Erhalten Sie Zugang zu diesem und mehr als 300000 Büchern ab EUR 5,99 monatlich.
Fünfzig und fabelhaft - das könnte ja jede behaupten, denken Sie vielleicht. Und möglicherweise haben Sie auch recht damit, weil es in Ihrem Leben gerade wirklich gut läuft, der Körper in bester Verfassung und der Geist fit wieder oft strapazierte Turnschuh ist. Dazu gratuliere ich Ihnen von Herzen! Bei allem Überschwang stelle ich allerdings auch fest, dass viele in diesem Alter - manchmal früher, manchmal später - so ihre Probleme mit demselben haben. Die Lebensuhr beginnt zu ticken, man überlegt sich, was man noch umsetzen will, ob einem dazu noch genügend Zeit und Mut bleibt. Dieses Buch soll Sie ermutigen, sich aufzumachen. Nicht in "How to"-Schritten, sondern durch Inspirationen. Und vielleicht können die kleinen Geschichten, die als Blogbeiträge auf der Website www.ursachewirkung.at entstanden sind, ermutigen. Vielleicht erheitern, Vielleicht berühren. Und etwas in Ihnen bewegen, was Sie in Bewegung setzt.
Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:
Seitenzahl: 108
Veröffentlichungsjahr: 2017
Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:
alle Frauen, die das Gefühl haben, dass sie aufbrechen wollen,
aufbrechen können, aufbrechen müssen.
Nehmt Euch, was Ihr wollt – das Leben gehört Euch alleine.
Vorwort
… das könnte ja jede(r) behaupten, denken Sie vielleicht. Und möglicherweise haben Sie auch recht damit, weil es in Ihrem Leben gerade wirklich gut läuft, der Körper in bester Verfassung und der Geist fit wie der dazu gehörige Turnschuh ist. Dazu gratuliere ich Ihnen von Herzen! Bei allem Überschwang stelle ich allerdings auch fest, dass viele in diesem Alter – manchmal früher, manchmal später – so ihre Probleme mit demselben haben. Die Lebensuhr beginnt zu ticken, man überlegt sich, was man noch umsetzen will, ob einem dazu noch genügend Zeit und Mut bleibt. Wird die Gesundheit durchhalten? Mache ich mich lächerlich? Will ich überhaupt noch etwas ändern, oder fehlt mir dafür die Energie?
Meine Erfahrung hat gezeigt, dass das Leben oft schneller ist als man denken, überlegen, entscheiden kann. Und dann MUSS man handeln, während man vorher vielleicht noch eine Wahl gehabt hätte, einen positiven Impuls ins Leben zu bringen. Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht – ich werde nur sehr ungern zu etwas gezwungen – Ausnahmen wären zum Beispiel der Toilettengang, ein Meteoriteneinschlag oder ein ertrinkendes Kind. Doch so lange ich eine Möglichkeit sehe, Positives in mein Leben zu bringen, lade ich es ein. Für Routine habe ich später noch Zeit.
Dieses Buch soll Sie ermutigen, sich aufzumachen. Nicht in „How-To-“Schritten, sondern durch Inspirationen. Ich habe (leider) nicht die Chuzpe, gegebenermaßen von mich auf alle zu schließen. Was für mich an einem bestimmten Punkt meines Lebens richtig war, kann für Sie verkehrt sein. Und doch kann die Auswahl der kleinen Geschichten, die als Blogbeiträge auf der Website www.ursachewirkung.at entstanden sind, vielleicht ermutigen. Vielleicht erheitern. Vielleicht berühren. Und etwas in Ihnen bewegen, was Sie in Bewegung setzt. Mit 50, drüber und drunter. Die Zeiten sind turbulent und bunt, also viel zu schön, um beige zu sein oder zu werden. Tauchen Sie mit mir in den Farbtopf und holen Sie sich die Farbe, die zu Ihnen passt. Viel Spaß beim Lesen und Leben!
Ihre Claudia Dabringer
das war für mich bis vor ein paar Jahren der Tag, an dem mich drei bezaubernde, lebendige, neugierige Kinder besuchten, um das Wochenende mit ihrem Vater und mir zu verbringen. Freitag – das ist heute der Tag, an dem ich MEIN oft durchgeplantes Wochenende in Besitz nehme.
Mit Menschen, die neu in mein Leben gekommen sind zu einem Zeitpunkt, wo sich eine um die andere Lücke aufgetan hat. Mit Menschen, die plötzlich nach Jahren wieder aufgetaucht sind und mir begegnen, als gäbe es kein Dazwischen. Und mit Menschen, die mir beim Lückenreißen zugeschaut, mich begleitet und getragen haben. Vor drei Jahren tauchte in mir ein unbestimmtes Gefühl auf, das mir sagte, ich solle mich auf Veränderungen einstellen. Das beunruhigte mich, denn bis dahin hatte ich schon kleine Panikattacken, wenn ich eine vom Sturm abgeknickte Dahlie entdeckte. Dahlien hatten zu wachsen, zu blühen und zu welken. Naturgewalten wie Gewitter, Meteoriteneinschläge oder Flugzeugabstürze waren in meinem Garten nicht vorgesehen.
Und doch zogen Wolken auf – und blieben. Als lösungsorientierter Menschen begann ich unter dieser grauen Decke mit Exit-Strategien aus meiner Erstarrtheit. Der Schlüsselsatz in dieser Zeit: „Wenn sich alles verändert, verändere alles.“ Doch wo anfangen, wenn man auf Beständigkeit, Solidität und Verlässlichkeit eingenordet ist? Während ich mir das überlegte, zeigte mir das Leben, dass dafür keine Zeit ist. Dass Belastbarkeit endenwollend, Gefühle immergrün und Lachen unbesiegbar sind. Ich kam mir vor wie ein Vulkan, der so lange geruht ist, bis er alle Kraft beisammen hatte, um auszubrechen. Ich glühte, ich spuckte, ich verbrannte. Danach war nichts mehr wie vorher. Fast zwei Jahre nach dieser Eruption wachsen in meinem Leben Orangen und Feigen, Mandarinen und Oliven. Ich nähre sie und sie nähren mich.
Bald werde ich 50, und ich habe das Gefühl, dass ich schon immer auf diesen Lebensgarten gewartet habe. Es ist keiner, der schon eingewachsen, verwuchert und nur mit Baggern zu verändern ist. Es ist einer, in dem siedelt, wer hierher gehört. Ein unglaubliches Geschenk, das nicht viele in diesem Alter bekommen. 50 und fabelhaft – so empfinde ich mein Leben. Meistens. Denn so, wie ich es gestalte, verstört es Menschen. Vor allem solche, die an Althergebrachtem festhalten, die Angst haben, dass Gültigkeiten sich verschieben könnten. Die sich lieber abstrampeln, um Vergangenes wiederherzustellen als Neues im Leben zu begrüßen. Von solchen Begegnungen, aber auch Erfreulichem werden die weiteren Blogbeiträge handeln – jeden Freitag aufs Neue.
Am Wochenende habe ich mein Buddha-Shirt zum Bauchtanz getragen. Widerspricht sich das? Vielleicht auf den ersten Blick. Gerade in der heutigen Zeit ist Buddha sehr viel populärer als Allah oder etwa umgekehrt? Ich begebe mich bei diesem Thema in eine Art von Küche, in der ich nicht einmal Wasser heiß machen möchte.
Und heiß war mir ohnehin schon auf der Fahrt zum Workshop, weil mich wieder einmal die Vergangenheit „angerufen“ hatte. Sie kennen vielleicht diesen Facebook-Spruch: „Wenn die Vergangenheit anruft, geh' nicht dran. Sie hat Dir eh nichts Neues zu sagen.“ Mein Pech: Ich rege mich bei manchen dieser Anrufe schon über die Nummer auf dem Display auf. Ja, man ist auch mit fast 50 noch aus der Ruhe zu bringen.
Beim Ankommen kribbelte es am ganzen Körper, und ich wusste nicht, ob es Hunger, ein mögliches Schleudertrauma durch einen Auffahrunfall im Autobahnstau oder die Vergangenheit war. Für eine genauere Analyse blieb keine Zeit, denn eine weise, in sich ruhende, alterslos schöne Frau erwartete mich: Rosina. Sie trägt den gleichen Namen wie meine Großmutter, hat ein Buch mit dem Titel „Der Ruf meiner Großmutter oder die Lehre des wilden Bauches“ geschrieben und eines über die 99 Namen der einen Liebe.
Genug der Zeichen, dachte ich mir bei der Anmeldung. Genug des Kribbelns, dachte ich mir im Kreis von geschätzten 15 Frauen, die sich schwer damit taten, ihr Alter zu nennen, aber leicht, der Lehrerin zu huldigen und zu unterstreichen, dass sie während der kommenden Tage ihre Weiblichkeit zu stärken hofften. Als ich vor einem guten Jahr mit dem Bauchtanz begann, erntete ich von einer Freundin die Bemerkung: „Und wann fängst Du mit dem Töpfern an?“ Bauchtanzen schien ein Synonym für „sich zwanghaft selbstverwirklichen wollende Midlife-Crisis-Frau“ zu sein.
Dabei war mein Beweggrund ein ganz anderer. Während einer Reise nach Ägypten hatte ich erfahren, dass Bauchtanz eine sehr intime Angelegenheit zwischen Mann und Frau ist und gar nichts mit einem folkloristischen orientalischen Abend zu tun hat. Mich rührte dieser Gedanke, und als ich einige Tage später auf Djerba eine Frau tanzen sah, beschloss ich, das auszuprobieren – ungeachtet der Tatsache, dass ich keinen Mann hatte.
Was ich lernte, war, dass Baucheinziehen manchmal genau das Verkehrte sein kann. Dass eine gerade Haltung Ausdruck von Gegenwärtigkeit und Würde ist. Dass mein Körper Bewegungen machen kann, die ich ihm nie zugetraut hätte. Und ja, dass Weiblichkeit immer etwas Schönes ist – vor allem, wenn man sie an sich entdeckt. Insofern verstand ich die Workshop-Frauen, die nach der Frau in sich suchten. Gerade die älteren unter ihnen meditierten sich deshalb in Tränen hinein und tanzten sie dann aus sich heraus. Eine wunderbare Erfahrung.
Aber einige von ihnen waren auch gekommen, um den Drehtanz der Derwische „zu kosten“, wie Rosina es ausdrückte. Vor zwei Jahren hatte ich an der Wiege des Sufismus einem solchen Tanz beiwohnen dürfen, und die Faszination hat angehalten. Also ja, auch ich freute mich darauf, denn das Körperkribbeln hatte sich jetzt in Gedankenspiralen manifestiert, und die kleben erfahrungsgemäß hartnäckig. Das Wichtigste bei diesem Tanz: Man verbindet Himmel und Erde über den Weg des Herzens, der Liebe. Deshalb sieht man Derwische auch immer mit einem nach rechts gebeugten Kopf. Dadurch machen sie die Bahn frei für die Energie, die über das Herz läuft.
Und während ich meine Füße zu einem T formte und mich langsam zu drehen begann, kamen auch mir die Tränen. Die der Verletztheit, der Ignoranz, der Missachtung. Und ich spürte, dass ich zwar das Produkt meiner Wunden bin, doch immer noch die Wahl habe, wie ich damit umgehe. Nach etlichen Minuten der Drehung in Richtung meines Herzens wusste ich, was ich der Vergangenheit zu antworten hatte. Das spiralisierende Kribbeln hatte aufgehört.
Tun und lassen, was man will, wann man will, wo man will – das sind Qualitäten, um die die Bindungsfrau die Single-Frau oft beneidet. Man muss sich nicht zu Tode flexibilisieren, kann sich auch mal „tot“ stellen, wenn es an der Türe klingelt und braucht seine Urlaubsziele nicht nach den Vorlieben des Partners oder der Kinder ausrichten. Soweit das Trugbild.
Das Spiegelbild zeigt eine neuerdings 50jährige, die plötzlich mit Schmerzen an delikater Stelle aufwacht und sich überlegt, ob der Zeitpunkt dafür wohl irgendeine Bedeutung haben könnte. Denn an einem Nabel wie Marrakesch mit gesundheitlichen Unzulänglichkeiten konfrontiert zu werden, zieht bei aller Liebe zu arabischen Reisezielen dann doch die eine oder andere Unsicherheit nach sich. Bleibt mir nur der Weg auf den staubigen „Grand Place“, wo einem auf Wunsch beispielsweise ganz ungezwungen und buchstäblich ritschratsch ein Zahn gezogen werden kann? Könnten die heimlichen Heiler für die delikate Malaise in einem Korb leben und durch Flötenmusik angeregt kurz raus zischeln und damit das Ungemach vertreiben? Man/Frau weiß es nicht, will es auch nicht wissen. To make a long story short: Es muss ausgesessen werden. Im Café des Epices, im Flieger nach Hause und nach einem Besuch in der heimischen Ambulanz ein Wochenende lang auf dem vertrauten Sofa. Der Schmerz verdammt zum Nichtstun, was wiederum in massive Selbstbeobachtung mündet und man in weiterer Folge, wenn schon nicht das Gras, so doch etwas anderes wachsen hört.
Am Montag dann die erlösende, wenn auch schwere Nachricht, dass man unters Messer muss. Viele anteilnehmende Stimmen, einige mit ähnlichen Erfahrungen, andere mit ängstlichen Fragen im Subton, ob das ansteckend sei, weil das „gerade so viele haben“. Das Taxi wartet, und ich muss vertrösten, weil die Zeit knapp ist. Frühstücken ist nicht in jedem Fall gut, vor allem vor unerwarteten Operationen zieht sich dadurch alles etwas in die Länge. Zu liegen kommt man neben einer alten Dame, die von ihrem Mann rührend betütelt wird, während man selbst die Wartezeit mit dem Lesen der „Wolfsfrau“ verbringt. Und vor Schmerz jault. OP verläuft gut, man wacht auf, isst und denkt sich, dass es jetzt schön wäre, auch jemanden zum Betüteln zu haben. Jemanden, der sich freut, weil man die Augen geöffnet hat und dem es nichts ausmacht, wenn man ihn auf den ersten Blick nicht erkennt. Nicht dass ich keine diesbezüglichen Angebote gehabt hätte! Doch wer die Unabhängigkeit wählt, kann manchmal eben auch stur und kurzsichtig darin verharren. Wurscht, denn ich bekomme unerwartet Besuch, der mich die kleine Sehnsucht vergessen lässt.
Die Genesung schreitet schneller voran als gedacht, ich darf nach Hause. Taxi oder Hilfe aus meinem Umfeld? Wieder stur oder offen für Geschenke? Ich entscheide mich für letzteres und bitte einen lieben jungen Mann, mich abzuholen. Das versorgt mich – so ganz nebenbei – auch noch mit Heiterkeit, guter Laune und Zuversicht. Doch am Abend werde ich zur ersten Nachsorge in die Praxis meines Wunderdocs bestellt. Stur oder geschenksbereit? Da man positive Erfahrungen gerne wiederholt, nehme ich das Angebot einer lieben Freundin an und verknüpfe das auch gleich mit einem kurzen Tratsch über Urlaub und Unumgängliches. Am nächsten Tag folgt der letzte Termin und ich werde zum Geschenke-Junkie. Meine liebe Nachbarin, selbst etwas angeschlagen, setzt mich trotzdem praktisch am Gynstuhl ab, und ich lade sie danach zu einem gemütlichen Kaffee in der Frühlingssonne ein.
Ich war immer ein Mensch, der stolz darauf war, Dinge selbst und eigenständig regeln zu können. Man will ja niemandem etwas schulden. Doch jetzt denke ich mir, dass ich auf so viele Geschenke verzichtet habe, die mir Menschen aus vollem Herzen zu geben bereit sind. Das beglückt und macht demütig. Dankbar sowieso.
