Flammenwüste - Das Geheimnis der goldenen Stadt - Akram El-Bahay - E-Book

Flammenwüste - Das Geheimnis der goldenen Stadt E-Book

Akram El-Bahay

4,5
1,49 €

Beschreibung

Geheimnisse, seit Jahrtausenden im Sand verborgen...Der Karawanenführer Kadim traut seinen Augen kaum, als er mit seinem Tross einen niedergebrannten Ort erreicht. Was für ein Feuer ist heiß genug, dass es Stein zum Schmelzen bringt? Dass es Menschen von einem Moment auf den anderen zu Asche verbrennt? Die einzige Antwort scheint unmöglich: Drachenfeuer! Schon bald muss Kadim feststellen, dass die Wüste tausendundein Geheimnisse birgt. Drachen verstecken sich dort, Wüstenkrieger lauern im Sand. Und in einer vergessenen Stadt wartet ein tödlicher Schatz... Dieses E-Book enthält außerdem eine ausführliche Leseprobe zum Roman "Flammenwüste" - dem Auftakt zu einem großartigen Fantasy-Epos über Märchen, Magie und Heldenmut.

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Seitenzahl: 136

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Inhalt

Cover

Über dieses Buch

Über den Autor

Titel

Impressum

1. Tod und Asche

2. Ein Märchen am Feuer

3. Schatten in der Nacht

4. Drachenfeuer

5. Am Ende des Weges

6. Das Grab des Kalifen

7. Schlagendes Herz

8. Ein unerwarteter Held

Leseprobe: »Flammenwüste«

Über dieses Buch

Geheimnisse, seit Jahrtausenden im Sand verborgen …

Der Karawanenführer Kadim traut seinen Augen kaum, als er mit seinem Tross einen niedergebrannten Ort erreicht. Was für ein Feuer ist so heiß, dass es Stein zum Schmelzen bringt? Dass es Menschen von einem Moment auf den anderen zu Asche verbrennt? Die einzige Antwort scheint unmöglich: Drachenfeuer! Doch schon bald muss Kadim feststellen, dass die Wüste tausendundein Geheimnisse birgt. Drachen verstecken sich dort, Wüstenkrieger lauern im Sand. Und in einer vergessenen Stadt wartet ein tödlicher Schatz …

Die Vorgeschichte zum Roman »Flammenwüste«, dem großartigen Fantasy-Epos über Märchen, Magie und Heldenmut

Über den Autor

Akram El-Bahay hat seine Leidenschaft, das Schreiben, zum Beruf gemacht: Er arbeitet als Journalist und Autor. Als Kind eines ägyptischen Vaters und einer deutschen Mutter ist er mit Einflüssen aus zwei Kulturkreisen aufgewachsen. Dies spiegelt sich auch in seinen Romanen wider: klassische Fantasy-Geschichten um Drachen und Magie, die ebenso sehr an den Herrn der Ringe wie an orientalische Märchen erinnern.

AKRAM EL-BAHAY

Flammenwüste

DAS GEHEIMNIS DERGOLDENEN STADT

BASTEI ENTERTAINMENT

Mai 2014

Vollständige E-Book-Ausgabe

des in der Bastei Lübbe AG erschienenen Werkes

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

Copyright © 2014 by Bastei Lübbe AG, Köln

Autor: Akram El-Bahay

Projektmanagement: Stephan Trinius

Lektorat: Anne Rudolph

Titelgestaltung: Guter Punkt, München

E-Book-Produktion: le-tex publishing services GmbH, Leipzig

ISBN 978-3-8387-5984-5

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

1. Tod und Asche

Zieht nicht den Korken heraus!« Kadim, der Führer der kleinen Karawane, griff nach der Flasche, die der Einäugige im Wüstensand gefunden hatte.

Der Alte aber drehte sich zur Seite, ehe Kadim sie ihm aus der Hand schlagen konnte. Er zog den Korken aus der Flasche und lugte mit seinem gesunden Auge in sie hinein, als wollte er die Sandkörner an ihrem Boden zählen.

»Ist eh nichts drin«, kicherte der Alte wie ein Ziegenbock und warf sie Kadim vor die Füße. »Wovor hast du so eine Angst, Junge? Glaubst du, ein Geist kommt aus der Flasche und stiehlt dir das Leben?« Der Alte hob die Hände über den Kopf und fuchtelte mit ihnen herum, als würde er einen unsichtbaren Angreifer abwehren. Dann lachte er wieder. »Das sind doch nur dumme Geschichten.«

»Geschichten sind mir gleich«, sagte Kadim düster und warf dem Alten einen bösen Blick zu. »Aber es bringt Unglück, sich am Besitz der Toten zu vergreifen.«

Und Tote musste es hier zuhauf gegeben haben, dachte Kadim, als er seinen Blick über die rauchenden Ruinen der Karawanserei gleiten ließ. Obwohl es kaum Spuren von ihnen gab. Das meiste ihrer Körper schien zu Asche verbrannt zu sein. Dann bückte er sich und hob die Flasche auf. Als der Alte nicht hinsah, warf auch Kadim einen schnellen Blick hinein, bevor er sie so weit wegschleuderte, wie er konnte. Dumpf landete sie hinter einem der schwelenden Mauerreste im Sand.

Der Karawanenhof, der sich, seit Kadim denken konnte, an dieser Stelle inmitten eines Hains aus Dattelpalmen und Kameldornbäumen befunden hatte, war bis auf die Grundmauern niedergebrannt. Auch von dem Hain war nicht mehr übrig als ein paar verkohlte Stämme. Nie wieder würden hier die gelben Blüten in der Mittagssonne funkeln, die der Karawanserei einst ihren Namen gegeben hatten: Goldhof.

Kadim hatte schon viel gesehen. Beinahe dreißig Jahre war er schon auf der Welt und die meiste Zeit davon hatte er in der Wüste verbracht. Seit etlichen Generationen führte seine Familie Karawanen aus den Ländern der Kaffeedynastien im Norden in den Süden, vorbei an der großen Stadt Nabija und dann weiter am Roten See vorbei, auf dem die Stadt Hambar schwamm, bis zu den Seefahrern von Nubiéd. Immer der alten Gewürzstraße folgend, von einer Karawanserei zur nächsten. Doch so etwas wie das hier hatte selbst er noch nicht erlebt. Ein Feuer, das so hungrig gewesen war, dass es bis auf ein paar wenige Ausnahmen nicht einmal die Knochen der Toten übrig gelassen hatte. Einige der Mauerreste waren geschmolzen, und der Stein strahlte immer noch Hitze wie ein Lagerfeuer ab. Das Feuer hatte den Boden schwarz gefärbt. Kadim hatte eines der auf dem Boden herumliegenden Trümmerstücke angefasst, um es zu untersuchen. Es hatte geglüht, und Kadims Haut schmerzte dort, wo er den heißen Stein berührt hatte. Was für ein Feuer konnte bloß Stein zum Schmelzen bringen?

»Was machen wir nun?«, fragte der einäugige Alte und spuckte auf den Boden. »Rasten wir oder reiten wir weiter?« Beiläufig zog er eine Karte aus einer Falte seines Kapuzengewandes, das ebenso blau wie der Abendhimmel war, der sich über ihnen spannte.

Schon wieder. Kadim sah ständig, wie er das Papier anstarrte. Wie oft hatte es der Alte heute schon herausgezogen? Tausendundeinmal? Die seltsame Karte würde ihm sicher auch diesmal nicht mehr verraten als die Male zuvor.

Kadim kniff die Augen zusammen. Die Sonne stand schon tief. Sie ließ Schatten wachsen und das Meer aus Sand leuchten, als würde das Feuer in ihm nisten. Die Nacht kam, und selbst er war müde vom Weg, der hinter ihnen lag. Aber bleiben? Kadim glaubte, den Tod in der Luft dieses Ortes schmecken zu können. Wenn ihm doch noch ein paar Stunden mehr vergönnt wären. Dann würde er es wagen und weiterziehen. So lange, bis nur noch die Sterne die Welt erhellten. Aber er führte eine Karawane voller Stadtleute, die das Reiten ebenso wenig gewöhnt waren wie er das Schlafen in einem Bett. Die Erschöpfung stand Kadims Begleitern ins Gesicht geschrieben – genau wie die Furcht. Kadim seufzte schwer. »Errichtet das Lager. Wir bleiben hier.«

Der Alte sah von der Karte auf und betrachtete Kadim fragend mit seinem gesunden Auge. »Wir bleiben? An diesem Ort? Sonst treibst du uns doch immer zur Eile. Als ob uns ein Ifrit auf den Fersen wäre.«

Kadim zuckte mit den Schultern und machte sich an einer der Satteltaschen zu schaffen. »Es ist zu spät, um weiterzuziehen.«

»Ich hoffe, du glaubst nicht, ich hätte uns aufgehalten, Junge«, meinte der Alte und ließ die Karte wieder in seinem Gewand verschwinden. »Nur weil ich gelegentlich links und rechts des Weges schaue.«

Kadim warf dem Einäugigen einen düsteren Blick zu. Erst wenige Tage war er mit Faris unterwegs und doch konnte er die Male schon nicht mehr zählen, die der Alte sein Kamel plötzlich von der Karawane weg und in die Wüste gelenkt hatte, um nach Spuren zu suchen, wie er sagte. Um das, wonach er Ausschau hielt, machte er dabei ein ebenso großes Geheimnis wie um die Karte, auf die er niemanden einen Blick werfen ließ. Kadim presste ärgerlich die Lippen zusammen. Nie wieder würde er jemanden mitnehmen, dem das Wort Schatzjäger so deutlich auf der Stirn geschrieben stand wie dem Alten.

Anders als die Einäugigen, die bettelnd die Marktplätze säumten, hatte er sein blindes Auge nicht verhüllt. Er trug es offen. Beinahe schien er stolz darauf zu sein. Kein schöner Anblick, fand Kadim. Eine lange Narbe lief quer über die braune Haut seines Gesichts, die aussah wie gegerbtes Leder. Von der Stirn über den milchigen Augapfel an der Nase, die einem Falkenschnabel glich, entlang bis zur Spitze seines Kinns. Kadim hätte sich einen Mann, der den Namen Faris trug, anders vorgestellt. Faris. Der Ritter. Doch vielleicht waren echte Ritter nicht strahlend wie im Märchen, sondern vernarbt und gezeichnet.

»Die Haschirim sind abergläubisch. Sie werden nicht an diesen Ort zurückkehren. Sie meiden die Toten, deren Zorn sie auf sich gezogen haben. Und ich will ihnen in der Nacht nicht in die Arme laufen.«

»Du glaubst, die Wüstenkrieger hätten diese Zerstörung gebracht? Seit wann sind die Haschirim unter die Brandstifter gegangen? Warum sollten sie die Häuser anzünden, die sie ausgeraubt haben?«

Kadim antwortete nicht. Er ging stattdessen zu den anderen hinüber, die in einem engen Kreis bei den Kamelen standen, als müssten sie sich gegenseitig schützen. Kadim klopfte seinem Cousin Ahmed aufmunternd auf die Schulter. Der große Mann, der stark wie ein Ochse, aber gutmütig wie ein Kalb war, streichelte gedankenverloren eines der Kamele. Wie üblich trugen sie die Säcke mit den hellgrünen, noch ungerösteten Bohnen, die in den Kaffeehäusern der großen Städte immer sehnlichst erwartet wurden. Morgen würde er die Ware an seinen Bruder Agali übergeben. Er sollte sie nach Nabija bringen, während Kadim nach einem kurzen Abstecher in eine nahe Karawanserei wieder nach Norden reiten würde. Neben ihm starrte Ra’ouf, der Abgesandte der Kaffeeherren, auf die qualmende Ruine. Er kaute den ganzen Tag auf Qat-Blättern herum, die einen Menschen in einen Rausch versetzten, wie es sonst nur Wein tat. Getrocknet verloren sie einiges an Wirkung, und diesmal musste er sich wohl ein ganzes Bündel von ihnen in den Mund geschoben haben, so dick wie seine Backe war. Nüchtern mochte er ebenso herrisch und aufbrausend sein, wie man es seinen Herren nachsagte. Aber dank der Blätter, die er sich nimmersatt in seine Backentasche stopfte, war sein Blick stets so vernebelt wie die Wüste am frühen Morgen. Doch selbst in den sonst so glasigen Augen erkannte Kadim Angst.

»Es war ein Überfall«, sagte er laut, als müsste er die anderen davon überzeugen. Er griff nach einem der Wasserbeutel am Sattel eines Kamels und gab ihn Ahmed. »Die passieren immer wieder, egal, wie viele Soldaten der Sultan die Gewürzstraße entlangschickt.«

»Ein Überfall?« Ahmed klang alles andere als überzeugt und zog den Stopfen aus dem Beutel. Hastig setzte er ihn an die Lippen, als könnte das Wasser ihm den Geschmack des Todes von den Lippen waschen.

»Es gibt Gerüchte.«

Kadim sah zu dem Jungen hinüber, der die Worte gesprochen hatte. Kaum siebzehn Jahre alt mochte er sein, das Gesicht noch so unbeschrieben wie ein leeres Blatt. Sicher hatte er im Gegensatz zu Kadim, der in diesem Alter schon für eine Karawane verantwortlich gewesen war, noch keinen Tag um sein Leben fürchten müssen. Kadim erkannte in dem Jungen eine Unbekümmertheit, selbst inmitten des allgegenwärtigen Todes, die nur bei denen zu finden war, die noch ihr ganzes Leben vor sich hatten. Die noch nie an ihre Grenzen gestoßen waren und glaubten, die Welt könnte ihnen keine setzen. Für einen Moment beneidete Kadim den Jungen darum. Ihm selbst schien diese Zeit endlos weit entfernt.

Anûr hieß der Junge, der seinen Großvater Nûr ed-Din nach Nabija begleitete. Kadim hatte noch nie von ihm gehört, doch Ahmeds Augen hatten bei dem Namen aufgeleuchtet. Nûr war ein berühmter Märchenerzähler. Einer, der Dschinnen und Ifriten mit seinen Worten zum Leben erweckte. Dessen Stimme riesenhafte Vögel in den Himmel und menschenfressende Ghoulas in die Nacht malen konnte. Ahmed hatte einmal in der Wasserstadt gelebt, in der sich die beiden Erzähler der Karawane angeschlossen hatten. Dort hatte wohl jedes Kind einmal eine Geschichte von Nûr erzählt bekommen, in denen die Helden die Wüste bereisen und dort sagenhafte Abenteuer erleben. Reiten konnten aber weder er noch der Junge. Kadim schmerzte der Rücken schon, wenn er ihnen nur zusah.

»Gerüchte? Worüber?« Kadim fuhr sich mit der Hand durch das nachtschwarze Haar. Er ahnte die Antwort, doch er hoffte, dass sie ihm erspart blieb. Sie war der Grund, warum die Karawanenführer die Gewürzstraße in diesen Tagen so voller Angst entlangzogen.

»Über Angriffe.« Die Antwort kam von Ahmed, und er sprach so leise, als wäre er sich nicht im Klaren darüber, was er von seinen eigenen Worten halten sollte. »Über niedergebrannte Karawanenhöfe wie diesen. Die Leute erzählen sich, dass es nicht die Haschirim sind, die das Feuer in die Karawansereien bringen. Ein Feuer, das sogar Steine schmelzen kann.« Er presste den Wasserbeutel an sich wie einen Schild.

»Drachenfeuer.«

Faris war so unbemerkt hinter Kadim erschienen, dass er vor Schreck zusammenzuckte. Ärgerlich sah er den Einäugigen an. Drache. Da war das Wort, das sich keiner auszusprechen getraut hatte. »Ein Drache? Wie könnt ihr nur an diesen Unsinn glauben?« Er warf ihnen, einem nach dem anderen, einen tadelnden Blick zu.

Zwischen den Trümmern trat Nûr, der alte Geschichtenerzähler, hervor. Seine Augen leuchteten, als habe sich sein größter Wunsch erfüllt. »Er hat recht«, sagte er aufgeregt. »Es ist fast alles verbrannt. Das kann nur ein Drachenfeuer gewesen sein.«

»Was redet ihr da?«, fragte Kadim und schüttelte den Kopf. »Ein Drache? Das ist doch nicht euer Ernst.«

»Natürlich nicht«, antwortete Ahmed gedehnt, doch der Klang seiner Stimme sagte das Gegenteil. »Aber die Leute reden von nichts anderem mehr. Die ganze Welt scheint für sie nur noch aus Haschirim und Drachen zu bestehen.«

»Es gibt keine Drachen«, sagte Kadim entschieden. Doch da war ein leichtes Zittern in seiner Stimme, als ob es die Worte Lügen strafen wollte. »Wir bleiben. Und morgen, sobald die Sonne aufgeht, ziehen wir weiter.«

2. Ein Märchen am Feuer

Die Flammen des Lagerfeuers, um das die Gruppe herumsaß, ließen wilde Schatten über den Sand tanzen. In einem kleinen Topf kochte Kadim einen Brei aus Datteln und gab jedem ein Stück Brot dazu. Als sie gegessen hatten, öffnete er eine der Weinflaschen, die er mit sich führte. Immer, wenn er in der Wasserstadt, die ihren Namen den vielen Flüssen verdankte, die sich wie Schlangen um sie herumwanden, war, nahm er einige mit. Kein Wein war besser als der, dessen Trauben auf einem der grünen Felder der Stadt wuchsen.

»Wollt Ihr?« Er reichte Nûr die Flasche, doch Faris zog sie ihm so geschickt wie einer der Diebe aus Nabijas Suq aus der Hand. Kadim sah dabei, dass der Ringfinger an seiner linken Hand fehlte. Wie passend, dachte Kadim. Man verlor verschiedene Finger, je nachdem, bei was für einem Diebstahl man erwischt wurde. Ein kleiner Finger für ein gestohlenes Stück Obst. Ein Zeigefinger für Brot. Und den Ringfinger hieb einem der Scharfrichter für eine Weinflasche ab, die ungewollt den Besitzer gewechselt hatte.

»Gerne.« Der Einäugige kicherte heiser und nahm einen tiefen Schluck. »Nüchtern macht keine Suche Freude.« Er wischte sich den Mund ab und reichte die Flasche Nûr.

»Eine Suche?« Der Erzähler nahm die Flasche entgegen, beäugte sie misstrauisch und gab sie seinem Enkel.

»Er verrät keinem, wonach er mit seinem einen Auge Ausschau hält«, sagte Kadim. Obwohl Schatzjäger alle eitel sind und sich immer mit ihren Abenteuern brüsten, fügte er in Gedanken hinzu. »Vielleicht weiß er es nicht einmal selbst.«

Kadim legte ein Holzscheit nach, und das Holz stieß knackend ein paar Funken in den Sternenhimmel. Der Wind wehte stärker als sonst. Womöglich war ein Sandsturm im Anmarsch. Einer der großen Sandstürme, die die Beduinen Chamsin nennen, war bei einem solchen Wetter nicht ungewöhnlich, und Kadim hoffte, dass sie in der Nähe einer Zuflucht wären, sollte einer ihren Weg kreuzen.

»Dir würde ich es sicher nicht verraten, Junge«, sagte Faris barsch. »Aber dieser hier«, er deutete auf Nûr, »kennt die Geschichten, nicht wahr? Er weiß, was ich meine, wenn ich über die goldene Stadt spreche.«

Nûrs Augen wurden groß. »Die goldene Stadt? Ihr sucht nach Iram?«

Faris zog Anûr die Flasche aus den Händen, ehe der Junge einen Schluck nehmen konnte, und setzte sie an den Mund. Er trank in schnellen Zügen, und die Wangen des Einäugigen färbten sich bald ebenso rot wie die Sonne am Abend. »Das ist mein Ziel«, sagte er mit rauer Stimme und nahm einen weiteren Schluck. Der Wein und die Aufmerksamkeit der anderen schienen seine Stimmung zu heben, und beides machte ihn geschwätzig.

»Dann werdet Ihr sterben«, sagte Kadim knapp. Iram. Selbst er, der sich nichts aus Geschichten machte, hatte schon von der verlorenen Stadt gehört. Die Karawanenführer erzählten einander gerne abends am Feuer von der goldenen Stadt oder noch verrückteren Dingen, die es nur in Märchen gab.

»Ach ja?«, meinte Faris und funkelte Kadim böse mit seinem einen Auge an. »Und weshalb?«

»Weil auch alle anderen gestorben sind, die nach Iram gesucht haben«, antwortete Anûr an seiner Stelle. Der junge Mann strich sich das dunkle Haar aus der Stirn. »Keiner weiß, wo die Stadt ist.«

»Eine goldene Stadt?« Ra’ouf, der Gesandte der Kaffeeherren, blickte mit seinen wässrigen Augen neugierig in die Runde. Selbst der Schein des Feuers vermochte nicht, Farbe auf sein dickliches, blasses Gesicht zu malen. »Von so einem Wunder habe ich noch nie gehört.«

»Es ist nur eine Geschichte«, sagte Kadim.

»Eine Geschichte voller Schätze. Und einem Geheimnis. Von dem habt vielleicht noch nicht einmal Ihr gehört«, ergänzte Nûr und sah zu Faris hinüber.