Fliegergarn - Thomas P. Emmerich - E-Book

Fliegergarn E-Book

Thomas P. Emmerich

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Beschreibung

Wenn man sich nach der Landung auf dem Turm melden muss, in hollywoodmanier reihenweise Ziegel abheben, es den Restaurantgästen das Essen aus den Tellern fegt und ausgerechnet der eigene Vater mit Unmengen an Büroklammern die Flugsicherheit bedroht, dann wird Fliegergarn gesponnen. Spinnen sie mit und lassen sie sich von Thunderstruck-Tom und der Fliegerwelt umgarnen. Ein Buch für Aviatiker und Noch-nicht-Aviatiker.

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Seitenzahl: 63

Veröffentlichungsjahr: 2017

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Für meine beiden Söhne Felix und Alexander.

Über den Autor

Als kleiner Junge träumte ich davon, wie manch ein junger Mensch, Pilot zu sein. Die Faszination von der Leichtigkeit des Fliegens, kombiniert mit modernster Technik, angewandter Physik und Reisen inklusive Fernweh, hat auch mich früh in ihren Bann gezogen.

Stellen Sie sich einen Jungen vor, der zu Beginn einer Fahrt mit dem Familienauto eine Endloskassette in das Autokassettenradio schiebt, auf der die von ihm gesprochene Begrüssung der Passagiere wie bei einem Airliner zu hören ist.

Die Begeisterung für Flugzeuge hat mich meine ganze Kindheit über begleitet. Während unserer Ferien im Tessin habe ich meine Mutter darum gebeten, das Geschehen auf dem legendären Flugplatz Aerodromo Ascona (ICAO-Code LSZD), der heute Geschichte ist, hautnah und stundenlang beobachten zu dürfen. Regelmässig bin ich mit meinem Motorfahrrad zum Flughafen Basel-Mülhausen (ICAO-Code LFSB) gefahren, um dort beim General Aviation Bereich tagelang den Piloten und ihren Maschinen zuzusehen.

Von Papi, einem passionierten Amateurfunker, habe ich mir gerne den Flugfunk-Empfänger „geliehen“ und in den Himmel gehorcht, was man sich aus den Flugzeugen so alles zu erzählen hat. Mit Papi habe ich auch den Programmiercode eines ersten Flugsimulators aus einer Computerzeitschrift Zeile um Zeile in den Computer abgetippt.

Schliesslich habe ich meinen Wölfli- und Pfadikollegen derart begeistert von meinem Hobby berichtet, dass diese mich kurzerhand auf den Namen „Astro“ tauften.

Trotz des Besuchs eines Informationsnachmittags zur Berufspilotenausbildung bei der damaligen Schweizer National-Fluggesellschaft Swissair, habe ich meinen Traum vom Fliegen nicht beruflich realisiert. Dafür konnte ich mir diesen Traum kurz nach Beendigung meines Ingenieurstudiums auf privatem Wege verwirklichen. Mittlerweile darf ich auf über 13 Jahre mit einem Privatpilotenschein zurückblicken.

Unter einer Gewitterwolke erhielt ich im Rahmen eines spektakulären Ausbildungsfluges den Fliegernamen „TS-Tom“, welcher für die Abkürzung „Thunderstruck-Tom“ (deutsch „Donnerschlag-Tom“) steht.

Ich habe viele schöne Erfahrungen mit diesem Hobby erleben dürfen, wie beispielsweise meinen ersten Alleinflug, aber auch ein paar traurige Momente, zu denen leider auch Flugunfälle von Kollegen mit tödlichem Ausgang zählen.

Gerne will ich mit Ihnen eine Auswahl meiner schönsten und lustigsten Erlebnisse – jeweils gespickt mit einer gehörigen Portion Selbstironie und Humor – teilen.

Allen, die daran beteiligt waren, mich in die geliebte Luft zu bekommen, gilt mein Dank. Das Fliegen ist eine wunderbare und einzigartige Erfahrung im Leben eines Menschen, eine Erfahrung, die ich nie missen möchte. Allen voran danke ich meiner damaligen Freundin und heutigen Frau Petra, welche mit einem Geschenkgutschein für eine Schnupperflugstunde den Startpunkt zu meiner Pilotenlaufbahn setzte.

Meinen Dank richte ich auch an die zahlreichen freiwilligen und unfreiwilligen Helferinnen und Helfer zu diesem Buch, welche mir mit Begegnungen, Erlebnissen, Ermutigung, Rat und Tat zur Seite gestanden sind.

Nun wünsche ich Ihnen viel Vergnügen bei der Lektüre und „always happy landings“.

Herzlich

Thomas P. Emmerich

Der Autor auf leisen Zehenspitzen bei der Prüfung des Öl-Füllstands an einer Cessna 172.

Haftungsablehnung

Die in diesem Buch beschriebenen Verfahren, Funksprüche, Hinweise und Aussagen – insbesondere im Zusammenhang mit der Aviatik – dienen ausschliesslich und abschliessend der Unterhaltung. Diese dürfen nicht für reale Flüge verwendet werden und erheben zu keinem Zeitpunkt Anspruch auf Richtigkeit. Sie müssen vor, während und nach einem Flug immer den offiziellen regulatorischen Anforderungen des betreffenden Landes nachkommen. In keinem Fall kann der Autor wegen möglicher Schäden, die durch den Gebrauch dieses Buchs entstanden sind, haftbar gemacht werden.

Inhalt

Steinwelt

Linientreu

Wild-Saison

Piloten-Shopping-Tour

Loslassen

Turmgang

Tea Time

Ausweichen

David gegen Goliath

Ihre Bordkarte bitte

Gretchenfrage

Wohin des Weges

Zonenkonform

Hasen und Amalgam

Vorfeld-Falle

Bitte warten

Steinwelt

Im Rahmen der fliegerischen Grundausbildung soll in der Schweiz eine sogenannte Alpeneinweisung absolviert werden. Diese dient dazu, dem Flugschüler die Besonderheiten des Fliegens im Gebirge näherzubringen. Die Schönheit der Alpen darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass es auch beim Fliegen diverse Gefahren gibt, denen es besondere Beachtung zu schenken gilt.

Gerade für mich als Stadt-Basler – und somit Flachländer – hält das Fliegen im Gebirge einige ganz neue Erfahrungen bereit. So kann es nicht schaden, zu wissen, dass der harte Teil unseres wunderschönen Planeten sich nicht immer nur unten in Richtung Erdkern befindet, sondern einen auch zeitweise seitlich begrenzen kann, beispielsweise bei einem Flug durch ein enges Tal.

Blick aus dem Airliner in Richtung Südwesten: Auf der Höhe von Brugg im Kanton Aargau, mit Sicht auf den Hallwilersee, die Alpen, die Aare, das Kernkraftwerk Gösgen und den Jurasüdfuss.

Nun liegt Basel bekanntlich nicht in den Alpen – gut, wenn man den Jura als alpenähnlich anschaut, liegen auch wir am Fusse der Alpen, doch die richtigen „Old School“-Alpen befinden sich etwas weiter südlich von uns. Für meine Alpeneinweisung gilt es also, eine kleine Reise zu unternehmen.

Mein Flugschulfreund Daniel verfügt über eine Ferienwohnung im schönen Berner Oberland. Diese liegt sozusagen im Vorgarten der Alpen, in Zweisimmen, an einem Hang auf rund 1'500 m ü. M. Auch Daniel hat ebenso wie ich noch keine umfassende Alpeneinweisung absolviert.

So liegt es nahe, dass wir Eins und Eins zusammenzählen und gemeinsam nach Zweisimmen reisen. Daniel hat zur Verstärkung seine Frau und seine Tochter mitgebracht, ich meine Freundin Petra.

Nach einer kurzen Nacht in Daniels Ferienwohnung finden wir uns zu zweit auf dem Flugplatz Zweisimmen (ICAO-Code LSTZ) ein. Dieser wurde im Zweiten Weltkrieg als Reduitflugplatz erbaut und bis in die 1990er Jahre als Militärflugplatz genutzt.

Kaum haben wir das Auto parkiert, kommt auch schon unser Fluglehrer mit einem Lächeln auf den Lippen auf uns zugelaufen. Unseren Fluglehrer – nennen wir ihn Markus – hat Daniel extra für die Alpeneinweisung ausgewählt und gebucht. Er ist ursprünglich Militärpilot der Schweizer Luftwaffe und kennt somit die Fragestellungen der grösseren Gesteinsansammlungen in der Schweiz so gut wie seine Hosentasche.

Zuerst die Theorie des Gebirgsflugs, dann deren Umsetzung – sprich das Vergnügen. Und so sitzen wir in einer kleinen, von der Kraft der Sonne abgeschossenen Holzbaracke bei einer Tasse Kaffee und hören aufmerksam den Ausführungen unseres Fluglehrers zu. Unzählige Bücher wurden über die Besonderheiten und damit verbundenen Gefahren des Fliegens im Gebirge geschrieben. Vor uns liegt eine kleine Auswahl, mit denen der Fluglehrer seine Theorieblöcke mittels Grafiken und Skizzen illustriert.

Endlich können wir mit der Umsetzung starten. Der erste Flug geht von Zweisimmen in die Tessiner Stube – genauer nach Locarno (ICAO-Code LSZL) – und wird von mir pilotiert. Ich fliege das erste Mal von hier aus. Um kontinuierlich Höhe zu gewinnen, fliegen wir mehrere Runden durch das Tal über dem Flugplatz St. Stephan (ICAO-Code LSTS) und der Ortschaft Lenk. Kaum haben wir genügend Höhe erreicht, können wir bereits – flugtaktisch korrekt – einen ersten Alpenkamm überfliegen. Doch es gilt, weiter an Höhe zu gewinnen.

Ein Variometer zeigt gewöhnlich die Steig- und Sinkrate des Flugzeugs an. Doch wir stossen in derart grosse Höhen vor, bei denen das Variometer auch bei optimalem Anstellwinkel und voller Motorenleistung nicht den geringsten Gewinn an Höhe mehr anzeigt.

Das sind wahrliche Lektionen in Demut. Diese Erfahrung ist leicht unangenehm, aber extrem wichtig für ein langes Pilotenleben. Und so geniessen wir die Pracht der Alpen, während wir etwas über die menschliche Leistungsgrenze und die unserer Maschine lernen. Eindrücklich!

Wir fliegen über den Sanetschpass weiter zum Rawilpass, dann über den Plaine-Morte-Gletscher zum Simplonpass. Schon bald überfliegen wir die Grenze zum Tessin und setzen zu einer ersten Landung an. Hurra, ein flacher Teil der Erde hat uns wieder! Der Teamerfolg wird mit einer der berühmten Pizzas im Flughafenrestaurant von Locarno gekrönt.

Plaine-Morte-Gletscher mit einer Gletschermühle.

Der zweite Flug unserer Einweisung führt nach Samedan (ICAO-Code LSZS), mit 1'707 m ü. M. der höchst