• Herausgeber: GRAFIT
  • Kategorie: Krimi
  • Sprache: Deutsch
  • Veröffentlichungsjahr: 2011
Beschreibung

Ein Hund ist schuld, dass Lila Ziegler auf der Straße landet: Ein Obdachloser, der :Fliege9 genannt wird, verschwindet aus Molles Kneipe und lässt sein Tier zurück. Der dicke Wirt bittet Privatdetektiv Ben Danner und Lila, den rechtmäßigen Hundebesitzer zu suchen, um den kleinen Kläffer wieder loszuwerden. Ein Freundschaftsdienst, der sich nebenbei erledigen lässt, so glauben alle drei. Doch dann muss Danner Prügel einstecken und Lila macht sich mit den Gesetzen der Straße vertraut. Sie mischt sich unter die obdachlosen Kids - und das mitten im Winter. Was als eiskalter Job beginnt, wird bald tödlicher Ernst ... Lucie Flebbe kann es einfach: Auch Lilas dritter Fall besticht durch den unnachahmlichen Erzählstil und das Eintauchen in ein höchst ungewöhnliches Milieu - Krimikunst vom Feinsten!

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Seitenzahl: 281

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Copyright

Originalausgabe © 2011 by GRAFIT Verlag GmbH Chemnitzer Str. 31, D-44139 Dortmund Internet: http://www.grafit.de E-Mail: [email protected] Alle Rechte vorbehalten. Umschlagabbildung: Carsten Hardt unter Verwendung eines Fotos von Anna-Lena Thamm und für den Bildhintergrund Elneathewise: Winter bench © istockphoto, Beoart011: Wall with snow © istockphoto und Subman: Red rose in snow on grave © istockphoto; http://www.carsten-hardt.de/ eISBN 978-3-89425-849-8

Lucie Flebbe

Fliege machen

Kriminalroman

Die Autorin

Lucie Flebbe (vormals Klassen) kam 1977 in Hameln zur Welt. Sie ist Physiotherapeutin und lebt mit Mann und Kindern in Bad Pyrmont.

Mit ihrem Krimidebüt Der 13. Brief mischte sie 2008 die deutsche Krimiszene auf. Folgerichtig wurde sie mit dem ›Friedrich-Glauser-Preis‹ als beste Newcomerin in der Sparte Romandebüt ausgezeichnet. Der zweite Fall für Lila Ziegler folgte 2010 mit Hämatom.

www.lucieflebbe.de

1.

Vor mir stand ein Schlumpf.

Ein kleiner, stinkender Schlumpf, der zu allem Überfluss hicksende Heulgeräusche von sich gab wie ein defekter Feuermelder.

Mein Name ist Lila, ich bin zwanzig Jahre alt und ich habe definitiv den falschen Job.

Dabei war heute erst mein zweiter Tag als Praktikantin in der Schlumpfgruppe des Zwergenland-Kindergartens in Bochum-Langendreer. Aber es war bereits die dritte vollgeschissene Hose an diesem Vormittag und die brachte mich dazu, meine Berufswahl zu überdenken. Wieso zum Teufel hatte ich mich zu dieser Arbeit überreden lassen?

»A-a«, jaulte der breitbeinig vor mir stehende rothaarige Schlumpf namens Till mit tränenüberströmtem Gesicht.

Gehörte der Toilettendienst eigentlich nur zu meinem Aufgabenbereich?

Ich sah zu Doro und Birgit hinüber. Die Erzieherin und die Gruppenleiterin waren mindestens genauso zuständig.

Doch die taten dreist, als würden sie Tills Gejodel überhören. Durch das mit tanzenden Schneemännern aus Tonkarton beklebte Fenster betrachteten die Frauen tuschelnd die Hinterteile der beiden Hausmeister, die im Außenspielbereich ein im Sand stehendes Klettergerüst reparierten.

Auch ich warf einen kurzen Blick nach draußen. Gut, das Gesäß vom alten Berti war wahrscheinlich nicht das Objekt des allgemeinen Interesses. Die fünfzig Kilo Übergewicht seines Bauchs zogen ihn nach vorn, wodurch der hintere Bereich der blauen Arbeitshose heruntergerutscht war und die Aussicht auf zwei nicht gerade knackig wirkende Arschbacken freigab.

Zweifellos war es die Hinternansicht von Bertis neuem Kollegen, die die Aufmerksamkeit der beiden Kindergärtnerinnen fesselte. Von vorn betrachtet hätte der Neue in seinem verschmierten Blaumann, dem kratzigen Strickpullover und der tief ins schlecht rasierte Gesicht gezogenen Mütze Bertis fünfzig Kilo leichterer kleiner Bruder sein können. Doch aus unserer momentanen Perspektive betrachtet, war unübersehbar, dass sein Hintern die Hose ausfüllte.

»A-aaaaaa!«, schrie Till jetzt so trommelfellvernichtend laut, dass mir die Grenzen meines Aufgabenbereichs augenblicklich wurscht wurden.

»Ist ja gut!«, zischte ich gereizt. »Komm schon mit.«

Seufzend betrachtete ich den nassen braunen Fleck auf der Rückseite von Tills winziger – oha! – Levis-Jeans, während ich das kreischende Kind in den Waschraum mit den winzigen Kindertoiletten schob. Im Vorbeigehen schnappte ich mir eine Ersatzhose aus dem für derartige Notfälle bereitstehenden Pappkarton.

Ich hasste diesen Job.

»Na, haste alles im Griff, Süße?«, quatschte mich jemand an, als ich Tills Gekreische eine gute Viertelstunde später endlich abgestellt hatte und ihn wohlriechend wieder ins allgemeine Gewusel entließ.

Die Stimme war mir näher gekommen, als es sich gehörte, denn sie berührte als warmer Lufthauch mein Ohr und roch nach Kaffee. Als ich mich umdrehte, sah ich den Ärmel eines dunkelgrauen Strickpullis über die Bartstoppeln unter der Nase wischen.

Ein Blick durch die Glastür, die in den Außenspielbereich führte, sagte mir, dass die beiden Erzieherinnen die Hausmeister inzwischen mit einem Becher Kaffee vor den frostigen Januartemperaturen gerettet hatten.

Der dicke Berti stand schniefend vor den beiden Frauen. Mit seinen Gartenhandschuhen umschloss er den Kaffeebecher, der in seinen Pranken wie eine Puppentasse wirkte, während er das Neueste von seiner Bandscheibe berichtete.

Sein Kollege mit dem knackigen Hintern hingegen war zu mir herübergeschlendert, und die Blicke von Doro und Birgit verrieten mir, dass das nicht der Plan der beiden Erzieherinnen gewesen war.

Die Augen des Mannes waren schmutzig grau und kalt wie die Wolken am Winterhimmel. Sein Blick wanderte prüfend an meinem engen, schwarzen Rollkragenpulli hinunter. Das dunkle Outfit hatte ich ausgesucht, weil es seriöser wirkte als die bunten Schlabberpullover mit Blumenaufnähern, die ich normalerweise bevorzugte. Der amüsiert glitzernde Blick des Hausmeisters blieb an dem durchsichtigen Plastikmüllbeutel hängen, aus dem Tills Markenjeans ihren unangenehmen Duft verströmte.

»Ich hab immer alles im Griff«, knurrte ich.

»Okay.« Der Möchtegerngärtner zog sich die Mütze von der Glatze, stopfte sie in die Tasche seines schmierigen Blaumanns und lehnte sich lässig an die Wand. »Ich dachte ja nur, ich könnte dir vielleicht helfen.«

Jetzt ließ ich meinen Blick abschätzend wandern. Er war nicht viel größer als ich, aber deutlich älter, achtunddreißig, um genau zu sein. Schlecht rasiert, schmutzig und durchtrainiert versprühte er einen schmuddeligen Hafenarbeiter-Sex-Appeal, der mir gerade den Neid der beiden Erzieherinnen einbrachte.

Seit letztem Freitag arbeitete Ben Danner als Hausmeister im Zwergenland. Und weil er seine Kaffeepause mit mir verquatschte statt mit Doro und Birgit, würden sie mich zur Strafe bestimmt auch noch die nächsten zwanzig vollen Hosen wechseln lassen.

Na warte, du Frauenschwarm.

Ich strich mir die schulterlangen, blonden Haare hinter die Ohren und klimperte ihn mit einem himmelblauen Augenaufschlag an. »Wenn Sie so nett fragen, Herr Danner, seien Sie doch so lieb und bringen Sie das hier für mich in den Keller zur Waschmaschine, ja?«

Ich hielt ihm den duftenden Müllbeutel unter die Nase.

Danner verzog angewidert das Gesicht.

Ich lächelte liebenswürdig.

Wütend schnappte er mir die Stinketüte aus der Hand.

»Was wollte der denn von dir?«, erkundigte sich Doro, als ich mich gleich darauf zu den beiden Erzieherinnen gesellte.

Ich winkte ab: »Hat mich blöd angequatscht. Der scheint auf der Suche zu sein.«

»Pfft, Kerle.« Birgit verdrehte die Augen. Ihr Gesicht verriet, was sie von Männern hielt, die Frauen anbaggerten, die ihre Töchter sein könnten. Birgit war eine ungeschminkte Endvierzigerin, deren typisch praktischer Hausfrauenkurzhaarschnitt mir sagte, dass sie einen gut verdienenden Mann und zwei Kinder auf dem Gymnasium hatte und Hausmeisterhintern nur so lange interessant fand, wie sie ihre Ehe nicht gefährdeten.

Doro hingegen horchte interessiert auf: »Du meinst, der ist Single?« Sie sah sich schnell nach Danner um. Gemeinsam mit Berti machte er sich wieder draußen am Klettergerüst zu schaffen.

»Och nö, Doro«, stöhnte Birgit. »Letzte Woche warste doch erst mit dem Fensterputzer beim Italiener.«

»Ach, hör auf! Der Idiot hat mich bezahlen lassen und sich dann nicht mehr gemeldet«, winkte Doro ab.

Doro war also definitiv auf der Suche. Und zwar dringend. Das Ticken ihrer biologischen Uhr war selbst im Getöse der durcheinanderkreischenden Schlumpfgruppe zu hören. Sie war geschminkt, mollig und trug auch mitten im Winter ein Shirt, das ihr üppiges Dekolleté nicht versteckte. Ihre flusigen Haare waren sehr lang und blondiert, auch wenn ihr ein kürzerer Haarschnitt sicher besser gestanden hätte. Ein eindeutiges Signal an die Männerwelt.

Für eine unverheiratete Frau wäre der dreißigste Geburtstag eigentlich genau der richtige Zeitpunkt, um sich eine wilde, blaue Punkfrisur zuzulegen, überlegte ich nachdenklich.

»’n leckeren Hintern hat er ja«, bremste Doro meine Überlegungen. Die Handwerker im Sandkasten fesselten bereits wieder die Aufmerksamkeit der Erzieherin. Den Jungen in Latzhose neben ihrem Bein, der gerade einem kleinen Türken eine Spider-Man-Figur auf den Kopf donnerte, schien sie nicht zu bemerken.

Der Türke heulte los.

»Fresse, du Asi!«, schnauzte der moppelige Latzhosenträger, von dem ich bisher geglaubt hatte, er könne noch gar nicht sprechen.

»Justin!«, schnappte Birgit scharf und bückte sich nach dem heulenden Kind, während Justin zusammen mit Spider-Man flüchtete.

»Ja, der Hintern ist okay«, bestätigte ich Doro.

»Er vermisst übrigens sein Handy, hat er mir erzählt«, bemerkte ich. »Du hast nicht zufällig eins gefunden?«

Doro schüttelte den Kopf. Ein verträumtes Lächeln huschte über ihre rougeroten Wangen: »Erst letzte Woche habe ich meine Uhr verloren. Wir sind wohl beide schusselig, das passt ja.«

Ja klar. Selbst eine Kuppelbörse im Internet hätte beim Vergleich der Persönlichkeitsprofile nicht mehr Gemeinsamkeiten finden können.

»Ich könnte ihn ja mal ansprechen, was meinst du?«, überlegte Doro mit einem erneuten verklärten Blick auf Danners Gesäß.

Mann, sein Arsch wird mit Sicherheit kein Gespräch mit dir beginnen!

Ich zuckte die Schultern: »Versuch es. Du hast ja nichts zu verlieren.«

Die Aufregung färbte Doros Wangen unter der Schminkschicht noch ein wenig dunkler. Hastig wühlte die Blonde ihr eigenes Handy aus der Tasche.

Als sie die Tür zum Außenbereich aufschob, wehte ein eisiger Luftzug den kalten Stoff meiner Jeans gegen meine Schienbeine. Ich drückte die Tür hinter der Erzieherin zu und beobachtete, wie sie ihr Dekolleté als Blickfang zurechtschubste, während sie durch den angefrorenen Sand auf die beiden Hausmeister zustapfte.

2.

Es war Viertel vor sieben an diesem Montagabend, als ich durchgefroren die Kneipe in Bochum-Stahlhausen erreichte. Der Schriftzug Bei Molle leuchtete einladend neben einer Werbung für das Bier der Bochumer Fiege-Brauerei. Die Hände tief in den Taschen meiner alten Cordjacke vergraben, stieß ich die Tür mit der Schulter auf.

Der Laden war eine echte, altmodische Kneipe, mit beige gefliestem Boden und einem mit Spirituosen überfüllten Regal hinter dem glänzend polierten Tresen. Die Polster der hölzernen Stühle und Sitzbänke waren passend zu den Tischdecken rot kariert. Es gab Fußballfotos und VfL-Flaggen an den Wänden, ein elektronisches Dartspiel, einen Flipper und einen Computer, an dem man für zwei Euro Trivial Pursuit spielen konnte.

Müde ließ ich mich auf einen Stuhl am Tisch direkt neben der Theke plumpsen: »Hi, Molle.«

Was für bescheuerte Arbeitszeiten! Bisher war mir verborgen geblieben, dass Kindergärtnerinnen Schicht arbeiten mussten. Aber tatsächlich wurden die ersten Kinder morgens um halb sieben abgegeben und die letzten erst gegen neunzehn Uhr wieder abgeholt. Dass Mütter ihre Berufung neuerdings nicht mehr in der Rolle der preisgünstigen Haushälterin ihrer Ehemänner fanden, sondern sich flexibel und motiviert an die Zweiundzwanzig-Uhr-Öffnungszeiten bei Penny anpassten, war für Erzieherinnen kein Anlass zur Freude.

Und für ausgebeutete Praktikantinnen war das ein Fluch. Den Vormittag von sieben bis zwölf hatte ich bei den Vormittagsschlümpfen verbringen dürfen. Nach einer arbeitnehmerfeindlichen dreistündigen Mittagspause ging es von drei bis sechs weiter mit den Nachmittagsgnomen. Teildienst nannte man diese freizeitverhindernde Elf-Stunden-Schicht. Wohl der Grund, aus dem im Gegensatz zu mir die meisten der Kindergärtnerinnen halbtags arbeiteten. Nur Noch-Single Doro war genauso lange anwesend wie ich.

Der Wirt wischte sich die vom Spülen nassen Hände an der Schürze ab, die stramm seinen Bauch umspannte. Er kam um die Theke herum und schob mir einen großen, dampfenden Becher unter die Nase: »Mach ruhig Feierabend, Lila. Ich schaff das hier heute Abend schon allein.«

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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