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Traumberuf? Check. Eigene vier Wände? Check. Traummann gefunden? Check. Alles in Ordnung also? Ähm - wie lautete die Frage? Je länger ein Paar zusammen ist, desto mehr gleicht es sich aneinander an, sagt man. Es heißt auch, dass mehr Harmonie die Folge ist. Bei Holger und Christoph scheint da etwas schiefgelaufen sein. Gut, der Hitzkopf ist ruhiger geworden und der Ruhepol spontaner. Nur das mit der Harmonie klappt nicht mehr so ganz. Irgendwie knarrt es seit einiger Zeit im Getriebe. Die Rückkehr eines Verflossenen der beiden und Holgers Spleen, Problemen mit Vanilleeis zu begegnen, sind keine Hilfe dabei, den Liebeskahn wieder auf Kurs zu bringen. Zudem hat sich Holgers Hund Charly ein paar Unartigkeiten angewöhnt. Rasch ist das Chaos perfekt...
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Seitenzahl: 122
Veröffentlichungsjahr: 2015
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Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Kapitel 12
Kapitel 13
Kapitel 14
Kapitel 15
Kapitel 16
Kapitel 17
Als Jette Lüders und ihr Mann Klaas die Landwirtschaft aufgaben, um nur noch Feriengäste auf ihrem Bauernhof in der Nähe von Burg auf Fehmarn zu beherbergen, wurde das allgemein belächelt. Gewiss, der weltweit bestaunte wirtschaftliche Auftrieb in Deutschland sorgte dafür, dass sich immer mehr Bürger eine Sommerfrische an der See leisten konnten, wenn das Geld schon nicht für das in einem Schlager der Saison so verlockend besungene Rimini reichte.
Entsprechend groß schien der Kuchen im eigenen Land zu sein. Von diesem versprachen politische wie wirtschaftliche Würdenträger der Insel Fehmarn obendrein ein besonders großes Stück, wenn in ein paar Jahren die Fährverbindung von Puttgarden nach Rødby Færge in Dänemark ihren Dienst aufnehmen sollte, die jetzt noch ihren Ausgangspunkt in Großenbrode auf dem Festland hatte.
Doch so richtig konnte sich das alles kaum jemand vorstellen, auch wenn die Bauarbeiten für den neuen Hafen im Norden der Insel und für die Brücke zum Festland im Süden bereits begonnen hatten. Die allgemeine Meinung war, dass die Betten der bestehenden Hotels und Pensionen vollkommen ausreichten und sogar zuviel sein könnten, wenn die bald hereinbrechende Masse an Transitreisenden alte Stammgäste vertrieb, indem sie die bislang herrschende Idylle zerstörte. Bald würden die Alleen und Redder der Insel mit Autos vollgestopft sein, statt der Ostseebrise würde man hauptsächlich Benzin riechen. Vom Qualm, den die Fährschiffe im Hafen und die Dampfloks vor den über die Insel brausenden Fernzügen von und nach Kopenhagen, Stockholm, Hamburg, Paris, Rom oder Hoek van Holland ausstießen und über dem Eiland verteilten, ganz zu schweigen. Die Stimmung war gegen diese "Vogelfluglinie" und ihre Begleiterscheinungen - oder zumindest von großen Zweifeln durchsetzt.
Und überhaupt: Ferien auf dem Bauernhof! Das erschien vielen als eine vorübergehende Mode, die vor kurzem durch eine Reihe von Heimatfilmen mit Heidi Brühl befeuert worden war und in nicht allzu ferner Zeit wieder verglühen würde. Man prophezeite die baldige Pleite.
Mehr als fünf Jahrzehnte später hatte der Dünenhof alle Kassandrarufe mehrfach widerlegt und das Geschäft war von der inzwischen verwitweten Jette Lüders an die nächste Generation übergeben worden. Genauer gesagt, an die übernächste, denn ihr Enkel Holger Clausen war nun der Herr im Haus.
An diesem Morgen stand Holger vor einem gut gefüllten Tisch und musterte eingehend die Schüsseln mit Würstchen, Schaschlikspießen und marinierten Steaks, die vier langen Baguettes und die große Schüssel mit selbst angerührter Kräuterbutter. "Wir haben viel zu wenig zu essen."
"Du spinnst", erwiderte Christoph Collingsen, denn auch er hatte die Schüsseln genau unter die Lupe genommen. "Meine Mutter sagt immer: 'Acht waren geplant, zwölf sind gekommen. Kipp Wasser in die Suppe, sag zu allen 'Könnt reinkommen!'... oder so ähnlich."
"Deine Mutter ist eine weise Frau."
"Für gewöhnlich macht man das aber erst, wenn tatsächlich mehr Gäste auftauchen als eingeladen sind. Warum du das immer schon vorher machst, wird mir auf ewig ein Rätsel bleiben. Wir sind heute Abend zu viert. Das da reicht locker für zehn. Zumal Kerstin noch Salate mitbringen wird."
"Das macht man auf dem Land nun mal so." Damit war für Holger alles gesagt. Dabei wohnte er noch gar nicht so wirklich lange auf dem Land. Im Grunde war er ein Stadtkind, trotzdem kannte er sich aus, denn er hatte seine Großmutter Jette unzählige Male auf dem Hof besucht, als Gymnasiast hatte er hier sämtliche Ferien verbracht und sich mit tatkräftiger Hilfe im Betrieb sein Taschengeld aufgebessert.
Bis zum Ende des vorvorletzten Jahres hatte Holger in Hamburg bei einer großen Spedition gearbeitet. Dann hatte Großmutter Jette, familienintern nur als die göttliche Jette bekannt, den Entschluss gefasst, ihrem Enkel sein Erbe schon zu Lebzeiten anzubieten, denn "ich gebe lieber was mit der warmen Hand ab als mit der kalten." Holger hatte nach einigem Überlegen angenommen, zumal er von seinem alten Job die Nase gestrichen voll gehabt hatte. Seitdem hatte der Dünenhof einen neuen Herrn. Oder besser zwei, denn Holgers Hund Charly hielt sich für mindestens ebenso verantwortlich, dass alles seinen rechten Gang nahm.
Christoph war regelmäßiger Gast hier. Sich anmelden oder gar eine der Ferienwohnungen mieten musste er dafür nicht. Er schlief in dem etwas abseits stehenden alten Knechtshaus, in dem Holger wohnte. Er schlief sogar mit Holger in einem Bett, nachdem sie lange gebraucht hatten zu erkennen, dass sie mehr als nur gute Freunde waren. Weil Christoph jedoch einen gutgehenden Laden für neue und antiquarische Bücher in Hamburg besaß, kam er nur an den Wochenenden auf die Insel. Das Arrangement klappte bestens; mittlerweile standen sie kurz vor ihrem zweiten Jahrestag.
Der Dünenhof hatte früher zu den fünf größten landwirtschaftlichen Gütern auf der Insel gehört. Einige Gebäude waren über die Jahre hinweg abgetragen worden, besonders nach dem Krieg, als es kein Baumaterial gab und Schäden mit Teilen anderer Gebäude ausgebessert werden mussten. Trotzdem war immer noch ein recht großes Anwesen übrig geblieben. Seit dem letzten Jahr gab es sogar Platz für einen Indoor-Spielplatz. Familie Köster, die zuvor eine der Scheunen als Lager und Reparaturwerkstatt für ihre Strandkorbvermietung gepachtet hatte, war auf einen eigenen Hof bei Meeschendorf gezogen.
Im Moment war der Hof komplett ausgebucht, die Sommersaison in vollem Gange. Heute Vormittag würden vier der sechs Apartments frei werden, um gleich am selben Nachmittag neue Gäste aufzunehmen. Ganz normales Geschehen für einen Sonnabend im Juli.
Auf dem Nachbarhof der Familie Jespersen ging es ruhiger zu. Von den vorhandenen acht Ferienwohnungen wurden in diesem Sommer nur vier vermietet. Jörn Jespersen hatte um Ostern herum einigen Stress mit der Gesundheit gehabt, worauf seine Frau Kerstin ein Machtwort gesprochen und dafür gesorgt hatte, dass er eine Kur bekam. Am Montag sollte es losgehen. Für den Abend hatten Holger und Christoph die beiden zu einem Abschiedsgrillen eingeladen.
Bis dahin war noch einiges zu tun. Holger und Christoph ließen das Grillfleisch im kleinen Kühlhaus der Wirtschaftsküche zurück. Diese war ein Relikt der Zeit, als es auf dem Hof noch Viehwirtschaft mit zugehörigen Schlachttagen gegeben hatte. Die göttliche Jette hatte sie bewusst erhalten. Sie hatte als eine der ersten auf der Insel erkannt, dass Badegäste sich irgendwann nicht mehr nur mit der Natur, dem Ostseeklima und Badetagen am Strand zufrieden geben würden. Sie wollten mehr erleben. Folglich hatte Jette auf dem Hof Saisonfeste - heute sagte man Themenparties - zu Anlässen wie Rapsblüte, Mittsommer und Kartoffelernte ins Leben gerufen, bei denen natürlich auch Essen serviert werden musste. Hausgemachtes, wohlgemerkt. So gab es Rustikales aus dem Schmortopf, vom Grill und aus der Fritteuse, Menüs mit Fisch frisch vom Kutter oder holsteinische Landküche. Serviert wurde nach Wetterlage mal draußen, mal drinnen in einem der noch übrig gebliebenen Wirtschaftsgebäude.
Holger hatte die Tradition übernommen, allein schon, damit die göttliche Jette weiterhin etwas zu püttschern hatte. Jette Lüders und ein ruhiges Altenteilerleben waren nicht wirklich für einander bestimmt. Auch an Tagen wie heute, wenn in mehreren Apartments gleichzeitig der "große Wachwechsel" anstand, fuhr sie mit dem Fahrrad die zehn Kilometer von ihrem als Ruhesitz gedachten Häuschen bei Dänschendorf auf den Dünenhof und half beim Putzen. Die neuen Gäste sollten schließlich alles sauber vorfinden.
Jette wartete bereits, als Holger und Christoph zum Knechtshaus zurückkehrten. "Wo habt ihr euch so lange rumgetrieben?"
"Oma, es ist kurz nach acht", erwiderte Holger. "Bis auf die Stenzengrubers, die wie immer schon um fünf gen München aufgebrochen sind, haben die anderen noch nicht ausgecheckt. Ist ja noch bis zehn Uhr Zeit. Geh du mit Christoph einen Kaffee trinken, ich bringe dem Witwenclub das Frühstück."
Der Witwenclub bestand aus vier älteren Damen aus dem Ruhrgebiet, die sich jedes Jahr eine mehrwöchige Auszeit von ihren Pflichten als Hausfrau, Oma, Chorschwester und Kassiererin im Kegelverein nahmen. Abwechselnd ging es an den Bodensee und nach Fehmarn, in diesem Jahr war wieder einmal die Insel am Sund dran. Zuerst war der Witwenclub überrascht gewesen, frischen Wind auf dem Dünenhof zu erleben, doch jetzt waren sie begeistert von "diesem flotten jungen Mann."
Holger stellte wie jeden Morgen einen gut gefüllten Korb für ein ländliches Schlemmerfrühstück zusammen und brachte ihn zu Apartment eins. Schon als er sich dem Hintereingang näherte, hörte er die Frauen durch die offene Terrassentür schnattern: "Die modernen Schlüpfer, die die Kruse bei mir nebenan neulich im Wäschekorb hatte, konnten aber nicht die von ihrem Kerl sein. Der trägt doch nur Feinripp weiß. Ob die wieder was nebenbei laufen hat?"
"Die könnten auch von dem Sohn sein - der ist doch so tragisch veranlagt. Du weißt schon, Schätzeken."
Holger mochte diese boshaften alten Schachteln, weil sie sich so gar keine Mühe machten, leise und dezent zu sein. Sie posaunten alles in die Welt hinaus, was ihnen gerade in den Kopf kam.
"Sagen Se mal", sprach eine der vier ihn an, als Holger den Korb unter vielstimmigen Ausrufen größten Entzückens abgestellt hatte. "Sind die Eier auch wirklich frisch?"
"Aber natürlich doch, Frau Hielscher. Die Henne hat das freudige Ereignis heute um vier Uhr früh sofort nach dem Legen getwittert." Holger zwinkerte ihr zu.
"Wat hattie?"
"Lass ma, Gisela", schaltete sich die einzige der Damen ein, die ihr Haar gefärbt hatte, leider in einem höchst unvorteilhaften Rot, das die Frisur wie eine Plastikperücke für den Karneval wirken ließ. "Dat kennze nich, dat hat wat mit Computern zu tun."
"Wie ham Se dat genannt?" fragte Gisela Hielscher noch einmal.
"Twittern", antwortete Holger. "Heißt soviel wie zwitschern."
"Wat hat dat mit Vögeln zu tun?" wunderte sich Gisela.
"Mäusken, wenn de dat mit dreiensippzich immer noch nich weiß, dann lernze dat gezz auch nich mehr."
"Aber, aber... Frau Schmidt", sagte Holger scheinbar verlegen.
"Ach, Junge, ich glaube, du kannz dat vertragen."
Unter johlendem Gelächter machte sich Holger vom Acker. Im Fortgehen hörte er noch, wie eine der Damen schmachtete: "Für den wäre ich gerne nochmal fünfzig Jahre jünger."
Wieder hatte die Rothaarige das letzte Wort. "Dann hättste bei dem auch keine Schangse, Renate. Dat is genau so'n tragisch Veranlagter wie der Sohn vonne Kruse."
"Warum können wir nicht mal wieder so unkomplizierte Gäste haben?" seufzte Jörn Jespersen am Abend beim Grillen, nachdem Holger dieses Bonmot zum Besten gegeben hatte. "Mir scheint, in letzter Zeit bekommen wir immer nur solche, nach denen irgendetwas repariert, renoviert oder ausgetauscht werden muss. Nichts als Chaoten in den letzten Monaten."
Kerstin tätschelte seinen Arm. "Denk einfach die nächsten acht Wochen nicht dran. Genieße deine Auszeit. Danach kommt alles wieder besser." Sie wandte sich an Holger. "Kann ich dir denn wirklich zumuten, mich bei uns drüben zu vertreten, wenn ich Jörn an den Wochenenden in Bad Zwischenahn besuche?"
Holger verdrehte die Augen. "Och, Kerstin... Das haben doch oft genug besprochen."
"Auch am Mittwoch, wenn ich Jörn wegbringe?"
"Auch am Mittwoch, wenn du Jörn wegbringst. Mach dir keine Sorgen. Wenn's mal hektisch wird, kann Christoph mir immer noch helfen."
"Hm-hm", machte Christoph verneinend und schluckte einen Bissen Kotelett hinunter. "Für den Mittwoch brauchst du mich nicht einplanen. Da kann ich nicht. Die Interessengruppe der Einzelhändler in unserem Quartier trifft sich mal wieder."
Holger drehte sich überrascht zu ihm um. "Ach, schön, dass ich das auch mal erfahre."
"Sorry. Ist mir durchgegangen." Christoph grinste verlegen.
"Ihr trefft euch in letzter Zeit ziemlich oft. Letzten Sonnabend, als ich mich nach dem Termin bei dem Grafiker für meinen neuen Hausprospekt mit dir in Lübeck treffen wollte, hast du mich genauso versetzt wie bei dem Orgelkonzert hier in St. Nikolai eine Woche vorher und beim Abschlusskonzert vom Elb Jazz Festival. Was beschnackt ihr da bloß so Dringendes?"
Christoph zuckte mit den Achseln. "Nachbarschaftsfeste, verkaufsoffene Sonntage, gemeinsame Werbeauftritte - alles, was halt so anfällt. Aber du hast schon recht, in diesem Jahr drubbelt es sich etwas."
"Etwas? Manchmal habe ich das Gefühl, dass die Eröffnungstermine für den neuen Berliner Flughafen realistischer sind als unsere Verabredungen."
"Du brauchst gar nicht so zu sticheln - ich hab's doch immer wieder gut gemacht. Die Minikreuzfahrt nach Oslo, das Konzert von Tom Petty in der Arena, die Mitfahrt in der Auslaufparade bei der Kieler Woche. Alles schon vergessen?"
"Darüber sprechen wir noch." Und zu Kerstin gewandt: "Mach dir keine Sorgen - ich krieg' das schon hin."
"Kinder, ist doch überhaupt kein Problem", schaltete sich die göttliche Jette ein. "Ich bin ja auch noch da."
Holger setzte den Blinker, um von der A1 auf die A24 zu wechseln. Fünf Minuten später verließ er im Horner Kreisel die Autobahn und fuhr in seinem schwarzen Volvo über die Wandsbeker Chaussee in Richtung Centrum.
Für gewöhnlich fand Holger keinen Grund zur Klage, was die Versorgung auf der Insel mit allem Lebenswichtigen, insbesondere der Medizin betraf. Doch bei Zahnarztbesuchen ging für ihn nichts über Dr. Fiesebarg am Gänsemarkt, bei dem er schon seit fünfzehn Jahren Patient war. Als er in den frühen Morgenstunden des Donnerstag mit einem fiesen Schmerz im Unterkiefer wachgeworden war, hatte sofort festgestanden, dass nichts an einem Tagesausflug nach Hamburg vorbeiführte. Die göttliche Jette hatte ohne Umschweife ihre Vertreterdienste zugesagt, als Holger sie gleich nach dem Aufstehen um halb sechs angerufen hatte.
Holger stellte sein Auto in einem Parkhaus ab und ging zur Praxis von Dr. Fiesebarg hinüber. Zwei Stunden und eine neue Füllung später sprintete er zum Jungfernstieg hinüber, um dort in die S-Bahn zu steigen. Zumindest kam es ihm wie ein Sprint vor, doch die Narkose schien seine Wahrnehmung zu beeinträchtigen. Für die wenigen Meter zum Eingang beim Alsterhaus brauchte er fast eine Viertelstunde statt der sonst üblichen fünf Minuten. Dr. Fiesebarg hatte wohl recht gehabt, als er geraten hatte, sich für den Überraschungsbesuch in Christophs Buchhandlung nicht ans Steuer zu setzen.
Als er in Altona aus der S-Bahn stieg, waren seine Sinne wieder klar genug, um aus einer Bäckerei am Bahnhof für Christoph und seine Mitarbeiterin Hanna Franzbrötchen mitzunehmen. Für sich selbst nahm Holger Berliner mit, die konnte er im Moment besser kauen.
Streng genommen lag Christophs Buchhandlung nahe der Holländischen Reihe nicht in Altona, sondern in Ottensen, doch sein exzellent ausgestattetes Antiquariat, das er zusätzlich zum normalen Geschäft führte, hatte sich auch bei auswärtigen Buchliebhabern herumgesprochen, denen Altona geläufiger war. Da Ottensen zum Verwaltungsbezirk Altona gehörte, war die Angabe somit auch nicht ganz falsch.
Auf seinem Weg nahm Holger das bunte Leben des Quartiers um sich wahr. Individuelle Läden dominierten über die Uniformität von Filialkonzernen, eines der Zeichen, mit dem die Ottenser ihren widerständischen Willen unterstrichen, nicht wie etwa Eppendorf von Investoren überrannt zu werden. Behutsam originalgetreu sanierte Häuser wechselten sich mit solchen ab, die derlei noch vor sich hatten. Hier und da ein mehr oder weniger harmonisch eingefügter Neubau.
