First Responder - Gerhard Nadler - E-Book

First Responder E-Book

Gerhard Nadler

0,0

Beschreibung

Das Rote Heft gibt eine Übersicht zur Thematik "First Responder". Der Autor stellt die Aufgaben von First Response-Einheiten sowie deren rechtliche Einordnung vor und geht auch auf weitere wichtige rechtliche Aspekte ein. Zudem werden die zentralen Ausrüstungsgegenstände sowie konkrete Handlungsempfehlungen zur erweiterten Ersten Hilfe durch First Response-Einheiten beschrieben. Abschließend werden allgemeine Empfehlungen zur Indienststellung von First Response-Einheiten gegeben. Die 2. Auflage wurde umfassend überarbeitet und unter anderem um aktuelle Abbildungen ergänzt.

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern
Kindle™-E-Readern
(für ausgewählte Pakete)

Seitenzahl: 90

Veröffentlichungsjahr: 2023

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



[1]Die Roten Hefte 80

Prof. Dr. Gerhard Nadler

Thomas Klusak

First Responder

Eine lebensrettende Strategie

von

Professor für Organisation und Recht des Rettungswesens

unter Mitarbeit von

Brandamtsrat Berufsfeuerwehr München

Verlag W. Kohlhammer

[2]Dieses Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwendung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechts ist ohne Zustimmung des Verlags unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und für die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.

Die Wiedergabe von Warenbezeichnungen, Handelsnamen und sonstigen Kennzeichen in diesem Buch berechtigt nicht zu der Annahme, dass diese von jedermann frei benutzt werden dürfen. Vielmehr kann es sich auch dann um eingetragene Warenzeichen oder sonstige geschützte Kennzeichen handeln, wenn sie nicht eigens als solche gekennzeichnet sind.

Die Abbildungen stammen – sofern nicht anders angegeben – vom Autor.

2., überarbeitete Auflage 2023

Alle Rechte vorbehalten

© W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart

Gesamtherstellung: W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart

Print: ISBN 978-3-17-037765-3

E-Book-Formate:

pdf: ISBN 978-3-17-037767-7

epub: ISBN 978-3-17-037768-4

Für den Inhalt abgedruckter oder verlinkter Websites ist ausschließlich der jeweilige Betreiber verantwortlich. Die W. Kohlhammer GmbH hat keinen Einfluss auf die verknüpften Seiten und übernimmt hierfür keinerlei Haftung.

[3]Vorwort

In ländlichen Regionen trifft das erste Rettungsmittel meistens erst nach zehn Minuten oder noch später ein. Andererseits sind oft schon nach fünf Minuten Maßnahmen der Ersten Hilfe erforderlich, um schwerwiegende Schäden oder sogar den Tod des Patienten abzuwenden. Durch den Einsatz von First Response-Einheiten (örtliche Erste-Hilfe-Teams) kann dieses Problem gelöst werden. In der Regel kommt dafür nur die Ortsfeuerwehr in Frage, weil gerade in Ortschaften, in denen eine organisierte Erste Hilfe notwendig ist, die Sanitätsorganisationen meistens nicht ausreichend präsent sind.

Als First Response-Einheit ist ein örtliches Erste-Hilfe-Team einzuordnen, das der Aufgabenstellung entsprechend organisiert ist, mit mindestens zwei Leuten zum Einsatz kommt, eine anerkannte Mindestausbildung und Mindestausrüstung besitzt, über ein mit Sondersignalanlage und BOS-Funk ausgerüstetes Einsatzfahrzeug verfügt sowie von der zuständigen Rettungsleitstelle alarmiert wird. Der gebräuchlichste Ausdruck im Sprachgebrauch der Praktiker im Rettungswesen dafür ist wohl »First Responder«. Allerdings gibt es in verschiedenen Regionen der Bundesrepublik auch andere Bezeichnungen (z. B. in Hessen »Voraushelfer«). Deshalb wurde für diese Schrift der neutrale Ausdruck »First Response-Einheiten« gewählt. Der so genannte »Helfer vor Ort« des DRK unterscheidet sich von einer First Response-Einheit insbesondere dadurch, dass er in der Regel einzeln zum Einsatz kommt und dafür meistens ein Privatfahrzeug nutzt.

[4]Diese Publikation richtet sich an alle Feuerwehrangehörigen, die im First Response-Dienst tätig sind, im First Response-Dienst tätig werden sollen oder sich nur über diese Aufgabe informieren möchten. Außerdem richtet sich die Publikation an alle Führungskräfte im Rettungswesen, die sich einen Überblick zu dieser Thematik verschaffen möchten.

Die erste Auflage dieser Schrift erschien im Jahr 2004. Die Kapitel 1, 2 und 3 waren von Gerhard Nadler verfasst worden. Der Abschnitt 3.1 unter Mitarbeit von Martin Caspari (Feuerwehrarzt aus Buseck), der Abschnitt 3.2 unter Mitarbeit von Nikolaus Jocham (Notarzt aus München). Für die nun vorliegende zweite Auflage wurden die Kapitel 1 und 2 komplett überarbeitet. Das Kapitel 3 wurde von Thomas Klusak durchgesehen und aktualisiert. Das Kapitel 4 der ersten Auflage, das damals von Jochen Maaß verfasst worden war, wurde durch ein neues viertes Kapitel ersetzt.

Mit den Arbeiten an dieser zweiten Auflage wurde bereits im Frühjahr 2020 begonnen. Aber die Coronapandemie und deren Auswirkungen verzögerten sowohl die Fertigstellung des Manuskriptes als auch die Drucklegung des Buches. Auch konnten die Informationen, die für den Abschnitt 2.2 benötigt wurden, von den Ministerien aufgrund der pandemiebedingten hohen Arbeitsbelastung zum Teil erst im Herbst 2020 zur Verfügung gestellt werden. Vor allem war aber die Anfertigung der Bilder aufgrund von Kontaktbeschränkungen im Bereich der Feuerwehren lange Zeit nicht möglich.

In dieser Auflage, die 20 Seiten umfangreicher als die erste Auflage ist, wurde ausführlich auf die Entwicklungen im Bereich First Response in den letzten Jahren eingegangen. Zudem wurde nun zur zivilrechtlichen und zur strafrechtlichen [5]Haftung sowie zu den relevanten medizinrechtlichen Aspekten wesentlich detaillierter ausgeführt.

An dieser Stelle möchte ich Herrn Rechtanwalt Christian Drschka (Friedberg/Hessen) für die kritische Durchsicht des Abschnitts 2.5 danken. Zudem möchte ich der Freiwilligen Feuerwehr Ottobrunn, vor allem deren Fotografen Klaus Fischer, für die Anfertigung der zahlreichen Fotos zu Kapitel 3 danken.

München, Oktober 2022

Prof. Dr. Gerhard Nadler

[7]Inhalt

Vorwort

1

Einleitung

1.1

Begriffe

1.2

Die ersten drei Jahre

1.3

Das Modellprojekt Helfendorf

1.4

Die weitere Entwicklung

1.5

Entwicklung in den letzten Jahren

1.5.1

Entwicklung im Landkreis München

1.5.2

Entwicklung im Landkreis Rosenheim

1.5.3

Ausrückzeiten und Einsatzdauer

2

Aufgaben und rechtliche Aspekte

2.1

Aufgaben von First Response-Einheiten

2.2

Rechtliche Einordnung

2.3

Stellungnahme des Deutschen Feuerwehrverbandes (DFV)

2.4

Empfehlung des Ausschusses »Rettungswesen«

Eckpunkte für örtliche Einrichtungen organisierter Erster Hilfe (Ersthelfersysteme)

2.5

Rechtliche Aspekte zum First Response-Einsatz

2.5.1

Zivilrechtliche Haftung

2.5.2

Strafrechtliche Haftung

2.5.3

Sondersignale, Wegerecht und Sonderrechte

2.5.4

Medizinrechtliche Aspekte

3

Ausrüstung und Handlungsempfehlungen

3.1

Wichtige Ausrüstungsgegenstände

3.2

Handlungsempfehlungen zur Ersten Hilfe

3.2.1

Allgemeine Verhaltenshinweise

3.2.2

Handlungsempfehlungen für akut lebensbedrohliche Notfallsituationen

3.2.2.1

Bewusstlosigkeit

3.2.2.2

Atemwegsverlegung/Atemstillstand

3.2.2.3

Herz-Kreislauf-Stillstand

3.2.2.4

Atemnot

3.2.2.5

Starker Brustschmerz

3.2.2.6

Kohlenmonoxid-/Kohlendioxid-/Rauchvergiftung

3.2.2.7

Verbrennung

3.2.2.8

Lebensbedrohliche Verletzungen

3.2.3

Verhaltenshinweise für sonstige Notfallsituationen

3.2.4

Maßnahmen der ersten Untersuchung

3.2.5

Maßnahmen der erweiterten Ersten Hilfe

4

First Response-Systeme

4.1

Feuerwehren

4.2

Weitere Systeme

Fazit

Abkürzungen

Literaturverzeichnis

[9]1Einleitung

1.1Begriffe

In vielen Regionen in Deutschland kommen bei medizinischen Notfällen heute »First Responder-Teams« von Freiwilligen Feuerwehren zum Einsatz. Dadurch soll bei zeitkritischen medizinischen Notfällen das so genannte therapiefreie Intervall verkürzt werden. Dieses Kapitel gibt einen Einblick in die Entwicklung des First Response-Dienstes bei Freiwilligen Feuerwehren, die 1993 in Bayern begann.

Begriff »First Responder«

Der Begriff »First Responder« kommt aus dem anglo-amerikanischen Sprachraum. Das englische Wort »response«, bedeutet wörtlich übersetzt »Antwort«, »Reaktion« oder »Rückmeldung«. Insofern kann »First Response« als »erste Reaktion« und »First Responder« als »der zuerst Reagierende« übersetzt werden. Diese Ersthelfer werden vor allem bei akut lebensbedrohlichen medizinischen Notfällen dem Rettungsdienst vorab geschickt, um durch Maßnahmen der erweiterten Ersten Hilfe die Zeit bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes zu überbrücken.

Im deutschen Rettungswesen hat sich der Begriff »First Responder« als umgangssprachlicher Begriff für »Örtliche Einrichtungen organisierter Erster Hilfe (Ersthelfergruppen)« etabliert. Diese Ersthelfergruppen werden in verschiedenen Bundesländern und auch in Abhängigkeit davon, ob sie von einer Hilfsorganisation oder der Feuerwehr aufgestellt sind, [10]unterschiedlich bezeichnet. Bei Feuerwehren in Bayern ist der Begriff »First Responder« üblich. In Hessen werden diese Ersthelfer als »Feuerwehr-Voraushelfer« bezeichnet, in Nordrhein-Westfalen als »Feuerwehr-Notfallhelfer«. Im Verwaltungsrecht werden diese Ersthelfergruppen als »Örtliche Einrichtungen organisierter Erster Hilfe« bezeichnet.

Die Konzepte der Freiwilligen Feuerwehren in Deutschland sehen meist den Einsatz von zwei bis vier Ersthelfern vor, die über Funkmeldeempfänger alarmiert werden und dann mit einem im Feuerwehrgerätehaus stehenden Fahrzeug oder mit einem mitgeführten Einsatzfahrzeug zum Notfallort fahren. Bei vielen Feuerwehren stehen für den »First Response-Einsatz« speziell für diesen Zweck beschaffte Personenkraftwagen zur Verfügung. Bei Berufsfeuerwehren rückt zum »First Response-Einsatz« häufig ein Hilfeleistungslöschfahrzeug aus.

Die Helfer-vor-Ort-Systeme der Hilfsorganisationen arbeiten vielerorts nach einem etwas anderen Konzept; oft begeben sich nur einzelne Helfer mit einem Privatfahrzeug zum Notfallort.

Begriff »Therapiefreies Intervall«

Die Zeit vom Eintreten eines medizinischen Notfalls bis zum Einleiten wirkungsvoller (medizinischer) Maßnahmen wird »therapiefreies Intervall« genannt. In Abhängigkeit von der Art und Schwere des Notfalls kann der Notfallpatient das therapiefreie Intervall unterschiedlich lange tolerieren, ohne weitere gesundheitliche Schäden zu erleiden. Beim Herz-Kreislauf-Stillstand treten nach etwa fünf Minuten die ersten Gehirnschäden auf, wenn innerhalb dieser Zeit keine wirkungsvollen Erste-Hilfe-Maßnahmen eingeleitet werden.

[11]Ähnlich ist die Situation beim Atemstillstand und bei anderen akuten Notfällen.

Bild 1: Ohne wirkungsvolle Erste Hilfe versterben vor allem Notfallpatienten mit Herzstillstand und Atemstillstand innerhalb weniger Minuten (vgl. M. Cara: Notfallmedizin 9: 205).

1.2Die ersten drei Jahre

Dieser Abschnitt gibt einen Einblick in die erste Etappe der Entwicklung von Sommer 1993 bis Sommer 1996.

Idee und Hürden

Nikolaus Jocham und Gerhard Nadler, der Verfasser dieser Publikation, machten bei Einsätzen im Rettungsdienst mit langen Anfahrten im ländlichen Raum immer wieder die Beobachtung, dass bei einer Parallelalarmierung der Ortsfeuerwehr, beispielsweise bei Verkehrsunfällen, die Freiwillige Feuerwehr stets nach wenigen Minuten am Einsatzort war. Eine [12]Hospitation des Verfassers im Rettungsdienst in Poway, Carlsbad und Oceanside (San Diego County, Kalifornien/USA), vor allem die Erfahrungen mit den dort als »First Responder« zum Einsatz kommenden Besatzungen von Löschfahrzeugen, veranlasste die beiden im Jahr 1993 über ein in Deutschland umsetzbares First Response-Konzept nachzudenken. Im nördlichen Landkreis München dachten zu dieser Zeit, das sollte sich aber erst später herausstellen, die Notärzte Dr. Andreas Dauber und Dr. Peter Rupp sowie Maximilian Eichner (FF Oberschleißheim) und Hans Hüfner (FF Unterschleißheim), inspiriert durch Berichte aus den USA, ebenfalls über ein Konzept zum Einsatz von Ortsfeuerwehren als First Responder nach.

Zur Umsetzung ihres im Sommer 1993 erstellten Konzeptes riefen Gerhard Nadler, Nikolaus Jocham und Dr. Norbert Schmitz im Herbst 1993 schließlich die »ARGE: Erste-Hilfe-Trupps« ins Leben, der sich im Frühjahr 1994 einige Rettungsdienstmitarbeiter der Johanniter-Unfall-Hilfe Ottobrunn und auch der Feuerwehrarzt Dr. Christoph Schmitt-Hausser aus Neubiberg anschlossen. Angedacht war in den oberbayerischen Landkreisen Ebersberg, München und Rosenheim ein Modellprojekt mit Erste-Hilfe-Trupps von Ortsfeuerwehren durchzuführen. Aus Gesprächen mit dem damaligen Leiter der Rettungsleitstelle München, die vom BRK betrieben wurde, und mit Mitgliedern von Kreisbrandinspektionen in den drei Landkreisen ging hervor, dass gegenüber einem First Response-Dienst durch Feuerwehren erhebliche Vorbehalte bestanden. Deshalb wurde in der ARGE zunächst über eine Strategie nachgedacht, die letztlich die Realisierung eines Modellprojektes ermöglichen könnte.

[13]Politik und Medien

Der ARGE erschien es am wahrscheinlichsten das angedachte Modellprojekt mittelfristig durch die Unterstützung eines hochrangigen Landespolitikers einer etablierten Oppositionspartei realisieren zu können. Diese Überlegung basierte zum einen auf der Funktion der Opposition in einer Demokratie und zum anderen auf Erkenntnissen der Sozialwissenschaften. Letztlich konnte Professor Dr. Jürgen Doeblin, damals Fraktionsvorsitzender der FDP im Bayerischen Landtag, der sich schon früher für das Rettungswesen engagierte, für die Idee begeistert werden. Zunächst fand am 28. Oktober in Keferloh (Landkreis München) ein Expertengespräch statt an dem Prof. Doeblin, die drei Mitglieder der ARGE sowie eine große Zahl an Führungskräften von Feuerwehren aus den Landkreisen Ebersberg, München und Rosenheim teilnahmen. Die meisten Führungskräfte der anwesenden Feuerwehren zeigten sich bezüglich einer Teilnahme am angedachten Modellprojekt der ARGE sehr interessiert.

Daraufhin lud Prof. Doeblin das BR-Fernsehen und die regionalen Tageszeitungen für den 2. November 1993 zu einer Pressekonferenz nach Aying (Landkreis München) ein, um ein Konzept zur Verkürzung des therapiefreien Intervalls durch Feuerwehr-Ersthelfer vorzustellen. Die überregionale Presse und den Hörfunk lud er zu einer Pressekonferenz am 3. November in den Bayerischen Landtag ein. In Aying wurde dem Fernsehteam und den Reportern der Tageszeitungen ein Einsatz eines Feuerwehr-Erste-Hilfe-Trupps demonstriert. Die ARGE stellte ihr Konzept vor und der Politiker gab Interviews in denen er betonte, das Konzept und das angedachte Modellprojekt zu unterstützen.

[14]Bild 2: Pressetermin November 1993 in Aying. Die Initiatoren stehend (v.l.n.r.) Gerhard Nadler und Nikolaus Jocham

Medienberichte und Folgen