Flucht nach vorn - Elva Neges - E-Book

Flucht nach vorn E-Book

Elva Neges

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Beschreibung

Als junges Mädchen gerät Elva Neges in die Hände eines geisteskranken Gurus und führt ein gefährliches und abenteuerliches Leben im Ausland – immer am Rande des Abgrunds. Nach 21 Jahren gelingt ihr mit den beiden Töchtern endlich die Flucht nach Deutschland, und sie steht vor dem Nichts. Es beginnt ein harter Kampf aus der existentiellen Misere und den Folgeschäden ihrer Traumatisierung. Erst mit ihrer spirituellen Entwicklung setzt wirkliche Heilung ein. An diesem tiefgreifenden Prozess lässt uns Elva Neges mit schonungsloser Ehrlichkeit teilhaben und nimmt uns mit in ihre dunkelsten Abgründe. Flucht nach vorn ist kein Opferbericht, sondern ein Zeugnis dessen, welch unglaubliches Potenzial an seelischer Selbstheilungskraft der Mensch in sich trägt.

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Seitenzahl: 360

Veröffentlichungsjahr: 2021

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Elva Neges

Flucht nach vorn

Vom Albtraum zum spirituellen Erwachen

Smaragd Verlag

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Brückenstraße 25

D-56269 Dierdorf

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© Smaragd Verlag, 56269 Dierdorf

Erste Auflage: Juni 2021

© Cover: robsonphoto - Adobe Stock

Umschlaggestaltung: preData

Satz: Gaby Heuchemer

ISBN (epub) 978-3-754130-43-8

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Widmung

Für meine Töchter

Einführung

Als Kind meiner Zeit machte ich lange meine Eltern, meine Familie, für die extremen Erfahrungen verantwortlich, die über Jahrzehnte mein Leben bestimmten. Meine Eltern gaben mir an Liebe, Fürsorge und Schutz, was sie konnten, und das war vielleicht nicht immer ausreichend.

Aber heute weiß ich, dass Tiefenpsychologie nicht ausreicht, um die innere Dynamik eines Menschenlebens zu erklären. Wir haben schon viele Inkarnationen durchlebt, und die akkumulierten Strukturen unserer Psyche oder unsere Seelenaufgaben ziehen die Lebens-umstände an, in denen wir uns wiederfinden. Deshalb sehe ich mich schon lange nicht mehr als Opfer.

Und wenn wir das Glück haben zu erahnen, wo die Lichtquelle liegt, und uns darauf zubewegen, dann wird unser Lebensweg immer heller und unser nächstes Leben auch. Dieses Glück hatte ich. Vielleicht bin ich in einer Parallelwelt durch Liebe und Verständnis an diesen Punkt gelangt – es ist müßig, darüber zu spekulieren. In diesem Leben musste ich durch die Hölle gehen und für mich zählt nur, dass ich heute im Licht stehe.

Teil I

1

Ich war ein süßes, sonniges Kind und keiner hätte damals vermutet, dass ich zum schwarzen Schaf der Familie werden würde.

Mein heiteres Naturell und meine früh verinnerlichte Genügsamkeit machten mich auch zu einem einfachen Kind und so gelangte ich in die Gunst meiner oft unzufriedenen Mutter, die ich aufs Innigste liebte und verehrte. Sie schenkte mir mehr ihrer etwas distanzierten Zuneigung als meinem kleinen Bruder und meiner älteren Schwester.

Meine Mutter, zutiefst traumatisiert von der Nachkriegszeit, besaß keinen Glucken-Instinkt, und auf der materiellen Ebene erlebten wir Kinder einen Zustand des Mangels, der nichts mit unserer finanziellen familiären Situation zu tun hatte. Wir kamen gar nicht auf den Gedanken, mehr zu fordern. Aber dafür genossen wir sehr große Freiheiten. Meine Schwester und ich trieben uns bei Wind und Wetter draußen herum, und keiner scherte sich um die ständigen Blessuren, die wir bei unseren oft gefährlichen Abenteuern sammelten. Ich liebte aber auch die beschaulichen Zeiten, in denen ich Friedhöfe für Hummeln und Spielplätze für Mäuse anlegte oder beim Malen meine überbordende Fantasie zu Papier brachte.

Mein Vater glänzte vor allem durch Abwesenheit und Wutausbrüche, die mich sehr ängstigten. Getrieben von dem Komplex, aus dem Schatten seines eigenen Vaters herauszutreten, erschöpfte er all seine Lebenskraft für seine Karriere, die ihn steil nach oben führte. Alle Welt bewunderte meinen gutaussehenden, fähigen Vater mit seinem gewinnenden Charme. Nur für seine Familie blieb einfach keine Energie mehr übrig.

Das Elend begann mit meinem Wechsel aufs Gymnasium. Die neue Schule verunsicherte mich. Vor allem meine Mitschülerinnen, denen ich mich von Anfang an unterlegen fühlte. Obwohl wir der gleichen sozialen Schicht entsprangen, waren diese behüteten Kinder im Gegensatz zu mir in das Selbstverständnis sozialer und materieller Privilegien des gehobenen Mittelstandes hineingewachsen. Und nicht nur ihr gepflegtes Outfit überzeugte mich, dass sie scheinbar etwas besaßen, das mir fehlte. Ich fühlte mich in der neuen Klasse nackt und schutzlos und fand keinen Anschluss.

Auch zu Hause war ich jetzt allein. Meine pubertierende Schwester verlor das Interesse an mir. Meine geliebte Mutter streifte ihre Rolle als Elternteil weitestgehend ab, stürzte sich in Tierschutzaktivitäten und war kaum noch zu Hause. Dass es in meinem Leben keinen einzigen Menschen gab, der an mir Interesse zeigte, überzeugte mich von meiner totalen Minderwertigkeit. Ein vages, aber tiefes Grundgefühl von Schuld und Scham breitete sich in mir aus, als ob sich an der Schwelle zur Pubertät eine Tür zu Abgründen geöffnet hätte, die mit meinem kurzen Leben nichts zu tun haben konnten. Ich fühlte mich vom Leben abgeschnitten und unendlich einsam.

Aber statt mich mit der Zeit an die neue Schule zu gewöhnen, wurde es immer schlimmer. Meine Unsicherheit nahm phobische Ausmaße an. Wurde ich aufgerufen oder sah mich jemand an, errötete ich und war vor Verlegenheit wie gelähmt. Ich fürchtete mich vor jedem neuen Schultag, bekam Schlafstörungen und sehnte mich nach dem Tod. Auch mein Körper begann sich zu verändern, und ich fühlte mich plump und hässlich. Es waren furchtbare, einsame Jahre und mein Herz begann sich zu verschließen. Eine stetig wachsende Eisschicht legte sich um meine Gefühle. Als Christine in unsere Klasse kam und aus mir unerfindlichen Gründen meine Freundschaft suchte, konnte das jedoch meinen inneren Erfrierungsprozess nicht mehr aufhalten.

Bald schoss mein Körper in die Höhe, wurde schlank und wohlgeformt, und eine Kraft in mir begann sich Bahn zu brechen, der ich nur staunend zusehen konnte. Sie peitschte mich ins Leben, soweit das mit meiner Sozialphobie vereinbar war. Ich begann mich zu schminken, auszugehen und mit Jungs rumzumachen und ersetzte Essen durch Rauchen und Trinken. Wunderbar enthemmt durch Alkohol wurden die dämmrigen Kneipen und Discos zu einer Welt, in der ich mich entspannen und meinen Lebenshunger stillen konnte. Und ich hatte plötzlich Freundinnen, die mich bewunderten.

Ich distanzierte mich nicht nur zusehends von meinen Eltern, sondern verlor generell den Respekt vor Autoritäten und gesellschaftlichen Normen. Ich setzte mich über geschriebene und ungeschriebene Gesetze hinweg und glänzte durch provokante Umgangsformen und ein dazu passendes Erscheinungsbild. Meine Selbstentfremdung führte zu einer Angstlosigkeit und Risikobereitschaft, die andere als Mut auslegten. Aber grade dieser Ruf von Coolness, der mir endlich Anerkennung und Zugehörigkeit einbrachte, potenzierte meinen Leidensdruck. Um ihm gerecht zu bleiben, musste ich alle Situationen vermeiden, in denen ich ins Zentrum der Aufmerksamkeit vieler Personen geriet und mit rotem Kopf in sprachloser Hilflosigkeit erstarrte. Ich hatte keine Ahnung, dass es für diese Form der Sozialphobie einen Namen, Erythrophobie, gab und wähnte mich als einzige Vertreterin dieses absolut peinlichen Phänomens, das mir wie ein psychisches Gebrechen erschien.

Nüchtern und bei Tageslicht war die Angst vor der Blamage mein ständiger Begleiter und folgte meinem lässigen Auftreten wie ein übermächtiger Schatten. Aber das Gefühl, eine wandelnde Lüge zu sein, ging tiefer. Ohne Schminke fühlte ich mich hässlich. Meine wachsende Unfähigkeit, etwas intensiv zu fühlen, außer Angst, überzeugte mich vollends, ein psychischer Krüppel zu sein. Ich versteckte mein ungeschminktes, peinliches, nacktes Selbst, für das ich mich so abgrundtief schämte, ganz tief im Keller meiner Seele, und irgendwann spürte ich seine Einsamkeit und Traurigkeit nicht mehr und verlor vollends die Fähigkeit, überhaupt etwas körperlich und emotional zu empfinden, sowohl für mich als auch für andere. Ich traktierte meine Unterarme mit dem elektrischen Küchenmesser, weil ich Narben verwegen fand, und meine häufigen Unfälle schienen einem fremden Körper zuzustoßen. Meine emotionale Gefühllosigkeit versuchte ich durch die intensive Beschäftigung mit Ethik und Idealen zu kompensieren, denn aus irgendeiner Tiefe meines Seins kam der Wunsch, ein guter Mensch zu sein. Über den Mangel an Empathie empfand ich Schuldgefühle, vor allem meinen nahen Freundinnen gegenüber, die ich mit meinem gespielten Interesse an ihren Problemen täuschte. Über meine eigenen Probleme sprach ich mit niemandem, diese Blöße hätte ich mir niemals gegeben. Ich war der festen Überzeugung, dass sich jeder, dem ich meine Schwäche gestand, von mir abwenden würde.

Aber zumindest nachts fühlte ich mich wohl, und so war diese Zeit zwischen vierzehn und siebzehn eine vergleichsweise glückliche. Jeden Abend schlich ich mich davon und machte Party. Ich lernte, in der Schule mit offenen Augen zu dösen. Und ich spürte die seltsame Verpflichtung, mit jedem Mann, der sich um mich bemühte, ins Bett zu gehen. Und das ohne jeden Lustgewinn für mich. Es schien, als ob meine Daseinsberechtigung von meiner sexuellen Verfügbarkeit abhinge, aber ich kam damals gar nicht auf den Gedanken, diesen seltsamen Zwang zu hinterfragen. Zu meinem Glück waren die jungen Männer um mich herum meist viel zu wohlerzogen, um sich mit mir einzulassen.

Dann lernte ich meinen ersten festen Freund kennen. Er ertrug meine Eskapaden und Lieblosigkeiten und stärkte mir den Rücken gegen meine Eltern. Nachdem meine Schwester mein Sexabenteuer im elterlichen Ehebett gepetzt hatte, behandelten mich meine Eltern wie eine Aussätzige. Mein Vater sprach drei Jahre lang kein einziges Wort mit mir. Meine Eltern hatten meine Verzweiflung und Verrohung geflissentlich übersehen und nahmen sich jetzt das Recht, mich zu verachten? Ich hasste meine Mutter genauso tief, wie ich sie früher geliebt hatte. Und die ganze bürgerliche Bagage, mit der sich meine Eltern umgaben, hasste ich auch, diese Horde klüngelnder Hyänen, die jeden zerrissen, der eine Blöße zeigte. Ich klaute meine Kleider, trank die herrenlosen Biere an der Theke und klaubte Kippen vom Trottoir, damit ich meine Eltern nicht um Geld bitten musste.

Nach zwei Jahren langweilte ich mich mit meinem Freund und machte Schluss. Meine Schulfreundinnen verließen die Schule, begannen Ausbildungen und führten ein braves Leben. Plötzlich war ich wieder allein und versank erneut in eine tiefe Depression.

Ich versuchte, mich irgendwie durchzuhangeln, fand andere Mädchen zum Ausgehen, Männer, mit denen ich schlief oder eine Zeit lang zusammen war. Aber meine innere Welt verödete immer mehr, ich wurde hart und skrupellos, und mein Anspruch, ein Gutmensch zu sein, erstickte in dieser trostlosen Leere.

Durch geschickte Wahl meiner Leistungsfächer blieb ich mit einem Minimum an Anstrengung und einem Maximum an Fehlstunden auf der Zielgeraden zum Abitur. Nur: Was sollte danach kommen? In der Schule hatte ich meine Vermeidungsstrategien entwickelt, aber in neuen Lebensumständen wimmelte es von unkontrollierbaren Situationen. Mit meiner Sozialphobie war ich einfach nicht lebenstauglich. Meine Scham, diese Schwäche zuzugeben, und meine Angst vor Menschen ging so tief, dass ich mich nicht einmal einem Therapeuten anvertraut hätte. Aber das stand gar nicht zur Diskussion – ich hätte mich meinen Eltern niemals offenbart und um eine Therapie gebeten.

Die Zukunft war gleichermaßen angsteinflößend wie öde. Ich hatte weder Ehrgeiz noch Interessen, Karriere war mir völlig egal. Partnerschaft und Familie? Welcher Mann sollte mich lieben, wenn er erst mal erkannte, was für ein erbärmliches Geschöpf sich hinter der glänzenden Fassade verbarg? Und das würde ein Partner erkennen in einem Zusammenleben, das aus mehr als betrunkenem Sex und Clubbesuchen bestand.

Insofern wurde das Abitur zu keinem Freudenfest für mich. Ich immatrikulierte mich in M., wo schon meine Schwester studierte, für Philosophie. Mit einem Scheinstudium konnte ich erst mal Zeit schinden, hatte allerdings nicht vor, auch nur eine einzige Vorlesung zu besuchen. Ein Studium war ausgeschlossen – ich hätte vor anderen sprechen, Arbeitsgruppen besuchen und Referate halten müssen. Von meinen Eltern akzeptierte ich nur ein Minimum an Geld.

Bald fand ich ein winziges Zimmer in der Innenstadt von M. und über die Studenten-Job-Vermittlung gutbezahlte Jobs, die mit meiner Phobie vereinbar waren. Ich putzte bei einem gestörten Psychologen, stand am Band einer Fabrik und verteilte schließlich als Hostess für ein neu eröffnetes Kaufhaus Rosen an die Passanten.

Und hier ereilte mich mein Schicksal.

***

2

Er fiel mir auf im Strom der Menge: Braungebrannt, kahlrasiert und exotisch mit entrücktem Blick wie ein Mönch aus fernen Landen, lief er leichtfüßig zwischen den Menschen und gehörte doch nicht zu ihnen. Es ging eine intensive, außergewöhnliche Ausstrahlung von ihm aus. Hochgewachsen und sehr schlank war er, und doch muskulös und voller Vitalität. Seine Kleidung und sein indischer Schmuck waren gleichzeitig alternativ und exklusiv.

Wie ein Sonnenstrahl durchbrach seine abgehobene Geistigkeit die dicke Hornhaut um mein Herz und öffnete eine Tür zu einer mir bis dahin unbekannten Ebene. Unwillkürlich musste ich lächeln. Doch sobald er mich bemerkte, verwandelte sich sein Blick auf erschreckende Weise in den eines versierten Jägers und zielstrebig kam er auf mich zu. Da war nichts mehr von seiner vorherigen Reinheit. Die Tür in mir fiel so schnell zu, wie sie sich geöffnet hatte, und ab da erschien er mir nur noch wie ein gewöhnlicher Mann mit gewöhnlichen Absichten.

Ich hatte seinem forschen Auftreten nichts entgegenzusetzen. Er war ein anderes Kaliber als die jungen Männer, mit denen ich bislang zu tun gehabt hatte. Mühelos überrannte er meinen Widerstand und zwängte mir eine Verabredung auf, die ich nicht wollte. So sympathisch er mir beim ersten Blick gewesen war, so abstoßend empfand ich jetzt seine durchtrainierte Anmache-Tour. Es war mein letzter Tag als Rosen-Verteilerin, und ich machte früher Feierabend, um ihm zu entkommen. Auf Seitenstraßen lief ich nach Hause und ihm geradewegs in die Arme. Ertappt ließ ich mich in die nächste Kneipe mitziehen.

Ioannis erzählte mir, dass er grade von einer langen, spirituell motivierten Reise nach Indien zurückgekehrt sei, die ihn sehr geläutert habe. Aber ich spürte bei ihm nur den Wunsch, mich flachzulegen. Und nach ein paar Bieren war ich bereit zu tun, was ich schon so oft getan hatte.

Doch Ioannis wollte mehr als einen One-Night-Stand. Und ich blieb, weil es in meinem Leben keinen Grund gab, zu gehen. Schon bald begann er, mich ins Vertrauen zu ziehen und mir aus seinem Leben zu erzählen.

Ioannis‘ Mutter hatte seinen Vater an der Uni von Thessaloniki kennengelernt. Sie studierte Jura, was in den 40iger Jahren für eine griechische Frau sehr ungewöhnlich war, zumal sie aus einfachen Verhältnissen stammte. Ioannis‘ Vater verliebte sich in die puppenhaft schöne, kleine Frau und sie heiratete ihn, auch wenn das das Ende ihres Studiums bedeutete. Sie war jetzt Hausfrau und bald auch werdende Mutter. Nach einer schweren Schwangerschaft und noch schwereren Geburt kam Ioannis halbtot zur Welt und blieb lange Zeit kränklich. Ioannis' Vater liebte seinen Erstgeborenen und stellte ihn über alles. Bald bekam Ioannis einen kleinen Bruder, auf den er sehr eifersüchtig war. Die Mutter schloss den Bruder ins Herz, vielleicht grade, weil der Vater Ioannis so vergötterte.

Aber mit seiner Ehefrau bekam der Vater zusehends Probleme. Sein männliches Ego litt unter ihrem Durchsetzungswillen und scharfen Verstand. Als Ioannis sechs Jahre alt war, nahm sich der Vater eine Geliebte. Aber statt, wie es damals von einer griechischen Ehefrau erwartet wurde, zu Kreuze zu kriechen und den Vater zu beschwören, bei ihr zu bleiben, machte sich ihr verletzter Stolz in dramatischen Szenen Luft. Bald prügelte der Vater seine Frau blutig und diese gab die Prügel an Ioannis, Papas Liebling, weiter.

Der Vater ließ die Familie schließlich ohne Geld hinter sich. Damit war Ioannis' Mutter in einer verzweifelten Lage, denn es gab keine vermögenden Verwandten und Arbeit zu finden war schwer. Sie brachte den kleinen Bruder zu ihrer Mutter, doch Ioannis landete bei der Schwiegermutter, die schizophren und unberechenbar war. Oft sperrte sie Ioannis in der Wohnung ein und kam erst Tage später zurück. Dann wieder gab sie ihm nichts zu essen und zwang ihn zu rauchen. Zudem wurde Ioannis regelmäßig von einem männlichen Verwandten sexuell missbraucht. Ioannis hasste seine Mutter. In seinen Augen hatte sie ihn für ihren Stolz geopfert. Und er war tief enttäuscht von seinem Vater, der ihn plötzlich von sehr weit oben hatte fallen lassen.

Zermürbt von schlecht bezahlter Arbeit und sexuellen Übergriffen der Chefs, hoffte Ioannis' Mutter schließlich durch die Heirat mit einem scheinbar wohlhabenden Geschäftsmann, für ihre Söhne und sich sorgen zu können. Nach der Trauung stellte sich jedoch schnell heraus, dass der neue Gatte hochverschuldet war, so hoch, dass das Ehepaar vor seinen Gläubigern nach Deutschland fliehen musste. Ioannis und sein Bruder kamen ins Internat, das ihr Vater finanzieren sollte. Dieser wählte die billigste Einrichtung, direkt an der albanischen Grenze, und dort gab es reichlich Kälte, Schläge und Hunger. Nach Ioannis' Abitur konnten die beiden endlich ihrer Mutter nach Deutschland folgen.

Diese hatte sich inzwischen mit unendlicher Willenskraft und verbissenem Fleiß von einer schlecht bezahlten Pelznäherin zur Besitzerin eines Pelzgeschäftes in F. hochgearbeitet, das zunehmend expandierte. Ihren nichtsnutzigen Ehemann musste sie mit durchfüttern. Alle seine Kinder ließ sie ohne sein Wissen abtreiben, wenn sie alleine nach Griechenland flog, um angeblich ihre Verwandten zu besuchen – bei Frauen, die auch vor Abtreibungen im sechsten Monat nicht zurückschreckten.

Ioannis' Bruder zog zu Mutter und Stiefvater und er selbst begann in M. Soziologie und Philosophie zu studieren.

Als ich Ioannis kennenlernte, war er dreiunddreißig, hatte seinen Doktor cum laude in Soziologie längst gemacht und lag immer noch seiner Mutter und dem Arbeitsamt auf der Tasche, wodurch er unbeschwert leben konnte. Mit Geld ging er stets ostentativ großspurig um. Seine Mutter hatte ihm auch die Harley Davidson finanziert, mit der er ausgedehnte Reisen vor allem in Nordafrika unternommen hatte. Ab und zu flog er nach Indien und schmuggelte im Innenfutter seiner schweren Lederstiefel das beste Haschisch ins Land, das ich je geraucht hatte. Er brüstete sich damit, in M. mindestens 1000 Frauen flachgelegt zu haben. Damals gab es noch keine arabische Migrantenwelle und keinen fundamentalistischen Terror – Ioannis' eher orientalische als griechische Erscheinung wirkte ungewöhnlich und anziehend auf Frauen in Verbindung mit seinem forschen Auftreten und seiner Sprachgewandtheit und Bildung. Nur zu Beginn seiner Karriere als Don Juan hatte er ein einziges Mal eine längere Beziehung, die der Vater der jungen Frau jedoch boykottierte.

Ioannis verfügte über ein beeindruckendes Allgemeinwissen und war in vielen Bereichen sehr beschlagen. Zudem meditierte er schon seit Jahren, nahm Privatunterricht bei einem Karatelehrer, versenkte sich im Zen-Ritual der Teezubereitung und in Literatur über unterschiedlichste Richtungen zur Bewusstseinsentwicklung. Ioannis hatte zweifelsfrei eine spirituelle Ausrichtung, aber seine sexuelle Zwanghaftigkeit diskreditierte ihn in meinen Augen von Beginn an.

Ioannis hielt mir nächtelange Vorträge, und die Themen reichten von den Sozialanalysen Marcuses bis zu den großen griechischen und deutschen Philosophen. Dazu hörten wir Frank Zappa und rauchten einen Joint nach dem anderen. Ich war von seinen Monologen, dem stundenlangen Sex und dem starken Haschisch so benebelt, dass ich oft tagelang nicht seine Wohnung verließ. Aber ich verstand mich als emanzipierte Frau und wollte eigenes Geld verdienen. So begann ich noch einmal einen Job als Packerin. Nach der anstrengenden Arbeit konnte ich mich kaum auf den Beinen halten. Ioannis überredete mich, zu ihm zu ziehen, mein kleines Zimmer in der Innenstadt aufzugeben und vom Zuschuss meiner Eltern zu leben.

In den ersten drei Monaten bemühte sich Ioannis sehr um mich.Trotz seines sexuellen Machismus beeindruckte ihn offensichtlich gerade meine Intelligenz. Auch im Bett versuchte er noch freundlich, meinen Körper zu erwecken. Und er war wirklich verliebt. Viele Jahre danach las ich erstaunt die Briefe, die er mir geschrieben hatte. Diese Worte stammten von meinem späteren Folterknecht?

Für Ioannis hatte ich viele Vorzüge: Jugend, Schönheit und intellektuellen Hunger in Kombination mit Lebensuntauglichkeit und Ziellosigkeit. Und niemanden, der sich um mich kümmerte. Kein wachender Vater, keine fürsorgliche Mutter. Vogelfrei und wie geschaffen, um von ihm geformt zu werden. Meine Minderwertigkeitsgefühle, Unreife und leicht zu weckenden Schuldgefühle waren perfekte Hebel, um mich zu manipulieren.

Dass es Ioannis ernst war, spürte ich daran, wie viel er mir aus seinem Leben erzählte. Und dass er – ganz bürgerlich, ich war erstaunt und unangenehm berührt – meine Eltern kennenlernen wollte. Mein Vater zeigte sich beeindruckt von seiner Bildung, meine Mutter flirtete mit ihm, und Ioannis ging geschmeichelt darauf ein. Aber die Sympathie meiner Eltern für Ioannis währte nicht lange. Er schaffte es, sich mit jedem zu überwerfen. Auch mit meiner Schwester, die uns ein paarmal besuchte. Sie erzählte meinen Eltern, dass Ioannis ein Drogendealer sei und sie ihn für einen gewaltbereiten Menschen hielt, aber das bewegte meine Eltern zu keiner Reaktion.

Ioannis war stolz auf mich. Er führte mich bei seinen griechischen Freunden vor wie eine wertvolle Araberstute, mit der er mich auch oft verglich. Ich hingegen war im Kreise dieser Männer verschüchtert und fühlte mich ihren politischen Diskussionen nicht gewachsen, obwohl ich schon damals erkannte, dass sie alle Stammtischrevoluzzer waren, die es sich längst in festen Positionen bequem gemacht hatten. Aber ich musste seine Freunde nicht oft ertragen. Nachdem mich alle gesehen hatten, ließ mich Ioannis zu Hause, wenn er ausging. Das war mir recht. Ich war froh, für ein paar Stunden meine Ruhe zu haben.

Ioannis' theoretisches Erziehungsprogramm fiel auf fruchtbaren Boden: Endlich lernte ich jemanden kennen, der in großen Zusammenhängen dachte, anderes im Sinn hatte als Karriere und kleines persönliches Glück, und der bereit war, sich über gesellschaftliche Normen hinwegzusetzen. Seine anarchistisch gefärbten politischen und soziologischen Exkurse gaben meiner diffusen, antibürgerlichen Haltung eine ideologische Basis. Er postulierte hohe soziale und ethische Ideale und wiedererweckte damit in mir meinen verschütteten und rein verkopften Anspruch an mich selbst: ein moralisch integrer Mensch zu sein.

Ioannis wollte sein Leben in den Dienst der spirituellen Entwicklung der Menschen stellen. Das wollte er tatsächlich, und es schien ihm nicht aufzufallen, wie sehr dieser Wunsch in krassem Widerspruch zu seiner obsessiven und Frauen benutzenden Sexualität und seinem übermächtigen Ego stand. Für mich machte ihn diese Diskrepanz als wirklich höherstehenden Menschen unglaubwürdig, auch wenn er mir wissens- und erfahrungsmäßig haushoch überlegen war. Seinen Lebensstil jedoch fand ich konsequent und einladend. Seine Bereitschaft zu kriminellen Handlungen entsprach meiner Lust am Risiko. Er reiste viel und nahm sich die Freiheit zu leben, wie er wollte. Seine Weigerung zu arbeiten begründete er damit, dass man in einem kapitalistischen System immer entweder ausbeutete oder ausgebeutet wurde.

Ein Leben lang ließ er andere für sich arbeiten, aber das begriff ich damals noch nicht.

Nach dem weltanschaulichen Basisunterricht drehten sich seine Reden zusehends um spirituelle Themen. Es war das erste Mal, dass ich mit Esoterik in Berührung kam. Zuerst ließ mich Ioannis Carlos Castaneda lesen, und natürlich sprachen dessen schamanische und drogeninduzierte Erlebnisse meinen Hunger nach Abenteuer an. Unter Ioannis' Führung warf ich einige Mescalin- und LSD-Trips, um mein Bewusstsein zu erweitern. In den Horrortrips, die daraus resultierten, sandte mir mein Unterbewusstsein bezüglich Ioannis klare Botschaften.

Ioannis bot mir ein Koordinatensystem für mein Leben, aber ich war nicht in ihn verliebt. Er gefiel mir nicht einmal als Mann. Mich stießen seine rasierte Glatze, sein Dschingis Khan-Schnurrbart und seine übertrieben virile Körpersprache ab.

Schlussendlich war es die fatale Entsprechung unserer komplementären neurotischen Strukturen, die uns aneinander band. Und bald würde er für uns eine Parallelwelt erschaffen, in der wir beide einen Platz fanden. Denn sozial kompatibel war er genauso wenig wie ich.

Nach drei Monaten unternahmen wir eine gemeinsame Reise nach Marokko. Schon am Flughaffen erlebte ich Ioannis als extrem angespannt und seine Anspannung wuchs noch, als wir in Marokko ankamen. Er schien sich von jedem angegriffen zu fühlen, auch von mir, obwohl ich nur unbehaglich neben ihm herschlich. Wir bestiegen ein Taxi, das uns zu Hassan, einem alten Fischer, bringen sollte, der mit seiner Frau an einem einsamen Strand in der Nähe von Tetouan lebte. Hassans Sohn arbeitete im Haschischgeschäft und Ioannis kannte beide von früheren Reisen.

Das Taxi fädelte sich in den chaotischen Verkehrsfluss von Tanger ein, und es vergingen keine fünf Minuten, als der Motorroller mit zwei jungen Männern ohne Helm vor uns auf ein Auto auffuhr. Wir sahen etwas durch die Luft fliegen – es war eine menschliche Schädeldecke. Inzwischen kannte ich schon Ioannis' Gläubigkeit an Omen – dass das kein gutes war, lag auf der Hand. In bedrücktem, angespanntem Schweigen fuhren wir weiter. Hassan empfing uns freundlich in seiner bescheidenen Hütte und unterhielt sich angeregt mit Ioannis auf Französisch, während seine Frau auf dem Gaskocher einen Eintopf für die solventen Gäste zubereitete.

Am nächsten Tag schlugen wir am anderen Ende der Bucht unser Lager auf, das aus einer große Plane bestand, die wir über die Felsen spannten. Hassans Sohn versorgte uns mit Haschisch, und Ioannis benutzte es wie ein Psychopharmakon gegen die innere Anspannung, die ihn fast ständig unter Strom setzte. Zwischen den Zeilen hatte ich bisweilen seine Angst vor dem Wahnsinn herausgehört. Damals wusste ich noch nichts über eine genetische Disposition zur Schizophrenie.

Wir waren ganz alleine am Strand, doch Urlaubsstimmung wollte nicht aufkommen. Ioannis war extrem angespannt, kalt und latent aggressiv und belauerte mich voller Misstrauen. Ich glaubte, irgendetwas falsch zu machen, verstand aber nicht, was. Einmal lag Ioannis beim Beischlaf über mir und wurde plötzlich wütend, weil ich keine Erregung empfand. Er knallte sein Schambein mit voller Wucht auf meines – dieser Schmerz war so stark, dass er meine übliche Taubheit durchbrach. Ich sah einen Abgrund in seinen Augen, der mir Todesangst einjagte. Diese Angst blieb ab da mein treuer Begleiter. Unvermittelt war ich in einem Psychothriller gelandet und wagte keine Widerrede. Ab da sparte sich Ioannis jede Zärtlichkeit, und ich gab mir größte Mühe, Erregung zu heucheln, um weiteren Attacken zu entgehen.

Ioannis hatte das Geld und unsere Pässe an einem mir unbekannten Ort vor möglichen Dieben versteckt. Nun saß ich ohne Französischkenntnisse in der marokkanischen Pampa fest und musste irgendwie diesen Urlaub überstehen, um dann in Deutschland das Weite suchen zu können. Ioannis wurde zusehends herrisch und gereizt. Plötzlich sollte ich ihn bedienen. Und es war etwas an ihm, dem ich mich nicht zu widersetzen wagte.

Eines Abends regnete es sehr stark und langanhaltend. Plötzlich begannen Asseln unter dem Rand der Plane zu uns ins Trockene zu krabbeln, bis bald der ganze Boden in mehreren Lagen von ihren gräulichen Leibern bedeckt war. Es war wie in einem Horrorfilm, und wir kauerten die ganze Nacht voller Entsetzen auf einem Felsvorsprung. Als der Morgen graute, verschwand der Spuk so schnell, wie er begonnen hatte. Wie auf ein geheimes Zeichen verließen die Asseln unseren Unterschlupf. Aber wir waren bedient. Wir packten unsere Sachen, mieteten ein Auto und fuhren südwärts. Ioannis wollte mir Marrakesch zeigen.

Zu Beginn der Fahrt hielten wir an einer einsamen Stelle und gingen hinunter zum Strand. Beim Zurückkehren kletterten wir eine steile Böschung hoch. Ich schaffte das ohne Probleme, aber Ioannis rutschte mit seinen Stiefeln immer wieder ab. Das empfand er wohl als demütigend, und als wir wieder im Auto saßen, verlangte er von mir zu singen – er kannte meine große Singhemmung. Bei Verweigerung wollte er mich aussetzen und den Marokkanern überlassen. Ich sang und hasste ihn dafür auf meine stumpfe Art, während Ioannis befriedigt grinste. Den Rest der Fahrt habe ich nur nebulös in Erinnerung, auch die Schönheit Marrakeschs. Tagsüber war Ioannis so geladen, dass ich mich wie neben einer tickenden Bombe fühlte. Dann kamen die furchtbaren Nächte, wo ich alles gab, um ihn zu überzeugen. Er musste doch wissen, dass ich ihm etwas vorspielte. Aber er wollte sich wohl täuschen lassen, ich musste nur gut genug sein.

Marokko – neben mir ein Irrer, um mich herum lüsterne Araber. Ich war heilfroh, als diese drei Wochen endlich vorbei waren. Auch Ioannis schien erleichtert. Schon am Flughafen begann die Verwandlung. Sein harter, misstrauischer Blick verschwand, er war lustig und freundlich und verhielt sich, als hätten wir eine harmonische Zeit zusammen verlebt.

Aber für mich war der Albtraum viel zu frisch. Ich trennte mich von Ioannis und zog in das Zimmer meiner verreisten Schwester. Es ging mir schlecht, ich fühlte mich schwach und würgte immer wieder Galle aus meinem leeren Magen. Ioannis kreuzte ständig auf und beteuerte mir seine Liebe. Er bedrängte mich, zu ihm zurückzukommen, und versprach, sich um mich zu kümmern. Einerseits war ich genervt von seiner zermürbenden Penetranz, andererseits war es tröstlich, dass es überhaupt einen Menschen gab, der sich für mich interessierte. Völlig abgemagert und zu schwach, um nach draußen zu gehen, hätte ich unbemerkt sterben können. Ich fühlte mich so elend und allein, und schließlich willigte ich ein, zu ihm zurückzukommen. Aber ich wurde immer schwächer. Statt sich um mich zu kümmern, unterstellte mir Ioannis psychosomatischen Widerstand gegen ihn. Das tat er auch, wenn meine Vagina so wund war, dass ich kaum noch laufen konnte. Ich schnitt dilettantisch an meinen Pulsadern herum, aber Ioannis lachte nur.

Schließlich setzte er mich in den Zug und schickte mich wie ein versehrtes Paket nach Hause. Meine Mutter, sonst nicht zimperlich, erschrak bei meinem Anblick und brachte mich sofort zum Arzt. Meine Leberwerte lagen bei über 1000, ich hatte mir wohl in Marokko durch Lebensmittel eine Hepatitis A zugezogen und stand kurz vor dem Leberkoma.

Ioannis besuchte mich in der Quarantänestation des Krankenhauses, sichtlich bestürzt, dass ich nicht simuliert hatte. Er quoll über vor Liebesbeteuerungen und beglückte mich in der Wäschekammer des Krankenhauses. Zumindest musste ich hier leise sein.

Ansonsten fand ich es schön im Krankenhaus. Die zwei mütterlichen, älteren Krankenschwestern und auch die Ärzte waren so fürsorglich und freundlich zu mir, zumal ich keine Junkie-Hepatitis hatte wie die anderen Kranken, die wie Gespenster durch die Gänge geisterten.

Nach vier Wochen wurde Ioannis das Warten zu lang. Er könne sich in M. besser um mich kümmern als das Krankenhauspersonal, begründete er meine Entführung. Ich wäre gerne geblieben. Aber offensichtlich hatte ich schon zu diesem Zeitpunkt vor Ioannis walzenartiger Dominanz resigniert. Meine Mutter kochte vor Wut. Von seiner eigenen Mutter ließ sich Ioannis den angeblichen Gallenstein eines Bären besorgen. Jeden Tag musste ich etwas davon abreiben und mit Zitrone schlucken. Ioannis Bereitschaft zur Krankenpflege war damit erschöpft.

Es war bei mir an der Tagesordnung, dass ich mich ständig verletzte und an Gegenständen anstieß, ohne es zu bemerken. Ich sah immer mit Überraschung die vielen Blutergüsse an meinem Körper. Meist spürte ich auch kein Hungergefühl, und wenn doch, fühlte ich mich gehemmt, von Ioannis' Lebensmitteln zu nehmen. Die Atmosphäre, die Ioannis verbreitete, schnürte mir noch zusätzlich den Magen zu. Er beschuldigte mich, meinen Körper zu sabotieren, um ihn zu sabotieren. Deshalb sagte ich auch nichts, als ich mir eines Tages den siedenden Inhalt eines ganzen Wasserkochers über meinen Fuß goss. Ich zog schnell Strümpfe über und behielt sie drei Tage an. Meine Schwester besuchte mich während Ioannis' Abwesenheit und rettete mich dadurch vor der Invalidität. Als ich die Socken auszog, war mein Fuß vom Eiter dick angeschwollen, meine Zehen sahen aus wie Würstchen kurz vor dem Platzen und die Haut meines Fußrückens klebte im Strumpf. Ich hatte keinen Schmerz gespürt. Entsetzt schleppte mich meine Schwester ins Krankenhaus. Wenige Stunden später hätte mein Fuß amputiert werden müssen.

Ich weiß nicht mehr, warum, aber ich sollte meine Schwester über 20 Jahre nicht wiedersehen.

***

3

Ioannis steckte in einer Sackgasse. Ihm war sicher inzwischen klar, dass ich ihn nicht liebte. Er selbst war nur liebesfähig, wenn ein Wesen so schwach war, dass es ihm nicht gefährlich werden konnte. Immer fürchtete er, Verletzbarkeit zu zeigen und sich dadurch auszuliefern. Je wichtiger ich ihm wurde, desto mehr Angst vor Nähe hatte er, und desto mehr musste er mich beherrschen und kontrollieren.

Gleichzeitig waren wir uns an einem Punkt in seinem Leben begegnet, an dem er nicht wirklich weiterwusste. Das Studentenleben war vorbei, seine Freunde etabliert und das Arbeitsamt begann Druck zu machen. Er brauchte eine Perspektive. Niemals hätte er sich in ein Arbeitsverhältnis einfügen können, mit seiner Überempfindlichkeit und seinem Jähzorn. Er konnte keine Form von Kritik und Unterordnung ertragen. Und für eine Selbstständigkeit fehlte ihm der Fleiß. Ioannis sah das natürlich anders. Er hatte besondere Qualitäten – die eines Weltverbesserers. Von seinem Selbstverständnis her blieb ihm nur der höhere Dienst an der Entwicklung der Menschen und ihres Bewusstseins.

Er fokussierte sich auf das System Gurdjieffs und Ouspenskys, zwei esoterischen Lehrern, die strikte Forderungen an ihre Schüler stellten. Ouspenskys Buch Auf derSuche nach dem Wunderbaren war der Einstieg zu Gurdjieffs Ideen und dem Vierten Weg. Laut Gurdjieff besitzt der Mensch weder Einheit, Bewusstsein noch Willen. Wie eine Maschine reagiert er unwillkürlich auf innere und äußere Impulse. Der gewöhnliche Mensch schläft und lebt in einer subjektiven Traumwelt, die geprägt ist von negativen Gefühlen und Gedanken. Der Mensch muss sich durch Überanstrengungen und Selbstbeobachtung von seiner Negativität und seinen Automatismen befreien, um bewusst zu werden. Dafür braucht er über Jahre einen Lehrer, der ihn fordert und führt und dem er sich bedingungslos unterwirft.

Ich fand die Ausführungen Gurdjieffs durchaus plausibel – dass mit mir und anderen etwas nicht stimmte, war ja unbestreitbar. Nachdem ich das Buch gelesen hatte, sprach Ioannis ausführlich mit mir darüber.

Und dann kam Ioannis' Geniestreich. Er fragte mich feierlich, ob ich seine Schülerin werden wollte. Ich fühlte mich unter Druck gesetzt, da ich Ioannis nicht für einen geistigen Lehrer hielt. Aber mir fiel nichts ein, um Nein zu sagen. Also sagte ich Ja und fühlte mich in meinem seltsamen Pflichtbewusstsein an diese Zusage gebunden.

Mit diesem Wechsel von der Freundin zur Schülerin saß ich komplett in der Falle. Mit dem Status des Lehrers besaß Ioannis uneingeschränkte Macht, und als Lehrer konnte er sich alles herausnehmen, besaß er doch per definitionem höhere Einsicht. Gerade ich, die ich Autoritäten nie hatte anerkennen wollen, sollte bald zu einer Leibeigenen werden.

Ioannis' Lebensplan sah vor, eine Gruppe von Schülern und Schülerinnen um sich zu sammeln und dann ein Gurdjieff-Ouspensky-Zentrum in Griechenland zu eröffnen. Als Erstes schleppte er seine Ex-Affäre Karin an. Sie studierte irgendetwas und ging mir mit ihrer trägen, eitlen Art sofort auf die Nerven. Karin war immer noch scharf auf Ioannis und bereit, unter dem Vorzeichen Schülerin Ideen, und vor allem das Bett mit uns zu teilen. Ioannis taufte mich Astro ( griechisch: Stern) und Karin Ra. Diese Namensgebung fand ich lächerlich und erinnerte mich an Sekten. Aber mein neuer Name zeigte, welche Hoffnungen Ioannis mit mir verband. Ich war nicht begeistert von der Situation, denn auch wenn ich innerlich vereist war, hatte ich doch ein Ego und das rebellierte, wenn Ioannis mit Karin im selben Zimmer schlief. Von Karin verlangte er keine Showeinlagen und begnügte sich mit ihrer wenig expressiven, aber echten Lust.

Doch Eifersucht war Ausdruck des kleinen Ichs, das sterben musste, damit das große Ich geboren werden konnte, erklärte uns Ioannis. Das war ab nun sein Freischein, um auch in meiner Gegenwart ganz unverblümt jede Frau anzubaggern, die ihm halbwegs attraktiv erschien. Natürlich hatten Karin und ich nicht Ioannis' Seins-Ebene, um ebenfalls sexuelle Ungebundenheit praktizieren zu können. Wir lebten zu unserem eigenen Wohlergehen monogam. Mich konnte er damit nicht überzeugen, aber als Schülerin war mein Recht auf Widerspruch verwirkt. Unser Status als Schülerinnen zeigte sich auch darin, dass wir ununterbrochen kritisiert wurden. Ständig stellte Ioannis Forderungen und ständig versagten wir. Anerkennung wurde so selten wie gute Laune unseres Lehrers, denn auch Ioannis schien in seiner neuen Rolle nicht wirklich glücklich, und seine sympathischen Facetten zeigten sich nur noch selten.

Meine Freundin Christine, letzter Kontakt zu meinem alten Leben und inzwischen verlobt, kam mich zum ersten Mal in M. besuchen. Ioannis bedrängte sie schamlos. Ich weiß nicht, was für sie schlimmer war: seine Penetranz oder die Tatsache, dass ich wie ein geprügelter Hund daneben saß und nicht eingriff.

Auch Christine sollte ich viele Jahre nicht mehr sehen.

Ioannis hatte jetzt zwei Schülerinnen als Kernzelle, es fehlte nur noch das Startkapital. Karin leierte ihrem Vater Geld aus der Tasche, und Ioannis versuchte, dieses Kapital im Casino zu multiplizieren. Die höheren Mächte mussten seinem Vorhaben doch wohlgesonnen sein und ihn mit einem fetten Gewinn unterstützen. Aber als das Geld immer mehr dahinschwand, war klar, dass hier etwas schieflief. Es waren wohl Karins negative Vibrationen, die Ioannis' Erfolg torpedierten. Karin fiel in Ungnade und wurde mit Sexentzug bestraft.

Zu dieser Zeit machte auch das Arbeitsamt verstärkt Probleme. Ioannis hatte einige Termine versäumt und die Zahlungen waren eingestellt worden. Aber Ioannis erfand eine hanebüchene Lügengeschichte, die durch Meineide von Karin und mir rechtlich unantastbar wurden, und holte damit sogar eine lohnende Nachzahlung vom Arbeitsamt heraus.

Doch das waren keine Summen, mit denen Ioannis seine Visionen verwirklichen konnte. Und er zog eine richtig linke Nummer ab: Er ließ von einem Goldschmied Barren aus irgendeinem Metall mit Gold überziehen. Diese verkaufte er dann an Solon, einen befreundeten griechischen Restaurantbesitzer, als kompakte Goldbarren zum Schnäppchenpreis. Ich weiß nicht, welche Story Ioannis Solon erzählte, auf jeden Fall missbrauchte er ein zwölf Jahre lang gewachsenes Vertrauen und prellte Solon um eine große Menge Geld. Als Rechtfertigung führte er an, dass Solon inzwischen Kapitalist geworden sei und sogar an der Börse spekuliere.

Nun musste Ioannis schnell verschwinden, bevor die ganze Sache aufflog. Sein Plan sah vor, dass er auf der Harley Davidson nach Griechenland vorfuhr und Karin und ich mit einem VW Bus nachkämen. Er ließ uns Geld da, um einen Bus zu kaufen und ihn campinggerecht einzurichten.

Bevor er losfuhr, rasierte er Karin und mir die Köpfe. Dies diene dem Kampf gegen unsere Eitelkeit, sagte er. Später erst wurde mir klar, dass er mich damit von anderen Männern fernhalten wollte. Wegen Karin war er nicht eifersüchtig. Schon bald hatte ich gemerkt, dass er nur mit ihr schlief, um sie wortwörtlich bei der Stange zu halten. Ich litt furchtbar unter meiner Glatze und fand mich unglaublich hässlich. Karin dagegen trug ihren markanten Schädel mit bewundernswerter Selbstsicherheit zur Schau.

Ioannis stellte seine persönlichen Sachen in Karins Keller unter, die sich mit ihrem Bruder eine enge 2-Zimmer-Wohnung teilte. Ich zog bei Karin ein. Mit ihr zusammenzuwohnen war nervend. Ich mochte sie einfach nicht. Ihr Bruder ließ sich nicht einmal von meiner Glatze abschrecken. Ständig platzte er in unser Zimmer, oft hatte er nur ein langes T-Shirt an und nichts drunter.

Von zwei Hippies kauften Karin und ich einen gebrauchten VW-Bus. Ich war so naiv zu glauben, alle Hippies seien anständig. Mit gewissem Enthusiasmus und viel Fantasie machten wir den Bus wohnlich. Wir ließen auch einen gasbetriebenen Kühlschrank einbauen.

Karin und ich kamen uns in dieser Zeit ein bisschen näher. Nur die Telefonate mit Ioannis waren unerfreulich. Über jeden unserer Schritte mussten wir Rechenschaft ablegen, alles wurde kritisiert, wir schienen nur Fehler zu machen, und ich war froh, dass Karin meistens mit Ioannis sprach; sie nahm seine Ausbrüche ziemlich gelassen hin.

Dann ging es los Richtung Griechenland. Der Bus zog extrem schlecht, und kurz vor München gab der Motor seinen Geist auf. Mir schwante, dass das Kichern der beiden Hippies nicht vom Kiffen gekommen war. Ich war froh, dass Karin Ioannis diese Hiobsbotschaft telefonisch überbrachte. Wir mussten ein paar Tage im Bus auf den Ersatzmotor warten und lernten in dieser Zeit zwei lockere Globetrotter kennen. Ich genoss es, Ioannis seine Doppelmoral heimzuzahlen, indem ich mit dem attraktiveren der beiden in die Kiste stieg. Karin würde schweigen. Ioannis' Wut hätte auch sie getroffen. Außerdem verstanden wir uns während dieser Reise recht gut.

Schließlich kamen wir in Athen an. Ioannis war extrem angespannt. Dieses Land schien irgendetwas in ihm anzutriggern. Er fühlte sich von jedem Griechen in einen Ego-Kampf verwickelt und gebärdete sich vor allem im Straßenverkehr wie ein Wahnsinniger. Unzählige Male wollte er sich mit einem verdutzten Autofahrer prügeln, aber zum Glück ging keiner darauf ein.

In der ersten Nacht im Hotel versuchte ich für ein wenig Heiterkeit zu sorgen und erzählte von Karins unmöglichem, exhibitionistischen Bruder. Doch Ioannis fand das gar nicht lustig. Wie hatte ich das zulassen können? Zum ersten Mal prügelte er mich grün und blau. Karin verfiel in Schreckstarre. Am nächsten Morgen war ich so verheult und verbeult, dass ich kaum aus den Augen gucken konnte. Wir drei Kahlköpfe sorgten schon ohne die Spuren von Gewalt in meinem Gesicht für Aufsehen, und ich schämte mich furchtbar.

Seit jenem Abend begann ich Ioannis' Eifersucht zusehends zu fürchten. Sie wuchs mit der Dauer unserer Beziehung. Bald traute ich mich nicht mehr, einem Mann nur in die Augen zu sehen, wenn Ioannis dabei war. Ich fand diese Befangenheit so erschöpfend, dass ich mir manchmal eine Burka wünschte, nur um seinem Dauerverdacht zu entrinnen.

Nach jener Nacht in Athen, in der eine Grenze unwiderruflich überschritten worden war, wurden Schläge zu einem festen Bestandteil der Beziehung zwischen Ioannis und mir. Je größer seine innere Anspannung, desto gefährlicher war er. Bald reagierte ich wie ein Seismograph auf seine Stimmungen, die ohne Vorwarnung umschlagen konnten. Aber alle Vorsicht konnte mich nur bedingt vor Schlägen schützen. Einen Mangel an Aufmerksamkeit oder zur Schau getragenen Respekt konnte ich noch weitestgehend vermeiden. Aber in der Regel waren mir seine Ausbrüche völlig unverständlich. Ein angeblich provokanter Blick, eine angeblich absichtliche Ungeschicklichkeit, ein angeblich abwertendes Wort reichten für ein blaues Auge, einen Tritt oder einen Gegenstand, der mir an den Kopf geworfen wurde. Einmal rammte mir Ioannis eine Gabel in die Hand, ohne dass ich mich überhaupt geregt hätte. Dabei spürte ich deutlich, dass er sich meist noch beherrschte und nur einen Teil seiner Wut herausließ. Wenn ihm dies nicht gelang, wurde es übel.

Vor Ioannis' Wut entwickelte ich eine Angst, die ich schwer hätte erklären können. Körperliche Schmerzen machten mir ja eigentlich nicht viel aus und ich war deshalb auch nicht feige, was Gefahren anging. Die Angst vor Ioannis ging jedoch tiefer als die Angst vor Schmerzen, es war eher wie eine Todespanik. Dieser wahnsinnige Hass während seiner Gewaltausbrüche schien aus einem bodenlosen Höllenschlund emporzusteigen. Und ich wusste instinktiv, dass Widerstand während seiner Gewaltausbrüche nur zwei Optionen zuließ: ihn bewegungsunfähig zu schlagen und unauffindbar zu fliehen oder selbst schwerst verletzt oder getötet zu werden.

Parallel zu seiner Gewalt unterminierte er jeden Widerstand bei mir auch durch grausamen Spott und Bloßstellung. Damit katapultierte er mich zurück in den hilflosen Zustand meiner vorpubertären Zeit: das gebrochene Mädchen, das die Hoffnung auf Liebe und Lebensfreude aufgegeben hatte.

Die Zentrumsgründung war plötzlich kein Thema mehr. Karin und ich hinterfragten nicht, warum. Ioannis zog sich mit uns erst mal in das großzügige Ferienhaus seines Bruders auf Korfu zurück.

Dort unternahm er seine üblichen Jagdausflüge auf Frauen, scheinbar ohne Erfolg. Es war eine öde Zeit, für Karin noch mehr als für mich. Ioannis war ihrer schon so überdrüssig, dass er gar keine Zeit mehr mit ihr verbringen wollte und sie nur in ihrem Zimmer vor sich hinbrütete. Irgendwann schickte er Karin vorläufig mit dem Flieger nach Hause mit der Begründung, sie sei zu negativ. Negativität war sowieso sein Lieblingsstempel. Dieser dämonische Zustand in uns schien nur darauf zu lauern, Ioannis' hehre Absichten zu boykottieren. Und da uns dieser Zustand so unbewusst war wie fast alles andere auch, gab es keine Berufung gegen sein Urteil.

Nach Karins Weggang war Ioannis erleichtert. Wahrscheinlich hatte ihm die Konstellation mit Karin seine Ratlosigkeit als geistiger Lehrer unangenehm vor Augen geführt. Er wollte mit mir Ferien auf der Insel Kefalonia machen und mit Motorrad und Bus kamen wir dort an. Während Ioannis im Café saß, sollte ich den Kühlschrank im Bus anschließen. Doch das Verbindungsrohr zur Gasflasche war defekt und beim Anzünden gab es eine riesige Stichflamme. In null Komma nichts fing das Innere des Autos Feuer. Ich sprang aus dem Bus und sah unter Schock zu, wie unsere Habe restlos verbrannte, bis schließlich der Bus explodierte. Nur sein Geld und seine Papiere trug Ioannis bei sich.

Ich musste mich vor einem griechischen Gericht verantworten, da ich Menschenleben gefährdet hatte. Ich wurde jedoch freigesprochen und flog nach Deutschland zurück, zu Karin. Mein gesamtes Gepäck bestand aus meinem provisorischen Reisepass.

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4

Karin und ich sollten erneut einen Bus kaufen und herrichten. Dieses Mal gingen wir sehr ernüchtert an die Sache heran. Auf den Kühlschrank wurde verzichtet.

Ioannis hatte Griechenland verlassen und hielt sich inzwischen in Sète in Südfrankreich auf. Ich sollte mit dem Zug zu ihm fahren, während Karin den Bus alleine fertigstellte. Mit meinen stoppelkurzen Haaren und ein paar schlecht sitzenden Klamotten von Karin fühlte ich mich wie ein Alien unter den unbeschwerten, gepflegten Sommergästen, die auf den Straßen flanierten. Nach dem Desaster mit der Explosion hätte ich nicht gewagt, Ioannis um Geld für Kleidung zu bitten.