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"Nach den Militärgesetzen der Armee der Vereinigten Staaten wird Master Sergeant Finnewacker zum gemeinen Infanteristen degradiert. Ferner wird er zu fünf Jahren Strafdienst in Fort Aldamo verurteilt. Berufung ist nicht möglich!"
Dieses Urteil trifft Finnewacker wie ein Keulenschlag! Er hört nicht das aufgeregte Gemurmel im Gerichtssaal, sieht nicht die hämischen Gesichter derjenigen, die ihm diese harte Strafe eingebrockt haben. Und das ist erst der Beginn eines teuflischen Leidensweges für den Ex-Commander der Strafkompanie, denn die neuen Bosse in Aldamo sind wahre Meister im Schikanieren. Fort Aldamo wird zur Hölle für Finnewacker, und bald sieht er nur eine Chance: Flucht! Doch die gelang noch keinem...
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Seitenzahl: 128
Veröffentlichungsjahr: 2017
Cover
Über diese Serie
Impressum
Strafsoldat Finnewacker
Vorschau
Titelliste Fort Aldamo
Über diese Serie
Liebe Western-Freunde!
Mit FORT ALDAMO bringt Bastei die erweiterte Neuauflage eines Klassikers von Bill Murphy und Frank Callahan, der in den Jahren 1982 bis 1987 schon einmal gedruckt wurde – allerdings in geteilter Form. Erst erschienen 1982 in der Reihe WESTERN-HIT (WH) 14 Romane, dann startete – parallel zu CAPTAIN CONCHO, wo ein um 15 Jahre jüngerer Sergeant Finnewacker mitwirkt – die eigene Serie mit 44 Heften (1984/85), deren erste vier Bände noch vor den WH-Ausgaben spielten. Anschließend folgten noch einmal fünf Romane im WH (1986/87). Und als die Abenteuer des Master Sergeant Finnewacker dann eingestellt wurden, blieben weitere fünf bereits verfasste Manuskripte unveröffentlicht.
In dieser Sammler-Ausgabe vereinen wir nun alle FORT-ALDAMO-Romane – insgesamt 68 Stück – in chronologischer Reihenfolge! Und illustrieren sie einheitlich mit den Covern des Malers Günter König, der damals etwa zwei Drittel aller Titelbilder beigesteuert hat.
Noch ein Wort zur recht derben, manchmal auch »politisch inkorrekten« Sprache in den Romanen: FORT ALDAMO ist eine Western-Militärserie, die in einem Gefangenenfort weitab der Zivilisation spielt. Die Ausdrucksweise der Soldaten ist dementsprechend zotig und sollte nicht auf die Goldwaage gelegt werden; im Gegenteil macht sie einen Teil des Flairs aus, das FORT ALDAMO auszeichnet. Jeder Leser, der seine Zeit beim Bund absolviert hat, wird uns da zustimmen.
Genießen Sie also die Abenteuer des Haudegens Finnewacker und seiner »Mannschaft«. Wir wünschen viel Lesespaß!
Die ALDAMO-Redaktion
BASTEI ENTERTAINMENT
Vollständige eBook-Ausgabe der beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe
Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG
© 2017 by Bastei Lübbe AG, Köln
Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller
Verantwortlich für den Inhalt
Titelbild: Günther König / Hertha König
Datenkonvertierung eBook: Blickpunkt Werbe- und Verlagsgesellschaft mbH, Satzstudio Potsdam
ISBN 978-3-7325-5876-6
www.bastei-entertainment.de
www.lesejury.de
Strafsoldat Finnewacker
von Frank Callahan
»Nach den Militärgesetzen der Armee der Vereinigten Staaten wird Master Sergeant Finnewacker zum gemeinen Infanteristen degradiert. Ferner wird er zu fünf Jahren Strafdienst in Fort Aldamo verurteilt. Berufung ist nicht möglich!«
Dieses Urteil trifft Finnewacker wie ein Keulenschlag! Er hört nicht das aufgeregte Gemurmel im Gerichtssaal, sieht nicht die hämischen Gesichter derjenigen, die ihm diese harte Strafe eingebrockt haben. Und das ist erst der Beginn eines teuflischen Leidensweges für den Ex-Commander der Strafkompanie, denn die neuen Bosse in Aldamo sind wahre Meister im Schikanieren. Fort Aldamo wird zur Hölle für Finnewacker, und bald sieht er nur eine Chance: Flucht! Doch die gelang noch keinem …
Master Sergeant Finnewacker stiefelte wie ein gefangenes Raubtier in seiner Arrestzelle auf und ab. Seit über acht Tagen war er hier eingesperrt und hatte vergebens darauf gewartet, von Captain Warwick, dem neuen Commander von Fort Aldamo, vernommen zu werden.
Jeder Kontakt zur Außenwelt war abgerissen. Keiner seiner alten Kameraden und Kampfgefährten hatte sich in dieser Zeit blicken lassen. Ein Strafsoldat brachte ihm das Essen.
Und der Kerl war stumm wie ein Fisch. Er hatte anscheinend den Befehl, kein Wort mit dem Master Sergeant zu wechseln.
Finnewacker tobte und fluchte längst nicht mehr. Das brachte nichts ein. Immer wieder zermarterte er sich den Schädel, wie es ihm gelingen konnte, den Kopf aus der Schlinge zu ziehen.
Ihm war klar, dass es Captain Warwick darauf anlegte, ihn weich zu kochen, nachdem die Sache mit Lieutenant Masterson in Nugget Town geschehen war.
Trotz allem behielt der ehemalige Commander von Fort Aldamo die Nerven. Zu oft hatte er in seinem ereignisreichen Leben in der Tinte gesessen und es immer wieder geschafft, auf die Füße zu fallen.
Er fragte sich nur, warum nicht wenigstens Sergeant Fitzgerald nach ihm schaute. Das hatte ihm der kleine Krauskopf doch versprochen! Finnewacker ahnte aber, dass dies Captain Warwick wohl strikt verboten hatte.
Der neue Commander hatte es bisher auch abgelehnt, Finnewacker zu dem Vorfall zu hören. Das erboste den wackeren Haudegen am meisten. Er war unschuldig und hatte mit der ganzen Angelegenheit in Nugget Town nichts zu tun. Doch das schien der Captain nicht zu glauben.
Finnewacker blickte auf, als ein Schlüssel knarrend gedreht wurde. Die Tür zu der Arrestzelle schwang quietschend zurück. Schwere Schritte näherten sich Finnewackers Zelle.
Es war Corporal Jefferson, der heranstiefelte und dabei ein Gesicht wie ein Fleischerhund zog, dem ein anderer den dicksten Knochen gemopst hatte.
Der Master Sergeant seufzte erleichtert.
Das war wenigstens mal ein bekanntes Gesicht!
»Hallo, alter Trompeter«, rief Finnewacker und lächelte breit. »Mann, du ziehst aber ein finsteres Gesicht. Wer hat dir denn die Petersilie verhagelt?«
Corporal Jefferson blieb mit verkniffener Miene stehen, schlug die Hacken so fest zusammen, dass es ihn fast von den Beinen riss, und grüßte zackig.
»Guten Morgen, Master Sergeant«, rief er.
»Steh bequem, du Nulpe«, sagte Finnewacker gemütlich. »Na, endlich kann ich mich mit jemandem unterhalten und erfahren, was in Fort Aldamo läuft.«
Der Corporal stand noch immer stramm.
»Ich soll Sie … äh … dich zum Captain bringen. Außerdem wurde es mir verboten, mich mit dir zu unterhalten, Finnewacker. Das wirst du doch verstehen. Befehl ist Befehl!«
Jefferson sah sich um und schien sich nicht wohl in seiner Haut zu fühlen. Er lächelte gequält, als er Master Sergeant Finnewackers enttäuschten Gesichtsausdruck bemerkte.
»Schade, Jefferson. Natürlich musst du dich nach dem Befehl richten. Das sehe ich ein. Trotzdem solltest du mir eine Frage ganz schnell beantworten.«
Jefferson zögerte, nickte dann aber.
»Verdammt, Finnewacker«, raunte er. »Das alles tut mir furchtbar leid, doch da braut sich einiges über deinem Schädel zusammen. Gestern ist Lieutenant Masterson ins Fort gebracht worden. Es geht ihm wieder einigermaßen. Die Schussverletzung verheilt allmählich. Auch die Blessuren in seinem Gesicht sind besser geworden. Aber die beiden Offiziere wollen dir an den Kragen! Das habe ich läuten hören. Natürlich weiß ich nichts Genaues.«
»Danke, Jefferson. – Wo sind Fitzgerald und die anderen alten Kameraden? Ich habe seit über acht Tagen keinen von ihnen gesehen.«
»Fitzgerald, Wallowa, Wollcram, Gedder, Gammer, Kleiber und Larsen haben den strikten Befehl erhalten, auf keinen Fall mit dir zu sprechen oder Kontakt, egal welcher Art, mit dir aufzunehmen. Außerdem wurde ihren Versetzungsgesuchen stattgegeben. Sie reiten schon heute nach Camp Lowell, um von dort aus zu anderen Truppenteilen abkommandiert zu werden!«
»Was …?«
Dem Master Sergeant verschlug es die Sprache.
»Das durfte ich dir eigentlich nicht sagen, Finnewacker. Lass bloß den Captain nicht wissen, dass ich dir das erzählt habe!«
Der alte Haudegen winkte ab.
»Ist doch Ehrensache, Jefferson. Ich danke dir.«
Master Sergeant Finnewacker konnte es nicht fassen, dass seine zuverlässigsten und ältesten Kameraden Fort Aldamo verlassen sollten. Gut – sie hatten, wie auch er selbst, Versetzungsgesuche eingereicht, um den Schikanen der beiden Offiziere zu entgehen. Captain Warwick hatte aber vor zwei Wochen die Gesuche allesamt abgelehnt.
»Anscheinend rechnet der Captain mit einer Verschwörung oder einer Meuterei. Aus diesem Grund genehmigte er jetzt die Anträge auf Versetzung. Das ist aber eine reine Vermutung, Finnewacker«, meinte Corporal Jefferson.
»In Ordnung, mein Junge. Jetzt solltest du mich zu Captain Warwick bringen. Wird ja endlich Zeit, dass ich mich rechtfertigen darf. Ist ja ein dicker Hund, mich so lange schmoren zu lassen!«
Jefferson zuckte hilflos mit den Schultern.
»Ich muss dir Handschellen anlegen, Master Sergeant. Befehl vom Captain. Tut mir wirklich leid, doch …«
»Schon gut, schon gut!«
Der alte Haudegen reckte seine Hände durch die Gitterstäbe. »Tu nur deine Pflicht. Ich nehm’s dir nicht übel.«
Die Handschellen rasteten um Finnewackers Handgelenke.
»Wie ist denn so die Stimmung in der Truppe?«
»Beschissen«, murmelte Jefferson. »Sogar die Strafsoldaten trauern dir nach, was ich nie für möglich gehalten hätte.«
Master Sergeant Finnewacker nickte.
»Ich habe mich eben stets korrekt verhalten – gegenüber den Chargierten und auch den Sträflingen. Wenn ich manchmal losgelegt habe, dann hat es immer Gründe dafür gegeben. Schikanen schätze ich nicht.«
Corporal Jefferson zog seine Dienstwaffe aus der Revolvertasche und sah seinen ehemaligen Vorgesetzten um Entschuldigung heischend an.
»Ist wohl auch ein Befehl – was …?«, knurrte der bullige Master Sergeant übellaunig. »Anscheinend bin ich für die hohen Herren bereits verurteilt, wenn sie mich wie einen Schwerverbrecher behandeln.«
»Tut mir leid, Finnewacker.«
»Der Captain hat wohl Angst, dass ich dir an die Kehle springe. Himmel, Arsch und Zwirn, dieser nachgemachte Offizier muss inzwischen vollkommen verrückt geworden sein! Das halte ich ja im Kopf nicht aus!«
Corporal Jefferson öffnete achselzuckend die Zellentür. Finnewacker trat heraus. Die Handschellen klirrten misstönend.
»Wer ist eigentlich während meiner Abwesenheit Spieß der Strafkompanie gewesen? Ich nehme doch an, dass ich von Sergeant Fitzgerald vertreten worden bin – nicht wahr, Jefferson?«
Der Corporal schüttelte den Kopf.
»Hammersmith wurde vor drei Tagen zum Master Sergeant befördert. Er schwingt jetzt das Zepter.«
Finnewacker blieb stehen.
»Das wird ja immer schöner«, brummelte er. »Nichts gegen Hammersmith. Er ist dieser Aufgabe aber nicht gewachsen. Das weiß ich ganz genau. Was denkt sich eigentlich Colonel Brooke in Camp Lowell dabei, einen solchen Unsinn zu verzapfen? Ich verstehe das alles wirklich nicht mehr!«
»Vorwärts, Master Sergeant«, rief Jefferson, nachdem er die Außentür geöffnet hatte. »Den Weg zur Kommandantur kennen Sie ja.«
Finnewacker drehte den Kopf und starrte den Corporal überrascht an, der ihn in hartem Tonfall angeraunzt hatte.
Jefferson zwinkerte ihm verschwörerisch zu …
Vor dem Eingang zum Arrestblock hielten zwei weitere Blauröcke Wache. Obwohl sie die Handschellen an Finnewackers Händen sahen und genau wussten, was ihrem Master Sergeant zur Last gelegt wurde, rissen sie die Hacken zusammen und salutierten zackig.
Der bullige Ex-Commander nickte gerührt.
»Danke, Männer«, sagte er. »Ihr habt mich wenigstens noch nicht abgeschrieben.«
Der alte Kämpe marschierte los. Jefferson hatte Mühe, ihm zu folgen. Der Appellplatz war wie leer gefegt. Nur auf den Wehrgängen waren Sträflinge zu sehen, die dort ihren Wachdienst versahen.
Finnewacker sog die kühle Morgenluft in seine Lungen und hielt sein Gesicht der Sonne entgegen. Seit mehr als acht Tagen hatte er keinen Sonnenstrahl mehr auf seiner Haut gespürt.
Die beiden Soldaten näherten sich schnell der Kommandantur.
Master Sergeant Finnewacker atmete nochmals tief durch. Ihm wurde klar, dass in den nächsten Minuten eine Entscheidung fallen würde, die sein weiteres Leben bestimmen sollte …
***
»Achtung!«, rief Strafsoldat Shlee und baute sein Männchen, als der Master Sergeant und Corporal Jefferson die Schreibstube betraten.
Finnewacker dankte und blickte dann Hammersmith an, der an seinem Schreibtisch saß und bissig grinste. Der bullige Blaurock nickte seinem Nachfolger als Spieß der Strafkompanie zu.
»Bist wohl das Treppchen hochgefallen, was … Master Sergeant?«
»Wie das Leben so spielt, Finnewacker. Des einen Leid ist des anderen Freud«, antwortete Hammersmith. »Hätte mir das auch nicht träumen lassen. Natürlich habe ich mich nicht gegen die Beförderung gewehrt.«
»Wärst auch schön blöd gewesen, Hammersmith.«
Finnewacker wandte sich Jefferson zu.
»Sie sollten mich anmelden, Corporal. Und es wäre wohl angebracht, mir jetzt die Handschellen abzunehmen. Den Revolver sollten Sie auch wegstecken. Ich springe dem Captain schon nicht an die Kehle!«
Corporal Jefferson und Hammersmith schüttelten gleichzeitig die Köpfe, als hätten sie sich abgesprochen.
»Die stählernen Armreife bleiben, Finnewacker«, knurrte Hammersmith. »Befehl vom Captain. Den Revolver können Sie wegstecken, Corporal«, sagte er zu Jefferson, der die Waffe aufatmend in die Tasche am Koppel schob.
»Ich melde Sie an, Master Sergeant.« Finnewacker grinste.
»Aye, Master Sergeant«, echote er.
Jack Hammersmith lächelte zurück. Doch in seinen Augen lag ein eisiger Ausdruck, der dem alten Haudegen zu denken gab und ihn an die bevorstehende Unterredung mit Captain Warwick erinnerte.
Hammersmith öffnete die Tür zur Kommandantur, nahm Haltung an und grüßte nachlässig.
»Finnewacker wartet hier in der Schreibstube, Sir. Kann ich ihn hereinbringen, oder …?«
»Herein mit ihm, Hammersmith! Lassen Sie mich mit Finnewacker allein. Ist das klar?«
»Zu Befehl, Sir!«
Master Sergeant Finnewacker wartete erst gar nicht ab, bis er von Hammersmith den Befehl erhielt einzutreten, sondern marschierte los und zwang seinen Nachfolger auszuweichen, sonst hätte er ihn glatt über den Haufen gerannt.
Der massige Ex-Commander stiefelte auf den Schreibtisch zu und blieb zwei Schritte davor strammstehen. Mit den Handschellen war es ihm nicht möglich, eine Ehrenbezeigung auszuführen.
»Master Sergeant Finnewacker meldet sich zur Stelle, Sir!«
Captain Warwick hob den Kopf und nickte dem alten Haudegen zu.
»In Ordnung, Finnewacker. Werde mich gleich um Sie kümmern. Zuvor muss ich aber noch diese Papiere unterschreiben.«
»Aye, Sir«, tönte der Master Sergeant und blieb nach wie vor wie eine Eins stehen. Hammersmith verließ die Kommandantur und schloss die Tür hinter sich.
Sekunden vergingen.
Finnewacker starrte den Captain an. Thunder Warwick mochte ungefähr fünfzig Jahre alt sein. An seinem schlanken Körper war keine Unze überflüssiges Fett. In dem scharf geschnittenen Gesicht zuckte nicht ein Muskel.
Rauchgraue Augen blickten den Master Sergeant kalt an, als Captain Warwick den Kopf hob und nickte.
»Sie können bequem stehen, Finnewacker!«
Finnewackers linker Fuß ruckte nach vorn. Trotzdem blieb er kerzengerade vor dem Commander von Fort Aldamo stehen.
»Tut mir leid, dass ich Sie erst heute sprechen kann, doch vorher gab es einige wichtige Dinge zu erledigen.«
Captain Warwick stand auf, trat ans Fenster und blickte hinaus. Nach wie vor war der Appellplatz wie leer gefegt.
Dann wandte sich der Commander von Fort Aldamo wieder Finnewacker zu.
»Sie haben mein Vertrauen zutiefst enttäuscht, Master Sergeant. Was Sie sich geleistet haben, übertrifft alles, was mir jemals in meiner Laufbahn als Soldat begegnet ist. Sie haben einen Offizier lazarettreif geschlagen und dann angeschossen, als er sich wehren wollte. Zum Glück ist Lieutenant Masterson außer Lebensgefahr. Trotzdem kann und will ich Ihr Vergehen nicht vertuschen. Nur zu Ihrer Information, ich habe bereits das Regiment in Camp Lowell verständigt.«
Finnewacker öffnete den Mund, doch der Captain hob die Hand.
»Schweigen Sie, Master Sergeant! Jetzt rede ich. Sie bekommen noch Gelegenheit, sich zu den schweren Vorwürfen zu äußern, obwohl es Ihnen nichts nützen wird. Ich habe inzwischen Lieutenant Masterson vernommen. Er sagt aus, dass Sie ihn zusammengeschlagen haben. Anschließend schossen Sie auf ihn. Das bestätigen auch seine drei Begleiter, die Sergeanten Drake, Benson und Hammersmith, der ja inzwischen zum Master Sergeant befördert wurde. Außerdem habe ich die Aussagen einiger Goldgräber aus Nugget Town vorliegen, die beweisen, dass Sie vor der Auseinandersetzung Streit mit Lieutenant Masterson im Saloon der Town gehabt haben. Die Schlinge um Ihren Hals hat sich inzwischen sehr eng zusammengezogen. Ich gebe Ihnen keine Chance, sich herausreden zu können. Zu viele Fakten sprechen gegen Sie, Master Sergeant. Ihr Verhältnis zu Lieutenant Masterson war nicht gerade freundschaftlich. Genauer gesagt – Sie konnten Ihren Vorgesetzten nicht leiden und hetzten gegen ihn, wo immer es nur möglich war. Das kann ich sogar bestätigen.«
Captain Thunder Warwicks leidenschaftslos klingende Stimme verstummte. Der Offizier nahm wieder hinter seinem Schreibtisch Platz. Die Finger seiner rechten Hand trommelten auf die Schreibtischplatte.
Master Sergeant Finnewacker nahm wieder Haltung an, als er den harten Blick des Captains auf sich gerichtet sah. Finnewackers Gesicht war ausdruckslos geblieben, während er die schwerwiegende Anklage des Offiziers angehört hatte.
»Nun dürfen Sie sich äußern, Master Sergeant. Ich werde später ein Protokoll Ihrer Aussage anfertigen lassen und es Ihnen zur Unterschrift vorlegen.«
Finnewacker räusperte sich.
»Dann möchte ich Ihnen alles von meiner Sicht aus erzählen, Sir. Und ich schwöre Ihnen bei allem, was mir heilig ist, dass ich die Wahrheit und nichts als die Wahrheit sagen werde. Außerdem gebe ich Ihnen mein Ehrenwort als Soldat, dass ich Sie nicht belüge, Sir!«
Captain Thunder Warwick nickte.
»Gut, Finnewacker. Die Phrasen hätten Sie sich allerdings sparen können, denn darauf lege ich keinen Wert.«
Finnewackers Lippen wurden schmal.
Ihm kam es in diesen Sekunden so vor, als stände er auf verlorenem Posten. Es sah ganz so aus, als wäre der Stab bereits über ihn gebrochen …
***
»Das sind keine Phrasen, Captain!«, polterte der alte Haudegen los. »Ich habe mir in meiner langen Laufbahn als Soldat noch nichts zuschulden kommen lassen. Das haben Sie bestimmt meiner Personalakte entnommen.«
