Foll vünfzig und noch immer fehlerfrei - Claudia Dabringer - E-Book

Foll vünfzig und noch immer fehlerfrei E-Book

Claudia Dabringer

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Beschreibung

Meine Erfahrung hat gezeigt, dass das Leben oft schneller ist, als man denken, überlegen, entscheiden kann. Und dann MUSS man handeln, während man vorher vielleicht noch eine Wahl gehabt hätte, einen positiven Impuls ins Leben zu bringen. Dieses Buch soll Sie ermutigen, sich aufzumachen. Die Zeiten sind turbulent und bunt, also viel zu schön, um beige zu sein oder zu werden. Tauchen Sie mit mir in den Farbtopf und holen Sie sich die Farbe, die zu Ihnen passt!

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Seitenzahl: 75

Veröffentlichungsjahr: 2019

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FÜR

alle Frauen, die das Gefühl haben, dass sie noch immer nicht genug aufgebrochen sind und Wind unter ihren Flügeln brauchen.

Und für alle Männer, die Frauen dabei unterstützen wollen

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Seenager in vier Schritten

Die Stärke und Schwäche in uns

Schreibt, Leute, schreibt!

Hurra, ich stehe alleine!

Schönwetterperiode

Mein Ding, sein Ding

Lieben heißt Lassen

Urlaubsentspannung? Dass ich nicht lache!

Werdet wie die Kinder!

Intuitiv interpretieren

Lächeln macht schön

Lernt von den Katzen, Empathen!

Carpe Diem

Das Schlechte am Gewissen

Status – In einer Beziehung

In der Einschicht

Im Team mit Franziskus

Die Schleier sind gefallen

Zu viel für diese Welt

VORWORT

Seit mehr als zwei Jahren schreibe ich Woche für Woche über mein Leben, die damit zusammenhängenden Gedanken und Erkenntnisse. Sie entspringen dem Verständnis, dass es möglich ist, sich „in unserem Alter“ NICHT zufrieden zu geben. Damit, was die Gesellschaft für 50plus-Frauen vorsieht. Damit, was wir selbst für uns vorsehen. Denn oft schränken wir uns selbst so weit ein, dass wir vor der Frau im Spiegel unser Gesicht abwenden. Zu viele Zugeständnisse, zu viele Verzichte, zu viele Rückzieher um des lieben Frieden willens führen häufig dazu, den Kontakt zu uns selbst zu verlieren. Natürlich kommt das auch in jüngeren Jahren schon vor, doch je länger das Leben dauert, umso wichtiger ist es, diesen Kontakt wieder herzustellen. Uns nicht nur aushalten können, sondern unser Frausein und unsere Weisheit feiern – das sollten wir tun. Und dazu möchte ich Woche für Woche in meinem Blog FREITAG auf www.ursachewirkung.at ermutigen. Auf dass wir in den Spiegel schauen und uns anlächeln können!

Seenager in vier Schritten

Seit gestern weiß ich, dass die spätpubertäre Version einen Teenagers der Seenager ist. Das ist die Kurzform von Senior Teenager. Dazu fällt mir als erstes das biblische „Wenn Ihr nicht werdet wie die Kinder...“ ein. Die Charakteristika allerdings entspringen einer Denke, die meiner diametral entgegen läuft.

Punkt 1: alles zu haben, was man braucht, nur 60 Jahre zu spät. Gut, jetzt kann ich natürlich nicht sagen, wie ich mich in - sagen wir mal - 20 Jahren fühlen werde. Doch vom jetzigen Standpunkt aus kann ich behaupten, dass die Genussfähigkeit alterslos ist. Natürlich wäre ich gerne vor meinem 18. Lebensjahr laut singend über die Autobahn gebrettert. Doch jetzt macht das genauso viel Spaß, wenn nicht mehr. Vor allem, wenn sich beifahrende junge Menschen vor peinlicher Berührtheit auf den sonstigen Plätzen krümmen. Im Grunde ist es jetzt sogar noch besser, weil man in einem, vor Rhythmus wackelnden Auto an der

Ampel nur mit viel Phantasie eine graumelierte Mähne beim Headbangen vermutet. Die Blicke – priceless!

Punkt 2: nicht mehr in die Schule gehen und/oder arbeiten müssen. Mein Großvater hat bis ins hohe Alter verschiedene Funktionen bekleidet, die durchaus Ähnlichkeit mit Arbeit hatten. Er war stets darauf bedacht, Neues zu erfahren und das durch Diskussionen zu festigen. Das machte ihn bis in seine 80er Jahre zu einem beliebten Ansprechpartner, der mit allen Generationen „konnte“. Und in Zeiten von Lebenslangem Lernen ist das Ende der Schulzeit ja nicht gleichzusetzen mit dem Ende des Wissensgewinns. Was mich angeht, werde ich wahrscheinlich mit dem Stift in der Hand meine Seele aushauchen, denn warum soll man lassen, was einem Freude bereitet, nur weil das Gesetz ein Arbeitsende festsetzt? Ich könnte mich jetzt wieder in mein Lieblingsärgerthema hinein steigern und Berge über die öffentliche Einschränkung von Eigenverantwortlichkeit bauen, doch das ist ein anderes Thema. Außerdem sollte man in Rage keine Texte verfassen – alte Schreiberregel!

Punkt 3: mit Leuten rumhängen, die keine Angst haben, schwanger zu sein. Was mich zu der Frage bringt, was denn so schlimm daran sein könnte, mit solchen Menschen Zeit zu verbringen. Nicht dass ich mich mit Schwangerschaft auskennen würde, aber schon allein das Alter dieser Menschen erscheint mit hochgradig attraktiv. Sie sind noch unterwegs, haben Pläne, Hoffnungen, Ideen. Was könnte als Gesprächsgegenüber inspirierender sein für ein scheinbar angekommenes Geschöpf? Sich Jahrzehnte in der gleichen Suppe zu baden, nur über Krankheiten auszutauschen und alte Kamellen zu verteilen, kann wohl nicht das Ende der Lebensfahnenstange sein.

Punkt 4: keine Akne zu haben. Das erinnert mich eine Begebenheit vor einige Jahren. „Mein“ Jüngster war gerade in der heißen Vorphase der Pubertät, ich in derselben meiner Wechseljahre. Wir hatten gemeinsame Hitzewallungen und gemeinsame Pickelausschläge. Und dort, wo „normale“ Mütter und Pubertierende aneinander geraten, hatte unser Austausch darüber fast Selbsthilfegruppen-Charakter. Ich habe das sehr genossen, und die Altersakne war damit nur halb so störend.

Die Seenager-Kriterien gingen jetzt noch weiter, doch ein gewisses Niveau will ich nicht unterschreiten. Wie ich natürlich in keinster Weise einsehe, dass man sich mit einem gewissen Geschlecht und/oder ab einem gewissen Alter Dingen verschließen sollte, die die Gesellschaft nur für bestimmte „Zielgruppen“ vorgesehen hat. Kürzlich stellte ein Mann die Frage in eine geschlechtlich heterogene Menge, wer von den Anwesenden schon einmal in einem Bordell gewesen sei. Nur eine Hand hob sich, und es war nicht die, die der Fragesteller erwartet hatte. Mehr sag' ich dazu nicht.

Die Stärke und Schwäche in uns

Meine Oma ist jetzt seit knapp drei Jahren tot, und einmal im Jahr besuche ich sie und Opa auch dort, wo sie zu Lebzeiten beschlossen hatten, Frieden zu halten. Kürzlich zog es mich außertourlich zur „starken Ahnfrau“.

Sie war ein Fels in der Brandung, und was meine Großmutter wollte, bekam sie auch. Nein, sie war keine Prinzessin, aber sie konnte hartnäckig sein wie niemand sonst in unserer Familie. Es drehte sich alles um drei Themen: Familie, Geld und Essen. Und manchmal denke ich mir, dass genau darin das Geheimnis ihres hohen Alters – sie starb mit 102 Jahren - lag. Brisant an der ganzen Angelegenheit war, dass die Familie hauptsächlich aus meiner Mutter und mir bestand. Ihr Mann und mein Vater gehörten zwar irgendwie auch dazu, aber ihr Grundvertrauen versagte bei den Herren schlussendlich immer. Das dehnte sie irgendwann einmal auf das gesamte Geschlecht aus und hielt damit auch nie hinter dem Berg. Welche Sprüche ihr dazu einfielen, halte ich hier unter Verschluss – wir wollen ja nicht diskriminierend werden, nicht? Doch einen, der mir während meines Kurzbesuchs an ihrem Grab wieder einfiel, teile ich mit Ihnen: „Du bist eine starke Frau.“

Wenn das kein Mantra fürs Leben ist! Ich weiß gar nicht mehr, wann sie damit anfing, mich zu infiltrieren. Vielleicht damals, als mein Großvater meinte, dass man sich um mich keine Sorgen machen müsse, weil ich eh alles schaffe. Vielleicht aber auch nach seinem Tod, als sie beschloss, ihr Single-Dasein noch einmal so richtig zu genießen und mit „Du bist eine starke Frau“ auch ein wenig sich selbst meinte.

Wie auch immer: Hätte ich es geschafft, noch letzte Worte von ihr zu hören – ich bin sicher, es wären diese vier gewesen.

Am späteren Nachmittag treffe ich eine Bekannte, die von der Anlage, Einstellung und dem Humor her eine Freundin werden könnte. Sie ist frisch geschieden, hat einen Vollzeitjob, zwei pubertierende Söhne, einen Hund und jede Menge zu managen. Und sie ist müde, nein, erschöpft. Von all dem, was zusätzlich noch in ihr Leben drängt. Männer zum Beispiel, verheiratete, geschiedene, ledige. Was soll ich sagen? Wir könnten in Co-Autorenschaft ein Trauerspiel schreiben. Und genau deshalb hat sie beschlossen, ihre Schönheit, ihren Witz und ihre Intelligenz jetzt nur mehr für sich selbst zu nutzen. Gute Entscheidung! Allerdings erzählt sie auch, dass sie von ihrer Umgebung dafür wenig Unterstützung bekommt, denn sie sei ja eine starke Frau und würde „das Kind schon schaukeln“. Nicht nur das Kerzenlicht funkelte in ihren Augen, als sie sagte: „Wenn ich das mit der starken Frau noch einmal von jemandem höre, hau' ich ihm oder ihr eine rein.“

Ja, auch so kann man Stärke demonstrieren – ist aber vielleicht nicht die eleganteste Methode. Und doch kann ich genau nachvollziehen, wie sie sich fühlt. Denn was bedeutet das denn im Endeffekt? Nicht weniger als eine Weigerung, diesen Menschen zu unterstützen. Nicht weniger als einen Freibrief, sich wenigstens um diesen Menschen nicht kümmern zu müssen. Weil eh so stark, selbständig und eigenverantwortlich. Mit der Zeit, die man aufwenden müsste, um ihm beizustehen, kann man dann etwas anderes angefangen – Shoppen zum Beispiel, Fernsehen oder andere weltbewegende Sachen.

Dass man stark, selbständig und eigenverantwortlich leben kann und trotzdem hin und wieder Trost, vielleicht eine Schulter oder eine helfende Hand braucht, ist kein Widerspruch. Einer Freundin, die auch in dieser Schublade liegt, hilft es schon, wenn man sie als „armes Schwein“ bezeichnet. Weil man da WAHRNIMMT, wie es ihr geht. Um mehr geht es im Grunde bei uns starken Frauen nicht. Wir wollen kein Lob, keine Anerkennung, keine Auszeichnungen. Wir wollen aber auch nicht, dass man sich zurück lehnt, nur weil wir an 95 von 100 Tagen wissen, wie wir unser Leben gestalten möchten. Was wir zu tun und zu lassen haben. Mit wem wir das tun und auf wen wir lieber