Irgendwann erwischt es dich: Du fliegst aus dem »Hotel Mama«. Knallhart siehst du dich plötzlich dem schonungs-losen Alltag ausgesetzt. Waschen, putzen, kochen – was früher im Wunder-Mutterland wie ein weit entfernter Fluch klang, musst du jetzt ganz alleine auf die Reihe krie-gen. Schnellbemerkst du, dass du nicht mal Salzkartoffeln kochen kannst, geschweige denn weißt, wie eine Wasch-maschine funktioniert. Deshalb dauertes nicht lange, bis du zu Hause anrufst, um zu fragen, wie du die rosaUnter-hosen wieder weiß bekommst.Zwei Junggesellen, die diese schwere Schule durchlitten haben, helfen mit wertvollen Tipps und Tricks, dem jewei-ligen Stadium des Junggesellendaseins entsprechend, die erste Zeitim K(r)ampf mit den alltäglichen Tätigkeiten zu meistern. Alle Tipps sind garantiert alltagserprobt – und nach intensiver Lektüre ist der Anruf bei »Mutti« bald überflüssig …
Bernhard Finkbeinerwurde am 8. Januar 1983 in Ludwigs-burg geboren. Nach vier Jahren Studium der Medieninfor-matik ander UniversitätUlm und zwei Jahren Studium der Informatik an der SimonFraser University in Vancouver, lebte er von2007 bis 2013 in Vancouver, bevor er wieder nach Deutschland zurückkehrte. Er betreibt heute nach wie vor das Haushaltsportal www.frag-mutti.de sowie seit2011 das Onlineberatungsportal www.yourxpert.deHans-Jörg Breklewurde am 17.Mai 1976in Stuttgart ge-boren und lebt heute mit seiner Frau und seinen zwei Kin-dern in Benningen am Neckar.Der gelernte Zimmermann, Sozialpädagoge und Master der Organisationsentwick-lung arbeitet in einem Wohnheim für Menschen mit psy-chischer Erkrankung und einer Suchtmittelerkrankung auf der Karlshöhe Ludwigsburg.Weitere Informationen, finden Sie auf www.fischerverlage.de
Bernhard FinkbeinerHans-Jörg BrekleFrag MuttiDAS Handbuch nicht nurfür JunggesellenFISCHER Taschenbuch
Erschienen bei Fischer E-BooksIllustrationen: Sebastian SteitzCoverabbildung: Microzoa / Getty ImagesCovergestaltung: Hauptmann & Kompanie Werbeagentur, Zürich© 2006 S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt am Main 2008Satz: Pinkuin Satz und Datentechnik, Berlin 978-3-10-490987-5Abhängigvom eingesetzten Lesegerät kann es zu unterschiedlichen Darstellungen des vom Verlag freigegebenen Textes kommen.Dieses E-Book ist urheberrechtlich geschützt.
7Brauche ich dieses Buch?A. Deine Freundin hat gerade ein Glas Rotwein über deinen neuen Flokati gekippt. Was machst du?Du holst die Fleckenschere.(1 Punkt)Du färbst den Teppich rot ein. (1 Punkt)Du wickelst die Freundin in den Flokati und versteigerst sie bei eBay. (1 Punkt)B. Du wäschst deine weiße Wäsche und merkst in der Häle des Waschgangs, dass alles so schön rosaist. Deine Lösung des Problems?Du stellst die Waschmaschine auf schwarz-weiß um. (1 Punkt)Du gründest die RSV (Rosa Socken Vereinigung). Du glaubst gar nicht, wie viele Anhänger sie in wenigen Wochen haben wird. (1 Punkt)Du verzichtest in Zukun auf Unterwäsche. (1 Punkt)C. Du hast großspurig Freunde zumEssen einge-laden, nun kannst du fast dieWohnungseingangs-tür nichtmehr finden, um ihnen zu öffnen, weil dir gerade der Versuch geglückt ist, aus einem Schweine-braten Kohle zu machen. Wie rettest du dich?
8Du gibst das Ganze als Eventgastronomie aus. (1 Punkt)Du sagst, dass du heute nicht da bist. (1 Punkt)Du holst deinen Grill aus dem Keller, Kohle hast du ja. (1 Punkt)D. Du stehst am Supermarkt und hast keinen Euro für den Einkaufswagen. Wie verhältst du dich?Du knackst einen Wagen mit deiner Eurocheck-karte und verscherbelst ihn später wieder gegen einen Euro! (1 Punkt)Du lernst Jonglieren. (1 Punkt)Du zerrst ein kleines Monster aus einem dieser bunten Einkaufsautos und hast überall freie Fahrt. (1 Punkt)1 Punkt und mehrBist du in anderen Dingen besser? Sowie es aussieht, bist du der absolute Haushaltsidiot. Willst du alleine überleben? Dann brauchst du dringend dieses Buch. UNBEDINGT!
9IntroGescha! Mein neues Leben beginnt. Stolz lächelt mich mein Spiegelbild im ICE-Fenster an. Wie sou-verän ich klargemacht habe, dass nur ich der Richtige für diesen Job bin. Sie haben gar keine andere Wahl. Sie werden mich einstellen müssen. Dann ist es so weit: von zu Hause ausziehen, eine eigene Wohnung besitzen, viele tolle Frauen einladen und endlich ein Leben führen, in dem ich der Boss bin. Ich, INGO, frisch gekürter Sozialversicherungsfachangestellter, bin fest entschlossen, das durchzuziehen.Die vielen Nesthocker in meinem Bekannten-kreis kann ich nicht verstehen. Sind die denn total bescheuert? Für eine warme Mahlzeit oder frische Hemden opfern sie ihre Freiheit. Geben sich zufrie-den mit einem separaten Wohnungseingang oder ei-nem eigenen Klo.Zugegeben, mein Zimmer bei mei-nen Eltern in Ludwigsburg ist auch nicht schlecht. Unterm Dach mit freiem Blick in den Himmel, doch auf dem Weg dorthin kommt man dummerweise direkt am Schlafzimmer meiner Elternvorbei. Was das bedeutet, kann man sich leicht ausmalen. Zumal meine Mutter nur bei geöffneter Tür schlafen kann.
10Es ist einfach oberpeinlich, die Angebetete am Bett der Eltern vorbeischleusen zu müssen. Welche Libido hältdiesem Anblickstand? O bin ich al-lerdings noch nicht indiese Verlegenheit gekom-men. Eigentlich noch nie. Dabei finde ich mich ganz akzeptabel. Ich bin zwar rein körperlich nichtder Größte, aber mir wurde schon öer bekundet, dass ich bei den Mädels gut ankomme. Was ich aber mitSicherheit sagen kann, ist, dass ich im Moment kei-ne Freundinhabe. Meine letzte hatmich nach vier-zehn Tagen verlassen, weil ihr ein anderer über den Weg gelaufen ist, bei dem es »mehr prickelte«. Mr. Brausestäbchen ist inzwischen auch hopp und ex. Doch das ist jetzt alles Schnee von gestern. Ich stehe jetzt vor wahren Herausforderungen. Wenn ich von zu Hause ausgezogen bin, wird die Welt einen ande-ren Ingo kennenlernen! Dank meiner angeborenen Anpassungsfähigkeit und meines hervorragenden Improvisationstalents wird es mir ein Leichtes sein, mich in der neuen Stadt zurechtzufinden, meinen Haushalt zu führen, den Alltag zu meistern, und in-nerhalb kürzester Zeit werde ich mitselbst kreierten kulinarischen Spezialitäten die Frauen verführen und dann in mein eigenes Schlafgemach entführen. Auf dem Weg ins Dorado des Junggesellendaseins habe ich heute souverän die erste Hürdegenom-men.
11Hallo, Ingo,auch wir, die Autoren dieses Buches, glaubten nach dem Auszug von zu Hause, uns liege die Welt zu Füßen. Nach kurzer Zeit stellten wir jedoch fest, dass uns noch nicht einmal die Waschmaschine folgt und unsere Kochkünste schon bei der Zubereitung von Salzkartoffeln schlappmachten. (Weißt du, wie man sie kocht?) Irgendwann haben wir dann kapituliert: Hans-Jörg rief seine Mutter an, die ihm erklärte, wie man rosa Socken wieder weiß bekommt und Salzkar-toffeln nicht matschig werden. Das war unser Schlüs-selerlebnis. Seither wissen wir: Der Anruf bei Mutti ist für junge Menschen, die flügge geworden sind, über-lebenswichtig! Für alle, denen eine Standleitung nach Hause zu teuer oder zu peinlich ist oder deren Mütter wenig auskunftsfreudig sind, haben wir dieses Buch geschrieben. Alle Tipps sind garantiert alltagstaug-lich, manche vielleicht nicht ganz so ernst zu nehmen, aber auf jeden Fall von uns oder einer Jury aus vielen Schicksalsgenossen und -genossinnen erprobt.Nach der Lektüre bist du der perfekte Gastgeber und schmeißt die coolsten Partys. VERSPROCHEN!DeinBernhard und Hans-Jörg
12PS: Wenn du das Buch liest, wirst du ab und zu auf »Komplettlösungen« und »Cheats« stoßen. Komplettlösungen liefern dir, wie der Name schon vermuten lässt, eine fertige Lösung für ein Problem. Also: Wie kommst du von A nach B (z. B. zu einem weichgekochten Frühstücksei oder zu einem gebügelten Hemd).Cheats hingegen sind kleine, aber unheimlich wirk-same Tricks gegen die hinterhältigen Krankheiten im Haushalt (cheat heißt schummeln). Mit wenig Auf-wand und einer pfiffigen Idee lassen sich viele kleine Problemchen im Haushalt bewerkstelligen, z. B. wie man Flecken wieder aus einem heißgeliebten T-Shirt rausbekommt.An manchen Stellen wird dir Hilde begegnen. Hilde ist unser Maskottchen auf unserer Website www.frag-mutti.de. Die Tipps, die sie dir gibt, sind von einer Jury, unserer Internetgemeinde, geprüft und mit Hil-depunkten ausgestattet. Ein Punkt bedeutet: »Hände weg, nur was für Esoteriker«, fünf Punkte hingegen sind der absolute Knaller. Trotz sorgfältigster Prüfung können wir natürlich nicht für jeden Tipp die Hand ins Feuer legen. Wenn ihr also Kritik, Anregungen oder selbst einen Tipp habt, könnt ihr uns über www.frag-mutti.de kontaktieren.
13FreiflugFreitag, 17:00 UhrYeah! Morgen gehe ichauf Wohnungssuche. Undich habs im Blut. Die Vermieterinnen werden vor mei-nem Junggesellencharme in die Knie gehen. Über-flüssig zu erwähnen: Ich bekommedie Stelle bei der Krankenkasse in Ulm. Leichte Zweifel trübten schonmeine Stimmung. Am meisten nervte mich meine Familie. Schlimmer als die mitleidigen Blicke mei-ner Mutter war die offen zur Schau gestellte Hämemeiner Schwester. Früher klärte meine körperliche Überlegenheitsolche Dinge. Heute verhindern ihre zum Teil um zwei Köpfe größeren Verehrer eine solch schnelle Lösung.»Weißt du, über was ich mich am meistenfreue?«, habe ich ihr eben im Vorübergehen lässig hingewor-fen. »Niemehr morgensdeine ekligen Haare aus dem Abfluss fummeln zu müssen.«Lieber Ingo,freu dich nicht zu früh: In deinem neuen Leben er-warten dich noch viel größere Herausforderungen als
14Haare im Abfluss, außerdem sind nicht alle Vermieter Frauen.Komplettlösung – WohnungssucheUm eine Wohnung in einer anderen Stadt zu suchen, benötigst du zuerst folgende Dinge:Telefon/E-MailStadtplanFür die persönliche Kontaktaufnahme. Vor allem in größeren Städten ist dieser sehr hilfreich bei der Auswahl der in Frage kommenden Stadtteileund erleichtert die Suche nach der angebotenen Wohnung. (Stadtpläne gibt es auch im Internet: www.stadt-plandienst.de)Zeitung mitWohnungs- anzeigenDas größte Wohnungsangebot für die jeweilige Stadt findet sich in der Regel in den Wochenendausgaben der dort erscheinenden Zeitungen. So gut wie jede größere Zeitung präsentiert ihren Anzeigenmarkt auch auf ihrer Internetseite.Internet- anschlussIm Internet kann gezielt nach der Traumwohnung recherchiert werden, z. B. auf www.immobilien scout24.de, www.studenten-wg.de oder www.wg-gesucht.de
151:30 UhrHilfe! Seit drei Stunden quäle ich mich am Compu-ter.Angebot groß, aber chaotisch. Meine Schwester und neuer Typ nerven von nebenan.Lieber Ingo!Mach die Musik lauter, und überlege dir Folgendes, bevor du ins Netz gehst:1. Wie viel Miete willst/kannst du zahlen?2. Wosoll die Wohnung liegen? (Wie kommst du von dort zum Arbeitsplatz/zur Uni?)3. Wie soll die Wohnung ausgestattet sein? (Wie viele Zimmer, Balkon, Parkplatz etc.?)Ein Tipp noch: Auch wenn es dein Selbstbewusstsein etwas ankratzt: Es ist immer geschickt, die Mutter/den Vater mit zu einem Besichtigungstermin zu neh-men, das vermittelt dem Vermieter Vertrauen und Liquidität. Vorsicht: Bei einem WG-Platz wäre eine solche Begleitung aber eher kontraproduktiv.SonntagnachmittagIch liege auf meinem Bett und nehme Abschied. Ineinem Anflug vonSentimentalität habeich die Ü-Ei- Sammlung meiner Schwester geschenkt. Samstag
16letzter Woche bin ich mit meinem Vater nach Ulm gefahren. Drei Wohnungen standen auf dem Pro-gramm. Die zweite war ein Traum. Zwei Zimmer, eins kleiner, aber beide hell – ich wusste sofort,wie ich sie einrichten werde. Die Küche ist zwar eng, hat aberdafür einen kleinen Balkon. Das Bad mit Dusche ist nicht gerade eine Wellnessoase, aber fürs Erste ganz akzeptabel. Da die Wohnung nicht weit von meinem neuenArbeitsplatz liegt, wardie Sache gebongt. »Alles klar, dann schickeich Ihnen den Mietvertrag in den nächsten Tagen mit der Post«, sagte die Vermieterin zu meinem Vater,und für einen Moment fragte ich mich, wer denn nun hier einziehen soll. Aberwas solls: Morgen ist dieSchlüs-selübergabe, den Mietvertrag soll ich unterschrieben mitbringen.Der MietvertragEin Mietvertrag regelt eine ganze Menge. Deshalb solltestdu ihn unbedingt sorgfältig durchlesen undauf ein paar Dinge achten, bevor du unterschreibst. Die Kaution zum Beispiel. Diesemuss nur gezahlt werden, wennsie im Mietvertrag vereinbart wird. Der Gesetzgeber lässt bis zu drei Monatsmieten als Kautionzu, die man in bis zu drei Raten zahlen kann. Bei der Rückerstattung stehen einem die Zinsen, die
17für Spareinlagen mit dreimonatiger Kündigungsfrist üblich sind, zu. Darüberhinaus hast du jederzeitdas Recht, von deinem Vermieter zu erfahren, wie hoch die Zinserlöse sind. Wenn du die Kautionbezahlst, bietet es sich an, das Geld auf einem Sparbuch an-zulegen und es dem Vermieter auszuhändigen.Es lohnt auch, einen Blick aufdas Kleingedruckte im Mietvertrag zu werfen. Wie sieht es mit den Re-gelungen zu Nebenkosten, Schönheitsreparaturen und Instandhaltungen aus? Du musst Reparaturennur übernehmen, wenn das auch im Mietvertragsteht. Wenn dort eine Klausel steht, die festlegt, dass du beim Ein- undAuszug renovieren musst, so ist das ungültig. Gültig ist die Klausel nur, wenn du entweder beim Einzug oderbeim Auszug renovieren musst.Bist du übereinen Makler an die Wohnung geraten, so darf der Makler nur dann Kaution verlangen, wenn er dir zu dem Mietvertrag verholfen hat. Sollteder Makler Eigentümer, Vermieter oder Verwalter sein, so stehtihm keine Kautionzu. Auch wenn du in eine Sozialwohnung ziehst, darf der Makler keine Kautionverlangen.Die Provision der Makler ist ge-setzlich festgeschrieben und darf nicht mehr als das Zweifache der Nettokaltmiete zuzüglich Mehrwert-steuer betragen.Handelt es sich bei deinem Mietvertrag um einen befristeten Vertrag, so muss dieser eine Begründung
18für die Fristenthalten. Es sind vom Gesetzgeber nur drei Gründe erlaubt:erstens, der Vermieter möchte die Wohnung für sich oder nahe Angehörige ver-wenden, zweitens, der Vermieter will die Räume ab-reißen oder grundlegend renovieren oder drittens, er will die Wohnung an Angestellte vermieten.Bei schwierigeren Mietfragen solltest dudich an den Mieterverein – z. B. www.mieterverein.de – oder an einen in Mietfragen spezialisierten Anwalt wenden.Das ÜbergabeprotokollBei der Wohnungsübergabe solltest du unbedingt ein Übergabeprotokoll führen. Darin aufgeführt werden z. B.der Stand der Strom-, Gas- und Wasser-zähler, die Anzahl der übergebenen Schlüssel sowie der Allgemeinzustand der Wohnung und eventuelle Mängel. Das Protokollsollte in zweifacher Ausfer-tigung von Vermieter und Mieter unterschrieben werden. Ein Exemplar bekommt der Vermieter, das andere ist für deine Unterlagen bestimmt. Nur so kann beim Auszug objektiv entschieden werden, ob ein Schaden während deiner Zeit entstandenist oder schon vorher bestanden hat.
19Montag, 11:00 UhrMeine neueFreiheit ist 45 qm groß undmüffelt noch etwas. Klar, die Wände benötigen einen neuen An-strich und geputzt werden muss unbedingt auch. Abermit einem Kasten Bier als Köder dauertees kei-ne drei Sekunden, meine Freunde Lars und Benja-min zu überreden, die Seminare an der Uniausfallen zu lassen und ihrem alten Kumpel zu Hilfe zu eilen.Super, Ingo! Du willst deine Wohnung auf Vorder-mann bringen. Das ist eine phantastische Idee, aber besorge dir unbedingt genügend Abdeckfolie und Zeitungspapier, damit du die Wohnung vor dem Strei-chen damit abdecken kannst. Ansonsten bist du nachdem Streichen zwei Tage lang mit Putzen beschäftigt. Denk an die Musik, sonst wird euch schnell langweilig beim Streichen. Weiterhin sinnvoll ist eine Leiter und ein Teleskopstab für die Farbrollen. Dann wird die Decke auch bei mangelnder Körpergröße weiß.BevorLars und Beni kommen, gehts also noch zum Baumarkt. Vorher muss ich mir allerdings etwas für die Wände einfallen lassen. Der Vormieter hatte wohl eine Gemäldegalerie, sie sind durchlöchert wie Schweizer Käse.
20Wandlöcher stopfen11122Wenn du hässliche Löcher in der Wand hast: einfach Papier taschentücher in die Wand klopfen. Auf diese Weise kannst du Löcher von Nägeln und Dü-beln so gut wie unsichtbar machen. Du schnappst dir ein kleines Stück Papiertaschentuch und zwirbelst es kegelförmig zu einer Spitze, die so dick wie das Loch sein sollte. Dann ins Loch stecken, 2–4 mm Überstand lassen und den Rest abreißen. Danach klopfst du das Teil noch mit einem Hammer platt.Was meint die Jury?: Habs gerade probiert – das gibts ja nicht! –, es funk-tioniert echt!: Ist sogar besser als Zahnpasta. Die dellt nämlich ein, wenn sie trocknet und wird mit der Zeit gelb – der Schrecken aller Maler.: Noch einfacher geht es mit Watte, sieht auch mehr nach Raufasertapete aus.: Ich habs auch ausprobiert, allerdings bei roter Tapete, und das sieht nicht so toll aus!: Wenn man die Taschentücher nass macht, klappts noch besser ;-): Ihr wollt mir jetzt nicht im Ernst erzählen, dass ihr mal eben alle ein Taschentuch in die Wand genagelt habt, oder?
21: aufdembodenliegundkrummlach: Das ist endlich mal eine praktische Lösung. Wenn ich mir die Nase putzen muss und gerade kein Taschen-tuch zur Hand habe, ziehe ich es einfach wieder aus der Wand. Das dürfte vor allem bei kleinen Kindern Eindruck machen; die glauben nämlich, dass ich zaubern kann.: Funktioniert erst mal, doch wenn dann neu gemalert wird, erkennt man sofort, dass das Loch unsauber ist. Und es erfordert Augenmaß, gerade die richtige Taschentuchgröße zu finden.: Bei mir sah es aus wie »ein Taschentuch steckt in der Wand«. Habe mir jetzt Moltofill geholt!17:30 UhrLars und Benjamin kamen vor einer Stunde. Zuerst wollten sie natürlich auf die geilste Single-Wohnung der Stadtanstoßen.Lars meinte dann, er hätte eine Farballergie, und zog sichgleich zum Putzen insKlo zurück. Nun kommter nur zum Bierholen raus. Beni raucht noch eine und genießt die Aussicht vonmeinem Balkon.
2220:00 UhrGescha. Die Wohnung ist weiß und nichtnur die, wir auch. Das heißt eigentlich nur Beni und ich, von Lars habe ich seit einer Weile nichts mehr gehört. Beni findet, wir sollten die Putzereiauf morgen ver-legen und zum gemütlichen Teil des Tages überge-hen. Er holt gerade mit meinem letzten Geld noch einen Kasten Bier.22:30 UhrBeni ist bislang nochnicht zurückgekehrt,Lars wahr-scheinlich auf dem Klo eingeschlafen. Ich kann die Tür nicht mehröffnen, höre aber sein Schnarchen. Die Wohnung ist kalt und dunkel (habe vollkommen vergessen, Lampen mitzubringen). So bleibtmir nichts anderes übrig, als irgendwie zu versuchen ein-zuschlafen, bevor ich aufs Klo muss.Das-erste-Nacht-in-der-eigenen-Wohnung-Survival-KitLampe/Glüh birnenWenn du nicht im Dunkeln sitzen willst und Strom bereits vor-handen ist.
23Teelichter/KerzenFalls noch kein Strom vorhanden sein sollte, sorgen Kerzen für eine gemütliche Stimmung. Für Unromantiker tuts auch eine Taschen- oder Campinglampe.Eine Rolle ToilettenpapierWird gerne vergessen, kann abersehr dringend werden.Reinigungs- utensilienEs gibt immer was zu putzen: Lappen, Spülmittel, Putzeimer und Küchentücher dürfen auf keinen Fall fehlen.Etwas zu essen und zu trinkenHebt die Moral der Putztruppe.Papier und StiFalls es noch Besorgungen zu erledigen gibtoder Reklamationen für den Vermieter zu notieren sind.Schlafsack und Iso-matte/LumatratzeWenn noch kein funktionstüchti-ges Bett vorhanden ist.Samstag, 14:00 UhrVonder Arbeitsmoral meiner Freunde enttäuscht – ich warte immer noch auf den Kasten Bierund auf
24Beni –, setze ich beim Umzug doch lieber auf Ver-wandtscha.Mein Onkel Norbert hat einen kleinen Sanitärladen, und nachdem ich mir einen endlosen Vortrag über meineuntauglichen Rohreim Bad anhören musste, ist ermit seinem Kleintransporter das zweite Mal nach Hauseunterwegs. Dort helfen meine Elternund meine Schwes ter (!) (erkannte ich doch letztensin jenem nächtlichen Besucher den Freund ihrer besten Freundin) beim Beladen. Hier ist noch Irene, Rudis Frau, die all die Putzver-säumnissevon Beni und Lars doppelt wieder wett-macht.Komplettlösung – UmzugIn den Wochen vor dem UmzugAdressen-änderungTeile rechtzeitig Versicherungen, Bau-sparkassen, Krankenkassen, Vereinen deine neue Adresse mit. Überprüfe deine Mit-gliedschaen und Abonnements.ArbeitsamtWenn du Bafög und/oder deine Eltern Kindergeld erhalten, solltest du das Arbeits-amt über deinen Umzug informieren.BankFalls deine bisherige Bank nicht in deiner neuen Stadt vertreten ist, ist es sinnvoll, ein neues Girokonto bei einer dortigen Bank zu eröffnen.
25Ein- wohner- meldeamtJe nach Bundesland musst du dich 7 bis 14 Tage nach deinem Umzug beim dortigen Einwohnermeldeamt anmelden. Bringdeine Ausweise und die Abmeldebescheinigung (ggf. deine Kfz-Papiere) mit. (Auf der Website www.meldeaemter.de findest du die Meldestellen größerer deutscher Städte mit ihrem Service.)Helfer/- Innen engagierenSchätze den Arbeitsaufwand beim Umzug so realistisch wie möglich ein, damit die Freiwilligen wissen, was auf sie zukommt.PostEinen Nachsendeaurag stellen, damit kein Liebesbrief verlorengeht.Radio- und Fernsehen anmeldenDu willst doch nicht schwarz sehen, oder? Wenn du Bafög erhältst, kannst du dich von den GEZ-Gebühren freistellen lassen.Strom, Gas, WasserAnmelden, falls es nicht schon der Ver-mieter gemacht hat.Telefon- Internet- AnschlussKommunikationstechnisch sollte in einem Junggesellenhaushalt alles frühzeitig ge-regelt sein, aber daran hast du bestimmt schon gedacht.Umzugs-auto leihen oder mietenEin Transport mit einem geliehenen Um-zugsauto in der passenden Größe kann günstiger und erheblich bequemer sein als zehn Fahrten mit sämtlichen Kleinwagendeiner Freunde.
26Verpacken und Be-schrien von Um-zugsgutWer mit System packt, hat hinterher weni-ger Chaos beim Auspacken. Gegenstände, die in ein Zimmer gehören, kommen in eine gemeinsame mit dem Inhalt beschriete Kiste (z. B. Gläser/Küche).Am Tag vor dem UmzugZimmer in der neuen Wohnung analog zu den Kisten beschrienJe größer die Wohnung, desto arbeitsspa-render ist es, wenn die Helfer die Kartons gleich dahin stellen können, wo sie später ausgepackt werden sollen.Verpfle-gung orga-nisierenFrag Mutti. Die macht sicher ein paar Brötchen.Parkplatz für Um-zugsauto sperrenVor allem in Städten erspart das unnötige Laufarbeit und Ärger mit den Nachbarn.Wenn der Umzug getan ist …Namens-schilder anbringenDamit jeder weiß, wer die Frau/der Herr imHaus ist.NachbarnbegrüßenJetzt ist es leicht, einen guten Eindruck zu machen. Das Wohlwollen deiner Nachbarnbrauchst du für die nächste Party.
27AbendsDer Umzug lief glatt. Innerhalb weniger Stunden hatten wir alles ausgeladen, und die Möbel waren schnell aufgebaut. Gegen halb sechs war es dann so weit, mein Vater klope mir gönnerha auf dieSchultern: »Junge, jetzt wirds ernst«, und fuhr mit Norbert zurück nach Hause. Die Umzugskartons sind auch schon alle ausgeräumt. Nur noch zwei Bü-cherregale an die Wand. Fertig ist das Paradies.Lockere Dübel befestigen11122Wer kennt das nicht: Du willst ein Regal an-bringen, und dafür brauchst du Bohrlöcher, Dübel und Schrauben. Aber beim Bohren merkst du, dass das Loch viel zu groß wird, weil die Wandporös ist oder du dich bei der Größe des Bohrers verschätzt hast. Alles kein Problem: Besorge dir eine Heißklebepistole, und mit der klebst du die Dübel in das Loch. Einfach in das Bohrloch zwei bis drei »Spritzer« drücken und den Dübel hinterher. Hält bombensicher. Wenn du zu viel Kleber in das Bohrloch gepumpt hast, ist das auch kein Beinbruch. Einfach den überstehenden Dübel mit einem Teppichmesser abschneiden. Deine Schraube hält immer noch.
28Was meint die Jury?: Wer keine Heißklebepistole besitzt, kann ersatzweise auch gekochten Reis ins Bohrloch stopfen und an-schließend den Dübel reindrücken. Sollte man aber nur machen, wenn eine Ersatzbohrung nicht möglich ist, weil der Reis ca. zwei Stunden zum Trocknen braucht.: Danke für den Tipp, hält tatsächlich bombenfest.: Es gibt da so Nummern auf den Bohrschrauben, den Dübeln und den Schrauben – ob da ein Zusammen-hang besteht? ;-): Heißklebepistole hab ich nicht – dafür wohne ich in einem Altbau und kenne das Problem nur zu gut. Richtige Bohrergröße nutzt auch nicht immer was. Leider eiert der Bohrer da oft durch ein Gemisch von Stein, Holz und weiß der Himmel was … Da gibts nicht nur große, sondern auch noch schiefe Löcher.: Stimmt genau! Wenn das Bohrloch allerdings ein Fass ohne Boden ist, braucht man evtl. doch Hohlraumdübel.: Falls der Dübel ins Loch passt, aber irgendwie die Schraube zu klein ist (ja, ja, auch das kann vor-kommen), dann einfach ein Streichholz in der Mitte durchbrechen und in den Dübel rein, anschließend Schraube rein, und es hält auch.: Meine Lösung: Spachtelmasse reindrücken, Dübel hinterher, Schraube rein, trocknen lassen, fertig.
29: Der Tipp mit der Heißklebepistole ist nicht schlecht, wenn aber die Wand sandig ist, hält auch kein Kleber. Zweckmäßig wäre es dann, das Bohrloch entweder etwas kleiner zu bohren oder anzunässen, anschließend mit transparentem Silikon ausspritzen. Wenn nichts mehr klebt, Silikon hält alles, Dübel rein und fertig.: Altbaubewohner, für was braucht ihr Dübel im Altbau? Schraube in die Wand gedreht (ohne Bohren und Dübeln), und es hält.: Wieso dübeln? Kleb das Regal doch sofort an!Um MitternachtIch sitze in der Küche und esse die letzten Brote, die meine Mutter heute früh geschmiert hat. Ich fühle mich allein und gleichzeitig so frei wie nie zuvor in meinem Leben. Vondraußen dringt der Lärm der Stadt in meine Wohnung.Gute Nacht, Ingo!
30Level ISparschweinGeh in den Supermarkt und kauf eine Packung Nudeln!Dienstag, 14:00 Uhr Hunger!Lieber Ingo,du machst wahrscheinlich jetzt zwei für dein weiteres Single leben elementare Erfahrungen: Erstens, es ist schlecht, wenn man Hunger hat und niemand hat eingekauft, und zweitens, es gibt niemand außer dir, der für dich einkauft.Du musst also von nun an das Nahrungsmittel-management selbst in die Hand nehmen. Allerdings ist Hunger ein schlechter Einkaufsbegleiter. Du wirst deinen Einkaufswagen mit Dingen füllen, die du nicht brauchst, die zu teuer, ungesund oder kompliziert in der Zubereitung sind. Und auf jeden Fall wirst du von all diesen Dingen viel zu viel kaufen. Also, bezähme deinen Kohldampf und erinnere dich daran, was dir
31deine Mutti früher immer zum Einkaufen mitgegeben hat. Richtig: einen Einkaufszettel, Geld und eine Ta-sche oder einen Korb. Jetzt fragst du dich sicher: War-um? Weil es Sinn macht. Wir erklären es dir.Der Einkaufszettel hilft dir, nichts zu vergessen und auch nur das zu kaufen, was du wirklich brauchst. Für die Zukunft solltest du etwas Beschreibbares an einen zentralen Ort in die Küche hängen (Stift nicht vergessen, am besten anbinden). Immer, wenn dir auffällt, dass etwas zur Neige geht oder unbedingt angeschafft werden muss, kannst du es auf deiner Einkaufsliste ergänzen.Mit einer Tasche oder einem Korb bringst du deine Einkäufe sicher nach Hause. Oder findest du es schick, mit Lidl-, Norma- oder Alditüten durch die Gegend zu rennen, die Geld kosten und irgendwann im Dutzend deine Küche bevölkern. Und: Vergiss die Knete nicht!1 Stunde später, Abteilung »Teigwaren«Hungrig, allein und völlig überfordert stehe ich zwischen den Regalen eines Supermarktes. Er ist bestimmthalb so groß wie Ulm. Natürlich war ich schon o in ähnlichen Läden einkaufen, doch da war immer ein ausgestreckter Finger, der klar den Kurs vorgab: »Hol zweivon der blauen Butter da unten rechts!«, oder ich habe michgleich in den Gangver-
32drückt, woes diese vielen nutzlosen Sonderangebote von der Heckenschere bis zum Bastelkoffer gab. Angst überkam mich als kleiner Junge nur,wenn mich meine Mutter mit »Stell dich schon mal an« an die Kasseschickte. Die Kassiererin vormir rück-te immer näher, und die Schlange hintermir wurde immer länger und drängender. Nur von meiner Mut-ter mit dem Geld war weit und breit nichts zu sehen. Jetzt erfüllt mich eine ähnliche Verzweiflung. Oben an der Decke hängt ein Schild: Nudeln & Co.Aber in den drei Meter hohen Regalen befinden sichnicht nur einfach Nudeln, sondern Spaghetti, Farfalle, Orecchiette, Fettucine, Penne, Lasagne, Cannelloni, Tortellini, Ravioli, Maccaroni, Rigatoni, Tagliatelle. Und die alle in Verpackungsgrößen, von verschiede-nen Herstellern und mit unterschiedlichen Preisen. Nach dem & Co. frage ich erst gar nicht.Hallo, Ingo,aller Anfang ist schwer. Wenn man dir gerade vom Fahrrad die Stützräder abgeschraubt hat, fährst du auch nicht gleich bei der Tour de France mit. Vielleicht gehst du das nächste Mal doch lieber zuerst in einen kleineren Laden. Und trotzdem machst du etwas in-stinktiv richtig: Du greifst nicht gleich nach den erst-besten Nudeln. Das sind nämlich meist die teuersten. Es lohnt sich, die Preise zu vergleichen und auch oben und unten in den Regalen zu schauen. Aber wie ver-
33gleicht man vernünftig Preise, wenn die Packungs-größen unterschiedlich sind? Schau mal genau hin: Auf vielen Preisschildern sind die Kilogrammpreise an-gegeben, die einen genauen Vergleich ermöglichen.An der KasseEinige Kilometer Laufstrecke, etliche Preisvergleiche und eine Genickstarre später schaue ich stolz auf meine Eroberungen. So muss ein Einkaufaussehen! Besonders angetan bin ich von dem vielen Grün. Meine Mutterwäre begeistert, könnte sie all die fri-schen Lebensmittel sehen!Vorsicht, Ingo! Man(n) muss beim Einkaufen nicht nur auf Preise, Mengen und Nutzwert achten, sondern auch darauf, wie lange das Gekaufte eigentlich halt-bar ist. Ein guter Tipp hierzu: V