst gestalten kann. Dabei bleibt er immer der Einfachheit und Klarheit treu, die seine Erklärvideos so erfolgreich machen. »Seine Kunst, komplexe Inhalte auf Plattformen wie Instagram und TikTok verständlich zu machen, hat ihm zu einer großen Community verholfen .« Podcast Nicht labern, MACHEN!
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Veröffentlichungsjahr: 2026
Finance Made Simple
Florian Hörning, geboren 1991, ist Gründer von finance made simple, einer Plattform für finanzielle Bildung. Mit über 13 Jahren Erfahrung in der Finanzberatung teilt er auf Instagram, TikTok, Facebook und YouTube praktische Tipps zu Themen wie Sparen, Geldanlage, finanzieller Freiheit und Altersvorsorge. Durch seine transparente und praxisorientierte Herangehensweise hat sich Florian Hörning in der Finanzwelt und bei seinen Followern einen guten Ruf erarbeitet und wird u.a. vom ZDF als Finanzspezialist zu Rate gezogen.
Finanzplanung ist keine Erfindung von sadistischen Bankern, die Spaß daran haben, andere mit Prozentsätzen und Armutsdrohungen zu foltern. Sie ist eine Brille, durch die man das Leben sinnvoll betrachten kann.Unser Umgang mit Geld reflektiert, wer wir sind. Deshalb ist das Nachdenken über die eigenen Finanzen eine besonders nützliche Strategie, um die Zukunft in die eigenen Hände zu nehmen: Zeig mir, wie du dein Geld einsetzt, und ich sage dir, wer du bist. Auch wenn Geld das Leben nicht bestimmt, setzt es beständig Leitplanken. Wer den Spieß umdreht und das Geld für sich arbeiten lässt, gewinnt an Lebensqualität, erschließt sich Möglichkeiten und sichert sich ab.Geld allein kann uns vielleicht nicht glücklich machen, aber viele Probleme lösen. Vor allem lehrt es uns wichtige Lektionen über das Leben an sich. Deshalb setzt Florian sich auch dafür ein, dass wir mehr über Geld reden – in der Gesellschaft, aber auch in der Familie. Für zu viele Deutsche ist Geld noch immer ein Tabuthema. Nicht zuletzt deshalb versäumen viele, sich über ihre finanzielle Zukunft Gedanken zu machen – und fangen viel zu spät an vorzusorgen.In diesem Buch zeigt Florian, wie der Umgang mit Geld dem Leben Struktur geben kann und dabei hilft, Ziele zu erreichen. Geld verdirbt nicht den Charakter, aber es zeigt ihn. Deshalb ist Finance Made Simple mehr als nur ein Buch über Zahlen, nämlich ein Reiseführer für die persönliche Lebensplanung.
Florian Hörning
Keine Angst vor dem eigenen Geld
Ullstein
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Titelei
Das Buch
Titelseite
Impressum
Vorwort
Vorwort: Schwarz-Rot-Geld – die German Angst vor der eigenen Kohle
1. Geld ist immer das, was die anderen haben
Du bist nicht dein Kontostand
Fünf Killermythen im Umgang mit Geld
2. Die drei Hebel zu mehr Geld im Portemonnaie
Hebel 1: Weniger Geld ausgeben
Hebel 2: Mehr Geld verdienen
Hebel 3: Mehr aus deinem Geld machen
3. Sparen ohne Verzicht
Reisen als Lebensprinzip
Richtig sparen heißt finanzielle Prioritäten setzen
Zehn Spartipps, die wirken, ohne wehzutun
4. Dein Geld sollte härter arbeiten als du
Meine erste Investition
Safety first
Das magische Dreieck der Geldanlage
Investieren ohne Stress
Dein bester Mitarbeiter
5. Darf’s ein bisschen mehr sein?
Anlegen ist eine Typfrage
Meine Anleger-Reise
Die fünf Geldtypen
Genug ist genug
6. Mein Kind soll es mal besser haben
Kleiner Beitrag, große Wirkung
Drei Wege, für dein Kind zu sparen
Finanzielle Erziehung heißt Werte statt Zahlen
Mit Kindern über Geld reden
Taschengeld als Trainingslager fürs Leben
7. Mach deine Rente sicher
Zukunft ist relativ, Rente auch
Rentensystem in der Krise
Vorsorge ohne Krise
Deine Strategie gegen Altersarmut
8. Und Dagobert hatte doch recht
Die Kunst der finanziellen Achtsamkeit
Die Illusion der Sicherheit
Lieber langsam sicher reich als schnell sicher arm
9. Dein persönlicher Finanzplan
Die Brücke in deine finanzielle Freiheit
Dein persönlicher Finanzplan
Finance is simple!
10. Nie wieder schlechtes Geldgewissen
Ein Penner im Paradies
Was finanzielle Unabhängigkeit wirklich bedeutet
Das Ende des schlechten Geldgewissens
Fragen an Flo von Finance Made Simple?
Anhang
Quellen
Social Media
Vorablesen.de
Cover
Titelseite
Inhalt
Vorwort
Geld hat mich nicht glücklich gemacht. Aber zu verstehen, wie das Geld für mich arbeiten kann, damit ich nicht mehr für das Geld arbeite, hat mein Leben verändert.
Lass uns eines gleich von vornherein klarstellen: Es geht in diesem Buch nicht um Geld, sondern um dein Leben. Geld ist kein sinnvoller Maßstab dafür, was für ein Leben du führst. Es ist ein Werkzeug. Also kann es nicht um das Geld selbst gehen – sondern einzig und allein darum, was es für dich tun kann. Diese einfache Erkenntnis klingt banal, und dennoch fehlt sie vielen. Das erklärt, warum selbst Multimillionäre oft unglücklich sterben. Es geht nie um die Kohle, sondern immer darum, was du daraus machst.
Finanzratgeber, die dir eine Universallösung andrehen möchten, sind deshalb in meinen Augen auch nicht hilfreich. Geld hat schließlich nicht für jeden Menschen dieselbe Bedeutung. Was dein Geld für dich tun kann, hängt davon ab, wer du bist. Geld ist ein Lebensgestaltungsmittel.
Das ist auch der Grund, warum ich unabhängiger Finanzberater und nebenberuflich Finfluencer geworden bin: Über Geld nachzudenken, hat mir geholfen, das Leben besser zu verstehen. Meinen Umgang mit Geld zu reflektieren, hat mich vieles gelehrt, was manche Menschen in meinem Umfeld noch als Rentner nicht verstanden haben.
Geld steuert unser Leben, es sei denn, wir lernen, die Kontrolle darüber zu übernehmen. Seit mir das bewusst ist, sehe ich klarer, wie Menschen ticken und warum ihr Leben so läuft, wie es läuft.
Viele Leute klagen über Probleme mit Geld, meistens verbergen sich dahinter aber Probleme mit dem Leben. Und über die sind wir in Deutschland nicht zu reden gewohnt. Wir kehren das Thema unter den Teppich, weil wir es als unangenehm empfinden. Diese German Angst vor dem eigenen Geld ist wie eine Schweigespirale, die verhindert, dass wir unseren Umgang damit ehrlich und offen reflektieren. Deshalb erkennen wir nicht, welche Probleme dahinterstecken und verhindern, dass wir finanziell sinnvolle Entscheidungen treffen. Mir selbst ging es ganz genauso. Doch das Nachdenken über Finanzen hat mir vor Augen geführt, welches Problem ich tatsächlich hatte. Dadurch konnte ich dieses Problem für mich lösen – und mein Problem im Umgang mit Geld gleich dazu. Diese Unterscheidung ist wichtig: Es war nicht das Geld, das meine Probleme gelöst hat – es war der bewusste Umgang damit.
Auch wenn es dramatisch klingt, meine ich das ganz ernst: Meine Finanzen in den Griff zu bekommen, hat mich zu einem besseren Menschen gemacht. Denn dieser Prozess dreht sich nie nur um Geld; er reflektiert, was uns im Leben wichtig ist. Ich führe heute nicht deshalb ein besseres Leben, weil ich jetzt mehr Geld habe als früher – sondern weil ich bewusst und sinnvoll mit dem umzugehen weiß, was ich habe. Nicht, weil es mir so wichtig ist – sondern weil es mir beigebracht hat, was mir wichtig ist und wofür ich es brauche.
Und wenn ich das geschafft habe, dann schaffst du das auch. Nicht Vermögensaufbau oder Sparen ist der eigentliche Zweck meiner Finanztipps, sondern Lebensqualität. Und Lebensqualität heißt: das Leben führen, das du verdienst. Ich will, dass auch du dein bestes Leben lebst, anstatt fürs Geld zu leben. Ich will, dass dein Geld für dich arbeitet, statt umgekehrt. Wenn dir das gelingt, bedeutet Geld auch für dich bald: Freiheit. Denn Geld ist zwar kein Lebenszweck, aber es kann uns bei der Gestaltung unseres Lebens helfen. Es kann den Wert von Leistung messen, es kann Kaufkraft speichern, und es kann in lebenswichtige und lebensverschönernde Dinge getauscht werden.
Finanzielle Unabhängigkeit beginnt mit einer Haltungsänderung: Hör auf, dem Geld hinterherzulaufen. Es wird dir nicht dienen, solange du es behandelst wie deinen Herrn und Meister. Dreh den Spieß um, und du kannst deinem Leben eine völlig neue Richtung geben. Von jetzt auf gleich geht das nicht. Aber du kannst heute die Weichen dafür stellen, dass es ab morgen immer leichter wird. Ich zeige dir die drei entscheidenden Hebel, die dafür sorgen, dass du mehr Geld im Portemonnaie hast. Sie folgen logisch aufeinander, doch dieser Erkenntnisprozess braucht Zeit. Normalerweise verkalkuliert man sich unterwegs ein paarmal und fängt von vorn an – oder gibt frustriert auf und überlässt das Geld wieder sich selbst. Aber du hast Glück, denn du hast das richtige Buch gekauft.
In diesem Buch erfährst du alles, was du wissen musst, um dich auf den Weg in die finanzielle Unabhängigkeit zu machen. Zuerst werde ich dir dabei helfen zu erkennen, welche Mythen und inneren Blockaden dich von einem besseren Umgang mit Geld abhalten. Ich werde dir zeigen, wie du Geld sparst, ohne dich einzuschränken. Und natürlich werde ich dir auch erklären, wie du dein Geld für dich zum Arbeiten bringst. Wir setzen uns damit auseinander, wie du Ziele definierst, die zu dir passen – und wie du dein Geld sinnvoll anlegst, um sie zu erreichen. Wir werden auch dafür sorgen, dass dein Geld vor bösen Überraschungen geschützt wird. Das alles fließt am Ende in einen persönlichen Finanz-Fahrplan ein, der deinen Weg in die finanzielle Unabhängigkeit weist. Dabei werden wir klären, was genau das eigentlich bedeutet.
Vor allem aber möchte ich, dass du verstehst, dass dein Umgang mit Geld reflektiert, wer du bist. Denn darin steckt der wahre Lerneffekt: Zeig mir, wie du dein Geld einsetzt, und ich sage dir, wer du bist. Ordne deine Finanzen, und du ordnest dein Leben – jetzt und in Zukunft.
Ich bin Flo, und ich rede gern über Geld. Lass mich dir meine Geschichte erzählen.
Mit 16 dachte ich, Geld sei so etwas wie ein Tauschmittel für Anerkennung: Ich kaufte mir etwas Teures und bekam dafür eine Reaktion, die mir gute Gefühle gab. Wenn ich abends mit dem Hund meiner Eltern in unserem Viertel Gassi ging, stellte ich mir oft dieselbe Frage: »Wie viel ist dein Outfit heute wert?« Und dann fing ich ernsthaft an, das durchzurechnen: Jeans – 150 Euro. Shirt – 80 Euro. Sneaker – 200 Euro. Winterjacke – 500 Euro. Heute mögen diese Zahlen schon fast normal klingen. Damals, vor fast zwanzig Jahren, waren das noch horrende Preise für die Klamotten eines Schülers. Wenn ich sie aufsummierte und feststellte, dass ich gerade tausend Euro am Körper trug, fühlte ich mich für einen Moment großartig. Teure Kleidung bedeutete für mich damals: »Ich habe einen Wert.«
In Wahrheit hatte ich keine Ahnung – am wenigsten davon, wer ich war. Was ich nämlich nicht verstand: Mit Geld kann ich zwar oberflächlich beeinflussen, was die anderen sehen, wenn sie mich anschauen – aber nicht, wer ich unter dieser Fassade bin. Mein Spiegelbild sah teuer aus, aber ein Gesicht hatte es nicht.
So schnell wie ich mir dieses erkaufte Gefühl berechnet hatte, so schnell verschwand es auch wieder. Spätestens dann, wenn ich auf mein Konto blickte und feststellen musste: Schon wieder alles weg. Für einen Teenager hatte ich mit meinem Lehrgeld ein anständiges erstes Einkommen, das im Grunde eine Art besseres Taschengeld war: Ich wohnte noch zu Hause, zahlte keine Miete und hatte außer meinem Mobilfunkvertrag kaum Fixkosten. Am Ende des Monats blieb trotzdem nichts übrig. Mein Geld verdampfte – und ich verstand nicht, warum. Das einzige Fazit, das ich daraus ziehen konnte, war: Scheinbar hatte ich wohl zu wenig Geld zur Verfügung.
Die Wahrheit ist: Der Mangel lag ganz woanders. Ich hatte für meine Verhältnisse nicht zu wenig Geld. Ich hatte zu wenig Verhältnis zu meinem Geld. Doch das wurde mir erst viel später bewusst.
Meine Ausbildung zum Elektroniker hatte ich im Alter von 16 Jahren begonnen. Ich war stolz, endlich eigene Kohle zu verdienen, denn ich wollte unabhängig sein. Doch es dauerte nicht lange, bis die Kehrseite der Unabhängigkeit an die Tür klopfte. Zum ersten Mal musste ich etwas Größeres selbst bezahlen, nämlich meinen Roller-Führerschein. Zum ersten Mal war ich gezwungen, über meinen Umgang mit Geld nachzudenken. Und eines merkte ich schnell: Die bisherige Sorglosigkeit passte nicht so recht zur Realität der finanziellen Unabhängigkeit.
Ein Roller-Führerschein kostete damals um die 600 Euro. Für einen Teenager in Ausbildung war das viel Geld. Deshalb entschied ich mich lieber für den Mofa-Führerschein, der war mit 75 Euro nämlich viel günstiger. Bald würde ich ohnehin den Autoführerschein machen, der die Fahrerlaubnis für den Roller einschloss. Warum also jetzt unnötig Geld verschwenden?
Das Problem an der Sache war nur: Ich hatte dann eben auch nur einen billigen Mofa-Roller – und keinen hochwertigen Roller wie die meisten meiner Freunde und Ausbildungskollegen. Genau genommen fuhr ich ein klappriges Modell vom Baumarkt in Grellorange, das kaum schneller war als ein Fahrrad. Dafür machte es erstaunlich viel Krach und konnte ordentlich stinken. Steilere Berge musste ich im Zickzack hinauffahren, weil der Motor der Herausforderung sonst nicht gewachsen war. Auch mein Helm war kein sportliches Designer-Teil, wie es viele meiner Freunde trugen. Stattdessen gab ich mich mit einem weißen, offenen Halbschalen-Helm zufrieden. Im Grunde sah er aus wie ein überdimensionierter Eierbecher.
Vielleicht kannst du es dir bildlich vorstellen: Während alle anderen Azubis lässig an ihre Speedfight-Roller gelehnt vor der Berufsschule auf mich warteten, eierte ich im Zickzack den Berg hinauf – und stieg unter aller Augen mit gesenktem Blick von meinem fahrenden Rasenmäher ab. Mehr als einmal wurde ich ausgelacht, und fast immer zeigte irgendjemand mit dem Finger auf mich. Ich lachte mit. Was sollte ich denn auch sonst tun. Egal war es mir nicht. Und dennoch fühlte ich mich irgendwo tief im Inneren nicht unterlegen, sondern schlauer als die anderen. Vielleicht lag es daran, dass ich eine erwachsene Wahl getroffen hatte – selbst wenn mir das nicht bewusst war.
Es war das erste Mal, dass ich spürte: Bewusste Entscheidungen im Umgang mit Geld können sich gut anfühlen, wenn man sie aus dem richtigen Blickwinkel betrachtet. Doch damals war ich noch längst nicht reif genug, um das zu verstehen.
Nach dem Abschluss meiner Ausbildung begann ich zunächst in der Nähe meines Heimatorts als Elektroniker im Bergwerk zu arbeiten. Ich erinnere mich gut an diese Phase, denn plötzlich hatte ich regelmäßig mehr Geld zur Verfügung als je zuvor. Mein Einkommen war für mein Alter damals überdurchschnittlich gut – 2.000 Euro netto mit Anfang zwanzig waren damals sehr anständig. Nach wie vor lebte ich bei meinen Eltern, hatte keine Miete zu zahlen und weiterhin kaum laufende Kosten.
Rückblickend betrachtet war ich damals bereits in der perfekten Ausgangslage, um finanziell etwas aufzubauen. Doch mein Ego war leider noch nicht so weit entwickelt wie mein Einkommen. Statt aus der intuitiven Erfahrung mit dem Roller zu lernen und mehr zu sparen, gab ich einfach mehr aus – für Dinge, die mir schon vorher nur kurzfristige Glücksgefühle beschert hatten. Mehr Designer-Klamotten, höherer Coolness-Faktor – oder etwa nicht?
Also lebte ich weiterhin von Monatsanfang bis Monatsende. Meine Markenklamotten bestellte ich oft aus den USA, weil sie in Deutschland schwer zu bekommen waren. Ich wollte genau das Shirt, das irgendjemand bei einem Fotoshooting getragen hatte; genau die Sneaker, die ein YouTuber empfohlen hatte; die Jeans, die man bei uns nicht kaufen konnte. Ich wollte dazugehören. Ich wollte zeigen, dass ich nicht mehr der Azubi mit dem langsamen Baumarkt-Roller und dem peinlichen Helm war. Ich wollte sichtbar sein. Die richtigen Markenlogos, so glaubte ich, könnten mir diese Sichtbarkeit verschaffen.
Wenn ich durch die Stadt lief, spürte ich einen kurzen Moment von Überlegenheit. Ich hatte Geld, ich hatte Stil, ich hatte es geschafft. In Wahrheit war ich einfach nur abhängig – von dem Gefühl, mit meiner Kleidung Eindruck schinden zu können. Wenn dieses Gefühl nachließ, brauchte ich das nächste Teil. Es war ein Teufelskreis, der nachhaltig nur eines verursachte, nämlich Kosten. Bei genauerer Betrachtung war ich das, was viele Menschen ihr Leben lang bleiben: abhängig vom Geld. Nur Geld, so glaubte ich, konnte mir verschaffen, was ich mir am meisten wünschte: Anerkennung. Der Konsum war nichts anderes als eine Kompensationsstrategie. Was ich für Fülle hielt, zeigte in Wirklichkeit darauf, woran es mir mangelte: Selbstwert.
Mit dieser Erfahrung bin ich nicht allein. Studiendaten bestätigen, dass insbesondere junge Menschen ihre Selbstinszenierung über Markenartikel erreichen. Je materialistischer sie eingestellt sind, desto wahrscheinlicher definieren sie sich über Kleidungsstil und Statussymbole. Wenn ich heute darauf zurückblicke, erkenne ich das Muster: Ich versuchte mithilfe von Markenkleidung, mein fehlendes Selbstwertgefühl zu kompensieren. Die teure Winterjacke für 500 Euro war kein Schutz vor Kälte – sie war mein Schutz vor dem Gefühl, nicht dazuzugehören. Die Schuhe für 200 Euro trug ich nicht, weil sie so komfortabel waren, sondern damit andere sie sehen konnten und mich als etwas Besseres wahrnahmen.
Ich erinnere mich an eine Situation, die das besonders gut zeigt: Ich hatte mir ein limitiertes Shirt aus den USA bestellt. Als es zwei Wochen später ankam, war ich stolz wie Bolle. Gleich am nächsten Tag zog ich es zu einer Schulung bei der Arbeit an. Doch kaum war ich im Betrieb, merkte ich: Keiner interessierte sich dafür, weil keiner die exotische und sündhaft teure Marke kannte. Kein Kommentar, kein Daumen hoch, nicht mal ein Blick. Ich war enttäuscht. Nicht, weil ich selbst nicht zufrieden mit dem Shirt gewesen wäre – sondern weil ich insgeheim erwartet hatte, dass es mir Bestätigung bringen würde. Als das nicht geschah, fühlte sich das Shirt plötzlich nur noch an wie ein bedrucktes Stück Stoff – und zwar ein verdammt teures.
In solchen Momenten stieg in mir für einen kurzen Moment eine Ahnung auf, dass ich mein Geld unvernünftig investierte – nämlich in Dinge, die in Wahrheit nichts in meinem Leben verbesserten. Für ein paar Stunden cooles Image nahm ich ein leeres Konto in Kauf. Doch der innere Mangel blieb. Konsum kann kurzzeitig etwas kompensieren – nur einen Mangel heilen kann er nicht. Ganz im Gegenteil: Wenn er zur Gewohnheit wird, kommt zum emotionalen Notstand auch noch ein finanzieller hinzu.
»Fake it until you make it«: Was in Karrierefragen bis zu einem gewissen Punkt funktionieren mag, geht finanziell ganz schnell nach hinten los, wenn es an Selbsterkenntnis mangelt. Heute weiß ich: Es ist nicht falsch, schöne Dinge zu mögen. Auch heute trage ich noch gern ein gutes Paar Schuhe oder ein hochwertiges Shirt. Aber ich kaufe sie nicht mehr, um jemand zu sein. Ich kaufe sie, weil sie zu dem passen, der ich inzwischen geworden bin. Und das ist ein himmelweiter Unterschied.
Aus meiner Erzählung hast du längst herausgelesen, dass mein Problem mit Geld in Wahrheit ein Problem mit mir selbst war. Das erkennt man daran, dass ich trotz der Verbesserung meiner Finanzlage immer noch in dieselben Muster verfiel: Auch als Berufsanfänger mit anständigem Gehalt kompensierte ich meinen mangelnden Selbstwert genauso mit Konsum, wie ich es zuvor als Teenager mit knappen Mitteln getan hatte. Dieses spezifische Problem teile ich mit vielen Menschen – und zwar nicht nur mit jungen Berufsanfängern, sondern auch mit so manchem Einkommensmillionär. Das liegt daran, dass man dieses Problem nicht mit Geld lösen kann – weil es kein Geldproblem ist, sondern ein persönliches Problem.
Andere Menschen haben andere Probleme als ich – und setzen ihr Geld auf andere Weise ein, um sie zu maskieren. Die Kommentare und Nachrichten Tausender Follower und die Geschichten Hunderter Beratungskundinnen bei meinem Kanal und meiner Finanzberatung Finance Made Simple haben mir das gezeigt. Doch das Prinzip ist immer dasselbe: Erkenne, was du mit deinem Geld zu kompensieren versuchst – und du verstehst, wie du damit aufhören kannst.
Damit wären wir bei der wichtigsten Lektion angelangt, die das Nachdenken über Geld mich gelehrt hat: den Zusammenhang zwischen Wert und Selbstwert.
Nachdem ich eine Weile unter Tage gearbeitet hatte, traf ich eine Entscheidung für meine Zukunft: Ich beschloss, mich zum staatlich geprüften Techniker weiterzubilden. Das bedeutete zwei Jahre Studium in Vollzeit – bei null Einkommen. Die Alternative wäre ein berufsbegleitendes Studium gewesen. Vier Jahre Arbeiten und Studieren gleichzeitig? Nein danke.
Ich möchte ehrlich sein: Damals war ich eine faule Socke. Das war vermutlich auch der Grund, warum ich nicht früher die logischen Schlussfolgerungen aus meiner Erfahrung mit dem Führerschein und anderen eigentlich lehrreichen Episoden gezogen habe. Die einzigen Prozente, die mich damals interessierten, waren die auf den Getränkeetiketten beim Feiern mit meinen Freunden am Wochenende. Auf Finanzplanung hatte ich damals genauso viel Bock wie auf Arbeit.
Geht es nicht den meisten Menschen in diesem Alter so? Wenn man die Schule hinter sich gebracht hat, will man erst mal nichts als das nötige Geld verdienen, um all die Dinge tun zu können, die man als Kind nicht tun durfte. Dafür gibt man sein Geld gern aus. Aber als Jugendlicher in den Erwachsenen investieren, der irgendwann einmal finanziell abgesichert in Rente gehen möchte? Da hätte man mich auch gleich fragen können, ob ich nicht jeden Monat Geld an einen Wildfremden am anderen Ende der Welt überweisen möchte.
Doch nun stand ich vor einer Herausforderung, bei der mir meine Faulheit einen unerwarteten Dienst erweisen sollte. Ich hatte ein Jahr Vorlauf bis zum Beginn des Techniker-Studiums. Also setzte ich mich schweren Herzens auf meinen Hintern und machte eine Rechnung auf: Wie viel Geld würde ich monatlich brauchen, um während dieser Zeit so weitermachen zu können wie bisher, ohne nebenbei arbeiten zu gehen. Die Zahl hörte sich gigantisch an: 12.000 Euro waren nötig, um diese zwei Jahre zu überbrücken: Lebensmittel, Versicherungen, Feiern, Lebenshaltung. Kein Luxus, keine Reisen – aber genug, um nicht jeden Monat von der Angst begleitet zu werden, dass es am Ende nicht reicht. Nun hatte ich den Salat. Das Merkwürdige ist nur: Mit dem Salat hatte ich auch das Rezept. Plötzlich wusste ich ganz genau, was zu tun war. Und auf einmal erschien mir mein bisheriger Umgang mit Geld überraschend verhandelbar.
Von einem Tag auf den anderen stellte ich meinen Lebenswandel komplett um. Ich kaufte keine Markenklamotten mehr. Ich fuhr nicht mehr zum Spaß shoppen. Ich plante. Ich rechnete. Ich sparte, jeden Monat über 1.000 Euro. Es mag verrückt klingen, aber es fiel mir nicht mal besonders schwer. Vom ersten Tag an war ich erstaunlich diszipliniert bei der Sache. Nicht, weil ich plötzlich erwachsen geworden wäre, sondern weil ich verdammt noch mal eine faule Socke war. Die Vorstellung, vier Jahre lang arbeiten und nebenbei studieren zu müssen, war viel schmerzhafter als der Konsumverzicht.
Das war mein erstes großes finanzielles Learning – und vielleicht die wichtigste Lektion für Anfänger beim Thema Finanzplanung: Wenn das Ziel groß genug ist, fällt Verzicht nicht schwer. Wenn die Vorstellung, das Ziel zu verfehlen, mehr wehtut als der Verzicht, fällt das Sparen viel leichter.
Ich weiß noch, welcher Stadionscheinwerfer von einem Licht mir aufging, als ich verstand, wozu Geld wirklich da ist: nicht zur Kompensation irgendwelcher Bedürfnisse, die ich nicht verstand, sondern zur Gestaltung meiner Zukunft. Allerdings will ich auch hier ehrlich sein und dir verraten: Klar wurde mir das erst viel später. Damals merkte ich nur, wie sich etwas in meiner Wahrnehmung veränderte: Plötzlich machten mich nicht mehr die Markenlogos auf meiner Kleidung happy, sondern mein Kontostand am Ende des Monats. Nicht nur stand da keine rote Null mehr, der Betrag wuchs sogar jeden Monat. Zum ersten Mal merkte ich selbst: Geiz, oder besser gesagt: Verzicht, kann irgendwie ziemlich geil sein.
Da störte es mich auch gar nicht so sehr, dass ich meine Faulheit überwinden und mein Hirn anstrengen musste. Um die 12.000 Euro zu erreichen, musste ich planen, vorausdenken, verzichten – aber nicht im Sinne von Mangel, sondern strategisch. Also begann ich, mein Konsumverhalten radikal zu verändern. Jeder Euro wurde geprüft: Muss ich das wirklich kaufen? Gibt es eine günstigere Alternative? Kann ich es später kaufen – oder auch gar nicht?
Ich erinnere mich, wie ich anfangs noch dachte: »Wie soll ich das schaffen?« Vielleicht kannst du es nachvollziehen: 1.000 Euro pro Monat zurückzulegen, ist selbst für viele Menschen mit gutem Einkommen keine Kleinigkeit. Doch je mehr ich das Ziel visualisierte, desto greifbarer wurde es. Ich druckte mir eine einfache Excel-Tabelle aus und klebte sie an die Innenseite meines Schranks. Jeden Monat trug ich den Betrag ein, den ich geschafft hatte. Dieser Zettel wurde mein emotionaler Anker. Und der kleine Psycho-Trick funktionierte. Am Ende des Monats die Summe eintragen zu können, war mehr Motivation, als jedes neue Paar Sneaker es mir je geschenkt hatte.
Lange Zeit war ich selbst überrascht, wie viel Freude ich an der Zielerreichung entwickelte. Dass ich schlicht und ergreifend stolz auf mich war, weil ich aus eigener Kraft etwas schaffte und damit meinen Selbstwert steigerte, kam mir damals zwar noch nicht in den Sinn. Doch je mehr ich auf dieses Ziel hinarbeitete, desto weniger schwer fiel mir der Verzicht. Wo ich früher Ausgaben für selbstverständlich gehalten hatte, entdeckte ich plötzlich Alternativen. Statt wie früher dreimal pro Woche auswärts zu essen, kochte ich zu Hause. Statt impulsiv Online-Bestellungen zu tätigen, schrieb ich eine Wunschliste – und strich regelmäßig Positionen wieder heraus, wenn ich nach ein paar Nächten des Darüber-Schlafens gar nicht mehr so scharf auf den Artikel war.
Ich verstand damals noch nicht, warum sich das so gut anfühlte. Heute kann ich sagen: Es lag daran, dass meine Wahrnehmung von Geld sich verändert hatte. Ich war nicht ärmer, weil ich weniger ausgab. Ich war klarer, weil ich weniger brauchte. Es war, als hätte ich meine Haltung zu Geld neu programmiert.
Natürlich gab es auch Rückschläge. Manchmal wurde eine Versicherung oder ein anderer Posten abgebucht, an den ich nicht gedacht hatte – und plötzlich geriet meine ganze Planung ins Wanken. Dasselbe kam manchmal vor, wenn etwas kaputtging, worauf ich absolut nicht verzichten wollte, mein Handy zum Beispiel. Wenn sich jemand mit mir verabreden wollte, musste ich mir auf einmal ungewohnte Fragen stellen: Kann ich mir das Essen leisten, ohne mein Sparziel für diesen Monat zu gefährden? Doch jedes Mal, wenn ich die Tabelle anschaute und sah, wie die Summe wuchs, wusste ich: Ich bin auf dem richtigen Weg.
Rückblickend war dieses Jahr die wohl prägendste Phase meiner finanziellen Entwicklung. Nicht, weil ich in diesem Jahr plötzlich reich wurde, sondern weil ich lernte, bewusst zu handeln. Obwohl ich noch nicht verstand, was das für mein weiteres Leben bedeuten würde, hatte ich zum ersten Mal nicht nur gespart, um Geld zu haben. Ich sparte, um mir etwas zu ermöglichen, das größer war als flüchtiges Konsumglück.
Heute kann ich dir auf den Punkt erklären, warum ich damals nicht nur mein Sparziel erreichte, sondern auch noch Freude am Sparen entwickelte. Zum ersten Mal machte ich die Erfahrung, dass Geld nicht einfach ein Tauschmittel zur Bedürfniserfüllung ist. Es ist viel mehr als das: Geld ist ein Prioritätenfilter für deine Lebensgestaltung.
Finanzplanung ist keine Erfindung von sadistischen Bankern, die Spaß daran haben, andere mit Prozentsätzen und Armutsdrohungen zu foltern. Sie ist eine Brille, durch die man das Leben sinnvoll betrachten kann. Vielleicht nicht die einzige, doch das Nachdenken übers eigene Geld ist eine besonders nützliche Strategie der Lebensplanung, weil man dem Thema im Alltag sowieso nicht entkommt. Der Umgang mit Geld gibt dem Leben Struktur. Man muss nur darauf achten, dass er nicht das Leben bestimmt. Meistens tut er genau das, bevor wir den Spieß umdrehen. Und das ist die eigentliche Lehre aus meiner Geschichte.
Ich wünsche dir, dass dir das durch die Lektüre dieses Buches gelingt – je früher in deinem Leben, desto besser. Denn je eher du beginnst, bewusst mit deinen Ressourcen umzugehen, desto mehr wirst du daraus machen können. Wir kommen noch dazu, was das genau bedeutet und warum es so wichtig ist. An dieser Stelle sei nur so viel vorweggenommen: Geh nicht deinem Teenager-Ich auf den Leim, das glaubt, es hätte noch unendlich viel Zeit. Das mag zwar in gewisser Weise stimmen. Aber wenn dein Teenager-Ich wüsste, wie viel finanzielle Selbstbestimmung ihm durch die Lappen geht, wenn es auch nur ein Jahr länger in der Konsumfalle steckt. Glaub mir, später würde es dir danken. Dem kurzfristigen Konsum kann ich nämlich eine weitere Erkenntnis entgegensetzen: Der bewusste Umgang mit Geld kann richtig Spaß machen, sobald man sich aus der Abhängigkeit davon befreit hat. Das, und nichts anderes, ist das Ziel von Finanzplanung auf den Punkt gebracht.
Welchen Einfluss dieser Haltungswandel vom unbewussten Konsum zur bewussten Planung auf die eigenen Möglichkeiten im Leben hat, erkannte ich bei meiner ersten Begegnung mit professioneller Finanzberatung.
Ich sehe die Szene noch vor mir, als wäre es gestern gewesen. Wir hatten einen unabhängigen Finanzberater zu Besuch, den ich bei meiner Arbeit als Elektroniker bei einer Bürorenovierung kennengelernt hatte. Bei einem Kaffee erläuterte er meinen Eltern seine Vorschläge für eine individuell angepasste Finanzplanung. Dazu gehörte auch, dass er ihre Verhältnisse und ihre bisherigen Verträge ganz genau unter die Lupe nahm.
Dass derselbe Berater mir später den Weg in die Finanzbranche weisen würde, ahnte ich damals noch nicht. Doch während ich ihm zuhörte, kam ich aus dem Staunen nicht mehr heraus. Mit offenem Mund wurde ich Zeuge, wie er meinen Eltern vorrechnete, wie viel Geld sie an diesem Punkt in ihrem Leben hätten, wenn sie viele Jahre zuvor ihr Geld investiert hätten, statt es in Lebensversicherungen zu stecken.
Damals hatte ich keine Ahnung, wie Investieren funktioniert und welche Möglichkeiten es gibt. Doch ich werde nie vergessen, wie mein Vater plötzlich innehielt und sagte: »Moment mal. Das bedeutet ja, auf diese Weise hätten wir das Haus fünf bis zehn Jahre früher abbezahlen können?« Der Berater nickte nur. Meine Mutter stand daraufhin wortlos auf und holte sich ein Glas Wasser aus der Küche. Das war die einzige Reaktion, die sie zeigte. Ich aber war fassungslos. Wie locker meine Eltern mit dieser Erkenntnis umgingen, die gerade über unserem Esstisch detoniert war wie eine Bombe, konnte ich einfach nicht fassen. Wie konnte man nur so ruhig bleiben, wenn man gerade verstanden hatte, dass man über Jahre hinweg Tausende und Abertausende von Euro verschenkt hatte?
Für mich war das ein Erweckungsmoment. Rückblickend hat er großen Einfluss darauf gehabt, warum ich heute Menschen bei ihren Finanzen berate und zusätzlich Finfluencer geworden bin. Damals am Wohnzimmertisch traf ich zwei Entscheidungen, die meine Lebensplanung maßgeblich beeinflussen sollten. Erstens: »Das darf mir nicht passieren – auf gar keinen Fall!« Zweitens: »Das muss man allen Menschen sagen, damit sie nicht den gleichen Fehler machen!« Ich schwor mir: Ich werde alles lernen, was nötig ist, um zu verstehen, wie Geld funktioniert und wie man richtig damit umgeht. Und ich werde dafür sorgen, dass andere es auch verstehen. Das war der Moment, in dem ich meine Berufung fand.
Es dauerte dann gar nicht mehr lange, bis ich nebenberuflich in die Finanzplanung einstieg. Den Anfang machte ich freiberuflich noch während der Technikerschule. Der Berater, der meine Eltern unterstützt hatte, stellte den Kontakt her. Schneller, als ich mich versah, arbeitete ich plötzlich als sogenannter freier Mitarbeiter für einen großen Finanzdienstleister in meiner Region. Du siehst: Nachdem ich erst einmal Blut geleckt hatte, brach ich sogar meinen faulen Vorsatz, neben dem Studium auf keinen Fall arbeiten zu wollen. Denn ich hatte verstanden: Mehr Geld war an diesem Punkt besser als mehr Zeit, die ich sowieso nur verfeiern oder verzocken würde. Ein weiteres Indiz dafür, dass meine Haltung zu Geld sich grundlegend verändert hatte, nachdem ich den wahren Wert von Finanzen in der Lebensplanung begriffen hatte.
Die Zeitinvestition war alles andere als gering: Neben meinem Studium und den Arbeitsstunden musste ich an den Wochenenden Schulungen besuchen und mich durch Networking-Events quälen. Der Einstieg war hart, denn die Kunden musste ich selbst gewinnen. Auch wenn es merkwürdig klingt, wenn es von einem Influencer kommt: Ich bin eigentlich eher introvertiert und kein Netzwerker-Typ. Es kostete mich einiges an Überwindung, doch ich telefonierte mich tapfer durch mein Adressbuch – inklusive all meiner alten Arbeitskollegen von unter Tage.
Dass auch in der Finanzberatung nicht alles Gold ist, was glänzt, lernte ich relativ schnell. Ein paar Monate nach meinem Einstieg bei der Finanzberatung besuchte ich das Sommerfest der Firma, in der ich früher gearbeitet hatte. Dort traf ich einen der Kollegen, die ich inzwischen kontaktiert und denen ich eine Finanzberatung angeboten hatte. Ich stand gerade in einer anderen Gruppe, als er plötzlich aufgebracht auf mich zukam und mich direkt zur Rede stellte: »Wenn du mich noch ein einziges Mal wegen irgendwelchen Versicherungen anrufst, dann …!«
Ich erspare dir, wie er den Satz beendete – aber ich erinnere mich noch gut an die Blicke der anderen. In diesem Moment wollte ich im Boden versinken. Vor allem aber verstand ich nicht, was ihn so wütend machte: Ich hatte ihm ehrlich helfen wollen. Es ging bei ihm um einen Kassenwechsel, der ihm 160 Euro im Jahr gespart hätte. Doch damit hatte ich offenbar eine Grenze überschritten. Für ihn überwog der gefühlte Betrug, dass ich selbst mit der Beratung ja auch Geld verdiente – ein moralisches Dilemma, über das ich in der Folgezeit noch viel nachdenken würde. Das war ein Faktor, warum ich Jahre später meine eigene Finanzberatungs-Firma gegründet habe und heute komplett unabhängig arbeite. Schon in diesem Moment wurde mir nämlich klar: Finanzberatung bedeutet auch, mit Ablehnung umzugehen – weil Menschen nun mal nicht alle gleich sind, wenn es ums Geld geht.
Das ist ein Grundsatz, der den Job des Finanzberaters schwieriger macht, wenn man seine Kunden ernst nimmt. Standardisiert verkauft sich leicht; individuell ist schwierig. In meinen Augen ist es dennoch für beide Seiten nachhaltiger. Das ist der Grund, warum ich heute das tue, wovon ich überzeugt bin: allgemeine Tipps, die jedem helfen, auf der einen Seite – und Beratung, die sich nicht verallgemeinern lässt, auf der anderen.
Mein erstes finanzielles »Aha«-Erlebnis hatte nichts mit Bankkonten oder Aktien zu tun, sondern mit Schokolade. Ich war vielleicht zehn Jahre alt, als mir auffiel: Mein Vater, Diabetiker, bekam beim Einkaufen immer die teureren Markenschokoladen. Meine Schwester und ich dagegen mussten uns mit den günstigen Eigenmarken vom Discounter begnügen. Als ich ihn fragte, warum das so sei, antwortete er ohne zu zögern: »Die teuren sind verträglicher für meinen Diabetes.«
Heute weiß ich: Das war kompletter Unsinn. Zucker ist Zucker – egal, ob er aus einer goldenen Verpackung kommt oder aus einer No-Name-Tafel. Aber als Kind hinterfragst du so etwas nicht. Für mich setzte sich der Gedanke fest: Wer in der Hierarchie oben steht und die Finanzen kontrolliert, hat die Entscheidungsmacht. Alle anderen müssen sich mit dem zufriedengeben, was ihnen zugeteilt wird. »Wenn ich mal groß bin«, dachte ich damals, »gibt’s nur noch Markenschokolade.«
Gibt es nicht. Ich kaufe heute das, was Sinn macht – nicht das, was der Kontostand erlaubt. Doch die Wahlfreiheit, die das Geld mir gibt, genieße ich. Ich entscheide bewusst.
Nun magst du sagen: Ich entscheide doch auch, wenn ich mein Geld für Dinge ausgebe, die ich nicht brauche, aber will. Und wenn ich das Investieren aufschiebe, weil ich später bestimmt mehr Geld zur Verfügung haben werde, ist das doch auch meine Entscheidung. Theoretisch hast du recht. Aber lass mich dich fragen: Tust du in Wahrheit nicht dasselbe wie mein Vater damals mit der Schokolade und ich mit den Markenklamotten? Redest du dir nicht deinen Umgang mit Geld schön?
Das können wir Menschen gut: uns selbst in die Tasche lügen, bis sie ein Loch hat. Besonders im Umgang mit Geld sind wir oft nicht ehrlich zu uns selbst. Wir wissen, dass wir mehr tun müssten, dass wir anfangen müssten, dass wir planen müssten. Trotzdem finden wir immer wieder Begründungen, warum jetzt nicht der richtige Zeitpunkt ist. »Ich verdiene noch nicht genug, um zu sparen.« – »Investieren lohnt sich erst, wenn ich reich bin.« – »Ich lebe lieber heute. Wer weiß, ob ich morgen noch da bin.«
Ich habe das jahrelang genauso gemacht. Rückblickend erkenne ich: Ich wusste oft genau, dass ich mich selbst über den Tisch zog. Ich habe mir eingeredet, ich hätte die Kontrolle, während mein Konto etwas ganz anderes sagte. Das gab mir das beruhigende Gefühl, alles im Griff zu haben – auch wenn das gar nicht der Fall war. Ich redete mir einfach ein, dass meine Ausgaben angemessen waren, solange ich meine Rechnungen bezahlen konnte. Es waren ja damals nicht viele. Fürs Investieren hielt auch ich mich jahrelang für zu jung und zu einkommensschwach. Das war auch meine Ausrede. Dahinter steckte die Angst, mich mit dem auseinanderzusetzen, was ich nicht verstand.
Eine Vorhersage kann ich dir hier und jetzt machen: Solange du auf deinen Glaubenssätzen und Ausreden festhängst, wirst du an deinen Verhältnissen nichts verändern können. Wenn du wirklich etwas für deine Finanzen tun willst, musst du zuerst aufhören, dir deinen Umgang mit Geld schönzureden. Ehrlichkeit ist die Voraussetzung jeder finanziellen Veränderung. Solange wir uns selbst Märchen erzählen, deren einzige Moral darin besteht, unsere Untätigkeit zu rechtfertigen, bleibt alles, wie es ist. Wer hingegen bereit ist, die eigenen Ausreden zu durchschauen, macht den ersten und wichtigsten Schritt in Richtung finanzielle Freiheit.
Wenn ich heute zurückblicke, erkenne ich in meiner eigenen Vergangenheit ein Muster. Ich halte es für das Hauptproblem bei den meisten Dingen, die unsere Finanzen betreffen: Nichtwissen gepaart mit Schweigen ist der größte Feind eines gesunden Umgangs mit Geld. Dieses Muster aufzubrechen ist auch die Hauptmotivation hinter meinem Unternehmen und meinem Kanal Finance Made Simple. Das war auch der Ansporn, dieses Buch zu schreiben.
