Flugangst - Suk-Jae Kim - E-Book

Flugangst E-Book

Suk-Jae Kim

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Beschreibung

Flache Atmung, schwitzige Hände und ein Engegefühl in der Brust: Für viele Menschen gehören diese Symptome zum Fliegen dazu. Deshalb heißt es nun: This is your pilot speaking: Warum noch nie ein Flugzeug wegen Turbulenzen abgestürzt ist, was Piloten während des Flugs im Cockpit machen und wie entspanntes Fliegen endlich möglich wird, kann niemand besser erklären als Pilot und Flugangst-Coach Suk-Jae Kim aka Cockpitbuddy. Ready for takeoff?

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

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Seitenzahl: 206

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Suk-Jae Kim | „Cockpitbuddy“

Flugangst

Wie kann ich endlich angstfrei fliegen?

1 This is your pilot speaking

Hallo und welcome aboard!

Mein Name ist Suk-Jae Kim und vielleicht kennst du mich schon von Instagram oder durch meinen Podcast „Cockpitbuddy“.

Ich bin seit über 20 Jahren Pilot und fliege aktuell bei einer großen deutschen Airline. Neben dem Fliegen helfe ich außerdem Menschen dabei, ihre Flugangst zu überwinden.

Ich erzähle dir in diesem Buch nicht nur, warum das Fliegen sicher ist, sondern auch, wie du lernen kannst, deine Flugangst in den Griff zu bekommen. Dabei zeige ich dir, wie ich selbst mit Ängsten umgehe, denn auch ich hatte Höhenangst (ja, wirklich!).

Ein paar Worte zu mir

Wie mein Name schon verrät, habe ich koreanische Wurzeln, bin aber in Deutschland geboren und aufgewachsen – genauer gesagt im Schwaben­ländle. Mittlerweile wohne ich in Hessen, bin verheiratet und Vater von zwei wundervollen Jungs.

Schon als kleines Kind hat mich das Fliegen so begeistert, dass ich täglich mit Lego oder anderen Bausteinen Flugzeuge und Raumschiffe gebaut habe – genauso wie mein großer Sohn heute. Und so war klar, dass ich später mal Pilot werden wollte. Ein paar Umwege musste ich in Kauf nehmen, aber 2001 konnte ich tatsächlich meine Flugausbildung starten und ich fliege seit 2005 Passagiermaschinen: zuerst bei ­Hapag-Lloyd ­(heutige TUIfly) und mittlerweile seit über 17 Jahren bei einer großen deutschen Airline. In dieser Zeit habe ich über 10.000 Flugstunden ­gesammelt und circa eine Million Passagiere sicher an ihr Ziel gebracht.

Selbst nach all den Jahren ist es immer noch unbeschreiblich schön, im Cockpit zu sitzen und diesen Traum zu leben, den ich als Junge hatte. Es wird nie langweilig beim Fliegen, ganz im Gegenteil: Ich liebe es, die Welt von oben zu beobachten, auf den Wolken zu surfen und die schönsten Sonnenauf- und -untergänge zu bestaunen. Für mich ist das Fliegen nicht nur ein Beruf, sondern eine ganz große Leidenschaft.

Ich habe festgestellt, dass die Fliegerei eine große Faszination auf die Menschen ausübt, dass sich aber auch viele Mythen, Vorurteile und (Fake) News verbreiten, die bei immer mehr Menschen Angst vorm Fliegen auslösen. Viele Freunde und Bekannte haben mir allerlei ­Fragen gestellt und mir von ihren Sorgen und Ängsten beim Fliegen berichtet.

Daher habe ich vor ein paar Jahren meinen Podcast „Cockpitbuddy“ ins Leben gerufen, um genau diese Fragen zu beantworten und um all die Berufe vorzustellen, die es in der Welt des Fliegens gibt.

Auch auf Social Media bin ich sehr aktiv und poste immer wieder kurze Videos, in denen ich bestimmte Aspekte der Fliegerei möglichst einfach und verständlich erkläre. Schau also gerne mal vorbei, du findest mich zum Beispiel bei Instagram, YouTube oder TikTok unter dem Namen „Cockpitbuddy“.

Ein Pilot und Höhenangst? Wirklich?

Wie es ist, mit einer irrationalen Angst zu leben, weiß ich nur zu gut. Ich hatte nämlich jahrelang Höhenangst. Ja, wirklich – auch als Pilot.

Die meisten müssen erst einmal schmunzeln oder lachen, wenn sie das hören. Ein Pilot und Höhenangst, das kann man sich kaum vorstellen. Aber die Flughöhe war für mich auch nie das Problem. Höhe bedeutet beim Fliegen nämlich Sicherheit und solange ich den Boden nicht gesehen habe, war alles in Ordnung.

Anders war es, wenn ich nach unten schauen konnte. Nur mit großer Mühe und unter Angstschweiß konnte ich auf eine hohe Leiter klettern. Wenn ich im Flieger an der Tür stand und die Treppe oder die Fluggastbrücke noch nicht bereitstand, bekam ich Herzrasen.

Doch dann gab es einen Schlüsselmoment auf dem Eiffelturm. Angesichts der langen Schlange vor dem Aufzug hatten meine Frau und ich beschlossen, über die Treppen zu Fuß wieder hinunterzusteigen. Und du kennst eventuell die Stufen des Eiffelturms – die mit dem Gitter, durch das man den Boden drunter sehen kann. Mir wurde beim Abstieg immer mulmiger zumute und Panik machte sich breit, während ich Schritt für Schritt weiterging, beide Hände am Geländer. Ich konnte kaum runterschauen, aber gleichzeitig auch nicht wegsehen. Dabei wurden die Gedanken in meinem Kopf immer wilder und ich habe mir die verschiedensten Fragen gestellt, was passieren würde, wenn …

Mir wurde klar, dass es so nicht weitergehen kann, und ich habe dort auf dem Eiffelturm beschlossen, dass sich etwas ändern muss. Mir ist bewusst geworden, dass ich selbst die Wahl habe, ob ich meiner Angst und den negativen Gedanken den Raum in meinem Kopf gebe – oder ob ich diese Gedanken ersetze und meinen Fokus darauf lege, dass keine wirkliche Gefahr besteht.

Ich habe Tools und Methoden kennengelernt, die mich dabei unterstützt haben, meine Angstgedanken anzunehmen und zu entscheiden, wie ich darauf reagiere. Das ging natürlich nicht von jetzt auf gleich, sondern hat viel Eigeninitiative gebraucht, um dranzubleiben und meine Angstgewohnheiten zu ändern. Ich habe mir mit der Zeit mein eigenes Programm überlegt, das ich abspiele, sobald sich Angstgedanken einschleichen.

Es geht nämlich nicht darum, gar keine Angst zu haben. Angstgedanken haben wir alle in irgendeiner Form. Aber unsere Reaktion darauf macht den Unterschied zwischen Angst und Mut.

Dieses Programm und die darin enthaltenen Tools gebe ich seit einigen Jahren in meinem Seminar weiter und konnte damit schon vielen Menschen helfen, wieder Freude am Fliegen zu finden und ihre Reise- und Lebensträume zu erfüllen.

Warum dieses Buch?

Ich möchte dir in diesem Buch zeigen, dass das Fliegen sicher ist, und hoffe, es kann dir eine Hilfe sein, falls du Flugangst hast.

Flugangst zeigt sich bei jeder und jedem anders und alle fürchten sich vor unterschiedlichen Dingen, aber jede Angst sollte ernst genommen werden. Durch viele Gespräche mit Passagieren mit Flugangst weiß ich, dass die meisten sich vor Themen wie Turbulenzen, Start und Landung, Wetterlage oder auch vor den verschiedenen Geräuschen während des Fluges fürchten. Genau auf diese Bereiche werde ich genauer eingehen. Ich werde dir erklären, wie verschiedene Dinge in der Fliegerei ablaufen oder funktionieren, damit du in Zukunft weißt, dass die Horrorvorstellungen, die du manchmal im Kopf hast, nicht der Realität entsprechen.

In meiner Zeit als „Cockpitbuddy“ habe ich schon vielen Personen helfen dürfen, darunter Menschen aller Altersklassen und Geschlechter und solche, die schon zehn oder 20 Jahre nicht mehr geflogen sind – oder noch nie.

Viele glauben, sie werden ihre Angst nie wieder los und müssen die Einschränkungen in Kauf nehmen. Doch in meinen Augen kann jeder und jede lernen, besser mit den eigenen Angstgedanken umzugehen. Und wenn ein Pilot mit Höhenangst es geschafft hat, dann kannst du es sicherlich auch.

Ich möchte mich bei dir bedanken für das Vertrauen, das du in mich beziehungsweise in mein Buch setzt. Ich wünsche dir viel Spaß beim Lesen und ganz viel Erfolg beim Umsetzen der Tools gegen deine Flugangst.

Ich wünsche dir und deinen Liebsten alles Gute – und vielleicht sieht man sich mal an Bord eines Flugzeugs.

Bis dahin always happy landings.

Dein Cockpitbuddy Suk-Jae

Noch ein kurzer Disclaimer: Ich bin weder Arzt, Psychologe noch Psychiater, das heißt, ich kann und darf dir keinen medizinischen Rat geben. Ich bin Airline-Pilot und Coach für Menschen, die lernen wollen, entspannt zu fliegen. Die folgenden Inhalte spiegeln meine persönliche Meinung und meine eigenen Erfahrungen ­ wider. Bitte such dir bei Bedarf nach eigenem Ermessen medizinische und/oder psychologische Hilfe.

2 Faszination Fliegen vs. Flugangst

Die Angst vor dem Fliegen ist oft unangenehm und für manche kaum auszuhalten. Viele Betroffene haben neben Angstgefühlen auch körperliche Symptome, können schon Tage vor dem Flug nicht gut schlafen und machen sich viele Sorgen und Gedanken. Auch die Reise selbst oder den Aufenthalt am Zielort können sie nicht hundertprozentig genießen, denn die Gedanken kreisen nach der Ankunft schon wieder um den Rückflug. Vielleicht erkennst du dich selbst darin wieder?

Was Flugangst ist und wie sie sich äussert

Es gibt viele Variationen von Flugangst und Betroffene verspüren sie auch unterschiedlich intensiv. Um dich einmal selbst einzuschätzen, schau dir die folgende Liste an. Welche(r) dieser Punkte macht (oder machen) dir am meisten Angst?

Start und/oder Landung Turbulenzen „Kontrollverlust“, also die Angst, die Kontrolle abzugeben technische Fehler, Versagen der Maschine Absturz Wetter (Gewitter, Sturm, Böen et cetera) Fliegen über Wasser Nachtflug unbekannte Geräusche ungewöhnlicher Druck auf den Körper enge Räume kleine Flugzeuge oder Propellerflugzeuge Zusammenstoß von Flugzeugen Bestimmte Flugzeugtypen, z. B. Boeing 737 MAX Terrorgefahr Suizid von Piloten Pilotenfehler oder sonstiges menschliches Versagen Abkippen oder andere ungewöhnliche „Manöver“ Billig-Airlines große Höhen mögliche Panikattacke ohne Fluchtmöglichkeit oder Privatsphäre lange Flugzeit, während der man eingeschlossen ist das Unbekannte („nicht wissen, was kommt“)

Egal, in welchen Punkten aus der obigen Liste du dich wiedergefunden hast: Deine Angst ist real. Die Frage ist nun aber: Ist es auch die Gefahr, auf die sich deine Ängste beziehen?

Angst vs. Gefahr

Fliegen folgt festen Prozessen und geschieht nicht willkürlich. Luftfahrtbehörden weltweit legen strenge Richtlinien fest, die wir als Piloten sorgfältig befolgen müssen, um die Sicherheit und Effizienz des Luftverkehrs zu gewährleisten. Auch die Abläufe im Cockpit sind teilweise Schritt für Schritt von den Flugzeugherstellern vorgegeben und müssen zwingend eingehalten werden. Wir Piloten verbringen zudem einen Großteil unseres Fliegerlebens damit, verschiedene (Notfall-)Situationen im Simulator zu trainieren, damit wir im Ernstfall adäquat und effektiv reagieren können. Dazu aber später mehr.

Nicht mal halb so schlimm: Turbulenzen

Sehen wir uns mal als Beispiel Turbulenzen genauer an: Viele denken, leichtes oder auch kräftigeres Wackeln und Ruckeln beim Fliegen sei gefährlich und könnte auf einen Defekt hinweisen oder ein Grund dafür sein, dass ein Flugzeug abstürzt. Das ist aber nur ein Mythos und hat mit der Wirklichkeit nichts zu tun.

Ein Flugzeug ist so gebaut, dass es den stärksten Turbulenzen standhält, sie sind für das Flugzeug ungefährlich. Turbulenzen sind kein Indikator für einen Absturz oder technischen Defekt. Sofern du angeschnallt sitzen bleibst, wird dir in der Regel nichts passieren (die meisten Verletzungen treten nämlich dann auf, wenn Fluggäste nicht angeschnallt sind oder von herumfliegenden Gegenständen getroffen werden).

Viele glauben, bei Turbulenzen bewege sich das Flugzeug zig Meter auf und ab. Das ist nur die gefühlte Wahrheit, denn eigentlich bewegt sich das Flugzeug kaum, eher ein paar Zentimeter, und für uns Piloten ist es auch kein Notfall, sondern gehört zum Fliegen dazu. Wenn es moderate oder auch mal sehr starke Turbulenzen sind, schauen wir, ob wir komfortablere Lufträume aufsuchen können, falls die nicht schon durch andere Flugzeuge belegt sind.

Eine wirkliche Gefahr für das Flugzeug besteht bei Turbulenzen also zu keinem Zeitpunkt. Was Turbulenzen tatsächlich sind und wie sie entstehen, liest du ab Seite 75.

Das Gefährlichste am Fliegen ist statistisch die Fahrt zum und vom Flughafen – denn die Gefahr für einen Unfall ist beim Autofahren verhältnismäßig hoch! Paradoxerweise haben davor nur recht wenige Menschen Angst. Wenn du die Autofahrt überstanden hast, liegt das Schlimmste hinter dir.

Möglich vs. wahrscheinlich

Viele Personen mit Flugangst fokussieren sich immer darauf, was möglich ist, und nicht auf das, was wahrscheinlich ist. Viele fühlen sich, als wäre es „vorherbestimmt“, dass ausgerechnet ihr Flug nicht gut endet. Oder glauben, ihr „Glück“ sei mit den letzten gut gegangen Flügen aufgebraucht. Und klar: Es ist nie zu hundert Prozent ausgeschlossen, dass etwas schiefgeht, egal ob beim Fliegen oder mit anderen Verkehrsmitteln.

Nur weil etwas möglich ist, bedeutet das jedoch nicht automatisch, dass es auch wahrscheinlich ist.

Nehmen wir mal als Beispiel das Lottospielen. Natürlich ist es möglich, dabei Millionär zu werden, aber die Wahrscheinlichkeit ist mehr als bescheiden. Stell dir für einen kurzen Moment vor, jemand füllt einen Lottoschein aus und jubelt direkt beim Abgeben und fühlt sich so, als hätte er den Hauptgewinn in der Tasche. Klingt absurd, oder? Beim Thema Flugangst passiert das tagtäglich. Leute buchen sich ein Ticket und fühlen den Schmerz der Angstgedanken schon Tage vor dem Flug, obwohl gar nichts passiert ist und statistisch betrachtet auch nichts passieren wird.

Das Risiko, in einen tödlichen Flugunfall verwickelt zu sein, liegt ungefähr bei 1 : 16 Millionen Flügen! Nur um diese Zahl ins Verhältnis zu rücken: Wenn du von Tag eins in deinem Leben jeden Tag zehn Flüge absolvieren und 100 Jahre alt würdest, dann hättest du insgesamt 365.000 Flüge geschafft. Das sind noch nicht mal eine halbe Million Flüge.

Unsere Angstgedanken kreisen ständig um die Frage: Was wäre, wenn …?Aber in der Realität passiert es schlicht und ergreifend nicht. Wir haben Bilder und Vorstellungen aus irgendwelchen Medien im Kopf, die aber nicht der Wahrheit entsprechen. Die Zahlen sind sehr eindeutig, wie du auch ab Seite 16 lesen kannst (ZDF: Zahlen, Daten, Fakten).

Wissen vs. fühlen

Das, was du fühlst, ist real, die Gefahr ist es aber keineswegs. Unser Gehirn unterscheidet das nur nicht.

Die negativen Verknüpfungen zum Thema Fliegen verstärken sich, je mehr (negative) Schlagzeilen du über das Fliegen liest, je mehr Videos, Bilder oder Geschichten du dazu siehst und hörst. All das speichert das Unterbewusstsein ab.

Um die Flugangst zu überwinden, hilft es, sich das richtige Wissen anzueignen. Dazu werde ich dir in den folgenden Kapiteln erzählen, wie das Fliegen abläuft, wie wir Piloten arbeiten und wie wir geprüft werden. Auch werde ich dir näher beschreiben, warum ein Flugzeug durch technische Redundanzen (zusätzliche Sicherungen) sicher ist.

Doch dieses Wissen alleine reicht nicht. Wenn du es nicht anwenden und verinnerlichen kannst, wirst du dir immer wieder neue Fragen ­stellen, die deine Sorgen befeuern. Es ist also wichtig, dass du in Einklang bringst, was du weißt und was du fühlst. Und auch dazu werde ich dir in den späteren Kapiteln ein paar Tools und Tipps geben.

Ein kleines Beispiel: Die meisten Raucher wissen, dass Rauchen der Gesundheit schadet und langfristig tödlich ist. Aber das Wissen alleine hilft ihnen nicht, damit aufzuhören.

Bestimmt erinnerst du dich: Vorhin habe ich dir erklärt, dass bei Turbulenzen keine Gefahr besteht, solange du angeschnallt bist. Hilft dir das aber beim nächsten Flug, wenn es turbulent wird? Eher nicht, weil du es trotz dieses Wissens anders wahrnimmst und es sich anders anfühlt. Dank unserer Vorstellungskraft befinden wir uns in solchen Momenten in einer anderen (Gefühls-)Welt, die in der Regel nichts mit der Realität zu tun hat.

ZDF: Zahlen. Daten. Fakten

Der von Flugangst geplagten Gefühlswelt zum Trotz ist das Flugzeug eines der sichersten Transportmittel überhaupt. Das belegen seit Jahren Zahlen und Statistiken, von denen ich dir ein paar vorstellen möchte. Klingt vielleicht trocken, ist aber hilfreich, um ein realistisches Bild vom Fliegen zu bekommen – also, packen wir’s an.

Straßen- vs. Luftverkehr

Vor der Corona-Pandemie gab es in Deutschland jährlich circa 3.000 bis 4.000 Todesopfer im Straßenverkehr. Im Jahr 2023 waren es 2.830 Tote und circa 365.000 Verletzte.

Weltweit gab es sogar 1,19 Million Opfer im Jahr 2023. Der Straßenverkehr ist laut der WHO sogar die Todesursache Nummer eins bei jungen Menschen.

Dagegen ist die Zahl der Opfer in der Fliegerei seit Jahrzehnten stark im Sinken begriffen. Sie geht gegen null, und das bei steigenden Flugbewegungen und auch wachsendem Passagieraufkommen.

Im Jahr 2023 gab es circa 32 Millionen Flüge mit etwa 8,7 Milliarden Passagierinnen und Passagieren. Und darauf kam nur ein einziger Unfall mit 72 Opfern auf einem Flug innerhalb Nepals.

Durch die Medien erfahren von diesem Unfall natürlich alle, die sich dafür interessieren und möglicherweise auch davor Angst haben. Ein Vorfall mit einem Flugzeug ist in der Regel in wenigen Minuten in den News und auch in vielen sozialen Medien zu finden. Der Algorithmus ist mittlerweile so stark, dass man dem Thema dann kaum entgehen kann. Es erregt immer weltweit Aufsehen und leider gibt es stets viele Spekulationen und haarsträubende Berichterstattungen.

Reality-Check: So sicher ist fliegen

Es wird auch in Zukunft keine hundertprozentige Sicherheit geben, doch Fliegen mit dem Flugzeug ist sehr nah dran. Die Standards sind weltweit äußerst hoch. Es müssen viele Regeln und Gesetze eingehalten ­werden, angefangen bei den Arbeitszeiten für die Flugcrew über die Zulassung von Flugzeugen und vieles mehr. Dabei gibt es allerhand Vorgaben vom Hersteller und von den zuständigen Luftfahrtbehörden. Und die ­jeweiligen Airlines haben intern mitunter noch höhere Sicherheitsstandards.

Wir Piloten und Pilotinnen sind verantwortlich dafür Flugzeuglimits einzuhalten, wie zum Beispiel Wind- oder Gewichtlimits. Wir brauchen eine gültige Lizenz und müssen diese regelmäßig auffrischen, damit sie gültig bleibt – das schließt auch allerhand Trainings mit ein. Regelmäßig gibt es ­medizinische Check-ups, um zu gewährleisten, dass wir fit genug sind, um ein Flugzeug sicher zu fliegen. All diese Checks und Tests gibt es zum Beispiel beim Autoführerschein nicht. Einmal erlangt, darf man damit bis zur freiwilligen Abgabe fahren. Wir haben in Deutschland zum Glück den sogenannten TÜV (Technischer Überwachungsverein), der zumindest die Fahrtauglichkeit von Autos regelmäßig überprüft. In vielen anderen Ländern aber gibt es kaum Gesetze für vergleichbare Überprüfungen.

Ein Windlimit ist die maximale Windgeschwindigkeit oder -richtung (Seitenwind, Rückenwind), für das ein Flugzeug zuge­lassen ist – abhängig von Flugzeugtyp und Wetterbedingungen.

Neben den Anforderungen an uns Pilotinnen und Piloten gibt es auch für die Airlines strenge Auflagen und Vorschriften, die zwingend einzuhalten sind, und das weltweit. Die Flugzeuge selbst unterliegen ebenfalls strengen Kontrollen und Inspektionen. Ersatzteile haben Seriennummern, ein Austausch muss von einem zertifizierten Techniker vorgenommen werden, der seine Lizenznummer hinterlegen muss. Solche Arbeiten werden also immer protokolliert.

Klein, alltäglich – und gefährlicher als ein Flugzeug

Zum Ende möchte ich dir eine Zahl mitgeben, auf die ich vor einiger Zeit gestoßen bin. Sie veranschaulicht sehr gut, wie sicher das Flugzeug ist: 300.

Das ist die Anzahl der Personen, die jedes Jahr allein in Deutschland durch einen Kugelschreiber sterben! Fast unvorstellbar – 300 Menschen. Und dabei wird das Schreibgerät nicht als Mordwaffe benutzt – die Opfer sterben eher daran, dass sie sich an den Kleinteilen verschlucken und dann ersticken. Und nein, es handelt sich nicht um Kleinkinder.

Wenn du das nächste Mal in einen Flieger steigst, nimm einen Kugelschreiber mit und schau ihn dir genau an. Immer wenn dir Angstszenarien durch den Kopf gehen, mach dir bewusst: Ein Kugelschreiber ist gefährlicher als das Fliegen mit einem Flugzeug.

Warum lohnt es sich, Flugangst zu ­überwinden?

Das Fliegen ermöglicht uns seit jeher, große Distanzen in vergleichsweiser kurzer Zeit zu überwinden. Es vernetzt die Welt und ermöglicht uns kulturellen Austausch, globale Geschäfte und persönliche ­Verbindungen über Kontinente hinweg. Auch die Technik dahinter fasziniert uns Menschen, denn wie kann so eine schwere Maschine eigentlich abheben und in der Luft bleiben?

Es gibt so viel zu sehen in unserer Welt und deine Flugangst zu überwinden, kann dein Leben in vielerlei Hinsicht bereichern und dir viele neue Möglichkeiten eröffnen. Es erfordert viel Mut, Eigeninitiative und Durchhaltevermögen, aber es lohnt sich, denn …

Du hast die Möglichkeit, Orte auf der ganzen Welt zu besuchen, die sonst schwer oder gar nicht erreichbar wären. Du wirst neue Kulturen, Landschaften und Erfahrungen entdecken. Oder du verbesserst deine beruflichen Chancen, denn viele Berufe erfordern das Reisen. Reisen ermöglicht Bildung und kulturelle Erfahrungen, die das persönliche Wissen und Verständnis für die Welt erweitern können. Flugreisen sind oft die schnellste Art, von einem Ort zum anderen zu gelangen, insbesondere bei langen Distanzen. Das spart Zeit und Energie im Vergleich zu anderen Verkehrsmitteln wie Auto, Zug oder Schiff. Und sie sind bei großen Entfernungen sicherlich auch der bequemste Weg. Du stärkst soziale Beziehungen, wenn du Freunde und Familie besuchen kannst, die weiter entfernt leben. Du wächst über dich selbst hinaus, stärkst dein Selbstbewusstsein und deine Freiheit, wenn du dir selbst zeigst, dass du deine Angst überwinden und wieder die Kontrolle übernehmen kannst.

Letzten Endes ist Fliegen „nur“ ein Vehikel, um deine Lebensreise mit unvergesslichen Erlebnissen und Momente zu gestalten. Aber wie schon Augustinus von Hippo sagte: „Die Welt ist ein Buch und diejenigen, welche nicht reisen, lesen nur eine Seite.“

3 Die Piloten und die Crew

Die Sicherheit beim Fliegen beginnt bei den Menschen, die es möglich machen – den Piloten, der Crew und allen, die im Hintergrund zusammenarbeiten. Von der intensiven Ausbildung über regelmäßige Checks bis hin zur engen Zusammenarbeit zwischen Cockpit, Kabine und Bodenpersonal sorgt ein gut eingespieltes Team dafür, dass jeder Flug so sicher wie möglich durchgeführt wird.

Ausbildung, Schulungen und Checks

Ich werde oft gefragt, wie man überhaupt Pilot wird und welche Anforderungen dafür erfüllt sein müssen. Der Weg ins Cockpit ist anspruchsvoll und erfordert nicht nur eine intensive Ausbildung, sondern auch lebenslanges Lernen und regelmäßige Checks. Daher möchte ich zuerst genau diese Frage beantworten: Wie wird man eigentlich Pilot?

ATPL: die Lizenz zum Fliegen

Jedes Land hat unterschiedliche Vorgaben, was Pilotenlizenzen betrifft.

In Deutschland gibt es verschiedene Flugschulen, an denen man einen Pilotenschein erwerben kann. Dabei existieren unterschiedliche Lizenzarten, zum Beispiel die private Pilotenlizenz, kurz: PPL. Um für Airlines zu fliegen, benötigt man allerdings die sogenannte ATPL (Airline Transportation Pilot License). Die ist sehr viel umfangreicher als die PPL und es dauert in der Regel circa 2 Jahre, sie zu erwerben. Sehen wir uns also genauer an, wie das Ganze abläuft.

Um an einer Flugschule mit der ATPL zu starten, sind Leistungsnachweise in Mathematik, Physik und Englisch notwendig. Sind diese erbracht, beginnt die Schulung für die ATPL, die keine staatlich geregelte Berufsausbildung ist, sondern eine zertifizierte Lizenz, die nach international anerkannten Standards erteilt wird – Kostenpunkt 100.000 bis 130.000 Euro (Stand: 2024). Die Kosten dafür müssen angehende Pilotinnen und Piloten selbst tragen, zumindest in Deutschland. Manche Airlines finanzieren die Ausbildung vor und sie wird dann nach der Einstellung mit dem Gehalt abgestottert. Andere wiederum zahlen sogar die komplette Ausbildung inklusive Kost und Logis.

Die Flugausbildung selbst unterteilt sich in einen theoretischen und einen praktischen Teil, ähnlich wie beim Autofahren.

Lernen, lernen, lernen: Theorie und Praxis

Was gehört alles zur Theorie des Fliegens? Hier kommen Fächer wie Luftrecht, Navigation, Aerodynamik, Meteorologie, Funknavigation, allgemeine Flugzeugkunde, Flugplanung, Instrumentenkunde, Leistung (des Flugzeugs), Beladung, Kommunikation et cetera dran.

Im Praxisteil wird viel geflogen. In der Regel startet man mit einer kleinen Propellermaschine und fliegt erst mal nach Sichtflugregeln, das heißt, man darf erst mal nicht durch Wolken fliegen. Später kommen die Instrumentenflugregeln hinzu, im Volksmund „Blindflug“ genannt. Das bedeutet, der Flug kann ohne Orientierung nach außen und nur mit den Flugzeuginstrumenten durchgeführt werden. Am Ende der Praxisphase wird auch mit einer zweimotorigen Maschine trainiert, was dem späteren Airline-Alltag entspricht – da gibt es in der Regel nur zwei- oder mehrmotorige Flugzeuge.

Zwischendurch stehen immer wieder Zwischenchecks und Prüfungen an. Und wer all das erfolgreich bestanden und alle Flugstunden absolviert hat, ist stolzer Inhaber oder stolze Inhaberin der ATPL und kann sich bei einer Airline bewerben.

Die Airlines selber haben ihren eigenen Bewerbungsprozess und der ist oft mehrstufig. Es wird dabei häufig die Persönlichkeit der Aspiranten und Aspirantinnen gecheckt, um festzustellen, ob diese mit der jeweiligen Airline-Firmenkultur harmoniert.

Type Rating: für jedes Flugzeugmuster eine Lizenz

Wenn auch diese Hürden überwunden sind, geht es normalerweise zum Type Rating, auf Deutsch: Musterberechtigung.

Mit dem ATPL darf man zwar fliegen, muss aber für jeden Flugzeugtyp, den man fliegen darf, noch mal eine extra Lizenz erwerben. Auch dieses Rating beinhaltet wieder viel Lernerei in Theorie und Praxis, und das zum Großteil in einem Flugsimulator.

Dieser Prozess ist oft sehr intensiv und man lernt zusätzlich noch all die festgelegten Verfahren des Herstellers und der Airline kennen beziehungsweise muss diese in vielen Bereichen auswendig beherrschen. Denn die meisten Flugzeuge sehen zwar für den Laien sehr ähnlich aus, werden aber unterschiedlich gebaut und geflogen. So haben die zwei großen Flugzeughersteller Airbus und Boeing unterschiedliche Philosophien, die wiederum ihre eigenen Vor- und Nachteile mit sich bringen. Sicher sind natürlich beide, was Zahlen und Statistiken ausführlich belegen.

Das Type Rating dauert in der Regel zwischen sechs und zwölf Monaten. Die Kosten von 20.000 bis 40.000 Euro bezahlt in der Regel die Airline, bei der man arbeitet. Je nach Flotten der Airline und Karrieremöglichkeiten kann man dann auf das jeweilige Muster (das spezifische Modell oder die Baureihe eines Flugzeugs, z. B. Airbus A320 oder ­Boeing 737), geschult werden. In der Regel fängt man auf einem Kurz- und ­Mittelstreckenmuster an und wechselt im Verlauf der eigenen Karriere dann auf ein Langstreckenmuster (falls die Airline überhaupt Lang­strecke fliegt).

Die ATPL-Ausbildung und auch das Type Rating sind sehr intensive Phasen im Leben von Piloten und Pilotinnen, da in sehr kurzer Zeit sehr viel zu lernen ist: nicht nur das Wissen, sondern auch das Handwerk, sprich das manuelle Fliegen, vor allem in besonderen Situationen wie zum Beispiel bei einem Triebwerksausfall, starken Seitenwinden et cetera.

SOPs: gut vorbereitet auf Probleme und Notfälle