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Es ist nie zu spät, sein Leben zu verändern. Wer könnte es besser wissen als Heiner Lauterbach, einer der beliebtesten und meistbeschäftigten deutschen Schauspieler. Lange führte er ein ausschweifendes Leben, bis er in den letzten Jahren eine rigorose Wandlung vollzog - immer motiviert von seiner Frau Viktoria. In Forever fit erzählen beide von ihrer ganz persönlichen Methode, sich fit zu halten. Wie wichtig dabei ausreichende Bewegung und wie einfach es ist, diese in den Alltag einzubauen, zeigt Heiner Lauterbach in drei Workouts mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden, denen jeder Leser leicht zuhause folgen kann. Viktoria Lauterbach stellt zudem den neuen Fitness-Trend aus den USA, Tabata, vor, mit dem Frauen effizient und unkompliziert die gewünschten Körperpartien trainieren können. Außerdem verrät das Paar seine ganz persönlichen Lieblingsrezepte für Smoothies, die zu ihrer ausgewogenen Ernährung beitragen und die ideale Ergänzung zum Trainingsprogramm sind.
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Seitenzahl: 161
Veröffentlichungsjahr: 2014
das Leben von einem Tag auf den anderen auf den Kopf zu stellen, sich neu zu erfinden im besten Sinne, ist etwas, was sich viele vornehmen, und doch klappt es selten: mit dem Rauchen aufhören, gesünder essen, sich mehr bewegen, weniger Alkohol konsumieren, besser auf die Balance zwischen Beruf und Freizeit achten … Die Ziele scheinen viel zu hoch gesteckt, unerreichbar …
Auch ich habe eines Tages den Vorsatz gefasst, anders zu leben als vorher und zwar radikal anders – und trotz des hochgesteckten Ziels: Es hat funktioniert. Es gab zwar Rückfälle in alte Gewohnheiten, aber ich blieb dran und Schritt für Schritt habe ich mein Ziel verwirklicht. Ich habe ohne Groll und Reue Abschied genommen von meinen wilden Zeiten und mich auf den Weg ins Glück begeben. Das Glück der vermeintlich »kleinen Dinge«, der Familie, der Natur, ganz bodenständig eben. Trotzdem bin ich auch heute derselbe, der ich immer war – nur ein großes Stück zufriedener und erfüllter, körperlich und geistig fitter und – wie mein Arzt sagt – gesünder, als ich es jemals vorher war.
Das Ruder herumzureißen oder die Weichen neu zu stellen, war gar nicht so schwer, wie man vielleicht vermuten mag. Irgendwann war der Entschluss da und eines Tages auch ein Mensch, der mich darin mit allen Kräften bestärkte: meine Frau Viktoria.
Natürlich sind weder meine Frau noch ich Experten in Sachen lebensverändernde Maßnahmen, geschweige denn Fitness-Coaches oder Ernährungsberater. Wir haben uns aber gründlich mit den Themen Sport und Ernährung auseinandergesetzt und diese Säulen in unseren Alltag integriert. Anfangs geschah dies mithilfe von Fachleuten wie Ärzten, Ernährungsberatern und Trainern, später überließen wir es mehr und mehr unserer Intuition, allerdings nicht ohne es hin und wieder justieren zu lassen. Daraus haben wir dann im Lauf der Jahre unser persönliches Rundum-Wohlfühl-Paket geschnürt. Deshalb ist dieses Buch ein Selbsterfahrungskompendium, mit dem vielleicht auch Sie Ihr Leben auf eine andere Schiene bringen, wenn Sie dazu Lust haben. Möglich ist es – das weiß ich aus eigener Erfahrung … Viel Erfolg und Freude mit diesem Buch wünschen Ihnen
Zugegeben, man kann sich Heiner Lauterbach in unzähligen seiner erfolgreichen Rollen besser vorstellen denn als Fitness-Apostel. Aber Vorsicht: Was dieser Mann und seine Frau Viktoria mit ihrem gemeinsamen Buch anpacken, das machen sie mit vollem Engagement und mit Herzblut.
Heiner Lauterbach gibt im Gespräch offen zu, dass er in seinem Leben lange alles andere als gesundheitsbewusst gelebt hat – wie das nicht wenige erfolgreiche Künstler mit ihren Licht- und Schattenseiten tun. Trotzdem hat er einen radikalen Neuanfang gewagt. Auf dem Weg zu seinem fitten neuen Leben hat er die Freude am Sport (wieder)entdeckt, an bewusster Ernährung und sich mit den daraus neu gewonnenen Energien auch persönlich weiterentwickelt. In seiner Frau Viktoria hat er dabei die perfekte Begleiterin. Sie ist als Coach ein echtes Multitalent: Managerin, Sparringspartnerin und Motivatorin mit profundem Ernährungswissen.
Châpeau für die beiden: Heiner Lauterbach ist gelungen, seinem Leben auf allen Ebenen eine neue, hervorragende Qualität zu geben. Das ist gelebtes Anti-Aging und aktive Gesundheitsprävention – und zwar Tag für Tag. Seine Laborwerte verdienen eine Eins plus mit Stern!
Lassen Sie sich, lieber Leser und liebe Leserin, mitnehmen von den Lauterbachs. Fangen Sie an, am besten gleich jetzt. Die beiden haben dazu das perfekte Paket geschnürt!
Prof. Dr. med. Peter Trenkwalder
Chefarzt der Medizinischen Klinik am Klinikum Starnberg
Von zügellos auf strukturiert, von Kettenrauchen auf rauchfrei, von Alkohol und Drogen auf Genusstrinken, von bewegungsabstinent auf sportlich, kurz: von extrem ungesund auf vorzeige-gesund. Schon eine dieser Gewohnheiten zu ändern, hört sich für eingefleischte Schlechte-Gewohnheiten-Liebhaber unmöglich an. Aber alles zusammen in den Griff zu bekommen? Es geht tatsächlich, und zwar ohne Fitness-Guru, Ernährungsberatung und Hypnose. Eher ein bisschen à la Sinatra »I did it my way« oder Beatles »With a little help of my friends« oder besser: »… my wife«. Vorgelebt und als das absolute Glücksrezept befunden von: Heiner Lauterbach. Der Mann, der sich und der Welt bewiesen hat, dass ein radikaler Lebenswandel funktioniert, wohnt mit seiner Familie in schönster Bilderbuchbayern-Natur im Fünfseenland vor den Toren Münchens. Das tat er zwar auch schon »damals« in seinen »wilden Zeiten«, aber seitdem hat sich vieles, nein, alles in seinem Leben geändert.
Heiner Lauterbach gilt als einer der besten und profiliertesten Schauspieler des Landes, lange galt er parallel dazu als einer der wildesten Kerle Deutschlands. Da ist ein umfangreiches filmisches Werk auf der einen Seite, das ihn als einen der meistbeschäftigten wie auch diszipliniertesten männlichen Künstler in Film und Fernsehen ausweist; auf der anderen Seite stehen die Feiern und Exzesse, als ob es kein Morgen gäbe. Dieses hemmungslose Süchtigsein nach Leben und Intensität bot neben seinen Filmen jahrelang bunten Blättern Stoff, der braven Bürgern Schweißperlen der Empörung auf die Stirn trieb, bei nicht wenigen Männern für den einen oder anderen Minderwertigkeitskomplex sorgte und bei mindestens ebenso vielen Frauen für mehr als nur weiche Knie. Das Leben von Heiner Lauterbach bestand aus grenzenlosem Hedonismus, gegen alle Zwänge und Beschränkungen, und seinem Zwilling, einem unübersehbaren Hang zur Selbstzerstörung. Ein Leben mit einer Sogwirkung, die einen zwangsläufig irgendwann nach unten zieht. Rückkehr ausgeschlossen.
Dass er sich quasi von einem Tag auf den anderen von diesem wilden, gefährlichen Leben verabschiedete, geschah lange unbemerkt und im privaten Raum – bis sich eines Tages die Journalisten, die ihn so gerne und nicht unlüstern in Lasterhöhlen und ähnlichen Etablissements verortet hatten, erstaunt die Augen rieben. Zumindest stellt man es sich so oder so ähnlich vor. Der Spaß in der Presse um und mit Heiner Lauterbach hatte sein Ende. Dafür hat der Schauspieler und Familienvater heute ganz offenkundig mehr davon. Insgeheim hat er sich zu einer Art Vorzeige-Fitness- und Gesundheitsexperte etabliert oder als der lebende Beweis dafür, dass man sein Leben von Grund auf umkrempeln, wieder in Tritt kommen und darüber hinaus bisher ungeahnte Potenziale entfalten kann. Ein Mann mit Geschichte – und was für einer.
Doch Lauterbach gelang etwas, was nur wenigen ohne professionelle Hilfe oder Therapie gelingt. Er trat auf die Bremse und krempelte dieses Leben komplett um. Der Grund? Zum richtigen Zeitpunkt war ein Mensch in sein Leben getreten, der ihn nach einer gewissen Bedenkzeit mit ganzer Kraft und, wie er selbst sagt, einer »gewissen Penetranz« dabei unterstützte, wieder zu sich zu kommen und sein Glück zu finden: die gebürtige Libanesin Viktoria Skaf, seit 2001 seine Ehefrau und seit 2006 auch seine Managerin.
Sie war anfangs skeptisch, ob sie mit diesem Mann, der völlig selbstvergessen und so öffentlich ein Leben immer kurz vor dem Abgrund führte, wirklich zusammen sein und -bleiben wollte. Denn es war Heiner Lauterbach, der schon am ersten Abend ihres Kennenlernens zutiefst überzeugt davon war, dass sie beide irgendwann einmal gemeinsame Enkelkinder auf den Knien schaukeln würden. Viktoria hingegen war es, die diesen schönen Traum nur zulassen wollte, wenn Heiner ihr auch ein langes gemeinsames Leben böte, was angesichts seiner damaligen Lebensumstände unmöglich schien. Nun, es hat funktioniert. Lauterbach war bereit, sich retten zu lassen, und Viktoria warf die Rettungsleine – und hielt sie fest. Mittlerweile sind sie verheiratet und haben zwei sehr geliebte Kinder – die potenziellen Eltern der Wunschenkel.
Heiner Lauterbach 2014 in der Generationenkomödie »Wir sind die Neuen«.
Wie gewaltig die Veränderung im Leben des Schauspielers war und ist, hat er mit seinen beiden Büchern und einer bemerkenswerten Fitness-DVD gezeigt. Während die erste Biografie ein schonungs- und auch reuelos offener Bericht über das alte Leben ist, wirkt die andere wie ein bisweilen nachdenklicher, mitunter philosophischer Exkurs über die große Wandlung in seinem Dasein. Auf der DVD schließlich kann man einem extrem fitten Mann mit einem ausdefinierten Körper zusehen, wie er gekonnt seine Workouts durchzieht. Keinesfalls würde man vermuten, dass er schon seinen sechzigsten Geburtstag hinter sich hat. Was man nicht sieht: Er bereitet damit nicht nur seiner Frau, sondern auch seinem Arzt nur noch Freude angesichts brillanter Gesundheitswerte, in Schulnoten ausgedrückt: »Eins plus«.
Ein echtes Wunder, wenn man bedenkt, in welch desolatem Zustand er war, als er mit dem Training und den anderen Lebensstiländerungen begann. Als einer seiner engsten Freunde, der Produzent Bernd Eichinger, in Los Angeles überraschend an einem Herzinfarkt verstorben war, merkte der Dritte in diesem Männer-, Feier- und Freundschaftsbund, Til Schweiger, damals trocken und sicher nicht zu Unrecht an: »(…) wenn mir vor ein paar Jahren einer gesagt hätte, dass Bernd von uns dreien als Erster den Löffel abgibt, ich hätte ihm nicht geglaubt.« Es wäre nach Schweigers Gefühl Heiner Lauterbach gewesen, der sich als Erster verabschiedet hätte. Soweit zur Geschichte.
Bunte Luftballons, schon ein wenig schwach auf der Brust, flattern in der Morgenbrise an einem Gartentor und künden von einem Kindergeburtstag, der ein paar Tage zuvor begangen wurde. Oben steht Viktoria Lauterbach an der Tür und nimmt soeben ein Paket in Empfang. Der Inhalt: ein Dirndl, das sie am nächsten Tag tragen will, wenn Heiner Lauterbach einen Preis entgegennehmen wird – und zwar ausnahmsweise keinen Filmpreis – sondern einen für den »Klavierspieler des Jahres«. Dabei hat er keineswegs als Wunderkind mit drei Jahren angefangen, sondern erst vor drei Jahren (vor Entstehung dieses Buches) damit begonnen. Wieder so ein Lebensthema dieser schillernden Persönlichkeit, die sich alles mit fast beängstigender Geschwindigkeit und dabei extrem gründlich aneignet. Vielleicht hängt auch dies mit dem Suchtpotenzial des Künstlers Lauterbach zusammen. So stellte Helmut Dietl angesichts des exzessiven Sporttreibens seines Freundes – mitunter kommen acht bis zehn Stunden Training (ohne Golfen und Radfahren …) pro Woche zusammen – lapidar fest, dass auch dies seiner Sucht zuzuschreiben wäre. Lauterbach kann derlei Küchenpsychologie egal sein, er arbeitet nach wie vor viel, entwickelt mittlerweile seine eigenen Stoffe und produziert sie auch. Wieder ein Schritt weiter, doch zurück zum Thema: Das Klavierspielen jedenfalls ist ihm, der schon als Teenager in einer Band spielte, heute eine echte Herzensangelegenheit – sogar im Fitnessraum steht ein Piano. Soviel zum Thema exzessiv. Hier lernt ein Mensch tatsächlich sein Leben lang und nimmt sich nicht nur vor, irgendwann einmal einen guten Vorsatz umzusetzen. Er macht es einfach.
Wer mit dafür gesorgt hat, dass dieser Mann heute so gesund wirkt, fünf Mal die Woche Sport macht in Form von Kraft- und Ausdauertraining und zehn, zwölf Kilometer rennen kann, obwohl er früher schachtelweise Zigaretten verqualmt hat, ist kein Geheimnis. Heiner Lauterbach hat sich bereits mehrmals öffentlich für dieses Geschenk in Form seiner Frau bedankt. Viktoria lacht, sitzt an dem Riesenholztisch in der Küche und löffelt einen Obstsalat.
Die Lauterbachs beim Besuch des Oktoberfests in Dirndl und Lederhose.
Viktoria Lauterbach: Das kommt darauf an. Für den einen mehr, für den anderen weniger, je nachdem woran man sich im Lauf der Zeit und von Kindheit an gewöhnt hat. Ich war beispielsweise schon immer jemand, der keinen Alkohol mochte und keine Zigaretten, und wenn ich ausgegangen bin, war ich meistens auch eine der ersten, die wieder heimgegangen sind. In dem Moment, in dem die anderen betrunken waren, war ich schnell wieder weg. Ich verurteile es überhaupt nicht, wenn jemand gerne feiert, aber ich selbst vertrage Alkohol nicht und er schmeckt mir nicht. Und wenn man selbst nüchtern ist und die anderen um einen herum nicht, hat man auch nicht so sehr viel Spaß. Ganz simpel. Ich bin wahrscheinlich einfach ein Typ, der gerne klar im Kopf ist und gut auf sich achtet, ohne dabei zu dogmatisch zu sein.
Dazu gehört auch eine gewisse Tagesstruktur mit regelmäßigen Mahlzeiten – mit Kindern ist das ganz besonders wichtig – und genügend Schlaf zum Ausruhen, wenn man tagsüber viel um die Ohren hat. Was auch dazu gehört ist ein Alltag, in dem ich mich viel bewege – das muss nicht unbedingt immer Sport sein, aber ich schaue trotzdem zu, dass ich meine kleinen Trainingseinheiten hinbekomme.
Und dazu gehört natürlich auch Ernährung, denn was wir essen, schenkt uns Energie, das aber nur, wenn man gute Sachen zu sich nimmt. Ich mag beispielsweise am liebsten frische Säfte, frisches Gemüse und Obst und zwar schon immer. Das musste ich nicht erst groß lernen. Und ich esse gerne Lebensmittel, die eine gute Qualität und Geschmack haben. Gesund Leben ist für mich von klein an eine Selbstverständlichkeit, etwas, worüber ich nicht groß nachdenken musste – ein Instinkt.
Heiner Lauterbach: Gesund leben ist genauso einfach wie ungesund leben, wenn man so will. Letztlich geht es um Gewohnheiten, die man über Jahre etabliert hat. Es gibt sicher eine gewisse Typologie, zu welchem Lebensstil man sich stärker hingezogen fühlt. Beim Exzess geht es ja letztlich auch darum, Grenzen auszuloten, Grenzerfahrungen zu machen, sich zu spüren. Das gesunde Leben ohne Drogen und Rausch, mit körperlicher Bewegung oder sogar Sport gekoppelt an eine ausgewogene Ernährung fühlt sich dagegen zunächst wie eine einzige massive Grenze an, als ob das Leben plötzlich zusammenschnurrt.
Dabei stimmt das gar nicht. Das Gegenteil ist ja der Fall. Wenn du spürst, wie du wieder klar im Kopf wirst und es bleibst, wie dein Körper dir auf einmal wieder gehorcht oder besser gesagt, wenn du merkst, dass dein Körper wieder dir gehört, dann ist das eine unglaublich intensive und belebende Erfahrung. Natürlich spürst du auch Stress und Belastungen stärker, weil du dich nicht mehr betäubst. Da musst du dann anders gegensteuern. Zum einen durch Dinge, die dich erfüllen, und dann auch durch die Fähigkeit, Ruhepausen einzulegen, also dich bewusst raus aus der Getriebenheit zu bewegen. Das wiederum lernst du im Lauf der Zeit, wenn du dir andere Gewohnheiten zugelegt hast, die du als bereichernd empfindest. Aber es kann dauern und da heißt es, Geduld mit sich zu haben und trotzdem dranzubleiben.
Viktoria: Eine große. Man nimmt so vieles mit. Meine Familie stammt aus dem Libanon und wir konnten mithilfe eines Onkels – ein großartiger Mann, Priester und Archäologie-Professor – dem Bürgerkrieg entfliehen. So kam ich als Dreijährige nach Deutschland. Hier verbrachte ich die ersten Jahre mit meinen Geschwistern in einem katholischen Kinderheim. Später kam auch meine Mutter dazu und lebte bei uns. Ich kenne es also nicht anders, als dass meine Tage immer eine feste Struktur hatten. Es wurde immer frisch gekocht, wir waren viel draußen in der Natur und haben gelernt, uns zu beschäftigen. Auch später, als wir alle wieder zusammenlebten, hat meine Mutter alle Mahlzeiten immer frisch zubereitet; da gab es kein Tiefkühlfood oder Fertiggerichte.
In arabischen Familien ist die Küche ein sehr wichtiger Bestandteil der Kultur, man kocht hier für sein Leben gern. Der Mittelpunkt der Familie ist gewissermaßen der Raum, in dem Essen zubereitet und wo gespeist wird. Außerdem ist die arabisch-libanesische Küche sehr gesund mit viel frischem Gemüse, Tomaten, Gurken, Salaten, Kräutern und Aromen. Die kommen dann einfach so zum Knabbern auf den Tisch. Dann gibt es diese vielen unglaublich tollen Vorspeisen. Die Hauptgerichte sind alle schonend und kurz gegart. Tatsächlich ist fast alles gegrillt vom Fleisch bis zum Fisch. Danach gibt es frisches Obst. Jede Mahlzeit ist ein Fest der Sinne und für den Gaumen und vor allem sitzt die ganze Familie zusammen.
Meine Kinder kennen allein aufgrund dieser besonderen Familiengeschichte schon viele Geschmäcker, was ja heute bei vielen Gleichaltrigen eine Seltenheit zu sein scheint: Mango, Papaya, Passionsfrüchte, aber auch Knoblauch oder Ingwer – Heiners Lieblingszutat zu fast allem. Unsere Kinder wachsen damit ganz selbstverständlich auf. Meine Eier sind ihnen zu langweilig, nein, sie wollen die vom Papa mit Knoblauch, Tomaten, Ingwer. So gesehen spielt in Sachen Ernährung und auch Bewegung die Erziehung natürlich eine Riesenrolle.
Heiner: Dem stimme ich insofern zu, als ich aus anderen Verhältnissen stamme, was den Lebensstil anbelangt. Meine Mutter beispielsweise hat ihr Leben lang keinen Sport gemacht und auch nicht im Älterwerden damit angefangen, ihre Muskulatur zu erhalten. Das spürt sie heute und es geht ihr leider nicht gut damit. Was die Ernährung anbelangt, gab es bei uns eher die typisch deutsche Kost, die bekanntermaßen ja nicht sehr gemüse- und obstlastig war. Und sie stand auch nicht so im Mittelpunkt wie etwa in Viktorias Familie. Das ändert sich glücklicherweise in Deutschland langsam.
Ernährung kommt ja insbesondere bei der Gesundheitsvorsorge und auch was die individuelle Fitness anbelangt eine enorme Stellung zu. Ich kann da ein ganz einfaches Beispiel aus eigener Erfahrung beitragen: Gelegentlich fahre ich auf dem Rad um den See. Das sind in etwa 54 km und zwischendurch sind ganz ordentliche Steigungen zu bewältigen. Wenn ich vorher nur einen grünen Smoothie getrunken habe – wir geben da alles an Grünzeug hinein, was wir gerade im Vorrat haben: Salat, Brokkoli, Spinat, Kräuter, Ingwer und höchstens eine halbe Birne für ein wenig Süße – dann habe ich das Gefühl, ich meistere die Belastung wesentlich leichter als ohne. Das nur als Beispiel, wie ein schneller Mix aus Vitalstoffen einen pushen und die Leistungsfähigkeit steigern kann – und zwar nicht nur auf der körperlichen, sondern auch auf der geistigen Ebene. Denn man wird zugleich wacher und konzentrierter.
Ein gesundes Frühstück ist der beste Start in den Tag.
Heiner: Ein Spaziergang war es nicht gerade und er erstreckte sich auch über einen gewissen Zeitraum. Ein solche Änderung findet nicht von einem Tag auf den anderen statt, auch wenn man die Änderung von einem auf den anderen Tag einleiten sollte – also nicht auf schönes Wetter, günstigere Rahmenbedingungen etc. warten sollte. Losgehen muss es sofort, sobald man sich ein Ziel gesetzt hat. Lediglich beim Erreichen des Ziels muss man unter Umständen eine gewisse Geduld mitbringen, je nachdem wie hoch oder weit gesteckt ein Ziel ist. Und es gab auch immer mal wieder Rückfälle.
Ich habe ja auch nicht alle Gewohnheiten auf einmal verändert. Es fing erst einmal damit an, dass ich den Alkohol aus meinem Leben entfernt habe. Das hört sich vielleicht einfach an, war aber ein sehr großer Schritt. Schließlich habe ich über die Jahre harte Trinkergewohnheiten entwickelt oder mich besser gesagt dazu erzogen. Allein die Organisation rund um das Trinken hat viele Stunden des Tages in Anspruch genommen. Und die waren jetzt auf einmal frei. Der nächste Schritt bestand dann für mich folgerichtig darin, diese Zeit zu füllen und zwar mit etwas, das auch mich erfüllt. Da kam die Bewegung ins Spiel. Ich ließ mich deshalb zuerst einmal beraten in Sachen Fitness und Krafttraining und fing peu à peu wieder zu laufen an.
Viktoria: Rückfälle sind aber normal bei einer solchen enormen Änderung, denke ich. Das muss jeder berücksichtigen, der etwas ändern will. Bei Heiner gab es die immer mal wieder – es gab Phasen, in denen alles gut lief, drei Wochen am Stück vielleicht, und dann war wieder irgendeine Feier mit Freunden und ich wusste, das wird heute ein schwieriger Abend. Ich bin trotzdem bei ihm geblieben, obwohl ich immer wusste, dass mich ein solches Leben auf Dauer hätte kaputtmachen können. Aber die Abstände wurden mit der Zeit immer größer und dann wurde es langsam auch so, dass ich nicht immer dabei sein und »aufpassen« musste. Das war für mich – für uns – auch ganz wichtig, nicht mehr immer da zu sein, ihn freizugeben und ihm zu vertrauen, dass er das schafft. »Mach ruhig, aber denk darüber nach«, habe ich gesagt. Heiners Ziel war ja nicht, sein ganzes Leben abstinent zu bleiben, sondern wenn er darauf Lust hatte, sich auch mal für den reinen Genuss ein Glas Wein oder eine Zigarre zu gönnen.
