Finde Klarheit - Monika Schmiderer - E-Book
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Monika Schmiderer

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Beschreibung

Schluss mit Stress, Überforderung und dem ewigen Müssen. Der kraftvolle und sehr persönliche Ratgeber von Monika Schmiderer: In sieben Schritten zu mehr Klarheit, Selbstbestimmtheit und Lebensfreude! In chaotischen Zeiten ist nichts kostbarer als die eigene Klarheit. Fest und sicher in ihr verankert zu sein, seine Stärken zu kennen und aus dem Gefühl innerer Sicherheit heraus entscheiden und handeln zu können. Darum ist Finde Klarheit ist nicht nur ein persönlicher Erkenntnisweg, sondern auch ein praktisches Handbuch, um dich auf deinem Weg zu einem authentischen und selbstbestimmten Leben zu begleiten. Egal ob du dich beruflich umorientieren, deine Work-Life-Balance neu ordnen, toxische Beziehungen klären oder deine wahre Persönlichkeit selbstsicherer zum Ausdruck bringen möchtest – hier findest du Klarheit. Du wirst lernen: - Deine Muster des Müssens zu erkennen und aus ihnen auszusteigen - Deinen Selbstwert zu stärken und dein Leben (wieder) aktiv in die Hand zu nehmen - Falsche Verpflichtungen und überhöhte Ansprüche entspannt loszulassen und dir authentische, erfüllende Ziele zu setzen - Innere Sicherheit aufzubauen und auch mit starken Gefühlen gut umzugehen Ein inspirierender und befreiender Klarheits-Ratgeber voll tiefer Erkenntnis und stärkender Übungen für dein erfülltes Leben im Hier und Jetzt. Plus: Mit Zugang zu kostenlosen Audio-Downloads, geführten Meditationen, Achtsamkeitsübungen und Flow Writings zum Vertiefen deiner neu gewonnen Klarheit.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 276

Veröffentlichungsjahr: 2021

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Monika Schmiderer

Finde Klarheit

7 Regeln für ein selbstbestimmtes und authentisches Leben

Verlagsgruppe Droemer Knaur GmbH & Co. KG.

Über dieses Buch

Viele von uns fühlen sich im Hamsterrad des Lebens gefangen, sind im Alltag gestresst und überfordert. Unsere To-do-Listen nehmen scheinbar kein Ende und wir fragen uns, ob das, was wir tun, noch unseren Vorstellungen und Zielen entspricht. Monika Schmiderer ist erfolgreiche Speakerin und Coach und Expertin für digitale Balance. In diesem Buch erläutert

sie in sieben Schritten, wie wir persönliche Verhaltensmuster durchbrechen, unsere wahre Berufung entdecken und zu innerer Klarheit finden - denn nur so können wir wieder echte Kreativität und Lebensfreude entwickeln. Für ein erfolgreiches, erfüllendes und vor allem selbstbestimmtes Leben im Hier und Jetzt!

Inhaltsübersicht

Hinweis

Widmung

I.

II.

III.

IV.

[Kapitel]

REGEL #1:

[Kapitel]

REGEL #2:

[Kapitel]

REGEL #3:

[Kapitel]

REGEL #4:

[Kapitel]

REGEL #5:

[Kapitel]

REGEL #6:

[Kapitel]

REGEL #7:

Quellen

Anmerkungen

Nutzen Sie gerne Blatt und Papier, um die Klarheits-Cluster am Ende jedes Kapitels für sich auszufüllen.

Für Patrick.

 

Und für alle, die ihren Weg der Klarheit gehen,

in die eigene Tiefe finden – und neue, befreite

Perspektiven einnehmen wollen.

 

Wir alle sind Findende. Und weil diese Reise zur Klarheit eine so persönliche und berührende ist, habe ich die ebenso persönliche Anrede im modernen »du« gewählt. In jedes

»du« lege ich meinen ganzen Respekt und meine höchste Wertschätzung für dich, deine Geschichte, deine Zukunft und deine wachsende Kraft im Hier und Jetzt.

I.

Klarheit sucht nur, wer der Illusionen satt ist

Dieses Buch habe ich für dich geschrieben. Für dich als einen Menschen, der in dieser bewegten Welt nach Klarheit sucht – und seine eigene innere Sicherheit und authentische Kraft finden möchte.

Und weil dich diese Suche sicherlich schon oft enttäuscht hat, weißt du: Wahre Erkenntnis wurzelt nicht an der Oberfläche, und Klarheit erschaffen wir nicht mit einem Poliertuch.

Klarheit – rein wie die eines Diamanten – entsteht nur dort, wo sich die inneren Kräfte sammeln. Wo sich die Energie so sehr konzentriert und bündelt, dass sich ein Kristall bilden kann. Solider und schöner als alles andere, was auf dieser Erde zu finden ist.

 

Genau deshalb wird dieses Buch dich nicht an der Oberfläche spazieren führen, besänftigen und dir sagen, dass du »einfach nur glücklich sein musst«. Sondern es wird deine neue Ehrlichkeit fordern, dich in genau die Tiefen der Gedanken, Gefühle und inneren Gefilde führen, in denen tatsächlich das entstehen kann, was du suchst:

deine ureigene Klarheit.

Für ein selbstbestimmtes, wirksames Leben in deiner ganz individuellen, authentischen Stärke, das auch dann sicher und stabil sein kann, wenn im Außen die Stürme wüten.

 

Darum lade ich dich ein: Grabe immer tiefer. Folge der Spur der Inspiration, der neuen Gedanken, der Übungen und Anleitungen in diesem Buch immer weiter: bis zu dem Punkt, an dem du an deinem wahren Kern angekommen bist – und damit an dem Ort, an dem du neue, starke Wurzeln schlagen und befreiter, stärker und schöpferischer wachsen kannst als je zuvor.

 

Genieße diesen Weg. Freue dich über jeden neuen Schritt. Und finde Klarheit.

 

Es ist mir eine Ehre, dich begleiten zu dürfen.

 

Herzlich

deine Monika Schmiderer

II.

Bevor wir unser Leben in Klarheit formen können, formt die Klarheit uns

Wir beide, du und ich, sind belogen worden. Immer und immer wieder. Mit ganzer Absicht und mit den verschiedensten Absichten. Uns wurde erklärt, wie gefährlich das Fallen ist, noch bevor wir überhaupt richtig laufen lernten. Wir wurden darauf trainiert, besser als die anderen sein zu wollen, noch bevor wir uns je in einer Gemeinschaft wirklich sicher gefühlt haben. Wir wurden geformt wie Maschinen, die funktionieren müssen, damit die große Maschine funktionieren kann. Und je älter und je kritischer wir wurden, umso mehr Anweisungen, Kurse und Bücher hat man uns in die Hände gedrückt, die uns zeigen sollten, wie wir diese Maschine antreiben und immer weiter optimieren können. Uns wurde gelehrt, dass Effizienz uns erfolgreich und Erfolg uns glücklich macht. Und: dass wir erst dann so richtig funktionieren, wenn wir jederzeit und rundum glücklich sind.

 

Ich war ein Kind der 1980er-Jahre und habe geglaubt, was die Welt mir beigebracht hat. Und so wurde ich in drei Jahrzehnten vom fleißigen Mädchen zur Spitzenschülerin, von der Spitzenschülerin zur schnellen Studentin, von der schnellen Studentin zur engagierten Jungunternehmerin, von der engagierten Jungunternehmerin zur gefragten Kreativkraft – und mit 26 Jahren bin ich dem Tod von der Schippe gesprungen.

Ich war so krank, dass ich über viele Monate hinweg jeden Tag ums Überleben kämpfen musste. Jedoch nicht so, wie du dir das jetzt vielleicht vorstellst. Ich lag nicht in einem weißen Krankenbett. Keine Visite kam. Kein Besuch, der Blumen vorbeibrachte. Es gab keinen langen Flur und keine kleine Teeküche mit Früchtetee in großen, silbernen Kannen. Keine Parkspaziergänge unter großen Weidebäumen, um wieder auf die Beine zu kommen. Ich rang monatelang jeden Tag mit dem Sterben, ohne dass es jemand bemerkte.

Ich stand frühmorgens auf. Duschte. Legte Make-up auf. Brachte Frühstück auf den Tisch. Stieg in meinen kleinen, hellblauen Polo. Stand im Morgenstau. Sperrte als Erste die Bürotür auf – und als Letzte zu. Ich betreute KundInnen und holte neue, immer größere Aufträge ein. Versuchte, in jedem Projekt ein bisschen besser zu sein als im vorherigen. Wollte nicht nur performen, sondern begeistern. Ich strebte beruflich nach hohen Zielen und lebte privat nach hohen Idealen: Ich sorgte mich um die Welt, die Politik und den Wandel der Dinge. Las, hörte und sah, was auf dem Planeten geschah, doch fühlte mich machtlos – und gleichzeitig umgeben von Menschen, die ständig immer so weitermachten wie bisher. Und so tat ich es auch. Ich lief täglich in meinem ganz persönlichen Hamsterrad, und in jeder freien Minute hatte ich ein offenes Ohr für meine vielen FreundInnen. Fühlte mit. Sagte nie Nein. War immer für jeden erreichbar, und im Notfall auch spätnachts noch da. Doch immer öfter ging ich leer aus diesen Gesprächen. Immer öfter fühlte ich mich in Gesellschaft allein. Immer öfter bekam ich Angst vor der Zukunft und der Richtung, in die sie zu schlittern schien. Es wurde schwer, abends zur Ruhe zu finden, und noch schwerer, morgens aus dem Bett zu kommen. Unter der Dusche war mir zum Weinen zumute. Beim Frühstück verlor ich zuerst den Appetit, dann auch die Lust zu sprechen, und auf dem Weg zur Arbeit packte mich stumme Panik: Wie soll das alles weitergehen?

Doch die Menschen fragten nicht, ob ich mich sicher fühlte. Die verrückte Welt fragte nicht, ob ich mich noch orientieren konnte. Und die virtuelle Flut fragte nicht, ob ich noch Kraft hatte, zu rudern, sondern sie riss mich Tag für Tag in den digitalen Dauerlauf. Spülte mich von E-Mails zu Anfragen, zu Telefonaten und Meetings, von neuen Nachrichten zu Kommentaren, von Projekt zu Projekt. Und wenn ich abends die Bürotür hinter mir schloss, nahm ich alles mit: meinen Posteingang, meinen Newsfeed, meine Telefonnummer, den Druck, das Zittern und die Angst, in einem viel zu kleinen Boot auf einen gigantischen Wasserfall zuzusteuern.

Und ich googelte: »Hilfe«. Wortwörtlich. Immer wieder. Ich holte mir unzählige Bücher und Tipps, besuchte Anti-Stress-Seminare, fand Coaches und TherapeutInnen verschiedenster Art, doch mein Boot trieb mit jedem Morgen immer weiter und immer schneller auf den Abgrund zu, denn ich konnte nicht abspringen. Ich musste weitermachen. Ja, ich musste so unendlich viel:

Ich musste schnell sein, aber durfte keine Fehler machen. Ich musste mich behaupten, aber durfte niemanden vor den Kopf stoßen. Ich musste alles geben, aber sollte wenig dafür nehmen. Ich musste informiert und mündig sein, doch einfach akzeptieren, dass ich kaum etwas in dieser Welt ändern konnte. Ich musste mitfühlend sein und nahbar, aber selbst damit klarkommen, wenn mir etwas zu naheging.

Wie in dem Moment, als einer meiner Freunde mir sagte: »Monika, du bist irgendwie komisch geworden.« Ja, das war ich in der Tat. Ich war komisch geworden. Und das, wo ich doch alles hatte: eine erfolgreiche eigene Agentur, begeisterte KundInnen, klare Ziele im Leben. Eine intakte Familie. Einen großen Freundeskreis. Ja sogar einen neuen Partner an meiner Seite.

Ganz offensichtlich funktionierte ich nicht richtig, wenn ich so nicht glücklich war. Es war wohl meine eigene Schuld, dass ich mich fühlte, wie ich mich fühlte. Redete ich mir ein, und wurde härter zu mir selbst: »Reiß dich zusammen! Du musst dich im Griff haben!« Doch mit diesem Griff würgte ich mich fast zu Tode. Mein Gewicht schoss rauf und runter. Meine Haare wurden dünn. Meine Schilddrüse drosselte ihre Funktion. Mein Magen war chronisch entzündet. Meine Nieren ebenso. Mein Körper schmerzte – und es wurde dunkel in mir. Und in dieser Dunkelheit hallten zwei Stimmen wider.

Die eine befahl »Steh auf, mach weiter!« und die andere forderte »Gib auf. Es hat keinen Sinn mehr. Mach Schluss mit diesem Leben.« Jeden Tag quälten mich diese zwei Stimmen – und der Gedanke ans Sterben-Wollen wurde immer reizvoller und wuchs zu einem Wunsch heran, der immer stärker und stärker in mir brannte. Bis ich an nichts anderes mehr denken konnte und nichts anderes mehr fühlte als die Sehnsucht zu sterben.

Und das nicht für eine schreckliche Stunde, wie in einem romantischen Film. Nicht für einen schicksalhaften Tag, wie in einer dramatischen Erzählung. Sondern über Monate und Monate hinweg, wie in der schlichten, menschlichen Realität. Und in dieser Realität kamen der Tag und die Stunde, als alles zu fallen begann: an einem sonnigen Frühlingsmorgen im April.

Meine Agentur hatte ich bereits vor einigen Wochen auf unbestimmte Zeit geschlossen. Hatte im Büro alles weggeräumt und die Jalousien zugezogen. Doch verließ ich jeden Tag nach einem weiteren stummen Frühstück die Wohnung, um am Innufer spazieren zu gehen. In meiner Tasche trug ich meinen Block und einen Stift, um etwas zu schreiben, wenn ich denn konnte. Falls nicht, wie so oft, würde ich (wieder) einfach nur aufs Wasser schauen und dabei das lodernde Brennen in mir ertragen, das unaufhörlich verlangte: »Spring hinein.«

Die Parkbank, auf der ich saß, war dunkelbraun, der Weg kiesgrau, das Wasser eiskalt-türkis von der Schneeschmelze, das Brückengeländer grün, der Himmel blau. »Spring!« schrie es in mir.

Ich zitterte ganz bis ins Mark, dort, wo man es außen nicht mehr sieht. »Spring.« Meine Tränen schafften es nicht einmal mehr bis über meine Lider und Wangen, aber sie trübten meinen Blick. »Spring.« Fast blind vor Schmerz stand ich auf, stolperte los, hörte den Kies unter meinen Füßen knirschen. »Spring.« Die Welt schien unwirklich weit weg. »Spring.« Mein Herz schlug bis in meine Ohren. »Spring.« Alles rauschte. »Spring.« Die Brücke war lang, ich ging, ohne zu denken – bis ans andere Ende. Überquerte die Straße und stand vor einer großen Glastür: Universitätsklinik, las ich mit verweinten Augen.

Wie von fremder Hand geführt, trat ich ein. Fand mich an einem Empfang. Dann in einem langen Gang und schließlich in einem Warteraum in dumpfen Farben. Mein Name wurde aufgerufen. Man führte mich in irgendein kleines Behandlungszimmer. Ich wurde Dinge gefragt. Ich antwortete andere Dinge. Ich wurde zu einer Liege gebracht. Mein rechter Ärmel wurde nach oben geschoben. Mein Blut wurde abgeklemmt. Eine Spritze wurde in meine Venen gedrückt. Und in dem Moment schloss ich die Augen, spürte, wie eine Träne sich löste, und wusste:

Ich würde nie mehr die sein, die ich war.

# Wenn du wie der Phönix aus der Asche steigen willst, musst du bereit sein, den Staub zu fressen.

Um es gleich vorwegzunehmen und alle Illusionen auszuräumen: Ich stieg nicht binnen zwei Wochen wie ein Phönix aus der Asche. Mein Weg war kein »In zehn Tagen aus dem Burn-out« oder »In drei Wochen zum immerwährenden Glück«.

Es war ein langer, intensiver und unglaublich heilvoller Prozess, der mich geformt, geprägt und für immer unwiederbringlich verändert hat. Denn seit diesem Aprilmorgen, an dem ich dachte, ganz unten angekommen zu sein, führte mein Pfad in neue, mir bis dahin unbekannte Räume:

Ich unterzeichnete die freiwillige Entlassung aus der Klinik und gab das Versprechen, nun jeden Morgen unversehrt in der psychiatrischen Ambulanz der Universitätsklinik zur Kontrolle zu erscheinen. Betäubt und benommen verließ ich das große Gebäude, ging zurück in die Zweizimmerwohnung, in der ich mit meinem Freund lebte, setzte mich mit ihm auf die Couch, erzählte ihm, was geschehen war, und legte drei verschiedene Medikamentenschachteln auf den Tisch.

Sediert, gebrochen und an dem seidenen Faden dieser Psychopharmaka hängend, ging ich die ersten Schritte hinein in ein neues Leben. Nein, ich ging nicht, ich fiel: Jeden Abend stürzte ich hinab in einen komatösen, schwarzen Schlaf, den mir meine abendliche Dosis verabreichte. Morgens fand ich nur schwer zurück aus diesem namenlosen Ort. Meine Augen wollten sich kaum öffnen. Eine Taubheit lag auf mir wie eine fremde, unliebsame Hand. Mühevoll stand ich auf, ging zum Spiegelschrank und schluckte zwei weitere Tabletten, um aus diesem Ort herausgeholt zu werden – und in dieser Welt wieder aufzutauchen. Meine Pupillen schnellten weit auf. Ein fremdes Vibrieren flutete meinen Körper, feuerte mein Hirn an – und ich konnte wieder marschieren. Weniger als eine halbe Stunde – und die Maschine Monika lief wieder. Ja, und das musste sie auch! Jetzt musste es ja wohl wirklich »aufwärtsgehen mit mir«! Doch von mir war nicht viel da. Ich, mein Herz und meine Sinne waren weit weg. Eingepackt in unsichtbare Watte und von Panzerglas umgeben, das die wahre Intensität aus allem nahm: aus den Tränen unter der Dusche, aus dem flauen Magen beim Frühstück, aus dem Druck, aus dem Schmerz, aus der Angst. Aber auch aus der Wärme der Frühlingssonne und aus der Schönheit des glitzernden Lichts auf dem Fluss, entlang dessen Ufer ich nun jeden Tag frühmorgens zur Kontrolle ins Krankenhaus ging. Mit frisch gemachten Haaren, streng verkleidet in meinen besten Sachen und mit schweißnassen Händen wurde ich – wie verordnet – bei den PsychiaterInnen vorstellig, um nicht bloß zu sagen, sondern auch zu zeigen, dass ich sehr wohl fähig war, die noch verbliebene Verantwortung zu übernehmen. Wieder heimgehen zu dürfen. Und die Hoffnung zu bewahren, dass es einen wahren Weg für mich gab.

Und damit hatte ein neuer Kampf begonnen: Es war nicht mehr der Kampf gegen die tägliche Flut an To-dos, Anforderungen, Sorgen und Ängste. Es war der Kampf um ein normales Leben, ein Leben außerhalb der Klinik – und der Kampf um den Glauben daran, dass ich irgendwann wieder ohne diese fremde Panzerung, ohne diese fremde Hand, die mich führte, leben könnte.

Ich kämpfte um meine Selbstbestimmung, die ich durch all meine viel zu hohen Ansprüche, das ständige Angepasst- und Immer-verständnisvoll-Sein fast verloren hätte. Ich kämpfte darum, mich meinen Ängsten stellen zu können – und den Mut und die Freude wiederzufinden, die ich einst hatte. Ich wollte wissen, was meiner Seele fehlte – was sie hatte ausbrennen lassen, wollte die Asche zusammentragen und ihr neues Feuer geben. Ich wollte meine Wunden heilen und wollte daran wachsen. Um wirksam zu sein. Als ein Mensch, der ein Leben lebt, das ihn erfüllt, das einen Sinn hat und das Sinn gibt in dieser Welt, die dem wachen Geist und dem weichen Herzen so sehr zusetzt.

Ja, in diesem April begann nichts weniger als mein Kampf um mein wahres Ich. Und er führte mich zu allen Schatten meiner Geschichte, zu allen Fehlern und Wunden meines Wesens. Vorbei an ExpertInnen, die mir helfen wollten, aber selbst noch keine Sicherheit gefunden hatten. Vorbei an Freunden und Freundinnen, die plötzlich keine mehr sein mochten. Vorbei an zahllosen Therapiestunden und unzähligen Rückschlägen. Mitten durch einen Ozean voller Enttäuschung, voller Trauer und voller Scham. Und schließlich hin zu den ExpertInnen, die mich aus ihrer eigenen, inneren Stärke heraus begleiten konnten. Hin zu aufrechten Freundschaften. Hin zu neuen Erkenntnissen, zu neuen Gewohnheiten, neuen Sicherheiten, neuem Mut – und hin zu einem neuen April, in dem der medikamentöse Faden erstmals gelockert werden konnte. In dem mein Schlaf wieder heller und das Licht auf dem Fluss wieder etwas funkelnder wurde. In dem ich Tag für Tag wieder wacher und präsenter wurde, wieder etwas mehr zurückfand zu dem, was ich einst »ich selbst« genannt hatte. Wo langsam wieder ein Ufer sichtbar wurde am Rande dieses tiefschwarzen Ozeans. Und ich erkannte, dass mein Partner immer noch da war. Dass er nicht nur an diesem Ufer auf mich gewartet, sondern dass er sogar viele Meilen mit mir zusammen geschwommen war. Und ich gewann neue Stärke, neue Perspektiven und eine noch nie gekannte Dankbarkeit. Ich nutzte jede noch so kleine gute Strömung, um dieses Ufer, das ich vor mir sah, auch zu erreichen – und dort ein Leben aufzubauen, das mein Leben sein sollte –, und wurde: selbstbestimmt und selbstwirksam.

Ich bin dem Weg gefolgt und habe gelernt, nach außen hin gesunde Grenzen zu setzen und zugleich innere Grenzen und Blockaden zu überwinden. Ich habe die Freiheit gefunden, meine FreundInnen, GesprächspartnerInnen und KundInnen so zu wählen, dass sie mich stärken, nicht schwächen. Habe gelernt, meine Gedanken und Gefühle zu beobachten, und sie dorthin zu lenken, wo ich auch tatsächlich sein will. Ich entlarvte mein rastloses Tun als Ausdruck von Angst und lernte, die Ruhe zuzulassen und das Alleinsein zu genießen. Lernte, bewusst Nein zu sagen und mehr anzunehmen. Lernte, die Balance zwischen sozialem Leben und der Zeit für mich, zwischen liebevoller Partnerschaft und meiner eigenen Persönlichkeitsentwicklung, zwischen Arbeit und Auftanken, zwischen Konsum und gelebter Kreativität, zwischen Stadt und Natur, zwischen Außen und Innen zu finden – und stabil zu halten. Ich gab meinem Tag einen neuen Rhythmus, meiner Firma eine neue Struktur und meiner Arbeit ganz neue Spielregeln, um mitten in der digitalen Dauerkommunikation produktiv und kreativ zu bleiben. Ich entdeckte den unschätzbaren Wert der Stille und der Meditation und schöpfte plötzlich aus völlig neuen Inspirationsquellen. Gewann mehr und mehr Kraft, mehr und mehr Sicherheit und mehr und mehr Gewissheit über mich selbst, meinen Standpunkt im Leben, meine Werte, meine Überzeugungen und meine Ziele, die nicht mehr viel mit den üblichen Fünf- bis Zehn-Jahresplänen zu tun hatten. Ich wuchs hinein in eine Lebensweise und innere Ausrichtung, die so viel menschlicher, so viel organischer und so viel erstrebenswerter waren.

# Ich durfte meine Klarheit finden und bin davon überzeugt, dass das jedem Menschen gelingen kann.

Darum möchte ich in diesem Buch all das mit dir teilen, was ich auf diesem Weg verstehen und lernen konnte, und möchte die Essenz dessen, was ich erkennen durfte, in den »7 Regeln für ein selbstbestimmtes & authentisches Leben« für dich zusammenfassen und dir mitgeben: als eine kleine Leitschnur, ein Inspirationsfaden, der dich zu deiner Klarheit begleitet.

Und nicht nur das: Seit ich weiß, dass jedes Jahr 800000 Menschen Selbstmord begehen,i und damit mehr Tote durch Verzweiflung, Angst und ein Gefühl der Ausweglosigkeit zu verschmerzen sind als durch Verkehrsunfälle, Drogen und HIV zusammen,ii schweige ich nicht länger über meine eigenen Erfahrungen. Weil mir bewusst ist, dass in dieser Sekunde Millionen Menschen in diesem dunklen Ozean der Depression und Angst – meist stumm und ungesehen – um ihr Leben schwimmen, erzähle ich, wie ich wieder zum Ufer fand. Und schreibe dieses Buch auch für all jene Menschen, die sich in ihrem Alltag und in den Wirrnissen der Welt orientierungslos fühlen. Die nicht wissen, was sie glauben und welche Entscheidungen sie treffen sollen. Ich schreibe es für all jene, die auf diesen Seiten Mut finden möchten, um weiterzugehen, auch wenn es gerade hart für sie ist.

Und ich schreibe dieses Buch für dich ganz persönlich.Für deine Entwicklung hin zu einem authentischen und selbstwirksamen Leben, das Sinnhat und Sinn gibt. Ein Leben, das du in größtmöglicher Freiheit und innerer Fülle leben kannst – und das dich auf deinen höheren Weg führt, der schon jetzt auf dich wartet.

Meine Erzählungen, Anregungen, Techniken, Übungen und Tipps sollen dich nicht nur freier werden lassen, sondern dich auch erden und tief verwurzeln, damit du stark bist in stürmischen Zeiten und immer wieder einen neuen Anstoß findest, noch tiefer einzutauchen in deine innere Welt. Denn genau dort – und nur dort – liegt deine Klarheit.

Wage es, deiner Wahrheit zu begegnen, und schau bitte dort, wo meine Worte dich besonders berühren, immer etwas genauer hin. Denn wo starke Gefühle sind, wo vielleicht Widerstand ist, wo die Gedanken sich wehren, dort führt oft der wahre Weg weiter. Darum ist meine Einladung an dich: Gehe weiter, bleibe dran, selbst wenn es unbequem wird. Denn die Klarheit liegt sehr oft außerhalb unserer Komfortzone.

Nutze dieses Buch als ein Buch zum Loslassen und Wachsen. Und loslassen, wachsen und wohlfühlen können wir nur dann, wenn wir bereit sind, uns von der Jagd nach dem vermeintlich leichten Good-Vibes-only-Leben, nach dem einfachen Erfolg und der schnellen Glückseligkeit zu verabschieden. Wenn wir unsere ausgetretenen Pfade verlassen, auf denen wir nur im Kreis laufen, und bereit sind, uns nicht länger nur von Illusion zu Illusion zu hangeln, sondern all das aus dem Weg zu räumen, was uns von unserer Wahrheit trennt – und ihr zu folgen.

Die grandiose Nachricht ist: Die Gelegenheit dafür, diese alten Trampelpfade zu verlassen und wach und klar zu werden, war selten so gut wie heute. Denn selten erlebten wir so viel Umbruch, Aufbruch und Zusammenbruch wie jetzt. Selten erkannten und spürten wir die Verwundbarkeit der Welt deutlicher. Selten riefen unser Herz und unsere Zeit so laut nach neuen Gedanken, neuen Gefühlen und einer neuen Ehrlichkeit.

 

III.

Eine neue Ehrlichkeit braucht die Welt

Als ich am Boden lag, habe ich mich immer wieder verzweifelt gefragt: »Wie soll das alles nur weitergehen?« Ich habe im Zweifel gelebt, in der Spaltung, war innerlich zerrissen, ängstlich und daher zwangsläufig fremdbestimmt. Ich habe gelitten, aber mir die Macht und die Kraft abgesprochen, mich aus diesem Zustand befreien zu können. Doch je mehr ich zu meiner Klarheit gefunden habe, je ehrlicher ich zu mir selbst geworden bin und je mehr ich mein Leben nach meiner Wahrheit gestalten konnte, desto mehr konnte ich auch beobachten, wie sehr die Welt an sich im Zweifel, in Spaltung und in einem Gefühl der Ohnmacht oder Aggression gegenüber sich selbst oder anderen ist. Diese Zerrissenheit wirft so viele Fragen auf, schürt so viele Ängste und lässt uns sowohl persönlich wie auch als Gesellschaft so viele Entscheidungen treffen, die uns ganz offensichtlich nicht guttun.

Überlege mal: Wie oft hast auch du dir in den letzten zehn Jahren gedacht »So kann es in der Welt nicht mehr weitergehen?« Wie oft?

Und im schicksalhaften 2020 ging es plötzlich wirklich nicht mehr weiter. So vieles, was uns normal, sicher und vorhersehbar erschien, zeigte seine verwundbare Wirklichkeit. Seither ist die Welt nicht mehr dieselbe, weil unser Gefühl in dieser Welt nicht mehr dasselbe ist. Denn nicht nur die Umstände, sondern auch wir Menschen haben uns verändert: Gefühle von Sicherheit und Vertrauen, Distanz und Nähe, Wertschätzung und Macht, Planbarkeit und Kontrolle, Selbstverständnis und Mitgefühl, Freiheit und Verbundenheit wurden strapaziert und neu definiert. In dir, in mir, in jedem. Die Frage ist nicht, ob eine Veränderung stattfindet, sondern nur, wie bewusst und in welcher Form wir sie erleben – und wie positiv wir sie für uns nutzen können. Wo wir die Wahrheit sehen und wo wir Halt und Führung finden wollen – und können.

# Wie schön, sich so voll auf das Unbekannte verlassen zu können.

Diesen Satz habe ich, wenige Wochen bevor wir alle das Wort »Lockdown« zum ersten Mal hörten, auf meine neuen Seminar-Journale drucken lassen. Und etwas Unbekanntes kam tatsächlich und brachte Wellen von Chaos und Verwirrung in die Welt. Umso stärker wurde mein Wunsch, meine Klarheit zu festigen und selbst Klarheit zu schenken. Und die ersten Zeilen dieses Buches entstanden.

Doch was ist Klarheit überhaupt? Ist es feste Entschlossenheit? Die Faust, die auf den Tisch schlägt und »einen Punkt macht«? Die Stimme, die das letzte Wort hat und die Situation und andere beherrschen will? Ja, diese Form der Klarheit ist eine Form, die uns gerade in Zeiten der Krise verstärkt begegnet. Da tauchen plötzlich Menschen auf, die mit Slogans und Fahnen ins Feld ziehen und alles instrumentalisieren, was ihrem Ideal dient. Die »sagen, wo’s langgeht« und allen ihre Marschrichtung aufzwängen wollen. Die eine »harte Linie« fahren, ihren Standpunkt »einnehmen« und »verteidigen«. Das militärische Vokabular kommt dabei nicht von ungefähr. Doch das ist keine Klarheit. Das ist Härte. Und Härte ist nicht das, was wir brauchen und suchen. Denn Härte ist immer angstgetrieben, starr und daher sehr verwundbar – und trotz aller scheinbaren Dominanz sehr fremdbestimmt.

 

Die Klarheit, die wir suchen, ist eine Klarheit, die öffnet, nicht verschließt. Die möglich macht, nicht unterbindet. Die wachsen lässt, nicht unterdrückt. Wahre Klarheit ist harmonische Ordnung und lebendige Struktur, die Raum zur gesunden Entwicklung lässt. Sie übernimmt bewusst die Verantwortung und folgt ihrer Aufgabe. Sie ist liebevoll, richtungsweisend und konzentriert, ist präsent im Moment und vorausschauend. Sie macht uns frei und fähig, unser Leben und unser Umfeld schöpferisch zu gestalten.

 

Aber einmal ganz unter uns gefragt: Wollen wir das wirklich? Wenn man sich die Widerstände und Kämpfe ansieht, denen das Neue in der Welt begegnet, könnte man daran zweifeln, dass wir Menschen uns tatsächlich weiterentwickeln wollen. »Neu« scheint immer nur dann gut zu sein, wenn es auf einer Supermarkt-Broschüre steht. Bedeutet es allerdings, dass wir unsere gewohnten Routinen hinter uns lassen müssen, werden wir sehr zögerlich. Das ist verständlich, wenn wir wissen, wie sehr unsere Netzwerke im Gehirn auf Routinen und Wiederholung getrimmt sind. Und wenn wir sehen, wie essenziell materielle Sicherheit für uns geworden ist – wie sehr wir davon abhängig sind, das Gefühl zu haben, die Dinge kontrollieren und vorhersagen zu können.

Doch genau darin liegt die Falle: dass wir dem Bekannten mehr vertrauen als dem Unbekannten, selbst wenn das Bekannte uns nicht zum Ziel führt oder sogar schadet. Dass wir bereit sind, denselben Fehler immer und immer wieder zu machen, anstatt einmal viel zu riskieren – um viel zu gewinnen.

Darum wird deine Klarheit dir beibringen, dich wieder neu zu öffnen. Deinen Blick vom Alten und Starren zu heben und neugierig zu werden auf das, was im Unbekannten auf dich wartet. Sie wird dir helfen, Vertrauen als Gegenkraft zur Angst aufzubauen. Denn Angst hält uns klein und schreit »Nein, nein, nein! Lassen wir das. Komm, wir gehen dorthin zurück, wo alles so ist, wie es schon immer war.« Doch wo soll das sein? So viele Türen haben sich für immer geschlossen. So viele Vorstellungen von früher sind heute einfach nicht mehr tragfähig. Und wir wissen eigentlich längst:

# Aus alten Gedanken erbauen wir keine neue Welt.

Darum dürfen wir uns auf etwas Neues einlassen und das Unvorhersehbare als Chance sehen. Wir dürfen einen großen Schritt weitergehen und den Blick weiten, denn heute geht es um mehr als bisher. Es geht nicht mehr nur darum, sich selbst zu optimieren und damit seinen Erfolg zu pushen. Es geht nicht nur darum, sich ein schönes Leben leisten zu können, eine tolle Partnerschaft zu führen oder sich selbst zu verwirklichen, sondern es geht darum, der Welt hellwach, offen, bewusst, liebevoll und aufrecht begegnen zu können. Als ein Mensch, der immer weniger Abhängigkeiten, immer weniger Ausreden und Ausflüchte, dafür aber ganz viel Kraft und Klarheit besitzt. Denn all die falschen Sicherheiten, all die schillernden Luftschlösser, die wir uns aufgehäuft haben, zerfallen irgendwann zu Staub. Überall sehen wir die Trümmer. Überall sehen wir Menschen, die versuchen, sich an etwas (oder jemandem) festzuhalten, das keinen Halt geben kann. Darum ist es an der Zeit, sich die essenziellen Fragen zu stellen – und sie in neuer Ehrlichkeit zu beantworten. Damit wir unserer Wahrheit näher kommen und unser Leben und damit die Zukunft selbstbestimmt in die Hand nehmen können.

Denn gerade wenn etwas zerfällt, brauchen wir Menschen, die etwas Neues erbauen. Die Trägheit und Zweifel überwinden, die aus der Enge der Angst ausbrechen, offen auf das Unbekannte zugehen und sich sicher sind, dass sie es zum Besten gestalten können. Im Großen wie im Kleinen. Innen wie außen.

# Und dubist einer von ihnen.

Dabei ist es ganz egal, wo du jetzt gerade stehst: ganz unten, wie ich in meinem schicksalhaften April, oder ganz weit oben, wo du schon an vielen Tagen deinen ganz persönlichen Himmel auf Erden berühren kannst. Immer kannst du in deiner Klarheit wachsen und aus dir heraus wirksam werden. Und immer kann dieses Buch dazu beitragen, dass du genau das findest, was du gerade jetzt brauchst, um den nächsten, wichtigen Schritt zu gehen, um die nächste Stufe zu erklimmen.

Mit jedem Schritt wirst du stärker. Mit jedem Erkennen wirst du dir selbst bewusster. Und mit jedem Aufstehen – für dich, deine Lieben und die Themen, die dein Herz berühren – wirst du selbstbestimmter. Und das bringt so viel Sinn und so viel Stabilität in dein Sein, dass sich die Frage nach Motivation, Glück oder Erfüllung nicht weiter in der alten Form für dich stellen wird. Denn du hast einen Zugang zu dir und deiner eigenen Kraft gefunden, der dich immer weiter hinauf auf deinen höheren Weg führt. Ich sehe dich schon dort, gratuliere dir und sage: Brich auf – und finde Klarheit.

IV.

7 Regeln für ein selbstbestimmtes & authentisches Leben

REGEL #1:

Du musst nicht mehr müssen

Lehne dich zurück und sei dir sicher:

Die Arbeit, die du heute gemacht hast, war gut genug. Die Zeit, die du mit deinen Kindern verbracht hast, war liebevoll genug. Die Gespräche, die du mit deinen KollegInnen und FreundInnen geführt hast, waren aufmerksam genug. Das Geld, das du verdient hast, war ausreichend. Die Menge an Liebe, die du geben konntest, war erfüllend. Und die Menge an Energie, die du dafür aufgebracht hast, alles bestmöglich zu machen, war gut investiert. Du musst nicht mehr suchen, nicht noch mehr tun, noch mehr haben oder sein. Du musst nicht mehr müssen.

 

Wie fühlt es sich an, das zu lesen? Befreiend? Erleichternd? Oder unglaubwürdig? Kannst du den Gedanken annehmen, nicht mehr zu müssen? Die meisten erwidern wohl: Das klingt ja toll, aber wir müssen doch so vieles! Jeden Tag! Und Millionen Menschen drückt das Gefühl des Müssens tatsächlich schon vor dem Aufstehen nieder. Zäh und mühsam zwingen sie sich aus dem Bett, dann ins Bad. Müssen Zähne putzen, müssen duschen, müssen sich anziehen, müssen Kaffee kochen, müssen die Kinder wecken, alle satt machen, dabei die Nachrichten lesen und die ersten E-Mails beantworten – und dann das Chaos aufräumen, das in dieser Dreiviertelstunde in der Wohnung bereits entstanden ist. Dann müssen sie alle ins Auto stecken, sich durch den Frühverkehr drängen, die Kinder bei Laune halten und noch schnell beim Paketdienst vorbeifahren. Die Kleinen ohne schlechtes Gewissen in der Kita abgeben, die Großen für die neue Schularbeit motivieren, und dann noch rechtzeitig im Büro ankommen. Sie müssen schnell sein – aber dabei gelassen bleiben. Müssen die Eigenheiten der KollegInnen ertragen, auch zu den unfreundlichen KundInnen noch freundlich sein. Müssen nach den Regeln spielen – doch dabei bitte ja nicht einfach Dienst nach Vorschrift machen. Sie müssen produktiv sein und vollauf begeistert von der Sache. Und dann müssen sie alles rückwärts abspulen: die Kinder abholen und sich durch den Abendverkehr drängen. Noch schnell beim Supermarkt vorbeifahren und einkaufen. (Aber bitte nachhaltig, ökologisch, ethisch einwandfrei und trotzdem im Budget.) Danach zu Hause kochen und den Kindern ein pädagogisch wertvolles Programm bieten. Dem Partner ein offenes Ohr schenken und die eigene Mutter zurückrufen. Daneben die vielen WhatsApp- und Sprachnachrichten beantworten, und dann: Sport treiben! Puh, echt jetzt? Okay, dann wenigstens noch ein bisschen Yoga machen. Oder endlich das Buch lesen, das schon so lange auf dem Nachttisch wartet? Und spätestens morgen wirklich mal mit dem Meditieren beginnen. Und Sex, ah ja, genau, das wär ja auch mal wieder schön … Und danach unbedingt die ganze Nacht tief und fest durchschlafen, um morgen wieder fit zu sein.

Bäm! Täglich grüßt das Müssentier. Und nachts? Da lauert es unter der Matratze und wälzt sich von einer Seite zur anderen. Denn wenn ein Tag voll Müssen vorbei ist, dann kriecht es hervor und erinnert uns Menschen daran, was wir eigentlich alles wollten, während wir damit beschäftigt waren zu müssen: Wir wollten uns glücklich und geliebt fühlen. Wollten bessere, bewusstere Eltern sein und attraktivere, ehrlich miteinander verbundene Partner. Wollten mehr Zeit für uns und mehr Sinn im Leben haben. Doch wann? Der Puls der Zeit schlägt viel zu hektisch, und während wir einschlafen sollten, rasen Gedanken und Herz im Stresstakt weiter … Wach und unruhig greifen viele wieder zum Smartphone. Um zu vergessen und nicht mehr spüren zu müssen, was ihnen fehlt. Sie lassen sich im dunklen Zimmer blenden: sehen in den sozialen Medien, wie viel Glück offenbar alle anderen haben und wie leicht ihnen anscheinend alles fällt, während die Nachrichten sie zugleich daran erinnern, wie schwer der Schmerz der Welt wiegt, den wir als Gesellschaft immer noch nicht zu stillen bereit sind. Und ihr Herz wird eng und ihr Geist wird müde, denn trotz all des Müssens und des Strebens und des Tuns sind sie immer noch nicht in Sicherheit, sind sie immer noch nicht genug – und scheinbar unendlich weit weg von dem freien, erfüllten Supermenschen, der sie eigentlich sein sollten.

# Im Müssen verliert der Mensch sein wahres Menschsein.